Mexiko, die Monroe-Doktrin und die Deutschen

James Monroe erfindet sich eine Doktrin
Quelle: Dieses Bild wurde mittels ChatGPT entwickelt.

Für die Vereinigten Staaten ist klar: Was sie auf ihren Kontinent tun oder lassen, geht keine außeramerikanische Macht etwas an.

Das Telegramm von Arthur Zimmermann, seines Zeichens Staatssekretär im Auswärtigen Amt während des Ersten Weltkrieges, hatte das Potential, Weltgeschichte zu verändern. Adressiert war es an die deutsche Botschaft in Mexico City, und die war gehalten, es an die mexikanische Regierung weiterzuleiten.

In dem Telegramm, 1917 gesandt, schlug Zimmermann dem Präsidenten von Mexiko, Venustiano Carranza, ein Bündnis vor: Deutschland plane, einen uneingeschränkten U-Boot-Krieg gegen Großbritannien zu beginnen; sollten daraufhin die USA an die Seite von Frankreich und England in den Krieg eintreten, dann sollte Mexiko ein Bündnis mit Deutschland eingehen und die USA vom Süden her militärisch aufrollen.

Ein ungewöhnlicher Vorgang

Was würde für Mexiko dabei herausspringen? Einiges von der guten deutschen Goldmark. Und die Gebiete, die Amerika im mexikanisch-amerikanischen Krieg von 1848 beschlagnahmt hatte, sollten an Mexiko zurückgegeben werden; was heißt, Kalifornien, Arizona, New Mexico, und Texas, praktisch der gesamte Wilde Westen.

Leider wurde das Telegramm vom britischen Geheimdienst abgefangen, der es entschlüsselte und an den US-Präsidenten Woodrow Wilson weiterreichte. Wilson war Demokrat, der heute dafür bekannt ist, dass er im Norden die Rassentrennung wiedereinführte. Nicht nur fand Wilson das nicht komisch; Zimmermann war auch dumm genug, die Echtheit des Telegramms zu bestätigen. Die USA erklärten Deutschland den Krieg, rettete damit das gerade geschlagene Russland – und der Rest ist bekannt.

Dabei war Mexiko zu einem neuerlichen Waffengang an der Seite der alemanes gar nicht bereit. Gleichwohl machte das die USA nervös, weil sich die US-Army gerade mit dem mexikanischen Revolutionär Francisco „Pancho“ Villa bekriegte. Villa, der kurz zuvor daran beteiligt gewesen war, den mexikanischen Diktator Porfirio Diaz, einen Verbündeten der USA, zu stürzen, war mit seinen Mannen in New Mexico eingeritten und hatte Städte belagert. Die deutsche Regierung hatte auch Pancho Villa Geld angeboten, um die Gringos aufzumischen, aber er nahm es nicht.

Das ungewöhnlich an dem Vorgang ist, dass es normalerweise die USA sind, die in den Ländern Lateinamerikas hereinregiert und nicht etwa umgekehrt. Was Mexiko angeht, da hatten die Spannungen bereits 1845 angefangen. In diesem Jahr wurde Texas von den USA annektiert. Das geschah auf Betreiben der weißen Siedler, die dort Ranches betrieben und die sich beeinträchtig fühlten, als Mexiko die Sklaverei verboten hatte.

Texas hatte sich zwar schon zuvor von Mexiko losgesagt, aber die USA waren zögerlich gewesen, einen weiteren Sklavenhalterstaat zu akzeptieren, denn der Kongress wollte an einer Balance von sklavenhaltenden und freien Staaten festhalten.

Die Doktrin des fünften US-Präsidenten

Nach der Annexion von Texas gab es prompt Streitigkeiten über den Grenzverlauf am Rio Grande, der von Colorado durch New Mexico und an Texas vorbei in den Golf von Mexiko fließt oder, wie Trump ihn nennt, den Golf von Amerika.

James Polk, der damalige Präsident – ein Demokrat – bot Mexiko an, das ganze umstrittene Gebiet zu kaufen, bis hin zu Kalifornien. Als Mexico Njet sagte, sandte er einen Trupp von Soldaten über die Grenze, was Mexiko als Invasion interpretierte. Krieg brach los, Mexiko verlor, Mexico City wurde vorübergehend besetzt und die USA konnten ihre Größe fast verdoppeln, von San Francisco bis Houston. Seitdem hat Mexiko ein Problem mit dem großen Nachbarn im Norden.

Die Annexion von Nordmexiko war die zweite hispanische Landnahme der USA, nach der Einverleibung von Florida. Auch das Land am Golf von, ihr wisst schon, war eine spanische Gründung, blieb aber immer unter der Kontrolle der spanischen Krone. Aber die hatte irgendwann keine Lust mehr, sich mit dem eher feindseligen Stamm der Seminolen herumzuschlagen und trat Florida 1822 an die USA ab.

