Der Geruch des Krieges

Erster Weltkrieg, Franz. Soldaten im Graben
John Warwick Brooke, Public domain, via Wikimedia Commons

Gedanken zu Pazifismus, Feminismus und Krieg.

Im obersten Regal meiner Bücherwand links steht Brechts Kriegsfibel, ein Nachdruck von 1950. Auf dem Titel das Gesicht des Krieges: Eine Gruppe Soldaten – Männer, Söhne, Brüder, Väter – mit hängenden Schultern, gesenktem oder apathischem, leerem Blick, vom Leid gezeichnet, traumatisiert. Im Innenteil findet man den von Brecht gewählten Untertitel:

Das Gesicht der deutschen Armee – in Russland zeigt es sich jetzt erfroren verstört, entleert von Wille und Stolz. Dies waren einmal Elitetruppen, der Terror der Welt …

Neben der Kriegsfibel stehen etwa 20 Bücher zum Thema Pazifismus, Feminismus und Krieg. Sie sind angestaubt, manche zerlesen. Als ich sie vor zwölf Jahren hier einmottete, dachte ich, dass ich dieses Thema bis zu meinem Lebensende ablegen könnte. Heute klettere ich hinauf mit einer Leiter, vorsichtig, denn ich bin alt. Ich brauche „Zündstoff für mein Gedächtnis“ (Wer hat dieses Bild erfunden? – Vergessen.) Ich möchte meiner pazifistischen Vergangenheit ins Gesicht sehen. Zudem möchte ich verstehen lernen, warum einige meiner Freundinnen, die meisten ein paar Jahre jünger als ich, immer noch glauben, dass Frauen friedliebender sind als Männer. Auch die Frage, ob Pazifismus eine lebenslange Einstellung ist, wollte ich an mir überprüfen und meiner Angst vor Krieg Ausdruck geben.

Kriegserlebnisse

Ich bin eine Pazifistin. Mit Aufrüstung und Krieg kann man mir nicht kommen.

Mir sitzt der Krieg in den Knochen. Als der Ukrainekrieg ausbrach wurde ich nachts plötzlich wach, denn es roch ganz intensiv nach verbranntem Holz. Ich irrte durch unsere Wohnung. Nirgends ein Feuer. Später registrierte ich, dass ich gerade ein Echo eines Erlebnisses aus meiner ganz frühen Kindheit erlebt hatte. Damals, als ich etwa sechs Wochen alt war – erzählte mir später meine Mutter – war sie mit mir in einem Bergstollen, vor dessen Eingang eine Bombe explodierte, die zwei Männer tötete und ein Feuer auslöste. Nach vielen Stunden in dem Loch kamen sie heil mit mir heraus. Natürlich habe ich keinerlei Erinnerung an dieses Drama. Ich habe es auch nicht als Drama empfunden, denn meine Mutter erzählte Kriegserlebnisse eher beiläufig, etwa so, wie sie Nachbarinnen ihre Backrezepte weitergaben. Aber immer wenn ich abends ins Bett gesteckt wurde, das ganz oben im Häuschen unter einer Dachschräge stand, hörte ich Gebrumm von Flugzeugen, die näher kamen. Meine Mutter glaubte mir nicht. Sie deutete mein lautes Weinen als eine raffinierte Methode, mich vor dem Zubettgehen zu drücken.

Meine Mutter, die mich nach den Prinzipien der Schwarzen Pädagogik erzog, hat der Krieg zur Pazifistin gemacht. Nie wieder Krieg! Hörte ich immer wieder am Küchentisch, wo die Erwachsenen oft ihren Hamster-Abenteuern erzählten, etwa davon, wie sie sich auf der Suche nach Pflanzkartoffeln an einem Bahndamm drückten und beteten, von den herannahenden Tieffliegern verschont zu bleiben. Krieg ist unmenschlich. Er darf nie wieder sein. Darin waren sich meine Eltern sogar mit meiner Großmutter einig, die gerne einflocht, dass doch nicht alles schlecht gewesen sei, damals. Als Kind erschienen mir diese Geschichten nicht sonderlich aufregend. Ich wunderte mich aber, warum sie ständig wiederholt wurden. Ich spielte noch in Bombenlöchern und wir versteckten uns in Stollen im Berg, gleich hinter dem Bolzplatz.

Trotz der klaren Ablehnung des Krieges war meine Familie (Arbeiter und SPD-Wähler) nationalistisch. Als Saarländer, Grenzlandbewohner fühlten sie deutsch. Ihre nationale Zugehörigkeit war ihnen wichtiger als die Solidarität mit französischen Klassengenossen. Man stritt laut und heftig als ein Schwager meines Großvaters 1955 bei der Volksabstimmung für eine enge Bindung an Frankreich votierte. So ein Schuft! Dass Nationalismus eine starke Wurzel des modernen Krieges ist, wurde nie reflektiert.

„Wenn es ein Haus ist, zündet es an; wenn es ein Brunnen ist, vergiftet ihn; wenn es lebt, tötet es“

Eine Zeit lang dachte ich, dass das Nie-wieder-Krieg meiner Familie Allgemeingut geworden sei. Gegen den Krieg zu sein war für mich nichts Geschlechtsspezifisches, es erschien mir selbstverständlich.

Doch ohne dass es mir zunächst bewusstwurde, änderte ich meine Position. In Berlin, wohin ich 1967 zog, wurde ich in die Vietnambewegung hineingesogen. Kaum angekommen, war ich schon auf einer Demo. Danach gründeten wir ein Vietnamkomitee. Der Krieg hat uns alle aufgewühlt. In der Stadt brodelte es. Die Einheimischen –  Frontstadtberliner, wie wir sie nannten, die ihre Besatzer liebten –  waren stocksauer über die Zugezogenen. Wir wurden bespuckt und verbal angegriffen: „Geht doch nach drüben!“ Die Propaganda der Springer-Presse vom Freien Westen und seiner Demokratie zerstob im Giftgasnebel des schmutzigen Krieges in Vietnam. Wir erlebten uns als Teil einer weltweiten Antikriegsbewegung. Ein kleines Volk wehrte sich gegen die Weltsupermacht. Diese Geschichte wärmte mein jung-naives und noch von katholischen Gerechtigkeitsidealen infiziertes Herz. Unvergessen der Ausspruch des US-Kompanie-Chefs Ernest Medina: „Wenn es ein Haus ist, zündet es an; wenn es ein Brunnen ist, vergiftet ihn; wenn es lebt, tötet es.“ Er hatte seinen Männern das My Lai-Massaker befohlen.

Erst mit der Zeit realisierte ich, dass es sich beim Vietnamkrieg auch um einen Stellvertreterkrieg zwischen der USA und der Sowjetunion handelte. Die zahlenmäßig unterlegenen Vietcong, Freiheitskämpfer, die mit guten Gründen die Waffe in die Hand genommen hatten, wehrten sich mit aller Brutalität, begingen selbst Kriegsverbrechen. Eine Million nord- und südvietnamesische Soldaten kamen um, zwei Millionen Zivilisten starben, wurden ermordet, vergiftet – verreckten.  Schätzungsweise zwei bis vier Millionen Menschen sind von den Spätfolgen betroffen, mindestens 100.000 Kinder wurden mit Behinderungen geboren. Als sich die USA aus dem Krieg zurückzogen, hatten sie die erste große militärische Niederlage ihrer Geschichte eingefahren und 58.000 Soldaten verloren. Was erst viel später bekannt wurde und mittlerweile feststeht, dass dieser Krieg (wie viele vor ihm und nach ihm) mit einer Lüge begann. Der Auslöser – der Zwischenfall von Tonkin – der angebliche Beschuss eines US-Zerstörers durch nordvietnamesische Schnellboote – war eine Inszenierung, ein Bluff.

In einem philosophischen Sinne mag das „ein gerechter Krieg“, gewesen sein. Die Alternative, kollektiver, gewaltfreier Widerstand, wurde nie ausgelotet.

Frauen zu den Gewehren?

Ich war wieder auf der Seite der Pazifistinnen und las, dass viele von ihnen ihre Positionen im Lauf des Lebens gewechselt oder modifiziert haben.

Beispielsweise verwarf Maude Royen (eine bekannte englische Suffragette) 1939 ihren Pazifismus, weil sie es nicht ertragen konnte, was Hitler mit den Juden machte: „Das Unglaubliche war geschehen, es war etwas in die Welt gekommen, das schlimmer war als der Krieg.“

Simone Weil war noch 1936 absolute Pazifistin. Dann zog sie nach Spanien, um die spanische Republik gegen die franco-faschistische Invasion zu verteidigen. Als sie nach fünf Monaten wegen schwerer Verletzungen aufgab, hatte sie erleben müssen, dass aus ihrem idealistischen Kampf ein erbarmungsloses Töten auf allen Seiten geworden war. Sie war wieder Pazifistin. Am Tag als Hitler in Prag einmarschierte, war sie überzeugt, dass er ausgeschaltet werden müsse. Nun glaubte sie, dass die Welt ein alternatives Wertesystem entwickeln müsse – eine Alternative zum Evangelium der Stärke, ein System der Gerechtigkeit.

