Für den Frieden hetzen

Friedensdenkmal in Bonn
© Axel Kirch / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Am Freitag endete die Güteverhandlung zwischen Ulrike Guérot und der Universität Bonn ohne Einigung. Der Termin polarisierte dennoch.

Ein kurzer Zwischenruf

Manchmal frag ich mich, was in den letzten 40 Jahren hier passiert ist, seitdem Anfang der Achtziger Petra Kelly, Heinrich Böll, Willy Brandt, Uta Ranke-Heinemann und viele andere hier in Bonn mit Hunderttausenden für Frieden und Abrüstung demonstriert haben.

Vergessen was Bildung ist

Die Nachfolger der Studenten von damals würden heute den Rednern von damals das Wort verbieten. Die Nachfolger der Schüler von damals helfen heute unter dem Pseudonym Antifa einer immer totalitärer auftretenden Regierung, ihre Ziele durchzusetzen.

Ulrike Guérot ist zum Ziel einer Generation, einer Politik und eines Bildungssystems geworden, die allesamt vergessen haben, was Bildung ist, was Freiheit ist, welche Bedeutung in einem universitären Betrieb Lehrkräfte haben, die sich nicht jeder Forderung nach Stromlinienförmigkeit unterwerfen, nur um nicht anzuecken.

Die Hörsäle solcher Professoren hätten damals nicht groß genug sein können …

Hetzen wie Willy und Kelly

Studenten und Universitätsleiter an umstrittenen Hochschulen, wie der Uni-Bonn, versuchen heute, unbequemes Lehrpersonal möglichst schnell wieder loszuwerden. Sie befinden sich in einem Meinungstunnel, an dessen Ende es kein Licht gibt; er führt in die Tiefe und an seinem Ende herrscht Finsternis.

Ein Erscheinen hier würde Ulrike Guérot heute wahrscheinlich als Aufwiegelei, Hetze etc. ausgelegt.

So wie Petra Kelly damals friedlich für den Frieden und Willy Brandt für Abrüstung „gehetzt“ haben … Sie vertritt eine Position, bei der nicht von vornherein Wahrheiten feststehen, sondern aus einem breiten Meinungsspektrum und einem ebensolchen Austausch jeder von jedem etwas lernen kann.

Hochschulunreife

Wer einen solchen Diskurs ablehnt (ob als Universitätsleiter oder Studierender), der mag zwar Abitur und Doktortitel haben; eine HochschulREIFE hat er (oder sie) mit Sicherheit nicht.

Ich denke, sie wird sich freuen zu sehen, wie viel Unterstützung sie hat und das sehr zu schätzen wissen. Wer ihre Interviews wirklich hört, weiß, dass sie lieber hier auf der Straße oder im Hörsaal mit ALLEN reden würde, als sich in Talkshows, in denen schon vor dem Start feststeht, wozu sie da sind, medial schlachten zu lassen.

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32 Kommentare

  1. Wird ein Bildungsgenerationsproblem herauf beschwört?, oder ist die Bildung im allgemeinen am ‚Arsch‘?
    Als mittelalter Mensch verschwende ich öfters Gedanken an der Bildung!
    Welche Bildung meint der Autor im Kontext zur ‚Bildung auf der Welt‘?
    Kulturelle, Religiöse, Etnisch oder Staatpseudowissenschaft? Oder meint er demokratische, diktatorische etcppff Systeme?
    Für mich ist ein Mensch egal wie, woher dieser kommt, wir sind alles Menschen mit einem Ziel : Mann/Frau/Kind/Grosseltern/Haus/Essen und auskommen im Frieden!
    Das alles braucht keinen Staat, Partei, Ideologie oder andere teilenden Organisationen.

    1. Genau diese Art von Bildung meine ich: Ideologiefrei, religionsfrei, staatsfrei, parteifrei und umfassend ganzheitlich. Aufbauend weniger (aber auch) auf Wissen als auf Erfahrung, Erleben und Begreifen.

    2. Bildung ist ungleich Wissen
      Religiöse / kulturelle … Bildung gibt es somit nicht – nur Wissen zu diesen Themen

      Ich schloss meine „Schulkarriere“ mit einem „Zeugnis der Reife“ ab.
      Das dies völlig übertrieben war, war mir auch da schon klar!

