Tucker Carlson und das Britische Imperium

Tucker Carlson
Gage Skidmore from Surprise, AZ, United States of America, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Tucker Carlson und Jacob Rees-Mogg streiten über Hitler und den Zweiten Weltkrieg. Dahinter steht die Frage, welche Rolle Moral und Machtinteressen in der Außenpolitik spielen – und warum die Deutschen dabei oft andere Maßstäbe anlegen als Amerikaner und Briten.

Während ich auf der Buchmesse war, wurde der Zweite Weltkrieg nachgefochten, und zwar zwischen England und Amerika. Überrascht? Na, das kam so: Sir Jacob Rees-Mogg, ein schwer konservativer britischer Politiker, Oberschicht-Tory, Produkt der Eliteuniversität Oxford und einer der Strippenzieher hinter dem Brexit kam auf die Idee, Tucker Carlson zu einem Interview einzuladen. In sein eigenes Haus. Dort fing er mit Tucker Streit an, ob Großbritannien Hitler-Deutschland den Krieg hätte erklären sollen.

Warum hat Rees-Mogg Tucker Carlson überhaupt eingeladen? Offenbar, um mal zu üben, wie man zu einem podcastender Influencer wird, nun, da er seinen Parlamentssitz nicht mehr hat. Tucker Carlson hingegen hat eine Show im Internet mit hervorragenden Einschaltquoten, 56,8 Millionen Menschen sehen ihn jeder Woche – auf X und anderen Plattformen. Das sind fast so viele, wie es Briten gibt. Wer hätte das nicht gerne?

Godzilla versus King Kong

Politisch-medial hat Tucker viele, viele Wandlungen mitgemacht. Er hat seine Karriere bei Rupert Murdochs Weekly Standard begonnen, damals das Zentralblatt der Neocons, denen wir den Irakkrieg zu verdanken haben, wechselte dann als semi-Liberaler Counterpoint zu CNN, danach zum linken Sender MSNBC; zuletzt anchorte er beim rechten Sender Fox, wieder Murdoch.

Unter George W. Bush war er Irakkriegsbefürworter, wurde dann aber weniger Kriegs- (und Neocon)-freundlich und zuletzt sprach er sich gegen den Irankrieg aus. Zu dem Zeitpunkt hatte er die Republikaner bereits verlassen und sich mit Trump überworfen. Oder hatte er das? Wir wissen es nicht, und Trump weiß es auch nicht.

Wir wissen nur, Tucker will nach oben, und dazu braucht er Trump nicht mehr. Es gibt Amerikaner, die denken, er will selber Präsident werden; ich halte es für schwer übertrieben, dass er das schaffen könnte – aber wetten tue ich heutzutage auf nichts mehr.

Nun also Hitler. Tucker sagte zu Rees-Mogg, Hitler sei nicht aus Jux und Dollerei in Polen einmarschiert; die Alliierten hätten Teile von Deutschland, Tucker spricht von 15 Prozent der Landmasse, unter polnische Verwaltung gestellt und seien somit ebenfalls schuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Niemals hätte Großbritannien Hitler den Krieg erklären dürfen. Ohnehin wurde Polen nach dem Krieg nicht so richtig befreit.

Der schwer empörte Rees-Mogg meinte dazu: Dann wäre Hitler irgendwann in England einmarschiert und wir würden heute Deutsch sprechen. Daraufhin Tucker: Deutsch sei wenigstens eine europäische Sprache; und London würde dann nicht aussehen wie heute; sprich: Voller Pakistanis und Inder. Touché! Vermutlich denkt Rees-Mogg das heimlich auch, behält das aber für sich. Wirklich, es ist, als beobachte man Godzilla versus King Kong. Man wünscht sich, keiner soll gewinnen, aber aufhören sollen sie auch nicht.

Divide and conquer

Tucker, der Amerikaner, brachte ein paar Details durcheinander, er hat nicht unrecht: Großbritannien und Frankreich haben nach dem Ersten Weltkrieg, nach dem Versailler Vertrag, tatsächlich etwa zwölf Million Deutsche unter polnische und tschechische Herrschaft gestellt, darunter die Sudetendeutschen, die eigentlich Österreicher sind. Natürlich lebten in diesen Provinzen auch viele Polen, Tschechen, Roma, Sinti und Juden, wobei letztere nach dem Krieg zügig nach Wien oder Berlin geflüchtet sind.

Ähnlich wie die neuen Grenzen von Osteuropa von Großbritannien und seinem Sidekick Frankreich gezogen wurden, geschah das im Mittleren Osten nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Imperiums. Im Irak hat das Britische Imperium Grenzen nach dem Motto »teile und herrsche« gezogen, mit denen sich Amerika heute noch herumärgert, und es hat Faisal I. bin Hussein bin Ali al-Hashimi als König eingesetzt. Kurdistan hingegen durfte kein Staat werden. Und der nicht-Staat, der damals Palästina war, wurde gleichzeitig den Zionisten und den Arabern versprochen, den ersteren für ihre Unterstützung im Ersten Weltkrieg gegen Deutschland, den letzteren wegen des Öls.

Ähnlich in Europa. Das Ziel des Britischen Imperiums war immer, ein (wirtschaftlich) starkes Deutschland, insbesondere Preußen zu verhindern, deswegen alliierten sie sich mit Russland, angefangen im Ersten Weltkrieg. Was die Russen in Osteuropa taten, war den Briten herzlich egal, so von Empire zu Empire. Nicht nur die Landabtretung, auch die deutsche Kriegsschuld schrieben die Briten (und Franzosen) im Versailler Vertrag fest. Damit die zögernde deutsche Seite den auch unterschrieb, verhängten die Briten eine Hungerblockade, der mehrere hunderttausend Kinder zum Opfer fielen.

Die Amerikaner machten einmal so etwas ähnliches mit einem Indianerstamm, den sie zur Kapitulation zwingen wollten: Sie luden die Häuptlinge zu Verhandlungen ein, und als die kamen, schlachteten und kochten sie einen davon, und zwangen die übrigen, von seinem Fleisch zu essen. Danach unterschrieben die Überlebenden. Der Unterschied ist nur, dass die Indianer heute noch die alte Geschichte erzählen.

Was Nazi-Deutschland anging, war Großbritannien nicht so Hitler-feindlich, wie man denken könnte. Der Deutschlandfunk der BBC sendete am 22. Juli 1944, zwei Tage nach dem missglückten Stauffenberg-Attentat einen Bericht, in dem alle Verschwörer namentlich genannt wurden, die noch nicht verhaftet worden waren, um der Gestapo die Arbeit zu erleichtern. Die Liste der Widerständler stammte von der britischen »Political Warfare Executive« für schwarze Propaganda, wo auch BBC-Angestellte arbeiteten.

Hat sich der Zweite Weltkrieg für Großbritannien gelohnt?

Ähnlich die CIA-Vorgängerorganisation OSS, deren »Morale Operations Branch« kurz darauf eine Direktive an alle OSS-Posten in Europa erließ, der SS möglichst viele Namen von »deutschen Offizieren und Nazis« zu geben. Es gehe darum, »Misstrauen zu erzeugen und fähige hochrangige Deutsche zu eliminieren«, hieß es in der Direktive.

Dahinter steckte John Wheeler-Bennett vom Political Warfare Department in London, der aus seiner Zeit in Berlin viele Widerständler kannte. 1943 schrieb er: »Es ist besser für uns, dass der Anschlag vom 20. Juli nicht geglückt ist und Hitler nicht getötet wurde. Das hat uns und den USA einige Peinlichkeit erspart, außerdem entfernt die Gestapo nun zahlreiche Individuen von der Szene, die uns Probleme bereitet hätten, wenn der Anschlag gelungen wäre, nach dem Sieg über Nazi-Deutschland. (…), wenn Deutsche Deutsche umbringen, wird uns das von künftigen Unannehmlichkeiten bewahren.«

Die Frage aber, die Tucker aufwarf, ist: Hat sich der Zweite Weltkrieg für Großbritannien gelohnt? Als das Britische Imperium Deutschland im September 1939 den Krieg erklärte, herrschte es über ein Reich, in dem die Sonne nie unterging. Als dann Amerika nach Pearl Harbor an der Seite der Briten in den Zweiten Weltkrieg eintrat, dachten diese, sie hätten das Imperium nun endgültig gegen preußische Konkurrenz gesichert.

Dann gewannen die Amerikaner gegen Japan im Pazifik und gaben die britischen Kolonien in China nicht etwa an die Briten zurück, sondern an die anti-kommunistischen Kuomintang, die sich nach ihrer Niederlage gegen die Maoisten mit dem Gold des Kaisers nach Taiwan absetzten. »Wir waren länger im Krieg mit Deutschland als jede andere Macht, wir haben mehr gelitten, und wir haben mehr verloren«, sagte damals Sir Ronald Wingate, ein Stabsoffizier von Churchill (schreibt Joseph Persico in Roosevelts Secret War). »Und dann kommen diese furchtbaren amerikanischen Akademiker und reden von Freiheit.« Tja, dumm gelaufen mit der Rückkehr der Kolonien.