Für Virginia Woolf waren Krieg und Gewalt durch unsere patriarchalische Gesellschaft entstanden. Männer würden dazu sozialisiert zu glauben, dass es besser sei zu töten als getötet zu werden und die Frauen, ökonomisch abhängig, stützten diese Ansicht. Wie auch Helen Keller und Albert Einstein gab sie ihren Pazifismus auf. 1940 machte sie sich „Gedanken über den Frieden“ und kam zu dem Schluss, dass der Hitlerismus nicht nur Eigentum der Deutschen sei, das Verlangen nach Aggression, zu beherrschen, sei auch in England wohlauf: „Wir müssen dem Mann einen Ausgleich schaffen für seine Kanone.“ Männer und Frauen brauchten gleichermaßen Ausdrucksmöglichkeiten für ihre schöpferischen Gefühle und Kräfte.

Dem konnte ich folgen. Ich fühlte mich dem Differenzfeminismus zugehörig, einer Denkrichtung, die inzwischen wohl nur noch in theologischen Nischen überlebt. Differenzfeministinnen betonen Unterschiede zwischen den Geschlechtern – und setzen sich für eine Gesellschaft ein, die sich nicht an männlichen Normen orientiert. Ich war nicht gegen die Männer – ich liebte ja selbst einen und hatte zwei Kinder.

Als im Juni 1978 Alice Schwarzer den uneingeschränkten, freiwilligen Zugang von Frauen zur Bundeswehr (incl.  Dienst an der Waffe) forderte, war ich entsetzt. Sollte weibliche Emanzipation bedeuten, dass nun Frauen zu den Gewehren griffen? Waren es nicht eher die Männer, die lernen mussten, Konflikte gewaltfrei zu lösen? Schwarzer, die erklärte, sie persönlich würde den Kriegsdienst verweigern, kritisierte „das Berufsverbot für Frauen“ in der Bundeswehr im Namen der angeblichen „Natur der Frau“. Als Feministin sei sie grundsätzlich gegen jeden Ausschluss von Frauen aus politischen oder beruflichen Bereichen. Bevor Frauen überhaupt sagen können „Bundeswehr – nein danke!“, müssten wir eine Bundeswehr haben, die sagt „Frauen – ja bitte!“.

Das vorletzte Berufsverbot für Frauen fällt

22 Jahre später, am 7. Juni 2000, war es soweit. Die Bundesregierung stimmte einer Gesetzesänderung zu, die Frauen den freiwilligen Weg „zu allen Laufbahnen der Streitkräfte“ öffnet. Vorausgegangen war ein Urteil des Europäische Gerichtshofs, der Frauen als Soldatinnen an der Waffe in der Bundeswehr zuließ. Damit sei das vorletzte Berufsverbot für Frauen endlich auch in Deutschland gefallen (das letzte sei das katholische Priesteramt für Frauen), jubelte die Emma.

Zehn Jahre nach dem Fall des Berufsverbotes für Frauen in der Bundeswehr, also 2010, lese ich im dem feministischen Magazin:

  • Sexuelle Belästigung komme beim Militär nicht öfter vor als in anderen Organisationen, in denen Männer und Frauen zusammenarbeiten.
  • Der raue Umgangston in der Bundeswehr sei entschärft; das Verhalten der Truppe sei insgesamt zivilisierter.
  • Was Befehl und Gehorsam betreffe, so fänden sich Frauen also keineswegs nur auf Seiten derer, die die Hacken zusammenschlagen. Sie erteilten auch Befehle. Man dürfe davon ausgehen, dass diese Führungskräfte irgendwann dann auch mal ganz selbstverständlich „Generalinnen“ genannt werden.

Welche Verblendung!

Der Wehrbeauftragte kommt in seinem Bericht von 2024 zu dem Schluss: „Insgesamt fällt auf, dass die Zahl der gemeldeten verbalen sexuellen Belästigungen stetig zunimmt.“

Obwohl Schwarzers Kritik an der Theorie von der friedfertigen Natur der Frau nach meinem Eindruck nicht im Zentrum der Debatte der Friedensbewegung der 80er-Jahre stand – zentral war Aufrüstung, Antimilitarismus und Kriegsgefahr – gab und gibt es immer wieder Einlassungen dazu: Frauen seien von Natur aus verantwortungsbewusster, weil sie für die Kinderaufzucht sorgten. Sie seien warmherziger, liebevoller – in einem Wort: bessere Friedensstifterinnen.

Mir persönlich brannte diese Frage nicht unter den Nägeln. Ich hatte einen friedliebenden, nicht aggressiven Vater erlebt und hörte Dorthee Sölle zu, die sagte, sie verstehe Feminismus als eine Menschheitsbewegung – auch Männer bestünden zu 49 Prozent aus Frauen.

Das friedliebende Geschlecht?

Die Diskussion war aber nicht neu. Damals, vor dem Ersten Weltkrieg, wurde sie in der Frauenbewegung von Lida Gustava Heymann (1868 – 1943) angeführt, die in ihrem Essay „Weiblicher Pazifismus“ (1917) die biologische Wesensbestimmung der Frau betonte. Diese radikale Frauenrechtlerin und Pazifistin, glaubte, dass weibliches Wesen und weiblicher Instinkt identisch seien mit Pazifismus und dass der Mann die größte Schuld daran trage, wenn das Wesen des Weibes nicht zur Wirkung kam.

Siebzig Jahre später, 1987, brachte Margarete Mitscherlich eine neue Facette ein. Auch sie ging von einer Friedfertigkeit aus, diese sei aber nicht genetisch bedingt, sondern das Ergebnis jahrhundertelanger Unterdrückung der Frau. Die »Friedfertigkeit« sei mit Bedacht anerzogen, denn sie hindere die Frau daran, gegen die vermeintlich naturgegebene männliche Herrschaft und Unterdrückung zu rebellieren. Sie sei das Gegenstück zum aggressiven, kriegerischen Mann; bei beiden handele es sich um soziokulturelle, also in der (patriarchalen) Gesellschaft erworbene Eigenschaften.

Birgit Rommelspacher (1945 – 2015), Professorin für Psychologie mit dem Schwerpunkt Interkulturalität und Geschlechterstudien, spann diesen Faden weiter. Sie befeuerte die Diskussion mit ihrem Buch „Dominanzkultur: Texte zu Fremdheit und Macht“ (1995), das auch mein Selbstbild beeinflusste. Die Empathie der Frauen gelte in erster Linie denen, die ihnen nahestehen, keineswegs ferner stehenden Menschen. Ihr Dasein für andere – in der Familie – heiße nicht notwendig Dasein für alle. Die Bereitschaft zur Einfühlung – etwa in das Kriegserleben der Eltern – sei sehr viel größer als die Einfühlung in das Los von Jüdinnen.

Wenn wir über Krieg redeten, dann erschienen die Frauen als diejenigen, die ihn erduldeten, die die Kinder durchbrachten, das Überleben sicherten. Das Klischee „Männer die Täter – Frauen die Opfer“ sei aber falsch. Zweifellos war der Nationalsozialismus ein Männerstaat und Frauen in vieler Hinsicht diskriminiert – aber sie haben mitgemacht, waren involviert. Und viele waren begeistert vom Nationalsozialismus. Sie wurden in ihrer Mutterrolle gefördert, geehrt, als Arierinnen rassistisch aufgewertet – das war eine Kompensation für ihre Abwertung als Frau. Frauen heute sollten ständig die männliche Norm hinterfragen. Sie wachsen immer noch in einem Patriarchat auf. Und das ist nicht friedfertig: „Es gibt Frauen, denen erscheint der Dienst mit der Waffe als ein Machtzuwachs. Sie denken, als Soldatin seien sie vor Belästigungen von Männern sicher. Aus diesem Grund würden manche Frauen Kriminalbeamtinnen. Die Erfahrungen der amerikanischen Armee sprechen aber sehr eindeutig gegen solche Hoffnungen.“

Die Frage nach Krieg oder Frieden ist zurück

Wer wissen will, was Militärs von Frauen in ihren Reihen halten, sollte die Bücher von Martin van Creveld (geb. 1946 in Rotterdam) lesen. Der emeritierte Professor für Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem, wo er 37 Jahre lang lehrte, wird als einer der weltweit führenden Militärwissenschaftler gelobt, der auch beim US-Militär gefragt sein soll. Die Tatsache, dass in immer mehr Ländern die Frauen an die Gewehre dürfen, hat ihn zu zwei Büchern veranlasst: Frauen und Krieg“ (2001) und „Das bevorzugte Geschlecht“ (2003).

Hier nur eine kleine Auswahl seiner Zumutungen:

  • Wenn heute Frauen Soldatinnen würden, dann sei das gleichermaßen Symptom und Ursache für den Niedergang des Militärs.
  • Echte Kriegerinnen seien selten wie ein Einhorn.
  • Vergewaltigungen seien nichts anderes als eine notwendige körperliche Entlastung für die Männer. Hinter den meisten der zur Anklage gebrachten Fälle von Vergewaltigungen steckten bloße Verleumdungen – im Einklang mit einer uralten weiblichen Strategie.

Creveld veröffentlichte 30 Bücher, viele militärhistorische Werke in Wissenschaftsverlagen und eine Polemik im rechtslastigen österreichischen Ares Verlag, dessen Bücher hierzulande vom Antaios Verlag des Götz Kubitschek vertrieben werden. Im Ares Verlag erschien sein bisher letztes Buch „Wir Weicheier“, in dem er den Frauen vorwirft, ihre Söhne nicht mehr kriegstauglich zu erziehen. Er war bei der AfD-Fraktion im Bundestag zu Gast, hat aber auch Deutschlandfunk-Kultur ein Interview gegeben.

Creveld provoziert, polemisiert, seine Bücher sind frauenfeindlich.

Aber er steht mit seinen Thesen nicht allein. Im Ohr ist noch der als „Herrenwitz“ herunter gekochte Ausspruch eines deutschen Generalmajors vom Frühjahr 2025: „Wenn eine Vergewaltigung unvermeidbar ist, dann entspannen und genießen.“​

Ich entsorgte die Emma bei unserem Umzug ins Altersdomizil. Creveld verstaubt im oberen Regal.

In einem Punkt stimme ich ihm zu: Wie er glaubte ich, dass wir uns hier im alten Europa in absehbarer Zeit nicht mehr mit Krieg oder Frieden befassen müssten. Schon gar nicht mit einem Atomkrieg. Noch 2021 ergab eine Greenpeace-Umfrage, dass 92 Prozent der Deutschen dafür sind, den Atomwaffenverbotsvertrag zu unterzeichnen – ein wichtiger Schritt hin zu einer atomwaffenfreien Welt.

Wie naiv ich war – und das in meinem Alter!

Heute leben wir wieder im Vorkrieg

Ich war überzeugt, dass die seelischen Wunden des Krieges auch kommende Generationen kriegsuntauglich machen. Nicht sicher war ich mir, ob meine tief gefühlte Erkenntnis

Verbrechen sind dem Krieg immanent

Krieg ist Entmenschlichung

ein zivilisatorischer Zusammenbruch

ein Verbrechen in sich – bar jeder Vernunft 

in der Bevölkerung verankert ist.

Heute leben wir wieder im Vorkrieg. Man darf nicht nur den Krieg, sondern muss den Vorkrieg im Blick haben, so Christa Wolf. Er ist die Zeit der Hetze und der Propaganda, in der das Feindbild geschärft wird. Es ist nicht nur der Zustand, in dem gerüstet wird, man braucht auch Kanonenfutter. Deshalb wird versucht, die Jugend zu indoktrinieren, deshalb haben Angsterzeugung und psychologische Kriegsführung Konjunktur. So wird – beispielsweise – durch eine angebliche Drohnengefahr (ohne einen einzigen Beweis) Angst verbreitet, werden die Menschen verunsichert – und schon erscheinen die immensen Rüstungsausgaben plausibel.

Ich habe nie verstehen können, weshalb die Deutschen nach den grauenvollen Erfahrungen des Ersten Weltkrieges kaum eine Generation später schon wieder kriegsbereit waren. Meine Großmutter wusste es genau: „Dieser Krieg wurde uns aufgezwungen!“ Das Propagandamärchen der Nazis kam gut an.

Ich bin mir sicher: Der Ukrainekrieg hätte durch Interessenausgleich und Diplomatie verhindert werden können. Auch Hitler hätte verhindert werden können, wenn die Linken und die Demokraten sich des Vorkrieges bewusst gewesen wären.

Und jetzt, wieder im Vorkrieg, kommt es existenziell darauf an, den nächsten Krieg zu verhindern, die Gleichgültigkeit, die Gedankenträgheit und den Streit zu überwinden. Die Vorkriegszeit ist die letzte Gelegenheit, den Frieden zu bewahren.  Sie müsste die Hochzeit der Diplomatie sein.

Wo sind die Feministinnen?

Es gibt sie offenbar – auch in der Ukraine. Aber was ist ihr Credo? “Wir wollen den Feind auf jedem Zentimeter unseres Landes vernichten“, sagt eine feministische Veteranin in die Kamera. In einem aktuellen feministischen Blog lese ich, dass ukrainische Feministinnen zu den Waffen greifen, weil es die Nation so fordere. Vom Bandera-Nationalismus (Faschismus-Antisemitismus) habe ich nichts gelesen.

„Niemals haben Menschen aus der Geschichte gelernt, und sie werden es auch in Zukunft nicht tun“, sagte der hellsichtige Kurt Tucholsky 1926.

Wie konnte ich das nur vergessen!

Ich greife wieder zur Kriegsfibel, die Pazifist Bert Brecht und Ruth Berlau, eine Gefährtin, zusammengestellt haben.

Eine Unterschrift unter einem Hitlerbild klingt ganz aktuell.

Seht ihn hier reden von der Zeitenwende.

Es ist Sozialismus, was er euch verspricht

Doch hinter ihm, seht, Werke eurer Hände:

Große Kanonen, stumm auf euch gericht.

Ruth Berlau, die Herausgeberin, bemerkt im Vorspann:

Der ungünstigste Frieden ist besser als der gerechteste Krieg.

 

Quellen

Bertolt Brecht Kriegsfibel, erschienen 1955, ein Jahr vor seinem Tod, zum ersten Mal in der DDR – im Eulenspiegel Verlag – und seither in vielen Ländern

https://meinstein.ch/geschichte/vietnamkrieg-die-bilanz-die-verluste/

https://www.dw.com/de/agent-orange-der-lange-schatten-des-vietnamkriegs/a-57459748

Innenansicht eines Krieges/ Deutsche Dokumente 1914 – 1918, dtv april 1973

Sybil Oldfield, Frauen gegen den Krieg/Fischer TB 1995

https://www.derstandard.de/story/2000115600915/differenzfeminismus-gleichberechtigt-aber-nicht-gleich

https://www.emma.de/artikel/frauen-militaer-pro-kontra-frauen-ins-militaer-264305

https://www.emma.de/artikel/fehler-frauen-militaer-von-flintenweibern-und-flintenkerlen-264380

https://www.emma.de/artikel/frauen-und-militaer-vor-der-kaserne-263591

https://www.emma.de/artikel/bundeswehr-zehn-jahre-frauen-der-waffe-265348

https://www.bundestag.de/parlament/wehrbeauftragter/jahresberichte

Martin van Creveld, Frauen und Krieg 2001, Das bevorzugte Geschlecht 2003/ beide: Gerling Akademie Verlag, Wir Weicheier 2018/Ares Verlag Wien

https://www.greenpeace.de/publikationen/s03021_gp_auswirkungen_atomwaffen_d_studie_07_2020_fly_fin_neu.pdf

Peter Heinl/Maikäfer flieg, dein Vater ist im Krieg…“/Kösel Verlag 1994

https://www.arte.tv/de/videos/116341-024-A/frauen-an-der-front/

https://blog.feministische-studien.de/

Christine Weber-Herfort

Christine Weber-Herfort, geboren 1944, ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern sowie Großmutter von drei Enkeln. Nach dem Abitur an einer Klosterschule nahm sie – den damaligen Erwartungen entsprechend – kein Studium auf, sondern arbeitete zunächst als Sekretärin. Parallel absolvierte sie ein berufsbegleitendes Studium am Institut für Markt- und Verbrauchsforschung in Berlin und war anschließend in verschiedenen Werbeagenturen und Verlagen tätig. Seit 1982 arbeitet sie als freie Journalistin für Printmedien, darunter die Frankfurter Rundschau und Lokalzeitungen, sowie für den Hörfunk (u. a. SR und NDR); heute ist sie vor allem als Rezensentin aktiv. Politisch engagierte sie sich stets in wechselnden Bewegungen, unter anderem zu den Themen Vietnam, globaler Süden, Frauenrechte, Frieden, Gewerkschaftsarbeit, Attac und Umweltschutz.
Mehr Beiträge von Christine Weber-Herfort →

Ähnliche Beiträge:

44 Kommentare

  1. Vorkrieg finde ich eine gute Bezeichnung.
    Ja das ist der Zeitpunkt wo man einen Krieg noch verhindern kann.
    Den Vorkrieg nutzen andere um die Bevölkerung „kriegstauglich“ zu machen.