Der damalige Präsident James Monroe und seine rechte Hand Andrew Jackson – der Gründer der demokratischen Partei – schafften es nach der Übernahme zügig, mit gleich fünf Indianerstämmen aufzuräumen, darunter die Cherokee, die vom Militär zu einem Fußmarsch nach Oklahoma gezwungen wurden.

Monroe, der fünfte Präsident der USA und der letzte der Gründungsväter im Weißen Haus, postulierte die Monroe-Doktrin, oder, wie wir sie heute nennen, Donroe-Doktrin; nach Donnie Trump. Danach ist es sämtlichen Ländern – und das hieß damals, europäischen Ländern – verboten, sich in den Hinterhof der USA, von Chile bis Florida einzumischen. Im Gegenzug würden sich die USA aus Europa und insbesondere den europäischen Kolonien heraushalten.

Die nächste Runde stand 1898 an, als der Krieg um Kuba ausbrach, der ebenfalls gegen Spanien ging. Den Startschuss gab die Boulevardpresse am 15. Februar, als das Kriegsschiff USS Maine nach einer Explosion im Hafen von Havanna sank. Sie schrieben, „Zur Hölle mit Spanien!“, denn die hätten das Schiff absichtlich versenkt. Präsident William McKinley, ein Republikaner, erklärte den Krieg.

Aktionen in Amerikas Hinterhof

Heute wissen wir, es war ein Feuer an Bord: Gleichviel, die USA gewannen und kontrollierten nun auch Kuba, Puerto Rico, Guam, Samoa und die Philippinen – nach einem blutigen Waffengang gegen die einheimische Bevölkerung, der bis 1902 bis zu einer Million Filipinos zum Opfer fielen, von denen viele von den Yankees in Konzentrationslager verschleppt wurden. Mark Twain schrieb eine bissige Satire darüber: An den Menschen in der Dunkelheit, die aber heute in Vergessenheit geraten ist, denn die Amerikaner sind die Guten und keine Imperialisten.

Aber zurück nach Kuba. Hier kontrollierten nun amerikanische Räuberbarone die Zucker- und Rum-Industrie, während die Las-Vegas-Mafia, Bugsy Siegel und Meyer Lansky, Casinos und Bordelle aufmachten, in denen einheimische Mädchen ausgebeutet wurden. Unter Fulgencio Batista, gestützt von John Foster Dulles, Eisenhowers Secretary of State, ballte sich der Volkszorn, bis Fidel Castro den Diktator stürzte.

Das war zwar strenggenommen kein Verstoß gegen die Monroe-Doktrin, denn es waren keine Europäer involviert, aber das passte Amerika trotzdem überhaupt nicht. John Foster Dulles musste zwar nach dem Wahlsieg von John F. Kennedy sein Amt aufgeben. Aber sein Bruder Allen Dulles leitete weiterhin die CIA. Die plante 1961 die glorreiche Intervention in der Schweinebucht. Sie ging schief.

Kennedy feuerte Dulles, der nun ehrenamtliche Aufgaben übernahm, etwa die Supervision der Warren-Kommission, die zwei Jahre später die Details des Mordes an Kennedy untersuchte und die nun jedem Moment zu einem Ergebnis kommt.

Die USA sollten sich weiterhin in Südamerika einmischen, angefangen 1964, als Amerika einen Putsch in Brasilien gegen den Sozialdemokraten João Goulart unterstützte, ein Vorhaben, das noch unter Kennedy eingefädelt wurde. Kennedy sorgte sich, dass Brasilien das China von Südamerika werden könnte.

Es folgte die Operation Condor, als die USA unter Richard Nixon, Henry Kissinger und später Ronald Reagan mehrere gewählte Staatslenker stürzten. Das geschah meistenteils durch Militärputsche. Der lange Arm der USA in Südamerika war der chilenischen Diktator Augusto Pinochet, den die USA 1973 an die Macht brachten.

Der Hinterhof kommt nach Nordamerika

Unter den Weggeputschten waren der bolivianische Präsident Juan José Torres und die argentinische Präsidentin Isabella Peron, aber auch Staatschefs von Guatemala, Haiti, Ecuador, El Salvador und Nicaragua – Ronald Reagan arbeitete mit den iranischen Mullahs zusammen, um den nicaraguanischen Contras Waffen zu liefern.

Zuletzt ließ Papa Bush – der Reagans Vize gewesen war – Manuel Noriega aus Panama entführen. Noriega war einst ein Verbündeter der USA gewesen, hatte nun aber den Anforderungen nicht mehr so richtig entsprochen.

