
Das Phänomen Trump ist widersprüchlich – und dennoch hat er eine weiterhin treue Anhängerschaft. Wie kann man das erklären?
Kristen Welker ist, wie die Amerikaner sagen, one tough cookie. Die Moderatorin des Sonntagsvormittagsprogramms „Meet the Press“ auf NBC interviewt Senatoren und Gouverneure, Republikaner und Demokraten, sie ist zäh, hakt nach, lässt niemanden mit ausweichenden Antworten davonkommen und bleibt dabei immer freundlich.
Letzten Sonntag war Donald Trump bei ihr. Man sollte wissen, dass der US-Präsident wusste, was auf ihn zukommt, er wurde nicht das erste Mal von „Meet the Press“ interviewt. Aber gepiekst von Nachfragen wurde er wirscher und unwirscher, bis er schließlich aufstand und sagte, „mir reichts, danke, Darling“, und ging.
Positionen? Welche Positionen?
Das Interview fand in einer Blechbaracke in Wisconsin statt, bei heftigen Regen. Warum? Offenbar hat Trump vorher zu Bauern in Wisconsin gesprochen. Niemand hatte ihm gesagt, dass es auf dem Land oft regnet, aber der Regen irritierte ihn auch. Und der Ton fiel dauernd aus. Ein treffendes Symbol für das ganze Land; eine führende Rundfunkanstalt, die kein technikstörfreies Interview hinbekommt und ein Präsident, der aus dem Raum nicht stürmt, wie es hieß, sondern langsam herauswatschelt und dabei fast auf den eigenen Hintern kippt.
Er verlor die Contenance, als Welker ihn nach den Wahlen in Kalifornien fragte, aber der eigentliche Aufreger war die Frage nach dem Irankrieg. Hatte Trump versprochen, keine Kriege zu führen? Das hatte er, nun kann er sich nicht dran erinnern, und er führt auch keinen Krieg im Iran, denn der Iran hat kapituliert und er weiß auch nicht, was die Definition von „Krieg“ ist. Seine Position im Ukrainekrieg; absolut keine Ahnung. Das hängt davon an, mit wem er zuletzt geredet hat.
Den Trump-Fans sind die Kriege egal, solange sie selber nicht eingezogen werden. Wenig erstaunlich, stellen sich die MAGAs hinter ihn. Welker sei eine böse, gemeine, respektlose Frau, die zu Barack Obama viel netter gewesen sei (als Obama Präsident war, war Welker noch nicht Anchor bei „Meet the Press“). Soweit so normal, aber nun posteten die MAGAs Bilder von Welker, wo sie wie eine böse schwarze Hexe aussah (Welker ist halb schwarz). AI, natürlich. Merkte das keiner? Diese Leute sind definitiv nicht schlau genug, das selber herzustellen, wo kommen die Bilder her?
Welker ist nicht die einzige böse schwarze Hexe. Viele Republikaner, etwa die gescheiterte Gouverneurskandidatin Nancy Mace, würden gerne Ilham Omar abschieben, die aus Somalia stammende schwarze Abgeordnete für Minnesota. MAGAs bejubeln ein harsches Urteil gegen den schwarzen Teenager Karmelo Anthony, der einen weißen Schulkameraden erstochen hat.
Alles sehr widersprüchlich
Und MAGAs solidarisieren sich mit irischen Aufständischen in Belfast, die schwarze Immigranten jagen, nachdem ein Sudanese namens Hadi Alodid versucht hatte, einem weißen Belfaster auf offener Straße den Kopf abzuschneiden. Elon Musk, der Südafrikaner, der vielleicht, vielleicht aber auch nicht das Ohr des Präsidenten hat, stachelt sie an. In Irland, natürlich. Es ist ein Schatten von Bürgerkriegsgefühl.
In Amerika ist die Vergangenheit nicht tot, sie ist nicht einmal vergangen. Die Worte des Südstaaten-Autors William Faulkner, der über die Sklaverei und ihr Erbe schrieb, sind immer noch wahr. Das Land ist noch immer gespalten in schwarz und weiß; mit Immigranten, die alle weiß sein wollen und die es irgendwann schaffen, und Afro-Amerikanern, die verbittert sind, weil die Vergangenheit nicht tot ist.