  2. Sehr respektable Gedanken einer alten, weißen, westdeutschen Frau!

    Sie hatte das Glück nur wenige Kilometer von mir – getrennt durch eine Mauer, die harmloser war als die israelischen Mauern in Palästina – ein ruhiges, beschauliches Leben führen zu können. Dieses Glück hatten andere Frauen und Männer auf der Welt nicht. Der Wohlstand des globalen westlichen Nordens wurde mit barbarischer, kolonialrassistischer Gewalt gegen die Frauen und Männer des globalen Süden durchgesetzt. Insofern hat es der globale Norden leicht sich in pazifischen Träumen zu sonnen und insgeheim sich mit seiner Überlegenheit gegen die „Barbaren des Südens“ gut zu fühlen.

    Ich weiß, alte weiße, westdeutsche Männer und Frauen kann man nicht mehr ändern. Sie sind, wie menschlich ganz normal, selbstgefällig geworden und neigen wenig zu Selbstkritik.

    Typisch, das unsere Westberliner Pazifistin den Vietnamkrieg als Stellvertreterkrieg sieht. Das ist eine verbreitete westlinke Sicht, mit der man sich die Hände nicht schmutzig macht. In Wahrheit war der Vietnamkrieg sein sehr blutiger antikolonialer Befreiungskrieg. Onkel Ho war glühender vietnamesischer Nationalist, der die kommunistischen Organisationsformen im Befreiungskrieg nutzte. Kurz vor Vietnam fand der algerische antikoloniale Befreiungskrieg statt, über den keiner besser berichte als der viel zu früh verstorbene Frantz Fanon.

    Wir in der DDR lasen den berühmten Antikriegsroman „Die Stunde der toten Augen“ von Harry Thürk. Der Mitteldeutsche Verlag hat vor kurzen diesen Antikriegsroman meiner Jugend neu verlegt. Ich empfehle ihn alten und jungen westdeutschen Frauen und Männern. Vielleicht versteht ihr uns dann besser?

    https://www.mitteldeutscherverlag.de/literatur/alle-titel-literatur/th%C3%BCrk,-harry-die-stunde-der-toten-augen-detail

    1. Sie hatte das Glück nur wenige Kilometer von mir – getrennt durch eine Mauer, die harmloser war als die israelischen Mauern in Palästina

      Die israelischen Mauern sperren aus, die innerdeutsche Grenze sperrte ein, ich weiß, mit dem Unterschied haben Linke traditionell so ihre Probleme.

      Der Wohlstand des globalen westlichen Nordens wurde mit barbarischer, kolonialrassistischer Gewalt gegen die Frauen und Männer des globalen Süden durchgesetzt.

      Ganz bestimmt, wir fahren nicht etwa Autos, weil wir die erfunden haben und bauen, sondern weil wir sie dem „globalen Süden“ voll „kolonialrassistisch“ abgenommen haben. Grautöne scheints in deinem Kopf nicht zu geben?

      Ich weiß, alte weiße, westdeutsche Männer und Frauen kann man nicht mehr ändern. Sie sind, wie menschlich ganz normal, selbstgefällig geworden und neigen wenig zu Selbstkritik.

      Belehrt uns die weiße Ostdeutsche, die glaubt, alle Zusammenhänge durchschaut zu haben…

      Typisch, das unsere Westberliner Pazifistin den Vietnamkrieg als Stellvertreterkrieg sieht. Das ist eine verbreitete westlinke Sicht, mit der man sich die Hände nicht schmutzig macht. In Wahrheit war der Vietnamkrieg sein sehr blutiger antikolonialer Befreiungskrieg.

      Er war beides, man musste sich für eine der beiden Seiten entscheiden, denn wenn man kämpfen wollte und in einem Entwicklungsland lebte, brauchte man Hilfe von außen.

      Das rechtfertigt keinen der US-Kriege, schon gar nicht Vietnam, aber es ist trotzdem wichtig, diesen Fakt nicht unter den Tisch fallen zu lassen.

      1. Ja, der Westen hat die Autos erfunden, weil er wirtschaftlich besser entwickelt war als der globale Süden. Aber die Unterentwicklung des globalen Südens war eine Voraussetzung für den Wohlstand des Nordens. Beides gehört zusammen.

        Vietnam lies sich von der UdSSR und China militärisch unterstützen. Nur so, mit modernen sowjetischen Kampfflugzeugen (die weit über 100 Amiflieger abschossen), war der Krieg zu gewinnen. Wir wissen aber heute das die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam sich von der UdSSR und China nicht in ihre inneren, nationalen Angelegenheiten hineinreden lies. Sowohl die Sowjets, wie auch China, wollten den Krieg beenden. Das Volk von Vietnam aber wollte die Amis, nach den Franzosen, aus ihren Land hinauswerfen, unabhängig werden. Dies ist gelungen, aber zu einen hohen Preis, unter ungeheuren Opfern, die heute noch zu spüren sind.

        Die Sicht des Westens auf den Vietnamkrieg, Krieg gegen den Kommunismus, Eindämmung der UdSSR etc., war immer falsch. Es war ein sehr blutiger, antikolonialer Befreiungskrieg. Mit Pazifismus war da kein Blumenstrauß zu gewinnen. Er hätte nur den Amis genutzt. Friede, Freude, Eierkuchen kann man nur predigen, wenn es einen gut geht. Die Frage ist auf wessen Kosten?

        Und natürlich ist der Mensch nicht gut weil er ein Mensch ist. Das zeigt doch der Blick auf die Gegenwart

        1. Ja, der Westen hat die Autos erfunden, weil er wirtschaftlich besser entwickelt war als der globale Süden. Aber die Unterentwicklung des globalen Südens war eine Voraussetzung für den Wohlstand des Nordens.

          Ich behaupte einfach mal, dass das nicht stimmt, wie kommst du zu so einer Aussage? Irgendjemand muss sich als erster entwickeln und die Nordeuropäer traf es aus verschiedenen Gründen: Bevölkerungsdichte, harte Überlebensbedingungen, Christentum (und dadurch entstehende Kleinfamilien und abstrakte Rechtsnormen etc. ich habe das schon mehrmals ausgeführt) und sie haben damit den Rest der Welt befruchtet, nicht immer glücklich, aber unvermeidbar und letztlich wahrscheinlich zu deren Vorteil. Dass es bei solchen Umbrüchen Verwerfungen und Konflikte gibt, ist unvermeidbar, aber es rechtfertigt nicht, die Kausalitäten auf den Kopf zu stellen.

          Vietnam sich von der UdSSR und China nicht in ihre inneren, nationalen Angelegenheiten hineinreden lies. Sowohl die Sowjets, wie auch China, wollten den Krieg beenden.

          Gerade das macht es zu einem Stellvertreterkrieg man unterstützt die Feinde seiner Feinde, selbst wenn man keinen anderen Vorteil daraus ziehen kann, als dass der Hauptfeind geschwächt wird, es ist sehr ähnlich zu dem, was wir in der Ukraine beobachten konnten und leider immer noch können (und natürlich wollen alle Frieden, den zu verhindern, ist aber einfach, man fordert einfach Maximalziele und/oder ignoriert die Forderungen des Gegners).

          Die Sicht des Westens auf den Vietnamkrieg, Krieg gegen den Kommunismus, Eindämmung der UdSSR etc., war immer falsch.

          Du machst eine falsche Dichotomie auf, es ist beides richtig:

          „Hồ Chí Minh … war ein vietnamesischer Revolutionär und marxistisch-leninistischer Politiker, Premierminister (1945–1955) und Präsident (1945–1969) der Demokratischen Republik Vietnam.

          Nach mehreren Stationen im Ausland, darunter Paris und Moskau, gehörte Hồ Chí Minh 1930 in Hongkong zu den Gründern der Kommunistischen Partei Indochinas, aus der später die Kommunistische Partei Vietnams hervorging. 1941 wurde er in Vietnam zum Anführer der neu gegründeten Việt Minh, die im Zweiten Weltkrieg gegen die japanischen Besatzer und die vichy-französische Kolonialmacht kämpfte, die mit den Japanern kollaborierte. Nach der Ausrufung der Unabhängigkeit am 2. September 1945 ging der Kampf um Vietnam jedoch weiter: zuerst im Indochinakrieg gegen Frankreich (1946–1954), dann im Vietnamkrieg (1955–1975), dessen Ende Hồ Chí Minh nicht mehr erlebte. „

          https://de.wikipedia.org/wiki/H%E1%BB%93_Ch%C3%AD_Minh

          Mit Pazifismus war da kein Blumenstrauß zu gewinnen.

