
Wenn ein New Yorker mit den Persern verhandelt.
Vor fast 40 Jahren, 1987, kam ein Buch heraus, das es zügig an die Spitze der New York Times-Bestsellerliste schaffte: The Art of the Deal, die Kunst des Verhandelns. Der Autor war ein New Yorker Immobilienentwickler, in seiner Heimatstadt bekannt wie ein bunter Hund: Donald Trump. Der tatsächliche Autor war der Reporter Tony Schwartz, der Trumps Telefongespräche auswertete, aber darum geht es hier nicht.
Um das Buch zu promoten, lud Trump zu einer Party im Trump Tower ein und kündigte an, er wolle als Präsident kandidieren. Und dann werde er nicht so viel Geld für ausländische Kriege ausgeben, bloß um nutzlose Alliierte zu verteidigen. Ähnlich klang er übrigens während des Bush-Regimes, und nochmal, als er 2016 tatsächlich antrat und kein Kriegsgeld mehr im Mittleren Osten verschwenden wollte.
Das Memorandum of Understanding
1992, fünf Jahre nach dem Launch von The Art of the Deal gingen die ersten seiner Bauprojekte pleite, auch seine Casinos, aber der Donald nutzte seinen Bestseller, um sich als größter Dealmacher aller Zeiten gleich nach dem Grand Nagus zu inszenieren und damit seine Reality-TV-Show The Apprentice zum Quotenhit zu machen.
Fast Forward zu heute, der größte Dealmacher aller Zeiten hat die Grundzüge eines vorläufigen Friedensvertrags mit dem Iran ausgehandelt. Darin zeigt er dem amerikanischen Wähler, wie viel besser er verhandeln kann als der von ihm immer noch schwer ungeliebte Vorgänger Barack Obama.
Unterzeichnet hat Trump das MOU, das Memorandum of Understanding in Paris, im Palast von Versailles, ähnlich wie weiland die kurzlebige sozialdemokratische deutsche Regierung unter Gustav Bauer nach dem Ersten Weltkrieg unter dem Druck der britischen Hungerblockade. Steht dieser Vertrag mit dem Iran unter ähnlich düsteren Vorzeichen (wie der ein oder andere Late-Night-Komiker witzelte)?
Nach dem Memorandum darf der Iran keine nuklearen Waffen erwerben oder entwickeln, eine zivile Nutzung von Nuklearenergie ist aber erlaubt, desgleichen Langstreckenwaffen. Das sei nur fair, andere Länder hätten sie auch, meinte Trump, der ursprünglich alle iranischen Waffenfabriken dem Boden gleich machen wollte. Das bisher angehäufte angereicherte Uran soll unter UN-Aufsicht abgeschwächt werden, so dass damit keine Atombombe gebaut werden kann. Die USA und der Iran respektieren ihre gegenseitige territoriale Integrität und stellen die Feinseligkeiten ein.
Reaktionen auf das MOU
Der Iran wiederum öffnet die Straße von Hormus, den wichtigen Seeweg für Öltanker und verzichtet auf Zölle, aber nur in den ersten 60 Tagen. Was danach kommt, steht in den Sternen. Die Straße von Hormus war vor dem Krieg kostenfrei. Und offen.
Die USA heben zudem sämtliche Sanktionen auf; der Iran darf nun endlich wieder Öl verkaufen, auch an westliche Länder. Iranische Gelder auf US-Banken werden freigegeben. Und das Interessanteste ist: Es wird einen 300-Milliarden-Dollar-Infrastrukturplan geben, übersehen von den USA und bezahlt von den eben gleichen Golfstaaten, mit denen sich der Iran zuvor duelliert hatte.
Es ist so, als würde der Marshallplan von Frankreich und Belgien finanziert. Für den Krieg hatten die USA rund 100 Milliarden Dollar ausgeben. Das Geld kommt nicht wieder. Es ist ein Deal, den der Iran selbst als militärischer Sieger nicht viel besser hätte aushandeln können. Was sagen Trumps MAGA-Freunde dazu?
Fox-News Anchor Sean Hannity meinte, das Memorandum habe keinerlei Bedeutung, Trump habe es wahrscheinlich nicht einmal gelesen. Er werde schon irgendwann irgendwas aus dem Bauch entscheiden. Andere Fox-News Kommentatoren glauben, hinter dem MOU stecke in Wirklichkeit Trumps Vize JD Vance, sein Schwiegersohn Jared Kushner oder dessen Mit-Spekulant Steve Witkoff, Trumps Kontaktmann zu Wladimir Putin. Ja, wenn das der Führer wüsste!
Weniger gelassen sind manche Republikaner im Kongress, vor allem die, die Trump noch nie mochten. Bill Cassidy, Republikaner aus Louisiana fauchte, dass sich “Ronald Reagan im Grab“ umdrehe. Wirklich, der Präsident, der den Iran-Contra-Deal abgesegnet hat? Senator Ted Cruz, als Trump-Gegner gestartet, als Bettvorleger gelandet, fand, dass es keine gute Idee sei, Milliarden von Dollar an verrückte Theokraten zu geben, die Amerikaner umbringen wollten.
Cruz mag keine verrückten Theokraten? Ähnlich denkt Nikki Haley, die frühere Präsidentschaftskandidatin. Mike Pence, Trumps alter Vize, findet, die U.S. Army sollte bleiben und den Job erledigen. Und Parteirebell Thomas Massie bemerkte, 300 Milliarden Dollar sei fünf Mal so viel, wie der Kongress jährlich für Verkehrsinfrastruktur bewillige.
Ein Schlag in Bibis Gesicht
Das mag sein, aber natürlich ist es nicht die Schuld der Iraner, dass Amerika sein Geld lieber in Kriegen verballert. Allerdings Lindsay Graham, republikanischer Trump-Arschküsser der zweiten Stunde, stellte sich hinter den Deal.
Noch empörter sind nur die Demokraten — Chuck Schumer, deren Sprecher im Senat sprach von der „Kunst des Kapitulierens“, und versprach, dass die Demokraten im Senat dagegen stimmen werden. Offenbar versucht sich Schumer gerade in der Kunst des Midterms-verlieren, die Nachwahlen in der Mitte der Legislaturperiode, in demokratischer Tradition.
Nun aber zum Elefanten im Kriegsdschungel: Israel. Den Krieg hat Trump, so viel ist unumstritten, auf Betreiben von Bibi Netanyahu angefangen, der den Iran schon seit vielen, vielen Jahren am Boden sehen will. Trump ist in Israel beliebt, viel beliebter als Bibi. Trump selber mag Bibi nicht besonders, neulich hat er ihn am Telefon angeschrien; heißt es, heutzutage weiß man ja nichts sicher.
Für Bibi ist das Memorandum ein Schlag mit dem nassen Waschlappen ins Gesicht, zumal sich die USA darin auch verpflichtet, die territoriale Integrität des Libanon zu schützen, den Israel fast täglich bombardiert. Weshalb Trump diese Woche auch raunzte, Israel könne nicht jedes Mal einen ganzen Wohnblock in die Luft sprengen, nur um einen einzelnen feindlichen Kämpfer zu fangen.
Die Iraner nannte Trump „klug“. Allerdings hat sich Trump mit der Klausel in die Lage manövriert, womöglich Israel Einhalt im Libanon gebieten zu müssen. JD Vance, der sich unaufhaltsam als kommender Präsident positioniert, erinnerte Bibi denn auch daran, dass Amerika der letzte starke Freund sei, den das Land noch habe.
Trump: Kein zuverlässiger Verbündeter?
Die konservative israelische Presse lief Amok: Trump opfere die israelischen Sicherheitsinteressen, hieß es. Und er wolle nun doch keinen „Regime Change“ im Iran. David Horovitz, der Chefredakteur der (moderaten) Times of Israel, sprach von einer „katastrophenartigen Kapitulation“.
Ähnlich verärgert sind pro-israelische Lobbyorganisationen wie AIPAC (American Israel Public Affairs Committee) oder Think Tanks wie die Foundation for the Defence of Democracies, wo verbliebene Neokonservativen untergekrochen sind.
Trump kein zuverlässiger Verbündeter, der seine Haltung ändert wie ein libanesischer Gebrauchtwagenverkäufer, wer hätte das gedacht? Man reiche mir das Riechfläschchen. Israel will nun seine Anstrengungen verdreifachen, die amerikanische Öffentlichkeit zu beeinflussen, und das ist auch nötig, denn Israel ist in Amerika nicht sonderlich beliebt, und Bibi schon gar nicht.
