Die Queen und die Windsors: Eine schrecklich nette Familie

George W. Bush neben Queen Elizabeth.
White House photo by Eric Draper, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Während George W. Bush moralisch verurteilt wurde, weil er als texanischer Gouverneur Todesurteile unterzeichnet hatte, blickt man bei der Queen darüber hinweg – oder man blendet es aus. Heathcote Williams übte schon vor einigen Jahren Kritik am englischen Königshaus.

Die Briten behaupten gerne, dass ihr Parlament die Mutter aller Parlamente sei und deshalb als Vorbild für Demokratie in aller Welt diene. Eher selten angesprochen wird die Tatsache, dass die Mehrheit derjenigen, die in dieser pseudo-gotischen Touristenattraktion am Ufer der Themse – treffend bezeichnet als der Palast von Westminister – berechtigt sind, ihre Stimme abzugeben, nicht einmal gewählt werden. Sie werden ernannt.

Die 792 Mitglieder des House of Lords, das Oberhaus des britischen Parlaments, sind entweder Parteispender oder linientreue Apparatschiks in einer Institution, die von vielen Briten als Großbritanniens pompösestes Altenheim bezeichnet wird. Die Rechnung übernimmt der Steuerzahler. Das House of Lords ist weltweit die einzige zweite Kammer, die größer ist als die erste Parlamentskammer: Das demokratisch gewählte House of Commons, das britische Unterhaus, hat 650 Mitglieder.

Zusätzlich hat das House of Lords etwa zwanzig Repräsentanten der staatlichen Kirche, nicht gewählt, sondern ebenfalls ernannt. Der einzige Staat, der ebenfalls per Gesetz klerikale Vertreter im politischen System vorsieht, ist der Iran.

Die Krönung dieses sonderbaren demokratischen Systems ist sein auf Erbschaft beruhendes Staatsoberhaupt – das ist ebenfalls beliebt bei den Touristen, allerdings nicht ganz so sehr, wie es selbst vermutet: Legoland im Windsor Great Park zieht mittlerweile mehr Besucher an als die Residenz der Königsfamilie im Schloss Windsor.

Die Windsors: Ein Schandfleck

Man kann wohl sagen, dass der Platz der Königsfamilie in der Regierung einer sogenannten fortschrittlichen Industrienation, sein Verfallsdatum bereits lange überschritten hat. Diese behauptet aber im Gegenzug, dass ihre Macht lediglich von symbolischem Charakter sei – jedoch ein fadenscheiniger Vorwand, wie sich zeigt:

Die Queen ersetzte 1975 zum Beispiel den australischen Premierminister Gough Whitlam, angeblich weil der dem Sozialismus zugeneigt war. Sie hat sogar die Macht, über Leben oder Tod zu entscheiden – die wohl größte Macht überhaupt: Die Queen unterzeichnet noch immer die Todesurteile für Staatsangehörige in den ehemaligen Kolonien und Schutzgebieten. Die rücksichtslose Behandlung ihrer unterbezahlten Bediensteten, die sich regelmäßig über die arrogante Anmaßung der Windsors beschweren, ist auf düstere Weise im Einklang mit ihrer eifrigen Begeisterung fürs Metzeln von Tieren zum Freizeitvergnügen. Ferner sind die Windsors die bevorzugten PR-Frontmänner der gigantischen Rüstungsindustrie. Nicht nur sind sie regelmäßig an den oft zwielichtigen Geschäften mit zweifelhaften Partnern beteiligt, sondern auch an der fortwährenden Imagekampagne für den Handel mit Hightech-Vernichtungswaffen: Die Royals machen das Geschäft mit dem Tod salonfähig.

Die Windsors sind ein Schandfleck im kulturellen Erbe Großbritanniens. Ein Land, das in den vergangenen Jahrhunderten politische und geistreiche Lichtfiguren wie Thomas Paine, William Blake und William Morris hervorgebracht hat. Es ist an der Zeit, das Großbritanniens Einwohner erwachsen werden und lernen, ohne die Windsors zu leben. Anders formuliert: Jetzt ist die Zeit, Bürger zu werden, nicht Untertanen.

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7 Kommentare

  1. „Die Queen ist nicht tot. Sie liegt
    nur leblos in einer Kiste.“
    ( Robert Habeck )

    Interessante Blickwinkel, die uns das Boulevard seit vielen Jahrzehnten vorenthält.

  2. Da las ich gerade Dagmar Henn ‚Die Rolle ist tot – es lebe die Rolle‘.
    Und Sachsen Coburg & Gotha und der deutsche BK ist in Erinnerung Not zu den Warburg Klan.
    Manchmal habe ich den Eindruck, das „böse“ kam aus D. Die Gruppe der Iluminaten wurde ja verbannt…
    Zurück zu Dagmar, sie schreibt das die Krone 1702 schon „zurecht gestutzt wurde‘ in Form ihrer Besitztümer. Das bedeutet das damals das Kapital ‚ihre königlichen Genossen‘ im Verbund der Kirche kontrollierte. Medici, Fugger, niederländische/britische Übersee Unternehmungen +++ damals wie heute ihr Volk für ihre Interessen missbrauchte.
    Heute kommen noch mal andere hinzu, ohne aber genau zu wissen wer das letztendlich kontrolliert.

    1. PRO1
      das ist unfair. Im Grunde schreibst du es ja auch. “ die Krone 1702 schon „zurecht gestutzt wurde“
      das ist der Punkt, es war immer ein Kampf. Damals war Kapitalismus nicht vorherrschend, sondern Feudalismus. Da war die Kirche immer mit dabei. Der Fortschritt wurde in Form von Hexen verbrannt. Die Könige waren ja auch Untertan, die von Gott, aber auch deren Herrschaft sichernd. Es ist auch nichts Schlechtes seine Interessen zu vertreten, wenn der Arbeiter seine Interessen erkannt hat, dann kann er beginnen sie umzusetzen.
      Übrigens, die Geschichte der Fugger ist interessant. Die waren richtig reich, das waren die, die Schulden beherrschten,
      „ohne aber genau zu wissen, wer das letztendlich kontrolliert.“ Definiere die Interessen und du weißt es.

      ,,Obgleich (.) das Interesse des Arbeiters so eng mit dem der Gesellschaft verknüpft ist, so ist er
      doch unfähig, dieses Interesse zu begreifen oder dessen Zusammenhang mit dem seinigen zu verstehen.“ (Adam Smith)

      „Die Bourgeoisie hat in der Geschichte eine höchst revolutionäre Rolle gespielt. Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört. Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen natürlichen Vorgesetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen und kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übriggelassen als das nackte Interesse, als die gefühllose »bare Zahlung«.“ MEW 4

    1. Naja, dann ist er Liz ja um Jahre voraus :). Ich finde den Artikel (Buchauszug?) aber durchaus informativ. Der in der taz ist ja auch ganz nett, aber die ist irgendwie kaum noch zitabel nach ihren diversen Verbrechen. Da hilft keine Nostalgie.

  3. Dass Untertanen den Herrschern huldigen, und ganz genau verfolgen, Wer Wen
    heiratet, Bub oder Mädchen bei Geburten, konnte ich noch nie verstehen. Wie
    kann man nur einem Königreich das sich über Jahrhunderte alles zusammengeklaut
    und ganze Völker brutal unterjocht u.ausgebeutet hat, irgendeine Ehre erweisen?
    Ein weiterer Beweis -Es gibt für Dummheit keine Obergrenze-.

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