
Zehn Schritte, wie auch Sie zu einem anständigen Menschen für das beste Deutschland aller Zeiten werden können.
In Deutschland wüten zwei Lager: das der Anständigen – und jenes, das von ebenjenen für unanständig erklärt wurde. Läge einem an Genauigkeit, so müsste man hinzufügen, dass selbstverständlich auch die Anständigen sich lediglich selbst für anständig erklärt haben. Sie fassen aber ihren Rang, der sie als ehrenhaft und unbescholten ausweisen soll, als allseits beglaubigte Tatsache auf, sodass ebenjene Genauigkeit vielleicht doch gar nicht notwendig ist.
Anstand: Das bedeutet im Deutschland des Jahres 2026 etwas gänzlich anderes als – sagen wir mal – 1992 oder 1972. Es bedeutet auch etwas anderes als das, was im Duden der Ausgabe von 2026 zu lesen ist. Dort liest man etwas von »guter Sitte, schicklichem Benehmen«. Ursprünglich stammt das Wort vom Mittelhochdeutschen anestant oder anestān und meinte in etwa »stehenbleiben«, »zögern« oder »einen Aufschub begehen«. Anders gesagt: zurückstehen, abwarten – besonnen sein, könnte man auch sagen. Also quasi innehalten und nachdenken, statt kopflos voranzupreschen und dabei rücksichtslos zu agieren. Eine Qualität, die die zeitgenössischen Anständigen so gar nicht an den Tag zu legen scheinen.
Ihr Anstandsbegriff wartet nicht ab, besinnt sich nicht – steht also nicht zurück, um nicht rüpelhaft zu wirken, um Rücksichten abzuwägen. Das verlangen sie nur von den Unanständigen, von denen, die sie dazu erklärt haben. Die sollen sich in Zurückhaltung üben, nicht übergriffig werden – innehalten. Aber die Anständigen nicht, sie preschen vor: kein Zögern, kein Zaudern, kein Rückgriff auf die etymologische Wurzel jenes Wortes namens Anstand. Der Anständige der zeitgenössischen Bundesrepublik hat keine Zeit, um innezuhalten und über die Wege zu sinnieren, die er anständigerweise beschreiten sollte. Der Begriff wurde also gewissermaßen in sein Gegenteil verkehrt: Der neue Anstand ist das Rüpelhafte, das Plumpe und Pampige. Und ja, auch das Despotische.
Das will gelernt sein – und zwar gründlich. Als Service an unsere Leser daher zehn Punkte, wie auch Sie es schaffen, zu einem Anständigen dieser schönen neuen Zeit zu werden.
Erstens: Akzeptiere jedes Wahlergebnis – außer das falsche
Das Wahlrecht ist ein hohes Gut – und Sie sollten es jederzeit verteidigen. Nur dann nicht, wenn Sie das Gefühl haben, dass Wahlergebnisse im Raum stehen, die Ihnen persönlich nicht behagen. Hier gebietet der Anstand, diese Wahlresultate anzuzweifeln, mindestens aber den Wählern, die nicht in Ihrem Sinne votierten, grundsätzlich die Fähigkeit abzusprechen, selbst politische Entscheidungen treffen zu können. Wenn Sie einen Twitch-Kanal haben, können Sie – wie schon häufiger geschehen – Wahlhelfer dazu auffordern, bei der Auszählung zu mauscheln. Es kommt nicht darauf an, ob diese Leute hernach tatsächlich die Ergebnisse aufhübschen – wichtig ist nur, dass Sie ein Zeichen setzen, indem Sie kundtun, dazu bereit zu sein, sich auch über die Regularien hinwegzusetzen, wenn es der Notfall erfordert. Merken Sie sich, dass Sie einer Notfallmoral verpflichtet sind.
Erste Lektion: Wo der Anstand herrscht, ist immer Notfall.
Zweitens: Achte das Parlament – solange es für Dein Gefühl richtig entscheidet
Dem Hohen Haus muss mit Respekt begegnet werden. Es sei denn, in dessen Gemäuern spielt sich etwas ab, was Sie für unanständig halten. Dann setzen Sie auf Symbolik, wie neulich die Sozialdemokraten, die einen Marsch durch Berlin veranstalteten, weil in Sachsen-Anhalt parlamentarische Prozesse stattfanden, die laut Verfassung jenes Bundeslandes stattfinden müssen: eine konstituierende erste Sitzung mit der Wahl eines Landtagspräsidenten. Eigentlich eine Formalie, und grundsätzlich begegnet man dieser mit großem Anstandsgefühl. Nur nicht, wenn Unanständige involviert sind. Dann akzeptiert man den Parlamentarismus und seinen Ganz nicht mehr. Wahlweise kann man auch herumschreien, wie es eine Bundestagsabgeordnete der Linkspartei zuweilen mit großer Inbrunst tut, immer dann, wenn sie glaubt, dass ein unanständiger Politiker am Rednerpult steht.
Zweite Lektion: Ist das Parlament unanständig, wird die Straße zum einzig wahrhaften Parlament.
Drittens: Verteidige die Demokratie – notfalls wie ein Despot
Das führt uns direkt zum nächsten Punkt. Denn der Anstand verteidigt die Demokratie – wenn es sein muss, mit den Mitteln einer Tyrannei. So rief etwa die ehemalige Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, dazu auf, dass diejenigen, die in Sachsen-Anhalt eingreifen könnten, dies nun tun sollten. Diese kryptische Botschaft, die sie bei X postete, spielt mit allen Szenarien, die einem Anständigen durch den Kopf jagen. Wer kann eingreifen, wenn ein Landtag seiner Geschäftsordnung folgt? Gibt es keine Einsatztruppe, die hier tätig werden könnte?