Die Inder kämpften sich kurz darauf frei – und die Briten hatten sich im Zweiten Weltkrieg militärisch derart verausgabt, dass sie dem nichts entgegensetzen konnten – und aus dem Iran wurden sie vertrieben, als der Schah nach Amerika flüchtete. Heute besteht das Britische Imperium noch aus Nordirland und den Malvinas.

Billiges russisches Öl: Das ist Realpolitik!

Die Amerikaner hingegen kamen gestärkt aus dem Zweiten Weltkrieg – wäre Franklin Roosevelt nicht mit Stalin im Boot gewesen, hätten sie ihren Einfluss sofort bis zur ukrainischen Grenze ausdehnen und sich die Kriege in Korea und Vietnam schenken können, andererseits aber hat es ihnen die Ostfront erspart, sie mussten dort keine eigenen Soldaten verheizen. Großbritannien ist heute Juniorpartner, was einst das Britische Imperium war, ist das Amerikanische Imperium. Und nun kommt auch noch der bäuerische Tucker Carlson und führt den vornehmen, adeligen Tory Rees-Mogg einem 50-Millionen-Publikum vor.

Natürlich brach um Tucker sofort eine lebhafte Debatte aus. In England wurde er, natürlich, empört zerrissen, teilweise auch in Amerika; er wurde als Hitler-Apologet beschimpft – was nicht falsch ist – und als geschichtsvergessener Unbewanderter. Andere verteidigten ihn. Die Fraktion »wir haben im Zweiten Weltkrieg das falsche Schwein geschlachtet« kam wieder hoch, die sich in den USA schon 1946 gebildet hatte.

Aber letztlich leben wir in Zeiten, wo alles, Social Media sei Dank, fluid ist und wieder zur Debatte steht und jeder Podcaster eine Meinung haben kann. Das gilt für alle Kriege, der Erste und der Zweite Weltkrieg, aber auch die Kriege in Gaza, Israel Russland und der Ukraine. Die Vergangenheit ist nicht tot, sie ist nicht einmal vergangen.

Apropos Ukraine: Tucker ist dagegen, dass die USA die Ukraine unterstützen, und er hat durchaus viele Amerikaner hinter sich, denen es vor allem ums Geld geht. Die Wut um den an der Tankstelle verlorenen Groschen. Nun scheint Trump auf seine Linie einzuschwenken. Gerade hat er angekündigt, trotz des Boykotts russisches Dieselöl kaufen zu wollen, weil er sich sorgt, dass er der erbosten Lastwagenfahrer wegen die Midterms verlieren könnte, die Nachwahlen zum Kongress im November.

Wir erinnern uns: Das Benzin wurde teuer, weil der Iran nach dem Angriff der USA die Straße von Hormus geschlossen hat. Andererseits haben die USA Deutschland auch mit moralischem Druck (und ein paar ukrainischen Bomben auf die Pipeline) vom billigen russischen Öl ausgeschlossen und verkaufen ihnen amerikanischen Sprit. Dass sie sich nun selber unmoralisches Öl genehmigen, das nennt man Realpolitik.

Deutsche verbinden Politik in der Regel mit Moral

Was lehrt uns das alles? Deutsche verbinden Politik in der Regel mit Moral, Engländer und Amerikaner mit Macht. Aus der Niederlage im Zweiten Weltkrieg haben die Deutschen den Schluss gezogen, dass die Welt nach moralischen Werten organisiert ist, wo es eine große unsichtbare Hand organisiert, dass die Bösen bestraft werden und die Guten belohnt, so wie im Herrn der Ringe, oder Grimms Märchen. Wahrscheinlich war das damals auch nötig, um die Niederlage erträglicher zu machen.

Die Amerikaner hingegen glauben, wer die stärksten Waffen hat – auf dem Schlachtfeld oder in der Propaganda – setzt sich durch. Das funktioniert in der Außenpolitik, und in der Innenpolitik. Mal funktioniert das für Tucker, mal für die Neocons. Wo Nazis für amerikanische Interessen agieren, sind sie gut, sonst sind sie böse. Auf den Sieg komm es an. Die Amerikaner reden von Moral, aber sie praktizieren Macht- und Interessenpolitik, mit oder ohne Trump. Trump sagt es nur deutlicher, nicht so schön verpackt.

Wer sich aber aus moralischen Gründen zum Kanonenfutter machen lässt, der verliert.

Eva C. Schweitzer

Eva C. Schweitzer pendelt zwischen Berlin und New York, wo sie eine Dissertation über den Times Square verfasst hat; sie arbeitet als Buchautorin und freie Journalistin über Medien, Entertainment und Politik. Ihr letztes Buch war „Links Blinken, rechts abbiegen“ beim Westend Verlag; derzeit schreibt sie ein Buch über die Tucholsky-Familie. Sie leitet auch den Verlag Berlinica Publishing, der Bücher aus Berlin nach New York bringt. Zuvor war sie Redakteurin beim Tagesspiegel in Berlin.
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20 Kommentare

  1. Die Deutschen und die Koalition der Billigen harren mit Selenskij bis zu den US-Wahlen im November aus und werden bis dahin alles tun um Trump zu schaden. Angriffe auf Ölanlagen und Tanker mit Öl oder Diesel für Trump werden verstärkt angegriffen. Geht ihre Rechnung auf und Trump verliert die Wahlen sind sie wieder am Drücker. Geht die Rechnung nicht auf und Trump gewinnt die Wahlen werden sie ihrem Daddy wieder in den Hintern kriechen.

    1. „Geht ihre Rechnung auf und Trump verliert die Wahlen sind sie wieder am Drücker. “

      Yo, das hofft jeder, der noch klar bei Verstand ist. Und bzgl. dem ungarischen U-Boot hatten die – entgegen alternativer Ungläubiger – ja auch recht (einschl. der sogenannten „Lügenpresse“) Das hat vom ungarischen Wahlvolk ganz einfach einen so gewaltigen Schuss vor den Bug bekommen, dass es vor Schreck gleich ganz abgetaucht ist.

      Und siehe da, auch Ungarn sitzt wieder fest im Boot der europäischen Uniion. (Und klar, kleine Meinungsverschiedenheiten gehören zu einer demokratisch gesinnten Staatengemeinschaft dazu. Hauptsache der Kurs stimmt.

      https://de.marketscreener.com/boerse-nachrichten/selenskyj-bat-nachbarlaender-um-die-durchleitung-von-getreidetransporten-sagt-ungarns-ministerpraesid-ce785cdade8ef423

      Also, um noch mal auf den Verrückten in den USA zurückzukommen: Ich bin da realistisch optimistisch.

  2. Als sich im Verlauf dess Zweiten Weltkriegs herausstellte, dass der Anteil Groß-Britanniens am Sieg über Hitler-Deutschland im Vergleich zum Anteil der Sowjetunion ziemlich gering war, wurde klar, dass Groß-Britannien seine Rolle als Supermacht an die USA und an die Sowjetunion abgegeben hat.

    »Aus der Niederlage im Zweiten Weltkrieg haben die Deutschen den Schluss gezogen, dass die Welt nach moralischen Werten organisiert ist, wo es eine große unsichtbare Hand organisiert, dass die Bösen bestraft werden und die Guten belohnt«

    Was die Deutschen glauben gelernt zu habnen, ist eher „der Sieger bestimmt was gut ist und was schlecht is“-

    »Die Amerikaner hingegen glauben, wer die stärksten Waffen hat – auf dem Schlachtfeld oder in der Propaganda – setzt sich durch«

    Das glauben nicht nur die Amerikaner, das wissen alle, aber die Amerikaner wissen noch etwas: „wer das meiste Geld hat, setzt sich durch“:

    Zum Schluß eine Frage, gibt es keine deutschen Äquivalente für „Podcaster, Influencer, Sidekick, fluid“?

    1. blockquote>Was die Deutschen glauben gelernt zu habnen, ist eher „der Sieger bestimmt was gut ist und was schlecht Is“
      Das ist wohl auch der Grund, warum für die Westler die Amis die Guten sind und für die Ostler die Russen. Bei dieser Indoktrination dürften es die Amis sehr viel einfacher gehabt haben, denn die hatten materielle Unterstützung durch Geld, was den Russen fehlte.

      Im Übrigen bin ich immer wieder verwundert wie geradezu kindlich naiv-moralisierend die Kommentare in den deutschen Herrschaftsmedien ausfallen.

