
In den USA hat sich der Wind gedreht und die Translobby bekommt Gegenwehr – und das längst nicht mehr nur aus dem Trump-Lager.
Der Supreme Court in den USA hat geurteilt: Transfrauen und Transmädchen – also biologische Männer und Jungen – dürfen nicht mehr in Teams für Mädchen im Schulsport teilnehmen. Verboten hat das höchste Gericht der USA das zwar nicht, es hat es aber den einzelnen Staaten freigestellt, nach Geschlechtern getrennte Schulsportteams zuzulassen. Und etwa die Hälfte der Staaten haben das auch vor.
Geklagt hatten mehrere Jungen, die als Mädchen identifizierten, respektive deren Eltern. Einer davon nahm Pubertätsblocker, seit er zehn ist, was angeblich niemals passiert. Der Supreme Court berief sich darauf, dass die Geschlechtertrennung nach Biologie nicht die Rechte von Jungen verletzt, da das in der Verfassung verankerte Recht auf gleiche Chancen für Mädchen (vor allem Afro-Amerikanerinnen) vorgehe. Schulsport in den USA ist kein reines Freizeitvergnügen; wer sich da hervortut, hat Chancen auf ein Stipendium auch bei sehr guten Universitäten wie Harvard.
Was sind Terfs?
Nominell geht es um die Rechte aller Transpersonen, de facto aber nur um die von biologischen Jungen. Niemand hat von Frauen oder Mädchen gehört – von etwaigen extrem vereinzelten Ausnahmen abgesehen –, die darum kämpfen, auf die Männertoilette gehen zu dürfen, oder die gegen Männer boxen wollen, oder in einen Männerknast gesteckt werden wollen, falls sie straffällig werden. Aber niemand ist ja empfindlicher und gefährdeter als junge weiße Heteromänner, das weiß jeder, der mal einen solchen mit Männergrippe im Haus hatte.
Auch die meisten Schwulen solidarisieren sich in Transangelegenheiten mit ihren männlichen, zumeist heterosexuellen Transbrüdern und nicht etwa mit ihren lesbischen Schwestern. Heterosexuell deshalb, weil man nie von Schwulen hört, die gemeinsam mit halbnackten Frauen Turnen, Duschen oder die Wäsche wechseln wollen. Allerdings gibt es diese Solidarität nur auf dem Papier oder im Internet und leider nicht, wenn es darum geht, schwule Räume für Transmänner zu öffnen oder etwa gar Beziehungen mit denen einzugehen. Da schweigen die Lämmer.
Und das alles passierte in der Pride Week. Zu allem Überfluss traf sich nun auch noch die britische Queen Camilla ostentativ mit J.K. Rowling, die Königin der Terfs. Damit setzte eine neue Runde Schaum-vor-dem-Mund bei Transaktivisten ein.
Was sind Terfs? Jan Böhmermann, der heteronormative männliche Politclown der deutschen Linken erklärte dazu, Terfs, also transausschließende radikale Feministinnen seien. „Ziemlich unangenehme, sehr laute Leute.“ (Frauen, Böhmi, das Wort ist Frauen, das Geschlecht, mit dem du ausschließlich vögelst) Er verstieg sich dann zu „TURFs“, die man ‚turds‘ (Scheißhaufen) nennen könne, die nutzten haufenweise Talking-Points, um Hass zu schüren gegen trans Menschen.“
Also, gegen Männer. Böhmermann meinte auch, Gewalt gegen Frauen finde meistens nicht in der Damenumkleide statt, sondern zuhause. Vermutlich ganz besonders, wenn frau einen aggressiven Kotzbrocken wie gewisse Komiker im Schlafzimmer hat. So halbwegs ähnlich, wenngleich weniger ordinär und giftig hat Dieter Nuhr kürzlich gescherzt. Aber irgendwie kriegte er viel mehr Flak als der Turdkomiker.