Dritte Lektion: Despotie ist unanständig – außer die Anständigen üben sie aus.
Viertens: Sei tolerant – aber nicht zu sehr
Alle Menschen sind gleich – und wenn ein Mann behauptet, er sei im Grunde seines Herzens eine Frau, dann hat man das zu respektieren und zu tolerieren. Erklärt jedoch ein Mensch, er hege Sympathien für Kirche und »weniger Staat«, für eine striktere Zuwanderungspolitik und eine klassische Biologie, für traditionelle Rollenbilder und Familienidyll, dann muss die Toleranz für einen Augenblick außer Kraft gesetzt werden, um all diesen Weltanschauungen und Wahrnehmungen eines klarzumachen: So nicht, Freundchen! Zu viel Toleranz ist ja bekanntlich repressiv.
Vierte Lektion: Toleranz bedeutet, das Richtige zu tolerieren.
Fünftens: Rede mit allen – außer mit denen, mit denen man nicht redet
Demokratie ist Diskussionsbereitschaft. Sie sollten das immer wieder betonen und im gemeinsamen Gespräch wiederholen. Bedienen Sie sich dabei der feststehenden Floskeln, die man zu diesem Zwecke gesellschaftlich vereinbart hat – damit sind Sie auf der sicheren Seite. Mit Unanständigen spricht man allerdings nicht, deren Positionen müssen öffentlich nicht verhandelt werden – versuchen Sie alles, um ihnen kein Forum zu bieten. Laden Sie solche Leute aus. Wenn Sie sehen, dass jemand in Ihre Stadt kommt, den Sie für unanständig halten, dann plakatieren Sie Boykott-Flyer. So erging es neulich Konstantin Schreiber, der zu einer Veranstaltung eingeladen war und dessen Auftritt man verhindern wollte, weil er als zu islamkritisch galt.
Fünfte Lektion: Reden ist Silber, zum Schweigen bringen Gold.
Sechstens: Bekämpfe Ausgrenzung – durch Ausgrenzung
Man kann es nicht oft genug betonen: Alle Menschen sind gleich. Ganz egal, woher sie kommen, wie sie fühlen, mit wem sie schlafen. Jeder hat einen Anspruch darauf, ernst genommen und nicht verlacht zu werden. Aber jede feste Regel braucht Ausnahmen: Fremdelt einer mit den neuen Sprachregelungen und hat überhaupt ein gespanntes Verhältnis zum Zeitgeist, dann kann er einfach nicht erwarten, nicht ausgegrenzt zu werden. Natürlich müssen Sie ihn ausgrenzen, unbedingt sogar – denn alte weiße Männer sollten begreifen, dass sie alt, weiß und männlich sind. Diese drei Eigenschaften werfen Sie einem nur dann nicht vor, wenn er so spricht, wie Sie persönlich es für anständig halten. Und wenn jemand, wie eine berüchtigte FDP-Frau, die Ausweisung aller Russen fordert, halten Sie sich zurück. Alle Menschen sind gleich – Russen aber nicht. Vermeiden Sie, dass man Sie fragen kann, ob Sie Russen denn nicht für Menschen halten. Das sind Fangfragen, die nur Zweifel säen wollen.
Sechste Lektion: Gegen Ausgrenzung hilft am besten die richtige Ausgrenzung.
Siebtens: Lehne Gewalt ab – aber hau beherzt zu
Demokraten schlagen nicht zu, sie nutzen Argumente, um Richtungsstreitigkeiten auszutragen. Das gebietet der Anstand. Werden jedoch Kommunalpolitiker unanständiger Parteien bedrängt oder gar geschlagen, dann muss man sich bewusst machen, dass der Notstand natürlich Ausnahmeregelungen vorsieht, die die Tolerierung solcher Vorfälle ermöglichen. Erschießt man gar einen Unanständigen – selbst im fernen Amerika –, dann ruft man nicht laut Hurra, erklärt aber reflexhaft, dass so etwas eben von so etwas komme.
Siebte Lektion: Gewalt ist falsch – es sei denn, sie trifft aus guten Gründen die Richtigen.
Achtens: Stelle niemanden an den Pranger – außer die, die es verdienen
Menschen respektvoll zu begegnen – auch das kann man nicht oft genug sagen –, gehört zu den Leistungen eines gelebten Anstandes. Man führt niemanden vor. Aber Sie ahnen schon – Sie scheinen langsam zu begreifen, wie es geht –, dass es eine weitere Anstandsleistung darstellt, wenn man die Qualitäten eines Prangers nicht völlig aus dem Blick verliert. So erlebt John Lucas Dittrich, ein junger BSW-Politiker, dieser Tage, was es bedeutet, an den Pranger gestellt zu werden. Das Zentrum für politische Schönheit rief dazu auf, kompromittierendes Material über den jungen Mann zu sammeln. Sein Vergehen: Er hat die politischen Realitäten im Lande anerkannt und glaubt, man müsse ihnen nun auch parlamentarisch beikommen.
Achte Lektion: Der Pranger ist verwerflich – solange der Falsche daran steht.
Neuntens: Sei offen für andere Meinungen – solange sie deinen entsprechen
Meinungsfreiheit ist ein weiteres hohes Gut unserer Gesellschaft. Niemandem darf eine Meinung aufgedrängt werden, jeder darf sich ein eigenes Bild machen. Beachten Sie allerdings, dass die Meinung anständig sein muss. Haben Sie das Gefühl, dass da jemand eine unanständige Meinung vertritt, sprechen Sie ihm direkt ab, dass diese von der Meinungsfreiheit gedeckt sei. Betonen Sie dabei aber immer wieder, dass die Meinungsfreiheit natürlich trotzdem gilt. Nur so vermitteln Sie Ihrem Gegenüber, dass er seine Meinung frei wählen darf, sofern er diejenige wählt, die auch Ihrem Weltbild entspricht.
Neunte Lektion: Meinungsfreiheit gilt – besonders für die richtige Meinung.
Zehntens: Anständig ist nicht, was du tust – sondern wer du bist
Lassen Sie uns zum Abschluss – als zehnten Punkt – eine Identitätsdefinition des Anstandes formulieren. Verwechseln Sie nicht den Anstand, den Sie vor vielen Jahren als Kind vermittelt bekamen, mit dem Anstand zeitgenössischer Prägung. Damals war von Bedeutung, wie sich jemand verhält. Begegnet er Mitmenschen mit Anstand, indem er höflich und zuvorkommend ist und gewisse soziale Spielregeln einhält? Falls ja: Darum geht es heute nicht mehr. Anstand ist keine Tätigkeit mehr, keine Handlungsoption, sondern eine Haltungsfrage. Es ist ein Label, keine Empfehlung für den Umgang mit anderen. Sie benötigen keinen Knigge, der Ihnen erklärt, wie man wo auftritt. Es reicht vollkommen aus, wenn Sie erklären, dass Sie sich als anständig betrachten.
Zehnte Lektion: Anständig ist, wer sich selbst zum Anständigen erklärt.
Nach den zehn Lektionen
Damit wären Sie vorbereitet. Zehn Lektionen, und schon gehören auch Sie zu den Anständigen. Nur eines sollten Sie dabei tunlichst vermeiden: innehalten. Denn wer innehält, könnte nachdenken, wer nachdenkt, könnte zweifeln – und wer zweifelt, könnte am Ende sogar Rücksicht auf jene nehmen, die er gerade für unanständig erklärt hat. Und das wäre der schändliche Anstand im alten Sinne des Wortes. Kommen Sie also bitte nicht auf die unanständige Idee, zu einem Anständigen alter Schule zu werden.
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•Nur eines sollten Sie dabei tunlichst vermeiden: innehalten. Denn wer innehält, könnte nachdenken,…
Dies bedarf keines separaten Warnhinweises, da eine derartige Gefahr nur noch marginal besteht sowie bei weiterhin perfektioniertem, allseits fortschrittlich unterstützendem Rückschritt (alternativ: gestern standen wir noch am Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter) irgendwann inexistent sein dürfte!
innehalten? bei der Kriegstüchtigkeit wird ein bedingungsloser gehorsam verlangt… wo kommen wir den hin wenn über die Nachrüstung oder an der Front nachgedacht wird (Ironie Ende)
Erinnert mich grinsenderweise an die Regeln, damals in der DDR, die heute aus der ReGIERung kommen und die der Mainstream staatstreu versucht, in die Köpfe zu hämmern:
* Wir sind immer vorn. Und wenn wir hinten sind, ist hinten vorn.
* Wir wissen nicht, was wir tun, aber das mit ganzer Kraft.
* Wir sind die schnellsten der Welt. Wo andere rutschen, da liegen wir schon.
* Die Partei hat immer recht.
* Früher standen wir kurz vor dem Abgrund. Heute sind wir einen gewaltigen Schritt weiter.
Moment, halt, stopp. Die letzte dieser Regeln ist noch nicht bei allen „da oben“ angekommen…
Hmm, Herr L´s Lieblingspartei – die AfD- , ist nachweislich gegen Meinungsfreiheit, fordert ständig Anstand und behauptet die einzig anständge Partei zu sein, hat etliche Abgeordnete, die in Parlamenten herumschreien, ist nachweislich nicht offen für andere Meinungen, stellt ständig irgendjemand an den Pranger und und und. Alles hier geschriebene lässt sich Satz für Satz gegen die AfD anwenden. Und doch macht er es nicht ein einziges Mal
Stattdessen versucht der Author hier, seine Partei als alleiniges Opfer der geschilderten Umstände darzustellen. Also wieder nur ein weiterer Wahlwerbeartikel für die rechtsextrme AfD. Aber so ist man es ja von diesem Author gewohnt.
Haben Sie den Artikel gelesen? Habe dort weder die Worte „AFD“ noch „Opfer“ gefunden. Sind Sie einer dieser im Artikel beschriebenen (Über-) Anständigen?
andreas: Ihre Beschreibungen treffen auf Abgeordnete speziell der Grünen und der Linken
zu. Speziell beim Herumschreien in den Parlamenten nehmen die die vordersten Plätze ein.
Das Gleiche gilt für das „An den Pranger stellen“, oder wer beschimpft die AFD ständig als
Nazis und protestiert mit eingekauften Leuten auf den Starßen?
Falls Sie den Artikel gelesen haben, haben Sie diesen nicht verstanden. Zumindest enthält der Artikel des Autors nichts von dem was Sie schreiben. AFD taucht nirgends auf, es werden lediglich zwei Parteien genannt die beide nicht im Bundestag vertreten sind.
Hallo klein @andreas!
Immer noch nicht begriffen? Man denkt hier nicht mehr in Lagern. Man schießt QUER.
Und Putin ist das Bindeglied.
Putin ist auch verantwortlich, das Ihr Kaffee heute morgen nicht geschmeckt hat. Und passen Sie auf, der Putin versteckt sich unter Ihrem Bett und holt die unanständigen Kinder!
Was ist eigentlich aus zuerst einmal vor der eigenen Haustüre zu kehren geworden? Jetzt ist der Putin Schuld, daß das Trottoir dreckig und vollgemüllt ist.
„Putin ist auch verantwortlich, das Ihr Kaffee heute morgen nicht geschmeckt hat. Und passen Sie auf, der Putin versteckt sich unter Ihrem Bett und holt die unanständigen Kinder!“
Absolut!
Aber ich verrate Ihnen und der hier versammelten verqueren Gemeinde mal ein Geheimnis:
Der gute Putin ist geimpft!
https://www.dw.com/de/wladimir-putin-beim-impfen-kamerascheu/a-56965284
(Aber zugegeben: War wohl nur eine Kochsalzlösung.🤣 )
@Putin kaputt! Der gute Trump und der gute Netanyahu, die sind doch auch geimpft und das sicherlich nicht mit Kochsalzlösung. Warum sind die dann so kaputt? Was für eine verquere Droge war da in den Spritzen? 😂 🤣
Außerdem habe ich heute mehrmals nachgeschaut: unter meinem Bett versteckt sich niemand, auch kein Putin. Ich habe sogar in der Garage und im Keller nachgeschaut. Auch da war kein Russe. In der Garage war nur eine schwarzbraune Kellerassel, die sich offenkundig dort verirrt hatte. Was macht eine Kellerassel in der Garage? Die hat doch gar keinen Führerschein. 🤣 😭
Apropos „verquere Gemeinde“: Ich verrate Ihnen ein kleines Geheimnis. Ein bekannter Physiker, Nobelpreisträger und steiniger Querdenker sagte einmal: Wenn 90 von 100 Leuten mäh machen, dann heißt das nicht, dass sie recht haben, sondern nur, dass eine Schafherde ist.
(Kleiner Scherz: Wenn sie „muh“ machen würden, dann wäre es keine Schafherde, dann wäre es eine Kuhherde.)
Kennen Sie übrigens den Namen Georg Elser?
Das war ein „verquerer“ Mann. Der wollte 1939 mit einem Bombenanschlag im Münchner Bürgerbräukeller auf den bislang größten deutschen Terroristen aller Zeiten den Zweiten Weltkrieg verhindern. Die Bombe explodierte bekanntlich pünktlich auf die Minute, aber der große braune Diktator war wenige Minuten vorher abgereist, weil es an diesem Tag damals Nebel gab und er nicht fliegen konnte, sondern mit der Bahn fahren musste.
Richtig verquer wird es erst nach 1945. Da wurde Georg Elser fast vier Jahrzehnte lang in Deutschland totgeschwiegen. Kein Problem hatten die „anständigen“ Deutschen nach dem Krieg allerdings mit Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seinem misslungenen Bombenattentat im Juli 1944. Der Herr Oberst wurde nach dem Krieg sofort als Widerstandskämpfer heilig gesprochen, obwohl er einen Eid auf den oben genannten deutschen Terroristen abgelegt und jahrlang beim Krieg gegen Russland mitgemacht hatte. Das ist „verquer“!
Wissen Sie was? Noch verquerer wird es mit der DDR (Ich bin dort geboren und habe 20 Jahre dort gelebt. Soll heissen, ich weiss von was ich rede.)
Auch in der DDR wurde Georg Elser kaum gewürdigt. Warum? Lassen wir die KI sprechen:
„Das entsprach einer Geschichtspolitik, die den kommunistischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus besonders hervorhob und ihn als wesentliche Grundlage der antifaschistischen Legitimation der DDR darstellte.
Elsers eigenständig geplantes und ausgeführtes Attentat auf Hitler am 8. November 1939 ließ sich nur schwer in dieses Geschichtsbild einordnen. Zwar hatte Elser Kontakte zur kommunistischen Arbeiterbewegung, doch handelte er bei seinem Attentat unabhängig von einer Parteiorganisation. Auch der zeitliche Kontext des Hitler-Stalin-Pakts könnte dazu beigetragen haben, dass seine Tat nicht in den Vordergrund der offiziellen DDR-Erinnerung rückte.“
Nun ja, egal ob Elser oder Stauffenberg: Wenn ich Wladimir Wladimirowitsch Putin sehe, frage ich mich manchmal, wo ist eigentlich in Russland so Eener, wenn wenn man ihn mal wirklich braucht?
PS: „…und jahrlang beim Krieg gegen Russland mitgemacht hatte.“ Damals war es die Sowjetunion, d. h. nicht nur Russland, sondern auch Ukraine, Belarus, Republik Moldau. Baltische Staaten… (heutige, allgemein anerkannte Bezeichnungen) Soviel Zeit muss sein.
Richtig beschrieben, in welche Sackgasse sich die Regierenden gebracht haben. Ein ganz klein wenig Verständnis dafür habe ich ja. Hier haben 12 Jahre Nazis regiert und alles was auch nur ein klein wenig nach denen riecht, wird verurteilt. Nur eben sollte man es richtig machen.
Dass das, was wir eben in Frankreich und Belgien sehen, nichts anderes als Dschihad ist, sind sie nicht bereit, zu erkennen. Inzwischen kann der islamische Mob jedes beliebige Thema benutzen, um die Straßen in Trümmer zu legen. Und der ÖRR glaubt immer noch, es ginge um Bildung. Das wird abgestraft, zurecht. Wie natürlich auch die Milliarden an Militärhilfe für die Ukraine.
Die Debatte darüber wird verweigert, man ist dann ein Unberührbarer mit AfD-Nähe. Was die AfD in die komfortablre Lage bringt, niemals kritisiert zu werden. Dann denken die Leute, sie habe recht.