          In Indien war selbiger recht erfolgreich. Die Frage ist, was man in einem blutigen und traumatischen Krieg gewinnen bzw. verlieren kann und ob es das wert ist. Ich würde mich keinem aussetzen oder nur unter sehr sehr spezifischen Bedingungen…

          1. Der gewaltlose Widerstand von Gandhi ist einer der vielen Mythen der westlich-demokratischen Mythologie! In der Tat forderte Gandhi von seinen Anhängern Gewaltlosigkeit. Das führte dazu das die Briten 800.000 dieser gewaltlosen Inder einfach erschlugen. Das zeigt auch der berühmte Gandhi Film.
            Nach der Ausrufung der indischen Unabhängigkeit und die Gründung von Pakistan erschlugen die gewaltlosen Fans von Gandhi 1 Million Muslime, was Gandhi entsetzte. Er konnte aber diese Gewalt nicht unterbinden.
            Mein Fazit Gandhi taugt nicht als Modell des gewaltfreien Widerstandes. Das ist ein typisch westliches Mythos das alle gewaltsamen Nebenwirkungen ausblendet um eine schöne Story erzählen zu können. Die ganze Wirklichkeit war anders, sehr gewaltsam, nix Pazifismus

            Ich stelle mal die ketzerisch, ahistorische Frage ob es weniger indische Opfer gekostet hätte, wenn eine gewaltbereite Guerillabewegung die Briten vertrieben hätte? Dann wären vielleicht ein paar weniger Inder, dafür aber britische Kolonialsoldaten gestorben, die wie wir heute wissen, auf der falschen Seite der Geschichte kämpften. Vielleicht hätte eine solche Guerilla stärker gegen die Hindus durchgegriffen, die nach der Unabhängigkeit 1 Million Muslime ermordeten. Die Muslime weltweit haben den Hindus diese Morde nie verziehen und machen dafür auch den britischen Kolonialismus verantwortlich!,

            1. Das führte dazu das die Briten 800.000 dieser gewaltlosen Inder einfach erschlugen. Das zeigt auch der berühmte Gandhi Film.

              Mich überzeugt das Pazifismuskonzept auch nicht vollständig, aber immerhin, in Vietnam starben 1,3 -3 Mio (allein im Krieg gegen die USA, nehme ich an), aber man kann die Konflikte auch schwer vergleichen. Vorausgesetzt die Zahlen stimmen überhaupt, als Nichthistoriker nicht leicht zu beurteilen.

              Nach der Ausrufung der indischen Unabhängigkeit und die Gründung von Pakistan erschlugen die gewaltlosen Fans von Gandhi 1 Million Muslime, was Gandhi entsetzte. Er konnte aber diese Gewalt nicht unterbinden.

              Ja, ethnische Konflikte und so. Heutige Linke sind in der Hinsicht ja viel schlauer, die fördern „Diversität“, weil ähm, ja, ähm, weil die Leute sich dann schon frühzeitig aneinander gewöhnen können!1!! 🙂

              Die ganze Wirklichkeit war anders, sehr gewaltsam, nix Pazifismus

              Pazifismus heißt nicht, dass es keine Gewalt gibt, sondern dass man selbst keine anwendet, auch auf die Gefahr hin, dadurch selbst Opfer zu werden. Und im Konflikt mit den Briten war das letztendlich erfolgreich, wenn auch (offenbar) nicht ohne Verluste (was nicht bedeutet, dass die Personen generell Engel wären und nicht bei Gelegenheit auch selbst zu Gewalt greifen, wie es ja angeblich war).

              Ich stelle mal die ketzerisch, ahistorische Frage ob es weniger indische Opfer gekostet hätte, wenn eine gewaltbereite Guerillabewegung die Briten vertrieben hätte? Dann wären vielleicht ein paar weniger Inder, dafür aber britische Kolonialsoldaten gestorben, die wie wir heute wissen, auf der falschen Seite der Geschichte kämpften.

              Kann ich nicht beantworten (ich weiß auch zu wenig über den Konflikt, er interessiert mich nur am Rande), wenn man sich Vietnam anschaut, dann war der Bodycount der Vietnamesen mind. 20 mal so hoch, wie derjenige der Amis. Das ist immer eine Frage, wie überlegen und wie skrupellos der Gegner ist.

              Vielleicht hätte eine solche Guerilla stärker gegen die Hindus durchgegriffen, die nach der Unabhängigkeit 1 Million Muslime ermordeten..

              Du meinst gewaltbereite hinduistische Kämpfer hätten dann andere gewaltbereite hinduistische Kämpfer abgehalten…? Faszinierende Vorstellung. Die Konflikte in Afrika legen eher das Gegenteil nahe: erfolgreiche Kämpfer werden selbst zur Gefahr, oft sogar für die einheimische Bevölkerung und die neue unabhängige Regierung. Ein Sieg führt leicht zu einem Machtrausch und jemand der professionell getötet hat, hat nicht selten Probleme damit, sich wieder in eine friedliche Gesellschaft zu integrieren…

              Ich meine auch, mal gehört zu haben, dass die Briten den Konflikt zwischen Hindus und Muslimen schürten, ethnische Differenzen auszunutzen, war schließlich ihr Spezialgebiet, so wie es die Amis heute machen (ich glaube auch keine Sekunde, dass die Muslime vollkommen unschuldig und friedfertig waren, aber vielleicht erliege ich da nur meinen rechten Vorurteilen).

    2. Wie praktisch, wenn man alles auf der Welt in eineindeutige Schubladen (z.B. hie West, da Ost; kenn‘ ich auch von einem Verwandten (88)) stecken kann und keine Gedanken über Nuancen das arme Gehirn zermartern müssen.
      Bewundernswert!

      1. Dem muß ich zustimmen.
        Als ich den Satz „Sie sind, wie menschlich ganz normal, selbstgefällig geworden und neigen wenig zu Selbstkritik.“ las, kam er mir spontan wie eine Selbstbeschreibung vor.

  3. Netter Artikel dem ich aber vollkommen widerspreche. Krieg ist ein immanenter Teil des Menschen. Er kommt in Stammeskulturen wie in modernen Zivilisationen vor. Tatsächlich ist er unvermeidlich, selbst wer ihn nicht sucht, wird von ihm eingeholt. Das muss man erst einmal akzeptieren und nicht von Wunschbildern sprechen die es nicht gibt. Deswegen bin ich auch nicht für eine atomwaffenfreie Welt sondern für eine Globalisierung der Kernwaffen. Erst wenn der letzte Hinterwäldlerstaat ICBMs hat mit denen er jede Großmacht vernichten kann, erst dann wird die aktuelle Form des Blutvergießens enden und durch eine gezieltere Form ersetzt werden. Ein hypothetisches Verbot von Kernwaffen (Illusorisch), würde nur eine Kompensation in konventionellen Waffen bewirken die, im Gegensatz zu Atomwaffen, dann auch sehr einfach einsetzbar sind, da die Einsatzschwelle sinkt.

    Zum Feminismus: Dieser ist ein Hirnfurz des Westens und wird mit dem Untergang des Westens verschwinden. All der projizierte Männerhass wird mit dem Verschwinden der Weißen als Randnotiz der Geschichte vergehen und nur noch für Geschichtswissenschaftler interessant sein, die zeigen wollen, wie eine Zivilisation untergeht und was die Zeichen dafür sind.

    1. Dann widerspreche mal.

      Die oft stark ritualisierten Territorialkonflikte von Stammeskulturen kann man nur mit imperialen Raubkriegen gleichsetzen, wenn man einer Agenda folgend die verfügbare Literatur bewusst einseitig liest oder gleich ignoriert. Du hast das übliche Menschenbild, mit der rechte Ideologen autoritäre Machtstrukturen rechtfertigen wollen, und das nichts mit dem Verhalten der überwältigenden Mehrzahl von Menschen zu tun hat, die sich in intakten Sozialverbänden bewegen.

      Und natürlich braucht es nur einen Absatz, bis der mühsam gestelzte pseudointellektuelle Duktus umschlägt in nackten Sexismus und Rassismus.

      1. „Die oft stark ritualisierten Territorialkonflikte von Stammeskulturen kann man nur mit imperialen Raubkriegen gleichsetzen, wenn man einer Agenda folgend die verfügbare Literatur bewusst einseitig liest oder gleich ignoriert“
        Ja, in manchen Stämmen ist das ritualisiert in anderen nicht. Nicht alle Stämme sind gleich und bei manchen gibt es mehr Tota als bei anderen, liegt an der region.

        “ Du hast das übliche Menschenbild, mit der rechte Ideologen autoritäre Machtstrukturen rechtfertigen wollen, und das nichts mit dem Verhalten der überwältigenden Mehrzahl von Menschen zu tun hat, die sich in intakten Sozialverbänden bewegen.“
        Die Überwältigende Mehrzahl der Menschen lagert den Krieg an externe Stellen aus. Frag doch mal Menschen außerhalb deiner Bubble, ob man die Bundeswehr oder die NATO braucht. Ebenso die autoritären Machtstrukturen – auch die will jeder haben, selbst die westlichen Pseudolinken.

        „Und natürlich braucht es nur einen Absatz, bis der mühsam gestelzte pseudointellektuelle Duktus umschlägt in nackten Sexismus und Rassismus.“
        Der Klassiker – ist man gegen deine Ideologie ist man ein Rassist und Sexist. Solange es von Leuten wie dir kommt, kann ich mit der Bezeichnung locker leben. Das Jammern der dem Untergang geweihten goldenen Milliarde ist einfach wunderbar anzuhören – ihr habt euch das auch hart erarbeitet. Vielleicht frage ich mal die KI ob sie darüber einen Song macht.

    2. Nein! Krieg ist keine „immanente Eigenschaft des Menschen“. Er ist nicht „natürlich“, er ist nicht, wie der ansonsten von mir hoch geschätzte Friedrich Nietzsche, meinte „Vater aller Dinge“. Die Fehden tribaler Kulturen sind in kleinster Weise mit modernen, auf Massenvernichtungswaffen gestützten Kriegen vergleichbar. Zugegeben sind Menschen, so wie praktisch alle anderen organischen Lebensformen dieser Welt, in gewisser Hinsicht auch aggressiv. Man kann also durchaus konstatieren, dass ein gewisses Aggressionspotenzial natürlich und dem Menschen „immanent“ ist. Dass Menschen sich leider immer wieder aus Gründen verletzter Gefühle, Habgier, Stolz oder was auch immer, gegenseitig umbringen ist leider so und wohl kaum zu ändern. Man könnte sagen, dass es unvermeidbar ist, dass sich einzelne Menschen, oder auch kleinere Gruppen von Menschen umbringen. Aber Krieg als systematisches Abschlachten ganzer Zivilisationen ist nicht natürlich. Kriege werden von gewissenlosen, habgierigen eiskalten Kriegsgewinnlern einzig und allein aus Gründen der Habgier geschührt. Kein noch so wilder tribaler Stammedkrieger würde Napalm oder. Atombomben oder tödliches Nervengas oder tödliche gentechnisch veränderte pathogene Mikroorganismen auf unschuldige Zivilisten werfen.

      1. „Die Fehden tribaler Kulturen sind in kleinster Weise mit modernen, auf Massenvernichtungswaffen gestützten Kriegen vergleichbar.“
        Stimmt, heute sterben prozentual viel weniger Menschen als in Stammeskriegen wo in manchen Stämmen, laut Untersuchungen rund 1/3 aller Männer sterben. Übrigens führen auch Schimpansen sehr brutal Krieg. Die brutalsten und opferreichsten Kriegen sind übrigens immer dann zu finden, wenn es um Vernichtungskriege geht – dazu reichen Macheten aus, wie man in Ruanda gesehen hat wo innerhalb weniger Tage rund 1 Mio. Menschen getötet wurden – ohne Bomben, Granaten und Marschflugkörper.

        „Dass Menschen sich leider immer wieder aus Gründen verletzter Gefühle, Habgier, Stolz oder was auch immer, gegenseitig umbringen ist leider so und wohl kaum zu ändern.“
        Tatsächlich sind das die geringsten Gründe. Oft sind es wirtschaftliche Gründe warum Kriege geführt werden, oft auch geopolitische Gründe. Emotionen sind da eher was für das dumme Volk. Die Leute denken ja auch, dass die teuflische Gemeinheit von Putin oder der Narzissmus von Trump Gründe für die aktuellen Kriege sind – aber das ist nur das Gesicht, das wir sehen sollen.

        „Kein noch so wilder tribaler Stammeskrieger würde Napalm oder. Atombomben oder tödliches Nervengas oder tödliche gentechnisch veränderte pathogene Mikroorganismen auf unschuldige Zivilisten werfen.“
        Nö, weil er nicht die Möglichkeiten hat, ansonsten kann man das an dem Feldzug von Dschingis Khan sehen, der hat prozentual mehr Menschen umgebracht als jeder andere vor und nach ihm – selbst der deutsche Bartmann war nicht so effektiv. Und das hat er mit Bögen und Schwertern gemacht. Ganze Völker wurden ausradiert – ohne Giftgas, Biowaffen oder Atomwaffen.

        Ich glaube es würde allen Pazifisten mal guttun den Krieg in der Geschichte zu studieren. Man kann nur schwer mit jemandem diskutieren, der überhaupt keine Ahnung von dem Thema hat. Wer sich mit Geschichte des Krieg, den dazugehörigen Waffensystemen und den Motivationen beschäftigt kann viel besser gegen diesen argumentieren als jemand der das aus moralischer Sicht tut, vor allem ist dieser auch nicht so einfach zu korrumpieren – im Gegensatz zu Pazifisten die gerne auch mal eine 180° Drehung (oder 360° Drehung???) hinlegen.

        1. Ach Du lieber Himmel: das ist ja wirklich völlig substanzlos! ‚Die‘ Geschichte gibt es nicht als Katalog von transparenten und musterhaften Entwicklungen des immer Gleichen. Überleg lieber mal, warum in der westlichen Geschichtsschreibung, und über die schreibst Du zweifellos, der Krieg als das dominante Thema ausgewiesen wird. Als ob Geschichtsschreibung neutral und faktenorientiert betrieben würde?!

    3. Widerspruch: jeder Mensch hat die Fähigkeit zu lernen, dass friedlicher Konfliktaustrag eine Möglichkeit ist, Meinungsverschiedenheiten zu bewältigen. Diese Annahme ist genauso ‚wahr‘, wie die Behauptung, dass der Mensch seine aggressiven Neigungen nicht kontrollieren kann. Entscheidend wird der soziale Kontext, in dem die Prägung stattfindet: je mehr sich dort Überzeugungen über die Notwendigkeit von Frieden und Gewalthemmung durchsetzen und sinnstiftend werden, desto mehr ergibt sich die Möglichkeit, Gewalt zu ächten. Es ist alles kontingent, was zur Einsicht führt, dass in den westlichen Staaten traditionell diejenigen die Meinungsführerschaft hatten, die aus Angst, Intoleranz und/oder Psychopathologie eine Stimmung der Gewaltbejahung kultivieren konnten.

      1. Natürlich kann und sollte jeder Mensch auch friedliche Konfliktbeilegung leben. Das ist aber keine Besonderheit. Jeder verantwortungsvolle Mensch macht das – wenn es aber nicht klappt, dann kann er auch anders. Manche Leute glauben, dass man entweder immer Krieg führt oder immer friedlich ist. Normalerweise ist es aber eine Mischung – Mal gibt es die friedliche Koexistenz und manchmal gibt es halt Krieg, je nachdem. Und ich habe auch schon geschrien, dass es eben nichts mit Emotionen zu tun hat, es ist eine Kosten-Nutzen Rechnung.
        Mit Prägung hat es eher wenig zu tun, es ist eher eine Frage der Optionen. China führt ungerne Krieg, weil es die Wirtschaft stört und die haben klugerweise berechnet, dass für sie Kriege fast immer teurer werden als der Preis des Friedens. Das heißt aber nicht, dass sie Pazifisten sind. Vielmehr sind sie schlaue Pragmatiker die als Ziel haben Reich und erfolgreich zu werden. Das ist sie beste Möglichkeit für ein friedliches Zusammenleben, keine moralische Scheiße die eh nur bis zum nächsten Aufreger in der Zeitung anhält.

  4. „Das vorletzte Berufsverbot für Frauen fällt“. Der Zwangsdienst für Männer bleibt.
    „Wo sind die Feministinnen?“ Die sind damit beschäftigt, erfundene „Benachteiligungen“ von Frauen zu bekämpfen.

  5. Vernünftig ist ein Mittelweg. Viele Erfolge oder Ziele der Frauenrechtsbewegung sind zu begrüßen. Aber die Rollen von Frau und Mann sollten nicht in jeder Hinsicht gleich sein. Im Übrigen sind Abtreibungen abzulehnen.
    Bitte klicke auf „Lebensreformer“.

    1. So so, „sollten“ sie das nicht. Es kann ja schon sein, dass Frauen und Männer in einer Gesellschaft, die ihnen die freie Wahl lässt, in der Regel unterschiedliche Rollen spielen wollen, aber warum genau braucht es normativen Druck, wenn es nicht auf Beherrschung und Unterdrückung hinauslaufen soll? Und was genau speist deinen Wahn, von oben herab die Frage nach Abtreibungen beantworten zu können?

      Im Übrigen sind die von dir praktizierten plumpen Versuche, mit dem Link hinter dem Namen Klicks zu erbetteln, abzulehnen.

  6. Hat jetzt bald jeder seinen Senf zum Thema Krieg auf Overton veröffentlicht? Nicht, dass das Thema etwa grundsätzlich oder in Anbetracht der aktuellen Lage unwichtig wäre.. aber hier ist es eindeutig und schon fast obsessiv überrepräsentiert.

  7. Berührt ……

    Erst gestern irgendwo Black Rock Chef bei irgendeiner politischen Veranstaltung sehen können in Europa, und wo dieser auftaucht, ist Krieg nicht mehr weit …
    Ich war auch naiv, ging von 100 Milliarden aus die BlackRock in der Ukraine versenkt hat, gestern musste ich lesen “ über 300 Milliarden „..
    Ach ja, beim Feindsender haben ich das lesen müssen o(
    Man hat schon für viel weniger Krieg angezettelt ..

  8. Ich glaube, dass die allermeisten Menschen Pazifismus missverstehen.

    Natürlich hat Krieg eine Macht-Komponente, aber auf die will ich nicht eingehen, weil mein Beitrag sonst uferlos wird.

    Mir geht es darum, warum viele Menschen Krieg und Gewalt als Mittel der Politik akzeptieren und sogar unterstützen, obwohl sie selbst dabei gar nichts gewinnen, aber alles verlieren können.

    Ich persönlich halte die Bereitschaft zur Gewalt für die Unfähigkeit, gewaltfrei Konflikte auszutragen und zu lösen.

    These: Putin war zu höflich.

    Was meine ich damit?

    Ich glaube, Höflichkeit angesichts von immer stärkeren Zumutungen führt irgendwann zwangsläufig zu Gewalt.

    Warum hat Putin nicht die russischen Ressourcen eingesetzt, um EU-Länder und NATO zu zwingen, Russland nicht weiter auf den Pelz zu rücken? Die Russen verkaufen heute noch Gas an EU-Länder, die es haben wollen, trotz der massiven Feindseligkeit der EU gegenüber Russland.

    Warum?

    Weil Putin kein Pazifist, sondern ein (k)alter Krieger ist und daran glaubt, Konflikte notfalls militärisch lösen zu können, was er dann ab Februar 2022 in die Tat umsetzte. Mit äußerst mäßigem Erfolg übrigens.

    Jeder Krieg wird durch Gespräche beendet. Warum überspringen wir die Scheiße nicht einfach künftig und reden und streiten gleich, bevor wir alles in Schutt und Asche legen?

    Das riesengroße Missverständnis in Sachen Pazifismus ist die Annahme, Pazifisten würden einfach nur hinnehmen, sich nicht wehren, weil sie Schwächlinge sind. Nein, sind sie nicht! Pazifisten sind Menschen, die Konflikte nicht so hochkochen lassen, dass ihnen die Emotion den Verstand vernebelt!

    Wieso werden Pazifisten immer als liebens- oder verachtenswerte Träumer dargestellt (je nach politischer Lage), obwohl doch Bellizisten die unrealistischen irrationalen Träumer sind, die glauben, sie könnten eine Lage verbessern, wenn sie Millionen von Menschen in den Tod treiben?

    Es wird immer behauptet, der Pazifismus hätte versagt, weil das „Appeasement“ des Münchner Abkommens 1938 nicht dazu geführt hätte, Hitler von seinen Welteroberungsplänen abzuhalten.

    Das ist ein absolut schwachsinniges Argument.

    1938 war zu spät, viel zu spät.

    Das Jahr, das entscheidend für Krieg oder Frieden in den 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts war, war das Jahr 1919, in dem der Versailler Vertrag den Deutschen ahistorisch die alleinige Kriegsschuld für den 1. Weltkrieg übertrug und das Land existentiell zu ruinieren gedachte. Hitler war eine logische Folge dieses Wahnsinns. Man drängt Leute nicht ungestraft in die Ecke, das hat noch nie funktioniert!

    Ich bin Pazifistin und ich bin weder Weich-Ei noch streitunlustig. Im Gegenteil. Ich bin häufig und gerne in Konflikte verwickelt und zwar deshalb, WEIL ich Pazifistin bin. Wenn ich auf mein bisheriges Leben zurückblicke, dann war die Kacke immer dann am Dampfen, wenn ich NICHT rechtzeitig aufgemuckt habe, wenn ich zuviel ertragen habe und irgendwann dann ausflippte und zumindest verbal gewalttätig wurde.

    Ich glaube, der Schlüssel zum Pazifismus wäre es, streiten zu lernen, Konflikte offen auszutragen, wirkliche Toleranz zu erlernen (die immer eine gegenseitige sein muss). Vielleicht sollte man ein Schulfach „Konflikte“ einführen.

    Ohne Streit geht es nicht. Man bekommt die Interessen von sovielen Menschen nicht ohne Streit unter einen Hut. Aber – davon bin ich überzeugt – es geht ohne Gewalt!

    Wir dürfen nur nicht mehr die LÜGE zulassen, Pazifismus wäre die Lehre vom Schwachsein. Das ist Pazifismus nämlich gerade nicht. Hätte der Schwächling Putin viel früher seine Karten auf den Tisch gelegt und gesagt: Passt mal auf, Freunde: Wenn Ihr Euch in Richtung Russland ausbreitet, dann ist Schluss mit lustig, dann gibt es keine russischen Ressourcen mehr, dann hätte sich das Ganze niemals so hochgeschaukelt, da möchte ich wetten.

    Meines Erachtens ist Höflichkeit ein Gift, das in Maßen genossen werden sollte. Ich bin auch lieber höflich als konfrontativ, aber genau das muss Pazifismus sein: Die Überwindung, konfrontativ zu sein, bevor das Ganze so aus dem Ruder läuft, dass sich Hass entwickelt und damit dann Zerstörungswut bis hin zum Vernichtungswillen.

    1. War Putin zu höflich? Er hätte dann ja den Krieg anfangen müssen, den er vermeiden wollte. Erst als der ukrainische Angriff auf den Donbass kam, hat er reagiert. Er war diplomatisch bis zum letzten Moment.

    2. Putin hat doch schon auf der Sicherheitskonferenz 2007 sehr höflich versucht das weitere Vordringen des Westen zu stoppen. Die politischen Führer des Westens haben auf diese Rede entsetzt und schroff reagiert und haben mit den Maidan-Putsch 2014 – der sehr brutal und gewaltsam war, westliche Sniper erschossen Zivilisten – das wahre imperiale Gesicht des Westens gezeigt. Putin hat darauf relativ gelassen reagiert und mit den grünen Männchen die Krim wieder mit Rusland vereint. Darauf reagierte der Westen mit Sanktionen. Es gab das Minsker Abkommen, das von vorne herein Russland hereinlegen sollte. Auch bevor der Krieg begann legte Putin einen Vertragsentwurf vor, der den Konflikt friedlich gelöst hätte. Der Westen fühlte sich stark und provozierte den Krieg um ihn in einen Krieg zur Schwächung Russlands zu verhandeln. Das ging schief.
      Kurz nach Kriegsbeginn gab es einen Vertragsentwurf zur friedlichen Lösung des Konfliks, der von den Briten sabotiert wurde.

      @ Bettina-di-Monaco
      Warum sind Ihnen diese historischen Fakten nicht bekannt?
      Sie malen sich die Welt wie es Ihnen gefällt und fallen damit auf die pazifische Schnauze!

      Mir ist das konservative Russland relativ egal, aber Fakten bleiben Fakten.
      Faktenleugnung ist typisch westlich-imperial!

      Und nein, das russische Volk ist durch den deutschen Überfall auf sein Land noch sehr geprägt und will keinen Krieg. In Ostdeutschland /DDR, ehemals sowjetisch besetzt, hat man das begriffen. Aber die von den Amis umerzogenen Westdeutschen haben noch den alten, antikommunistischen Russenhass in ihren politischen Genen, obwohl der Kommunismus in Russland längst tot ist. Jetzt stellt man die Russen – typisch westdeutsch – als nichtarische Untermenschen dar. Was also hat der Pazifismus erreicht außer ein paar wohlhabenden Bundesdeutschen nette Gefühle zu bringen?

      1. Wie missgünstig muss man eigentlich sein, um meine Ausführungen derart misszuverstehen? Sie sind ja völlig in ihrer DDR-BRD-Dichotomie gefangen. Völlig irrational.

        Lüften Sie mal und atmen tief durch und dann lesen Sie meine Ausführungen nochmal. Vielleicht verstehen Sie sie dann.

  9. „Geht doch nach drüben!“ (oft gehört…)
    das Zweite war der Unmut über die
    „Berlinzulage“ für die „Zugewanderten“ Arbeitnehmer, selbstverständlich hat jeder Arbeitnehmer die „Berlinzulage“ bekommen.
    Auch schön die Episode 1955 im Saarland, auch ich habe als Kind die Saarabstimmung mitgekriegt, die Bildchen mit
    dem Konterfei Johannes Hoffmanns wurden auf den Strassen emsig verteilt, der Spruch
    “ der Dicke muss weg“….kam aus den DPS (Schneider) und CDU-Reihen.
    Meine Eltern waren Anhänger von Johannes Hoffmann und seiner Idee der „Europäisierung“ des Saarlandes und dementsprechend
    enttäuscht aber gegen die aggressive
    Adenauer/Schneider Propaganda kam niemand an.
    Schöner Artikel übrigens …!

  10. Schade, einer Frau, die so viel Wert auf die Würdigung des Feminismus legt, hätt es nicht so fern liegen müssen, den Spruch:

    Krieg ist Entmenschlichung

    durch
    „Krieg ist Entweiblichung“
    zu ersetzen.

    Kleines, aphoristisches Schmankerl am Rande, für das ich keine Gewähr geben kann:
    Die Wölfe in der Sperrzone von Tschernobyl und ihrem Umkreis führen ein Prachtleben, aber das führt nicht zu „Territoialkriegen“. Es scheint ein wenig so, als reagierten sie mit Verkleinerung der Rudel, und das wäre im Effekt … Geburtenkontrolle.

    1. „Krieg ist Entweiblichung“

      Immer diese feministischen Mythen. Dummerweise gab es auch weibliche Herrscherinnen:
      https://www.geo.de/wissen/studie-waere-eine-von-frauen-beherrschte-welt-friedlicher-30173928.html

      Zitat:

      „Zwei Politikwissenschaftler aus Chicago und Montreal analysierten 193 europäische Regierungen aus den Jahren 1480 bis 1913, davon wurden 34 von Frauen geführt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Königinnen in Kriege zwischen Staaten verwickelt waren, war 27-fach höher als bei Königen. Besonders hoch war der Anteil bei verheirateten Monarchinnen.“

      Finde ich auch nicht überraschend, Testosteron macht gerechter, Frauen beziehen Konflikte viel mehr auf sich, nehmen sie persönlicher und grenzen viel stärker und unfairer aus, wenn sie einen vermeintlichen Feind erkannt haben (das sieht man am aktuellen Gesellschaftsklima, welches vor allem medial zunehmend von Frauen und ihren Gruppenzwängen und subjektiven Wahrheiten geprägt wird).

    2. Es kann doch niemanden entgangen sein, dass Frauen in Sachen Vermehrung, generell Männer mit dem größeren Gewaltpotential bevorzugen. Dies bezieht sich sowohl auf die körperlichen Merkmale, der für das Brutgeschäft auserkorenen, wie auch auf das Potential zur Machtausübung in allen möglichen gesellschaftlichen Bezügen.
      Ich behaupte, ein Großteil des Unfriedens auf der Welt (und wenn es denn so ist, die finale Zerstörung der Zivilisation) hat ihre Ursache in Brunftverhalten der Hirschkuh.

      1. Trilex

        Es kann doch niemanden entgangen sein, dass Frauen in Sachen Vermehrung, generell Männer mit dem größeren Gewaltpotential bevorzugen.

        Das Phänomen konnte man gut beim Frauenschwarm eines Leonardo DiCaprio beobachten.

      2. Max Frisch drückte dies viel treffender wie folgt aus:

        ein Arrivierter könnte aussehen wie ein Walroß, die
        Frauen geben sich nicht nur mit ihm ab, sondern
        entfalten unverlangt ihren Charme fast ohne Reserve.
        Erst auf der Straße, anonym im Gedränge, empfinde
        ich mich wieder als Walroß ganz und gar.

        In meiner Jugendzeit fielen junge Mädchen reihenweise bei Beatles-Konzerten in Ohnmacht. Und sie riefen Dinge wie: „Paul, ich will ein Kind von dir.“ Paul war aber kein Mann mit großem Gewaltpotenzial.
        Ähnliches ist im Udo Jürgens-Film (Der Mann mit dem Fagott) zu sehen. Auch dem warfen sich die Frauen zu Füßen, auch bei ihm nicht aufgrund eines vermeintlichen Gewaltpotenzials.

        Aktuell besteht das durch den Gleichheitsfeminismus verursachte Problem, dass die Menschen tendenziell umso weniger Kinder haben, je intelligenter, gebildeter und zivilisierter sie sind. Das kann nicht gut enden.

        1. Die „Arrivierten“ – auch die Warlords? Auch ein General-Butt-Naked – damals, wie heute – der glaubhaft versichert, niemals eines seiner eigenen Kinder verspeist zu haben?
          Aber ich gebe dir Recht, was einige westliche Subkultur und den Zeitraum von 1960 bis allerspätestens 1969 betraf. Da stand wirklich für kurze Zeit ein Fenster offen, das den Blick in eine andere Welt frei gab. Alle waren umschlungen, zumindest alle, die sich dem hingeben wollten.
          Wahrscheinlich – die Empfindung, am Beginn des Zeitalters ewigen Friedens zu stehen, hatte für andere Modalitäten bei der Partnerwahl gesorgt. Der „Beschützer“ war nicht mehr gefragt. Seine Allüren (und sogar sein Gefährt, den panzergleichen SUV) hätte man als absurd empfunden.
          Auch ein Teil des Feminismus besinnt sich nun auf diese Zeit zurück …um im Nachgang Freiheit als Missbrauch umzudeuten.

  11. Ein lesenswerter Beitrag.

    Zitat: „Ich fühlte mich dem Differenzfeminismus zugehörig, einer Denkrichtung, die inzwischen wohl nur noch in theologischen Nischen überlebt. Differenzfeministinnen betonen Unterschiede zwischen den Geschlechtern – und setzen sich für eine Gesellschaft ein, die sich nicht an männlichen Normen orientiert.“

    Ach hätte sich dieser doch durchgesetzt, dann hätte die Menschheit sich günstiger entwickelt. Wir verdanken unsere großen Gehirne der sexuellen Arbeitsteilung. Die ersatzlose Abschaffung der sexuellen Arbeitsteilung durch den Gleichheitsfeminismus war die größte soziale Veränderung in der Geschichte der Menschheit (die sexuelle Arbeitsteilung gehörte zuvor gewissermaßen zur biologischen Art „Mensch“). Und sie hat das wohl größte Problem der Menschheit aller Zeiten verursacht: die weltweit immer weiter absinkenden Geburtenraten in allen Ländern, in denen die beiden Geschlechter gleichberechtigt sind.

    Denn man kann eine bestehende und funktionierende Arbeitsteilung (wie die sexuelle Arbeitsteilung) nicht einfach kündigen, wie es der Feminismus getan hat. In der Regel muss sie dann durch eine neue Arbeitsteilung ersetzt werden, die ähnlich leistungsfähig ist (und die die Opportunitätskostenproblematik ähnlich gut beheben kann). In der Männerwelt geschah dies praktisch immer durch Professionalisierung (Polizist, Lehrer, Berufs/Zeitsoldat, …). Das bedeutendste theoretische Ergebnis der Ökonomie, Ricardo’s Theorem, erklärt, warum das so ist.

    Kurz gesagt: Unter der Gleichberechtigung muss ein qualifizierter (!) und gut bezahlter Beruf für Familienarbeit mit eigenen Kindern („Familienmanagerin“) eingeführt werden. Frauen müssen unter der Gleichberechtigung das Folgende sagen können, sonst sind sie nicht vollständig gleichberechtigt und werden es nie sein:

    „Ich habe gehört, dass es unserer Gesellschaft an wohlerzogenem und gut gebildetem Nachwuchs mangelt, um die Leistungsfähigkeit und den Zusammenhalt der Gesellschaft auch in der nächsten Generation gewährleisten zu können und die Renten der jetzigen Generation zu sichern. Ich bin gerne bereit, dazu einen wesentlichen Beitrag zu leisten und mehrere eigene Kinder liebevoll und gewissenhaft aufzuziehen. Ich bin auch bereit, dafür eine einschlägige (akademische) Ausbildung zu absolvieren, mich für den Job zu bewerben und mich anschließend ganz dieser Aufgabe zu widmen. Dann möchte ich für diese sozial bedeutsame Aufgabe aber auch angemessen gut bezahlt werden, und zwar nicht von meinem Ehemann, sondern von der Gesellschaft.“

    Meine Erfahrung ist leider, dass sich Frauen mit solchen Themen ganz besonders schwer tun. Männer verstehen oftmals recht schnell, dass bei Abschaffung der männlichen Wehrpflicht vermehrt Berufs- und Zeitsoldatenstellen geschaffen werden müssen (die USA haben seit vielen Jahren ein reines Berufsheer). Und dass dies für die Familienarbeit in ähnlicher Weise gilt. Doch speziell der Gleichheitsfeminismus lehnt dies entschieden ab. Dabei kann Evolution nur bei Unterschieden („Differenzen“) gelingen. Die Evolution hätte nicht die beiden unterschiedlichen Geschlechter hervorgebracht, wenn es genauso gut auch mit einem einzigen Geschlecht gegangen wäre.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert