
Heute gälte meine Großmutter als rechts, ja vielleicht sogar als Nazi-Sympathisantin. Darf ich sie trotzdem vermissen, wenn’s recht ist?
Wenn es nach der Hamburger Qualitätsschriftleitung ginge, müsste ich nun den Namen meiner Großmutter in die Suchmaschine jenes Archives eintippen, in dem etliche Schandtaten und Schandtäter aus der nationalsozialistischen Zeit hinterlegt sind. Bislang habe ich es nicht getan – auch deshalb, weil Oma während ihres Lebens meist nur Hausfrau war, die nicht sonderlich politisch dachte. Lauschte man ihr dann in späteren Jahren, so fielen Sätze, die man heute nicht mehr so ohne Weiteres formulieren dürfte. Wir kommen noch darauf zurück. Lebte sie heute noch, gälte sie wohl schnell als jemand, den man den Kampf ansagen müsse. Mich belustigt der Gedanke, dass irgendwelche Antifaschos vor dem Altenheim der alten Dame Stellung bezogen hätten. Der Heimleiter hätte sich womöglich von ihr distanziert – und die aufgebrachte Menge hätte »Nazis raus!« skandiert. Oma wäre dann im hohen Alter nochmal obdachlos geworden – erstmals wurde sie es nach einer Bombennacht ins Hitlers Weltkrieg.
Gott sei’s gedankt, dass sie das nicht mehr erleben musste. Vor zehn Jahren ging sie von uns. Hochbetagt. Geboren wurde sie 1920 in Ingolstadt an der Donau. Damals war man noch Garnisonsstadt, fasste etwas um die 25.000 Einwohner – in den Nachkriegsjahren wurde die Stadt zur Boomtown, mittlerweile leben dort mehr als 140.000 Menschen, was sich aber auch wieder geben könnte, sobald der Wirtschaftsstandort – und damit Audi – so geschwächt ist, dass sich ein Zuzug in die oberbayerische Großstadtprovinz nicht mehr lohnt. Wenn man es genau nimmt, kam meine Großmutter nie raus aus ihrem Stadtteil, sie lebte immer im Nordosten Ingolstadts, auch als die Alliierten ihr das Haus zusammenbombten, flüchtete sie sich lediglich in die nähere Nachbarschaft.
Oma, das Landei
Heute würde man den Bau, in dem sie nach dem Krieg eine Wohnung mit ihrem Mann bezog – einem Kriegsrückkehr, der auf der Krim kämpfte und später in Sibirien landete –, als regelrechte Bruchbude bezeichnen. Die Fenster waren aus morschem Holz, bohrte man Löcher in die Wände, kamen einen teils murmelgroße Kiesel entgegen – und manchmal ein Stück der Wand. Als sie Anfang dieses Jahrtausends aus der Wohnung musste, weil die Stadt die zweckmäßig nach dem Krieg errichteten Bauten abreißen und durch neue Wohneinheiten ersetzen wollte, traf sie das hart – einen alten Baum, so pflegte sie zu sagen, verpflanzt man nicht. Es half nichts, sie zog noch mal um, nochmal in die Nachbarschaft, in die unmittelbare Nähe einer ihrer Töchter. Da hatte sie noch wenige gute Jahre vor sich.
Meine Oma war, das meine ich nicht respektlos, ein Landei. Sie wusste von der Welt nur aus dem Fernsehen, kannte durchaus Vorurteile gegen Fremdes. Als meine Mutter mit einem Spanier heimkam, glich das einer mittleren Katastrophe. Aus gewissen Gründen, die ich hier nicht anführen möchte, galt der Mann als Taugenichts – Spoiler an dieser Stelle: Er wurde ein liebevoller Vater, streng zwar, altbacken in vielerlei Hinsicht, immerhin wurde er im Spanien des sogenanneten caudillos sozialisiert, im Spannungsfeld zwischen baskischen Separatismus und franquistischen Allmachtsansprüchen, aber er war jederzeit für seine Söhne präsent. Außerdem arbeitete er zu viel, in den letzten Lebensjahren bürdete er sich sogar kräftezehrende Nachtschichten auf – womöglich war auch dies ein Grund, dass er so früh verstarb. Als ich Kind war, nahmen wir die deutsche Oma, die abuela, im Sommer mit nach Spanien – ins besagte Baskenland. Wir fuhren jedes Jahr dorthin, immer mit dem Auto, die Strapazen und die Hitzetouren dieser Reisen blieben mir unvergesslich. La abuela war bei meiner spanischen Familie äußert beliebt, obgleich sie kein Wort sprach oder auch nur verstand. Vielleicht war das das Geheimnis ihrer Beliebtheit? Sie vermisste dort den kulinarischen Hochgenuss von Salzkartoffeln; Meeresfrüchte aß sie zwar, fand daran aber nichts. Die Spanier mussten aber annehmen, dass sie sie liebte, schließlich verspeiste sie eines Tages die ihr vorgesetzten gambas mitsamt Schale. Hernach teilte sie meinem Vater mit, dass das nichts sei, was sie empfehlen könne.
Sie hütete uns Kinder – zwei Brüder – mit großer Hingabe. Sie war fürsorglich, hörte zu, erzählte uns Geschichten. Meine Großmutter war ein natürlicher Teil meines Lebens – und dies, bis ich erwachsen wurde. In dieser Zeit entfremdete man sich, aber meine Liebe zu dieser alten Frau verlor ich nie. Habe ich ihr das je gesagt? Ich hätte es tun sollen. Alles, was ich über die Grausamkeit des Krieges wusste, hatte ich von ihr – erst später las ich mir das Kriegsgrauen an, das ich bei ihr schon vernommen hatte. Sie erzählte von Bombennächten und wie ihre kleine Tochter, meine spätere Tante, bei jedem Knall laut »Bumm« rief. Alles zitterte im Keller, viele weinten – später, arrogant genug wie ich als Jugendlicher war, dachte ich mir nur: Selber schuld, es war ja euer Hitler. Falsch ist das von einer überheblichen Warte aus nicht, aber ich hatte es warm, uns fehlte es an nichts. Wir waren ein Arbeiterhaushalt, aber da meine Eltern viel schufteten, ging es uns halbwegs gut. Die Gnade der späten Geburt: So nannte man das wohl – und sie verleitete häufig dazu, den Stab über jene zu brechen, die früher auf dieser Welt waren. Das ist heute noch immer so – wenn auch bei anderen Thematiken. Das mag das Vorrecht der Jugend sein – aber wie viele alte Trottel gibt es heute, die diese einfachen Losungen wiederholen, ohne ein bisschen Lebenserfahrung einzuklinken?
Oma, die Frau von gestern
Begünstigt wurde diese Denkart durch Aussagen meiner Großmutter. An sich bräuchte es hier und da, so erklärte sie zuweilen, eine ganz kleinen Hitler – dabei zeigte sie mit Daumen und Zeigefinger an, wie umfangreich dieser neue Führer sein dürfe. Tatsächlich nicht groß, nur ein Däumling. Außerdem war bei den Nazis nicht alles schlecht, bei Nacht konnte man als Frau schließlich ungestört auf die Straße gehen. Das glaubte ich ihr sogar, konterte dann aber oft: weil die Verbrecher nicht mehr im Park lauerten, sondern in der Regierung saßen. Mit Ausländern konnte sie ohnehin wenig anfangen – außer mit Spaniern, wie sie später noch immer hinzufügte, als sich Papa bewährt hatte. Aber Türken? Oh nein, also wirklich – aber alles was recht ist! Soweit komme es noch. Wenn sie schon die Kopftücher sehe, sei es bei ihr ganz und gar vorbei. Das hätte es damals nicht gegeben: Diesen Satz hat sie meiner Erinnerung nach nie so deutlich gesagt, aber man hätte es so verstehen können, wenn man wollte.
Unschön – zugegeben. Hätte ich sie hassen sollen? Das tat ich nicht. Ich diskutierte mit ihr, verstand sie nicht, haderte mit ihrer fehlenden Einsicht. Gut, so dachte ich mir, das ist eine alte Frau, die könne man nicht erfolgreich belehren. Aber mich von ihr abwenden, sie nicht mehr einladen, wie das neuerdings – seit Corona – immer mal wieder empfohlen wird, wenn ein Familienmitglied »aus der Reihe tanzt« und die Parolen des Mainstreams nicht anbetete: Niemals! Sie war Familie, sie war eine von uns, egal, wie falsch sie liegen mochte mit dem, was sie so von sich gab. Respekt vor den Alten zu haben: Mein Vater hat mir das eingebläut. Ich fand das in jungen Jahren spießig, auch falsch, Alter sei ja keine Leistung, so dachte ich – aber ich hielt mich dran, als Sohn hatte ich offenbar auch gute Momente. Gottlob, denn hätte ich den Radikalismen der heutigen Zeloten gefrönt, ich würde heute wohl unter dem Bruch leiden, den ich so herbeigeführt hätte.
Großmutter war außerdem eine fromme Katholikin. Und ich, ich war ein Jungspund, der sich mordsmäßig was einbildete auf seinen Atheismus. Woran erkennen Sie einen Atheisten? Er wird es Ihnen innerhalb der ersten Viertelstunde nach Kennenlernen auf die Nase binden. Wahrscheinlich kennen Sie diese Zote mit Veganern – sie trifft natürlich auch dort zu, ja, sie trifft immer dann zu, wenn Sie es mit Gruppen zu tun bekommen, die einen zu großen Schluck aus der Sendungsbewussteinspulle genommen haben. Oma litt natürlich unter ihrem gottlosen Enkel. Und der hatte ja auch keine Argumente, außer die Erkenntnis, dass es keinen Gott gäbe und die Kirche nur ein Instrument sei, um die Menschen zu knechten. Manche Episode der menschlichen Geschichte schien mir recht zu geben. Positive Aspekte des Glaubens blendete ich willentlich aus, wie Oma all die Schandtaten religiöserer Eiferer ausblendete. Wir schenkten uns nichts – da trafen Vertreter zweier Glaubensrichtungen aufeinander. Der Unterschied bestand einzig darin, dass die Vertreterin einen Gott hatte und der junge Delegierte der atheistischen Kirche dasselbe Brimborium ganz ohne höchstes Wesen zelebrierte. Rückblickend muss ich festhalten: Ich schäme mich für diesen Unfug. Musste das sein? Muss man denn immer jeden belehren? Kann man nicht mal was stehenlassen? Und musste ich der alten Dame ihren Glauben madig machen? War ich am Ende nicht sogar Nutznießer ihrer Religiosität?