Nun also Venezuela. Schon seit Barack Obama versuchten die USA, das Land durch Sanktionen, Boykotte und wirtschaftlichen Druck in die Knie zu zwingen. Die Entführung war letztlich unblutiger als die Aktionen in Chile oder Panama, allerdings fehlte diesmal gänzlich die Versicherung, es gehe um Freiheit, Friede und Demokratie.

Das größte Problem bei der Kontrolle des Hinterhofes ist aber ein anderes: Der Hinterhof kommt nun in Nordamerika vorbei. Seit Jahrzehnten strömen Latinos in den Norden, die meisten davon Arbeiter, aber natürlich auch Drogenbarone und Gangmitglieder, die in den Siebzigerjahren South Central LA beherrschten.

Inzwischen leben in America del Norte fast 70 Millionen Latinos, und das ist nur die offizielle Zahl. In den früheren mexikanischen Gebieten haben sie eine Mehrheit, oder fast eine Mehrheit, wie in Texas, wo 40 Prozent der Bevölkerung hispanisch ist.

Trump ist eigentlich angetreten, das zu ändern. Dafür wurde er gewählt. Deshalb deportiert er Immigranten zurück nach Südamerika. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich das wieder umkehrt. Wenn das Zimmermann noch hätte erleben dürfen!

Eva C. Schweitzer

Eva C. Schweitzer pendelt zwischen Berlin und New York, wo sie eine Dissertation über den Times Square verfasst hat; sie arbeitet als Buchautorin und freie Journalistin über Medien, Entertainment und Politik. Ihr letztes Buch war „Links Blinken, rechts abbiegen“ beim Westend Verlag; derzeit schreibt sie ein Buch über die Tucholsky-Familie. Sie leitet auch den Verlag Berlinica Publishing, der Bücher aus Berlin nach New York bringt. Zuvor war sie Redakteurin beim Tagesspiegel in Berlin.
Mehr Beiträge von Eva C. Schweitzer →

Ähnliche Beiträge:

17 Kommentare

  1. Es bleibt die Forderung: sofortige, vollständige und bedingungslose Rückgabe der völkerrechtswidrig annektierten Gebiete Texas, New Mexico, Arizona, Nevada, Utah und Kalifornien an Mexico! Vollständige Demilitarisierung und Entnazifizierung der USA!

  2. Bei den Ammis darf sich keiner einmischen. Sie selbst mischen sich in die inneren
    Angelegenheiten aller Länder ein. Gerade haben sie eine Sondersitzung der UN
    einberufen, um sich in die innreren Angelegenheiten des Iran einzumischen. Dabei
    ist jetzt ja schon klar, dass die CIA und der Mossad die Unruhen im Iran provoziert
    haben. Dazu noch die Sanktionen der USA.

    1. „Dabei ist jetzt ja schon klar, dass die CIA und der Mossad die Unruhen im Iran provoziert
      haben.“

      Das ist wohl richtig! Aber ist die aktuelle iranische Führung deswegen besonders schützenswert, nur weil sie sich gegen die USA stellen? Wie lange würdest du wohl unter der iranischen Politik selbst überleben? Mit Texten, wie du sie tagtäglich fabrizierst? Gegen alles zu sein, was die USA gegenwärtig ausmacht, heisst noch lange nicht, Teheran hochloben zu müssen.

      1. ich habe im Forum noch keine Lobpreisungen der Mullahs gelesen.
        Es ist und bleibt eine Angelegenheit der Iraner, die jetzige Regierung sollten
        Sie nicht gleichsetzen mit den Mullahs,
        Massud Peseschkian ist gewählt worden und das sollte akzeptiert werden.
        In den Augen des Westens sind alle Wahlen, die sie selber nicht kontrollieren
        können, illegitim.
        Aktuell wird Ungarn von den NGO’s in die Zange genommen, da Parlamentswahlen anstehen.

          1. Vertreter aus den Emiraten, aus Ägypten, Saudi-Arabien, Katar …..
            haben vor einer Destabilisierung des gesamten Nahen Osten gewarnt, dagegen wünscht Israel nur eine Verschiebung. (?)
            Der Iran hat die letzten Monate des Jahrs 2025 genutzt, um Aufzurüesten, das sollten sich die USA merken, ihre Stützpunkte in der Region sind Zielscheiben, keine Frage!

      2. @ Willy: Ach willy, wie lange würden Sie in den USA Überleben? Dort muß man
        einen Job haben und Arbeiten um zu überleben. Und Dummsabbeller haben es im
        Ammiland auch nicht einfach.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert