
„Nein, meine Seele geb ich nicht!“
Ich wurde 1947 geboren. Da war meine kleine Welt soldatenfrei, tot oder überlebend. Das Letzte also war für mich das Erste. Nie wieder Krieg bedeutete logischerweise zuerst einmal „nie wieder Soldaten“. Eine Gnade der Nachkriegsgeborenen. Frühe Prägung, die man nie ganz verleugnen kann. Dem Himmel sei Lob und Dank!
Aber wann und wie beginnt dann meine innere Auseinandersetzung mit dem Dunklen, dem Bösen, der Macht und der Ohnmacht? Zuerst wohl im Märchen, dann in meinen Träumen, in denen sich die Tapete von der Wand als Walze auf mich zurollt und überrollt. Angstgebadet wach ich auf. Was ist das? Und dann ganz real in der Schule, wo man sich auf dem Schulhof behaupten muss. Als jüngster Junge unter sechs Geschwistern auch schon früher. Damals nannten mich meine Geschwister „Friedchen“. Ich schämte mich für diesen Namen. Was sollte ich machten? Ich war der kleinste und konnte nicht siegen. Will ich herrschen oder will ich Frieden? Überleben ohne zu herrschen! Sein oder Nichtsein?
Der Nazarener war schlagfertig – weil „fertig mit dem Schlagen“
Mit bald fünf Jahren wollte ich dann Pfarrer werden. Das habe ich oft erzählt. Der Pfarrer der kleinen Stadt gratulierte damals meinem Großvater zum Geburtstag und ich war dabei. Und alle Leute meiner kleinen Familienwelt verneigten sich vor dem schwarzen Mann da. Und er bekam echten Filterkaffee aus Bremen, Kuchen und Sahne als erster. Das war lebensentscheidend für mich. So ein Herr und so eine Herrschaft schienen mir der Garant für ein angstfreies Leben zu sein. Ich wollte herrschen wie der Schwarzgekleidete. Ohne richtige Waffen. Aber mit was eigentlich? Solche nur spürbare unsichtbare Macht würde alle meine Ängste, die keinem Kind fremd ist, lindern, wenn nicht sogar heilen.
Wie viele Jahre hat es dann gedauert bis ich merkte, dass meine Lebensängste nicht durch Herrschaft oder gar Gewalt ihre Macht verlieren? Ich war da schon 18 Jahre, als der Musterungsbescheid ins Haus kam und von mir ganz allein eine Entscheidung verlangte? Da wäre es doch nur klug gewesen, sich bei Mächtigen, die nach mir riefen, einfach einzureihen. Nach dem Motto: „Der schwarze Mann kommt, der Teufel kommt, der Russe kommt. Wer fürchtet sich vorm Russenmann? Niemand, wenn er aber kommt, dann siegen wir! Ich aber bin immer wieder gelaufen. Überleben statt siegen. Wieder: Sein oder Nichtsein. War das verrückt? Ist das verrückt? Verrückt und wieder modern. Die Spitze des Todesangstberges taucht wieder aus dem Ozean des Lebens auf. Nicht verarbeitete Traumata aus Generationen, von denen ich jetzt weiß, dass sie wirkende Angstirrtümer in der Zeit sind.
Mein Widerstand muss vorher schon gefestigt gewesen sein. Denn als der Bescheid im blauen Briefumschlag kam, war ich schon längst entschlossen zu verweigern. Mein Kriegsversehrter Onkel hatte mir in so manchem Winter, in denen seine Verletzungen aufbrachen, vom Krieg erzählt. Und so schleuderte ich meinem ständig lavierenden Kaufmannsvater mein entschlossenes „Nein!“ tapfer entgegen: „Deinen dritten Sohn kriegen sie nicht!“ „Schleudern“ stimmt so nicht. Ohne die Szene in meiner Erinnerung zu strapazieren, musste ich mir vor meinem strengen und auch brutalen Vater mit beiden Händen die Hose hochhalten, wenn er mich anschrie. „Was sollen die Leute, was soll die Kundschaft denken!“
Dieses erste entschlossene laut und unvergessliche ausgesprochene „Nein“ war ein „Bekenntnis“. Und Bekenntnisse markieren, zu wem man gehört. Es wurzelt bis heute in einer tiefen Jesusfrömmigkeit, die in mir von meinem Großvater mit seinem „Christlichen Verein Junger Männer“ angelegt und gepflegt wurde. Jesus, der Mann Gottes, der andere Mann, der neue Mann, der die andere Wange hinhält und weiß, dass seine sogenannten Feinde nichts anderes darstellen als eine Projektion ihrer selbst. Der Nazarener, der mit geschicktem Mohamed-Ali-Shuffel geduckt jeder Gewalt auswich. Der Mann des Wortes war schlagfertig, weil fertig mit dem Schlagen. Der prägte mich. Stichwort: Balken und Splitter!
„Nie wieder, Nie wieder, Nie wieder!“
„Gebt mir Eure Kinder bis zum siebten Lebensjahr, dann könnt ihr sie wieder haben,“ sollen auch die Jesuiten Müttern und Vätern zugerufen haben. Und Konrad Lorenz mit seinen Gänsen hätte genickt und ich jetzt auch. Meine Prägung: Versteh deine Feinde, dann könnt ihr sie auch lieben, das geschah alles auf Jesus hin.
‚Draußen vor der Tür‘ meines Vaterhauses würde dieses „Nein!“ noch lauter aus mir herauskommen müssen. Und das ist es auch in zähen Verhandlungen, um ein anerkannter KDW zu werden. Später auch bei Ostermärschen und Friedensdemonstrationen. Das Fundament meines Urschreis gegen die Herrschaft der Angst in allen Lebensbereichen kommt aus meinem (eingebildeten, was sonst) Vertrauen, dass Jesus mich hört, mich sieht und tröstet, mir also irgendwie beim Tragen der Konsequenzen zur Seite steht. Im Leben und im Sterben! Trost, damit ich bei Trost bleibe. Mein kleiner Enkelsohn lehrt mich gerade, dass es offenbar ganz entscheidend ist, wer einen sieht und auch sehen soll: “Opa schau mal!“ Also, wer sieht mich? Also wer sieht dich? Jesus, can you see me? Das reicht. Mehr nicht! Aber auch nicht weniger.
Dass muss kein auferstandener Jesus sein. Aber es muss eine Person jenseits des Todes sein, damit dich der Tod nicht so sehr schreckt, wenn sie dir so oder so damit drohen. Es muss eine Figur aus deiner „Traumzeit“ sein, die man nur mit spirituellen Geschichten bereisen kann, die aus dem Dunklen kommen wie ein grüner Spross aus der Erde.
Ein in Coronazeiten an den Rand seiner beruflichen Existenz gedrängter prominenter Wissenschaftler erzählt mir, dass er zu seiner Oma ans Grab geht, um sich und sein Rückgrat stärken zu lassen. „Nie wieder!“, das hat sie zu ihren Lebzeiten dem kleinen Enkel immer eingetrichtert. „Nie wieder!“. Und der erwachsene Professor Dr. Dr. hat es auf seine Weise an ihrem Grab wieder gehört, gehorcht und befolgt. Wie bei Corona, so im Krieg gegen Russland. „Nie wieder!“ Die Stimmen zwischen Himmel und Erde. So ihr nicht werdet wie die Kinder … Lauscht! Audite!
Wer nun meint, keinen Jesus zu haben und keine tote Großmutter, der Idee vom entscheidenden Einfluss der persönlichen Traumzeit aber zustimmt, dass es wohl Ermutigungen aus einer umfassenderen Wirklichkeit bedarf, der gehe zu einem unserer Soldatenfriedhöfe (wirklich und in echt!) – und bleibe da bis es still wird und lausche, bis es Abend wird. Und er es hört: „Nie wieder, Nie wieder, Nie wieder!“ Oder: „Meine Enkel kriegt ihr nicht!“ Und auf einmal das Gefühl, in der Stille eine Beziehung eingegangen zu sein. Eine Art Liebe, die eine Art von Verantwortung verspürt. Da wartet etwas auf deine Antwort. Die Stimmen aus dem Dunklen haben dich in die Lage versetzt, zu antworten, you are able to responce.
Was, wenn du dann keine Wurzeln hast, die allem Windigen widerstehen?
Und langsam verlässt du die Toten, gehst ein paar Schritte, hast deine Toten im Rücken, pilgers ohne es zu merken, mit einem Ruf und Berufung, mit festem Ziel. Und dir fällt, von woher eigentlich, ein Lied ein, ein Summen eher, das in seiner Schwingung vom Frieden erzählt – oder ist es ein Choral? Summst es leise und merkst erst später, was da in dir hochkommt. Joachim Behrens lehrt, dass sich alle Musik und alle Töne, alle Schwingung einer einzigen verdanken. Und ich lese gerade, dass das Volk der ewig unterdrückten Letten im Baltikum sich in ihre Abertausende Lieder zurückgezogen und gehalten hat, während oben, zu Wasser zu Land und in der Luft, der uniformierte ewige Mob mordete und Todesangst verbreitete.
Und dann gehst du zurück in dein Leben, aufgerichtet, mit einem neu ausgerichteten Rückgrat, das tief in deiner Herkunft verankert ist. Ein geerdeter, Ein Edler? Veredelter? Adliger? Ein anderer auf jeden Fall.
Auf was soll ich mich denn sonst stützen, wenn die Trommler der Angst wieder im Stechschritt durch unsere Städte und Dörfer ziehen? Städte, die sie nicht gebaut haben, sondern ihre Eltern und verstorbenen oft vom Krieg gezeichneten Großeltern! Wie frisch hypnotisierte Kinderkreuzritter, wenn sie mit ihren Fahnen in Talkshows und Schulen trommeln, um dort in ihren angstdurchschwitzten Todesdeouniformen mit Fähnchen frische Kindersoldaten auszuheben? Und in der Welt der angebeteten Reichen mit frischem Kinderopferblut deren Taschen und Neurosen füllen.
Diese Feldwebel des Teufels schreien dich doch nieder, die belügen dich, die manipulieren dich, setzten dich nach Mafia-Art unter Druck, benutzen alle Kniffs und Knebel ihrer sogenannten Dienste, um dich gefügig zu machen. Haben tausend und ein Argument, die dich umstoßen sollen.
Was, wenn du dann keine Wurzeln hast, die allem Windigen widerstehen? Was dann? Auch spirituelle Wurzeln wachsen im Dunkel der Erde. Frömmigkeit, Tradition, Ethos: Das sind altbewährte Wurzeln. Ich weiß, wer ich bin. Ich weiß, zu wem gehöre ich; hier stehe ich, ich kann nicht anders: Nein und Amen! (Jesus, Oma, ihr Gefallenen steht mir bei. Stay and stand by me!)
Und dann?
Und dann ist das, was ich lebe und lehre, auch von dieser aktuellen Welt, ganz konkret. Denn bei uns gibt es immer noch genug Berge für seine Bergpredigt und genug Ausweglosigkeit für Jesu Wort und Tat.
Der junge Meister lehrte: Zu allen Zeiten werdet ihr Menschen, die ihr doch um euren Tod wisst, Todesangst haben. Sie ist immer da. Sie ist zu was nutze. Sie wird gebraucht und missbraucht. Sie muss nur wild gemacht werden, dann bricht sie aus ihrem süßen Luxusgefängnis aus und tobt durch euer Herz. Um dieser Menschenangst zu entkommen gibt es zwei Wege; Wege, die beide behaupten, dieser Angst gewachsen zu sein. Der Erste: Die Medizin der Macht, der angstgesteuerten Hände und Füße, des Turmbaus zu Babel, des goldenen Kalbs, des gehackten Geldes, der himmelhoch aufgetürmten Macht, der absoluten Kontrolle und im ganz neuen Kleide: KI 24/7. Das neue Kleid für die uralte Angst.
Oder aber Zweitens: eine Kultur des Vertrauens zum Leben. Auch 24/7. Es fängt bei unseren nesthockenden Kindern an, die auf andere angewiesen doch sehr früh alles selber in die Hände nehmen wollen! Selbst-Vertrauen säen und sammeln. Und es hört nicht bei unseren Partnerschaften auf, die in ewigen Wellen von Frieden und Krieg, Trost und Streit, unser Vertrauen in alles Fremde trainieren können, und reicht bis in das universale Vertrauen ins Leben allgemein, das den eigenen Abwehrkräften mehr zutraut als denen der Firma Pfizer. Einatmen, ausatmen: wie die Wellen am Strand. Ein Kommen ein Gehen! Alles! Panta rhei!
Am Anfang war die Information des Vertrauens. Unsere innere natürliche Ordnung des Vertrauens baut dann die äußerliche Ordnung der Gesellschaft. Unsere unsichtbaren Fäden des Vertrauens und der Beziehungen sind die Grundlage von Gesetzen.
Und so sind es die kleinen darin trainierten Gemeinschaften der Amish in Amerika, der Mennoniten in Russland, der Quäker und der kleinen spirituellen geschwisterlichen Gemeinschaften jeder Couleur, der „one man, one vote“ Beziehungsgemeinschaften, die zeigen, dass der große, mächtige Feind, der Staat und wie er sich auch immer nennt, das Kleine, wie eine Laus im Pelz, selten angreift, weil keine Konkurrenz, sondern lieber „links“ liegen lässt. Auch ganze Gemeinschaften, Kulturen und Völker können sich ducken, wenn die Kugeln fliegen. Gott sei Dank!
Lieber „sein“, statt „nicht sein!“ Keine Frage! Small is so beautyfull!





Der Krieg muss zu den Reichen getragen werden, dann ist er auch schnell vorbei und wir haben wieder Frieden.
Wie wahr! Wie wenn nicht damit kommt man auf 100 … Der Krieg muss zu den Reichen getragen werden !
Bis zum ! waren’s dann Hundert! Und trotzdem hat’s nichts geholfen, rumpeldipump, weg war der Lump!
Zum Ausrufezeichen nach dem Lump waren’s genau 2×100 … ob es hat helfen dürfen?
ach so! und…ähh, wie stellen Sie sich das vor? also konkret oder mehr so bildlich? falls konkret, da machen Sie doch mal vorschläge.
@Adel verpflichtet
Weltrevolution? – Ja, bitte – Der Adel ist dabei allerdings überflüssig wie ein Kropf
https://www.pressenza.com/de/2026/09/weltrevolution-ja-bitte/
„Der Russe kommt 2029″ – Geplante Stationierung von Marschflugkörpern und Hyperschallraketen in Deutschland
“ Einsatzstätten der geplanten Langstreckensysteme Deutschlands werden zu legitimen Zielen, sollten sie auf Russland zielen. “
https://tass.com/politics/2182375
und selbst wenn der herr fliege mit engelszungen redete und er umgeben wäre von einem heiligen scheine, so ändert es doch nichts daran, dass er noch reden kann so lange bis er tot umfällt, und doch hört niemand, der von, samermal, mittachs bis ahms, am soldatenfriedhof verweilt, auf einer bank am liebsten, die stimme aus dem off: „nie wieder“. sollte aber jemand sie hören, so möge die person einen arzt aufsuchen, sofern es keine tatsächlich, also echte, schallquelle in der nähe zu verorten gibt. soll heissen: so lange wie finanzielle interessen und machtgier die menschheit beherrschen, so lange wirds auch keinen frieden geben. da können die fliegen u die amish summsen u brummsen u mit schwarzen machttalaren rumwedeln bis sie dann alles ermattet fahren dahin lassen.
Starker Text. Ich bin nicht religiös und habe daher nicht mal den Trost, mir mit den war pigs den Platz in der Hölle zu teilen. Ich habe keine Vorstellung, wie es denen gelang aus dem „Nie wieder“ ein „Aber diesmal siegen wir“ zu machen.
Manchmal kommt so was wie Hoffnung auf. Nur ein paar Hundert haben diesen Fragebogen zu Wehrpflicht zurück gesandt. Aber zum Schluss wird doch marschiert.
Wenigstens ist es diesmal zu erwarten, dass die war pigs auch draufgehen und nicht die Hände ringend erklären, „wenn wir doch nur gewusst hätten “ und es wird auch kein „Nie wieder“ ertönen.
Im Auftrag Deutschlands getötete zu werden, war immer übel. Im Auftrag Deutschlands zu töten, war immer ein Verbrechen.
@1211
Der Text ist wirklich gut. Da habe ich wohl den Herrn Fliege als er noch als TV-Pfaffe augetreten ist falsch eingeschätzt.
Dieser Artikel ist eine kristliche Predigt, AMEN Herr Fliege!
Danke für diesen Beitrag, mit Gruss und Ehren für ihr Dasein.