    2. Die britischen Eliten haben zwei Weltkriege intrigiert und geführt, um ihr Imperium zu erhalten. Ein gewisser A.H. hat in seinem Machwerk „Mein Kampf“ ein enges Bündnis mit den Briten angestrebt. Nach dem Vertrag von Rapallo 1922 ( https://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Rapallo )zwischen der Regierung des Deutschen Reiches und Sowjetrussland wurden die Briten nervös. Zuerst wurde der deutsche Außenminister ,Walther Rathenau ( https://de.wikipedia.org/wiki/Walther_Rathenau ) ermordet. Dann begann die Finanzierung jener Partei, die in ihrem Programm das Bündnis mit den Briten und die Vernichtung Sowjetrusslands postuliert hatte. Ein gewisser Ernst „Putzi“ Hanfsteangl ( https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Hanfstaengl ) reiste einmal pro Woche in die Schweiz, um einen Koffer mit jeweils 10000 US$ entgegenzunehmen und in die Münchner Parteizentrale der NSDAP zu bringen….
      Ein gewisser Rudolf Hess flog 1940 nach Großbritannien, um mit Vertretern der britischen Eliten Gespräche zu führen. Anschließend wurde er verhaftet. Die Vernehmungsprotkolle des R.H. sind genauso wie die Briefe eines gewissen August Bebel an die Briten dauerhaft unter Verschluss und für die Forschung nicht zugänglich…
      Im fernen Moskau kam 1986 ein gewisser Michail Gorbatschow an die Macht. Dieser regte an, den letzten Gefangenen im Gefängnis Spandau aus humanitären Gründen frei zu lassen und das Gefängnis aus Kostengründen zu schließen. Doch da verübte der letzte Insasse, ein gewisser Rudolf Hess, „Selbstmord“. Offenbar hatte da im fernen, nebligen London jemand die Befürchtung, der Herr Hess in Freiheit könnte Dinge ausplaudern, die für die Briten unangenehm sind und das Geschichtsbild über die Zeit von 1871 bis 1945 in Frage stellen würde… Da passte doch der „Selbstmord“ sehr gut ins Konzept.
      Den Ehrentitel „ perfides Albion“ haben sich die britischen Eliten wahrlich verdient.

    3. Podcast: (einzelne) Folge (einer Serie von Veröffentlichungen von selektivem Interesse)
      Influencer: PR-Prostituierter
      Sidekick: Stichwortgeber, Handlanger
      fluid: vorübergehend, nicht in Stein gemeißelt

      Aber nicht vergessen: Englisch ist Herrschaftssprache und Frau Schweitzer ist born up in the air (nicht zu verwechseln mit airborn) .

    4. Meine Lieblingsdefinition von Influencer kommt von Ingmar Stadelmann:
      »Influencer: Was klingt wie eine Krankheit, ist in Wirklichkeit die Pest.«

  3. So manche Fakten sind kaum zu ertragen. Wie tief können Menschen sinken, wenn es um Macht geht? Nach diesem Text würde ich mit Karl Marx antworten:
    Für den Erhalt und den Ausbau ihrer Macht sind Menschen bereit jedes Verbrechen zu begehen und sei es die Vernichtung der Menschheit.
    Letzteres würde dann jedoch die Macht der Verbrecher zerstören, aber soweit denken Machtmenschen nicht, daher traue ich ihnen auch die Zerstörung der Menschheit um ihren Machterhaltes wegen zu.

    1. @Gunther „Letzteres würde dann jedoch die Macht der Verbrecher zerstören“ – Das ist sicherlich der maßgebliche Grund dafür, dass die US-Regierung, die im Irak, Venezuela, Gaza sprichwörtlich über Leichen geht, keinen großen Krieg mit Russland und China anfängt. Russland und China könnten mit transkontinentalen nuklearen Raketen antworten und das würde dann auch die USA treffen. Selbst dann, wenn von 100 Raketen nur zwei oder drei Raketen durchkommen, dürfte das für die USA eine Katastrophe werden. Und Russland und China haben nicht nur 100 von diesen Dingern.