Früher war Schweigen, heute nicht mehr
Aber zurück zu Amerika: Nach dem Urteil solidarisierten sich praktisch alle woken Organisationen mit den armen Transjungen, die nun nicht mehr Sport treiben dürften – dürfen sie noch, aber nicht mehr bei den Mädchen, falls der betreffende Bundesstaat das so sieht – oder nicht mehr in die Schule dürften. Das ist natürlich Blödsinn, und ohnehin wäre es der Familie unbenommen, umzuziehen. Wenn die öffentlichen Schulen in den USA einen zu hohen Anteil von Afro-Amerikanern haben, kriegen sie das mit dem Umzug ja auch flugs hin.
Solidarisch zeigen sich auch Organisationen, die eigentlich eine ganz andere Funktion haben, aber zu glauben scheinen, auf den Transwagen aufzuspringen bringt ihnen Gummipunkte. Amnesty International – die früher mal für Frauenrechte eingetreten sind, insbesondere die von weiblichen Flüchtlingen –, macht da mit, die ACLU, die einst eine Organisation für freie Rede war und nun fordert, dass es verboten wird zu sagen, Transfrauen sind Männer. Und natürlich alle möglichen Schwulen und LGBTQ+-Vereine. Und Gewerkschaften. Es ist erstaunlich zu sehen, wer inzwischen schon alles von der Translobby unterwandert wurde.
Und, leider, auch die Demokratische Partei, zumindest deren linke Parteiflügel oder die Ortsorganisationen in den üblich verdächtigen Städten. Einer der Sprüche, mit denen Trump die Wiederwahl gewonnen hat, war: „Die sind für they/them, ich bin für euch.“ Das brachte ihm eine unklare, aber dezidierte Anzahl von Prozentpunkten, und den Sieg. Das, und dass er außerdem versprochen hat, Bibi Netanyahu nicht mehr waffentechnisch zu unterstützen, aber das steht auf einem anderen Blatt.
Nun aber das Interessante, und Neue: Früher hätte sich niemand getraut, den Mund aufzumachen, außer einer kleinen Anzahl unbeirrter Feministinnen, die dafür Morddrohungen kassierten, meistens von Heteromännern, während Amnestie mit den Händen in der Tasche danebenstand. Oder vielleicht noch belächelte religiöse Konservative, die meinten Gott habe nur zwei Geschlechter geschaffen.
Nun aber kriegten diese Meinungshaber ihre Transsolidarität um die Ohren gehauen, und zwar von erkennbar Liberalen, die eigentlich deren Anliegen unterstützen. Oder unterstützt haben. Wo auch immer die Unterwanderten erzählten, Mädchen dürften nun keinen Schulsport mehr treiben, kriegen sie und ihre zusammengelogenen Statistiken von Menschen aus dem gewöhnlichen Volk contra. Manche schalteten daraufhin die Kommentarfunktion ab, weil das nicht so lief wie gedacht.
Jetzt merkt man erst, dass von der Transseite nur vorformulierte Talking Points kommen (von wem?), und dass die Talkingpointer außerdem überhaupt nicht daran gewöhnt sind, dass man ihnen mit Argumenten widerspricht, weshalb sie immer nur den gleichen Mist wiederholen. Denn bisher haben sie sich darauf verlassen, dass die Terfophilen aus Angst vor Sanktionen oder Canceln die Klappe halten.
Wann macht Böhmermann die 180-Grad-Wende?
Noch hat aber die Lobby Einfluss. Die Demokraten von Minnesota kamen mit einer abgewogenen Erklärung heraus, die sie hastig zurückziehen mussten zugunsten von „Transrechte sind das einzig Wichtige“, offenbar, weil sie gewaltig etwas auf den Deckel bekommen haben. Von wem? Dem Schild und Schwert der Partei?
Das gilt auch für die Kommentarspalten von liberalen Zeitungen, von der New Republik über den New Yorker und der New York Times, das Rückgrat der Translobby. Die Times hatte es einmal fertiggebracht, ein Pro-und-Contra zum Thema „Dürfen biologische Männer mit Frauen und Mädchen pinkeln“ zu bringen, bei dem sich zwei Transfrauen ohne Beteiligung von Frauen streiten durften.
Ein andermal brachte die Times einen Beitrag – von Michelle Goldberg – über ein Mädchen, das auf der Frauentoilette von einen „Transgirl“ vergewaltigt wurde. Daran sei das Mädchen selber schuld, so Goldberg. Sie habe das Transgirl zum Mitkommen aufgefordert, bevor die Schulrichtlinie zu gemischten Toiletten formaljuristisch in Kraft getreten sei, und außerdem sei das Wasser auf die Mühlen von Trump.