Kritik indes wäre mühelos möglich. Mit ihrer Verteidigung des Verbrenners machen sie sich nur noch lächerlich. Kohle- und Atomkraftwerke könnte man mühelos als Nonens entlarven. Dann ihre Programmatik des knallharten Manchesterkapitalismus. Und natürlich ihre Kontakte zu gewaltaffinen Strukturen, die auf den Tag X warten. Höcke selbst steht unter dringendem Verdacht, mit jenem Landolf Ladig identisch zu sein, der sehr wohl den Staatsstreich befürwortete.
Zur Zeit ist die AfD in einem Ausnahmezustand. Das drohende Verbotsverfahren lässt die üblen Elemente derzeit verstummen. Und die Partei kommt ausgesprochen gewaltfrei daher. Undenkbar solche Szenen wie die, als man Robert Habeck nicht von der Fähre ließ. Oder gar, wie Anfang 2024, den gesamten Grünen-Parteitag in Biberach unmöglich machte und sprengte. Klar, jede Gewalttat hätte die Wahlchancen reduziert. Die aber ist nicht echt. Die wahre Natur wird sich wieder die Bahn brechen.
„Kommen Sie also bitte nicht auf die unanständige Idee, zu einem Anständigen alter Schule zu werden.“
Das geht kürzer: „Der Klügere gibt nach. Solange, bis er der Dumme ist.“
Zur allerletzt darf man niemals und unter keinen Umständen die liberale Demokratie hinterfragen, da sie ja bekanntermaßen als die beste und schlechteste aller Regierungsformen gilt. Dabei spielt es keine Rolle, dass sie in Krisenzeiten geradewegs in den Faschismus führt, denn die Großbourgeoisie finanziert ja schliesslich all die bürgerlichen Parteien und sorgt so stets dafür, dass die richtigen Parteien und Leute an die Spitze kommen, die sie brauchen, um fortzubestehen.
So war es schon zu Anfang des 20. Jahrhunderts als Mussolini und später Hitler an die Macht kamen. Und heute kann man die gesamte sog. „Neue Rechte“ als ein Ziehkind der Tech-Milliardäre und all der übrigen Neureichen sehen, die den Faschismus fördern, um eine soziale Revolution von unten im Westen zu verhindern.
Wenn es um „Anstand“ 🫡 geht, dann geht es immer auch um „Sitte(n)“ und „Moral“, aber immer um die „guten“ Sitten und die Moral im positiven Sinne. Die Fragen sind auch hierbei:
1️⃣ Wer definiert und bestimmt die „guten“ Sitten und die „Moral“?
2️⃣ Sind das lediglich Totschlagargumente, damit die Bürger nicht nachdenken?
Doppelmoral ist auch eine Moral. Wer will das bestreiten? Diese „Moral“ besteht darin, gleiches Verhalten mit unterschiedlichen Maßstäben 🎭 zu bewerten abhängig davon, wer etwas tut oder macht. Doppelmoral ist keine Erfindung der „Zeitenwende“. Wenn im Wilden Westen ein weißer Siedler von einem Indianerpfeil getötet wurde, dann war das „Mord“, wenn die nordamerikanischen Ureinwohner von den weißen und zumeist „christlichen“ Siedlern reihenweise mit Gewehrkugeln erschossen wurden, dann nannte man das „Verteidigung“. Sieger dieses „moralischen“ Wettstreits war nicht die bessere Moral, sondern die bessere Technik.
In diesem Sinne ist auch ein Auftragsmörder, der sein Opfer mit einem einzigen Genickschuss ermordet, moralischer als ein Sadist, der sein Opfer vorher stunden-, tage- oder wochenlang quält bevor er es umbringt. Die Frage, wie der Mord umgesetzt wurde, kann relevant sein für das Strafmaß, es ändert allerdings nichts am Ergebnis: Mord bleibt Mord und tot ist tot: 🪦
Das gilt auch für die „guten“ Sitten: In einem 3-Sterne-Michelin-Restaurant 🍽️ schmatzt und rülpst man bekanntlich nicht. Es gibt aber auch Kulturkreise, da ist das ein Zeichen dafür, dass das Essen geschmeckt hat und der Gast satt geworden ist.
Diese „guten“ Sitten beruhen auf Gruppenzwang bzw. sozialer Konformität und zielen auf gesellschaftlichem Druck: „So was tut man nicht.“ Wer es dennoch tut, gehört nicht zur „Gruppe“ und wird ausgegrenzt. Ketzer, sogenannte „Putinversteher“, Freigeister, „Querdenker“ usw. werden zwar heute nicht mehr auf dem Scheiterhaufen verbrannt, aber sie werden diffamiert, denunziert, gecancelt, geächtet, ausgegrenzt und in einem „demokratischen Rechtsstaat“ gegebenenfalls sogar ohne Anklage und öffentliches Gerichtsurteil wie im Mittelalter von der „Elite“ für vogelfrei erklärt und sanktioniert.
Denn aus der Sicht der „Elite“, der Regierung, des Imperators, des Führers und der „Nomenklatura“ ‒ wie man die herrschende Klasse in der ehemaligen „klassenlosen“ DDR nannte ‒ sollen die Bürger eben eines nicht: Innehalten und darüber nachdenken, wem diese „guten“ Sitten tatsächlich nützen, wer die „Moral“ bzw. die Werte des Westens bestimmt und wer vom „Anstand“ profitiert.
