
Der Kapitalismus ist’s: Diese vorschnelle »Einschätzung« zeigt oft einen eklatanten Mangel an Kenntnis.
Was hat dazu geführt, dass der im Westen so gut verborgen gebliebene Bürgerkrieg im Osten der damaligen Ukraine zu einem heißen Krieg werden konnte? War es die NATO-Osterweiterung? Trifft die Schuld eher die an die Ukraine grenzende Europäische Union? Hatte die Ukraine ein Interesse an der Eskalation? Oder sind diese Einschätzungen Holzwege und Wladimir Putin verfolgt tatsächlich den Plan eines großrussischen Reiches? Je nach politischer Couleur gibt es verschiedene Ansätze – aber alle sind sie grundsätzlich irrelevant, weil sie die Wurzel des Übels in keiner Weise berücksichtigen: den Kapitalismus. Dass es diesen Ukrainekrieg geben kann, hat einzig eine Ursache: Es ist eine Systemfrage.
Nein, das ist nicht meine Ansicht. Ich zitiere nur Argumentationsmuster, die mir in den letzten vier Jahren immer wieder begegnen – meist von Seite Altlinker, was immer diese Kategorisierung heute noch bedeuten mag. Und diese vermeintliche Argumentation, wenn ich es recht durchdenke, hörte oder las ich auch schon weit vor diesem leidvollen Konflikt in Osteuropa. Ja, selbst während der Pandemie, die so hart mit den systemischen Tugenden brach – Wettbewerbsfähigkeit und die Berücksichtigung des Erhalts von Arbeitsplätzen zum Beispiel –, war für manchen ein Ausdruck kapitalistischer Logik, immerhin ließ ein Fleischproduzent doch tatsächlich seine Belegschaft weiterarbeiten. Sollten die Kunden im Lockdown doch Kuchen essen! Davor sprach alles über die Flüchtlinge – die damaligen Linken sahen darin Verwertungslogiken, wie sie nur dem kapitalistischen System eigentümlich seien, schließlich wolle man billige Arbeitskräfte importieren. (Der Ehrlichkeit halber sei erwähnt, dass der Autor dieser Zeilen das damals auch recht häufig betonte.) Die Beispiele lassen sich fast beliebig auswechseln, das Erklärungsmuster aber bleibt: Klima, Umweltverschmutzung, Digitalität und immer wieder Mord und Totschlag – ein Hinweis auf die Natur des Kapitalismus reicht, um jede weitere Analyse im Keim zu ersticken.
Neulinker Kapitalismusfatalismus
Selbst Kriminalität steht in dem Ruch, eine logische Konsequenz systemischen Versagens zu sein. Wäre das anders, gäbe es weder Betrug noch Körperverletzung, keinen Mord und keine Unterdrückung. Es gibt also an und für sich nichts, was in dieser Welt nicht längst falsch läuft, weil der Kapitalismus und seine Logiken sich dessen bemächtigt haben. Ich erinnere mich noch daran, dass ich vor einigen Jahren gelegentlich einen Podcast mit einem in der Szene nicht unbekannten Altlinken aufnahm. Das Vorhaben scheiterte nach einigen Versuchen. Denn mit ihm konnte man einfach kein ergiebiges Gespräch führen, jedes Gesellschaftsthema, das wir anschnitten, brach er recht vulgär auf den Kapitalismus herunter. Und wenn er darauf zu sprechen kam, leuchteten seine Augen, dann war er in seinem Element – und er berief sich auf Karl Marx, Antonio Gramsci und Konsorten und das Gespräch bekam sofort den Charme schlecht durchbluteter Füße. Welches Spartenpublikum hat denn heutzutage noch Lust auf so ein theoretisches Geplauder? Sicher, es gibt eine breite Nostalgiewelle in der Gesellschaft, aber erstaunlicherweise scheint es keine Renaissance irgendwelcher Marx-Exegese-Stuhlkreise zu geben. Früher war halt auch nicht alles gut.
Wenn hier von Altlinken die Rede ist, so ist eigentlich genauer gesagt die Neue Linke damit gemeint. Sie hat – im Gegensatz zu den wirklich alten Linken, den Sozialisten und Kommunisten und auch im Gegensatz zum alten Marx – den Kapitalismus zu einer Teufelserscheinung modifiziert, von der man sich dringend fernhalten sollte, ganz so wie es der Teufel mit dem Weihwasser hält. Marx sah im Kapitalismus noch die notwendige Vorstufe zu einer kapitalistischen Gesellschaft, er verteufelte dieses Produktions- und Akkumulationssystem nicht, sondern verstand sie als geschichtliche Voraussetzung – der Philosoph hatte etwas in diesem für seine Zeit noch relativ neuen Phänomen erkannt, was den Neuen Linken später offenbar entging: Der Kapitalismus schafft Grundlagen, die über ihn selbst hinausweisen. So entwickelt er die Produktivkräfte, steigert den gesellschaftlichen Reichtum, treibt die Arbeitsteilung voran und schafft überhaupt erst die materiellen Voraussetzungen, auf denen eine sozialistische Gesellschaft nach Marx denkbar wäre. Wer den Kapitalismus lediglich als moralisch verwerfliches System betrachtet, übersieht geflissentlich diesen dialektischen Charakter. Für Marx war der Kapitalismus deshalb kein historischer Irrtum, sondern eine notwendige Entwicklungsstufe – obgleich dieser Prozess eigene Widersprüche hervorbringt, die Marx wiederum als mögliche Kräfte der Überwindung des Kapitalismus deutete.
Im Grunde wittere ich hinter dieser eiligen Kapitalismuskritik, die schon um die Ecke biegt, bevor man sich mit einem gesellschaftlichen Phänomen überhaupt inhaltlich auseinandergesetzt hat, einen eklatanten Mangel an Kenntnis. Bevor das Gegenüber merkt, dass der Gesprächspartner zum Beispiel von Geopolitik und deren fast zwangsläufigen, immer auch unappetitlichen Verwerfungen – oder aber der Fußballweltmeisterschaft oder ganz profan von ökonomischen Abläufen – wenig Ahnung hat, verlagert man den Themenschwerpunkt und kommt lieber vom Tausendsten ins Hundertste. Vielleicht muss man diese Form alt- beziehungsweise neulinken Kapitalismusfatalismus‘ als gewiefte Taktik begreifen, das eigene Gesicht, die eigene Intellektualität, auf die man so mächtig stolz ist, durch Themenverlagerung zu bewahren.
Vor dem Kapitalismus lag das Paradies?
Es ist schon erstaunlich, mit welcher Hartnäckigkeit in diesem Milieu die vielen Grausamkeiten dieser Welt durch den kurzen Satz »Der Kapitalismus ist schuld« abgetan werden. Erwiesenermaßen bringt die kapitalistische Wirklichkeit auch Armut hervor und sie bedeutet längst noch nicht, dass jedes Individuum seine Chance hat, wenn es sie nur ergreift – das ist die Folklore der Marktradikalen und Libertären. Wer den Kapitalismus als »abschließende Analyse« verdammt, tut jedoch mit kalkulierter Ausblendungsbereitschaft so, als habe es Armut vor dem teuflischen Dammbruch dieser Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung gar nicht in diesem Umfang gegeben. Sicher, die Menschen aus der vorkapitalistischen Zeit hatten es durchaus schwer, aber sie ahnten ja auch nicht, dass es dereinst eine Welt geben könnte, in der für sie mehr Annehmlichkeiten herausschauten – insofern waren sie ja wohl, nach Lesart nostalgisch veranlagter Einschätzungen aus dem linken Milieu, glücklicher als der missgünstige homo capitalisticus. Und mehr Gleichheit gab es sicherlich obendrauf. Was aber ist schon bekannt über das Glück jener Jahre? Unhinterfragt fanden sich Eltern damit ab, dass von ihren fünf Kindern nur zwei erwachsen wurden – auf diese Weise drohte zumindest keine Überbevölkerung. Aber richteten sich die Menschen in so einem Umfeld im Glück oder wenigstens in der Zufriedenheit ein? Wie stand es um die psychische Gesundheit derer, die in Zeiten vor dem Kapitalismus darbten? Wir wissen es nicht sicher, denn für Aufzeichnungen fanden die einfachen Leute so gut wie kaum Zeit – wenn sie denn überhaupt schreiben und lesen konnten.
Vertreter der monokausalen Welterklärung von der Teufelei kapitalistischer Produktionsweise arbeitet häufig mit starken Bildern von Gegensätzlichkeit. Die gute alte Zeit davor idealisieren sie zwar nicht explizit, denn so weit ist die Allgemeinbildung dann schon gediehen, dass jeder zumindest erahnen kann, wie schwierig die Zeiten für Otto Normalbauer waren – denn alleine die Ernährungssituation war bis zum Aufkommen industriell – und damit kapitalistisch – produzierter Dünger häufig unsicher. In diesen Zeiten kennzeichnete solche Gesellschaften soziologisch eine sogenannte Alterspyramide – das Idealbild derer, die heute noch erklären wollen, warum die Rente eben nicht sicher sein kann. Denn ein funktionierendes Rentensystem benötige eine solche Altersverteilung, wie sie sich in der Alterspyramide abbildet. Was diese »Experten« nicht kundtun: Klassische Alterspyramiden sind charakteristisch für arme, vorkapitalistische Gesellschaften, dort wo hohe Kindersterblichkeit und Ernährungsengpässe vorherrschen.
In den letzten Jahren – es wurde ja schon angerissen – findet sich unter Anhängern der Neuen Linken, von Frankfurter Schule bis zu den Anarchos, die ziemlich beliebte These, dass der Ukrainekrieg ein kapitalistischer Waffengang sei. Sicher, am Krieg verdienen kapitalistische Unternehmen Milliarden und noch mehr. Und ja, sie beeinflussen Mandatsträger, um das Geschäftsfeld möglichst lange bedienen und sich daran bereichern zu können. Doch schon in vorkapitalistischen Zeiten gab es einen Komplex, der sich gütlich tat am Kriege – ein Blick auf die Aktivitäten der Augsburger Fugger gibt beispielsweise darüber Aufschluss. Selbst der Großkönig Xerxes wurde von persischen Edlen zum Feldzug gegen Athen gedrängt, weil sie sich Profit erhofften. Gab es in Vorzeiten denn keine Kriege? Wahr ist, dass der Kapitalismus kein Deut friedenssicherer ist als alles, was es zuvor gab. Und ja, die Möglichkeiten der Produktion von Waffen und weiterem kriegstauglichen Gerät haben den Krieg sicherlich grausamer und tödlicher werden lassen. Doch den Kapitalismus mal eben nonchalant als ursächlich für die Existenz von Kriegen zu ernennen – das wirft die Frage auf: Warum finden sich vorher nicht viel weniger Kriege in der Geschichte der Menschheit?
Antikapitalismus-Folklore für den vorschnellen Gebrauch
Wer den Kapitalismus zur Voraussetzung des Krieges erklärt, müsste bitte auch erklären können, weshalb die Menschheitsgeschichte vor dem 18. Jahrhundert kaum weniger blutig verlief. Antike Imperien führten Eroberungskriege, mittelalterliche Fürsten stritten um Territorien, Religionen lieferten jahrhundertelang Rechtfertigungen für Massaker. Die Kreuzritter dienten keinem Aktienmarkt, der Dreißigjährige Krieg keinen Hedgefonds – und Dschingis Khan war kein CEO eines aggressiven asiatischen Konzerns mit multinationalen Ambitionen. Menschen fanden schon immer Gründe, einander umzubringen. Mal religiös motiviert, mal dynastisch begründet, später auch im Namen von Nationen oder Ideologien. Der Kapitalismus hat diese Motive weder erfunden noch ersetzt. Das entlastet ihn selbstverständlich nicht von seinen eigenen Verwerfungen. Rüstungsunternehmen verdienen an Kriegen, Staaten verfolgen oft die Interessen reicher Kapitalkonzerne und Ressourcen spielen regelmäßig eine Rolle. Die Situation heute aber lapidar mit der Ursächlichkeit durch den Kapitalismus erklären zu wollen, kann einem ausgewogenen Intellekt nun wirklich nicht zugemutet werden.
Diese Form der allzu tumben Kapitalismusdebatte erfüllt weniger eine erkenntnistheoretische als eine psychologische Funktion. Wer schnell den Kapitalismus auf eine solche Weise ins Spiel bringt, hat einen Schuldigen gefunden, bevor die eigentliche Betrachtung beginnt. Die Welt wird angenehm übersichtlich, eine Weltverschwörung lindert die verwirrende Komplexität globaler Realitäten ab und erlaubt Übersichtlichkeit. Außenpolitik, Kultur, Demographie, Psychologie, Religion oder technische Entwicklungen müssen dann gar nicht mehr ernsthaft als Sujet betrachtet werden. Sie werden stattdessen als lästige Symptome behandelt. Das macht den Kapitalismusbegriff zu einer modernen Chiffre. Er soll alles erklären, hat aber letztlich nicht das Zeug zur überzeugenden Darlegung, weil er beliebig und gleichzeitig generalisierend angewandt wird. Die vermeintliche Diagnose nährt sich aus einem gut einstudierten Glaubenssatz, dem es zudem massiv an Trennschärfe mangelt.
Dennoch bleibt die Kritik am Kapitalismus zweifelsohne notwendig. Jede Wirtschaftsordnung produziert Machtkonzentrationen, Ungleichheiten, Ungerechtigkeiten und Interessen, die kontrolliert und zumindest eingehegt werden müssen. Da ist der Kapitalismus nicht weniger anfällig als der Feudalismus und der Merkantilismus – und übrigens auch als der Sozialismus. Der Kapitalismus ist weder Teufel noch Erlöser. Er ist eine historische Wirtschaftsordnung mit Stärken, Schwächen und Widersprüchen – und sicherlich auch mit Perversionen, aus denen sich mehr denn je Menschen an den Profiten der Realwirtschaft mästen, ohne einen konkreten Nutzen für die Gesellschaft zu haben. Gleichwohl ist das Phänomen komplexer. Der eigentliche Fehler liegt nicht in der Kapitalismuskritik an sich, sondern in der Sehnsucht nach der Monokausalität. Eine Theorie, die jede Antwort bereits kennt, bevor die Frage gestellt wurde, ist keine Analyse mehr. Der Kapitalismus mag vieles erklären. Wer jedoch glaubt, er erkläre alles, der hat schon längst damit aufgehört, die Welt verstehen zu wollen.
Dieser Artikel erschien erstmals unter anderem Titel bei Manova.
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Ohne Kapitalismus wären die meisten Leser und Kommentarschreiber hier schon tot, weil sie irgendwann mal ein Antibiotikum oder eine komplizierte Krankenhausbehandlung brauchten, ohne die es nicht weitergegangen wäre. Mich eingeschlossen.
Also im Moment sorgt der Kapitalismus dafür, dass praktisch gar keine neuen Antibiotika mehr entwickelt werden. Da muss mal wieder der Staat einspringen.
Ansonsten. Hier die Stärken des Gesundheitssystems in Kuba, von KI zusammengefasst:
— Universeller Zugang: Medizinische Versorgung ist für die Bevölkerung grundsätzlich kostenlos.
— Starke Primärversorgung: Kuba setzt seit Jahrzehnten auf Hausärzte und Prävention. Viele Menschen haben einen festen Arzt in ihrer Nachbarschaft, der regelmäßige Vorsorge betreibt.
— Gute Gesundheitsindikatoren: Kuba erreicht trotz begrenzter wirtschaftlicher Ressourcen eine hohe Lebenserwartung (rund auf dem Niveau vieler Industrieländer) und eine niedrige Kindersterblichkeit.
— Hohe Ärztedichte: Kuba bildet viele Ärzte aus und entsendet sie im Rahmen internationaler Programme in andere Länder.
Natürlich hat das Gesundheitssystem von Kuba auch Schwächen, aber die haben fast alle mit der Blockade Kubas durch die USA und Andere zu tun.
Es ist immer wieder erfreulich, dass in diesem Forum der Hang zur Satire und zum Humor recht ausgepägt ist.
In Ihrem Beitrag ist die Satire allerdings gut versteckt, dafür gebührt Ihnen Anerkennung…
Man könnte Sie jetzt an dieser Stelle auf Veröffentlichungen im Rahmen von „Deutsches Ärzteblatt“ hinweisen, ein Magazin, das nicht gerade für übertriebene Kuba-Freundlichkeit hinweisen, in denen über das Gesundheitswesen in Kuba berichtet wird. Aber das wäre bei einem Loriot-Imitat Perlen vor sie Säue geworfen.
Und Ihre Antwort ist schlicht ZYNISCH. So sprechen Pro-Kapitalisten mit gutem Einkommen, denen jede Empathie fehlt.
@Dr. Klöbner: Tja, die Wahrheit ist ein bitterer Trank, wer sie ausspricht, erntet selten Dank.
Dafür aber sinnfreie Kommentare von Ihnen.
@Two Moons Artikel im „Deutsches Ärzteblatt“ vor einigen Jahren bzw. in der „Zeit“ bestätigen Ihre Darstellungen.
„Ohne Kapitalismus wären die meisten Leser und Kommentarschreiber hier schon tot, weil sie irgendwann mal ein Antibiotikum oder eine komplizierte Krankenhausbehandlung brauchten, “
Vollkommen richtig. Ohne Feudalismus keine Kartioffel und ohne Sklaverei keine Baumwolle und Zucker.
Die allermeisten bahnbrechenden Erfindungen kommen doch aus dem universitären Dunstkreis.
Dort herrscht eben gerade keine kapitalistische Verwertungslogik vor.
Kapitalismus liefert den Rahmen für Gier und Geiz, weil es die Konkurrenz fördert und die Kooperation ablehnt.
Kapitalismus ist nicht nur ein Wirtschafts und Finanzsystem, sondern befeuert eine ganze Ideologie zur Ausbeutung Schwächerer.
Kapitalismus lebt vom Wachstum und Profit, den wir uns schon rein ökologisch nicht mehr leisten können.
Kapitalismus wird außerdem in dem Moment zu einem Problem, wenn Leute meinen mit Geld mehr Geld machen zu müssen.
Kapitalismus führt immer zyklisch zu Inflation und Krieg und braucht danach ein Reset um alles wieder auf Null zustellen.
Kapitalismus ist ein Nullsummenspiel, denn, es sind auch immer viele so arm, weil ein paar Leute so Reich sind.
Kapitalismus akkumuliert demzufolge immer das Kapital bei ein paar Wenigen.
„Marx sah im Kapitalismus noch die notwendige Vorstufe zu einer kapitalistischen Gesellschaft“
Da scheint etwas nicht zu stimmen!
Übersicht mit Google KI
Nach der marxistischen Theorie ist der Kapitalismus nicht nur die ökonomische Vorstufe, sondern die notwendige historische Voraussetzung für eine kommunistische Gesellschaft
Ich kann nur dringend davor warnen KI für die Recherche zu benutzen..