Diesmal schickte die Times Masha Gessen ins Rennen, eine lesbisch-nonbinäre Exilrussin, die fand, es gehe bei dem Beschluss des Supreme Court um etwas Tieferes als das Gesetz. Es gehe darum, wer gehört wird und wer Schutz verdiene. Aber wenn man Frauen vor biologischen Männern schütze, warum nicht auch Transfrauen? Das solle von Fall zu Fall entschieden werden, nicht von oben herab.
Für Gessen ist das bereits moderat, aber auch ihr wurde das um die Ohren gehauen. Warum, schrieb eine Kommentatorin, verderbe eine Autorin, deren wichtigstes Thema Putin und die Gefahr von autoritären Regimen sei, ihre gesamte Glaubwürdigkeit mit so einem verrückten Quatsch? Die gleiche Frage sollten sich auch deutsche Medien stellen, vor allem die, deren Hobby es ist, ihre Leser den lieben langen Tag zu bepredigen. Warum soll ich eine Zeitung ihre Informationen zu Putin, oder den Nazis abnehmen, deren Redakteure glauben, manche Frauen haben Penis?
Anders allerdings die liberaleren Neocon-Blätter wie The Atlantic. Die haben kühl kalkuliert, dass der Ukrainekrieg ihnen wichtiger ist als Transrechte und dass man eine Reputation nur einmal verspielen kann. Wer außerdem noch den Ball flachhält, sind die demokratischen Politiker, die noch Karriere machen, oder vielleicht gar Präsident werden wollen wie der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom. Früher wäre der als erster in die Bütt gesprungen, heute sagt er vorsichtshalber gar nichts. Das ist ein Zeichen. Lasst uns mal gucken, wann Böhmermann die 180-Grad-Wende macht, dann wissen wir, das ist das Ende.
Ähnliche Beiträge:
- Böse Wörter
- Moshe Zuckermann: „Dass viele Zivilisten im Gazastreifen umkommen, hat Israel nie bekümmert“
- »Ein unglaubliches Versagen des Westens«
- Äthiopien taumelt einer ungewissen Zukunft entgegen
- Die militärische Lage in der Ukraine





Wenn nun dieser Wokismus ein besseres und friedlicheres Zusammenleben aller ermöglicht hätte, das wäre ja wohl wünschenswert gewesen. Indes ist das doch sehr entfernt, statddesen jeden Tag Streit über Dinge, die man früher gar nicht für möglich hielt. Die Autorin ist davon ziemlich angefressen. Ich auch.
Das war nie eine Graswurzelbewegung. das kam erkennbar immer von oben. Mit welcher Absicht? Eine ist ziemlich klar. Die Woken ließen sich stets willig „gegen Putin“ einspannen. Ohne dies auch nur einmal kritisch zu reflektieren. Obwohl es ins Auge springt.
Dann sind da immer noch die „Queers for Palestine“. Das ist keineswegs eine Randerscheinung, das ist der Kern. Nun ja, queer sein war lange Zeit die Sofortexkulpierung vom Verdacht, Nazi zu sein. Ein Freibrief, um dann Terroristen zu unterstützen.
Hier gekonnt karikiert:
https://x.com/LizaRosen0000/status/2073010013765853293/video/1
Letztendlich kommt diese Transfolklore und die Genitalverstümmelung und Kastration aus der Eugenik-Welt von Bill Gates sen. und jun., sowie der Rockefeller-Stiftung mit dem Thema Überbevölkerung des Planeten. Es soll der ideale Mensch geschaffen werden, aber bitte nicht zu viele. Der Rest wird dann weggezüchtet. Wikispooks hat dazu gute Artikel.
Ja, das ist wirklich die größte Schandtat, als Queere für Palästina zu sein und nicht etwa für das völkermörderische Israel. Letzteres würden Sie denen zweifellos verzeihen.