Konkret: Die eine Frage ist, wer für den Krieg ⚔️ in der Ukraine vom „Wertewesten“ ⚖️ schuldig gesprochen wird. Die anderen Fragen sind: 🕵️♀️
Wer trägt die 🌎 (geo-)politische Verantwortung dafür, dass es zu diesem Krieg gekommen ist,
warum dauert dieser Krieg so lange 🕰️,
was will Putin ❓
wer profitiert vom Krieg 💰 💸 und
warum gibt es keine Friedensverhandlungen ☮️.
Die aktuelle Doppelmoral in Deutschland besteht darin, wenn in den Mainstream-Propaganda-Medien der bürgerlichen Mitte beim Krieg in der Ukraine ständig vom „Angriffskrieg“ Putins gesprochen wird, aber beim Krieg im Gaza von der „Verteidigung“ gegen die Terroristen der Hamas. Nachdenkende Bürger, die das kritisieren, werden dann von den „anständigen“ Journalisten und „anständigen“ Politikern als „Antisemiten“ diffamiert.
Darüber muss man nachdenken, aber das wollen die „demokratischen“ Regierungen des „Wertewestens“ und die Hofschranzen der Mainstream-Medien nicht. Bürgerinnen und Bürger, die nachdenken, kommen möglicherweise zu anderen Ergebnissen als das herrschende Regime.
Der Artikel trifft einen wichtigen Punkt: Anstand ist irgendwann von einer Frage des Verhaltens zu einer Frage des Selbstbildes geworden. Mich stört daran allerdings noch etwas Grundsätzlicheres. Ich glaube nicht, dass dieses Phänomen auf das hier beschriebene politische Milieu beschränkt ist. Es zieht sich inzwischen durch fast das gesamte Parteiensystem.
Das Problem beginnt für mich nämlich nicht erst dort, wo jemand einen anderen zum „Unanständigen“ erklärt. Es beginnt viel früher: dort, wo Politik Menschen überhaupt ein positiv besetztes Bild von sich selbst verkauft.
Die Parteien unterscheiden sich darin, welches Bild sie anbieten. Die eine spricht den sozialen Menschen an, die nächste den ökologischen und progressiven, die nächste den leistungsbereiten und eigenverantwortlichen, wieder eine andere den patriotischen, normalen oder besonders mutigen Bürger.
Natürlich steht auf keinem Wahlplakat wörtlich: „Wähle uns und du bist ein besserer Mensch.“ So plump funktioniert das nicht. Die Botschaft ist subtiler: Du bist doch sozial. Du bist doch vernünftig. Du bist doch einer, der arbeitet. Du bist doch weltoffen. Du bist doch patriotisch. Du bist doch einer, der sich nichts vormachen lässt. Also müsstest du eigentlich zu uns gehören.
Das ist Werbung mit dem Selbstbild des Menschen.
Ob jemand tatsächlich besonders sozial, ökologisch, leistungsbereit, tolerant oder patriotisch handelt, ist dabei zunächst vollkommen nebensächlich. Er muss sich in dem angebotenen Bild nur wiedererkennen können.
Und genau deshalb halte ich es für zu einfach, das Problem nur bei einem politischen Lager zu suchen.
Man kann fünf Jahre Grün wählen und sich in einem bestimmten positiven Selbstbild wiederfinden. Später wählt man vielleicht SPD, CDU, FDP, Linke oder AfD und bekommt dort ein anderes angeboten. Die politischen Positionen können sich erheblich verändern. Eines kann jedoch gleichbleiben: Auch die neue politische Entscheidung liefert wieder eine angenehme Erklärung darüber, wer man selbst ist.
Das Problem ist dabei nicht der einzelne Wähler. Der verhält sich vollkommen nachvollziehbar in einer politischen Umgebung, die ihm diese Rollen ununterbrochen anbietet.
Das Problem ist die Struktur.
Sie wirkt auch weit über Wahlen hinaus.
Denn gleichzeitig wird die Gesellschaft ständig in Gruppen zerlegt, über die dann gesprochen wird: Migranten, Arbeitslose, Unternehmer, Reiche, Arme, Arbeitnehmer, Rentner, Autofahrer, Vermieter, Russen, Ukrainer, Muslime, Ostdeutsche und wer gerade sonst politisch interessant geworden ist.
Je nach Partei und Thema bekommt dieselbe Gruppe eine andere Rolle zugewiesen. Die einen bemitleiden sie. Die nächsten verdächtigen sie. Die nächsten wollen sie erziehen. Andere erklären, sie müsse mehr leisten. Wieder andere erklären sie zum gesellschaftlichen Problem oder zu einer besonders schutzwürdigen Gruppe.
Aber alle reden über sie.
Und irgendwann steht nicht mehr der konkrete Mensch vor einem, sondern eine Kategorie.
Genau dort wird es im Alltag unangenehm.
Ich erlebe immer wieder Menschen, die Gesetze ausgesprochen ernst nehmen, jede Vorschrift kennen und sich selbst wahrscheinlich für vollkommen korrekt halten – und gleichzeitig dort, wo keine Vorschrift mehr exakt bestimmt, wie man sich verhalten muss, jedes Mindestmaß an Anstand verlieren.
Gerade dort, wo ein Mensch einer Gruppe zugerechnet wird, gegenüber der man Ressentiments oder feste Vorstellungen besitzt, wird plötzlich anders gemessen.
Bei dem einen wird ein Fehler entschuldigt. Beim anderen gilt er als Beweis für seinen Charakter.
Bei dem einen sucht man nach den Umständen. Beim anderen braucht man keine Umstände mehr, weil man bereits glaubt zu wissen, mit wem man es zu tun hat.
Bei dem einen lässt man fünf gerade sein. Beim anderen wird jede Regel bis auf die letzte Stelle ausgelegt.