Oma, die Demütige
Sie hielt es aus, wenn man mit ihren Positionen, ihren »Weisheiten« zur deutschen Geschichte, haderte – sie ließ das Gespräch zu. Debatten abwürgen: Das kannte sie nicht. In Diskussionen verlor sie ihren Humor nicht. Bierernst: Das war eine protestantische Kategorie – und für den Protestantismus hatte sie nun wirklich noch weniger übrig als für die Kopftücher türkischer Frauenzimmer. Ihr Mann, ihr Hans, hatte sie in den ersten Stunden ihres Kennenlernens nach ihrer Konfession gefragt. Sie antwortete wahrheitsgemäß, Katholikin zu sein – er nickte nur. Die Legende will, dass sie ihn Jahre danach mit der Frage konfrontierte, was passiert wäre, wäre sie evangelisch getauft gewesen. Mein Großvater, den ich nie kennengelernt habe, machte das recht deutlich: Dann hätte er das Tête-à-Tête umgehend beendet. Das brüskierte meine Großmutter mit keiner Silbe, im Gegenteil, für sie war eine solche Reaktion logisch – als junger Mensch fand ich das abwegig: Liebt man sich denn nun oder tut man es nicht? Ich meinte, das sei die zentrale Frage. Vielleicht ist sie es in der Tat – aber sicher bin ich mir nicht. Viele Jahre später heiratete ich ein zweites Mal, diesmal evangelisch – die Gattin war Protestantin. Bei einem Termin mit der Pastorin, bei dem wir den Ablauf der baldigen Zeremonie besprachen, fragte ich naiv wie ich war, wann man genau knien müsse. Die Pastorin sah mich streng und gleichzeitig belustigt an und meinte, dass ein Protestant seinem Gott von Angesicht zu Angesicht begegne, er gehe nicht auf seine Knie. In dem Moment wurde mir erst klar, dass Demut dort kein bekanntes Konzept ist – und damit verstand ich zumindest ein wenig, weshalb mein Großvater so gehandelt hätte. Kein Wunder, dass die Protestanten heute einer woken Kirche ausgeliefert sind. Ich heiratete indes dennoch – und die Ehe scheiterte schnell. Nicht aus Glaubensgründen, aber schon aus Mentalitätsunterschiedlichkeiten, die sich auch auf die verschiedenen Konfessionen herunterbrechen ließen, so man es denn unbedingt so sehen wollte.
Großmutter war eine Frau voller Demut. Sie blickte ihren Gott nicht auf gleicher Höhe ins Gesicht, sondern verstand ihn als etwas, was über ihr schaltete und waltete – daher war ihre Moral, bei allen dummen Sprüchen zu Hitler und jener Zeit damals, einer Sittlichkeit verpflichtet, die gewissermaßen apriorischen Ursprungs war. Man konnte sie nicht nach Zeitgeist formen und kneten und so tun, als sei das nun die notwendige Mode, der man folgen müsse. Mitmenschlichkeit war ewig. Es klingt vielleicht pathetisch, wenn ich schreibe, dass sie Selbstaufopferung als Wert christlichen Miteinanders verstand. Aber zumindest ein Stück weit lebte sie so. Sie war da, ließ alles stehen und liegen für ihre Enkel, für ihre Familie – auch für meinen Vater, den sie anfangs nicht mochte. Heute liegen sie, Treppenwitz unserer Familie, in einem gemeinsamen Grab. Bislang kamen keine Beschwerden. Das Verhältnis der beiden war geprägt von Frotzeleien, sie gifteten sich an und schenkten sich dabei nichts. Aber am Ende war klar: Auch sie gehören zusammen und im Alltag spürte man eine Demut vor diesem Schicksal, das sie zusammengebracht hatte. Dem hatte man sich zu fügen.
Wenn ich heute zurückblicke, dann muss ich – und es überrascht mich tatsächlich selbst – auch meiner Oma attestieren, dass sie mich zu dem formte, der ich heute bin. Ich habe in meiner Kindheit und in meinem Elternhaus, zu dem sie ja nun gehörte, nie beigebracht bekommen, dass man mit bestimmten Menschen nicht reden sollte. Das galt als völlig ausgeschlossen. Sicher, es gab Arschlöcher da draußen – eine Wortwahl, die mein Vater gerne pflegte übrigens, er war weiß Gott kein Diplomat –, aber auch mit denen spricht man in gebotener Freundlichkeit. Man musste denen nicht um den Hals fallen, aber sie als Menschen degradieren, indem man sie ignorierte, ihnen einen Gruß verwehrte: Nein, das war einfach nicht der Stil »meiner Leute«. Für mich ist es daher heute so schwierig einzusehen, dass es der Konsens dieser »unserer Demokratie« sein soll, gewisse Leute zu schneiden, ihnen ein Gespräch zu verweigern, sie nicht mal zu grüßen. So wurde ich einfach nicht erzogen! Aus heutiger Sicht haben meine Eltern, meine Großmutter versagt. Sie hätten mich zu einem »selektiven Mitmenschen« erziehen sollen – zu jemanden, der sich selbst für besser hält als die anderen. So fühle ich mich aber nicht, ich habe Mängel, ich kann und verstehe nicht alles – meine Schwächen sind offenbar. Bin ich ein besserer Mensch als Alice Weidel? Das ist eine Frage, die ich mir jetzt in diesen Zeilen stelle, aber im Alltag nie. Wem nützt eine solche Fragestellung? Frau Weidel ist Teil dieser Welt – ich bin es auch. Irgendwie werden wir zurechtkommen müssen. Ihr nicht die Hand zu geben? Ausgeschlossen! Natürlich tue ich das – ich grüße jeden, ich spreche mit jedem, ich zeige Demut vor dem Nächsten. Das gälte auch für Heidi Reichinnek. Und das ist es, was ich meiner Oma verdanke. Übrigens heißt das alles nicht, dass ich das, was mein Nächster von sich gibt, adaptieren muss.
Oma, die nicht mehr geliebte?
Wie bereits erwähnt, meine Großmutter war stets Hausfrau, in Kriegs- und Nachkriegsjahren musste sie natürlich in einer Firma arbeiten, ich glaube während des Krieges in Manching in einem Fliegerhorst, wo sie nach dem Krieg war, weiß ich nicht mehr – sie arbeitete nicht gerne, wie sie offen zugab. Lieber hätte sie mehr Zeit für ihre Tochter gehabt, die zweite Tochter – meine Mutter – kam erst sehr viel später zur Welt. Ihre Berufstätigkeit blieb eine Episode, als Großvater zurück aus Russland kam, ich glaube es war im Jahr 1950, da sorgte er für die Familie. Ganz einfach war das wohl nicht, er musste viele Klinken putzen, bis er eine Stelle fand. Der omnipräsente Ingolstädter Automobilhersteller gab ihm Arbeit – wer sonst? Meines Wissens war mein Opa nie Parteimitglied – Oma sowieso nicht, sie drückte sich ja schon vom Bund Deutscher Mädel. Irgendwie gelang ihr das auch, meine Urgroßmutter hielt sie fern. Die Nazis waren der Familie meiner Großmutter suspekt. Sie waren katholisch und als Katholiken lag Rom ihnen näher als die Staatskanzlei im protestantischen Berlin. Das bedeutete aber nicht, dass diese arbeitssamen und bescheidenen Leute Widerständler gewesen wären – sie drückten sich, wo sie konnten. Und sie konnten nicht immer. Um dem Russland-Feldzug fernbleiben zu können, brauchte es dann schon weit mehr als ein Attest oder eine Ausrede. Ob Großvater in Russland gemordet hat, weiß ich nicht. Vermutlich schon – wenn das eigene Leben auf dem Spiel steht, dann tut man, was man tun muss. Darüber gesprochen hat er nie. Wie fast keiner, der zurückkam. Oma bohrte auch nie nach – erzählte sie mir jedenfalls. Die Eheleute richteten sich in der Nachkriegszeit ein, kamen zum Glück eines sehr bescheidenen Wohlstandes. Großmutter war zufrieden mit ihrem Leben, das wirklich sehr auf Ingolstadt begrenzt blieb. Sie hatte Freundinnen, Bekannte, später Enkel. Ihr reichte das – sie begründete das mit ihren Kriegserfahrungen, mit den Bombennächten, mit dem Hunger, den man zu bestimmten Zeiten im Kriege hatte. Wenn nur das nie wieder geschähe: Das wäre das ganze Glück auf Erden. Mehr sei für sie nicht notwendig.
Und nun soll ich also prüfen, ob meine Großeltern in einem Archiv zu finden sind, in dem Wirken und Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes dokumentiert werden. Der Spiegel drängt jeden Besucher seiner Website geradezu zu dieser Maßnahme. Oma werde ich dort nicht finden. Aber ich male mir aus, was wäre, falls doch. Müsste ich dann, um diesen Zeiten der Polarisierung auch gerecht zu werden, mit ihr posthum brechen? Müsste ich meine Liebe, die ich immer noch für sie empfinde, aufgeben und sie in Hass ummünzen? In diesem Land wird es viele geben, die sich ihrer Großeltern mit großer Liebe erinnern. Und das eine oder andere Großelternteil wird wohl in Verbrechen verwickelt gewesen sein. Muss man den Hinterbliebenen jetzt ihre Erinnerungen zerstören? Sollen sie alles, was ihre Großeltern ihnen gaben, auf den Prüfstand stellen und für falsch deklarieren, weil in der Vergangenheit etwas Ungeheuerliches stattfand? Können nicht auch Menschen, die schwerwiegende Fehler begangen haben, später nicht doch etwas Menschliches leisten? Ich will all das, was damals geschah, nun wirklich nicht kleinreden – aber die Kampagne gegen die Großeltern, die der Spiegel mit 80-jähriger Verspätung da fährt, ist natürlich auch ein zeitgenössischer Reflex, der darauf abzielt, die Gesellschaft auch historisch weiter zu spalten. Wem nützt das? Und welchen Schaden verursacht es, die guten Erinnerungen zu zerstören, um sie gegen Zweifel, Wut und Unverständnis zu ersetzen?