Wenn sich jetzt Feministinnen über Transfrauen in der Frauenumkleide echauffieren, vergessen diese gerne, dass sie ja selbst den ideologisch Unterbau über viele Jahre gelegt haben. Die aktuelle Weltanschauung, dass Geschlechter beliebig gewechselt werden können ist ja nur einen Weiterentwicklung der Geschlechter als soziales Konstrukt.
Noch vor Transgender waren es die Feminstinnen, die das biologisch Geschlecht negierten und auf das soziale Geschlecht setzten. Allerdings natürlich immer nur dann, wenn es dienlich war. Also z.B. nicht bei Wehrpflicht oder Renteneintrittsalter oder ähnlichem.
Registrierst du wirklich nicht die Gegensätzlichkeit dieser Dinge.
Ein *sich selbst* sozial definierendes Geschlecht kann sich jederzeit in jeder beliebig wählbaren Rolle austoben. Der „Softy“ hat das auf seine Art und Weise getan, wie auch die mit Arbeitsstiefeln und Eisenketten bewehrte Lesbe.
Die woke Gegenwartskultur hingegen tut garnichts mehr. Ihr geht es nur mehr um das Symbol. Es herrscht dort Zölibat und rein praktisch lässt sich mit den Dingen dann auch auf Dauer nichts mehr anfangen. Das ist dann kaputt. Man wusste es und man wollte, das es kaputt ist.
Solches ist komplett krank und steht in keinem Bezug zur verf*****er Androgynität früherer Zeiten oder dem heftigen Aufeinandprallen in kampflesbischer, wie dem Blitzkrieg schwuler Aktivität.
„Registrierst du wirklich nicht die Gegensätzlichkeit dieser Dinge.“ – Nein, denn sie sind nicht wirklich gegensätzlich.
Nach den Anfängen der Frauenrechtsbewegung, die völlig zu Recht für Wahlrecht, Berufsfreiheit und insgesamt gleiche bürgerliche Rechte kämpte, ist das ganze in eine fanatische Ideologie entglitten. Überall wurde Diskrimierung geschrieben und Kritiker niedergemacht und regelmäßg als Nazis diffamiert.
Legendärd das Interview als Alice Ester als Faschistin titulierte.
Mit anderen Ansichten ging der Feminismus seit jeher genauso übel um, wie die Transidelogen heute. Und beide arbeiteten/arbeiten sehr, sehr gerne mit der Nazikeule.
Also wenn die Feministinnen alten Schlages jetzt über die LGTBXYZler jammern, sollte sie es vielleicht erstmal als Anlass zur Selbstreflexion nehmen. Machen sie aber nicht. Daher auch nur sehr begrenztes Mitleid.
Also ernsthafte Feministinnen wie Alice Schwarzer haben immer für Frauenhäuser gekämpft, um die allerschlimmsten männlichen Übergriffe verhindern zu können.
Emanzipation war immer ein Kulturbegleiter, Heißt, wenn es neue Rollen für Frauen bspw. in der Arbeitswelt gab, nahmen sie diese auch war. Wenn diese Rollen mit Prestige verbunden sind, werden sie von den Männern eher verteidigt als ein Platz am Fließband oder ein Job als Putze.
So wie die meisten Feministinnen gegen Gewalt gegen Frauen sind, so sind sie meistens auch gegen Gewalt gegen Kinder oder gegen andere Länder. Wenn man sie da argumentativ reindrängen will, ist das ein Vergewaltigungsversuch auf argumentativer Ebene. Andersrum bringt es auch nichts, den bulgarischen Straßenarbeiter aus der Asphaltiertruppe ins Büro an den Computer zu verpflanzen.
Kulturbegleitende Emanzipation bedeutet nicht, dass man dunstköpfig alle Posten durchrochiert und den feingliedrigen Gitarristen auf den Bau schickt.
> Also z.B. nicht bei Wehrpflicht oder Renteneintrittsalter oder ähnlichem.
Es gibt aktuell ja wieder die Jugendlichen, die Merz und Kiesewetter auf ihren Plakaten an die Russlandfront schicken. Das ist ein bisschen lustig, wird aber nicht passieren.
Wenn es zu den Prozessen gegen z.B. Fragebogen-Verweigerer kommt, hoffe ich, dass unsere obersten Gerichte die Geschlechter-Asymmetrie wahrnehmen. Moderne heißt ja nicht, dass alles einfacher wird. Einfacher war früher.