Formal ist alles korrekt. Zwischenmenschlich ist es trotzdem unanständig.
Genau deshalb finde ich den letzten Punkt des Artikels so wichtig: „Anständig ist nicht, was du tust – sondern wer du bist.“
Denn sobald ich mich selbst bereits für einen Anständigen halte, muss mein tatsächliches Verhalten diesen Anstand nicht mehr ständig beweisen. Ich besitze ihn gewissermaßen schon.
Und genau an diesem Punkt kann aus einem positiven Selbstbild etwas ausgesprochen Hässliches entstehen.
Man kann von Toleranz überzeugt sein und sich trotzdem intolerant verhalten.
Man kann sich für solidarisch halten und sehr genau auswählen, wem gegenüber die eigene Solidarität gilt.
Man kann sich als weltoffen verstehen und gleichzeitig gegenüber bestimmten Herkunftsgruppen voller Ressentiments sein.
Man kann sich für leistungsorientiert halten und daraus ableiten, über das Leben vollkommen fremder Menschen urteilen zu dürfen.
Man kann sich für patriotisch halten und glauben, dadurch einen besonderen Anspruch darauf zu besitzen, zu bestimmen, wer wirklich dazugehört.
Das Interessante daran ist: Jeder dieser Menschen kann weiterhin vollkommen überzeugt davon sein, ein anständiger Mensch zu sein.
Das ist für mich der eigentliche Kern des Problems.
In der Sozialpsychologie gibt es dafür den Begriff des „moral exclusion“, des moralischen Ausschlusses. Das muss nicht bedeuten, dass jemand einem anderen offen die Menschenwürde abspricht. Es beginnt schon dort, wo die gewöhnlichen Regeln von Fairness, Rücksicht und Wohlwollen nicht mehr für alle Menschen gleichermaßen angewandt werden.
Und wenn ein ganzes politisches System permanent positiv besetzte Rollen und gleichzeitig gesellschaftliche Kategorien produziert, schafft es genau dafür einen fruchtbaren Boden.
Deshalb würde ich die Kritik noch weiter ziehen als der Artikel.
Das ist nicht nur ein Problem derjenigen, die sich heute ausdrücklich „die Anständigen“ nennen.
Links, rechts und in der Mitte werden unterschiedliche Varianten desselben Angebots verkauft.
Die Farbe ändert sich. Das Selbstbild ändert sich. Der Mechanismus bleibt erstaunlich ähnlich.
Und damit kommen wir zu einem Problem der Demokratie selbst.
Demokratie ist für mich kein Verfahren, mit dem festgestellt wird, welche Sorte Mensch die bessere ist. Sie soll auch keine politische Identität verleihen.
Demokratie ist zunächst ein Verfahren, mit dem Millionen unterschiedlicher Menschen einen gemeinsamen Staat führen können, obwohl sie verschiedene Interessen, Erfahrungen und Vorstellungen haben.
Bei einer Wahl sollte deshalb eigentlich eine vollkommen andere Frage im Mittelpunkt stehen:
Wie wollen wir diesen Staat führen?
Welche Probleme haben wir?
Welche davon sind wirklich wichtig?
Welche Lösungen stehen zur Verfügung?
Was kosten sie?
Wer trägt die Folgen?
Was passiert, wenn unsere Annahmen falsch waren?
Und wem erteilen wir für eine begrenzte Zeit den Auftrag, diese Entscheidungen umzusetzen?
Ob ich dadurch ein guter, sozialer, progressiver, vernünftiger oder patriotischer Mensch bin, hat mit dieser Frage zunächst überhaupt nichts zu tun.
Vielleicht wäre deshalb der erste Schritt zu etwas mehr Anstand tatsächlich sehr einfach:
Nicht mehr so viel darüber reden, was für Menschen wir angeblich sind.
Sondern wieder genauer darauf schauen, wie wir uns gegenüber dem konkreten Menschen vor uns tatsächlich verhalten.
Anstand ist irgendwann von einer Frage des Verhaltens zu einer Frage des Selbstbildes geworden.
Korrekt, aber diese Verpuppung wird seit vielen Jahren durch fehlende Vermittlung von ‚Anstand‘ (Kinderstube) bis hin zur Prägung zu egozentrischem Individualismus oder einem galoppierenden opportunistischen Gespür vollzogen.
•Ich glaube nicht, dass dieses Phänomen auf das hier beschriebene politische Milieu beschränkt ist. Es zieht sich inzwischen durch fast das gesamte Parteiensystem.
Es ist kein Phänomen, sondern nur Folge von gesamtheitlicher folgsamer Entwicklung, die von unten beginnend lediglich den Boden bereitet.
Konsequent auf andere zeigen, aber nie in den Spiegel zu schauen, ist das unabdingbare Triebmittel, damit der Teig zwar groß wird, aber immer mehr Luft enthält.
•Das Problem ist dabei nicht der einzelne Wähler. Der verhält sich vollkommen nachvollziehbar in einer politischen Umgebung, die ihm diese Rollen ununterbrochen anbietet.
Falsch. „Angebot“ ist nicht gleichbedeutend mit Zwang, sondern obliegt der freien „kauf-ich-oder-nicht“Entscheidung.
Der Homo s. als „Gipfel der Schöpfung“ kann bisher noch frei wählen, ob er geistig unmündig und daher auf kognitive Hilfe angewiesen ist.
Wenn ja, dann ist sämtliches, noch so abseitige Verhalten, entschuldbar und bedeutungslos.
Wenn nein, dann muss/kann er entscheiden, was und wer er sein will; geistig mündig oder auf jedwede Form der intellektuellen Führung angewiesen.
Auch wenn es dem Zeit- und/oder sonstigen Geist entspricht: Probleme jedweder Art löst man keineswegs, indem die Schuld auf Umstände oder stets andere ver- und somit ausgelagert werden – auch wenn es mehrheitlich längst zu einem probaten Mittel kultiviert und verkommen ist.
Schon kleine Kinder hantieren unreflektiert mit dem Spruch „Du bist Schuld.“, auch wenn’s nicht stimmt. Was sagt das über „Erwachsene“ aus, die sich diese Art kindlicher Re-/Aktionen ein Leben lang bewahrten?
Die herrschenden „Anständigen“ benötigen natürlich zur Legitimation ihrer „Anständigkeit“ die drohende Gefahr der „Unanständigkeit“, die sie dann auch auf den politischen Gegner projizieren. Das hat den Vorteil, das sich damit eine politische Auseinandersetzung erübrigt und man sich auf die moralische Verurteilung beschränken kann.
Man bewegt damit in europäischer Tradition des christlichen Dogmatismus, der lange mit der Aufklärung gerungen hat, bis sich das wohlhabende Bürgertum allmählich durchsetzte (nur in Frankreich kam die Änderung mit der Revolution 1789 etwas abrupt). Das Bürgertum etablierte den Kapitalismus mit seinen Dogma von der „Freiheit“, was letztlich jedoch dazu führte, dass nur das Kapital von der Freiheit profitierte. Und da das immer offensichtlicher wird, ist die bürgerliche Gesellschaft gezwungen immer mehr auf moralischen Dogmatismus umzusteigen, denn auf rationaler und logischer Ebene gehen ihnen die Argumente aus.
So sind wir heute wieder da angelangt wo wir schon einmal waren: Das Volk soll sich zu den Dogmen (oder Glaubenssätzen, oder die herrschende Ideologie) bekennen, ansonsten droht das Ausgestoßensein oder das, was man früher Vogelfreiheit nannte.
Der Autor hat recht!
Ich bin mit dem Autor nicht immer einer Meinung aber diesen Artikel finde ich richtig gut!
Er fasst zusammen und drückt genau das aus, was ich so unerträglich und widerlich finde!
Ich denke, ich werde auf meine alten Tage dann doch hier verschwinden!
Hier zu leben ist für mich nicht mehr auszuhalten!
Raus hier!
Ein Artikel nach meinem Geschmack.
Allerdings ist die Prämisse falsch. Die avisierten Politiker wissen ganz genau, das sie alles andere als Anständig sind, sie behaupten ihre Anständigkeit bloß, wollen Anständig scheinen.
Die Annahme, sie hielten sich tatsächlich für Anständig müßte denn ja auch zu Nachsicht führen wie gegenüber Leuten in Ausnahmesituationen oder psychisch Kranken. Das haben die nun garantiert nicht verdient, die angebrachten Attribute der hiesigen Politik muß ich hier nicht aufzählen — „Anständig“ zählt nicht dazu. Es gibt nichts, rein gar nichts, was die Politkaste noch entschuldigen könnte, spätestens seit Corinna. Die Zeit der Unschuldsvermutung ist vorrüber.
In Sprache und den Wörtern steckt oft ein Stück Weisheit und Weltwissen. Es ist gut, dem nachzuspüren (wie hier dem Wort „anständig“). Es kann enthüllen, wie Sprache durch eine dominante Macht (heute über die Mediendominanz) missbraucht wird. Sprache gezielt umzuformen und diese künstlichen Schöpfungen über Medienmacht in den allgemeinen Sprachgebrauch und in die Köpfe zu transportieren, ist Herrschaftsmacht. Wer Sprache manipuliert, manipuliert Menschen. Und ganz bewusst. Man sieht es an den Begründungen für das „Gendern“: sie geben ja selber zu, dass sie damit manipulieren wollen – und wie immer natürlich nur zu einem angeblich guten Zweck. 🙁
Meine Lieblingsbegriffe für Sprachmissbrauch:
„Treibhauseffekt“ (der Null und Nichts mit iregnd etwas in einem Treibhaus zu tun hat aber den Anschein einer inneren Logik erweckt)
„Strahlungsantrieb“ (wie wenn Stoffen, insbesondere CO2 und andere „Treibhausgase“, eine Kraft (Antrieb bedeutet Kraftwirkung) innewohnen würde, die immer nur in eine Richtung zielte, nämlich Richtung Klimaerwärmung)
Solche Begriffe werden in PR-Agenturen geschmiedet, und dann über Einflussorganisationen (zB IPCC) und die dann mittels medialer oder akademischer Hebel in den allgemeinen Sprachgebrauch gedrückt werden (um zu lenken, um zu verdummen).
Zitat aus dem Artikel: “ … ganz gleich mit wem sie schlafen … “ – diese kindergartentaugliche Formulierung sollte endlich abgeschafft wenn man damit sexuelle Handlungen meint – erwarte gerne Textvorschläge dazu – danke!.
Als Bundeswehr-Rekrut 1960 mußte ich mit 5 weiteren Rekruten in einem Zimmer schlafen – an Sex unter zwei oder mehr Personen unter diesen Bedingungen kann ich mich nicht erinnern, jeder schlief in seinem Bett alleine. Später, als Gefreiter, trat ich mal unangemeldet in ein Zimmer im sogenannten „Unterführer Bereich“ der Unterkunft – dort lagen zwei Stabsunteroffiziere auf einem Bett und lasen gemeinsam in einem Buch – habe mich danach oft gefragt was das für ein Verhältnis war zwischen den Beiden?