Ein kranker Mensch ist zuerst ein kranker Mensch

Impfzentrum
PantheraLeo1359531, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Man kann die Corona-Zeit kritisch aufarbeiten, ohne krank gewordene Menschen zur politischen Pointe zu machen.

Während der Corona-Zeit habe ich etwas erlebt, das mich bis heute beschäftigt. Nicht nur von der Seite der Maßnahmenbefürworter, die Kritiker oft genug als verantwortungslose Spinner, Egoisten oder Schlimmeres abgetan haben. Sondern auch von manchen Coronakritikern selbst.

Weil ich geimpft war und später an Krebs erkrankte, kamen einige sofort mit dem Reflex: selbst schuld.

Das ist ein Satz, den man nicht vergisst.

Ich war nie ein blinder Anhänger der Coronapolitik. Im Gegenteil. Viele Maßnahmen hielt ich für vollkommen überzogen. Die Ausgrenzung, der moralische Druck, die gesellschaftliche Spaltung und erst recht die drohende Impfpflicht waren für viele Menschen nicht folgenlos. Da wurde massiv Vertrauen zerstört. Und bis heute wird zu wenig ehrlich aufgearbeitet, was damals politisch, medial und gesellschaftlich angerichtet wurde.

Trotzdem hatte ich mich impfen lassen.

Nicht, weil ich jede Regierungsentscheidung überzeugend fand. Nicht, weil ich Andersdenkende verachtet hätte. Sondern weil ich meiner Mutter vertraute, die jahrzehntelang in einem medizinischen Beruf gearbeitet hatte. Ich dachte: Sie kennt sich aus. Also habe ich diese Entscheidung getroffen.

Ich selbst hatte keine dramatischen Nebenwirkungen. Ein paar Tage Hirnnebel, dann war es vorbei. Später habe ich bei einem Freund gesehen, dass es auch ganz anders laufen kann. Herzmuskelentzündung. Und er kämpft bis heute mit den Folgen.

Das hat meinen Blick verändert.

Heute würde ich mich nicht mehr gegen Corona impfen lassen. Nicht aus Trotz. Nicht aus Ideologie. Sondern weil ich nach allem, was ich erlebt und gesehen habe, diese Risikoabwägung für mich anders treffen würde.

Bei einer Impfung gegen Krebs sähe das wieder anders aus. Auch mein Krebsmedikament ist im Prinzip experimentell. Aber genau darum geht es: Es ist meine Wahl. Meine Krankheit. Mein Körper. Mein Risiko. Meine Abwägung.

Und hier liegt der entscheidende Punkt: Man kann über Nutzen, Risiken, Nebenwirkungen, Druck, politische Verantwortung und medizinische Irrtümer streiten. Man muss sogar darüber streiten. Aber man sollte aufhören, Krankheit als moralisches Urteil zu behandeln.

Ein Tumor ist keine Quittung. Eine Herzmuskelentzündung ist kein politischer Punktgewinn. Ein Impfschaden ist keine Trophäe für Coronakritiker. Und eine Krebserkrankung eines Geimpften ist kein Beweis für die eigene Weltsicht.

Ob die Coronaimpfung irgendeinen Anteil an meiner Krebserkrankung hatte, entzieht sich meiner Kenntnis. Nach allem, was ich weiß, deutet vieles eher nicht darauf hin. Ich werde mir also keine Gewissheit basteln, nur weil sie in ein bestimmtes Weltbild passt.

Genau das erwarte ich aber auch von anderen.

Ich möchte keine Gesellschaft, in der Menschen nach einer Diagnose erst einmal politisch sortiert werden. Geimpft? Ungeimpft? Maßnahmenkritiker? Regierungstreu? Selber schuld? Opfer? Beweisstück?

Nein.

Ein kranker Mensch ist zuerst ein kranker Mensch.

Das heißt nicht, dass man die Corona-Zeit vergessen soll. Im Gegenteil. Die Aufarbeitung ist notwendig. Die Ausgrenzung Ungeimpfter, der Druck auf Menschen, die Einschränkungen von Grundrechten, die Drohung einer Impfpflicht — all das gehört auf den Tisch. Ohne Schönreden. Ohne nachträgliches Wegducken. Ohne das übliche „man konnte es damals ja nicht besser wissen“, wenn genau das damals schon viele gesagt haben.

Aber Aufarbeitung ist etwas anderes als Häme.

Wer damals entmenschlicht wurde, darf wütend sein. Wer unter Druck gesetzt wurde, darf Klarheit verlangen. Wer Nebenwirkungen erlitten hat, verdient Anerkennung, Hilfe und keine bürokratische Vernebelung. Aber niemand gewinnt etwas, wenn aus erlittenem Unrecht neue Unmenschlichkeit wird.

Ich weiß, wie verletzlich man wird, wenn Krankheit ins Leben einbricht. Man verliert nicht nur Gesundheit. Man verliert Selbstverständlichkeit. Plötzlich wird jeder Arzttermin, jeder Befund, jede Therapieentscheidung zu einer existenziellen Angelegenheit.

Da braucht kein Mensch noch politische Schuldzuweisungen obendrauf.

Ich kann die Coronapolitik kritisieren und trotzdem sagen: Wer über die Krankheit anderer spottet, hat den Kompass verloren. Ich kann die Impfung heute für mich ablehnen und trotzdem sagen: Nicht jeder Geimpfte war dumm, hörig oder selbst schuld. Ich kann Nebenwirkungen ernst nehmen und trotzdem sagen: Nicht jede spätere Erkrankung ist automatisch ein Impfschaden.

Und ich kann eine schonungslose Aufarbeitung fordern, ohne einen Tumor zur Pointe zu machen.

Vielleicht wäre das die Lehre, die wir aus dieser Zeit ziehen müssten: Nicht weniger Streit, sondern besseren Streit. Harter Streit in der Sache. Aber keine Freude am Leid.

Denn wer Krankheit zur Abrechnung benutzt, macht am Ende genau das, was er den anderen vorwirft: Er sieht keinen Menschen mehr. Nur noch ein Lager. Nur noch ein Symbol. Nur noch einen Anlass, recht behalten zu wollen.

Ich möchte nicht so leben.

Ich möchte kritisch bleiben. Ich möchte widersprechen dürfen. Ich möchte Irrtümer benennen. Aber ich möchte dabei Mensch bleiben.

Gerade dann, wenn es schwerfällt.

Niki Beckmann

Niki Beckmann ist männlich und 53 Jahre alt. Er ist gelernter IT-Systemelektroniker, später war er im Fahrradfachgeschäft tätig. Nach schwerer Krebserkrankung inzwischen voller Erwerbsunfähigkeitsrentner. Politisch interessiert, gesellschaftskritisch und mit wachem Blick auf soziale Fragen, Medien, Machtverhältnisse und demokratische Debattenkultur.
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2 Kommentare

  1. Das Einzige, was eine Wiederholung des Corona-Verbrechens verhindern kann, ist, die vielen gesundheitlichen Schäden zu thematisieren. Wollte der Autor dabei helfen, sollte er sich auf Spike-Proteine aus der “Impfung” untersuchen lassen. Denn wenn diese weiter produziert worden sind, dann ist er nicht einfach so krank geworden, sondern er ist verletzt worden durch das Gift, was ihm verabreicht wurde.

    Wenn einer jemandem mit dem Gewehr das Bein abschiesst, dann ist nicht “ein kranker Mensch ein kranker Mensch”. Sondern die Person wurde dann verletzt durch ein Verbrechen, und das Verbrechen muss aufgeklärt und der Täter zur Verantwortung gezogen werden.

    Im Übrigen wünsche ich mir für den Autor, dass er so schnell wie möglich ganz gesund wird. Ihm und allen Geschädigten wie auch den Kranken gute Genesung!

  2. Mir geht dieser grassierende KI-Stil wahnsinnig auf die Nerven. Kann eigentlich keiner mehr seine Texte selbst schreiben?

    Spätestens nach dem zweiten Absatz, der nur aus kurzen Haupt- oder Halbsätzen besteht, vergeht mir die Lust am Weiterlesen.

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