(Über weite Teile) guter Artikel zum Thema – leider auf der falschen Plattform. Wo sich Anti-Wokismus nicht von Homophobie zu unterscheiden vermag, ist es auch nur allzu einfach die Angel auszuwerfen.
Für jemanden, der mit diesen seltsam-bizarren Dingen und mit diesen albernen Wortschöpfungen (z.B. „Terfs“, „nonbinär) nicht vertraut ist – und das dürften viele Menschen sein – ist der Artikel erstens nicht so rasch verständlich und berührt zweitens eher abwegige Themen. Und ehrlich gesagt: Ich weigere mich, mich in so einen Quatsch einzuarbeiten.
Immerhin kann ich die Überschrift und die einleitenden Sätze verstehen und die stimmen hoffnungsvoll.
Die Welle scheint sich gebrochen zu haben.
Werter Herr Wirth, Sie haben mir die Worte aus dem Munde genommen!
Treffender hätte ich es ganz sicher auch nicht formulieren können!
Es gibt Texte, bei denen man schon nach dem ersten Absatz weiß: Hier schreibt jemand aus tiefster, persönlicher Erfahrung.
Nicht etwa mit real existierenden trans Menschen – um Himmels willen – sondern mit einem viel wichtigeren Erfahrungsschatz: Talkshows, Leitartikel und langen Abenden mit Alice-Schwarzer-Sammelbänden.
Transmenschen treten in dieser Welt nur als Schattenrisse auf: „Transmädchen“, „Transfrauen“, „Translobby“ – alles hübsch in Anführungszeichen, alles fein etikettiert, damit keine echte Person aus Fleisch und Blut dazwischenrutscht. Man könnte fast meinen, die Autorin kennt trans Personen nur aus denselben Hollywoodfilmen, in denen schwule Männer früher wahlweise als Comic Relief oder als tragische Nebenfigur sterben mussten.
Während also in US-Gerichten über „Mädchen“, „Frauen“, „Toiletten“ und „Gefängnisse“ verhandelt wird, darf die Autorin aus sicherer Distanz berichten, wie die Zivilisation gerade noch eben vor dem Untergang bewahrt wird, weil irgendwo ein Bundesstaat beschließt, dass Transmädchen nicht im Mädchenteam spielen sollen. Klar, Prioritäten muss man haben – Klimakrise, soziale Ungleichheit, Gesundheitsversorgung? Nebensache. Hauptsache, der Diskurs über die Horrorvorstellung „manche Frauen haben einen Penis“ läuft sauber durch.
Zwischendurch darf natürlich noch schnell auf die „Translobby“ verwiesen werden, diese allmächtige Geheimorganisation, die somehow sowohl marginalisiert als auch omnipotent ist. Dass trans Menschen statistisch eher ärmer, verletzlicher und häufiger von Gewalt betroffen sind – das bleibt hier hübsch unsichtbar, man möchte sich ja nicht den sorgfältig konstruierten Kulturkampf ruinieren.
Während cis Autorinnen also weiter über „die Trans“ sprechen, als wären sie eine exotische Spezies, passiert in der schnöden Realität etwas zutiefst Unhöfliches: schwule Männer, lesbische Frauen, bisexuelle Leute – kurz, queere Communities – kennen trans Menschen einfach als ganz normale Freund:innen.
Sie sitzen mit ihnen beim Bier, beim Tatort, bei der Miete-aufteilen-WG-Besprechung und kommen dabei zu dem erschütternden Befund, dass Transfrauen und Transmänner in erster Linie… Menschen sind. Skandal!
Das muss für manche cis Feminist:innen ein Schock sein. Jahrelang hat man sich liebevoll in einer Welt eingerichtet, in der die Achse aller Unterdrückung exakt zwischen „biologische Frau“ und „biologischer Mann“ verläuft und dann kommen da plötzlich real existierende Transmenschen, die weder ins Schwarz-Weiß-Schema passen noch Lust haben, sich für die Projektionen anderer zur Verfügung zu stellen. Und schlimmer noch: Schwule und andere queere Leute erlauben sich, diese Menschen einfach mit in ihren Freundeskreis aufzunehmen, ohne vorher beim Supreme Court oder bei Alice Schwarzer um Erlaubnis zu fragen.