      Nur:
      Es gab tatsächlich Unterschiede im Unterricht und der Bewertung.
      Mathe/Physik haben wir uns, zumindest gefühlt, zu 80 % mit Beweisen beschäftigt – Mitte 1970iger
      Mein Sohn hat dann Ende der 2000der in diesen Fächern nicht einen Beweis mehr entwickelt.
      Selbst der Mathe-Leistungskurs befasste sich nur noch mit der möglichst effizienten Anwendung.
      Verstehen war nicht nötig – Auswendig lernen sehrwohl

      Das kann man nicht als Bildung bezeichnen
      Genausowenig, wie die ganzen Juristen, die zwar wie ich ein Latinum haben, aber nur die lateinischen Standartsprüche rezitieren können und von den wirklichen Abgründen menschlicher Existenzen keine Ahnung haben.
      Eben völlig ungebildet sind

      Schließe mich der Formulierung „Zynische Grüße“ an

    3. Wichtig ist doch, dass man lernt, selbst zu denken. Ganz ehrlich: in meinem Geschichtsunterricht haben wir das gelernt, an die Uni durfte man nur noch irgendwelche Professoren und Schreiberlinge zitieren. Und wenn es nur noch darum geht, die besten Noten im Zeugnis stehen zu haben, dann wird nur noch dafür gelernt und wem auch immer in den Hintern gekrochen, aber für’s Leben lernt man gerade noch, wie man die Konkurrenz ausschaltet. Genau das machen die hier, eine „Konkurrenz“ ausschalten, zu dem was sie glauben. Kein Diskurs, nein, muss weg. Vernichten, vielleicht nicht körperlich, aber als Existenz. Toleranz haben sie nicht gelernt, aber sie labern von „Werten“ und fühlen sich als „moralisch besser“. Letztlich lassen sie diejenigen billig für sich arbeiten, die sie wegen Menschenrechten und dem Recht aus Asyl im Land haben wollen und was ist das letztlich anderes als moderne Sklaverei? Hauptsache, sie müssen nicht körperlich anpacken und haben einen hochdotierten Schreibtischjob.

  2. Die heutige Antifa habe ich bei den Corona Demos oft genug erleben dürfen. Keinerlei Dialogfähigkeit, geschweige denn -wunsch (manchmal ging das sogar in Gewalt über). Man wird direkt angeschrieen und mit allen möglichen Betitelungen verunglimpft. Nazi ist man ja sowieso immer… das kann man weglächeln und es trifft eigentlich auch kaum noch.
    Und wenns nur das wäre, dass sich eine kleine Gruppe bekloppt verhält, dann wäre es mir echt egal, aber man sieht es ja an Guerot oder auch bei Ganser. Interessant dabei finde ich, dass es tatsächlich mittlerweile sogar die eher harmlosereren „Kritiker“ trifft. Wie kann man sich ernsthaft über eine Guerot so aufregen? Man kann eine andere Meinung haben, aber sie bietet doch gar keine Angriffsfläche dafür so dermaßen frei zu drehen? Und Ganser? Seine Analysen sind eher auf Laienlevel (wobei ich das nicht respektlos meine), vollkommen harmlos und dennoch erhöht man den gefühlt zum Staatsfeind Nummer eins…
    Man kann echt nur hoffen, dass sich das Land irgendwann mal wieder etwas beruhigt und geerdet wird.

    1. Die Blagen hatten als Kinder zu wenig Widerspruch.
      Da ihre Eltern nicht in der Lage waren, Grenzen zu setzen, meinen sie jetzt, dass das auch mit der Gesellschaft funktioniert.
      Dummerweise haben zu wenige den Arsch in der Hose, einem Shitstorm standzuhalten.

    2. „tatsächlich mittlerweile sogar die eher harmlosereren „Kritiker“ trifft“
      So lange man nicht die Kraft zum „Enthaupten“ hat, treffen die Maßnahmen der Mächtigen hauptsächlich die harmloseren Kritiker. Aus zwei strategischen Gründen: 1.Möglichst viele Mitmenschen zu verunsichern ist im Machtinteresse wirkungsvoller. 2. Es gibt unter den weniger bekannten Aktiven eine Art unbedarfter Aufrichtigkeit, die dem Staatsschutz die Überdehnung der Rechtsgrundlagen erleichtert.
      Das ist meine Erfahrung aus früheren Friedensbewegungen und der Bewegung gegen Berufsverbote.
      Dem Normalbürger war bis zur hemmungslosen Entfaltung von Staatsmacht im Rahmen der Pandemie doch nicht einmal bekannt, dass es einen Staatsschutz gibt, der bei jeder Genehmigung einer öffentlichen Versammlung seinen Senf dazu gibt. Schon der Begriff „Demonstrationsrecht“ entlarvt die bundesrepublikanische Version des bürgerlichen Rechtes auf den öffentlichen Raum. Die französische Version ist eine andere!

    3. Ich denke, dass etwas wie Hochschulreife bzw. -unreife in diesem Kontext vollkommen falsche Kategorien sind.

      Schulische Bildung führt eher zu Arroganz als zu Herzensbildung.

      Die neoliberale Gesellschaft unterscheidet nur nach Macht und Ohnmacht. Wer (passende) Bildung hat, hat am Arbeitsmarkt einen höheren Wert. Für die Überflüssigen und jene mit unnötiger Bildung wurde das zu Bürgergeld umbenannte Hartz IV geschaffen.

      Die anlässlich zur Coronazeit zwangsverordnete „Solidarität“ ist nahtlos in das „Zusammenstehen“ der Nato- und der EU-Länder gegen Russland geworden. Kraft durch Einigkeit war die bestimmende soziale Triebfeder des Faschismus, die jeder mit nur geringster Bildung verstehen konnte. Alles, was nicht mitmachen wollte, wurde ausgegrenzt, abgesondert, weggeschafft und schließlich entsorgt.

      Die Erschaffung innerer Feinde aus Minderheitengruppen sorgte dafür, dass jeder „gute“ Deutsche zu jeder Zeit wusste, wo ein Feind stand und dass er sicher keine Lust hatte, eines Tages selbst dort zu stehen, was unablässig zusätzliche Loyalität erzeugte.

      Terror nach innen erzeugt Nachgiebigkeit und Einigkeit im Diskus.

      Zu Zeiten der Flüchtlingsströme aus Nordafrika, Afghanistan, Irak und Syrien 2015 gab es „gute“ und „schlechte“ Europäer, wenn Regierungen aus der libysch-syrischen Kriegsfolgenbewältigungslinie verbal ausscherten und ihre Grenzen mit dem falschen Medien-Tamtam schlossen. Denn geschlossen wurden sie alle. Auch die Elendslager auf den griechischen Inseln sollten und sollen weithin sichtbar sein.

      Auch zu Beginn der Nazi-Zeit wurden zuerst jene, denen die Menschen wichtig waren, die Kommunisten attackiert und konzentriert inhaftiert. So etwas wie „Mein Kampf“, wo man detailliert nachlesen kann, wohin die Reise geht, gibt es nur insoweit, als man heute weiß, dass die USA gerne Russland klein machen würde, so dass ihr Hauptfeind China von noch mehr Seiten angegangen werden kann, und weniger unerwartete Hilfe erhalten kann.

      Wie Russland, so soll auch China dann dekolonialisiert, sprich in kleinere Häppchen zerlegt werden.

      So wie sich die Nazi in der vorrömischen/barbarischen Mythenwelt oder bei den Ariern und Indern mit Farbigkeit und Symbolen aufpolsterten, so sehen wir das heute mit Anleihen bei den unterschiedlichsten Identitären. Nur die nationalen sind verpönt, denn die werden gebraucht, um die heutigen Linken in Querfrontverdacht zu bringen. Auch die Handhabung des Antisemitismus wurde einfach umgekrempelt und er wird dazu benutzt, mit Instanzen zweiter und dritter Kategorie all jene auszugrenzen und mundtot zu machen, die einen unverbesserlichen Hang haben, eigenen Gedanken über Lebensbedingungen für Mensch wie bspw. den Palästinensern zu äußern.

  3. Das Friedensdenkmal mit dem Spruch von Theodor Heuss, „Sorgt Ihr, die Ihr noch im Leben steht, dass Frieden bleibe!“, zeigt die ganze Verlogenheit der BRD. Die meisten wissen es nicht. Theodor Heuss hat für das Ermächtigungsgesetz gestimmt, das nur mit den Stimmen der Liberalen und des Katholischen Zentrums verabschiedet werden konnte. So als Diktator ermächtigt, verbot Hitler sofort die Sozialdemokraten, während sich die Liberalen und das Katholischen Zentrum zu seinem Gefallen selbst auflösten. Umwidmung eines ursprünglichen Kriegerdenkmals und Schmücken mit einem Spruch von einem Wegbereiter des Naziregimes, ist typisch für das Muster der Vergangenheitsbewältigung in der BRD.

  4. Da ich das Bild nicht ausgesucht habe, möchte ich dennoch zu bedenken geben: Der Satz für sich ist nicht zu beanstanden. Wenn er 1952 gesagt wurde, halte ich Heuss zugute, dass er aus vergangenen Fehlern gelernt haben könnte, ohne hieraus eine Art Apologie machen zu wollen

    1. Sehr geehrter Herr Staiger
      Es geht mir darum, zu zeigen, dass der gnadenlose Opportunismus, dem wir aktuell ausgeliefert sind, eine Vorgeschichte hat. Exemplarisch Heuss. Im Dritten Reich habe er als Herausgeber der Zeitschrift Die Hilfe das Blatt auf einem Kurs zwischen Kritik und Anpassung gesteuert. (vgl. Wikipedia) Heuss war kein Dummkopf. Je offensichtlicher die Niederlage wurde, desto kritischer gab er sich, allerdings ohne etwas zu riskieren. Er verduftete sozusagen. Über den Gesinnungswandel von Heuss liest man in Wikipedia: „Heuss verstand sich als Erzieher der Deutschen zur Demokratie.[57] Als unverzichtbare Voraussetzung für den demokratischen Einstellungswandel sah er die offene und schonungslose Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. So hielt er dem deutschen Volk in einer Rede Ende November 1945 vor, sich zu leicht „in die Fesseln des Nationalsozialismus“ begeben zu haben.“ Heuss unterstellt hier doch, dass das deutsche Volk versagt habe. Ignoriert wird, dass Hitler nach einer Wahlniederlage mit 33 % durch einen Putsch von oben zum Diktator gemacht wurde, der am 30.1.33 mit seiner Ernennung zum Reichskanzler begann, mit der Reichstagsbrandverordnung vom 28.2.33, durch die die Notstandgesetze aktiviert wurden, fortgesetzt wurde, und nach einer manipulierten Wahl, in der die NSDAP trotz allem nur 44 % schaffte, am 23.3.33 mit dem Ermächtigungsgesetz abgeschossen wurde, einem Putsch also, an dem Heuss sich beteiligt hatte. 100 Sozialdemokraten hatten nicht zugestimmt und Heuss jammerte, er habe nur dem Fraktionszwang gehorcht. „Die Entnazifizierung durch die Militärregierungen lehnte er aber ebenso ab wie die Nürnberger Prozesse der Alliierten gegen die Hauptkriegsverbrecher, weil er die Deutschen als die eigentlichen Opfer Hitlers betrachtete und sie deshalb Ankläger und Richter sein sollten.“ (Wikipedia) Nicht zu fassen! Vielleicht waren Talleyrand und Fouché für Heuss Vorbilder.

    2. Wie sollen diese Leute etwas gelernt haben, wenn sie doch für das, was sie damals falsch gemacht haben, nie zur Verantwortung gezogen wurden, sondern im Gegenteil, in Folge in die höchsten Staatsämter aufgestiegen sind, während andere, die Entbehrungen und Risiken auf sich genommen haben, um nicht schuldig zu werden, nicht berücksichtigt wurden.

      Das einzige, was diese Kreise gelernt haben, ist, dass sie davon gekommen sind, egal, welche Verbrechen sie unterstützt haben. Hinterher ein demokratisches Mäntelchen umgehängt, und schwamm drüber.

      2013 hat Dany Cohn-Bendit den Theodor-Heuss-Preis der gleichnamigen Stiftung bekommen. Es gab lauten Protest, wegen pädophiler Äußerungen in der Vergangenheit des ehemaligen Odenwald-Schülers und weil Teile der Jury ebenfalls in Führungsgremien der von einem schweren Missbrauchsskandal erschütterten Odenwaldschule vertreten waren:
      https://glasbrechen.de/2013/04/presseerklarung-von-glasbrechen-e-v-zur-preisvergabe-des-theodor-heuss-preises-an-daniel-cohn-bendit-am-20-april-2012-in-stuttgart/