Manchmal teste Ich KI (aus beruflichem Interesse) so neulich mal wieder weil Ich etwas für einen Artikel Recherchiert hatte. Im Grunde hatte Ich also schon meine Antworten wollte aber mal zum Test sehen was die KI dazu sagt.
Also fragte Ich die Ki nach einem ganz bestimmten Sachverhalt und bat sie unter anderem einen Artikel als Quelle zu nehmen. Daraufhin erzählte mir die KI im Brustton der Überzeugung völlig falsche Dinge weil der Artikel genau diese Fakten nicht beleuchtet hatte. Danach stellte Ich der KI die gleiche Frage aber mit einem anderen Artikel als Quelle. Und die Ki erzählte mir dann genau das Gegenteil der ersten Antwort aber genauso mit voller Überzeugung..
Hätte Ich nicht von vorneherein selber gesucht und mir ein korrektes Bild gemacht, dann hätte mir die KI eine völlig falsche Antwort gegeben, und das mit voller Überzeugung..
Das bringt mich zu der Ansicht, dass Ki für die Wissensbildung absolut Wertlos, ja sogar kontraproduktiv ist.
Fragen Sie die KI doch mal wie die vormittelaterlichen Dorfgemeinschaften, welche ja grundlegend kommunistisch (oder familiär) organisiert waren, auf diese Antwort passen. Denn damals gab es noch gar keinen Kapitalismus der als Vorstufe hätte dienen können. Wundern Sie sich nicht wenn die KI dann etwas völlig anderes erzählt, das ist kein Fehler sonder per Design..
Mit KI Antworten macht man sich leider oft ziemlich lächerlich, selber studieren macht hingegen schlau..
Mfg Makrovir
Ich war zu faul selbst zu lesen und google mit
„kapital notwendige Vorstufe zu einer kommunistischen Gesellschaft“
in der Erwartung daß das so stimmt.
– danke für dein Beispiel für Ja-Sagerei der geliebten KI !
„Ich kann nur dringend davor warnen KI für die Recherche zu benutzen..“
Der Warnhinweis hätte Sinn, wenn er nicht nur auf Recherche beschränkt gewesen wäre,
So aber degradieren sich (die sich selbst als Sehende/Alternative/Verstehende bezeichnenden) Nutzer freiwillig zu willfährigen Groupies der dank ihrer selbst gut etablierten Denkhilfe.
„…KI im Brustton der Überzeugung völlig falsche Dinge..“
1. ist der Brustton der Überzeugung ein rein menschliches „Argumentieren“, daher NICHT auf KI anwendbar
und
2. ist’s mit Technik wie mit Menschen – auf/für das Falsche konditioniert, wird es definitiv zu einem Boomerang.
(Der Technik ist’s egal; dem Menschen offensichtlich auch.)
Marx hat diesen Standpunkt später modifiziert. Siehe seine Briefentwürfe an Vera Sassulitsch. Marx räumte ein, daß auch Gesellschaften ohne kapitalistische Phase durchaus auch eine sozial gerechte Gesellschaft aufbauen können. Das faktisch agrarische Rußland bewies dies.
Es scheint, daß viele „Experten“ den Kapitalismus auf die Entwicklung von Produktivkräften reduzieren, zeitgleich die mit dem Kapitalismus verbundene Ausbeutung des Menschen durch den Menschen als „schlechte“ Nebenerscheinung abtun, ebenso die Tatsache zu übersehen scheinen, daß mit der Überwindung des Feudalismus durch den Kapitalismus der Krieg nicht (!) abgeschafft, sondern zu einer Existenzbedingung des Kapitalismus wurde.
Eine lesenswerte Kritik an diesem Artikel von Dr. Ulrich Gausmann.
https://www.freidenker.org/?p=25940
Der unsägliche Dr. Gausmann der schon genau wusste, wieso der Corona-Maßnahmen-Widerstand gescheitert sei ….
(nicht etwa wegen der Informations- und Administrations-Übermacht der Bedrücker, —
sondern weil angeblich eine Querfront zwischen „rechts und links“ etabliert worden wäre – nur, wenn es so eine Querfront im negativen Sinne wirklich gegeben hat, dann war das die Querfront zwischen STAAT, ANTIFA, EXEKUTIVE, JUDIKATIVE, GROßMEDIEN, KIRCHEN, GEWERKSCHAFTEN, VERMÖGENDEN, GROßBÜRGERLICHEN, INTELLEKTUELLEN, AKADEMIKERN, „LINKEN“, „MITTE“ UND „RECHTEN“
… gegen uns Maßnahmenkritiker!)
h#ttps://magma-magazin.info/2026/04/ulrich-gausmann/die-querfront-als-falle/
Der „unsägliche Dr. Gausmann“ hat in seinem Text (Danke für den Link, Martin Großkopf) genau das geliefert, was der wohl schon mal bei Manova veröffentlichte Erguss von RdL verdient hat: Eine fundierte Kritik. Denn wenn man den Text von RdL einfach zusammenfasst, bedeutet er: Hört doch auf, immer alles aus den bestehenden Verhältnissen und gar gleich den Kapitalismus erklären zu wollen. Es gibt doch so viele schöne und unschöne andere Dinge, über die man reden kann.
Zu seinen besten Zeiten wurde Robert Kurz von seinen Gegnern (manchmal auch von einigen Freunden) vorgeworfen, „Ökonomismus“ zu betreiben, also alles aus den ökonomischen und also gesellschaftlichen Verhältnissen abzuleiten. „Warenproduzierendes Patriarchat“ eben. Kapitalismus.
Und was die Positionen von Dr. Gausmann zur Corona-Politik betrifft: Da wüsste ich viele Leute, mit denen ich heute gar kein Wort mehr reden dürfte und die mir mit ihrem ewigen „Ja mit dem Wissen von heute jedes Gespräch verweigern. Ich denke nur an die ganzen Zero-Covid-Typen… Und dann dürftest Du hier und auch woanders gar nicht unterwegs sein. Die paar Hanseln, die ihre damaligen Positionen selbstkritisch korrigiert haben, lassen sich an einer Hand abzählen. Also: Mit dem Thema Corona kann man die Kritik von Dr. Gausmann nicht beschädigen.
Der „unsägliche Dr. Gausmann“ hat in seinem Text (Danke für den Link, Martin Großkopf) genau das geliefert, was der wohl schon mal bei Manova veröffentlichte Erguss von RdL verdient hat: Eine fundierte Kritik. Denn wenn man den Text von RdL einfach zusammenfasst, bedeutet er: Hört doch auf, immer alles aus den bestehenden Verhältnissen und gar gleich den Kapitalismus erklären zu wollen. Es gibt doch so viele schöne und unschöne andere Dinge, über die man reden kann.
Zu seinen besten Zeiten wurde Robert Kurz von seinen Gegnern (manchmal auch von einigen Freunden) vorgeworfen, „Ökonomismus“ zu betreiben, also alles aus den ökonomischen und also gesellschaftlichen Verhältnissen abzuleiten. „Warenproduzierendes Patriarchat“ eben. Kapitalismus.
Und was die Positionen von Dr. Gausmann zur Corona-Politik betrifft: Da wüsste ich viele Leute, mit denen ich heute gar kein Wort mehr reden dürfte und die mir mit ihrem ewigen „Ja mit dem Wissen von heute jedes Gespräch verweigern. Ich denke nur an die ganzen Zero-Covid-Typen… Und dann dürftest Du hier und auch woanders gar nicht unterwegs sein. Die paar Hanseln, die ihre damaligen Positionen selbstkritisch korrigiert haben, lassen sich an einer Hand abzählen. Also: Mit dem Thema Corona kann man die Kritik von Dr. Gausmann nicht beschädigen.
Autor: “Wer schnell den Kapitalismus auf eine solche Weise ins Spiel bringt, hat einen Schuldigen gefunden, bevor die eigentliche Betrachtung beginnt.“
Da ist was dran. Es hat vielleicht auch ein wenig damit zu tun, dass das Gut-Böse-Denken (Dichotomie) im christlich-liberalen Westen tief verankert ist. Davon können sich natürlich auch die diversen Linken nicht befreien, sie sind ja Kinder des christlich-liberalen Westens. Und um Marx zu verstehen ist, ist dialektischen Denken vonnöten, was im Westen nicht gelernt wird. Da wird wieder zunehmend auf Moral und Ideologie wert gelegt, also auf feststehende Dogmen. Und da passt natürlich „Kapitalismus gleich Böse“ wie die Faust auf’s Auge.
Klar, Marx hat mit und in seiner Analyse des Kapitalismus nicht moralisiert, sondern nachgewiesen, welches Potenzial er hat, welches später für die Entwicklung des Sozialismus genutzt werden kann.
Dennoch brachte Marx in seinen ökonomischen Studien viele, sehr viele Beispiele, welches der Preis ist, den Kapitalismus aufzubauen und international durchzusetzen:
Marx zitierte Dunnings:
„‚Kapital‘, sagt der Quarterly Reviewer, ‚flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel.‘ (T. J. Dunning, I.e. p. 35, 36.)“ (MEW Bd. 23, S. 788, Fußnote 350.)
Auf derselben Seite oben steht noch:
„Wenn das Geld, nach Augier, ‚mit natürlichen Blutflecken auf einer Backe zur Welt kommt‘, so das Kapital von Kopf bis Zeh, aus allen Poren, blut- und schmutztriefend.“
Der Irrtum ist, zu glauben, dass man ohne die enorme Kraft der Gier auf einen grünen Zweig kommt, Risikobereitschaft, Innovation, hohe Leistungsbereitschafft und Fokussierung gibts halt nicht umsonst.
Man müsste es halt irgendwie hinbekommen, die Spitzen abzuschneiden und zu großen Einfluß auf demokratische Entscheidungen zu unterbinden (mehr Demokratie könnte da schon nützen, ist aber auch kein Allheilmittel).
Einspruch: Wer alle Werke des Nationalökonomen Adam Smith und andere Kritiker der „freien“ Marktwirtschaft gelesen und auch verstanden hat, der weiß, dass die Gier auch innovative grüne Zweige abschneidet, weil gierige Kapitalisten den Markt beschränken. Eine gängige Methode besteht darin, dass man Patente kleiner Unternehmen aufkauft, die dann in der Schublade verschwinden, um die Cash Cows des eigenen Unternehmens nicht zu gefährden.
Am Markt setzt sich auch nicht immer das technisch bessere, kostengünstigere und umweltfreundlichere Produkt durch, sondern das Produkt, für das mehr Werbung/PR gemacht wird, das aber qualitativ schlechter, teurer und umweltschädlicher ist als andere. Warum? Weil die Käufer glauben, dass es das technisch bessere, kostengünstigere und umweltfreundlichere Produkt wäre. Fachleute nennen das Perzeption.
Wenn ein Promi wie Friedrich April eine Million Euro dafür bekommt, weil er sich in einem Werbespot ein teures Shampoo der Marke BLACK&ROCK in die Haare schmiert, dann ist das manchen Menschen egal. Es gibt aber auch Menschen, die sich dann dieses Shampoo kaufen und sich in die Haare schmieren. Wenn das nicht so wäre, würde der Hersteller nicht so viel Geld für die Werbung ausgeben.
So simpel ist das mit der „Risikobereitschaft, den „Innovation(en)“ und der „hohen Leistungsbereitschaf[f]t“ nicht.
Ja, so simpel ist es nicht, es gibt nichts ohne Nebenwirkungen, was Menschen tun.
Nur ist es halt auch nicht so simpel, dass man es einfach abschaffen könnte, denn das hat bekanntlich noch schlechter funktioniert und ist bisher überall gescheitert (weils gar keinen Wettbewerb gab und Anreize aller Art fehlten, noch dazu ist es nicht demokratisch, weil es sonst immer wieder zurückkippen würde, so leicht lässt „das Bürgertum“ sich halt doch nicht umerziehen).
Also Kapitalismus ist gar nicht so schlecht, weil es ja auch früher Kriege gab?
Ich liebe ja Vereinfachungen, weil die Komplexität wirklich störend ist bzw. deswegen ja auch künstlich von Anwalt-Teams in Kompaniestärke bei jedem Unternehmen aufgebaut wird, um nicht mehr durchzusteigen.
Aber das ist wirklich unterkomplex gedacht.
Dann abstrahieren wir hier und konzentrieren uns auf die Besitzverhältnisse. Ob dem Fugger, dem König, dem Müller …
Wer besitzt, der bestimmt.
Grundwiderspruch des Kapitalismus:
Gesamtgesellschaftliche Produktion und privatkapitalistische Aneignung
Gewinne werde privatisiert, Verluste werden vergesellschaftet.
Es gibt leider keine einfache Lösung. Am Ende des Buches „Hegemonie oder Untergang“ zeigt Mausfeld auf was passieren muss um etwas zu ändern. (Spoileralarm: Es ist ernüchternd, was an Alternative machbar ist)
Diese kapitalistische Realität führt aber zu „freiem“ Kapital (das nicht verkonsumiert wird) in den Händen des Kapitalisten.
Freies, überschüssiges Kapital war aber überhaupt erst die Voraussetzung um Zivilisationen und damit kulturellen Fortschritt zu ermöglichen. Die Menschen mussten gezwungen werden mehr zu produzieren als für ihre Reproduktion notwendig. Da unterscheiden sich frühere Gesellschaftsformen und der Kapitalismus nicht. Erst das überschüssig erzeugte Kapital machte es möglich daraus Kunst, Kultur, aber vor allem auch die Produktivkräfte (Technologie) zu entwickeln und voranzutreiben, was somit zu einem Potential zu mehr gesellschaftliche und menschliche Freiheit wird.
Die eigentliche Frage ist, wo die Grenze des Produktivitätsfortschritts im Kapitalismus ist, wann die Produktivkräfte in den vorhandenen kapitalistischen Bedingungen sich nicht mehr weiterentwickeln, bzw. wenn sie beginnen kontraproduktiv zu wirken. Dann ist eine gesellschaftliche Umwälzung fällig.
„Die Menschen mussten gezwungen werden mehr zu produzieren als für ihre Reproduktion notwendig. Da unterscheiden sich frühere Gesellschaftsformen und der Kapitalismus nicht.“
Quatsch! Die Höhlenmalereien irgendwo im heutigen Südfrankreich wurden mit ziemlicher Sicherheit von den Frauen der Jäger während deren Abwesenheit angefertigt. Die Parallele zu heute ist bestenfalls, dass noch jede Frau, die bei einem Mann einzieht, über kurz oder lang die Wohnung umräumt und ‚dekoriert‘.
Der wesentliche Unterschied zu früheren Epochen ist, dass das arbeitende Volk stets im Besitz der Werkzeuge inkl Wissen bezüglich der Technologie für die jeweilige Produktion gewesen ist.
Die Herrschaft (inkl aller religiösen Ideologieproduzenten) nahm sich vom Produkt für ihre Zweck was ihr beliebte, und zwar stets mit Gewalt. Erst unterm Kapital wurde die Arbeitskraft zur Ware, weil die Besitzlosen nichts hatten, womit sie produzieren konnten, und sich selbst an die Besitzer der Werkzeuge gegen Lohn verkaufen mussten. Damit ist von vornherein klar, dass die Arbeit mehr ergeben musste als die ‚Reproduktion‘ der Arbeiter. Und daran hat sich bis heute nix geändert.
Überdies ist die Entwicklung von Werkzeugen und Technologie unterm Kapital ein Mittel des Erfolgs in der Konkurrenz der einzelnen Kapitale untereinander und dient, solange kapitalistisch produziert wird, stets dem gleichen Zweck: Ersetzung von Lohnarbeitern durch Maschinen. Engels verwies im 3. Kapitalband irgendwo darauf, das Kapitalisten derlei nur machen, wenn die Ersparnis an Lohn größer ist als die Ausgaben für Maschinen. Nichts anderes ist unter dem sog ‚Produktivitätsfortschritt‘ zu verstehen.
Aber das ist eben mit Konsequenzen verbunden, die hier auch schon rauf und runter erklärt bzw diskutiert wurden. Eine davon ist, dass der ‚eingesparte‘ Lohn als ‚Kaufkraft‘ fehlt um die Profite der Kapitalisten zu realisieren und keine staatliche ‚Geld(mengen)politik‘ daran was zu ändern vermag.
Die Mär von der fallenden Profitrate, laut der angeblich der Sozialismus zwangsweise kommt, was offensichtlich nicht passiert ist, während der allgemeine Wohlstand vergleichsweise stark gestiegen ist.
An der Stelle lag Marx einfach falsch, weil er sich m.W. nie mit der Funktionsweise des Geldsystems auseinandergesetzt hat, er hatte einen Tunnelblick auf „Produktionsmittel“.
Ja, nur führt das offensichtlich nicht zwangsweise zu Massenarbeitslosigkeit, sondern zu einer immer komplexer werdenden Arbeitswelt bei immer weiter sinkenden Kosten des einzelnen Produktes, bei stark steigender Produktvielfalt. Einzelne stemmen soviel wie früher eine ganze Hundertschaft, werden dafür aber i.d.R. auch ganz gut bezahlt und haben dabei wesentlich weniger Anstrengungen, als noch vor 100 Jahren. Das konnte Marx damals nicht vorhersehen, aber wir können es gut erkennen und sollten es in unsere Überlegungen einbeziehen.
Seh‘ ich als Ahnungsloser anders: die Besitzverhältnisse resultieren aus der Idee des Eigentums. Der Eigentümer bestimmt, wer Besitzer ist. Eigentümer ist, wer im Zweifel die Macht hat, seinen Anspruch, Eigentümer zu sein, verwirklichen kann. Diese Macht resultiert aus Zustimmung und Mitmachen hinreichend vieler anderer. Und deren Zustimmung, und damit Bereitschaft zum Mitmachen wider die eigenen Interessen, rührt aus Angst, die stärker ist als ihre Hoffnung. Und täglich genährt wird, Kai Diekmann könnte einiges darüber erzählen.
Gruß
Pirx
Danke für diesen tollen Artikel. Richtig, Marx war ein Philosoph und Erklärer, und kein Forderer der Abschaffung des Kapitalismus. Spannend dabei auch die russische Revolution die mit vermeintlich marxiatische Ideologie den Kapitalismus überwinden wollte. Damals gab es in der russischen Gesellschaft etwa 3% klassische Proletarier. Das hatte Marx etwas anders beschrieben, eher ein natürlicher Übergang nach dem das Proltariat die Mehrheit ist und die Produktionsmittel besitzt. Der Artikel kommt auch von der Stimmung her gut rüber, ohne dieses „ich weis alles“.
Ich hatte mal für mich den Kaptalismus so definiert, dass es die realistischte Abbildung menschlichem Verhaltens ist. Dazu sagte mir ein Freund, das sei Ihm deutlich zu düster, wir Menschen könnten höherwertige Ideal haben und diese Phase überwinden. Das halte ich für möglich, aber ziemlich weit weg. Der Weg dort hin scheint mir klar, wenn im Survival of the Fittest erkannt wird, das der Kooperationsfähige der Fitte ist, und dieser auch entsprechendes Ansehen geniesst, im Gegensatz zu dem Besitzenden.