Wenn dann noch J.K. Rowling zur „Königin der Terfs“ erklärt wird und ein höfliches Treffen mit Queen Camilla als epochales Signal einer erwachenden liberalen Elite verkauft wird, bekommt man endgültig das Gefühl, in einer sehr speziellen Netflix-Serie gelandet zu sein. Eine, in der sich Leute permanent gegenseitig „Mut“ attestieren, weil sie gegen eine angeblich übermächtige Transbewegung ankämpfen – mit Kolumnen, Podcasts, Fernsehauftritten und Preisen für Zivilcourage. Truly David vs. Goliath, nur dass David zufällig über eine ganze Medienindustrie verfügt.
Natürlich dürfen in diesem Setting auch die großen politischen Figuren nicht fehlen. Während aus Sicht der Autorin progressive NGOs, Medienhäuser und Bewegungen angeblich dem Trans-Wahn verfallen sind, tritt auf der anderen Seite ein gewisser Donald Trump auf den Plan, der den Wähler:innen erklärt, er sei „für euch“ und nicht für „they/them“. Ein Mann, der bekanntermaßen immer schon ein feines Gespür für Minderheitenrechte hatte – was sollte da schon schiefgehen.
Und auf europäischer Bühne finden sich prompt Politiker:innen, die begeistert zur Kenntnis nehmen, dass man mit einem strategischen „Wir gegen die Gender-Ideologie“ erstaunlich viel Aufmerksamkeit generieren kann. Manch eine Linke schafft es sogar, Sozialpolitik, Sicherheitsdiskurs und Kulturkampf so zu verbinden, dass am Ende niemand mehr so genau weiß, ob hier noch Klassenanalyse betrieben oder nur noch Identitätspolitik rückwärts gespielt wird.
Am Ende bleibt ein Text, der sich unfassbar mutig vorkommt, weil er vermeintlich „unaussprechbare Wahrheiten“ ausspricht, dabei aber vor allem eines macht: Er ersetzt die Realität konkreter trans Leben durch ein Schattenspiel aus Projektionen, Ängsten und altbekannten Rollenbildern.
Wer trans Menschen tatsächlich kennt – in der WG, im Chor, in der Kneipe, im Coding-Team –, wird sich angesichts solcher Texte vor allem eines denken: Es ist bemerkenswert, wie viel man über Menschen schreiben kann, denen man nie ernsthaft zuhören wollte.
Zitat aus dem Artikel: „Aber zurück zu Amerika: Nach dem Urteil solidarisierten sich praktisch alle woken Organisationen mit den armen Transjungen, die nun nicht mehr Sport treiben dürften … „. Nein, sie solidarisierten sich mit den Transmädchen bzw. Transfrauen. Transjungen sind aus biologischer Sicht Mädchen, die sich psychologisch als Junge betrachten und so gelesen werden möchte. Transmädchen / Transfrauen, um die es in dem etwas kruden Artikel geht, sind biologisch Jungen, fühlen sich aber als Mädchen. Die nicht ganz unberechtigte Kritik, dass die hundertprozentige Gleichbehandlung von Transfrauen und „cis“ Frauen (Frauen, die biologisch Frauen sind und sich als Frauen auch betrachten; kurz die Mehrheit der Frauen) unter Umständen zu Ungerechtigkeiten in einzelnen Bereichen (z. B. Leistungssport, Frauenhäuser, Gefängnissen, Frauenquoten in Führungspositionen etc.) gegenüber cis Frauen führt, möchte ich hier nicht unerwähnt lassen, ebenso wie die Tatsache, dass die Translobby nicht nur sehr stark, sondern auch teils sehr radikal gegen ihre Gegner vorgeht. Nichtsdestotrotz wäre mir zu diesem Thema ein ausgewogener, sachlicher Bericht lieber gewesen, als dieser polemischer, fast schon transphober Artikel von Frau Schweitzer.
Man sollte einfach die Geschichte der “ Pritzkers“ verfolgen und dann weiß man woher das alles kommt.