Und auch der Krieg gegen den Iran war in den USA nie populär, schon der hohen Benzinpreise wegen — eine Mehrheit war immer dagegen. Während rechte Amerikaner nicht für einen Krieg bezahlen wollen, von dem sie glauben, dass Israel davon profitiert, freuen sich die Linken, dass Trump mal wieder vorgeführt wurde, egal wie.
Manche würden wahrscheinlich sogar einen nuklearen Iran in Kauf nehmen, wenn Trump dafür endlich aus dem Weißen Haus gekegelt wird, und Bibi mit ihm. Denn der, auch das ist in Amerika unvergessen, hat oft gegen Obama gestänkert.
Aber, wer weiß, der größte Dealmacher der Weltgeschichte könnte sich immer noch eine Überraschung einfallen lassen, um die Einschaltquoten hochzutreiben. Die Frage ist, nur, wen er überrascht, und ob der Überraschte sich freut.
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„Steve Witkoff, Trumps Kontaktmann zu Wladimir Trump. “
Könnte ein perfekter Witz sein, weiß aber nicht, wofür.
Die Autorin gibt ja die Stimmung in USA wieder, aber alle könnten wir fehl liegen mit der Ernsthaftigkeit des Deals von Trumps Seite her.
Es ist durchaus denkbar angesichts dessen Unberechenbarkeit, dass Trump gar nicht an die Einhaltung der Vereinbarkeit denkt, sondern mit dem Platzen spekuliert. So könnte man die merkwürdige Verpflichtung, dass Israel, ohne gefragt zu werden, den Krieg im Libanon einstellt, werten.
Wir werden sehen.
Danke für den Hinweis, Herr Oberst. Wir haben sehr gelacht. Nehme an, dass das nicht beabsichtigt war.
Genosse Oberst, wenn ich bitten darf. Soviel Zeit muss sein.
Nebenbei, ich wäre nie ein „Herr“ geworden, das ist Tradition in meiner Familie seit über 150 Jahren, aus deren Verankerung in der Arbeiterbewegung.
Was soll dabei herauskommen wenn ein New Yorker Immobilien Ganove mit ernsthaften Diplomaten und Politikern verhandelt?
Ich befürchte nichts!
Die MSM jubeln aber trotzdem und bringen schon das Militär in Stellung, allen voran Deutschland weil die unterbemittelten Iraner angeblich nicht in der Lage sind ihre eigenen Minen zu beseitigen sofern die überhaupt vorhanden sind. Bisher ist noch kein Schiff auf eine Mine gefahren und beschädigt worden.
Ein Schelm wer Böses dabei denkt
„Nun aber zum Elefanten im Kriegsdschungel: Israel. Den Krieg hat Trump, so viel ist unumstritten, auf Betreiben von Bibi Netanyahu angefangen, der den Iran schon seit vielen, vielen Jahren am Boden sehen will.“
Für eine New Yorkerin ein verzeilicher Irrtum.
Allerdings – da Eva schon die „Iran-Contra-Affäre“ erwähnt, sollte sie wissen, daß diese Geschäfte maßgeblich vom Mossad und dem israelischen Außenministerium abgewickelt worden sind. Paßt irgendwie nicht, vere?
Mehr noch, Israel war zusammen mit der Türkei maßgeblich an der nuklearen Aufrüstung Pakistans beteiligt, und damit zumindest mittelbar auch am iranischen Atomprogramm. Das wissen wir von Sibel Edmonds, trotz Maulkorb.
Neenee, die islamische Revolution und die Feindschaft der Theokratie ist für die regierenden Zionisten ein epochales Geschenk in ihrem Streben nach unumstrittener regionaler Hegemonialmacht gewesen, aber Persien interessiert sie nicht die Bohne, in keiner Weise. Zweck der vorgetragenen Feindschaft gegen den Iran und des jahrzehntelangen Getues um das iranische Nuklearprogramm ist es gewesen, den USA und den Europäern eine Vernichtung der nationalen Entität „Libanon“ und eine Annexion weiter Teile des syrischen Südens abzunötigen, Syrien sollte dafür den Norden des Libanon erhalten, Israel den Süden. Ein Wolkenkuckucksheim als „Masterplan“, aber dieser Widerspruch liegt gleichsam in der Natur der zionistischen Militäraristokratie, deren Souveränität einerseits nuklear unwidersprechlich ist, aber in der politökonomischen Substanz bis in jüngste Zeit ein Treppenwitz. Erst die zunehmende Bedeutung Israels als Rüstungsproduzent und -lieferant hat das zu ändern begonnen.
Das durfte erscheinen, trotz der Einwendungen der KI, interessant.
C gpt fälscht meine Aussage zur Iran-Contra-Affäre, da steht nicht, Israel sei ursächlich beteiligt gewesen, oder hätte bei der Motivation eine Rolle gespielt, da steht nur „abgewickelt“, und das ist offiziell belegt.
Beim Thema Nuklearprogramm sieht der KI- Kommentar wie eine mutwillige Fälschung aus, denn er nennt die Auskünfte Sibel Edmonds „umstrittene Thesen“ und verweist auf Abdul Qadeer Khan, als stehe das im Widerspruch zu ihnen. Edmonds hat sich u.a. auf Bewegungsprofile und Schriftverkehr des Mannes berufen, der ihr zur Übersetzung vorgelegen hat, dazu sekundäre Mitteilungen und Nachrichten v.a. aus der Türkei, namentlich vom MIT (türkischer GEheimdienst). Entweder hat sie gelogen oder nicht gelogen, is sich nichts mit „Thesen“.
Der Rest ist „umstrittene Deutung“ genannt, die keiner „Lehrmeinung“ entspreche. Was du nicht sagst!
Stimmt wohl, die haben das »abgewickelt«, aber eben nur als Logistiker. Ansonsten hätte es Scapegoat Oliver North nicht gegeben. Frau Schweitzer ging es um die für die US-Öffentlichkeit gebleachte Weste Reagans.
Immerhin scheint es beim Donald eine gewisse Einsicht zu geben das seine Spezialoperation nicht so funktioniert hat wie er sich das vorgestellt hat.
Andere schwurbeln bei so einem Ergebnis lieber von Massenvernichtungswaffen und lassen sich dafür von ihren Groupies bejubeln.
„Bibi Netanyahu, der den Iran schon seit vielen, vielen Jahren am Boden sehen will.“
Da ein wenigstens schwach elaborierter Kommentar dazu voraussichtlich geblockt wird:
Das ist ein Irrtum, der Iran interessiert den Bibi und seine Gesellen nur als Pappkamerad, die israelischen Ziele sind der Libanon und Syrien, Iran war stets bloß „Bande“ (Billiard).
Ach so, deswegen wird vergleichsweise wenig von den US in den US investiert? Weil Waffen liebende Christen alle anderen, also auch jene, die gleichfalls als Amerikaner gelesen werden wollen, irgendwie verschwinden lassen möchten oder diese sonstwie „anders“ werden sollen, eben etwas mehr „gerichtet“ und weniger lebendig.
Ansonsten macht Herr Trump das, wofür er gekommen ist: Er liefert eine Show, die nicht dafür gedacht ist, plausibel oder nachvollziehbar zu sein, während das Weltgeschehen (das wirtschaftliche, intellektuelle, kriegerische, langfristige etc.; kurz: das wesentliche) woanders und ohne viel Publikum inszeniert wird. Trump kann sich schwerlich für sein grundlegendes Prinzip entschuldigen: Cliffhanger.
Direkt nachdem Trump diese „Vereinbarung“ mit dem Iran vereinbart hat, macht er schon wieder das, was er kann: Er spricht schon wieder brutale Drohungen aus.
FOXNEWS berichtet in dem Zusammenhang mit dieser merkwürdigen Vereinbarung mit dem Iran über Trump wie folgt:
„He warned Iran that the memorandum of understanding is not final and „if they don’t behave, we’ll go right back to dropping bombs right smack in the middle of their head.“
(Quelle: FOXNEWS June 18, 2026, 12:54 AM EDT)
Trump – ein wahrer Friedensengel – bzw. jeder Mensch macht nur das, was er kann, mehr geht nicht