Nun ja, stelle einfach mal die Bücher „Freiheit statt Kapitalismus“ und „Reichtum ohne Gier“ von Sahra Wagenknecht gegen den Artikel. Auf A…. gibt es sehr viele gute Rezensionen dazu und hier eine Buchbesprechung mit SW aus einer Zeit, als der ÖRR noch halbwegs brauchbar war. Dauert zwar fast eine Stunde, ist aber sehr informativ und auch kurzweilig.
https://www.sr-mediathek.de/index.php?seite=7&id=924&pnr=&tbl=pf
Übrigens, wer sich das Wahlprogramm des BSW genau anschaut, findet darin Ansätze unser Wirtschaftssystem in die geschilderte Richtung umzubauen. Das gute an dem System ist, dass es keine Revolution braucht, dass man es evolutionär einführen kann.
Dann frag ich mich, warum die gesamte herrschende Clique unisono die „Evolution“ zu verhindern weis. Ich fürchte, ohne Revolution wird’s nicht gehen.
Ich würde eher umgekehrt denken. In Russland waren vielleicht 3 % Besitzende. 97% der Bevölkerung waren verarmt oder Leibeigene oder Soldaten. Die hatten nichts mehr zu verlieren als ihr Leben. Daraus werden Revolutionen gemacht.
Bevor in D eine Revolution aufkommt, müssen wir erst alles verlieren, darum ist es ausgeschlossen, dass in D was passiert…
Aber uns geht’s doch NOCH gut …
… ist die häufigste Antwort auf alle Fragen
Das ist zweifellos richtig. Nur dass das dem westlichen liberalen Kapitalismus aus seinem Selbstverständnis heraus nicht gelingen kann. Er müsste seine Ideologie ändern und nicht die Freiheit des Kapitals (und des Individuums?) ganz nach vorne stellen. In China scheint die Kontrolle und Einhegung der Kapital-Interessen gelungen, was offensichtlich auch ein Produktivitäts-Fortschritt bedeutet.
Etwas anderes scheint der Autor aber nicht auf dem Schirm zu haben, was aktuell wieder von außerordentlicher Wichtigkeit ist, nämlich dass liberaler (freier) Kapitalismus zu Imperialismus führt und der wiederum zu Krieg, das haben sowohl Lenin als auch Luxemburg als erste sorgfältig herausgearbeitet – und die Geschichte seitdem immer wieder bewiesen.
Das ist in der „sozialen Marktwirtschaft“ bereits der Fall, es wird immer um diese Freiheit gerungen, was man auch an der Staatsquote sehen kann. Wirklich befriedigend ist das noch nicht, was aber vor allem an unserem politischen System liegt, Politiker wie Merz oder vdL haben einfach einen schlechten Fokus, wissen nicht, was uns wichtig ist und verschwenden daher Unmengen an Steuergeldern, wahrscheinlich spielt auch Korruption eine Rolle, wir brauchen einfach mehr Basisdemokratie (die uns bisher von den Parteien verweigert wird).
Die Chinesen haben unglaublich aufgeholt, allerdings teile ich die Romantisierung nicht. Der chinesische Alltag wäre ein Alptraum für uns:
https://de.wikipedia.org/wiki/996_(Arbeitswoche)
Meines Wissens haben die auch keine unabhängigen Gewerkschaften und mittlerweile auch Milliardäre usw. inwiefern die das in den Griff bekommen (das Problem scheint ihnen ja zumindest bewusst zu sein), werden wir sehen, wir leben vergleichsweise dazu noch paradiesisch in Deutschland…
Die Zeiten vor dem Kapitalismus waren ja auch durch für Kapitalismus typ. Eigenschaften gezeichnet. Das System, daß grundsätzlich auf Gewaltherrschaft weniger über viele beruht, funktionierte auf ähnliche Weise wie der Kapitalismus.
Statt Regierungen gab es Könige etc. – statt Lohnarbeiter gab es die Sklaven, Leibeigene usw.
Es gab Königreiche, Grafschaften usw. – heute ersetzt durch die Nationalstaaten. Es gab und gibt die wenigen „Gewinner“ und die breite Masse an „Verlierern“.
Kapitalismus und Nationalstaaterei ergeben zusammen den tödlichen Mix, der heutzutage prägend für dass Zeitgeschehen ist. Konkurrenz der Nationalstaaten (früher Königreiche etc.), führt zwangsläufig immer wieder zu tödl. Auseinandersetzungen, profitorientierte Produktion führt zwangsläufig immer zu Ausbeutung und Unterdrückung. Ja -auch die derzeitige „Lohnarbeit“, selbst wenn das dort verdiente Einkommen für ein halbwegs auskömmliches Leben reicht, beruht auf Ausbeutung und Unterdrückung. Früher mussten sich die Herrscher, um die Arbeitsfähigkeit ihrer Untertanen zu erhalten, noch selbst um das leibl. Wohl ihrer Untertanen kümmern. Heutzutage machen das die Untertanen selbst und sorgen damit für noch höhere Gewinne/Vermögen bei den Herrschern.
Das Gegenmodell ist denkbar einfach und absolut kein Zauberwerk – keine Nationalstaaten, kein Privateigentum von Produktionsmitteln und statt profitorientierter Produktion bedarfsorientierte Produktion. Fertig ist der Lachs.
Selbstverständlich würde es weiterhin Kriminalität/Straftaten geben. Ob aus Eifersucht, Neid oder anderen persönl. Befindlicheiten. Trotzdem würde es erheblich weniger Kriminalität geben, da etliche Motive ( Sprichwort Armutskriminalität) wegfallen würden.
Also ich kenne keinen einzigen Linken, der behauptet, vor dem Kapitalismus wäre die Welt besser gewesen. Auch kenne ich keinen Linken der behauptet, kein Kapitalismus=keine Kriminalität. Ich weiß nicht, mit wem Herr Lapuente da angeblich geredet hat, aber sicher nicht mit irgendeiner allgemein unter Linken anerkannten Kapazität/Meinungsführer.
Der Kapitalismus ist über 500 Jahre alt
und es existierten bereits Vorläufer in der Antike und im späten Mittelalter, womit
das letzte Drittel des Artikels bereits argumentativ abgeschmiert ist.
Für die beiden ersten Drittel müssten wir
zunächst den Neoliberalismus vom Kapitalismus trennen. Eine angebotorientierte Wirtschaftspolitik, aka
(Neo-)Liberalismus mit Privatisierung, Deregulierung, ( spekulativem Finanz-)Freihandel, Steuersenkungen für Superreiche ist nicht DER Kapitalismus und nicht der „Turbokapitalismus“.
Das wissen auch die „Verantwortlichen“, sonst würden sie jetzt nicht versuchen
nachfrageorientiert die Karre aus dem Dreck zu ziehen. Sie verstehen bloß nicht,
dass die „Schuldenbremse“ noch immer existiert und nur für Rüstung, Kasernen und Panzerstraßen gen Osten durchlässig ist. So werfen sie eine Milliarde nach der anderen in ein Strohfeuer, statt langfristige in ökonomisch Sinnvolles wie
Bildung, Dekarbonisierung und soziale Sicherung zu investieren, um hier die sozial-ökologische Kurve zu kriegen.
Das aber führt jetzt alles zu weit. Der Artikel ist tendentiös und würde zur Widerlegung viel Arbeit und Zeit beanspruchen.
Was viele „Marxisten“ nicht verstehen möchten, ist die Tatsache, dass man den Übergang von jetzt auf ein System, in dem der Mensch wieder die Hauptrolle spielen soll, im bestehenden System schaffen muss. Es wird keine Schalter von Kapitalismus auf Sozialismus geben, den
man nur zum besten aller umlegen muss.
Revolution kommt nicht. Es fehlt das Subjekt der Revolution.
Marx und Engels sind noch immer klasse.
Im Land der ehemaligen Dichter und Denker gehörten sie direkt hinter Goethe und Schiller genannt. Marx verstarb, bevor er einen Entwurf von Gesellschaft abliefern konnte. Was alles sollte er sonst noch geleistet haben ? Über seinem Werk steht als Gesamtüberschrift „FREIHEIT“, sonst nichts.
Der Kapitalismus ist über 500 Jahre alt
und es existierten bereits Vorläufer in der Antike und im späten Mittelalter, womit
das letzte Drittel des Artikels bereits argumentativ abgeschmiert ist.
Für die beiden ersten Drittel müssten wir
zunächst den Neoliberalismus vom Kapitalismus trennen. Eine angebotorientierte Wirtschaftspolitik, aka
(Neo-)Liberalismus mit Privatisierung, Deregulierung, ( spekulativem Finanz-)Freihandel, Steuersenkungen für Superreiche ist nicht DER Kapitalismus und nicht der „Turbokapitalismus“.
Das wissen auch die „Verantwortlichen“, sonst würden sie jetzt nicht versuchen
nachfrageorientiert die Karre aus dem Dreck zu ziehen. Sie verstehen bloß nicht,
dass die „Schuldenbremse“ noch immer existiert und nur für Rüstung, Kasernen und Panzerstraßen gen Osten durchlässig ist. So werfen sie eine Milliarde nach der anderen in ein Strohfeuer, statt langfristige in ökonomisch Sinnvolles wie
Bildung, Dekarbonisierung und soziale Sicherung zu investieren, um hier die sozial-ökologische Kurve zu kriegen.
Das aber führt jetzt alles zu weit. Der Artikel ist tendentiös und würde zur Widerlegung viel Arbeit und Zeit beanspruchen.
Was viele „Marxisten“ nicht verstehen möchten, ist die Tatsache, dass man den Übergang von jetzt auf ein System, in dem der Mensch wieder die Hauptrolle spielen soll, im bestehenden System schaffen muss. Es wird keine Schalter von Kapitalismus auf Sozialismus geben, den
man nur zum besten aller umlegen muss.
Revolution kommt nicht. Es fehlt das Subjekt der Revolution.
Marx und Engels sind noch immer klasse.
Im Land der ehemaligen Dichter und Denker gehörten sie direkt hinter Goethe und Schiller genannt. Marx verstarb, bevor er einen Entwurf von Gesellschaft abliefern
konnte. Was alles sollte er sonst noch geleistet haben ? Über seinem Werk steht
als Gesamtüberschrift „FREIHEIT“, sonst nichts.
Mir ist das alles viel zu theoretisch!
Die Auswirkungen des Kapitalismus kann man in meiner Heimatstadt Gelsenkirchen ausgiebig bewundern!
-Ist unsere Parteienoligarchie in ihren politischen Handlungen ein Büttel des Kapitals oder ist sie es nicht?
-Haben wir einen Drehtüreffekt zwischen Politik und Wirtschaft, oder haben wir ihn nicht?
-Werden die Menschen, die ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen ausgebeutet, oder werden sie es nicht?
-Gibt es Superreiche, die sich politischen Einfluss kaufen, oder gibt es sie nicht?
Mit Rüstung, Finanzmärkten, Kriegen usf. fange ich gar nicht erst an!
Dieses Theoretisieren, was, wieso, weshalb, der olle Marx oder nicht, interessiert mich nicht die Bohne!
Mich interessiert die Rentnerin, die ich sehen muss, wie sie den Müll durchsucht!
Die Auswirkung unseres kapitalistischen Systems live und in Farbe!
43 Berufsjahre in der Alten- und Krankenpflege haben mich die Auswirkungen unseres Systems zur Genüge kennen lernen lassen, bis zum Knochenkotzen!
Das ist mir Systemkritik genug
@Wallenstein: Da ich kein Auto besitze und ständig per Bahn, ÖPNV und zu Fuß unterwegs bin, kann ich ebenfalls tagtäglich die monströsen Verwüstungen dieses kapitalistischen Systems mit eigenen Augen beobachten.
Berufsbedingt pendele ich sehr oft zwischen Essen und Wuppertal und auch in diesen beiden Städten ist der gesellschaftliche und infrastrukturelle Niedergang geradezu mit Händen greifbar: Insbesondere im Bereich der Hauptbahnhöfe sieht man mittlerweile derartig viele kaputte Menschen mit offensichtlich psychischen Erkrankungen, Obdachlose, Alkoholiker etc., dass es einem manchmal eiskalt den Rücken runterläuft.
In meiner Geburtsstadt Wuppertal (die ja übrigens auch Geburtsstadt Friedrich Engels ist) ist der Gang vom Hauptbahnhof bis zur Elberfelder Innenstadt oft nicht mehr möglich, ohne alle 100 Meter direkt angebettelt zu werden, ganz zu schweigen von den oft älteren Menschen, die nach Pfand-Gut in den Mülltonnen suchen, weil dieses Dreckssystem, das sich immer mehr von der „sozialen Marktwirtschaft“ zum Kapitalismus in Reinform entwickelt, diesen Leuten nicht mal mehr im hohen Alter eine ausreichende Rente ermöglicht.
Man braucht in der Tat keinen Marx gelesen zu haben, um diese Folgen zu verstehen, aber ich habe es früher trotzdem mal gemacht und einiges war sehr erhellend, wenngleich etwa Schinken wie „Das Kapital“ absolut schwer verdauliche Klopper sind, worauf ich heute auch keinen Bock mehr hätte.
Ich bin allerdings absolut pessimistisch geworden, dass dieses System irgendwann überwunden werden kann, sondern glaube eher, dass es irgendwann diese Welt endgültig in den Abgrund reißt.
Unabhängig davon, ob man den „wahren“ Kommunismus für möglich hält, habe ich dazu mal ein schönes Zitat gelesen, dessen Urheber ich leider vergessen habe: „Mit dem Kommunismus ist es wie mit einer Oase in der Wüste. Es ist absolut unwahrscheinlich, sie zu finden, aber sie ist zum Überleben zwingend notwendig.“
Ich stosse bei meiner Arbeit, der Reparatur von Elektrogeräten, ständig auf die geplante Obsoleszenz, die mich fuchsteufelswild macht: sie ist eine Pervertierung der menschlichen Kreativität und eine wirtschaftliche Schädigung großen Ausmaßes. Geräte aus alter Ostblockproduktion haben das nicht – bei vergleichbarer Leistung. Der kapitalistische Wettbewerbsdruck hat die technische Entwicklung enorm beschleunigt, aber stattgefunden hätte sie gewiss auch ohne ihn: später, aber vllt mit geringeren „Kollateralschäden“ ökologischer/sozialer Art. Werkeln im Osten war mit Frustration über Materialmangel und eine gewisse technische Rückständigkeit verbunden, die teils systemimmanent war, teils vom Westen aufgezwungen. Aber nie hatte ich dabei den Eindruck bösartiger Absicht, der aus der geplanten Obsoleszenz spricht. Mein Firmenmotto, das ich auch den Kunden kommuniziere, ist und bleibt: „Jede Reparatur ist ein Schlag in die Fresse des Kapitalismus.“
Kurzer Exkurs:
die geplante Obsoleszenz ist KEINE neue „Erfindung“, sondern deren Erfindung/Schöpfung geht auf den alten Ford/Henry zurück, dessen sprudelnden Quellen nach Marktsättigung mit seinen Vehikeln (mit lebenslanger Garantie) tröpfelten bzw. zu versiegen drohten.
In Konkurrenz zu einem neuen Mitbewerber wurde daher die ursprüngliche Lebensdauer angepasst und gilt zudem als Geburtsstunde der permanent neu auf den Markt geworfenen Modelle.
(Benefit in sämtlichen Bereichen des Lebens , die sich dieses Gewinn-Modells zeitnah/kurz-/mittelfristig/permanent bedien(t)en.)
ABER: um (Wegwerf-)Produkte (in sämtlichen Bereichen des Lebens) dauerhaft und kontinuierlich an den „mündigen“Kunden zu bringen, bedarf es in erster Linie der Markteinführung mittels Akzeptanz/Dummheit derer (Kunden).
Denn alles, was als „neu, besser, bunter, schöner, must-have“ usw. beworben wird, muss schließlich zwingend erworben werden.
Man kann von jenen, die andere für dumm halten und verkaufen denken, was man will, aber wenn die Mehrheit der kognitiv Sparsamen konsequent bei Fuß stehen und ohne Not HIER schreien, dann sollte man nochmals neu (über selbst-schuld) reflektieren!
Um die geplante Obsoleszenz zu erkennen braucht es oft 1. tieferes technisches Verständnis sowie 2. die Möglichkeit, das Gerät vor dem Kauf zu zerlegen. Bewertungen durch andere Kunden oder Tester sind nur sehr bedingt hilfreich, da oft gefälscht. Wer es sich leisten kann greift dann bei der Kaufentscheidung gern auf teuere „Markenware“ zurück – aber gerade da breitet sich die Obsoleszenzpest seit einigen Jahren immer stärker aus – so mein Eindruck aus der Praxis. Teure Marke und Billig-no-name sind immer schwächer werdende Indizien für Qualität oder geplantem Wegwerfmüll. Klassisches Beispiel: sind die Kohlebürsten an Motoren selbstabschaltend bei Erreichen der Verschleissgrenze (und damit für wenig Geld und Aufwand austauschbar) oder führt der Kohlenverschleiss über Zertörung des Kommutators und damit des Motors zum Totalschaden? Der finanzielle Unterschied bei der Herstellung abschaltender Kohlen liegt im Centbereich. Man findet sie deshalb auch oft in no-name-Produkten (manche Billighersteller legen sogar Ersatzkohlen den Geräten bei!), aber mancher „führende“ Markenhersteller verwendet sie trotzdem nicht.
Technischer und wisenschaftlicher Fortschritt kann im Kapitalismus beschleunigt stattfinden – aber nur solange dies dem Kapital dient. Wo er dem Kapital schadet, der Allgemeinheit aber nützen würde, wird er auch schon mal unterdrückt. Historisch war es gerade der Wissenschaftlich-technische Fortschritt, dessen Träger seinerzeit das Bürgertum war, der dieses in Ablösung des Feudalismus durch die größere ökonomische Macht zur Herrschaft brachte. Die „schöpferische Zerstörung“ ist eine Perversion menschlicher Kreativität.
Bei der »schöpferische Zerstörung« sagt der Fokus auf „Zerstörung“ schon alles, vor allem über jene, die davon begeistert sind.
Geplante Obsoleszenz findet sich ja nicht nur bei Maschinen und Apparaten. Dass bspw. Billigkleidung (Stichwort Primark) tatsächlich als Einwegkleidung bezeichnet werden kann, da sie nach der ersten Wäsche sofort völlig aus der Form geht, kann nicht nur an den billigen Materialien liegen.
Aber Konsumbeschleunigung ist ja auch Anliegen und Aufgabe der EU, wobei mich das MHD bei Steinsalz immer wieder zum Lachen bringt.
Ah, ich hatte die „Erfindung“ der Obsoleszenz eher mit dem zweifelhaften Edison und der Glühbirne verbunden (Phoebuskartell 1925 – Wikipedia). Aber Ford ist auch ein durch und durch sympathischer und „würdiger Sieger“.