  4. Was war da wirklich? Neville Chamberlain hatte 1938 klein beigegeben, als Hitler das Sudetenland zum Protektorat machte. In der Annahme, dass man ihn mit Zugeständnissen beschwichtigen konnte. Was halt ein Irrtum war, denn Hitler sah das als Schwäche und Anlass zu weiteren Unverschämtheiten. Nach dem Überfall auf Polen konnte Chamberlain nicht mehr anders, er musste Deutschland den Krieg erklären, denn England war Schutzmacht Polens.
    Churchill war erfolgreich mit seiner Weigerung nach Unterwerfung. Denn das hätte bedeutet, dass die Engländer im eigenen Land rein gar nichts mehr zu sagen gehabt hätten und für die Deutschen Panzer fertigen mussten. Wie im schon besetzten Frankreich.
    Das alles kapiert unser Tucker nicht und faselt in der Gegend herum. Immerhin besser als vor einem Jahr. Da haben sie ihn Quatarlson genannt, weil er ungefilterten Dschihadismus von sich gab. Tatsächlich flog er nach Katar und war begeistert vom dortigen Schulsystem. Eine mittelalterliche Indoktrinierung. Dafür haben ihn die Ameriksaner zusammengefaltet. Aber sie haben ihm verziehen. 56 Millionen Zuschauer sind ein Zeichen dafür, dass seine Irrtümer unterhaltsam sind.

    Recht hat er mit seinem Sturmlauf gegen die Rauchverbote. Diese saudumme Abstinenzlerdiktatur ist wirklich das Allerletzte.

    1. Wenn die Botschaft nicht gefällt, wird der Bote bestraft! Wen wollen sie denn damit beeindrucken?
      Schon der britische Premier Disraeli ( 1874 bis 1880) hat die Vernichtung des deutschen Reiches gefordert. Und der Musterimperialist Cecil Rhodes hat mit der Gründung der „Round-Table“ Gesellschaft den Grundstein für dieses Projekt gelegt. Sein Nachfolger, Lord Milner, hat diesen Auftrag in die Tat umgesetzt…. Wie die britischen Eliten den „Fehler“ begingen, die USA in den Krieg gegen das deutsche Reich einzubinden, das ist eine andere Geschichte. Eine Geschichte unter Bankern ( Rothschild, Warburg, Schiff…) Lobbyisten ( Edward Mandell House), Juristen ( Louis Bleibeisz) und PR-Spezialisten ( Edward Bernays, Walter Lippmann) …Jedenfalls als Dankeschön für die „Hilfe“ , die USA gegen das Deutsche Reich in den Krieg zu ziehen, schrieb der britische Außenminister Balfour einen Brief an den Rothschild- Clan, die „Balfour- Deklaration“, die einen jüdischen Staat in Palästina befürwortete! Das konnte er, da die Briten mit dem Sykes-Picot Abkommen von 1916 sich die Gebiete des zu vernichtenden Osmanischen Reiches sicherten, die sie dazu brauchten. Dumm nur, das sie den arabischen Führern die gleichen Gebiete zugesprochen hatten. Als Dank für deren Seitenwechsel gegen die Osmanen…Wie gut, das es da in der arabischen Wüste einen Clan von brutalen, ehrgeizigen Strassenräubern gab ( Al Saud) , mit denen man im Tausch gegen Gewehre und Goldmünzen einen Deal schließen konnte….

    2. Der Deutungen der Situation von 39 gibt es viele und es ist schwer, zumal wenn man kein Historiker ist, kaum Originaldokumente wird lesen können, ein realistisches Bild zu bekommen. Tucker wird das schon gar nicht leisten können, was ihn in echt amerikanischer Art nicht hindert, ein Urteil abzugeben. Und wenn er damit 50 Millionen Menschen erreicht, wird das mehr verbreitet als jahrelange Forschungen hessischer oder gar DDR-Universitäten.
      Eigentlich hätte ich grad von dir einen entscheidenden Einwand gegen ihn erwartet, den ich dann aber sehr entschieden vorbringen will. Ein deutscher Sieg wäre eben nicht einfach die Ursache dafür, dass im Königreich Deutsch zu sprechen wäre, sondern auch, dass sie Zugriff auf weitere europäische Juden gehabt hätten. Was das bedeutet, weiß man. Muss man nicht spekulieren.

      Aber kommen wir auf 1939 zurück. Engländer und Franzosen haben beim Überfall auf Polen zwar den Krieg erklärt, aber nicht gekämpft. Das Hitler nach Osten wollte, konnte man seit den zwanziger Jahren wissen. Stand schon in seinem „Mein Kampf“. Schätze, dass das eine oder andere Exemplar seinen Weg auf die Insel gefunden hatte und so richtig was dagegen einzuwenden hatten sie nicht.
      Dein Mannheimer Landsmann Speer hat das in seiner Biografie, die er in Spandau schrieb und die andere Quellen aus dem faschistischen Militär bestätigt haben, dass Deutschland mit ziemlicher Sicherheit bezwungen worden wäre, wenn man im Westen einmarschiert wäre, als sie Polen überfielen. Sie haben es nicht, weil sie es nicht wollten und weil sie annahmen, sie würden nach Polen die SU als Ziel haben.
      Ungeachtet dessen hat Churchill zu keinem Zeitpunkt einen Konsens mit den Nazis gesucht, auch wenn er kein Problem damit hatte, dass sie die SU erwürgen wollten.