Natürlich gilt das nicht für jede einzelne Person, aber das Schwarz-Weiß-Schisma läuft wie eine Zickzacklinie durch das Land wie das Zeichen von Voldemort auf der Stirn von Harry Potter. Weiße neiden Schwarzen staatliche Unterstützung, deshalb gibt es keine flächendeckende staatliche Krankenversicherung. Weiße nehmen ihre Kinder aus der öffentlichen Schule, wenn zu viele schwarze Kinder darin sind, das ermöglichte den Aufstieg der Privatschulen und entzog den öffentlichen Schulen Geld. Weiße ziehen in die Vororte, wenn zu viele Schwarze kommen, das führte zur Verbreitung des Autos. Banken gaben schwarzen Hausbesitzern schlechte Kredite; ein Grund für die Bankenkrise von 2008, die Obama ins Weiße Haus brachte und dann, als das Pendel zurückschlug, den Über-Weißen Donald Trump.
Ist Trump weiß? Trump ist ein schillerndes Objekt. Viele versuchen, ihn zu definieren, alles sehr widersprüchlich. Er steht an der Spitze der Republikaner und ist im Grunde Demokrat oder, wie der radikale New Yorker Professor Robert Fitch schrieb, Kleptokrat. Er inszeniert sich als Familienpatriarch und vögelt Pornostars.
Er verkündet seinen Anhängern „Amerika First“ und lässt sich von Benjamin Netanyahu am Nasenring durch den Mittleren Osten ziehen. Er verspricht seinen Anhängern das wunderbarste Amerika aller Zeiten und interessiert sich öffentlich nicht für steigende Benzinpreise. Er verspricht seinen schwarzen Anhängern Wohlstand und Gleichberechtigung und den Weißen, dass er ihnen schwarze Krawallmacher vom Hals hält, notfalls mit Knast.
Zwei Geburtstagskinder
Donald Trump ist kein Politiker, er ist ein Reality-TV-Star. Er interessiert sich nicht für Ergebnisse, sondern für Gagen und Einschaltquoten. Ihm das vorzuwerfen wäre, als würde man Matt Damon vorwerfen, dass er in einem Film den Heerführer Odysseus spielt und in einem anderen einen in der Normandie gestrandeten GI und in einem dritten einen Astronauten auf dem Mars. Bei Damon verstehen es die Leute.
Trump ist ein alternder Schauspieler, der dauernd seine Linien vergisst und der nicht mehr stürmen kann, aber trotzdem noch weiß, was Quote bringt, und der der MAGA-Welt Popcorn für ihre AI-Fantasien gibt. Er ist Norma Desmond, die von Christopher Nolan als Helen of Troy gecastet wird. Ein fleischgewordenes Beispiel aus „Wir amüsieren uns zu Tode“ von Neil Postman.
Und die Demokraten? Gute Güte, Politiker, die den erstickten Berufsverbrecher George Floyd für einen Märtyrer halten und noch nicht herausgefunden haben, was eine Frau ist? Der Unterschied ist allerdings, Demokraten wissen in der Regel, wann sie dem Wähler, vor allem dem schwarzen Wähler zuliebe Unsinn nachplappern, während republikanische Politiker tatsächlich in ihrem Paralleluniversum leben.
Die Demokraten rätseln noch heute, warum das MAGA-Fußvolk Trump nicht durchschaut. Sicher, manche lassen sich blenden und glauben ihm. Andere freuen sich, dass Trump aufräumt mit den Fremden, den Braunhäutigen, dafür nehmen sie höhere Benzinpreise in Kauf. Aber manche gucken sich auch die Demokraten an und hören die reden und denken, nein, das wollen wir auch nicht.
Der einzige Demokrat, der versteht wie Trump tickt, ist Zohran Mamdani, unser Bürgermeister. Er schenkte dem Präsidenten zum Antrittsbesuch ein Mockup, eine nachgemachte Titelseite der New York Daily News mit der Schlagzeile: „Trump zur Stadt – lasst uns bauen.“ Zu ihm würde Trump bestimmt nicht sagen, mir reichts, danke, Darling. An diesem Sonntag wird Trump 80 Jahre alt, kurz vor dem 250. Geburtstag des Landes, das gespalten ist wie zuletzt nach dem Bürgerkrieg.
Happy birthday, Donald Trump. Happy birthday, America!
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Viel widersprüchliche Scheiße labern ermöglicht eben viel eigene Projektion.
Da wird aus Donald für jeden Hutbürger eine unterschiedliche Wundertüte.
„Gute Güte, Politiker, die den erstickten Berufsverbrecher George Floyd für einen Märtyrer halten“
Gute Güte, wie kann man nur einen solchen menschenverachtenden Satz schreiben! Ob George Floyd ein „Berufsverbrecher“ war weiß ich nicht, Frau Schweitzer schreibt ja auch nichts, das diese Zuschreibung untermauert, war er vorbestraft? Letztlich spielt es auch keine Rolle. Es ging um überbordende Polizeigewalt im Zusammenhang mit Rassismus, Tatsache ist, dass der Polizist für das Erwürgen von George Floyd verurteilt wurde. Ob das auch ohne die Massenproteste geschehen wäre, sei einmal dahin gestellt. Man muss Trump bei weitem nicht mögen und die „Demokraten“ auch nicht, aber diesen Fall anzuführen, disqualifiziert den Artikel von Frau Schweitzer vollständig.
Zu Herrn Trump fallen mir ein:
Idiotie an den Schalthebeln einer sog. ‚Weltmacht‘: und Gesellschaft schaut einfach zu.
„The Joker“, „Batman“, Jack Nicholson — https://batman.fandom.com/de/wiki/Joker_(Jack_Nicholson)
„Hybris und Nemesis“, Rainer Mausfeld ( 2026 )
„Denn dies eben heißt Verkommenheit: nicht mehr fühlen, wie tief man gesunken ist.“ ( Kurt Tucholsky )
Ignaz Wrobel, Die Weltbühne, 08.09.1921, Nr. 36, S. 237 /
Kurt Tucholsky: Gesammelte Werke in zehn Bänden. Band 3, Reinbek bei Hamburg 1975, S. 44-50:
„Das Buch von der deutschen Schande“ [ … ]
Weitere Hinweise:
1) Karl Marx, Das Kapital ( 1867 ff. )
2) Ludwig Erhard, Wohlstand für alle ( 1957 )
3) Susanne Schmidt, Markt ohne Moral ( 2010 )
4) Christoph Butterwegge, Die zerrissene Republik ( 2020 )
5) Jean Ziegler, Ändere die Welt ( 2014 )
6) Daron Acemoglu et al., Why Nations Fail ( 2012 )
7) Robert Kagan, Macht und Ohnmacht in der neuen Weltordnung ( 2003 )
8) Eugen Drewermann, Kapital und Christentum, 3 Bde. ( 2016 ff. )
9) Werner Rügemer, BlackRock & Co. enteignen! ( 2021 )
10) Rainer Mausfeld, Warum schweigen die Lämmer? ( 2020 ).
Warum die Menschen in den USA Trump treu bleiben, liegt vielleicht daran, dass das Wirtschaftswachstum fast 3% beträgt und die Migration um 90% zurückgegangen ist. Die Inflation ist durch die Zölle zwangsläufig angestiegen. Waren aus dem Ausland sind teurer geworden. Das ist natürlich gewollt, die Leute sollen auf inländische Produkte ausweichen. Aber wer will, kann sich trotzdem einen sauteuren BMW iX3 aus China kaufen. Der zahlt dann in Form des Zolls die Reichensteuer, nach der hier immer geschrieen wird !
(Zum Vergleich BRD 3,2 Mio Schutzsuchende Ende 2025, Wirtschaftswachstum seit Jahren +/- 0)
Außerdem war Trump schon immer ein Star. Schon als er Immobilienhai war, erschien den Boulevardzeitungen bald alles berichtenswert, was mit ihm oder Ivana zu tun hatte.
Als Entertainer erhielt Trump mit The Apprentice einen Stern auf dem Walk of Fame. 2013 wurde Trump in die WWE Hall of Fame aufgenommen.
Und unter den Zehntausenden, die zu seinen Wahlkampfveranstaltungen kommen, befinden sich nicht nur MAGA Anhänger, sondern viele, die Trump als Unterhalter erleben wollen.
Wenn in Deutschland nicht nur Trumps Politik kritisiert wird, sondern so maßlos gegen Trump als Person gehetzt wird, zeigt das nur, wie weit die BRD runtergekommen ist.
Liebe Autorin, Sie schreiben: „Donald Trump ist kein Politiker, er ist ein Reality-TV-Star.“
Das eine schließt das andere nicht aus. Man kann beides sein und das ist gerade das Problem. Trump kann beides. Das muss man neidlos anerkennen. Auch Sozialdarwinisten, Rassisten, Dummköpfe und Diktatoren können „Politiker“.
Reality-TV-Stars gaukeln den Bürger eine Realität vor, die vom Drehbuchautor geschrieben und vom Regisseur mehr oder weniger dramatisch in Szene gesetzt wird und das in der Regel auch noch mit wenig Geld. Viele Zuschauer glauben aber, dass das „echt“ wäre. Das ist der Trick dabei.