Jeder Wirtschafts-Politiker in Funktion, der etwas von „Nachhaltigkeit“ redet und das Thema Obsoleszenz ausspart, ist per se eine Fehlbesetzung. „An den Taten sollst du sie erkennen.“ Oder daran, was sie nicht taten…
Ihre Einordnung des Konsumvolks ist natürlich auch wichtig und richtig traurig.
„Jeder Wirtschafts-Politiker in Funktion, der etwas von „Nachhaltigkeit“ redet und das Thema Obsoleszenz ausspart, ist per se eine Fehlbesetzung.“
Ohohooooh – da hat sich aber ein veritabler Denkfehler eingeschlichen.
Wenn die Einen für den dauerhaften Nutznießen der sich aufopfernden, leistungstragenden Anderen assistierend verantwortlich zeichnen, dann ist dies definitiv das absolute Gegenteil von Fehlbesetzung.
Pech zwar für jene, die nicht zu den „einen oder anderen“ gehören – aber immerhin fällt es dem Großteil des Rests ohnehin nicht mehr auf, dass das eigentliche Leben zwar immer (w)irrer, schräger, abnōrmer, unbezahlbarer wird, dafür aber noch bunterer, schrillerer, ekelhafterer, überflüssigerer, hirnbrutzelnderer(und und und) Müll 24/7 zum Geist befreiten (idealerweise)bårgeldløsen Erwerb zur Verfügung steht.
Addendum:
Der Spruch „Der Weg ist das Ziel“ ist übrigens längst überholt.
Der bisherige Weg war seit Jahrtausenden die stete Wiederholung des gleichen.
Mit jetzigem „Niveau“ und Stand der kognitiven Entwicklung ist es nur noch eine Frage der Zeit und des Wie, bis sich der Kreis endgültig schließt.
„EL-G
„Jeder Wirtschafts-Politiker in Funktion, der etwas von „Nachhaltigkeit“ redet und das Thema Obsoleszenz ausspart, ist per se eine Fehlbesetzung.“
Ohohooooh – da hat sich aber ein veritabler Denkfehler eingeschlichen.
Wenn die Einen für den dauerhaften Nutznießen der sich aufopfernden, leistungstragenden Anderen assistierend verantwortlich zeichnen, dann ist dies definitiv das absolute Gegenteil von Fehlbesetzung.
Pech zwar für jene, die nicht zu den „einen oder anderen“ gehören – aber immerhin fällt es dem Großteil des Rests ohnehin nicht mehr auf, dass das eigentliche Leben zwar immer (w)irrer, schräger, abnōrmer, unbezahlbarer wird, dafür aber noch bunterer, schrillerer, ekelhafterer, überflüssigerer, hirnbrutzelnderer(und und und) Müll 24/7 zum Geist befreiten (idealerweise)bårgeldløsen Erwerb zur Verfügung steht.
Addendum:
Der Spruch „Der Weg ist das Ziel“ ist übrigens längst überholt.
Der bisherige Weg war seit Jahrtausenden die stete Wiederholung des gleichen.
Mit jetzigem „Niveau“ und Stand der kognitiven Entwicklung ist es nur noch eine Frage der Zeit und des Wie, bis sich der Kreis endgültig schließt.“
Das Problem ist das permanente Geschwafel über Wachstum, Wachstum, Wachstum.
Zufriedenheit, mit dem eigenen Körperzustand/-aussehen, glücklich sein mit dem was hat bzw. was gut schmeckt, gut funktioniert usw. wäre wünschenswert.
Leider haben zB. die meisten Lehr-Gurus die fernöstliche Lebensweisen predigen, wie Zufriedenheit, in sich selbst ruhen usw., die Weitervermittlung ihrer Lehren zu einem Geschäft gemacht. Das ist wie chrisliche Prediger der regelmäßig sagen „liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ und gleichzeitig die Soldaten des gleichen Glauben aufeinander hetzen zum erfolgreichen Töten/Mißhandeln der Glaubensbrüder/-schwestern der anderen Seite.
Höre heute auch mmer öfter das man sich mit Ursachen von Konflikten, insbesondere in die man selbst verstrickt war/ist, nicht beschäftigen will (Schnee von gestern) und somit kann man aus der Vergangenheit keine Lehren ziehen für friedfertiges, soziales Verhalten!
Ich pflege mich zu bemühen, jedes Ding auf seinen (vgl. den auf die Füße gestellten Hegel) Begriff zu bringen, auch diesen Artikel. Und das ist dankenswert einfach, der Autor gibt ihn fast selbst:
Jau! Nur ein kompletter Idiot würde diesem Fazit, auf welches RDL den Artikel zu geschrieben hat, widersprechen. So denkt sich RDL es, und so weiß er sein Thema, wenn er auch sonst nix wissen will, wie ihm sein Kritiker Dr. Ulrich Gausmann mit Recht attestiert hat (vgl. Martin Großkopf 9:31).
Mit Rücksicht auf die Moderation verzichte ich, den Begriff dieses Verfahrens im Wortlaut zu geben. Er ist kenntlich genug.
Das scheint ein Privatblog zu sein, denn – falls ich mich nicht irre, was ich hiermit teste – blockt der Autor notorische Kritiker nach Nase, ohne Umweg über Moderation
Naja, grob sinngemäß lautete der zurück gewiesene Kommentar:
Wer würde diesem Fazit des Artikels ernstlich widersprechen wollen?
Eben!
Ein Ratschlag geht vielleicht noch. Wenn RDL mit dem Satz das Vorwort eines ausführlicheren Textes einleitete, fände er gewiß einen Doktorvater, der ihn damit promovieren läßt.
Genau dieses Blocken kann auch ich bestätigen. Scheint seine Kontrahenten notiert zu haben, nachdem er von ihnen bereits früher widerlegt worden war.
Mehrfach sachliche Widerlegung gepostet, auch ganz ohne Triggerworte. Danach mehrfach überarbeitet. Wird alles ohne Moderation von vornherein blockiert. Immer.
Genau wie überall sonst weicht auch bei OT die veröffentlichte Meinung von der tatsächlichen massiv ab.
Unter einem der letzten Artikel der hiesigen Leuchte hatte ein genau so heller Forist mit Befriedigung gemeint, die Ergüsse des Autors müssten doch schon deshalb zutreffen, weil ihm nur eine Handvoll Kommentatoren widerspricht, alle anderen dagegen zustimmen. Weil zwischen seine eigene Meinung und der von OT kein Blatt passte, wäre der nie auf die Idee gekommen, dass da redaktionell alles passend gemacht worden sein könnte.
„Unter einem der letzten Artikel der hiesigen Leuchte hatte ein genau so heller Forist mit Befriedigung gemeint, die Ergüsse des Autors müssten doch schon deshalb zutreffen, weil ihm nur eine Handvoll Kommentatoren widerspricht, alle anderen dagegen zustimmen.“
Das ist intern auch so gewollt -nennt man „Meinungs-Engineering“. Man könnte auch ALLE missbilligen Meinungen, die in das eigene Overton-Window nicht passen, wegzensieren, ist aber kontraproduktiv. Man lässt gezielt einige, die an der Aussengrenze des vorgegebenen Overton-Windows kratzen bzw, dieses punktuell überschreiten, durch, damit A) die Mehrheit sich gleich auf den/die Abweichler stürzen kann -Beispiel: @Ottono bei Russland-Ukraine Artikeln- und die Mehrheitsmeinung als die „korrekte“ Meinung im Sinne der Macher gilt und B) man die eigenen Werbeslogans: „Schutz der Meinungsfreihiet und Förderung der Meinungsvielfalt“ und „Erweiterung des verengten Debattenraums“ aufrechterhalten kann.
@cromwell
Ja, stimme voll zu. Wäre auch etwas auffällig, wenn OT nur noch Jubelperser allein durchließe. Das würde die „Glaubwürdigkeit“ gleich deutlich schmälern.
Das war notwendig. Aber es wäre vollständiger gewesen, hätte der Autor den „Imperialismus als höchstes ( und letztes?) Stadium des Kapitalismus“ ins Spiel gebracht. Ja, auch Lenin sollte man nicht entsorgen, der lieferte einige brauchbare Analysen des Kapitalismus, trotz der fatalen Rolle des russischen „Sozialismus“, gleich Mao & Gen.
Das diese Bewegungen objektiv kleinbürgerlich-bäuerliche sein mußten, steht auf einem anderenBlatt.
Der Kommentar ist schon oben bei @Frank als Antwort eingestellt, ist mir „verrutscht“. Weil er Antworten auf viele Kommentare hier geben kann, erlaube ich mir, ihn nochmal „allgemein“ einzustellen:
Nun ja, stelle einfach mal die Bücher „Freiheit statt Kapitalismus“ und „Reichtum ohne Gier“ von Sahra Wagenknecht gegen den Artikel. Auf A…. gibt es sehr viele gute Rezensionen dazu und hier eine Buchbesprechung mit SW aus einer Zeit, als der ÖRR noch halbwegs brauchbar war. Dauert zwar fast eine Stunde, ist aber sehr informativ und auch kurzweilig.
https://www.sr-mediathek.de/index.php?seite=7&id=924&pnr=&tbl=pf
Übrigens, wer sich das Wahlprogramm des BSW genau anschaut, findet darin Ansätze unser Wirtschaftssystem in die geschilderte Richtung umzubauen. Das gute an dem System ist, dass es keine Revolution braucht, dass man es evolutionär einführen kann.
Hat sich Roberto etwas getraut. Lobenswert.
Hätte denn die Abschaffung des Kapitalismus in der Gesellschaft nennenswerte Reaonanz? Eher nicht. Nicht weil er so beliebt wäre, aber die Alternative schreckt eben ab. Diese sei eine Einparteiendiktatur, welche im Besitz aller Produktionsmittel sei und damit im Vergleich zu anderen Diktaturen ein weiteres Druckmittel habe. Das nun wird geglaubt und nicht zu Unrecht. Wir Linken können nicht glaubhaft versichern, dass es diesmal anders würde.
Aber die Einsicht, dass es im Kapitalismus nicht gemütlich ist und dass Du um alles kämpfen musst, dieses Bewusstein müsste da sein. Dass Du halbwegs ordentlich bezahlt wirst, dass Du am Arbeitsplatz kein rechtloser Sklave bist, dass Du halbwegs bezahlbaren Wohnraum brauchst, all das haben die Altvorderen für uns erkämpft. Das Wissen, dass das verteidigt werden muss, fehlt in bedauerlicher Weise. Dann probieren sie es eben, ob das weg kann. So wie gerade jetzt. Diese „Reformen“ sind eine Ansammlung von Unverschämtheiten, die nun weitgehend klaglos hingenommen werden. Darauf haben sie lang gewartet.
Indes ist die Lektüre des Marx immer noch Pflicht. Welcher durch das Scheitern des Ostblocks keineswegs widerlegt ist. Die bürgerliche Volkswirtschaft ist mehr oder weniger Voodoo. Mit Marx ordnen sich die Dinge und es sind Einsichten möglich, die dem Hans Werner Sinn wohl ewig unbeksnntg bleiben werden.
Während der „Wende“zeit tauchte an einer Leipziger Mauer der Spruch auf:
Der Kapitalismus hat nicht gesagt, sondern ist übrig geblieben.
Das ist die prägnanteste geopolitische Analyse.
„Abschaffung“ des Kapitalismus ist an die Revoluzzer-hafte, auch die „real-sozialistische“ Herangehensweise, als Vorgabe des Modells aus „despotischer, asistischer Produktiosweise“ (Engels) gebunden. Dieses ist zum größten Teil in den Köpfen verankert und verhindert den Blick auf die Wertformanalyse von Marx, der einen völlig anderen Ansatz bietet als ihm unterstellt wird. Für Marx war eine andere Produktionsweise die Revolution und nicht die schon zu Lebzeiten in Mode kommenden Entdeckungen „revolutionärer Situationen“ an jeder Hausecke (W. Liebknecht)
Die daraus zu folgernde Theorie, in einigen Zirkeln von Gesellschaftswissenschaftlern diskutiert, geht von der Schaffung einer anderen Produktionsweise, noch unter den Bedingungen der Warenproduktion, durch die Produzenten, die zugleich Konsumenten
sind, aus, die als „Aufhebung des Kapitalismus“ bezeichnet wird.
Dazu gab es schon mal eine Diskussion auf TP. die aber dank der „Reform“ von Neuber nicht mehr leicht erreichbar ist.
Wenn über Sozialismus/Kapitalismus diskutiert wird, wäre die Einbeziehung dieser Theorie, die auch schon weltweit auch praktische Keime angesetzt hat, dringend geboten, weil sich sonst die Diskussion immer mit der Zeit unfruchtbar im selben Kreis dreht.
Dies Posting von Dir läßt mich zur Tante werden, Oberst, ich nehme übel.
Die Produzenten wälzen eine Produktionsweise um, niemand anderes kann das tun. Umso übler ist es, wenn Leute wie Du daher kommen und ein Geheimnis darum machen, wie das geht. Das ist nämlich piepeinfach: Sie stellen die Warenproduktion ein.
Klar haben sie dann etwas anderes an ihre Stelle zu setzen, aber wie das geht, was da geht und nicht geht, das wissen halt nur die Produzenten – natürlich in Gestalt einer organisatorischen Zusammenführung solchen Wissens – weil sie die Produktionsmittel besitzen, deren Eigentümer sie nicht sind.
Intellektuelle wie Du und Deine Ingos können und sollen ihnen wohlbegründete Hinweise geben, wie die Umwälzung besser nicht in Angriff genommen wird, ansonsten haben sie die Goschen zu halten und die Sache Arbeitern wie mir zu überlassen, hoast mi.
Ich verstehe nicht ganz, wo da ein Widerspruch zwischen uns sein soll.
Aber langsam mit die jungen Pferde, sagte meine Mutter. Ganz so selbstverständlich und einfach ist es mit der Produktionsweise auf dem Bedürfnisprinzip auch wieder nicht, sonst würde sich dies längst gegenüber der Warenproduktion durchgesetzt haben. Zu den realen Problemen hat sich Christian Suefkes mit „Beitragen statt tauschen“ beschäftigt, leicht verständlich. Es ist auch nicht so, daß man einfach loslegen könnte, ohne geistig theoretische Arbeit.
Js, die Produzenten sind dazu auch fähig. Marx stellte einmal verwundert fest, daß, wenn er Arbeitern die Werttheorie darlege, diese sofort begriffen, nur die Professoren nicht.
Um einen Irrtum suszuräumen, ich entstamme einer regelrechten Arbeiterdynastie, die übet 150 Jahre Bestand hat, und zu der ich mich trotz akademischer Entwicklung zugehörig rechne.
In einer Massengesellschaft kann es keine Lösung für eine bessere soziale Welt geben – da fischen zuviele, oft getarnt, im Trüben mit und es ist unmöglich die alle aufzuspüren um denen „das Handwerk zulegen“.
Über Marx reden und selbst keine Ahnung haben.
Marx hat den Kapitalismus nicht verdammt. Er hielt ihn für eine konsequente Entwicklung der Produktivkräfte einer Gesellschaft, deren Wirtschaft auf Privateigentum an Produktionsmitteln und ebenso privaten Aneignung des erwirtschafteten Mehrwerts basierte. Genau diese Dinge waren in Feudalismus und Sklavenhalterordnung nicht einen Piep anders. Anders waren nur die bestimmenden Produktivkräfte. Aus diesem Grunde geht es bei der Idee des Sozialismus und weiter zum Kommunismus auch nicht darum den Kapitalismus bzw. Kapitalisten, sondern das Privateigentum abzuschaffen.
Des Rätsels Lösung ist folgende. Psychopathen benutzen den Kapitalismus als Vorwand, um Kriege anzuzetteln. Kein vernünftiger Geschäftsmann kann verstehen, dass die EU jährlich 70 Milliarden in einen Krieg pumpt, den sie höchstwahrscheinlich verliert. Und Trump wollte den Ukrainekrieg beenden, und stellte den Russen dieses kuriose Ultimatum, dass sie in 100 Tagen einen Waffenstillstand schließen müssten, so dass sie Zeit hatten, sich den restlichen Donbass noch zu holen, was diese zahnlosen Tiger nicht schafften. Immerhin gelang es ihm doch noch, die Auflagen des Kongress zu erfüllen und dabei ein Geschäft aus dem Ukrainekrieg zu machen, indem die Europäer die Waffen für die Ukraine bezahlen müssen.
Des Rätsels Lösung ist folgende: Die, die zahlen, sind nicht die, die profitieren. Ein gängiger Denkfehler.
So verharren wieder auf der moralischen Eben. Das ist so schön bequem und ändert am Ende gar nichts.
Das Kapital. Band 1: Der Produktionsprozess des Kapitals. Kapitel 13: Maschinerie und große Medienindustrie:
„Unter den Kapitalismusblöden ist die vollbärtige Knutschkugel König.“
„Muss der Kapitalismus weg?“
WAS FÜR EINE FRAGE?
SELBSTREDEND MUSS DAS ÜBEL ALLER KRIEGE UND AUSBEUTUNG WEG.
SIEHE ROSA LUXEMBURG:
SOZIALISMUS ODER BARBARBEI!
Jaja der Kapitalismus ist nicht das Problem..
Das Problem sind die Kapitalisten! 😆
Naja Scherz? beiseite, Marx selbst hat diese Problem ja mit seiner Lehre von Basis und Überbau grundlegend analysiert..
Mit dem Reichtum kommt halt die Armee weil irgendwer muss den Reichtum ja beschützen und mit der Armee kommt dann die Unterdrückung weil irgenwie muss man sich ja die „Neider“ und „Hungerleider“ vom Leib halten..
Fundamental kann man das vermutlich eher auf die (kranke) menschliche Psyche und deren Verhaltensmuster zurückführen. Nach Marx erzeugt das Eigentum der Produktionsmittel (Land, Fabriken) in sich selbst die herrschende Gesellschaft. Weil die meisten Menschen zu Arm sind um sich Politiker zu kaufen machen die halt lieber was die Kapitalisten wollen, denn die Zahlen besser.. (d.h Ökonomische Macht wird zur politischen Macht)
Für mich sind diese ganzen gesellschaftlichen „ismen“ (Kapital, Kommun, Sozial, Feudal) deshalb auch nur gesellschaftliche Vorlagen wie in einem Büffet..
Deshalb bin Ich auch für eine Basis oder Bürgerdemokratische Gesellschaft mit einer flachen Machthierarchie. Weil wir nur in einer solchen Gesellschaft alle zusammen entscheiden können nach welchen Regeln unsere Gemeinschaft laufen soll. Da können wir uns dann aus diesen Vorlagen das Beste raussuchen, darüber Abstimmen und haben dann hoffentlich endlich eine Gesellschaft mit der wir alle gut leben können und in der alle Menschen so reich sind wie es ökonomisch möglich ist.
Ich denke deshalb, dass in der gemeinsamen Entscheidung einer Gruppe mehr „Weisheit“ oder „Kompetenz“ steckt als in der eher subjektiven Entscheidung weniger. Oder anders formuliert kein einzelner Mensch ist so schlau, dass er immer die richtige Enscheidung für die Mehrheit der Leute treffen kann. Wir Individuen neigen halt dazu die Dinge nach unserem Gutdünken oder im Sinne unserer sozialen Gruppe zu entscheiden. Basisdemokratie verteilt diesen Fehler jedoch und führt damit zu besseren Ergebnissen..
Machtgeile Psychopathen oder Psychopathinnen hassen so etwas natürlich weil sie die Gesellschaft dann kaum noch kontrollieren können.
Die meisten modernen Gesellschaften die wir heute sehen sind aber auch eher Mischformen wobei mit steigender finanzieller Ungleicheit die Macht der Kapitalisten und die Unerdrückung der restlichen Menschen immer mehr und mehr zunimmt. Ein Faktum welches Marx Lehre von Basis und Überbau in der Realität bestätigt..
Persönlich würde Ich deswegen den Parlamentarismus als größeres Problem sehen als den Kapitalismus, denn erst durch die hierarchische Entscheidungsstruktur ermöglicht man den Kapitalisten in großem Umfang auf die Gesellschaft Einfluss zu nehmen, womit der Kapitalismus sich dann mit der Zeit mehr und mehr zum Faschismus wandelt.
Wobei man natürlich beachten sollte, dass auch ein Sozialismus korrumpiert werden kann sobald sich korrupte Personen an der Spitze befinden..
Mfg Makrovir
Die parlamentarische Demokratie hat sich schon im Konstrukt selbst erledigt. Den Meisten ist bis heute noch nicht aufgefallen, dass sie Parteien statt Personen wählen, die mit Mandat und Amt dann durchgehen und tun was sie möchten.
Aus dem Rätesystem, der Räterepublik kennen wir das Veto der Vertretenen, dass
ein Parlamentär zurückgepfiffen werden kann, wenn er gestellte Aufgaben weder vertritt, noch erfüllt.
So einen Volksentscheid benötigen wir
( vorerst ): “ Du kannst es nicht, geh heim !“
“ Wenn du Russland ruinieren möchtest,
mach das zuhause !“
Mit diesem Veto Vorschlag rennen Sie bei mir quasi „offene Türen“ ein..
Ich glaube vor allem die Möglichkeit einen Kanzler oder Kanzlerin mittels Volksentscheid abzuwählen wäre im Moment ziemlich populär und auch mehrheitsfähig..
Ich denke halt, dass wir heute mit unserer weiten Vernetzung und den damit einhergehenden technischen Möglichkeiten eigentlich auf die Räte verzichten und gleich eine vollwertige Basisdemokratie ausrufen könnten, in der wir dann auch die Gesetze gemeinsam in öffentlichen Foren erarbeiten und dann per Volksentscheid beschließen oder Gesetze abschaffen die sich als schlecht herausgestellt haben..
Kurzgesagt sollten wir als Souverän auch die volle Gesetzeshoheit innehaben auch wenn es noch ein Parlament geben sollte ..
Mfg Makrovir
Ich möchte vorab nur kurz anmerken, dass uns die Zeit davonläuft. Der halbtote Kapitalismus pfeifft zum Endspiel. Die Tage haben die „Oberhäupter“ Europas den Bau eines Raketenabwehrschirmes beschlossen. Nun heißen die Abwehrschirme der Welt alle so, sind aus der Sicht des imaginären Gegners jedoch
alle Angriffsschirme um Reaktionszeiten zu minimieren. Der „Gegner“ weiß also nie,
was für eine Sorte von Rakete momentan auf der Abschussrampe liegt und welche Sorte Sprengkopf sie trägt. Nach Tomahawk kommen die Hyperschallraketen SM 6 und SM 12 nach
Deutschland, weshalb man hier auch zu wissen gedenkt, dass der Russe im Lieferjahr 2029 angreifen könnte.
Die „Abschreckung“ der einen, ist die „Bedrohung“ des anderen.
Wir blicken auf das Finale des Kapitalismus west mit mindestens 100 Mio. Toten in wenigen Stunden.
Wir sollten uns also beeilen, um unliebsame Zeitgenossen loszuwerden.
Ferner sollten wir uns kurz fassen, was Schnörkel und Gedöns betrifft.
Es geht mir um eine Forderung, nicht um ein Paket, zumal ich die Rätesysteme ( alt )
kritisch betrachte. Dies führt an dieser Stelle jedoch zu weit.
Wer nicht zurücktritt, wird zurückgetreten !
Für direkte Abwahl und kollektive Selbstverwaltung !
Volksentscheide machen nichts besser, so lange die Großmedien in den Händen Vermögender oder von Interessengruppen gesteuert sind.
Also ist die Demokratisierung des Geld- und Kreditsystems ein wichtiger Aspekt, wenn man echte Demokratie realisieren will. Es muss sichergestellt werden, dass es nicht mehr Privatbanken sind, die darüber entscheiden für wen oder was Geld gedruckt wird.
Die Kapitalapologeten, immer wieder possierlich und einigermaßen amüsant, wenn dabei nur nicht so viel Tod und Verderben herauskäme. Karl Marx, ein mundgerechtes Häppchen herausgegriffen und fix zum Claqueur des Kapitals umgedeutet. Marx hat genau das und nur das gesagt, darum muß es so sein, herrlich.
Mal so interessehalber nachgefragt, da ihr ja nun Marxisten seid. Stimmt dann auch der Rest den er von sich gegeben hat? Also sowas wie die Feuerbach Thesen? Und kann es sein daß Marx, Engels und viele andere sehr viel gesagt, sehr viel geschrieben haben, älter wurden und dabei ihre Erfahrungen gemacht haben?
Und ist es nicht sehr viel mehr von Interesse was wir mit den Erfahrungen und Aufzeichnungen derer machen? Daß wir auch unsere eigenen Erfahrungen machen und das Ist mit dem Soll abgleichen? Also falls unser Ziel sein sollte das Raub- und Mördersystem durch eine Gemeinwohlorientierung zu ersetzen und nicht einfach nur eine Ikone zu rauben um das Raub- und Mördersystem zu schützen. Wollen wir Diktatur nebst Ikonografie oder Demokratie?
Nebenbei erwähnt, im Artikel wird viel geredet um wenig zu sagen, viel gebogen um darüber zu täuschen und dabei wird noch eine Unkenntnis in vielen Bereichen eklatant.
Die Triebkräfte unserer (kapitalistischen) Gesellschaft sind die Gier, der Neid, der Hass und das Gegeneinander (FDP- Brüderle im Bundestag vor Jahren). Fazit, in Gesellschaften, die immer mehr wollen wird es letztendlich immer Kriege geben. Die Nato- Osterweiterung bis an die Grenzen Russlands, die beabsichtigte Verdrängung Russland aus dem schwarzen Meer, der begonnene Aufbau von Marine-und anderen Nato- Stützpunkten auf der Krim, die Einmischung der westlichen Länder zur Destabilisierung nicht genehmer Länder sind Kriegsursachen, die auf Gier und Hass sich begründen.
De Lapuente hat gar nicht erkannt, was der Kapitalismus wirklich für die Gesellschaft bedeutet.
Es geht hier um eine Ideologie, die sich der Masse bemächtigt hat, die religiöse Ausmaße angenommen hat.
Eine weitere gültige Antwort ist hier explizit für Rdl. nachzulesen: https://www.manova.news/artikel/vier-verschwindungen
Ein guter und kluger Artikel, auf den vermutlich trotzdem von den üblichen Verdächtigen in ihrem Kommentaren eingedroschen werden wird. (Gelesen habe ich die Kommentare bisher nicht.)
Ein treffender Satz, der schon beinahe als Essential des ganzen Artikels gelten kann, ist dieser:
„Der eigentliche Fehler liegt nicht in der Kapitalismuskritik an sich, sondern in der Sehnsucht nach der Monokausalität.“
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Ehrlich gesagt habe ich im Leben oft die Erfahrung machen müssen, dass geringe Geschichtskenntnisse (insbesondere für die Zeit vor 1900) einerseits und andererseits eine eindimensionale und monokausale Überschätzung des „Kapitalismus“ als Wirkmacht des Weltgeschehens Hand in Hand gehen. Sozusagen direkt proportional zueinander.
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Wobei allenfalls noch zu ergänzen wäre, dass das, was man seit etwa 150 Jahren „Kapitalismus“ nennt, auch bloß die zeitangepasste Variante des uralten Spiels des Sichbereicherns ist. Früher bereicherte man sich im großen Stil eher durch Landbesitz bzw. Verpachtung (-> Feudalsystem) oder aber durch klassischen Fernhandel, später dann durch industrielle Warenproduktion und heute eben mit Datenhandel und die Methoden und Tricks der sog. Finanzindustrie. So unterscheidet sich die aktuelle Ausprägung des „Kapitalismus“ angesichts neuartiger Techniken, globaler Märkte, fortgeschrittener Kapitalakkumulation und allerlei weiterer Neuerungen bereits ganz beträchtlich vom klassischen Industriekapitalismus der Zeit um 1900. Die Unterschiede sind vermutlich so groß, dass ein damaliger Ökonom die heutigen Verhältnisse als so anders betrachten würde, dass er für die gegenwärtigen Verhältnisse einen neuen Begriff fordern würde. Und in 50 Jahren wird es wieder anders sein.
Aber auch dann werden einige Leute, die so sehr in den Begriff verliebt sind, noch von „Kapitalismus“ sprechen.
Sie müssen dem, was sie hassen, halt einen griffigen Namen geben.
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Um noch mal auf die Eingangsfrage zu sprechen zu kommen:
„Muss der Kapitalismus weg?“
Die Frage ist falsch gestellt und ähnelt der Frage von Laien an einen Meteorologen, ob man denn nicht die Tiefdruckgebiete abschaffen könnte.
Anders gesagt: Wer den Kapitalismus oder besser gesagt das Sichbereicherungsspiel abschaffen will, der müsste den Menschen als Gattungswesen abschaffen.
Höchst beeindruckend mit welcher Selbstverständlichkeit du Geschichte bemühst, um Geschichte gerade *nicht* ernst nehmen zu müssen. Ebenso die Nonchalance über andere User zu urteilen, aber ihre Kommentare nicht einmal zu lesen.
Wer aber anderen mangelnde Geschichtskenntnis vorwirft, sollte nicht aus mehreren Jahrtausenden (!) menschlicher Geschichte ein einziges, zeitloses „Sichbereicherungsspiel“ machen. Das ist dann keine historische Analyse mehr, sondern ihre Abschaffung. Sklaverei, Feudalismus, Zunftwesen, Merkantilismus und zeitgenössischer Kapitalismus unterscheiden sich nicht bloß durch ihre Werkzeuge, sondern gerade anhand ihrer Eigentumsordnungen und Institutionen. Wer all das unter „Menschen bereichern sich halt“ zusammenfasst, betreibt genau jene Monokausalität, die er zuvor noch kritisiert hat.
Dein Vergleich mit den Tiefdruckgebieten hat mich dabei am meisten amüsiert. Tiefdruckgebiete, Wolfgang, sind Naturphänomene. Blitz, Donner und Regen sind auch Naturphänomene. Eigentumsrechte, Aktiengesellschaften und Leiharbeit hingegen fallen *nicht* vom Himmel. Sie werden von Menschen geschaffen, verändert – und wieder abgeschafft. Wer beides in eine Kategorie steckt, erklärt politische Entscheidungen zu Naturgesetzen. Das ist keine Nüchternheit, sondern Metaphysik.
Überhaupt steckt hinter deinem Beitrag eine höchst eigentümliche Verschiebung: Erst wird Kapitalismus als historisch wandelbares System beschrieben – so wandelbar, dass ein Ökonom von 1900 dafür angeblich einen neuen Begriff verlangen würde. Im nächsten Satz wird behauptet, man könne dieses System gar nicht abschaffen, weil es letztlich nur Ausdruck der menschlichen Natur sei. Ja was denn nun, Wolfgang? Ist der Kapitalismus eine historische Ordnung oder eine anthropologische Konstante? Beides zugleich funktioniert nur, wenn Begriffe beliebig werden.
Und dein Menschenbild bei dem Ganzen wirkt erstaunlich anspruchslos. Als wäre der Homo Sapiens nichts weiter als ein zweibeiniges Bereicherungsprogramm. Dieselbe Spezies hat übrigens Klöster gegründet, Genossenschaften aufgebaut, Gemeingüter verwaltet, Familien ernährt, Kunst geschaffen und Fremde versorgt – oft gerade *gegen* den eigenen materiellen Vorteil. Der Mensch ist offenbar kompliziert genug, um Kathedralen und Hedgefonds hervorzubringen. Warum soll bitte ausgerechnet die Gier sein unveränderlicher Wesenskern sein?
Nein, mir scheint die eigentliche Monokausalität findet sich gar nicht bei den viel gescholtenen Kapitalismuskritikern, sondern bei denen, die glauben, jede gesellschaftliche Ordnung mit einem einzigen Satz erklären zu können: „Der Mensch ist eben so.“ Das ist aber keine Erklärung. Es ist die Weigerung, noch Fragen zu stellen. Und nebenei bemerkenswert bequem – insbesondere für diejenigen, die von der bestehenden Ordnung profitieren.
@ Sepp Gladiola:
Ein großartiger Return, danke dafür. Und die Pointe ist so exzellent, ich würde ihr gerne einen Kaffee ausgeben. Mindestens.
El-G, versteh‘ doch:
ein Mensch ist kein Mensch, sondern ein Wolf!
Und gehört entsprechend wölfisch behandelt!
Alles andere wäre geradezu unmenschlich!
Sagt sogar Wolfgang.
Der Mensch wie der Wolf sind Säugetiere und die sind dressierbar. Ich mag es einfach nicht, wenn die Dressur (oder auch Konditionierung) mit der Natur (also dem Wesentlichen) gleichgesetzt wird.
Auch wenn das den Wolfgang in seinem Rückwärtsgang nicht aufhalten wird.
@ El-G:
Wenn Menschen dressierbar sind, worin ich Dir zustimme, dann liegen Dressierbarkeit und die Fähigkeit, andere zu dressieren, offenbar auch in ihrer Natur. Alles, wozu Menschen imstande sind, liegt in ihrer Natur, und deswegen taugt die „Natur des Menschen“ hier nicht als Argument.
Gruß
Pirx
@Sepp Gladiola
1. Der Mensch ist eben auch ein Naturphänomen !!! Zweifellos.
Der Vergleich mit den Tiefdruckgebieten ist daher absolut richtig.
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2. Nicht der „Kapitalismus“ ist unwandelbar (der wandelt sich sogar unablässig), sondern das Bereicherungsspiel, das in immer wieder neuen Verkleidungen und Formen auftritt.
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3. Das Interesse, mehr haben zu wollen, steckt AUCH in der menschlichen Natur drin. Es ist dort noch mehr enthalten, aber eben dies auch.
Wenn Sie schreiben …
„Als wäre der Homo Sapiens nichts weiter als ein zweibeiniges Bereicherungsprogramm.“
… dann ist das insofern nicht ganz falsch.
Gleichzeitig haben Sie aber auch recht, dass der Mensch daneben auch zu anderem fähig ist. (Nicht unbedingt dasselbe Individuum, aber der Mensch als Gattungswesen).
Diese Janusköpfigkeit des Menschen ist naturgegeben und nicht zu ändern. Poetisch gesprochen: Wir stehen im Dreck und recken uns zu den Sternen.
Es ist wie immer: Der entscheidende Punkt ist das Menschenbild.
Etwas weiter unten hat @Emirades diesen extrem(!) wichtigen Punkt weiter vertieft.
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4. Das Bereicherungsspiel wiederum lässt sich nur stören oder ein bisschen verhindern, wenn der Staat oder die Partei oder sonst ein Machtfaktor tyrannisch und manipulativ wird bzw. die Freiheit abschafft.
Sapperlot, da wird das verniedlichend sog. „Bereicherungsspiel“ mal flott aus dem Reigen der Tyrannenaufzählung entlassen. Denn natürlich sind die Kapitalisten keine Tyrannen, es geht ihnen schließlich nur um Freiheit. Korrekterweise sollte man dazu sagen, um ihre eigene absolute (oder absolutistische) Freiheit, zu tun was immer ihnen beliebt, egal was oder wer dabei unter die Räder gerät.
In Konsequenz zur Freiheitsbeschränkung der absoluten Mehrheit führt, in Ausprägungen von z.B. Krankheit bis hin zum Tod. Tod und Verstümmelung auf irgendeinem Schlachtfeld, für das was Herrchen haben will. Armut und Obdachlosigkeit. Die Durchseuchung, geistige Armut, auch eineVerstümmelung, mit der kapitalistischen Gedankenpest bereits im Vorschulalter und ab Schule erst recht. Und alles weil Herrchen den Hals nicht voll bekommt. Das ist die Freiheit die sie meinen. Die maximale Freiheitsbeschränkung für die anderen.
@ Wolfgang Wirth:
Ein Problem bei der Diskussion ist sicherlich, dass nicht bei allen mit der gleichen Definition von Kapitalismus gearbeitet wird, denn eine allgemein Anerkannte gibt es ja auch nicht. RDL kümmert sich schon überhaupt nicht darum, allein deswegen geht schon vieles schief in seinem Artikel.
Sie aber sind da fast noch schlimmer indem sie den Begriff so extrem über die Menschheitsgeschichte ausweiten, dass sie ihn _nur_ zu einer Spielart des „Bereicherungsspiels“ machen.
Aber selbst wenn dem so wäre, dann würde sich der heutige Kapitalismus im Vergleich zu früheren Bereicherungsarten doch in etwa so verhalten wie eine normal wachsende Zelle im menschlichen Körper zu einer Krebszelle.
Und letztlich, so denke ich, muss man den heutigen Kapitalismus auch ähnlich hart bekämpfen wie Krebs.
Ihrer Logik folgend also müsste man eine neue Art des Bereicherungsspiels erfinden, was diese durch und durch kranke Spielart Kapitalismus ersetzen kann.
Aber an diese Sache mit dem Bereicherungsspiel glaube ich so auch nicht. Sicher, freien Handel und Wandel und expansives Wirtschaften und natürlich auch die kriegerische Eroberung von Besitzümern hat es in vielen Perioden des Menschheitsgeschichte und in vielen Weltregionen über all die Zeitalter gegeben, die waren öfter, aber nicht immer, auch schon mal ziemlich übertrieben. Das war auch nicht immer gesund und lebenskräftig, blieb aber im Gegensatz zum heutigen Kapitalismus meist einigermaßen im Rahmen.
Wenn das „sich bereichern wollen“ aber ein gewisses Maß überschreitet, hat es auch nichts mehr mit ursprünglicher menschlicher Natur zu tun, sondern ist nurmehr Ausdruck einer kranken Kultur.