      1. In Valentin Falins umfangreichen Werk „Zweite Front“ mit sehr vielen Quellen steht dass im August 1939 zwei Flugzeuge in Tempelhof standen. Eines stand bereit mit Ribbentrop nach Moskau zu fliegen. Das andere kam aus London und sollte Göring Abholen und einen 2. Münchener Vertrag über Polen abzuschließen. Die Naziführer waren sich uneins. Das weitere ist bekannt…

  5. Die zerstörerische Politik einer Machtelite wird durch verallgemeinernden Sprachgebrauch wie „die Deutschen, die Amerikaner, die Russen“ usw. der breiten Bevölkerung in die Schuhe geschoben.
    Suggeriert wird darüber „dem Wahlvolk“, es brauchte nur die richtige Partei zu wählen für die richtige Politik.
    Auf diese Weise stabilisiert auch Overton ein falsch konstruiertes Syste, unsere Demokratie genannt, da es nichts von der Machtfrage verlauten läßt, sprich in welcher Weise verfügen BürgerInnen über Entscheidungsmacht/Entscheidungsrechte zur Verhinderung einer Grusel- Politik von oben?

  6. Die zerstörerische Politik einer Machtelite wird durch verallgemeinernden Sprachgebrauch wie „die Deutschen, die Amerikaner, die Russen“ usw. der breiten Bevölkerung in die Schuhe geschoben.
    Suggeriert wird darüber „dem Wahlvolk“, es brauchte nur die richtige Partei zu wählen für die richtige Politik.
    Auf diese Weise stabilisiert auch Overton ein falsch konstruiertes System, unsere Demokratie genannt, da es nichts von der Machtfrage verlauten läßt, sprich in welcher Weise verfügen BürgerInnen über Entscheidungsmacht/Entscheidungsrechte zur Verhinderung einer „Grusel- Politik von oben“?

  7. „Es gibt Amerikaner, die denken, er will selber Präsident werden; ich halte es für schwer übertrieben, dass er das schaffen könnte …“

    Das sollte sich Carlson noch mal überlegen, denn in den liberalen Demokratien gilt: „Der politischen Klasse, den Spezialisten, vermitteln sie (Medien, Schulen und Kultur) einen angemessenen Wirklichkeitssinn und die richtigen Überzeugungen. Konsens kann nämlich nur hergestellt werden, wenn eine entscheidende Voraussetzung zwar vorhanden ist, aber nicht ausgesprochen wird: Die Spezialisten gelangen nur an die Entscheidungshebel der Macht, indem sie – was sie auch vor sich selbst verbergen müssen – den wirklich Mächtigen dienen, den Eigentümern der Gesellschaft, eine ganz kleinen Gruppe von Personen.Nur wenn die Spezialisten bereit sind, deren Interessen zu dienen, hören sie zu den Entscheidungsträgern.“ Noam Chomsky: MediaControl, Wie die Medien uns manipulieren S. 31f

    Mit anderen Worten, der Präsident wäre auch erstmal nur führender Diener des privatwirtschaftlichen Sektors seines Landes. Wir haben gerade bei Frau Bas bemerkt, was passiert, wenn man diese dienende Funktion, die man als angeblicher Entscheidungsträger „vor sich selbst verborgen hat“, durchschaut. Dann ist Schluss oder man wird zynisch.

    Übrigens sehen wir diese mediale Karriere eines T. Carlson zwischen angeblich rechten und linken Medien auch in Deutschland ganz oft. Und das sagt viel aus über unsere Medien.

  8. 💬 Zitat: „Wer sich aber aus moralischen Gründen zum Kanonenfutter machen lässt, der verliert.“

    Ein sehr „schöner“ Schlusssatz. Wenn es um Moral und moralische Werte geht, dann muss man wie immer die Frage stellen: Wem nützt die „Moral“, denn manchmal wird die Moral auch zur Keule und erschlägt Menschen.