Bei Politikern ist das inzwischen nicht anders. Es gibt sicherlich Politiker und „Staatsmänner“ (inkl. Staatsfrauen), die Politik zum Wohle der Mehrheit und im Interesse der Allgemeinheit machen. Viele Politikerinnen und Politiker wollen aber nur gewählt werden. Vor der Wahl lügen sie die Bürger an. Nach der Wahl machen sie dann Politik gegen die Mehrheit und für eine elitäre und superreiche Minderheit und stopfen sich gleichzeitig auf Kosten der Allgemeinheit die eigenen Taschen voll. Dann beschweren sich die Wähler, um dann beim nächsten Mal wieder diese asozialen Politiker zu wählen, um sich dann wieder beklagen zu können, dass sie von den Politikern angelogen werden und so weiter.
Ausnahmen wie der Politiker und ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt, de mehr „Demokratie wagen“ wollte bestätigen die Regel, denn sie setzen sich in der Demokratie offenkundig nicht langfristig bzw. nicht dauerhaft durch. Das gilt auch für Politiker wie John F. Kennedy. Der wurde von einem Attentäter und offiziell „Einzeltäter“, der innerhalb einer Minute aus drei verschiedenen Positionen, die mehr als 100 Meter entfernt lagen, erschossen wurde bevor er überhaupt mit seiner Politik loslegen konnte.
Wer war das nochmal? Ah ja, ein gewisser Ronald Reagan, von 1981 bis 1989 Präsident der USA, war in jungen Jahren Schauspieler, wenn auch nicht sehr erfolgreich, wenn man ihn mit Charlie Chaplin, Marlon Brando, Gary Cooper, Gary Grant, James Dean, Kirk Douglas oder M.M. und Audrey Hepburn vergleicht.
Ein kleiner Österreicher mit braunen Lederstiefeln aus Braunau am Inn wollte einmal Künstler bzw. Kunstmaler werden. Leider wurde er damals von der Kunstakademie abgewiesen. Deutsche Oligarchen (neudeutsch: „Superreiche“) erkannten aber sein rhetorisches Talent, sie förderten ihn finanziell und er wurde dann Diktator des großdeutschen Reiches. Manche AfD-Politiker nennen die Zeit von 1933 bis 1945 (inkl. Zweitem Weltkrieg, Holocaust, Euthanasie, Konzentrationslager usw.) allerdings „Vogelschiss“ der deutschen Geschichte, als ob der Zweite Weltkrieg und die Konzentrationlager vom Himmel gefallen wären. Was Deutschland, Europa und der Welt wohl erspart geblieben wäre, wenn die Kunstakademie den Bewerber aus Braunau am Inn damals nicht abgelehnt hätte, darüber kann man nur spekulieren.
„Trump ist ein alternder Schauspieler, der dauernd seine Linien vergisst und der nicht mehr stürmen kann“
Mit „Linien“ scheinen „Zeilen“ gemeint zu sein, aber dass es eine Schauspielerqualifikation ist, stürmen zu können, ist mir völlig neu.
Neue Anforderung wegen der Fussball-WM vielleicht? Eher etwas Meteorologisches? Oder einfach Poesie im Stil des orangenen Meisters?
> Das Phänomen Trump ist widersprüchlich – und dennoch hat er eine weiterhin treue Anhängerschaft. Wie kann man das erklären?
Ist schon fast komisch, da ist das was die linke Bubble nicht versteht. Wobei ich auch links bin, nur nicht das aktuelle wokelinks. Trump hat mit der Ideologie aufgeräumt, deshalb wurde er gewählt. Das damit nicht alles zu Gold wird, ist die andere Seite. Das hängt damit zusammen das US Präsidenten nicht im luftleerem Raum agieren können. Auch Obama nicht btw.
> am Nasenring durch den Mittleren Osten ziehen
Komisch das es allen US Präsidenten davor auch so ging, auch den demokratischen. Wo war die Kritik da? An der Israel Politik der USA hat sich nie was geändert. Das sollte einem eigentlich bekannt sein? Der Artikel plätschert nur an der Oberfläche.
Ideologie bedeutet man ist nicht objektiv. Man sieht alles durch eine rosarote Brille. So wird dann „rechts“, welches rechts das auch immer ist, für alles verantwortlich gemacht. Da fühlt man sich endlich wohl, das gibt ein gutes Gefühl, weil man hat ja einen Schuldigen gefunden.