Besitztümer sind dann Ersatzbefriedigungen, die man in das Loch der unbefriedigten Seele schmeißt um es zu stopfen.
Ich glaube aber auch nicht, dass „sich bereichern wollen“ mit ursprünglicher menschlicher Natur zu tun hat, es ist mehr ein Symptom oder eine Auswirkung anderer Urgründe, jedenfalls sofern das „sich bereichern wollen“ über die normalen oder auch etwas ausgefalleneren „echten“ materiellen Bedürfnisse hinaus geht. Über das Nutzen und das wirkliche Genießen materieller Dinge.
Alles, was darüber hinaus geht, ist eher auf den Machtinstinkt oder das Bedürfnis nach Ruhm und Größe zurückzuführen. (Wobei ich den Machtinstinkt jetzt nicht negativ sehe, solange er auf gesunde Art gelebt werden kann, aber das ist ein weites Feld).
Das „sich bereichern wollen“ ist also mehr ein Mittel zum Zweck, als der eigentliche Zweck und daher nicht grundlegend, denn das Bedürfnis nach Macht und Ruhm und Größe kann sich auch anders ausleben.
Nun ist es aber in der jüngeren Geschichte dazu gekommen, dass Wohlstand, Reichtum, der Besitz materieller Güter und schließlich Geld zu einem Ideal geworden sind, einem verfestigten Ideal. Denn all das wurde als Beweis für ein gutes, für ein erfolgreiches Leben angesehen. Danach galt es zu streben. So sehr, dass dem Schritt für Schritt ALLES Andere untergeordnet wurde, was früher so nie der Fall war. Dadurch sind wir dann bei dieser grauenvollen, unaufhaltsam erscheinenden kapitalistischen Maschinerie gelandet. Eine Mechanik, die das menschliche Leben zentral angreift.
Unaufhaltsam erscheinend und doch von Menschen erschaffen. Menschen, die sich einer Art Götzendienst hingegeben haben, Menschen einer lebensschwachen Kultur. Und so sind wir nun dem Dämon des Kapitalismus, den wir selber gerufen haben ausgeliefert. Und die allgemeine Ratlosigkeit darüber wie man ihn wieder loswerden oder zumindest nachhaltig eindämmen kann, zeigt nur wie tief er sich in den Gehirnen der Menschen und in deren alltäglichen Leben verfestigt hat.
Was genau ist Kapitalismus?
Handelt es sich dabei nicht im wesentlichen um natürlich angelegte menschliche Notwendigkeiten und Triebe?
Haben wollen, haben müssen – andererseits Konkurrenz und Neid?
Warum ist sozialistisches Gedankengut so verpönt?
Kann eine Gesellschaft nicht durchaus beide Ideen miteinander verbinden?
Es sind viele Fragen, die sich mit dem weiten Begriff Kapitalismus verbinden!
Mir blieb nichts übrig, als eine halbwegs philosophische Diskussion mit Chat GPT anzustellen.
Tatsächlich nach vielen seitenfüllenden Fragen und Antworten hier die Zusammenfassung:
Chat GPT: Deshalb könnte man deine Position vielleicht so zusammenfassen:
Der Kapitalismus ist kein Irrtum, sondern Ausdruck menschlicher Natur. Er benötigt aber demokratische und rechtsstaatliche Grenzen, damit wirtschaftliche Macht nicht zu einer sich selbst verstärkenden Herrschaft wird.
Chat GPT: Deine eigentliche These würde ich heute vielleicht so formulieren:
Kapitalismus ist keine Erfindung, sondern eine Folge bestimmter menschlicher Eigenschaften – Eigeninitiative, Leistungsstreben und Verantwortungsübernahme. Deshalb kann er nicht einfach abgeschafft werden. Er muss jedoch durch gesellschaftliche Regeln begrenzt werden, sobald die Konzentration von Kapital zu einer Konzentration von Macht führt, die dem Gemeinwohl entgegensteht.
„Muss der Kapitalismus weg?“
Was für eine Frage???
Selbstverständlich muss der weg und je schneller desto besser
Ich verstehe nicht den inhaltlichen Punkt bei diesem „Randalieren aus Unbehagen“: Die gegenwärtigen Verhältnisse und Lebensbedingungen fußen nicht grundsätzlich auf dem Kapitalismus?..
Seinerzeit hatte mal jemand eine (inhaltlich) nicht unerhellende Artikelserie darüber geschrieben, hier: https://www.telepolis.de/article/Die-subjektlose-Herrschaft-des-Kapitals-4406088.html?seite=all Auch dem Autor sei dies zu lesen empfohlen.
Tja, bei Marx ist relativ selten von „Kapitalismus“ die Rede, stattdessen fällt ziemlich häufig der Begriff „Politische Ökonomie“. Im Übrigen wetterte Marx bei jeder Gelegenheit über diediversen ideologischen Sozialisten seiner Zeit, die glaubten, die Herrschaft des Kapital wäre mit blosser Willenskraft und irgendeinem idealen philosophischen Gesellschaftsentwurf zu überwinden. Nach ca. 7 Jahren Quellenstudium würde ich den Ansatz von Marx etwa so beschreiben: Kapital und Lohnarbeit treiben gesamtgesellschaftlich betrachtet die Produktivität nach oben und die Profitrate nach unten, bis irgendwann die Kapitalisten selbst nicht mehr an der Ausbeutung von Lohnarbeit interessiert sein können, weil sie keinen Gewinn mehr abwirft. Das ist der einzige mögliche Zeitpunkt, an dem die verschwindende Arbeiterklasse die Produktion und damit die Herrschaft der verschwindenden Kapitalistenklasse abnehmen kann um sie zu vergesellschaften und umzugestalten, und damit die Klassen als solche aufzulösen. Meine Folgerung: Bleibt die Arbeiterklasse in der entscheidenden Phase passiv, kollabiert das Wirtschaftssystem exotherm, die erreichte Produktivität degeneriert und die Zivilisation zerbröselt bis sie sich auf weit niedrigerem Niveau stabilisieren kann um den Tanz unter schwierigeren Ausgangsbedingungen wieder von vorne anzufangen.
Wer glaubt, das Lohnsystem vor seiner Zeit beseitigen zu können, hat das Prinzip noch nicht verstanden, das ich „human-ökonomische Entropie“ nennen würde. Eine ganz andere Frage ist allerdings, ob und was man in der Zwischenzeit anstellen will, um die Lebensbedingungen gesamtgesellschaftlich erträglich zu halten, was auch kein zu verachtendes sekundäres Ziel ist. Da gehen die Meinungen auf jeden Fall weit auseinander.
Da muss ich dem Herrn De Lapuente ein erstes Mal (wirklich das erste Mal) ein Kränzchen winden. Selbstverständlich halten die Zitate und seine aus dem Bauch heraus gebildeten Argumente und Auslassungen wie immer keiner einfachen oder akribischen Nachprüfung stand. Das tun sie nie bei seinen Texten, aber immerhin wird für einmal nicht rumgeheult.
Die Antworten der Angeschriebenen sind herrlich. Jeder weiss besser Bescheid, was Marx genau sagen wollte oder eben genau mit dem nicht sagen wollte. Wunderbare Empörungswellchen der verstaubten, selbstgefälligen Ewigmarxisten. Spezialisten des ‚Kapitals‘, welche diese Bibel in und auswendig kennen und bei jedem Problemchen dieses ‚Wissen‘ als Antwort für alles mit einem Lächeln im Gesicht aus dem Oberstübchen hervorkramen . Und sicher besser verstehen als das Gegenüber und bei jeglicher Kritik ihres engstirnigen Denkens in Schnappatmumg geraten.
Natürlich hat der Kapitalismus sehr viele schlechte Seiten, keine Frage, aber die Lösungen und immer gleichen Vorschläge der aussterbenden Ewigmarxisten sind weder realistisch noch umsetzbar. Aber wenigstens hat man einen Schuldigen für alles gefunden: Den bösen Kapitalismus. Schön und wohlig man sich fühlt, der einen Schuldigen für alles hat.
Eigentlich wollte ich einen langen und wahrscheinlich ätzend langweiligen Text schreiben. D.h. ich hatte es sogar schon getan, ihn aber nicht abgeschickt. Dafür lange über meinen Antikapitalismus nachgedacht und darüber, warum es so überhaupt nicht möglich zu sein scheint, Gesellschaft positiv zu verändern. Niemand wird sich wundern, dass ich zu keinem Resultat kam. Und warum die bürgerliche Gesellschaft abschaffen , die so gut funktioniert?
Vielleicht hat Frau Schweitzer mit einem Link in ihrem neuen Artikel über eine New Yorker Posse mehr erklärt, als ich zusammenkritzeln könnte. Ein Link zu dem Wikieintrag des Verdächtigen, der diesen Versicherungsbonzen abgeknallt hat, der unter der Parole “ Verzögern, Verweigern, Verklagen“ seinen ganz normalen Job machte: den Profit seiner Eigner auf Kosten seiner Versicherten zu mehren. Bis hin zu deren Tod.
Es gibt nur ein einziges Bewegungsgesetz der bürgerlichen Gesellschaft – am Ende muss mehr Geld gemacht worden sein. Es wird kein Brot gebacken, so sehr es auch gebraucht wird, wenn nicht zum Schluss mehr Geld da ist. Den Rest regelt der Konkursrichter.
Das ist kein zu korrigierender Webfehler der Sache, das ist die Sache selbst. Und so gesehen haben die unbeholfen diskutierenden paradigmatischen Linken des Autoren eben doch recht. Auch wenn es eine rein akademische Debatte ohne erkennbare praktische Bedeutung ist.
Ich habe jetzt nicht jeden Kommentar gelesen. Hat es schon jemand zuvor zitiert?
„»Kapital, sagt der Quarterly Reviewer, flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel.«
Das Zitat vom Kapital stammt von P.J. Dunning (1860), dass Karl Marx in einer Fußnote im “Kapital“ bekannt machte.
Es gibt Wirtschaftssysteme die können ohne Krieg nicht sein.
Ganze Industriezweige, also eigentlich deren Eigentümer, profitieren von Kriegen und kriegerischen Konflikten. Erst wird in Krisengebieten der Brand gelegt, dann hilft man beim Löschen und verdient daran kräftig.
Sind die Krisengebiete in Schutt und Asche gelegt, beteiligt man sich natürlich großzügig am Wiederaufbau, zum Beispiel an den Bau neuer Straßen, Wasserleitungen, Schulen oder Krankenhäuser usw. Selbst an den Flüchtlingen, die durch Flucht und Vertreibung ihre Heimat verlassen müssen, wird kräftig verdient. Der Krieg ist zum umfassenden, Profit optimierten Geschäftsmodell geworden.
„Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich, wie die Wolke den Regen “ sagte
Jean Jaurès, Kriegsgegner, 1914
Heute geht es im Krieg nicht mehr um Sieg oder Niederlage, sondern nur noch um Profit. Jeder Tag bringt Profit. Jeder weitere Tag bringt noch mehr Profit und mehr Blut bringt noch viel, viel mehr Profit!
@ 1211:
Ich erinnere die Irritation, die ich als junger Mensch hatte, als ich eine Doku über die Nachkriegszeit 1945 sah: „Flucht, Trümmer, Hunger, Hungerwinter“ und die ganzen anderen Stichworte waren nachvollziehbar. Aber es gab einen Schwarzmarkt, wo es alles zu einem willkürlichen Tauschwert gab, und nach Einführung der DM füllten sich wundersam plötzlich die Auslagen der Läden. Es kann also vorher keinen tatsächlichen physischen Mangel gegeben haben. Das wollte nicht wirklich in meinen Schädel.
Ihr abschließendes Zitat, das mir lange bekannt ist, lieferte dann aber den Mechanismus zum Verständnis und @OSTDEUTSCHER47 hat mit seinem abschließenden Satz auch Recht.
»Der Mensch ist des Menschen Wolf«? Ne, wohl eher: „Der Mensch ist des Menschen Parasit.“
Oder auch: Der Horror vacui des menschlichen Seins erzeugt zwangsläufig Conrads »Das Grauen«.
Wenn Leute, die mit Marx und dessen Kritik nix am Hut haben, sich auf Marx berufen, dann geht es meistens richtig schlimm in die Hose. Der Bildungsbürger kennt Marx ja vornehmlich als Philosoph, und weil man sich für aufgeklärt und sozial hält, mag man an Marx auch was Gutes entdecken: hier, dass Marx dem Kapitalismus bescheinigt, ein notwendige(!) „Entwicklungsstufe“ zu sein.
Nun, wenn Marx das so gesehen haben sollte, dann hätte er sich gewaltig geirrt.
Es stimmt zwar, dass der Kapitalismus eine gewaltige Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit zuwege gebracht hat. Das gut zu finden, ist allerdings reichlich daneben. Denn der Preis dafür sind sinnentleerte, vereinseitigte Tätigkeiten, die die Gesundheit arg strapazieren un den Menschen zum bloßen Anhängsel der Maschine machen. Man sieht den Produktionsverhältnisse an, welchem Zweck sie genügen müssen: möglichst viel Arbeit in möglichst kurzer Zeit „einsaugen“. Will man solche Produktionsverhältnisse „erben“?
Damit kommt man zum zweiten Punkt: im Kapitalismus sind nicht die hergestellten Gebrauchswerte der Reichtum. Der Gebrauchswert ist lediglich der Träger des Tauschwertes. Auch das sieht man den Gebrauchswerten an. Das ausgerechnet der benötigte Aufwand (zur Herstellung) Maß des Wertes ist, und nicht das Produkt, ist eine hammerharte Kritik an der Sorte Reichtum, die der Kapitalismus schafft.
Zudem ist damit auch festgelegt, dass die Steigerung der Produktivität nie und nimmer dazu führt, dass man weniger arbeiten muss, weil man dieselbe Produktenmenge in kürzerer Zeit herstellen kann. Umgekehrt: die immer gewaltigere Maschinerie, die immer mehr konstantes Kapital einer immer (anteilig) geringeren Lohnsumme (variables Kapital) gegenüberstellt, verlangt gerade deshalb nach einer immer umfassenderen Ausbeutung.
Die gigantische Warenmenge ist nicht etwa ein Segen, sondern ein Problem des Absatzes. Der Kampf um Marktanteile gebietet noch mehr an der Lohn/Leistungsschraube zu drehen… usw..
Das könnte ich jetzt immer weiterführen, über die Notwendigkeit des Kredits, den Finanzüberbau, und welche „Sachzwänge“ dort entstehen, die notwendigen Krisen, die Konkurrenz der Standorte, die Übergänge zur Gewalt,…
Kapitalistischer Reichtum taugt nichts! Dass man die bunte Warenwelt bewundert, die Vielfalt und die Menge des sachlichen Reichtums ist ein Fehler. Das ist eben nicht die Sorte Reichtum, auf die es im Kapitalismus einzig und allein ankommt: Geld.
Daher sind auch alle Vergleiche mit früheren Zeiten verkehrt. Erstens sieht es in vielen Ecken der Welt so aus, wie damals im berüchtigten Manchesterkapitalismus: schlicht, weil die dortige Verhältnisse die Menschen noch erpressbarer machen. Zweitens ist all der sachliche Reichtum nur gegen Geld zu haben. Dem Einen oder Anderen wird es demnächst schon noch auffallen, dass er sich immer weniger von den schönen Dingen leisten kann, obwohl gleichzeitig immer mehr davon hergestellt wird, und jedes einzelne Stück immer weniger Aufwand benötigt.
Als Lohnarbeiter ist man Kost, an der spart das Kapital bekanntlich.
Hier wurde im Forum auf so tolle Errungenschaften wie das Antibiotika verwiesen. Da wird ein enorm hilfreiches Medikament erwähnt, weil es einen Durchbruch bei bakteriellen Infektionen geschaffen hat. Aber wenn sich damit kein Gewinn erzielen lässt, dann erfindet niemand so etwas? Dann hört die Wissenschaft auf zu forschen, weil ja kein Geld damit zu verdienen ist?
Was hier als Lob des Kapitalismus aufgetischt wird, ist ein hammerhartes Urteil über ihn. Ja, im Kapitalismus wird tatsächlich Forschung eingestellt, wenn sie keine gewinnträchtigen Ergebnisse verspricht. Im Kapitalismus zählt nicht das Wissen, sondern der Wissensvorsprung. Im Kapitalismus verhindern Patente, dass sich Erfindungen verallgemeinern.
Am Kapitalismus ist nichts, aber auch wirklich nichts gut. Es ist eine menschenfeindliche Produktionsweise, die zudem auch noch ihre eigenen Grundlagen ruiniert.
(Marx, Kapital)
Danke für die Argumente. Ich fürchte nur, dass sie gegen die Wand gesprochen sind.
„Wer den Kapitalismus lediglich als moralisch verwerfliches System betrachtet, übersieht geflissentlich diesen dialektischen Charakter. “ Wer solche Sätze schreibt, will nichts mehr wissen. Der hat sich angewöhnt die Welt in gut und böse zu teilen, denn es wird ja nicht die moralische Betrachtungsweise kritisiert, sondern die einseitige moralische Verurteilung, die gar nicht notwendig ist, wie du in deinem Beitrag beweist, um sich ein Urteil dieser Produktionsweise zu bilden. Der will den Kapitalismus loben: „Er ist nicht nur moralisch verwerflich, sondern hat „dialektisch“ betrachtet auch seine guten Seiten.“ Verwerflich sind nur die linken Miesmacher. Ich wundere mich, dass bei einer solchen Redaktion Leute wie Hendrig, Cechura … und andere hier noch schreiben wollen.
Henry Ford sagte mal: Die Löhne zahlt nicht der Fabrikbesitzer, sondern der Kunde.
Machen wir mal ein Beispiel: die Politik greift in den Markt ein und verkündet, aus Umweltschutzgründen müssen die Hersteller einen bestimmten Wert für den Co2-Ausstoss einhalten. Also werden entsprechende Autos gebaut. Danach greift die Politik wieder ein und verkündet, dass es gute und schlechte Energie gibt. Alle haben nur die gute Energie zu benutzen. Ist zwar teuer, aber politisch halal. Dieser Eingriff in den Markt ist doch das, wovon Sozialisten immer Träumen. Wir bestimmen, was der Markt braucht. Wir bestimmen, wie alles zu sein hat. Wir und unsere Utopien von der heilen Welt.
Jetzt komme ich zu Henry Ford zurück. Durch diese und weiter Markteingriffe hat man das Kundensegment verengt. Nicht jeder hat eine Wallbox für das Aufladen von Elektroautos. Chinesische Importeure stehen übrigens vor dem selben Problem in Deutschland. Es gibt also weniger Kunden, die die Löhne und Gehälter für VW bezahlen. Werksschließungen sind die unausweichliche Konsequenz. Das gilt auch für die gesamte Branche. Dagegen zu protestieren ist Realitätsverweigerung.
Fun Fact: Die Gewerkschaften haben mit ihrer Politik das noch unterstützt. Statt sich für vernünftige Rahmenbedingungen einzusetzen, standen sie in Erfurt auf der Seite derer, die für eine alternativlos gerechte und linke Politik stehen. Wenigstens werden die Arbeitsplätze für eine gute Sache geopfert.
Auch Roberto De Lapuente macht es sich zu einfach.
Roberto De Lapuente hat recht, wenn er die Formel „Der Kapitalismus ist schuld“ als unzureichend kritisiert. Kriege, Gewalt, Machtgier und Unterdrückung existierten bereits lange vor dem modernen Kapitalismus. Wer jedes gesellschaftliche Problem mit einem einzigen Schlagwort erklärt, betreibt keine Analyse, sondern beendet sie, bevor sie überhaupt begonnen hat.
Doch De Lapuente macht es sich in seinem Artikel selbst zu bequem.
Denn aus der Tatsache, dass der Kapitalismus den Krieg nicht erfunden hat, folgt keineswegs, dass die gegenwärtige kapitalistische Ordnung keinen entscheidenden Einfluss auf Kriege, Machtpolitik und internationale Gewaltverhältnisse besitzt. Die wichtige Frage lautet nicht, ob es schon unter Königen, Kaisern und Feudalherren Kriege gab. Die Frage lautet, welche Strukturen heute besonders rücksichtsloses Verhalten ermöglichen, belohnen und gegen demokratische Kontrolle abschirmen.
Gerade der westliche Kapitalismus ist längst mehr als ein bloßes Wirtschaftssystem. Er ist mit militärischer Macht, Finanzinteressen, Medienkonzernen, Rohstoffpolitik, Lobbyismus und geopolitischen Bündnissen verflochten. In diesem System können jene Staaten, die über genügend wirtschaftliche und militärische Macht verfügen, Regeln aufstellen, sie anderen Ländern aufzwingen und sich selbst immer wieder über sie hinwegsetzen.
Kontrollmechanismen, die diese Macht begrenzen könnten, werden häufig gar nicht erst wirksam entwickelt. Internationale Institutionen bleiben abhängig von den mächtigsten Staaten. Völkerrecht wird selektiv ausgelegt. Wirtschaftliche Sanktionen, militärische Interventionen und politische Einmischung werden je nach Absender entweder als Verbrechen oder als Verteidigung einer angeblich regelbasierten Ordnung bezeichnet.
Besonders deutlich wird das am Verhalten der USA und ihrer engsten Verbündeten. Die Vereinigten Staaten konnten zahlreiche Kriege führen oder unterstützen, ohne dafür ernsthaft zur Verantwortung gezogen zu werden. Wer über genügend Macht verfügt, muss offenbar weder mit einem internationalen Strafgericht noch mit wirtschaftlicher Isolation oder einer umfassenden politischen Ächtung rechnen.
Auch Israel konnte sich über Jahrzehnte darauf verlassen, dass sein mächtigster Schutzpatron selbst schwerwiegendes Vorgehen politisch, militärisch und diplomatisch absichert. Das erinnert an einen Schulhofschläger, der weiß, dass der Direktor ihn beschützt und sein Vater bei der Polizei arbeitet. Unter solchen Bedingungen entsteht keine Mäßigung. Es entsteht das Bewusstsein, dass man sich nahezu alles erlauben kann.
Der Kapitalismus ist daran nicht in dem simplen Sinne „schuld“, dass Profitstreben automatisch jeden einzelnen Krieg auslöst. Aber die bestehende westliche Machtordnung begünstigt eine Politik, in der ökonomische Interessen, militärische Überlegenheit und politische Straflosigkeit ineinandergreifen. Rüstungsunternehmen verdienen an Eskalationen, politische Eliten sichern Einflusszonen, Medien schaffen die moralische Begleitmusik und die Kosten tragen andere.
De Lapuente warnt vor der Bequemlichkeit einer monokausalen Kapitalismuskritik. Das ist berechtigt. Doch ebenso bequem ist es, auf vorkapitalistische Kriege hinzuweisen und damit die Besonderheiten der heutigen Ordnung kleinzureden. Dass es früher ebenfalls Gewalt gab, entlastet ein System nicht, das Gewalt industrialisiert, ökonomisch verwertbar macht und durch globale Machtstrukturen absichert.
„Der Kapitalismus ist an allem schuld“ ist zu einfach. Aber ebenso falsch wäre die Folgerung, der Kapitalismus sei lediglich eine neutrale Bühne, auf der sich die immer gleichen menschlichen Schwächen abspielen.
Er ist nicht die alleinige Ursache. Aber er schafft Anreize, verteilt Macht und bestimmt wesentlich mit, wer sich rücksichtsloses Verhalten leisten kann – und wer dafür bezahlen muss.
De Lapuente kritisiert die verkürzte Analyse seiner Gegner. Dabei verkürzt er selbst: Er verwechselt die Behauptung, der Kapitalismus habe Kriege erfunden, mit der wesentlich ernsthafteren These, dass der heutige Kapitalismus Kriege begünstigt, verlängert und für bestimmte Akteure außerordentlich profitabel macht. Genau darüber müsste gesprochen werden.
Der kapitalistische Verwertungszwang, wird uns alle untergehen lassen, wenn wir die herrschende Klasse nicht samt ihrer Funktionselite und allen Strukturen des Kapitalismus beseitigen.
Das ist das komische an der Wahrheit, wenn man sie einmal kennt lässt sie einen nicht mehr los.
Nachtrag: 19 EU-Staaten haben Regierungen mit sozialdemokratischer oder sozialistischer Beteiligung. Und wo stehen wir heute in Europa? Wo sind denn all die schönen Dinge, die der Sozialismus uns verspricht?
Es ist nicht immer das drin was draufsteht.
Sie sollten sich daran gewöhnen, das die gesamte westlich Erzählung eine einzige Lüge ist.
Sauregurkenzeit hin, „Recyling ist gut für die Umwelt!“ her, hier ist es einfach nur noch öd. Und deswegen zitiere ich bloß, was ich schon vor zwei Wochen geschrieben habe, als das Original erschienen war:
„Ich habe mal kurz etwas zusammengestellt und glätten lassen. Das kann man dann im Recycling-Falle in die Wiedervorlage geben:
Der Text geriert sich als Befreiungsschlag gegen Monokausalität – und errichtet dabei, man könnte beinahe sagen: wie üblich, seine eigene. Er beginnt mit einer Karikatur linker Kapitalismuskritik, statt sich mit ihren stärksten Argumenten auseinanderzusetzen. Wer aus jedem Einwand erst eine lächerliche Überzeichnung bastelt, gewinnt Debatten schon deshalb, weil der Gegner nur noch aus Stroh besteht.
Auffällig ist auch dieses Mal die Methode. Der Kapitalismus wird nicht verteidigt, sondern rhetorisch normalisiert und gegen grundsätzliche Kritik immunisiert. Kriege gab es schon immer, Ausbeutung ebenso, Machtkonzentrationen sowieso. Daraus soll folgen, dass kapitalistische Logiken keine besondere Erklärungskraft besitzen. Das ist ungefähr so schlüssig wie zu sagen: Menschen starben schon vor dem Rauchen an Lungenkrankheiten, also sei Tabak als Ursache überschätzt.
Der eigentliche Kunstgriff liegt jedoch woanders. Der Autor verschiebt die Frage. Nicht mehr: Welche Rolle spielen Eigentum, Kapitalinteressen oder ökonomische Anreize in einem konkreten Konflikt? Sondern: Gab es das Böse schon vor dem Kapitalismus? Natürlich gab es das. Nur beantwortet das die ursprüngliche Frage überhaupt nicht.
Ebenso verräterisch ist die Pose des abgeklärten Realisten. Wer ständig vor „Monokausalität“ warnt, kann sich jede tiefergehende Analyse ersparen. Alles ist komplex. Alles hängt mit allem zusammen. Und am Ende bleibt genau jene Ordnung, die angeblich nur nüchtern betrachtet werden sollte, erstaunlich unberührt. Komplexität wird hier nicht zur Erkenntnis, sondern zum Nebelwerfer.
Der Text kritisiert Moralismus – und arbeitet doch selbst mit moralischen Figuren: die selbstgerechten Altlinken, die nostalgischen Marxisten, die intellektuell bequemen Welterklärer. Konkrete Menschen beschreibt er dabei gar nicht, sondern bloß Masken, Statisten einer bereits feststehenden Erzählung. Das ist Psychologisierung als Ersatz für Analyse.
Vielleicht verrät der Aufsatz gerade dadurch mehr über seine Zeit und seinen Verfasser als über den Kapitalismus. Heute verkauft sich der Gestus des Entlarvers besser als die Entlarvung selbst. Man liefert keine eigenen Alternativen mehr, sondern sinniert lieber über die vermeintlichen Motive derjenigen, die noch welche formulieren – oder gar leben. Das spart die Mühe, sich mit der Sache auseinanderzusetzen. Wer jede Kritik an ökonomischer Macht zur Folklore erklärt, betreibt keine Aufklärung, sondern Imagepflege für den Status quo.“
Neben der unvermeidlichen Abteilung „Kapitalismus ist toll, weil viel Reichtum und so“ gibt es natürlich auch die Fraktion, die den Kapitalismus aus der Natur des Menschen ableiten will. Die hat zwar noch niemand als solche bestimmt, aber die Interpolation über höchst unterschiedliche Gesellschaftssysteme reicht diesen Leuten, um festzuhalten: „Der Mensch ist des Menschens Wolf“.
Es ist lustig, dass ausgerechnet die Apologeten im Kapitalismus eine Kontinuität mit lauter Gesellschaftssystem entdecken, die eigentlich keinen so guten Ruf haben. Ob Sklavenhaltergesellschaft oder Leibeigenschaft im Feudalismus, alles taugt dazu, daran festzuhalten, dass „der Mensch“ immer immer auf Gewinn aus ist, sich von je her an anderen zu bereichern wusste.
Da wo wirkliche Menschen lauter Gründe haben, dieses zu tun oder jenes zu lassen, wo sie kalkulierend mit den Bedingungen umgehen, will man auf etwas ganz Prinzipielles heraus: der Mensch ist eben so, wie er ist, und der Kapitalismus trägt dem Rechnung, ja ist sogar die perfekte Gesellschaft, weil quasi das natürliche Habitat für die unersättliche Menschennatur.´
Diese Totalabstraktion will von den wirklichen Gründen nichts wissen, gibt sich aber höchst aufgeklärt. Egal, welches Thema man am Wickel hat, das Urteil steht schon lange vorher fest: „ja ja, der Mensch!“
Mal so gefragt: warum dann nicht zurück zur Sklavenhaltergesellschaft? Auch wie wird ja der Menschennatur entsprochen haben, wenn sie als Beleg dafür taugen soll, dass der Mensch eben so ist, wie er ist. Wer an so höchst unterschiedlichen Gesellschaftssystemen nichts anderes als eine immerwährende Natur entdecken will, der ist doch überall gut aufgehoben?
Weil es jemand schrieb: „warum hat der Sozialismus einen so schlechten Ruf?“. Die Frage ist eigentlich ganz einfach zu beantworten. Jedes Herrschaftssystem leistet sich die Apologeten, die es schönreden. Im Kapitalismus gibt dafür sogar einen eigenen Zweig Wissenschaft – die VWL.
„Wer zahlt, bestimmt die Musik“. Das gilt natürlich auch in dieser Gesellschaft. Ein Heer von Schreiberlingen besingt die modernen Errungenschaften, wägt lauter Notwendigkeiten der Herrschaft ab, und bereitet sie dem einfachen Volk, dass den Schaden davonträgt, das kindgerecht und verständlich auf. Man erfährt zeitnah, was alles ansteht, welche Zumutungen jetzt unbedingt sein müssen, damit „wir“ für die Zukunft fit sind, und in der Konkurrenz gegenüber anderen Nationen gut abschneiden.
Dagegen haben früher mal Leute protestiert, haben z.B. in „Stuhlkreisen“ Wissenschaft betrieben und sind den Dingen auf den Grund gegangen. Das Wissen gibt es noch (in Buchform), nur wissen will davon kaum mehr jemand etwas. Nicht zuletzt dank solcher Artikel wie des Autors.
An den Autor (aber nicht nur den).
Ich fand die Replik von Gausmann auf freidenker.de recht treffend, wenn auch etwas kurz gesprungen, weil nur eine Replik. Dazu möchte ich noch Folgendes ergänzen:
Es mag solche Leute geben, mit denen man keine vernünftige Diskussion führen kann, weil sie immer nur mit inhaltzleeren Schlagworten „argumentieren“. Dann lässt man das entweder, oder man weist an dem jeweiligen(!) Thema nach, dass der Kapitalismus dort nicht oder nicht die alleinige Ursache ist. Dass die eine Seite keine vernünftige Argumentation hinbekommt, heißt eben nicht, dass man es selber dann auch nicht braucht.
Wer einen solchen Rundumschlag, so eine Generalabrechnung ins Netz sich selber dann aber nicht der Diskussion stellt, ist auch nicht besser als die Leute, die er kritisiert.
Aber: was ist nicht ist, kann ja noch werden. Wie wäre es mit einer Replik auf die Replik, oder eine Teilnahme an Diskussion hier?
BTW: die Begrenzung auf 5 Kommentare tut einer Diskussion auch nicht gut.
„oder eine Teilnahme an Diskussion hier?“ – Eine Diskussion wo gar nicht von gleich zu gleich auf Augenhöhe diskutiert wird, sondern eine Seite bestimmt was überhaupt in den Kommentaren landet? „Dein Kommentar wartet auf Moderation.“
Sehr optimistisch gedacht. Erst den Kommentarbereich amputieren – worauf für die Macher die Notwendigkeit entsteht den vor sich hin dümpelnden Kommentarbereich dadurch wieder zu beleben, indem man die Linken angreift, pardon kontroverse Themen aufgreift, damit die Linken, wie geweckte Hunde, den Kommentarbereich wieder fluten. Es ist alles so durchsichtig. Ich hoffe es gelingt nicht, wenigstens nicht langfristig.
Das noch zum abenteuerlichen Zeug, welches hier in den Kommentaren mehrfach und hartnäckig verbreitet wurde.
„Der Mensch ist egoistisch, gierig, rücksichtslos und der Kapitalismus ist genau das richtige System für ihn.“
Das ist unwissenschaftlich und unrichtig.
Der Mensch ist von Natur aus auf Kooperation und Gemeinschaft ausgelegt.
Das so etwas wie eine „kapitalistische Gier“ seinem Wesen entspricht und ihn
antreibt, ist schlichtweg falsch. In diesem Bild finden Sozialdarwinisten und Faschisten das Fundament für ihre gnadenlose Form von Herrschaft über Schwächere. Der Kapitalismus ist nicht „genau die richtige Organisationsform für das evolutionär, egoistisch, verkommene Subjekt Mensch.“ Den Auftakt zur Widerlegung dieser Auffassung beschrieb
Peter Kropotkin 1905 in „Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt“.
Kropotkin wurde später von Evolutionsbiologen, Psychologen und Soziologen bestätigt. Die Sentinelesen hätten sich bis heute aus Habgier gegenseitig totgeschlagen, wenn es anders wäre.
Mensch und Kapitalismus passen NICHT
wie Arsch auf Eimer !
Zu „Muss der Kapitalismus weg?“, vom 16. Juli 2026 von Roberto De Lapuente, finde ich den folgenden richtigen Satz, „Er ist eine historische Wirtschaftsordnung mit Stärken, Schwächen und Widersprüchen – und sicherlich auch mit Perversionen, aus denen sich mehr denn je Menschen an den Profiten der Realwirtschaft mästen, ohne einen konkreten Nutzen für die Gesellschaft zu haben.“ Und den sehe ich genau so. Trotzdem ist der Kapitalismus Sch… Wie aber kommt man mit ihm zurecht?
Zu einem Artikel in OVERTONE mit dem Titel „Patriotismus oder Kommunismus“, veröffentlicht am 12. Juli 2026, hatte ich geshrieben:
„Die Ware Arbeitskraft“. Was für ein Satz. Ob der Mensch, egal, ob im Kapitalismus oder Sozialismus sich bewusst ist oder werden könnte, dass er als „Arbeitskraft eine Ware“ ist, weiß ich nicht. Wie würde die Situation im Kapitalismus aussehen, wenn „Die Ware Arbeitskraft“ sich bewusst würde, dass sie ein Mensch ist? Sagt „Die Ware Arbeitskraft“ dann, „Ich denke also bin ich“ und wie würde sie dann handeln.
Dazu folgte ein Kommentar des Lesers „ratzfratz“: „Wer Stolz ist auf sein Vaterland, dem fehlt es irgendwo an der eigenen Persönlichkeit.“ Diese Ansicht hat mir gefallen.
Weiter schreibt er: „Aber daraus abzuleiten, dass der Arbeitnehmer kein Vaterland hätte, ist Unsinn. Der Arbeitnehmer hat idR nichts anderes als sein direktes Umfeld.“ Und das sehe ich auch; aber reicht diese Sicht „Der Ware Arbeitskraft“ für ihr Leben?
„ratzfatz“ schreibt weiter: „Ich kann nachvollziehen, dass jemand Stolz auf seine Gemeinschaft ist, in der er produktiv und für alle sichtbar, mitwirkt.“
Da habe ich mich daran erinnert, dass ich mir mal sagte: „Jeder Mensch hat das Bedürfnis in Ruhe zu arbeiten und zu leben.“
Dazu passt ein Zitat von Karl Marx: „Alle Arbeit ist einerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinn, und in dieser Eigenschaft gleicher menschlicher oder abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Warenwert. Alle Arbeit ist andrerseits Verausgabung menschlicher (körperlicher und geistiger: Anmerkung von mir) Arbeitskraft …“ (Das Kapital; S. 52)
Nun stelle ich mir die Frage: Wie wird der ‚Der Ware Arbeitskraft‘, die Möglichkeit genommen, sich über sich selbst bewusst zu werden. Wo beginnt die Entfremdung?
Meine Antwort ist: Durch die Schulbildung. Wenn man in der Grundschule erstmal die Grundkenntnisse, das Rechnen und das Schreiben gelernt hat, wird bei der weiteren Schuldildung den Schülerinnen und Schülern beigebracht, sich so auf das Lernen zu konzentrieren, dass diese im späteren Berufsleben, den Glauben entwickeln, es reiche, ein Leben leben zu wollen, der in der Ansicht mündet: „.., dass jemand stolz auf seine Gemeinschaft ist, in der er produktiv und für alle sichtbar, mitwirkt.“
Das funktioniert, solange die gesellschaftliche System ökonomisch funktionert. Wenn die erwirtschafteten Werte so verteilt werden, das jeder „.. stolz auf seine Gemeinschaft ist, in der er produktiv und für alle sichtbar, mitwirkt“. Wenn das, was verteilt werden kann weniger wird und nicht mehr funktioniert, dann werden die Reichen nicht ärmer, aber die „Die Ware Arbeitskraft“, die soll den Gürtel enger schnallen.