    Eine einfache moralische Regel lautet: „Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.“ Wenn man man von seinen Nachbarn nicht angelogen werden will, dann sollte man auch seinen Nachbarn nicht anlügen. Bezogen auf die Allgemeinheit bzw. Gesellschaft ist der moralische Gipfel sicherlich der Kantsche Imperativ bzw. „Kategorische Imperativ“ vom Kant: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

    Das Gegenteil dieser moralischen Regeln ist die DOPPEL-Moral (Bigotterie, Heuchelei, Scheinheiligkeit): Man bewertet gleiches Verhalten ethisch unterschiedlich. Die bekannte Redewendung „Wasser predigen, aber Wein trinken“ bringt das auf den 🔵.

    Die Beispiele dafür sind zahlreich:
    Ein Politiker fordert Ehrlichkeit und Redlichkeit von anderen, lügt aber selbst wie ein Lurch und lässt sich von der Pharma-Industrie bestechen.
    Man redet in der Ukraine vom russischen Angriffskrieg, im Gaza aber von „Verteidigung“ Israels gegen „Terroristen“.
    Jemand spricht von „Neiddebatte“ oder „Sozialneid“, blendet aber gleichzeitig die nimmersatte Gier „superreicher“ Multimilliardäre aus.
    Demonstrationen sind für die opportunistischen Journalisten der Mainstream-Medien (ARD, BILD, FAZ, RTL, SZ, Welt usw.) in Ordnung, wenn die Demonstranten für die Politik der Regierung demonstrieren, aber die Demonstranten werden als „rechtsextrem“ oder „linksextrem“ oder „Querdenker“ oder „antisemitisch“ oder „Putinversteher“ geframt, wenn sie die Politik der Regierung kritisieren.
    Ein Manager redet in der Öffentlichkeit vom Energiesparen und Klimaschutz, kauft sich dann aber einen SUV mit V8-Motor, der 13,8 Liter Sprit pro 100 km/h verbraucht.

    Moral und moralische Prinzipien sind das Fundament einer friedlichen, freiheitlichen und gerechten Gesellschaft/Welt. Auch die Doppelmoral ist Bestandteil dieser Welt, den die Doppelmoral gibt es seit Jahrtausenden. Aber wenn die Doppelmoral regiert, führt dies in die Diktatur und in den Krieg. Das tragische Dilemma der Demokratie ist offenkundig: Die Mehrheit der Bürger liebt den „großen Bruder“ aus George Orwells Roman dystopischem Roman „1984“ und fühlt sich auch in der Diktatur und im Krieg wohl, solange im Fernsehen: „We love to entertain you“ läuft, Promis tanzen, Günter Jauch mit Kandidaten um eine Million Euro spielt und keine Atombombe das eigene Haus, den SUV und den Fernseher trifft.

  9. Das Gefühl, dass ich wünschte, beide Seiten eines medialen Disputes würden unterliegen, kenne ich auch. Aber wünschen kann man sich viel. Dass Carlson Positionen wahrnehmbar änderte, finde ich aber weniger kritisch. Ich sehe mich jedenfalls auch nicht mehr auf den Standpunkten, die ich als Teenager und auch später vertrat. Außer vielleicht, dass ich noch heute den vietnamesischen Sieg gegen die Napalm und Gift auf Menschen werfenden Amis gut finde. Die Amis haben seit dem allerdings auch wirklich nichts getan, dass dieses Bild einen Riss bekommt.

    Aber was Carlson betrifft, ist es mir mittlerweile vollkommen egal, was für eine politische Vergangenheit und überhaupt Überzeugung jemand hat. Soweit ich es mitbekommen habe, gehört er zu denen, die sich gegen die amerikanischen war pigs und ihre endlosen Kriege stellen und im Moment zählt für mich fast nichts anderes mehr.

  10. Zu Versailles: „Damit die zögernde deutsche Seite den auch unterschrieb, verhängten die Briten eine Hungerblockade, der mehrere hunderttausend Kinder zum Opfer fielen.“
    Das ist etwas unsauber formuliert. Die Blockade bestand schon während des Krieges und dauerte an.

    „Die Amerikaner machten einmal so etwas ähnliches mit einem Indianerstamm, den sie zur Kapitulation zwingen wollten: Sie luden die Häuptlinge zu Verhandlungen ein, und als die kamen, schlachteten und kochten sie einen davon, und zwangen die übrigen, von seinem Fleisch zu essen. Danach unterschrieben die Überlebenden. Der Unterschied ist nur, dass die Indianer heute noch die alte Geschichte erzählen.“
    Gibt es dazu Quellen?

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