Am Ende ringen wir auch bei dieser Kampagne um einen Begriff, der heute aus der Mode geraten ist: Ambivalenz. Meine Großmutter war eine ambivalente Persönlichkeit. Ich bin es. Sie auch, lieber Leser – und die Gesellen, die das Land heute vor den Zugriff vermeintlicher Häscher retten wollen und in Erfurt Alternativjournalisten durch die Straßen hetzen oder verprügeln, sind mindestens auch ambivalent. Sie leugnen es nur. Machen wir uns nichts vor, alle von uns sind voller Sünden – dagegen ist kein Kraut gewachsen. Nun kann man dem anderen alle Sünden zur Last legen. Oder man ignoriert die kleinen Sünden der Anderen und moniert die größeren, ohne dabei das Menschsein des Sünders in Frage zu stellen. Wer bin ich, anderen die Mitmenschlichkeit aufzukündigen? So viel Demut muss sein. Diese Qualität, so nenne ich es mal, verdanke ich: Oma. Mir nun vorstellen, dass ich sie nicht mehr vermissen dürfte, wäre sie im Spiegel-Archiv zu finden, ist ein ungeheuerlicher Gedanke. Das müsste ich tatsächlich unterlassen, wenn ich gesellschaftlich nicht unten durch sein wollte; ich müsste brechen mit der alten Dame, mit la abuela auf Distanz gehen. Aber das tue ich und täte ich auch dann nicht, sollte ich etwas über sie in Erfahrung bringen. Ich vermisse diesen Typus Mensch, den sie darstellte. Bescheiden und demutsvoll, freundlich und komisch, direkt und nie verächtlich, fehlerhaft, vorurteilsbeladen, provinziell und gleichzeitig immer menschlich. Sie war ein Mensch von gestern. Mit allen Fehlern und allen Vorteilen. Heute wollen alle nur noch ihre Vorteile präsentieren. Und das ist ziemlich langweilig – und macht die Welt am Ende zu einem schlechteren Ort.
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In Zeiten von allgegenwärtigem Fastfood-Journalismus ist es doch eine schöne Sache, wenn ein Autor über ein Thema schreibt, mit dem er sich viele Jahre beschäftigt und zu dem er wirklich etwas zu sagen hat.
Ist ja auch hier nicht immer selbstverständlich.
Solche „Geschichten des Lebens“ und Charakteren sind in vielen Familien zu finden. Oft gibt es dabei Facetten, die sich gegenüberstehen und für Außenstehende schwer begreiflich sind.
Meine Mutter, ähnlicher Charakter wie die beschriebene Oma, geb. 1924, Lehre in einem Kaufmannsladen, freiwillig zur Marine als Funkhelferin. Ausbildung in Friedrichshafen, Einsatz in Wilhelmshafen. Der „Führer“ war für sie, obwohl sie aus einem linken sozialdemokratischen/ kommunistischen Haushalt und Umfeld kam, ein „Popstar“ (würde man heute sagen). Obwohl ihr Vater wegen Verunglimpfung des NS-Staates kurzzeitig im Gefängnis „untergebracht“ war und nach dem Gefängnisaufenthalt nach Buchenwald deportiert wurde, war das Frl. der Auffassung, es sei ihre Pflicht „der Wehrmacht weiterhin zum Sieg verhelfen“ zu müssen. Es würde mich schon arg treffen, wenn halbgare Typen meine Mutter posthum als NS-Girl bezeichneten.😉
1920 und 1921 geboren, gehören meine Eltern derselben Generation an, wie Robertos Oma. Mein Vater war in der Nähe von Bremen als Katholik aufgewachsen, meine Mutter nahe Prag als Evangelische. Beide hatten im Krieg ihren Glauben an Gott verloren, und auf beide trifft nahezu alles zu was Roberto über seine Oma schreibt.
Es scheint eine typische Sozialisation der damaligen Zeit zu sein. Und auch ich kann wie Roberto nicht verstehen, warum ich mit dem politischen oder auch wirtschaftlichen Gegner nicht sprechen soll, ihn nicht mögen soll.
Ich darf meinen Snookerspartner nicht mögen, weil er ein Anhänger oder vielleicht Mitglied der AfD/CDU oder der Linken/BSW ist?
Das ist so absurd, dass es mein Vorstellungsvermögen sprengt.
Vor 50 Jahren wurde ich angegriffen, weil ich dem 21. Juni und Baader/Meinhof-Sympathisanten das Recht zusprach, ihre Meinungen zu verbreiten. Heute fliege ich aus Foren raus, weil ich sage, man kann nicht einfach alle AfD-Sympathisanten als Nazis bezeichnen …
Der Unterschied ist gravierend. Die alten „Nazis, wie mein Vater und Norbertos Oma, haben mir zugehört und versucht, mir ihre Sicht zu verklickern, und sie haben gern mit mir über einen Witz gelacht.
Die neun „Nazis“ hören mir nicht mehr zu. Und wenn man nicht mehr miteinander redet, kann man auch nicht mehr gemeinsam lachen …
Es scheint, dass die Sorte Mensch, die es ausgehalten hat, mit Menschen, die verschiedene Weltsichten vertreten, zusammenzuleben, ausgestorben ist.
Mein Großvater war ein Nazi, ich bin über seine Vita gut informiert, auf Grund seiner eigenen Geschichten und seiner Ehrlichkeit, er hat das nämlich offen zugegeben.
Und selbst wenn er es nicht getan hätte, würde ich ihm nicht hinterher spionieren wollen
Er war Jahrgang 1902 und Zeit seines Lebens unglücklich, das er im ersten Weltkrieg zu jung gewesen ist, um seine Haut zu Markte zu tragen. Parteimitglied war er schon 1928, Ortsgruppenleiter, Hochzeit in Parteiuniform ( hat er mir mal ein Photo ) geschenkt, als diplomierter Landwirt Karriere im Landwirtschaftsministerium ( Belobigungen von R. Walter-Darré zu Hauf, habe ich selbst gesichtet ), dann beim „Anschluß“ aktiv in Österreich, Wohnsitz in Vöcklabruck, da wurde die Familie 1945 vertrieben.
Im Krieg war er Kriegsverwaltungsrat im Range eines Majors und in Frankreich und Holland eingesetzt. beim seinem „Persilschein“ haben zwei Franzosen für ihn ausgesagt, für die er sich einsetzte, damit sie nicht verhaftet werden.. Mir hat er gesagt, das er auf die Männer für seine Plünderungstätigkeit nicht verzichten konnte, seine Motive waren rein utilitaristisch. Nach dem Krieg wurde er sofort verhaftet, der „automatic arrest“ der Amerikaner griff nach ihm. Nach zwei Jahren half er bei der Bewachung des Lagers.
Die Spruchkammer stufte ihn als „Mitläufer“ ein, das war er gewiss nicht, sondern er war dick drin, genoß seine Privilegien und bezeichnete diese Zeit mir gegenüber als die Beste seines Lebens.
Nach seine Tod, er wurde 89 Jahre alt bei vollkommener geistiger Gesundheit, fragte ich meine Onkel, was sie denken würden: Hätte er, statt in Frankreich in Russland eingesetzt, die verbrecherischen Befehle ausgeführt, sich an Deportationen beteiligt, oder nicht? Da wurden die Onkel ganz unruhig und beteuerten, das er sich da verweigert hätte.
Das hätte er nicht, da bin ich mir sicher!
Mein Großvater wusste, das ich in jungen Jahren Mitglied des SDAJ und der DKP gewesen bin, genauso, wie ich über seinen Ganzen Nazi-Scheiß Bescheid wusste, da wusste ich alles, seine Kinder nichts, nur meinem Bruder und mir gegenüber hat er freimütig über alles geredet. „Die Idee des Nationalsozialismus“ (oweh) fand er gut, die Ausführung nicht und „das mit den Juden hätte er ( Der Addolff ) lieber lassen sollen“, so sein Tenor.
Wir haben uns nie kontrovers über Politik unterhalten, seinen Erzählungen habe ich zugehört, Fragen gestellt, aber ihn nie kritisiert. Hätte ich das getan, hätte er nichts mehr erzählt und ich wollte, das er erzählt.
Wenn man mit einem Nazi spricht, der einem persönlich emotional zugetan ist, bekommt man Einblicke in die psychische Verfasstheit einer Zeit, die man nicht in Lehrbüchern findet.
Mein Großvater war als Großvater nicht zu toppen. Radtouren, in späteren Jahren auch mal Sauftouren, war da, als mein Vater starb, war immer da, wenn ich am Boden war, wie beim Tod meines ersten Sohnes und der Scheidung. Er hat mich nie im Stich gelassen, als er starb, war ich 32 und sein Tod hat ein Loch in mein Leben gerissen.
Ich habe diesen Großvater geliebt, das er ein Nazi gewesen ist, war mir egal!
Meine Oma hat am 23.8.1935 auf einer BDM Veranstaltung 2 x Heil Hitler gerufen . Dieses entsetzliche Vorkommnis beschäftigt alle Nachgeborenen noch heute. Oft wache ich schweißgebadet auf und sehe nicht nur Oma, sondern auch den Führer vor mir. Der Spiegel sorgt dafür, dass das Grauen nicht verschwindet, sondern gepflegt wird. Ich bin dankbar dafür, dass uns die Wahrheitspresse im Herzen der Finsternis gefangen hält . The Horror, the Horror….
.
@Wallenstein
Ich hatte gerade Tränen in den Augen beim Lesen Ihres Beitrages. Was für ein schönes und ehrliches Statement!
Gefällt mir sehr!
‚“Die Idee des Nationalsozialismus“ (oweh) fand er gut, die Ausführung nicht und „das mit den Juden hätte er ( Der Addolff ) lieber lassen sollen“‘ – diesen oder ähnliche Sprüche kenne ich auch aus meiner Kindheit und Jugend. Böse Zungen sprechen davon, dass genau das jetzt „besser“ gemacht werden soll. Und die politischen Koordinaten deuten tatsächlich darauf hin…
Den ersten gescheiterten Versuch sollen wir deshalb besser vergessen…
Es ist traurig und gruselig zugleich.
@Wallenstein
»Hätte er, statt in Frankreich in Russland eingesetzt, die verbrecherischen Befehle ausgeführt, sich an Deportationen beteiligt, oder nicht? Da wurden die Onkel ganz unruhig und beteuerten, das er sich da verweigert hätte. Das hätte er nicht, da bin ich mir sicher!«
Wie kannst du dir sicher sein, dass er sich nicht verweigert hätte?
Ich mochte Helmut Kohl nie besonders, aber seinen Verweis »Auf die Gnade seiner späten Geburt« finde ich ausgesprochen ehrlich, und er zeigt auch, dass Kohl sich darüber Gedanken gemacht hat, was man nicht von jedem behaupten kann.
Ich habe mich auch oft gefragt, wie ich mich in einer Situation wie der im Dritten Reich verhalten hätte, ob ich zum Beispiel einem jüdischen Freund geholfen hätte, wie die Frau, die Hans Rosental, oder die Frau, die Ralph Giordano Giordano versteckt hatten, und ich muss zu meiner Schamde eingestehen, dass ich wahrscheinlich nicht den Mut dazu hätte, obwohl ich solche Menschen höher einschätze, als alle anderen Helden.
Denn ich bin kein Held und wer im Dritten Reich nicht regime-konform verhielt musste damit rechnen, dass auch seine Familie die Folgen zu tragen hatte.
Ich bin mir deshalb sicher, weil der Großvater, im Gegensatz zu meinem Vater, über keine Civilcourage verfügte.
Er hat nie gegen den Stachel gelöckt und war Autoritätshörig.