Man könnte nun fordern das heutige Schulsystem abschaffen wollen. Das geht aber nicht. Wie könnte aber ein Mensch auf den Gedanken kommen, sich darüber bewusst zu werden, dass er im späteren Berufleben als „Arbeitskraft eine Ware“ ist.
Nun hatte ich mir mal bei meiner früheren politischen Arbeit den Satz geprägt. „Nur die gesellschaftliche Praxis verändert. Erst wenn es weh tut, wenn die Schmerzen größer werden, wird sich im Denken etwas ändern.“ Meistens reicht es nur zum revoltieren. Schaun wir mal was die Zukunft so bringt.
Was Kapitalismus ist (und macht) ist gerade zu beobachten im Fall des Bücherkaufs:
https://www.swr.de/kultur/literatur/kaufen-ki-firmen-massenhaft-antiquariatsbuecher-auf-100.html
Das soll ziemlich fächendeckend der Fall sein.
Die Bücher werden dann anscheinend geschreddert,
damit niemand mehr Zugang und Zugriff auf Wissen hat,
welches von KI-Firmen verwaltet und kontrolliert wird.
Ist das nicht ‚Fahrenheit 451‘ Live und in Farbe?
Vor 20 Jahren erhielt ich den Tipp für das Buch von 1953,
den Film von 1966.
Die 451 bezieht sich auf den Brennpunkt von Papier.
Damals als Dystopie gehandelt, muss man sagen:
entgegen der angeblichen Verbesserung für alle
sind doch ziemlich viele dieser dystopischen Versprechen wahrgeworden:
Umwelt, Klima, Unfreiheit.
Und wie wahnsinnig bekämpfen die Apologeten des Kapitalismus alles das,
was es an anderen Entwürfen gibt.
Seit dem Crash von 2008 ist viel zu viel Geld im System, dass nicht sofort auf der Straße gelandet ist in Form von „Alltagsinflation“, sondern gepuffert in irgendwelchen Arten von Finanzdienstleistungen, die Rendite wollen. Dadurch ist der Kapitalismus komplett pervertiert und ist fleissig dabei, in Märkte einzugreifen. In Deutschland greift das Kapital – über die CDU – in den Wohnungsmarkt, Heizungsmarkt, Mobilitätsmarkt und natürlich in den Markt für Rüstung massiv ein, bzw. schafft letzten Markt. Und schafft mit der Aktienrente jetzt den Markt, der die Privatisierung der Sozialsysteme einleitet. Natürlich alles von „Links“ mit dem Stempel humanitär, weltoffen, menschenrechtlich abgesichert versehen. Auf der Strecke bleibt die freie (soziale) Marktwirtschaft. Und natürlich vernichtet diese Art von Kapitalismus seine Basis, weil er nur wenige Gewinner kennt, aber ganze Volkswirtschaften als Verlierer.
Ich bin weder Wirtschaftsexperte noch Philosoph, dennoch möchte ich naiv und provokativ behaupten, dass Marx heute aktueller denn je ist.
Marx reagierte auf die industrielle Revolution, in der die Automatisierung EINIGER menschlicher Arbeit begann. Doch heute stehen wir kurz davor, dass JEDE menschliche Arbeit von einem Roboter adäquat wenn nicht gar besser ausgeführt werden kann. Die „Dark Factories“ in China, in denen nur noch Roboter fertigen, sind in China bereits Realität und der Rest wird folgen, folgen müssen. Der Mensch wird dadurch gänzlich entbehrlich auf dem Arbeitsmarkt und das zukünftige Wirtschaftssystem muss mit dieser neuen Situation umgehen können.
Der Kapitalismus in seiner westlichen Ausgestaltung ist bereits am Kollabieren, die westlichen Demokratien zu Plutokratien verkommen … Es wird daher höchste Zeit, einen tieferen Blick auf China und den Kommunismus zu werfen, um den Übergang vom „Reich der Notwendigkeit“ in das „Reich der Freiheit“ gemäss Marx erfolgreich und zum Wohle Aller zu vollziehen.
Es gibt keine ewigen Wahrheiten. Punkt. Die Reaktionsmöglichkeiten von Lebewesen auf ihre Umwelt(en) sind stetigen Veränderungen unterworfen – unabhängig von der Art . Manche brauchen individuell fast keine Zeit, andere kollektive Tausende von Jahren, in der Form von Kriegen überschaubare Zeitspannen, die von Menschen gelegentlich sogar nummeriert werden, wie z. B. der 1. Punische oder der 2. Na und? Die letzte Wahrnehmung einer solche Veränderung nennen die meisten Menschen in Bezug auf Individuen Tod, in Bezug auf Arten Aussterben. Ob ein Schaden entsteht, wenn die Menschheit ausstirbt wissen „die Götter“. Wer alles sich darüber in den letzten 10.000 Jahren Gedanken gemacht hat, wissen wir nicht, weil keiner von uns ALLES gelesen hat. Na und? MUSS Leben einen „Sinn“ haben, oder darf sich jedes Exemplar gleich welcher Art nach dem Aufwachen sinnlos freuen, dass es noch stoffwechselt?
Ah, interessant, das wusste ich noch gar nicht!
Und das gilt bis wann? Doch wohl nicht ewig, oder?
Wenn der Satz »Es gibt keine ewigen Wahrheiten.« keine Lüge ist, ist er ein Paradox, denn er kann laut eigener Aussage nicht ewig wahr sein.
@ El-G:
Skepsoid behauptet, es gäbe bis jetzt noch keine Wahrheiten mit unbegrenztem Haltbarkeitsdatum. Wenn das stimmt, wird es irgendwann in Zukunft welche geben, und das ist nicht paradox,
sondern bloß ein bißchen strange …
Nönönönö, bei @Skepsoid wird kein Timeframe oder sonstige Einschränkung oder Bedingung genannt. Er endet seinen Auftakt mit einem expliziten »Punkt.« Was dem restlichen – wie ich finde charmanten – Post das Sujet einer Sportreportage gibt.
Ok, sei dem so.
Aber auch die Aussage A: „Alle Aussagen sind falsch.“ ist nicht paradox, sondern nur falsch [1]:
Aus A folgt non A (durch Anwendung von A auf sich selbst), aber jetzt ist die Selbstreferenzialität futsch:
non A, also die Aussage: „Nicht alle Aussagen sind falsch“ sagt nicht über sich selbst, dass sie nicht falsch sei, und der eine Paradoxie kennzeichnende zweite Schluss von non A zurück auf A gelingt nicht. Das ginge bei B: „Diese Aussage ist falsch“, da lässt sich eine endlose Kette B -> non B -> B … erzeugen (oder zumindest „non B -> non² B -> non B … „)
[1] d.h. es gibt zumindest einen Satz der nicht falsch ist. Zum Beispiel diesen.
Und noch dieses traurige Kuriosum hier, Mutmacher und Bestätigung der alten Weisheit, es gibt nichts, was es nicht gibt:
Nato-Anarchisten und eine neue RAF für Staat, Nation und Faschismus.
Es sind übrigens die selben, die schon seit 3-4 Jahrzehnten die Werbetrommel für das kleine, tapfere und unschuldige Israel rühren.
https://www.jungewelt.de/artikel/526201.nato-fraktion-%C3%BCber-leichen.html
All die Überlegungen zur Natur des Menschen taugen nichts. Selbst, wenn es so etwas gäbe wie eine allgemeine „Natur“, ist der Mensch doch ein denkendes Wesen mit einem Verstand.
Zweitens sind die Abstraktionen, die hier zuweilen gemacht werden falsch. „Bereicherung“ sieht im Feudalismus anders aus und richtet sich auf eine andere Sorte Reichtum.
Im Kapitalismus geht es um das Prinzip aus Geld mehr Geld zu machen. Dabei fährt der Kapitalist zwar meistens ausgesprochen gut, und es fällt für ihn eine üppige Revenue ab. Die steht aber im Kapitalismus auch im Gegensatz zum Zweck der Reichtumsvermehrung. Geld, dass in den Konsum fließt, steht nicht mehr als Kapital zur Verfügung.
Und nochmal ein Nachtrag zu den Diskussionen um den „richtigen“ Zeitpunkt für eine Revolution. Die sind völlig daneben. Weder braucht es den Kapitalismus zur Entwicklung der Produktivkräfte, noch taugen die dann eingerichteten Produktionsverhältnisse für Kommunismus.
Das Kapital beherrscht diese Erde, leider vergisst das Kapital, das es die Erde mit ihrer ‚Natur‘ ist, die das Kapital füttert.
Wenn irgendwann die Erde nicht mehr die Gier füttern kann, wird diese Natur sich an der endlosen Gier rächen.
Jedes System besitzt ein biologischen Rhythmus, jeder Rhythmus besitzt seine eigenen Grenzen.
Technologie durch Vorsprung, kann selbst ein künstliches System nicht die Natur ersetzen.
Und wenn die Geschichtsschreiber einen Funken an Wahrheit vermittelten, dann liegt das menschliche Problem der Menschheit daran, das ihr EGO ZU GROSS IST, sie sind nicht in der Lage mit einem biologischen Umfeld sich zu arrangieren.
Der Autor schreibt
„Welches Spartenpublikum hat denn heutzutage noch Lust auf so ein theoretisches Geplauder? Sicher, es gibt eine breite Nostalgiewelle in der Gesellschaft, aber erstaunlicherweise scheint es keine Renaissance irgendwelcher Marx-Exegese-Stuhlkreise zu geben.“
So ist es, ich bin solcher Gespräche ebenfalls todmüde; das letzte „Gespräch“ dieser Art ( „Gespräch“ in Anführungsstrichen, da es i.d.R kein Gespräch ist, sondern ein Monolog des Marxo-Altlinken, mit gelegentlichen kritischen Einwürfen des Neulinken, welche aber nur eine Fortführung des marxistischen Monologs – allerdings in gereizterem Ton – zur Folge haben ) führte ich auf dem letzten Ostermarsch.
Meine noch in Spuren vorhandene Resthöflichkeit verbot es mir, klar auszusprechen was ich denke :
Macht doch endlich die Augen auf !, behandelt die Deutschen endlich wie erwachsene Menschen !, wie viele Niederlagen müßt ihr denn noch einstecken, um endlich aus eurem dogmatischen Schlummer aufzuwachen ?, kapiert doch endlich : DIE DEUTSCHEN WOLLEN DEN SOZIALISMUS NICHT ! – zumindest keinen humanistischen ; das haben die Deutschen ’89 mit einem Nachdruck deutlich gemacht, der eigentlich keine Zweifel mehr zulässt : sie haben eine sozialistische Gesellschaft mit einem traumhaften Ausmaß an innerer und sozialer Sicherheit eingetauscht für die BRD, also für einen Verhau aus Zockerbude/Puff und Kaserne !
Der demokratisch-humanistische Sozialismus ist eine Nischen-Gesellschaftsordnug, es müßte heutzutage heißen : Nicht „Proletarier aller Länder“ , sondern „Antikämpefr aller Länder vereinigt euch !“ – und schafft euch euren eigenen Staat.
@ scm:
Ganz meine Rede.
Die Dressierbarkeit (verwandt mit der Lernfähigkeit) gehört zur Natur oder zur Hardware, wohingegen die weit verbreitete Dressur zur Affirmation einer kapitalistischen Umwelt – Wolfgang ist dessen Vertreter (und für ihn scheint das ja auch gut zu funzen, warum sollte er das infrage stellen?) – und deren Verwerfungen dem (un)fähigen Individuum zugeschrieben werden, also der (Miss)Erfolg im kapitalistischen System in seiner Natur liegt und nur da, in seiner Hardware und nicht in der Software, in der Dressur. Kollaterale (sich bereichern auf Kosten anderer, Gier, Konkurrenz, Akkumulation als Selbstzweck, Neid, Feindschaft und HERRSCHAFT) werden dann von den Gewinnern des Systems gleich eingepreist in die Natur des Menschen; sie sind ja erfolgreich, also haben sie die Deutungshoheit, wie praktisch.
Organisation ≠ Herrschaft
Der Mensch ist ein soziales Wesen, sein evolutionärer Erfolg entspringt der Kooperation – der aufrechte Gang, der opponierende Daumen, die Sprache, die große Hirnrinde und der frontale Kortex reichen dafür nicht aus (man setze einen hoch ausgebildeten Menschen alleine auf einem habitablen Planeten aus, er wird eine Menge hinbekommen, sicherlich überleben, doch er wird ihn nicht verlassen, dazu fehlt ihm die Lebenszeit). Dieses kooperative Miteinander muss organisiert werden. Das Bedürfnis nach Organisation liegt wohl in der Natur des Menschen. Die Art Organisation nicht, sie kann und wird an die Anforderungen der Umwelt (Geografie, Klima, Ressourcen, Gruppengröße usf.) angepasst.
Vermutlich als die ersten Städte entstanden, die nicht mehr autark waren, also sich nicht selbst versorgen konnten, wurde das System der Herrschaft als Selbstzweck weniger eingeführt und ist seitdem geblieben, über Aristokratie, Feudalismus, Nation, Kapitalismus, Demokratie bis zur heutigen supranationalen Korporatokratie. An dieser Stelle ist es wichtig, zu erwähnen, dass das Vorhandensein eines Gruppenoberhauptes kein Beweis für Herrschaft ist. Ein Oberhaupt kann eine reine Funktion sein und muss nicht dem Selbstzweck eines Individuums dienen, der Kapitän eines Fußballteams wäre da ein aktuelles Beispiel.
»System der Herrschaft«: In der Systemtheorie gibt es die Annahme, dass ein einmal etabliertes System alles dafür tun wird, sich selbst zu erhalten, und bei Möglichkeit sich auszudehnen. Ich würde behaupten, dass Herrschaft sich im Laufe der Menschheit verselbstständigt hat, dass es autonom ist und unabhängig von den Menschen in die Geschicke der Menschen eingreift. Klingt wie Voodoo? Kann ich verstehen, der Gedanke ist auch ziemlich unbehaglich. Es gibt genügend andere Systeme, die auf das Denken und Verhalten der Menschen Einfluss nehmen, ohne dass dies unmittelbar bemerkt wird. Als unterschiedliche Beispiele seien hier Religion, Geschichtsbewusstsein, das Mikrobiom im Darm oder auch die Jahreszeiten genannt (warum töten sich auf der nördlichen Hemisphäre die meisten Menschen im Frühling?). Ein Herzschlag der Erde dauert 26 Sekunden, hat das irgendeinen Einfluss? Keine Ahnung, auch nicht, ob der Zyklus des globalen Förderbandes, der Jahrtausende dauern kann, einen hat, doch bekanntlich ändert sich dadurch lokales Klima. Es gibt Systeme, die wir nicht auf dem Schirm haben, die um uns herum wirken, also warum nicht auf uns?
Das System Herrschaft ist nicht sichtbar, lokalisierbar oder greifbar, es wirkt durch verliehene Macht an verschiedene Institutionen. Es bringt bspw. Personen hervor, die für seinen Erhalt nützlich sind, aber unvorhersehbar und unwahrscheinlich waren. Es bringt andere Systeme hervor, die von ihm ablenken, wie den Hochfrequenzhandel, oder die es verschleiern, wie das Geld selbst. Es wirkt in unserer Wahrnehmung und Betrachtungsweise der Welt und des Selbstbildes, es beeinflusst Ängste und Sehnsüchte und somit Handlungen – unbemerkt. Es wirkt durch die Verhältnisse, die es schafft, und vor allem durch die Sprache, die sie wie Hyphen bis ins Irrationale durchsetzt.
Man nehme den Satz, „die Sonne herrscht über das Sonnensystem“. Das ist Quatsch, sie hat die größte Masse und damit den größten Einfluss durch ihre Gravitation, aber sie „herrscht“ nicht. Die Sonne kann ihren definierten Wirkungsbereich und -grad nicht verändern, sie kann nicht meinen „ok, Jupiter und Saturn tauschen mal die Plätze, das ist alles langweilig und überhaupt nerven mich die Sonnenflecken alle 11 Jahre, da würde mir ein größerer Zeitabstand gefallen.“ Dennoch wird in diesem Satz „Herrschaft“ verkauft und eingehämmert, wie in dem Satz, „vor 67 Mio. Jahren herrschten die Dinosaurier auf der Erde.“ Dazu wurde sogar eine Königsfigur erfunden, der Tyrannosaurus Rex. Wo war doch gleich seine Hauptstadt? Sein Palast? Krone und Zepter? Genau, trotzdem wird die Vorstellung, Herrschaft sei normal, mal ganz nebenbei weiter zementiert.
»Der größte Trick des Teufels bestand darin, die Welt glauben zu lassen, dass er nicht existiert.« Schöner Satz, den ich als Aufhänger für den folgenden nehmen möchte:
»Der größte Trick der Herrschaft ist, die Menschen glauben zu lassen, Herrschaft sei ein natürlicher Zustand.« Herrschaft ist kein natürlicher Zustand! Herrschaft ist eine menschliche Erfindung. Und der Missbrauch ist der Herrschaft nicht nur immanent, es ist seine Absicht.
Um die Kurve zum Artikel zu bekommen, es ist nicht ein Kapitalismus, der weg muss, das ist nur ein Symptom, es ist der Gedanke von der Notwendigkeit von Herrschaft, der weg muss. Auch „Die Herrschaft des Volkes“. Auch „Die Herrschaft der Vernunft“ – wo wären wir, wenn es nicht Unvernünftige gegeben hätte, die bei Gelegenheit etwas Unvernünftiges ausprobierten? Personen sind nicht Inhaber von Herrschaft, sie sind ein Werkzeug des Systems, ob Könige, Präsidenten, Kapitalinhaber oder Glaubensführer. Zugegeben, sie haben sicherlich Spaß dabei.
Wie ist das zu bewerkstelligen, wie kann sich dieses Systems entledigt werden? Zuerst muss es als solches identifiziert werden. Dann muss eine Organisationsform des Miteinanders gefunden werden, die global kompatibel ist und kulturelle Unterschiede erhalten kann. Sie muss flexibel und anpassungsfähig sein, keine endgültige Wahrheit. D.h. auch, dass alle daran teilnehmen und sich einbringen und Verantwortung tragen. Eine Aufgabe für mehrere Generationen, sicherlich, denn als die Herrschaft erfunden wurde, betraf es vielleicht einige hundert Leute. Um sich ihrer zu entledigen, müssen 8 Milliarden Menschen überzeugt und mit ihrem Wissen rekonditioniert werden. Ein vorteilhaftes Argument ist, dass es 7.9 Mrd. Menschen besser ginge – versprochen.
(Sorry, der Kommentar ist doch etwas fragmentarisch. Bekomme ich heute nicht besser hin.)
PS:
@ Pirx 18.07.2026 9:20 Uhr
Gut, statt des Begriffs »paradox« hätte ich „widersprüchlich“ nehmen sollen.
Ich gebe mich geschlagen.
Auch dieser Satz ist wahr 😉