      Nicht zur Sprache kam, warum Cohn-Bendit den Preis bekam, nämlich für seine kriegsfreundliche Haltung im Jugoslawien-Krieg. https://www.theodor-heuss-stiftung.de/thp/2013-2/
      Noch im gleichen Jahr forderte er dann auch militärisches Eingreifen in Syrien: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/cohn-bendit-ueber-syrien-deutschland-soll-sich-beteiligen-a-919532.html

      Theodor Heuss hatte sich einst erfolgreich bei Hochkommissar McCloy für die Begnadigung von Ernst von Weizsäcker eingesetzt, nachdem dieser in Nürnberg wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt worden war (Ulrich Raulff: Kreis ohne Meister). Hellmut Becker und Sohn Richard von Weizsäcker, die die Verteidigung übernommen hatten, waren später beide im Vorstand der Odenwaldschule. Hellmut Becker, NS-Mitglied und Gebirgsjäger machte Karriere als MPI-Direktor für Bildungsforschung, Richard wurde bekanntermaßen Bundespräsident.

      Übrigens, namhafte Mitglieder der Theodor-Heuss-Stiftung (Hermann Freudenberg, Christian Petry…) waren an der Gründung der Amadeu-Antonio-Stiftung beteiligt, die ja einen nicht unerheblichen Anteil an der Etablierung von Diffamierung und Hetze hat, der jetzt auch Guerot ausgesetzt ist. Von daher ist Theodor Heuss hier wirklich fehl am Platze.

  5. Immerhin hat jetzt die Petition von Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer 785.000 Unterschriften. Die Gegenpetition von Roderich Kiesewetter finde ich nicht mehr, vermutlich wegen blamabel wenigen Unterschriften. Das letzte mal erinnere ich mich an 30.700.

    Immerhin das, aber die Frage ist doch: warum erst jetzt? Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen, die Russen haben angegriffen und sind nun einmal für jedermann sichtbar der Aggressor. Die Position des Friedens hat es ungleich schwerer als Anfang der 80-er. Indes bin ich selbstverständlich der Meinung, dass die Vorgeschichte zu betrachten ist. Die begann spätestens 2014 mit dem Maidan. Die Mär von der friedlichen Revolution hätte mühelos zerpflückt werden können. Eine völlig orientierungslose Linke tat nichts. Dann: MH17, Giftgas in Syrien, Skripal, Nawalny, da überall hätte das westliche Narrativ hinterfragt werden müssen. Der Gipfel war wohl „Putins Palast“. Wirklich mühelos als Virtual Reality und damit als Fälschung erkennbar. Die Außnaufnahmen auch mit Google widerlegbar: dort wo Putins Hubschrauberlandeplatz sein soll, ist ein Gewerbegebiet. Ganz billige Hetze gegen Russland und ich habe das stets als Kriegsvorbereitung gesehen. Da hat die Linke acht Jahre lang versagt.

    Hätte sie etwas bewirken können? Absolut. Wenn da eine ernst zu nehmende Stimme sich gegen diese Eskalation gestemmt hätte, das wäre nicht ungehört verhallt. Eskalation war das Ziel des Westens und daraus ist dieser Krieg entsprungen. Das war absehbar.

    1. “ für jedermann sichtbar der Aggressor“ – Nur für diejenigen, die sich vorher um die Problematik von Krieg und Frieden nicht gekümmert haben. Jeder andere weiß schon aus dem Alltag, dass es in Konflikten eine Alleinschuld nicht gibt, sondern immer nur Wechselwirkungen unterschiedlich gewichteter Aspekte. Bisher ist es noch nicht verboten, Schlüsse aus eigenen Beobachtungen zu ziehen. Dazu bedarf es keiner wahren Wissenschaft und ihrer bezahlten Hilfskräfte in den Redaktionen der „Faktenchecker“.

      1. Nein, sollte für jeden mit Verstand offensichtlich sein, ist ein alter Hut:
        „Nicht, wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt.“ — Niccolo Machiavelli
        Quelle: https://beruhmte-zitate.de/autoren/niccolo-machiavelli/

        Jede Aufregung über die Spezialoperation(1) ist heuchlerisch. Wir leben in einer Gesellschaft in der gewaltfreier Protest grundsätzlich nicht ernst genommen wird. Es wird grundsätzlich nur der Gewalt gewichen, nie der Vernunft oder dem besseren Argument. Der eigen Standpunkt wird auch bei offensichtlicher Fehlerhaftigkeit aus Prinzip nicht verlassen. Sehr bedenklich.

        (1) mal nebenbei. Die Nato verballert pro Tag angeblich so 5-6000 Granaten an der einige hundert km langen Ostfront.
        Die Russen antworten mit ca. dem 5-10 fachen, wenn man den Quellen so glauben darf.
        Bei der Operation Gericht z.B. hat alleine die deutsche Seite in den ersten Tagen Millionen von Granaten an einer nur wenige dutzend km langen Front verschossen, im Mittel 100.0000 Einschläge pro Stunde. Das ist Krieg.
        Z.Z. ist es immer noch eine Spezialoperation. Man wird es schon merken, wenn der Russe zum Krieg übergeht.

        Faktenchecker schlage ich als Unwort des Jahres vor

  6. „Manchmal frag ich mich, was in den letzten 40 Jahren hier passiert ist,“

    Das sollte man mitbekommen haben.
    Ein imperialistischer Zar im Kreml hat wieder damit begonnen einen europäischen Staat durch einen Krieg zu vergrößern. Inklusive formeller Annexion. Das hatten nichtmal die Sowjets in den 80iger Jahren noch auf dem Zettel.
    Vermutlich sind zwischen 100 und 200 Tausend Menschen in diesem Wahnsinn gestorben. Über die Zahlen kann man streiten, ich kenne sie nicht genau. Anyway, wer diese Veränderung erfolgreich ausblenden kann, muss sich auch sonst keine Gedanken mehr machen oder Artikel verfassen.

    1. Solange jemand bedingungslos wie Natozäpfchen deiner Art die Angriffskriege der USA unterstützt, mit über 20 Millionen Toten allein nach WK2, sollte er seine braune Schnauze über Russland halten.

      1. Beim lesen des postings auf das du geantwortet hast, war ich doch tatsächlich versucht, eine Kurzchronik der Geschehnisse seit der mit standing ovations bedachten Rede Putins vor dem deutschen Bundestag rauszusuchen, oder eine Literaturliste zu posten.
        Aber du hast zweifellos recht, in dem Fall lohnt das nicht, weil keinerlei Interesse dafür zu erwarten ist.

        Ein Tip: wenn man an einigermaßen brauchbaren Recherchen und Informationen interessiert ist, für die Gegenmeinungen immer die doppelte Zeit aufwenden als für die bestätigenden..

  7. Ottono: In den letzten mehr als 40 Jahren hat die neoliberale Seuche, die ich für die Vorform eines modernen Faschismus halte, sowohl innen- wie außenpolitisch die Hirne im Wertewesten verklebt. In den 80ern noch vorsichtig, ab 89/90 dann immer schneller, dreister und ungehemmter.

    Nicht, dass ich diesen schrecklichen Krieg irgendwie rechtfertige. Kriege sind immer falsch und schändlich. Aber sollten wir nicht auf die Landkarte schauen, wer seit Jahrzehnten mit seiner Hand immer weiter ausgreift, entgegen seiner Versprechen, und sie an die Gurgel des anderen legen will? Sollten wir um des lieben und überlebenswichtigen Friedens willen das nicht einpreisen?

    1. „In den letzten mehr als 40 Jahren hat die neoliberale Seuche, die ich für die Vorform eines modernen Faschismus halte[….]“

      Warum vorform?
      In Chile anfang der 70er wurde der neoliberalismus mittels faschismus durchgesetzt.

    2. Ich kann dem Neoliberalismus nichts abgewinnen. Diesen als Vorwand zu nehmen um einen imperialistischen Krieg in der Ukraine zu legitimieren aber noch viel weniger. Und eine Menge Leute fallen auf diese faule Begründung herein, weil der Feind meines Feindes mein Freund sein muss.
      Wer gegen Putin ist, ist auf dieser Plattform zwingend ein Ukronazi. Das ist alles so albern und infantil, man muss es schon erlebt haben um es zu glauben.
      Hier plädieren freilaufende Hühner für die Käfighaltung. Natürlich nicht für sich, aber für die Untertanen des Zaren und begründen es dadurch der Nato/EU/Wertewesten Widerstand leisten zu müssen.
      Der Verlust des eigenen Wertekompasses fällt da gar nicht mehr auf.

      1. Weder habe ich gesagt, dass ich “für“ Putin bin, noch, dass ich “gegen“ grundlegende humane Werte wie Freiheit bin. Der Wertewesten sollte sich aber schon fragen, wie es zu dieser Entwicklung gekommen ist. Denn Putin hatte die Hand 2001 eindeutig zur Zusammenarbeit ausgestreckt. Hätte man sie ehrlich angenommen, wären wir heute auf fast allen Gebieten, auch und gerade in Fragen des Klimaschutzes und der Energieversorgung, deutlich weiter. Aber das passte gewissen Leuten überhaupt nicht in ihren neoliberalen, imperialistischen Ausbeuterkram.

        1. Genau das, was @Ottono hier anderen vorwirft, betreibt er 24/7 selber. Er ist indiskutabel, und ich halte ihn für einen eingefleischten Heuchler.

          Wobei ich gegen Leute, die grundsätzlich ALLE Kriege und Kriegstreiber verurteilen, nicht das Geringste haben, im Gegenteil. Dieser Zeitgenosse gehört mitnichten dazu.

  8. Zu wenige und zu leise Stimmen der Vernunft – Guerot, Wagenknecht, Lafontaine, Krone-Schmalz usw die sich noch gegen das Pendel stemmen, das gerade zurück in die MacCarthy Aera schwingt.
    Das permanente einfältige Framing, dass an all den negativen Entwicklungen vorherige Politgenerationen schuld seien (die die für Frieden, Prosperität und Kulturaustausch standen, deren Verträge mit Russland und dessen Ressourcen einen nicht unbeträchtlichen Anteil am Wohlstandsgewinn Europas schufen).
    Es war vielmehr das völlige Fehlen einer eigenständigen europäischen Politik der EU, die völlig unüberlegten Reaktionen dieser, die die dztge Lage verursachten.
    Und das flächendeckende Versagen der 4. Macht; von den in der Propagandamaschine vertretenen Organen war da nichts anderes zu erwarten – aber wenn selbst Chefredakteure ehem. Alternativzeitungen sich als Blockwart outen, wenn bei der Selenskyj Werbeveranstaltung nicht alle Sozialdemokraten teilnehmen..
    https://www.falter.at/maily/20230411/russland-und-die-spo-jetzt-ist-schon-wieder-was-passiert
    und pikanterweise auch noch das Kreiskygstanzl von lernens Geschichte anführen..nein, da ist der Zug abgefahren.
    Trotzdem sollte man aufmerksam lesen, werwowie in der Propagandamschine wirkt, es hilft Informationen richtig einzuorden:
    https://swprs.org/die-propaganda-matrix/

  9. In diesem Zusammenhang fällt die Geschichte von Joseph Jacobs “ Die drei kleinen Schweinchen“ ein.
    Eine Hütte aus Stroh zu bauen und sich sicher zu fühlen, lässt Rückschlüsse auf die Befähigung zum Denken zu.
    Früher wurden Leistungen benotet, heute offenbar Noten der Leistung angepasst, denn anders ist es nicht erklärbar, dass selbst nach 2020 (Schulschließungen) vermehrt Abinoten den Olymp erreichten.
    Wenn jedoch freies Denken seit Jahren auch während der Erziehung verunmöglicht ist, wie soll es sich erst auf nachfolgende Generationen auswirken?!
    Nicht der Ist-Zustand oder die Zukunft/Wirkung sind diskussionswürdig, sondern Ursachen.
    Frei nach dem Motto: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“.

  10. Doppelfrage zu Dr.habil. Ulrike Guerot

    Auch ich gehöre zu denen, die, falls darauf angesprochen, eine öffentliche Erklärung für Frau Guerot unterschreiben würden, um Solidarität mit ihrer kritischen politischen Position auszudrücken. Fragen
    gibt´s trotzdem:

    a) wenn richtig ist, daß Fr. Guerot in TV-„Talkshows, in denen schon vor dem Start feststeht, wozu sie da sind, [jemanden] medial schlachten zu lassen“ auftritt, warum tut sie das? (Mir ist aus den 1980 Jahren erinnerlich, daß der Sozialwissenschaftler Prof.Dr.iur. Alphons Silbermann eine WDR-Talkshow abbrach.)

    b) Wikipedia stellt Fr. Guerot („Deutsche Publizistin“) so vor: „Seit September 2021 ist sie Professorin im Angestelltenverhältnis für Europapolitik und Co-Leiterin des Centre Ernst Robert Curtius (CERC) an der Universität Bonn“ -> https://de.wikipedia.org/wiki/Ulrike_Gu%C3%A9rot Auf einer Netzseite der Uni Bonn zum Personal des Institus ist Fr. Guerot nicht aufgeführt -> https://www.politik-soziologie.uni-bonn.de/de/personal Und auf einer weiteren steht: „Zugriff nicht gestattet“ -> https://www.politik-soziologie.uni-bonn.de/login?came_from=/de/personal/guerot-ulrike-dr-prof „Zugriff“ zur CERC-Seite ist gestattet. Dort steht: „Mitgliedschaft ruht aktuell“ -> https://www.cerc.uni-bonn.de/de/personen – Kommentieren möchte ich diese Bonner Uni-Merkwürdigkeiten nicht. Sondern nur eine Bärliner Redensart bemühn: Verarschen kann ick mir alleene …

  11. „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
    Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.“ (MT 5, 9f)

    Schon vor zweitausend Jahren wusste offenbar so ein Klugscheisser bereits, dass es den Lohn hierfür nicht auf Erden geben wird. Und obwohl dieser Typ inzwischen das sogenannte „christliche Abendland“ samt seiner „Werte“ geprägt haben soll, hat sich nichts daran geändert.

  12. Plagiat bleibt Plagiat.

    Das wissen alle, die Geisteswissenschaften studieren und seit Semester #1 nach Abgabe einer jeden Hausarbeit (nein, keine Hausaufgabe, eine Hausarbeit = 20-40-seitige, plagiatsfreie Forschungsarbeit inkl. Literaturrecherche am Ende einer Veranstaltung) bibbern und dafür beten, hoffentlich alle Fremd-Gedanken auch richtig kenntlich gemacht zu haben und demnach an der Uni bleiben zu dürfen. Fehler können natürlich passieren.

    Aber Plagiate (im Plural wohlgemerkt) …
    Plagiate stinken.

    Nach Narzissmus. Nach Eigennutz. Nach Verhöhnung derer, die eh nix kapieren und nach Einsamkeit.
    Nach Leere und aufgeblähter Arroganz. Tragisch ist das nicht. Es ist eine Schande.

    Denn so hat sie ihre wirklich wertigen Ideen einfach in den Sand gesetzt – und zwar für all jene, die bis heute an sie glauben, sie verteidigen und zu blind dafür sind, sie als Person samt Stärken, Schwächen und möglichen Absichten zu hinterfragen.

    Aber im Krieg und in der Liebe, da ist nicht nur nicht alles erlaubt.

    Es ist auch alles so verdammt logisch. Überdeutlich. Allumfassend. Einzigartig.

    Einfach alles.

    Nur nicht echt.

    1. Wie böse, Du kannst doch nicht einfach als Ikone auserkorene, erleuchtete Wesen als nackt deklarieren.
      Hier muss klar in den Vordergrund gerückt werden, dass man seine Lüge ja für Gutes verwendet und das alles rechtfertigt. Das ist so wie bei Straftaten, wenn man danach dem Staatsanwalt ein Eis kauft, ist auch alles wieder gut. Na ja, vielleicht waren es auch diese kleinen Koffer mit Papier drin.

      1. Ikone – in der Tat, das passt perfekt. Sie lässt sich anbeten. Sie schnattert emsig auf X. Sie genießt das Lanz-macht-mich-alle-nackig-äh-mundtot-Drama-äh-Theater, aber hält sich von der Bonner Friedensdemo einfach fern. So viele Zaunpfähle kann man gar nicht werfen. Beschämend für den, der die Tücke unbewusst ahnt, aber die Transferleistung mangels Rückgrat und aus Trotz nicht erbringen will. Diese Frau zieht „ihre“ Visionen mit dem Potenzial, die Gesellschaft nachhaltig zum Positiven zu verändern, durch den medialen Dreck (Achtung: Oxymoron!) – und das auch noch absolut freiwillig. Willig. Gierig trifft es da vermutlich noch am ehesten. Eine Revolution im Keim erstickt und die akademischen Titel gegen Teilhaberschaft am Bösen getauscht. Die Zeichen sind unübersehbar. Natürlich nur für jene, die Filter maximal fürs Kaffeekochen nutzen (schlechten Kaffee btw.)

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