Er hätte sich dem nicht entzogen, das wäre seinem Character nicht entsprochen,
Man könnte die Spiegelaktion auch als ausgesprochene Infamie begreifen. Schaut Euch an und Eure Familie. Laßt darum die neuen Nazis in Parteien und Regierung in Frieden.
Da fällt mir dazu ein Witz ein. Ein Stockbesoffener steht eng gedrückt im Bus, kann mit Müh und Not in Kurven gerade so an sich halten. Bus bremst plötzlich scharf, Mann übergibt sich und beglückt eine vor ihm stehende Frau, die aufschreit: Sie Schwein! Vorauf er entgegnet: Wieso ich? Schauen Sie sich mal selbst an.
Warum sollen die anderen bestimmen, wie ich meine Oma finde? Und warum soll mich solche Übergriffigkeit jucken?
NEIN, ich kann hier keine Ode der Liebe für meine Großeltern schreiben.
Meine Großeltern, Frieda (*1900) und Oscar (*1898), waren keine NS-Parteigänger, aber politisch sehr konservativ: Ruhe und Ordnung als Garanten einer makellosen Fassade und eines neuen Wohlstands nach dem Krieg waren ihre ‚Heiligtümer‘. Frieda war zeitlebens kaisertreu, für Oscar hatte der Élysée-Vertrag zwischen Deutschland und Frankreich keinerlei Bedeutung. Der Franzose war und blieb der Feind, der nicht einmal imstande war, deutsche Städtenamen ‚korrekt‘ auszusprechen. Kein Wunder, dass Frankreich mit West-Deutschland nach dem Krieg nicht mithalten konnte, so sein ‚Urteil‘. Kein Nazi, mein Großvater, aber unübersehbar chauvinistisch gegenüber Nachbarstaaten wie Frankreich. Und Italien erst, die reinste ‚Hottentotten‘-Zustände dort. Er hatte die Vorkriegs-Tristesse deutscher Städte in der Weimarer Republik wohl nicht mehr so recht in Erinnerung …
Keine Nazis, meine Großeltern, dafür Garanten unhaltbarer Zustände bis ins Familienleben hinein. Immer schön in falscher Solidarität die Fassade wahren, auch wenn es im Gebälk dahinter noch so sehr krachte. Dennoch, und das hielt meine Mutter zeitlebens in Ehren, sie hatten es zugelassen, dass ihre Tochter Barbara (*1935) zu NS-Zeiten mit einem blonden, blauäugigen jüdischen Mädchen auf der Huttenstraße in Frankfurt/Oder spielte, und dafür bekamen sie von Blockwart Ebert öfter ungebetenen ‚Hausbesuch‘.
Der bürgerliche Chauvinismus ist die Keimzelle des Faschismus.
Kann jederzeit umschlagen.
Und der ist auch nicht weg, er ri,chtet sich halt aktuell nicht gegen Franzosen oder Italiener, sondern gegen Ossis, Rumänen, Chinesen oder Afrikaner.
„Der bürgerliche Chauvinismus ist die Keimzelle des Faschismus.“
Na und, keinem und wachsen kann er aber nur wenn Nahrung vorhanden ist, die materiellen äußeren Umstände es zulassen.
@Dagmar Brandt
Als ich kann am Verhalten ihrer Eltern nichts schlechte finden. Wenn sich alle Familien wie ihre Eltern verhalten hätten –
mehr kann man nicht erwarten – dann wäre der Welt der Spuk des Dritten Reichs erspart geblieben.
Oscar und Frieda waren meine Großeltern, nur zur Klarstellung. Meine Großmutter hatte keine Vorurteile gegenüber Juden, und zwar aus diesem Grund: Sie war als Chefeinkäuferin bei einem jüdischen Textileinzelhändler beschäftigt, nebenbei noch seine außereheliche Geliebte, der wohlhabende Chef wollte sie sogar bei seiner Auswanderung in die USA mitnehmen. Frieda traute sich aber nicht zu, eine Fremdsprache zu lernen und blieb in Deutschland.
Danke, Herr De Lapuente, für diesen schönen und geradezu altersweisen Artikel!
Ein guter Text an einem stillen Tag.
Eigentlich reicht so ein Text für den Tag. Man sollte gar nicht so viele verschiedene Texte lesen!
Man sollte ja auch nicht so viele verschiedene Bilder an einem Tag ansehen, eine Sache, die die alten Chinesen schon früher wussten.
—
Blut ist eben dicker als Wasser.
Und wer das nicht kapiert, der lebt in einer anderen Welt als geschätzte 95 – 97% der Weltbevölkerung.
Irgendwie fand ich es schon als junger Mensch abstoßend, wenn sich andere jüngere Leute allzu sehr von ihrer Familie oder den eigenen Eltern distanzierten und im Extrem sogar den Kontakt abbrachen. So was macht man nicht!
Manche gingen damit ja schon regelrecht hausieren und dachten, dass sie auf diese Weise an Ehre gewönnen.
—
Ein Satz, der wichtig ist: „Am Ende ringen wir auch bei dieser Kampagne um einen Begriff, der heute aus der Mode geraten ist: Ambivalenz.“
Dass nahezu jeder Mensch ambivalent ist, das ist klar. Andererseits fiel es der katholischen Kirchen immer leichter,
dies zu akzeptieren als den protestantischen Kirchen.
Erstere kultivierte das Sakrament der Beichte (zeigte also Verständnis für Verfehlungen), letztere kultivierte die Vorstellung von Reinheit bei gleichzeitiger Betonung des Schulbegriffs. So ist das Wort „Puritaner“ ja bereits in sprachlicher Hinsicht mit „Reinheit“ (engl. „Purity“) verwandt.
In der heutigen „woken“ Szene hat sich die protestantische Auffassung in säkularisierter Form erhalten. Lesenswert dazu Bernd Stegemann: „Was vom Glauben bleibt“.
Filmclips
„Mit Gott und den Faschisten“ – Das Ermächtigungsgesetz
Von Karlheinz Deschner
Das Wort am Sonntag: „Mit Gott und den Faschisten“
Folge IV: Das Ermächtigungsgesetz
Karlheinz Deschner zur Politik der Päpste im 20. Jahrhundert
In zwölf Folgen zu je knapp zehn Minuten unter dem Serientitel „Mit Gott und den Faschisten“ beweist Deutschlands bedeutendster Kirchenkritiker, daß die „Stellvertreter Gottes“ im Vatikan, von Leo XIII. bis Pius XII. wesentlich zur Herrschaft des Faschismus in Italien, Spanien, Deutschland und Jugoslawien und damit zu den politischen Katastrophen und zum Völkermord im 20. Jahrhundert beigetragen haben.
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=11631
Gibt’s auch als Buch:
Mit Gott und den Faschisten: Der Vatikan im Bunde mit Mussolini, Franco, Hitler und Pavelić: Der Vatikan im Bunde mit Mussolini, Franco, Hitler und Pavelic (Unerwünschte Bücher zur Kirchengeschichte)
ISBN-10: 3894846100
Mir ist das zu larmoyant!
Warum La Puente so verwundert tut, kann nur damit zusammenhängen, dass er sich erst jetzt mit dem Thema auseinandersetzt und über Jahrzehnte die Augen tief verschlossen hielt. Ich bin der Meinung, dass er fragen sollte, warum und mit welchen Ausreden seine Familie früher nicht über die Nazi-Zeit geredet hat.
Ich selber bin mit einer sehr kinderlieben Großmutter großgeworden, die sogar versucht hat, mir das Horst Wessel-Lied beizubringen. Sie hat auch vieles andere versucht.
Meine Eltern als 1968er haben immer dagegen gehalten, und trotzdem oder deswegen war ich oft zu Besuch bei meiner Großmutter als ihr geliebter männlicher Enkel. So bin ich ein Kenner der Altnazi-Kultur und ihrer verzweigten Lebenswelten geworden (und erkenne auch an vielen Einzelheiten, dass Höcke ein gefährlicher völkischer Nazi ist, weil er genau in der Tradition meiner Großeltern steht).
Wie für mich galt das für viele meiner Enkelgeneration der „Täter“: 1945 bei Kriegsende war 1/5 der Erwachsenen Mitglied der NSDAP, das heißt in ungefähr 1/3 der Familien gab es NSDAP-Mitglieder. Um von den Massenorganisationen (Hitlerjugend, Arbeitsfront, Frauenbund, Lehrer usw.) gar nicht zu sprechen. „Ich bin’s nicht, Adolf Hitler ist es gewesen“, hieß ein Theaterstück, das Jahrzehnte lang lief, weil so viele gucken wollten, wie die Verlogenheit in Deutschland funktionierte. Hat La Puente es gesehen?
Als das Haus meiner Großeltern verkauft war und die Nachbesitzer „alles neu“ machten, purzelten im Keller eine Menge Requisiten aus der Wand: darunter ein Hitlerbild und Pistolen. – Von den Kindern (darunter meine Eltern) hat sich niemand gewundert. Sie alle hatten längst ihre Konsequenzen gezogen!
Diese 5 Kinder (Mutterkreuz!) meiner Großeltern sind politisch sehr unterschiedlich orientiert, aber sie haben mit viel Mühe, jedes für sich, einen glasklaren Bruch mit ihrer Nazi-Sozialisation vollzogen.
Das haben sie nicht durch Larmoyanz erreicht. Larmoyanz bringt Stillstand.
@Estragon
Darum geht es aber nicht, glaube ich. Es geht darum daß erneut eine Denunziations Kampagne aufgefahren wird ähnlich wie #meetoo. Es geht nicht um eine echte Auseinandersetzung mit der eventuellen Gesinnung oder nicht Gesinnung von Vorfahren, sondern wieder mal darum, etwas in die Manege zu zerren. Es geht um die berühmte „Sichtbarmachung“ damit alle wieder „Oh“ und „Ah“ schreien können, nach dem Motto „der Oppa vom Huber war Nazi.“
Inwiefern soll das hilfreich sein? Das verhindert ja keinen Höcke mit seinen deutschnationalistischen, reaktionären und verschrobenen Ansichten von Vorgestern.
Die Aktion des „Spiegel“
reiht sich ein in zahlreiche andere Aktionen, Kampagnen und Bestrebungen, die – um es zusammenzufassen – alle auf Dekonstruktion zielen.
Dekonstruktion ist immer im Interesse von Leuten, die sich anmaßen, alles neu machen zu wollen – egal ob es nun Linksextremisten, Rechtsextremisten oder Liberalextremisten sind.
Ziel ist die Unmittelbarkeit des einzelnen Individuums vor der jeweiligen Macht, und zwar ohne dazwischengeschaltete Strukturen. Deshalb die Dekonstruktion von Familie, Nation, Tradition, Geschichte usw.
Anders gesagt: Allen Dekonstruierern geht es um den direkten und möglichst ungestörten Zugriff auf den Einzelnen.
In diesem Falle geht es mal wieder um die „Bewässerung“ von Schuldgefühlen. Es ist sehr nützlich, wenn sich Leute schuldig fühlen – und sei es auch wegen ihrer Vorfahren.
—
Wer glaubt, dass es bei der Aktion des „Spiegel“ um historischer Aufklärung ginge, der hat wenig verstanden.
Heutzutage ist es vielleicht auch die „Nation“, eben weil es noch übergeordnete Organisationen gibt, die Macht auf die einzelnen Menschen ausüben. Früher war aber die Nation eher das Problem als es diese übergeordneten Organisationen noch nicht gab.
Ich würde „Nation“ in dieser Wortkette daher auch eher durch „Gemeinde“ ersetzen.
Aber der Grundaussage dieses Absatzes würde ich natürlich unbedingt zustimmen. Das ist ein wichtiger Punkt. Genau so läuft es ja auch in Sekten ab, in denen ein machtgieriger Guru keine anderen menschlichen Bindungen unter seinen Jüngern haben möchte, die die Unmittelbarkeit zwischen sich und dem Sektenmitglied stören könnten, (und das ist in den allermeisten Sekten so).
@Two Moon
Wünsche einen schönen Sonntag gehabt zu haben!
—
Zu Ihrer Anregung, „Nation“ durch „Gemeinde“ zu ersetzen:
So furchtbar weit sind wir da ja gar nicht auseinander.
Das Problem wäre aber, dass die Gemeinden bisher vordergründig noch nicht zu Objekten der Dekonstruktionsbemühungen geworden sind. Man ist sich offenbar bewusst, dass man „Gemeinden“ (Städte, Dörfer) irgendwie doch als Gebilde braucht. Die Nation wird hingegen nicht mehr gebraucht.
Allerdings bedeutet das noch nicht, dass die Nation damit völlig verschwunden wäre, denn alle Menschen, die Deutsch als Muttersprache und zu Hause im Alltag sprechen, gehören ja irgendwie zur deutschen Nation bzw. (im Falle von Österreich und Schweiz) zur deutschen Kulturnation. Und die ist nicht deswegen schon weg, weil gewisse Leutchen heute die Staatsangehörigkeit zum Alleinstellungsmerkmal für die Nationenzugehörigkeit machen wollen.
Da sich im Zuge dieser Bemühungen aber auch die ethnische und kulturelle Zusammensetzung der Gemeinden teils massiv geändert hat, haben Sie im Prinzip doch recht, dass auch die Gemeinden zu Opfern einer erzwungenen Umwandlung geworden sind, was von „Dekonstruktion“ nicht weit entfernt ist.
Im Vergleich zu etwa 1970 sind die Gemeinden in gewisser Weise entkernt worden.
Gruß
Was wäre das Leben ohne die kleinen, flauschig fühligen Geschichtchen die einem den Kapitalfaschismus nahe bringen sollen? Ja und an kleinen und großen Führern herrscht heute wahrlich kein Mangel. Ganz klassisch oder emanzipatorisch lackiert, wo dann ein paar progressive Häppchen zum Ködern eingestreut werden. Egal, was du heute tust versprechen, kannst du morgen wieder brechen. Bei beiden Manövern geht es um die Wahrung des Status quo der Herren.
Ich hätte da auch eine Geschichte, nicht ganz so flauschig. Von meinen vier Großeltern war ein Großvater dabei, von dem ich ein Foto in SA Uniform habe. Dann noch seine Auszeichnungen 3 EKs, 2 erster, eins zweiter Klasse, 4 Verwundungsabzeichen, Blech, 2 Silber, eins in Gold und noch ein paar Medaillen und Abzeichen. Bezahlt wurde das alles in einer anderen Währung, psychische und körperliche Versehrungen, Trauma, Trunksucht, ein verlorenes Bein.
Ich kann mich noch an verschiedene Begebenheiten der Zusammenkunft erinnern, bei denen eine besonders haften blieb. Als kleiner Dobsch war ich sehr stolz auf meine Panzer und spielte damit. Ein junger Geist ist sehr anfällig für die bösartigen Einflüsterungen dieser kranken Gesellschaft. Egal, auf jeden Fall spielte ich vor meinem Großvater und versuchte ihm, dem versehrten Kriegsveteranen das nahe zu bringen. Er sagte nur: „Das ist alles Geldmacherei.“
Kurz und knapp, also das, was Smedley Butler bereits vor dem zweiten Weltengemetzel konstatierte und ausführlicher in Buchform veröffentlichte.
Die übrigen Versehrungen innerhalb der Familie sind teilweise auch dem Schießkrieg geschuldet, gehen aber in ihrer Mehrzahl auf die „normalen“ kapitalfaschistischen Funktionsweisen zurück, die eben meist im Rahmen der normopathischen Gesellschaft nicht zur Debatte stehen.
Werter Herr Birk, so einfach ist es nun auch wieder nicht. Nehmen wir mal, ihre Oma wäre Frau Honecker oder die KZ-Aufseherin Irma Grese oder Ilse Koch gewesen. Im braunen Dritten Reich, dem „Vogelschiss“ der deutschen Geschichte, wie das mal ein dieser blauen AfD-Politiker bezeichnete, gab es nicht nur Jungs, die diesen „Job“ ausgeführt haben. Auch „Omas“ können grausam morden oder morden lassen. Man muss sich ja dabei nicht immer selbst die Hände schmutzig machen.
Würde es Sie dann auch nicht „jucken“?
Ich weiß, das Standardverfahren zur Weißwaschung der BRD und darüber hinaus der kapitalistischen Grundordnung (das Muttergestirn des Faschismus) und zur Verteufelung sozialistischen Gedankenguts, ist die Verklammerung der DDR mit dem Dritten Reich. Ist aber trotzdem jedesmal haarsträubend. Anbei zur Näherung:
Unrecht gibt es in jedem Staat. Aber ab wie viel Unrecht ist ein Staat ein Unrechtsstaat? Der sozialdemokratische Rechtsphilosoph Gustav Radbruch hatte darauf eine klare Antwort, hinter die man nicht zurückfallen sollte. Es genüge dafür nicht, wenn Herrscher Recht brechen, um ihre Macht zu sichern. (Wenn die Vergehen, für die DDR-Funktionäre zu Recht angeklagt wurden, für dieses Verdikt genügen, dann haben wir auf der Welt allerdings nur Unrechtsstaaten: Rechtsbeugung, Gewalttaten oder unterlassene Hilfe an der Grenze, Wahlfälschung, Misshandlung Gefangener, Amtsanmaßung und Korruption, Doping und Kontrolle privater Kommunikation.)
Das NS-Regime war für Radbruch ausschließlich deshalb ein Unrechtsstaat, weil da Schwerstverbrechen wie Angriffskrieg, Völkermord, Zwang zu Sklavenarbeit und Plünderung besetzter Gebiete, kurzum: Verbrechen gegen die Menschlichkeit, staatlich geboten waren – das Unrecht also das eigentliche Staatsziel war. Wer NS- und DDR-Herrschaft mit dem gleichen Begriff charakterisiert, verharmlost oder dämonisiert auf unstatthafte Weise. Beide Diktaturen haben keinen einzigen identischen Anklagepunkt hinterlassen.
( Daniela Dahn, Der Schnee von gestern ist die Sintflut von heute / Die Einheit – eine Abrechnung, S. 66)
Und nun könnte man tatsächlich noch das Register der BRD hinzufügen. Rehabilitierung und Integration faschistischer Schwerstkrimineller im In- und Ausland. Kollaboration mit faschistischen Regimen weltweit. Subversion und Sabotage im In- und Ausland. Kriminielle Aktionen gegen die eigene Bevölkerung inklusive Mord und Terror.
„Heute gälte meine Großmutter als rechts, ja vielleicht sogar als Nazi-Sympathisantin. Darf ich sie trotzdem vermissen, wenn’s recht ist?“
Aber ja doch, egal obs recht ist.
Meine Großmutter, Jahrgang 1926, sagte schon vor rund 45 Jahren Sätze wie: „Früher gab es noch Ordnung“, „Wir hatten ja nichts, aber das Wenige war gut“ oder auch: „An Hitler war nicht alles schlecht.“ Fragte ich nach, kamen regelmäßig die Autobahnen und die Arbeit zur Sprache.
Sie stammte aus Masuren, lebte nur wenige Kilometer von der damaligen polnischen Grenze entfernt und verlor als junge Frau durch Flucht und Vertreibung ihre Heimat. Mein Großvater wiederum war Banatenschwabe aus Temeswar. Er hatte im Krieg beide Beine verloren und schwieg fast vollständig darüber. Während meine Großmutter erzählte, erklärte und manches verklärte, sagte er kaum etwas.
Übelgenommen habe ich beiden nichts. Meine Großmutter war bei Hitlers Machtübernahme sechs Jahre alt, bei Kriegsbeginn dreizehn und bei Kriegsende neunzehn. Was sollte sie damals schon zuverlässig wissen? Informationen kamen aus Schule, Zeitung, Büchern, Radio, Familie und unmittelbarer Umgebung – also genau aus den Quellen, die entweder staatlich kontrolliert waren oder selbst nur Bruchstücke kannten. Einen umfassenden Überblick über politische Zusammenhänge, Kriegsverbrechen und die tatsächlichen Absichten des Regimes hatten die allerwenigsten.
Das entschuldigt nicht jede Haltung und macht falsche Aussagen nicht richtig. Aber es erklärt, wie sie entstehen und ein Leben lang fortwirken konnten. Wir besitzen heute Archive, wissenschaftliche Forschung, Dokumente aus mehreren Ländern und den Abstand von acht Jahrzehnten. Diese Wissenslage rückwirkend von einem Jugendlichen im Jahr 1940 zu verlangen, wäre reichlich überheblich.
Deshalb trifft der Begriff Ambivalenz den Kern. Meine Großmutter konnte ein liebevoller, fürsorglicher Mensch sein und zugleich historisch falsche Vorstellungen bewahren. Mein Großvater konnte Opfer des Krieges sein und dennoch Erfahrungen gemacht haben, über die er nicht sprechen wollte oder konnte. Menschen sind weder ausschließlich ihre politischen Irrtümer noch ausschließlich ihre guten Eigenschaften.
Man darf nach der Wahrheit suchen, auch in Archiven. Man darf problematische Aussagen benennen und widersprechen. Aber daraus folgt nicht, dass man seine Großeltern posthum hassen oder die eigene Erinnerung an sie vernichten müsste. Verstehen ist keine Rechtfertigung und Liebe keine historische Reinwaschung.
Vielleicht fehlt uns heute gerade diese Fähigkeit: Widersprüche auszuhalten, ohne sofort entweder zu verklären oder zu verdammen. Meine Großeltern waren Kinder ihrer Zeit, aber eben auch Menschen mit einer eigenen Geschichte aus Heimatverlust, Krieg, Verstümmelung und Neubeginn. Diese Geschichte darf man kritisch betrachten, ohne den Menschen dahinter auszulöschen.
Eine typisch deutsche Art der Aufarbeitung. Nachsehen, ob jemand als junger Mensch einen Fehler gemacht hatte. Den man selbst wegen bedingungsloser Kapitulation nicht mehr machen konnte.
Das Dritte Reich fand auf unserem Boden statt und die Frage ist doch, wie das geschehen konnte? Und wie es sich zukünftig vermeiden ließe. Das ist unsere historische Aufgabe, das herauszufinden.
Diesbezüglich am weitesten war die Frankfurter Schule mit Adorno und Horkheimer. Aber eine vollständige Erklärung ist das nicht. Das Dritte Reich war eine Getriebe, in dem ein Rad ins andere griff. Das ist nicht umfassend erklärt worden. Damit kann man nicht zufrieden sein.
Eine verkürzte Hannah Ahrend kann man auf den Satz reduzieren, die Nazis seien banal gewesen. Da ist man ja gut weggekommen und kann das abhaken. Was auch deren bis heute anhaltende Beliebtheit erklärt.
Dann haben Nachkriegslinke bei jeder Entscheidung geschaut, was die Nazis getan hatten, um dann das exakte Gegenteil zu machen. Ihnen damit unter anderem Unfehlbarkeit zuzubilligen, denn die braucht man, um immer das exakt Falsche zu tun.
So sah die Aufarbeitung bislang aus. Da ist noch Luft nach oben.
Werter Herr Artur_C,
richtig ist, es geht um Aufarbeitung. Aber was ist daran „typisch deutsch“?
Die europäischen Siedler (und das waren vor allem Engländer, Franzosen und Iren, aber auch ein paar Deutsche, Holländer usw.) haben die nordamerikanischen Ureinwohner jahrzehntelang bis auf Restbestände dezimiert und das versuchen die Nachfahren dieser Siedler jetzt mit der gesamten Welt. Warum? Weil nicht mehr so viele „Indianer“ im Wilden Westen da sind, denen man das Land und die Ressourcen stehlen kann.
Richtig ist auch, das Dritte Reich ist nicht vom Himmel gefallen und auch nicht aus der Hölle hervorgekrochen und das ist der entscheidende Punkt. Dazu muss man sich die politischen, ökonomischen, sozialen und gesellschaftlichen Ursachen für den Niedergang der Weimarer Republik ansehen.
Aber was bitte hat das mit den ⬅️ „Linken“ zu tun? Es waren keine „Linken“, die 1933 Adolf Hitler und die NSDAP gewählt haben und es waren auch keine „linken“ Parteien, die 1933 im Deutschen Reichstag dem Ermächtigungsgesetz zugestimmt haben, um Adolf Hitler zum Diktator zu machen. Das waren rechte, nationalistische, konservative und bürgerlich-liberale Parteien. Oder wollen Sie das bestreiten? Wollen Sie das betreiten?
Und dann sehen wir uns 2026 an und fragen:
Ist Friedrich Merz ein „Linker“?
Ist Ursula von der Leyen eine „Linke“?
Ist Alice Weidel eine „Linke“?
Ist der Chefedakteur der FAZ ein „Linker“?
Ist Elon Musk ein „Linker“?
Ist Henryk M. Broder ein „Linker“?
Ist Boris Pistorius ein „Linker“?
Ist Markus Söder ein „Linker“?
Ist Katherina Reiche eine „Linke“?
Ist Alexander Gauland ein „Linker“?
Ist Robert Habeck ein „Linker“?
Ist Marie-Agnes Strack-Zimmermann eine „Linke“?
Ist der Chefredaktuer der Bild-Zeitung ein „Linker“?
Ist Jens Spahn ein „Linker“?
Ist Markus Lanz ein „Linker“?
Ist Giorgia Meloni eine „Linke“?
Ist Caren Miosga eine „Linke“?
Ist Julian Reichelt ein „Linker“?
Ist Alexander Dobrindt ein „Linker“?
Ist Kai Diekmann ein „Linker“?
Ist Jeff Bezos ein „Linker“?
Ist Johann Wadephul ein „Linker“?
Ist die Süddeutsche Zeitung „links“?
Ist Wolfgang Kubicki ein „Linker“?
Ist Carsten Linnemann ein „Linker“
Ist Ulf Poschardt ein „Linker“?
Ist Peter Thiel ein „Linker“?
Ist Gert Wilders ein „Linker“?
Ist Marine Le Pen eine „Linke“?
Ist Emmanuel Macron ein „Linker“?
Ist Donald Trump ein „Linker“?
And last but not least: Ist Benjamin Netanjahu, der Ministerpräsident von Israel, ein ⬅️ „Linker“?
Warum „last but not least“? Weil man die Liste noch kilometerweit erweitern könnte.
Werter Herr Artur_C, wie wäre es zur Abwechslung einmal mit einer chronologisch richtigen und logisch konsistenten Argumentation❓Alles andere ist ➡️ ➡️ ➡️ rechte Progaganda. Darauf fallen aber nicht alle Bürgerinnen und Bürger herein.
R.I.P.
Georg Elser
Geboren am 4. Januar 1903 in Hermaringen.
Hingerichtet am 9. April 1945 im KZ Dachau von Rechten wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges.
@Auf Artur_C
Es geht hier nicht darum, was die Oma von Roberto De Lapuente im Dritten Reich gemacht hat, sondern darum, dass sie nach dem Krieg sich immer noch einen kleinen Hitler gewünscht hätte.
Trotzdem verstehe ich, dass Roberto De Lapuente seiner Oma immer noch liebt.
@henio
Wenn all diejenigen, die „nicht alles schlecht“ fanden heute das politische Personal erleben könnten…..
Zb Roderich und Flak!
Die wären vielleicht ziemlich erfreut.
Was will man denn den Generationen der Ur- und Großeltern vorwerfen? Wir haben doch alle die Corona erlebt! Innerhalb von wenigen Stunden war das Land umgekrempelt, eingeteilt in Solidarische und Unsolidarische, Gehorsame und Ungehorsame inklusive sofort einsetzendes Blockwarttum. Wie meinte unser Nachbar Emanuel Macron? „Nous sommes en guerre.“ Ich möchte daran erinnern, daß zumindest über Lager für Quarantäne und Maskenverweigerer nachgedacht wurde. Innerhalb weniger Monate war in Düsseldorf auf dem Fernsehturm der Spruch zu lesen „Impfen macht frei“ und die modRNA Verweigerer hatten ein beispiellose Hass und Hetzkampagne zu erdulden. Und was sehen wir seit 2022 als von einem Tag auf den anderen Tag die Frontlinie vom Virus auf die Russen verschoben wurde? Leuten mit Wolfsangel Tatoos werden Milliarden in den Rachen geschmissen. Zur Verteidigung „unserer Demokratie.“ Von Gaza will ich erst gar nicht anfangen.
Wie meinte unsere Ex Aussen Lena? Ihr Oppa hat die Freiheit Europas an der Oder verteidigt! Ja nee, is klar!
Journalisten mit 3 kleinen Kindern und Ehefrau werden sanktioniert! In welcher Absicht wohl? Jaja es ist weit her mit der UnsDem!
@Jasmina
Stimmt!
Wer nach der Corona-Erfahrung noch Mühe hat zu verstehen, warum in der Mitte des 20. Jahrhunderts andere ganz normale Menschen bestimmte Dinge gemacht haben, dem ist einfach nicht zu helfen.
Hallo,
treffend angemerkt…., ich möchte auch noch den 11.09.2001 anführen.
Innerhalb einer Woche wurde in den USA aus einer irgendwie noch halbwegs funktionierenden Demokratie eine quasi-Diktatur. Viele junge Menschen wissen es ja logischerweise überhaupt nicht.
Beispiel NSA…., bis 1975 hieß es über die bereits in den 1940ern gegründete Institution: „No Such Agency“ !- also ihre Existenz wurde komplett abgestritten. Dann in den 1970ern musste dann zugegeben werden, dass es wohl doch solch eine Behörde gibt, und schwupps, ab dem 12.9.2001 hat diese angeblich nicht, oder kaum existente Behörde mal eben die Macht im Staat übernommen, mit 10.000den von Beschäftigten. – Das „Department of Homeland Security“, das genau dieser NSA angegliedert wurde, gab es vor dem 11.09.2001 auch noch nicht, es wurde erst danach überhaupt gegründet, genau so wie die derzeit häufiger benannte ICE-Behörde. – Um zu verstehen, wie die Mechanismen funktionieren, die von den entsprechenden Kreisen initiiert werden, muss man sehen, dass es offenbar immer einen Schockmoment braucht (Reichstagsbrand / 9/11 / Corona-Bilder von Bergamo) um zumindest vorübergehend den gesunden Menschenverstand auszuschalten.
Ich habe meine Großmutter, Jahrgang 1921, damals im Sudetenland lebend, gefragt, woran sie sich bezüglich der Machtübernahme durch die Nazis erinnert hat, und sie sagte, zum einen schien es, als würde plötzlich überall Musik laufen (Volksempfänger?!?) und als wären plötzlich gefühlt alle Leute unterwegs gewesen….., was mit den ersten Maßnahmen korreliert. Schon ab März 1933 mussten alle deutschen Beamten ihr Ariertum nachweisen. Dafür hatten sie nur ein paar Wochen Zeit und somit mussten 100.000e von Menschen an ihren Geburtsort reisen und sich dort von Amts wegen bestätigen lassen, dass deren Eltern von rein deutschem Blut waren, bzw. sind. Es wurde künstlich Stress verursacht, dann kam der Reichstagsbrand und dann war es mit der parlamentarischen Demokratie soweit auch erstmal vorbei. Die Muster gleichen sich nicht, aber sie ähneln sich sehr…
Der Sinn der Übung ist die Ablenkung vom neuen Faschismus. Solche Propaganda-Konzepte werden gezielt und in großen Mengen von den Geheimdiensten entwickelt.
Danke für den in vieler Hinsicht nachdenkenswerten Artikel. Egal, wie man zu der Elterngeneration und ihren Taten stehen mag, scheint mir aber sicher zu sein, daß sie überwiegend die heutige Kriegsgeilheit aus ihrer eigenen Lebensgeschichte heraus nicht verstehen und ablehnen. So ist es jedenfalls bei meiner 93jährigen Mutter. Und mit dieser Generation verschwindet diee eigene Kriegserfahrung und ich befürchte, damit auch die Schrecken vor einem neuen Krieg. Dass unsere Eltern uns auch weniger gute seelische Päckchen mitgegeben haben, ist auch unbestritten, sollte uns aber erst recht von neuen Kriegen abhalten, da es immer auch seelische Opfer gibt. Aber das scheint unseren Kriegstreibern egal zu sein.
Was die Ambivalenz angeht, da haben Sie zweifelsohne recht, Herr De Lapuente. Alle Menschen sind ambivalent, nicht nur 😇 Dr. Jekyll und 😈 Mr. Hyde. Die einen mehr, die anderen weniger.
Biologische und chronologische Tatsache ist: Seine Oma (2x 👵👵) und seinen Opa (2x 👴👴) kann man sich nicht aussuchen. Das gilt auch für Mutti aka „Mama“ + Vati aka „Papa“ = 👩👨 Eltern. Umgekehrt funktioniert das schon eher.
Das soll heißen: Wenn Oma erst nach der Eheschließung erkennt, dass Opa ein 🦹♂️ Despot oder ein 😈 Tyrann ist, dann muss man nicht auch noch viele Kinder 👶 🧒 👧 👧 👦 👦 mit ihm zeugen und falls es doch passiert ist, dann kann Frau bzw. Oma sich heute von Opa trennen und durch ihre Erziehung verhindern, dass aus dem Kind auch ein Despot wird. Böse Gene sind das eine, eine Erziehung zu Mitmenschlichkeit, Solidarität, Humanität, Hilfsbereitschaft, die Achtung der Menschenwürde und dem Streben nach Frieden ist das andere.
Man kann ein Kind zu einem Diplomaten erziehen, der nach Frieden strebt, aber auch zu einem „kriegstüchtigen“ Soldaten und einer Bio-Waffe, die um 5:45 Uhr Polen, Holland, Frankreich, Russland usw. überfällt, um
• das „Vaterland“, die „Nation“, die „Heimat“, das „Volk“,
• den Führer, den Kaiser, den König, den Herzog, den Fürsten,
• den „richtigen“ Gott bzw. die „richtige“ Religion,
• die „richtige“ Ideologie bzw. Weltanschauung,
• die persönliche „Ehre“ oder die Ehre des Vaterlandes,
• die „Freiheit“,
• die „Werte“ des „Wertewestens“ oder
• was auch immer
gegen das „Böse“ zu verteidigen.
Wichtig ist: Jede Oma besteht aus einer Frau Dr. 😇 Jekyll und einer Mrs. 😈 Hyde. Man sollte Oma auch nicht für ihre Fehler, ihre dunklen Seiten und Unzulänglichkeiten verurteilen. Aber man sollte als Enkel daraus lernen.
Auf der gesellschaftlichen Ebene nennt man das dann politischen, sozialen, ökologischen und kulturellen Fortschritt. Derzeit geht es gesellschaftlich offenkundig wieder mal rückwärts in die Vergangenheit nach Stalingrad, obwohl Hitler 1945 und Stalin 1953 verstorben ist.
Aufgemerkt: Liebe Mädchen, weibliche Heranwachsende, (junge und mittelalte) Frauen, Damen und andere weibliche Personen: Benutzen Sie vor allem beim ersten 🫂 Liebesakt mit ihrem „Liebsten“ immer ein Schutzmittel (Kondom, ein Präservativ, einen „Pariser“, in der Schweiz ein „Verhüterli“), bevor Sie mit ihm Kinder zeugen, sonst könnte es in dem einen oder anderen Fall ein schmerzhaftes Erwachen und einen Realitätsschock geben.
Kienzle: Noch Fragen Hauser?
Hauser: Nein Kienzle. Das haben Sie wieder mal sehr pointiert, aber verständlich erklärt.
Inspector Columbo sagt: Eine Frage hätte noch. Haben bzw. hatten Leute wie Boris Pistorius, Friedrich Merz, Friedrich Flick, Friedrich Rainer, Friedrich Jeckeln, Friedrich Christiansen, Markus Söder, Markus Lanz und Alice Weidel auch eine „Oma“ bzw. zwei?
Kienzle und Hauser: 🙄 🙄
Was die Ambivalenz angeht, da haben Sie zweifelsohne recht, Herr De Lapuente. Alle Menschen sind ambivalent, nicht nur 😇 Dr. Jekyll und 😈 Mr. Hyde. Die einen mehr, die anderen weniger.
Biologische und chronologische Tatsache ist: Seine Oma (2x) und seinen Opa (2x) kann man sich nicht aussuchen. Das gilt auch für Mutti aka „Mama“ + Vati aka „Papa“ = Eltern. Umgekehrt funktioniert das schon eher.
Das soll heißen: Wenn Oma erst nach der Eheschließung erkennt, dass Opa ein 🦹♂️ Despot oder ein 😈 Tyrann ist, dann muss man nicht auch noch viele Kinder 👶 🧒 👧 👧 👦 👦 mit ihm zeugen und falls es doch passiert ist, dann kann Frau bzw. Oma sich heute von Opa trennen und durch ihre Erziehung verhindern, dass aus dem Kind auch ein Despot wird. Böse Gene sind das eine, eine Erziehung zu Mitmenschlichkeit, Solidarität, Humanität, Hilfsbereitschaft, die Achtung der Menschenwürde und dem Streben nach Frieden ist das andere.
Man kann ein Kind zu einem Diplomaten erziehen, der nach Frieden strebt, aber auch zu einem „kriegstüchtigen“ Soldaten und einer Bio-Waffe, die um 5:45 Uhr Polen, Holland, Frankreich, Russland usw. überfällt, um
• das „Vaterland“, die „Nation“, die „Heimat“, das „Volk“,
• den Führer, den Kaiser, den König, den Herzog, den Fürsten,
• den „richtigen“ Gott bzw. die „richtige“ Religion,
• die „richtige“ Ideologie bzw. Weltanschauung,
• die persönliche „Ehre“ oder die Ehre des Vaterlandes,
• die „Freiheit“,
• die „Werte“ des „Wertewestens“ oder
• was auch immer
gegen das „Böse“ zu verteidigen.
Wichtig ist: Jede Oma besteht aus einer Frau Dr. 😇 Jekyll und einer Mrs. 😈 Hyde. Man sollte Oma auch nicht für ihre Fehler, ihre dunklen Seiten und Unzulänglichkeiten verurteilen. Aber man sollte als Enkel daraus lernen.
Auf der gesellschaftlichen Ebene nennt man das dann politischen, sozialen, ökologischen und kulturellen Fortschritt. Derzeit geht es gesellschaftlich offenkundig wieder mal rückwärts in die Vergangenheit nach Stalingrad, obwohl Hitler 1945 und Stalin 1953 verstorben ist.
Aufgemerkt: Liebe Mädchen, weibliche Heranwachsende, (junge und mittelalte) Frauen, Damen und andere weibliche Personen: Benutzen Sie vor allem beim ersten Liebesakt mit ihrem „Liebsten“ immer ein Schutzmittel (Kondom, ein Präservativ, einen „Pariser“, in der Schweiz ein „Verhüterli“), bevor Sie mit ihm Kinder zeugen, sonst könnte es in dem einen oder anderen Fall ein schmerzhaftes Erwachen und einen Realitätsschock geben.
Kienzle: Noch Fragen Hauser?
Hauser: Nein Kienzle. Das haben Sie wieder mal sehr pointiert, aber verständlich erklärt.
Inspector Columbo sagt: Eine Frage hätte noch. Haben bzw. hatten Leute wie Boris Pistorius, Friedrich Merz, Friedrich Flick, Friedrich Rainer, Friedrich Jeckeln, Friedrich Christiansen, Markus Söder, Markus Lanz und Alice Weidel auch eine „Oma“ bzw. zwei?
Kienzle und Hauser: 🙄 🙄
Die katholische Prägung von Roberto de Lapuente sieht man übrigens auch daran, dass er wahrnimmt und auch wahrnehmen will, dass JEDER Mensch ein Sünder ist und man über KEINEN den Stab brechen sollte.
Wie heißt es so schön im Vater Unser: Und vergib uns unsere Schuld, wie AUCH WIR VERGEBEN UNSEREN SCHULDIGERN.
Das ist der Maßstab.
Ich bin Katholikin: Ehrlich, ich möchte nicht an einem Maßstab gemessen werden, den ich hart an andere anlege, schon darum ist mir jede Art von Cancel Culture absolut fern. Abgesehen davon habe mich in meinem bisherigen Leben schon so oft geirrt (z.B. in dem festen Glauben, Linke wären irgendwie die besseren Menschen), dass ich wirklich die Letzte wäre, die anderen Leuten erzählen könnte, was richtig ist und was falsch.
In meinen Augen ist übrigens allein das geschilderte Ansinnen des Protestantismus absurd: Man will mit Gott auf Augenhöhe sein. Man ist also gottgleich, oder was?
Nur: Gott verzeiht, die Evangelische Kirche nicht? Weil man z.B. ein alter weißer Mann ist? Oder ein AfD-Wähler? Oder ein Sachse? Oder – horribile dictu – ein sächsischer afd-wählender alter weißer Mann?
Ich bin eine Frau, westdeutsch und links sozialisiert, katholisch, Mutter, langjährige Ehefrau und ich werde nicht über diese Leute den Stab brechen. Wer mit mir reden will, mit dem rede ich. Wer nicht mit mir reden will, den lasse ich in Ruhe. Ich gebe jedem Menschen die Hand und ich glaube, ich würde sogar jeden Menschen, der von mir umarmt werden will, umarmen. Ich glaube fest daran, dass Judas nicht in die Hölle kam, weil er nach dem Kreuzestod Jesu seinen Verrat bitterlich bereute (die 30 Silberlinge fort warf und sich vor lauter Gram über den Tod Jesu und seine Tat erhängte). Ich bin fest davon überzeugt, dass Gott ihm verziehen hat. Wer bin ich dann, einem anderen Menschen irgendwas vorwerfen zu müssen, noch dazu, wenn ich selbst nie in der Situation war, wie z.B. die von Großeltern in der Nazi-Zeit?
Wir können alle heilfroh sein, wenn wir nie so eine Prüfung durchmachen müssen wie unsere Großeltern, was ich aber leider bezweifle. Wenn ein Krieg kommt, dann werde ich mich diesem widersetzen müssen. Ich hoffe nicht, dass diese rote Linie kommt, aber wenn sie kommt, dann darf ich sie nicht überschreiten, das habe ich mir fest vorgenommen und ich hoffe, dass ich den Mut dazu haben werde, nicht mitzumachen. Das werde ich aber erst wissen, wenn es so weit ist. Großmäuligkeit ist da absolut nicht angebracht: Man kann sich in Gedanken leicht ins Gefängnis werfen lassen (oder schlimmer), aber wenn es dann soweit ist, dann…….ich weiß es nicht. Ich kann nur hoffen, dass ich nicht gegen meine festen Prinzipien verstoße. Ich bin katholisch, ich bin absolute Pazifistin, aber ich bin auch bequem und ein bisschen wehleidig. Ich kann nur demütig sein und hoffen, dass ich die Konsquenzen aushalten kann, weil die andere Konsequenz (wortbrüchig gegenüber meinem Glauben und meinen Überzeugungen geworden zu sein) die – aus meiner jetzigen Sichtweise heraus – schlimmere wäre.
„In meinen Augen ist übrigens allein das geschilderte Ansinnen des Protestantismus absurd: Man will mit Gott auf Augenhöhe sein. Man ist also gottgleich, oder was?“
Guten Tag,
ich bin nicht religiös, wurde aber in Norddeutschland im protestantischen Umfeld aufgezogen, und ich verstehe dieses Konzept des Protestantismus so, dass Gott Adam nach seinem Antlitz und aus sich heraus geschaffen hat, und er somit einen Teil göttliches in sich trägt, welches er über seine Nachfahren, dann an jeden Menschen weitergegeben hat, bzw. gibt. Demnach sind wir nicht gottgleich, tragen aber alle auch einen Funken göttliches in uns…..
„In meinen Augen ist übrigens allein das geschilderte Ansinnen des Protestantismus absurd: Man will mit Gott auf Augenhöhe sein. Man ist also gottgleich, oder was?“
Ich bin ebenfalls nicht religiös. M.E. hat Roberto, den ich sehr schätze, mit dem Vergleich „auf den Augenhöhe“ etwas anderes gemeint hat. Mindestens ich – die ebenfalls eine katholische Oma hatte – habe es anders verstanden. Es berüht auf meinem Wissen über Evangeliken, ihren Entstehungsgeschichte. Es war die Zeit, wann der Bibel lateinisch geschrieben wurde und die Kirche/ das Priestertum stand als Zwischenglied zwischen dem Bevölkerung und dem Got. Nach meine Leseart verstehe ich „auf den Augenhöhe“ als direkte – nicht vermittelte – Kommunikation. Daher waren es die nördliche länder, die allgemeine Bildung forderten, weil es wichtig war, dass Menschen die Bibel lesen könnten und „auf den Augenhöhe“ mit dem Gott sich unterhalten.
Es geht sicher nicht darum, dass wir, sofern wir in den Archiven Nazi-Vorfahren finden, plötzlich hassen, wo wir zuvor geliebt haben, wenn das so war. Es geht dann wohl eher darum, damit fertig zu werden, dass eben auch Menschen, die wir liebten, in der Lage sein konnten, Dinge zu denken und zu tun, die wir von hier und heute aus zutiefst ablehnen. Und sehr sinnvoll scheint mir dabei als mögliche Begleiterscheinung, die Verunsicherung zu spüren, wer man womöglich selbst gewesen wäre, wenn man in dieser Zeit gelebt hätte. Hass hat meines Wissens noch nie und nirgendwo zu irgendetwas Positivem geführt. Manche Menschen scheinen ihn zu brauchen, um sich energetisch aufzuladen und um andere, teils widersprüchliche Gefühle zu vermeiden.
Für Nazizeit wie heute scheint mir vor allem eines bedeutsam zu sein. die ungeheure Gleichgültigkeit der „schweigenden Mehrheit“.
@Gabriele Kammerer: Richtig ist sicherlich, viele Deutsche, die am Ende der Weimarer Republik Adolf Hitler und die NSDAP gewählt haben, waren keine fanatischen Anhänger der NS-Ideologie.
Es gab damals zweifelsohne viele „schweigende“ Untertanen und die gibt es auch heute. Tatsache ist aber auch, dass bei den letzten freien Reichstagswahlen im März 1933 rund 44 Prozent der Deutschen Adolf Hitler gewählt haben. Tatsache ist auch, dass anschließend alle anderen Parteien im Reichstag bis auf die damalige SPD, die nichts mit der SPD von 2026 gemeinsam hat, dem „Ermächtigungsgesetz“ zugestimmt haben, um Adolf Hitler zum Diktator zu machen, obwohl es Warnungen gab: Wer Hitler wählt, der wählt den (Zweiten Welt-)Krieg.
2026 wissen viele „normale“ Bürgerinnen und Bürger nichts oder nur wenig über das Ende der Weimarer Republik und die Zeit von 1933 bis 1945. Wenn jemand 1935 geboren wurde, dann ist die Person 2026 entweder 90 oder bereits 91 Jahre alt.
Das relevante Problem ist 2026 die sogenannte „Vierte Gewalt“ und die Tatsache, dass 2026 viele „Journalisten“, die noch keine 90 Jahre als sind und sich selbst als „Journalisten“ bezeichnen, offenkundig nichts davon wissen oder diese Entwicklung sogar aktiv befördern nach dem Motto: So schlimm wird es schon nicht werden und mich wird es nicht treffen.
Alles in allem ist gegen diesen Artikel nichts einzuwenden, Herr De Lapuente, ausser der Aussage ihrer Oma
Auf der Bemerkung eines Journalisten, dass es unter Hitler auch »gute Seiten« gab, antwortete Sebastian Haffner Folgendes.
Ich kann mir keine bessere Erwiderung auf die Aussage, dass es unter Hitler auch »gute Seiten« gab, vorstellen. Und wer sich zuweilen einen »einen ganz kleinen Hitler« herbei wünscht, der wünscht sich auch ganz wenig seine unvorstellbaren Verbrechen herbei.
Die entscheidende Frage ist aber doch: Warum wünscht sich jemand, in diesem Fall die Oma, einen „kleinen“ Hitler?
Der große Hitler und bislang größte deutsche Terrorist aller Zeiten hat am Ende der Weimarer Republik 1933 auch nicht gesagt: Wenn ich gewählt werde, dann rüste ich Deutschland auf und fange 1939 ein Weltkrieg an. Erst überfalle ich Polen, dann Dänemark, Norwegen, Holland, Belgien, Frankreich, Griechenland, Jugoslawien. Dann bombardiere ich Großbritannien (England) und 1941 geht es Richtung Osten bis nach Stalingrad. Ich schalte die Justiz, die Kultur, die Medien und die Presse, die Gewerkschaften, die Schulen/Universitäten und die Wissenschaft gleich. Ich bringe rund 6 Millionen Juden um und ermorde 250.000 bis 300.000 Schwerbehinderte usw. und am Ende liegt Deutschland in Schutt und Asche.
Hätte er das so gesagt, dann hätten ihnen damals wahrscheinlich nicht so viele Leute gewählt. Wenn es „allen“ Bürgern ökonomisch und sozial gut geht, dann wählt doch niemand einen rechten Diktator, keinen 🔹 „kleinen“ 🔹 und auch keinen 🔷 „großen“ 🔷 Hitler.
Man kann davon ausgehen, dass von den rund 44 Prozent der Deutschen, die im März 1933 Adolf Hitler gewählt haben, höchstens jeder zweite ein Anhänger der rechten NS-Ideologie war. Die Frage ist also, warum haben die anderen einen „kleinen“ Hitler gewählt. Das ist heute bei der 🔹AfD🔷 sicherlich nicht anders. Nur wenn die anderen Parteien die ökonomischen und sozialen Motive dieser Leute tatsächlich ernst nehmen statt sie zu ignorieren oder zu verharmlosen und zu bagatellisieren, kann man die AfD halbieren und aufhalten. Das wollen die Politiker von CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne offenkundig aber nicht. Sie wollen es nicht.
Leute wie Friedrich Merz reden von der Brandmauer, aber sie tun nichts, um die Ursachen zu bekämpfen, warum Leute die AfD wählen.
Ich glaube nicht, dass der Spiegel irgendjemanden zwingt, in der NSDAP-Mitgliederdatenbank nach Verwandten zu suchen. Man kann in dieser Datenbank übrigens nicht nur nach Verwandten suchen. Es ist wunderbar, dass es so eine Möglichkeit gibt! Es wäre besser, wenn es sich um einen öffentlichen und nicht um einen privaten Dienst handeln würde.
Der Autor möchte lieber nichts von etwaigen Verbrechen erfahren, an denen Verwandte beteiligt sind, mit denen er gute Erinnerungen verbindet. Dieser Ansatz erfordert einen weiteren logischen Schritt: überhaupt nichts über Verbrechen zu wissen. Nichts soll die gute Laune trüben.
Die vor kurzem freigegebene Datenbank des U.S. National Archivs:
https://catalog.archives.gov/id/12044361
Eine Suchhilfe (praktisch, es geht aber auch ohne ganz gut):
https://agoff.de/?p=119245
In den staatlichen Archiven, insbesondere in den Landesarchiven der Bundesländer – meist ebenfalls online und ohne Registrierung/Anmeldung verfügbar – finden sich umfangreichere Dokumentationen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_staatlicher_Archive
In Abhängigkeit der gesetzlichen Sperrfristen sind viele Akten da schon länger verfügbar. Andere werden entsprechend der Fristen noch freigegeben.
Meine Großeltern und meine Eltern waren keine Nazis, soweit ich weiß. Sie waren nur stockkonservativ und erzkatholisch und hätten es niemals gewagt, sich den Nazis zu widersetzen, weil die Pfaffen ihnen „bis zur Vergasung“ die Obrigkeitshörigkeit eingebleut haben.
Sie hatten aber auch eine scheißende Angst, selbst Objekt von Repression oder Verfolgung zu haben.
Alle Menschen haben sich für ihre Taten verantworten. Mit ihren Meinungen müssen sie sich aber der Diskussion stellen. Auch den harten. Ich denke, es ist nicht richtig, wenn man zuhause bleibt, während draußen der Mob tobt und zu hoffen, dass es die Anderen sind, die Opfer der Gewalt werden.
Man, ich habe die Kommentare überflogen und wundere mich, dass DAS THEMA der Geschichte von Roberto De Lapuente (ich hatte übrigens immer gedacht, dass er italienische Wurzeln hat) ist irgendwo untergegangen. Die Geschichte nur visualisiert das Thema. Es geht um die Spaltung der Gesellschaft, um die Sitte die Andersdenkende – ihren Mitmenschen – auszugrenzen.
Es geht mir manchmal auch so: Es gibt Menschen, mit denen ich eine Kommunikationlieber vermeide. Aber es ist eine passive Haltung, es geht um eigene Zeit und Geisteskraft, die ich nicht jedem wöhnen will. Ich werde aber niemals gegen diesen Menschen eine Art Treibjagd machen. Es geht doch um das, was wir in unser Gesellschaft derzeit zu beobachten, man versucht wie in Mittelalter die Menschen, deren Haltung, Überzeugungen Einem nicht passen, vogelfrei zu machen. Es ist äußerst beunruhigende Entwicklung.