MAGA versus MAGA

Thomas Massie
Gage Skidmore from Peoria, AZ, United States of America, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Der republikanische Kongressabgeordnete Thomas Massie hat sich als Anti-Trump formiert – ist aber nun gescheitert.

Amerika ist in Aufregung über Thomas Massie, den Kongressabgeordneten aus Kentucky, der die Vorwahlen gegen seinen quasi unbekannten Konkurrenten Ed Gallrein verlor. Massie, das ist der Republikaner, der sich zum Anti-Trump aufbaute, und zum Anti-Netanyahu. Er hat die üblichen Abweichler hinter sich versammelt, hatte aber das große Geld gegen sich. Mehr als 30 Millionen Dollar hat Trump gegen ihn in Stellung gebracht, eine unerhörte Summe für einen Sitz im Kongress.

Massie war der Tea Party verbunden, den Rechtsabweichlern, die sich nach dem Wall-Street-Crash von 2008 zusammenfanden, der das Ende der Präsidentschaft von George Bush besiegelte. Der schottischstämmige Wissenschaftler versteht sich als Libertärer; wenig Staat, freie Wirtschaft, Isolationismus, ähnlich wie Rand Paul, der ebenfalls aus Kentucky kommt. Für seine Fans ist er der neue Ron Paul.

Trump hat sich gewandelt

Die Tea Party war am Anfang eher anti-autoritär, Anti-Bush und vor allem Anti-Neocon, jene Intellektuellentruppe von israelnahen Think-Tank-Siedlern, denen die USA die Kriege im Irak, Afghanistan und Syrien zu verdanken hat. Auf ihrer Welle ist Trump nach oben geschwommen, indem er sich als Unabhängiger und Kriegskritiker gerierte. Und als Milliardär. Durch seine Reality-TV-Show The Apprentice, mit der Catchphrase „Du bist gefeuert“ wurde er bundesweit bekannt, warum nicht auch das Weiße Haus in eine Reality-TV-Show verwandeln?

Rückenwind bekamen er und die Tea Party von einer sortierten rechten Phalanx von Alternativmedien, ermöglicht durch das Internet, die die alten, „lügenden“ Medien wie die New York Times vor sich hertrieben. Trump sprang auch auf diesen Wagen auf; rechte Blogger mit Millionenzuhörerschaft – Joe Rogan, Tucker Carlson – unterstützten ihn, auch Sumpfblüten im Kongress wie Marjorie Taylor Greene.

Fast Forward, Trump hat sich inzwischen mehrfach um 360 Grad gedreht; es wird einem schwindlig, nun führt er Kriege, allerdings genauso glücklos wie Bush, und er hofiert israelnahe Lobbys wie AIPAC. Die Revolution hat ihre Kinder gefressen. Orwells Farm der Tiere hat sich erfüllt, die Schweine sind im Weltraum.

Tucker hasst Trump. Taylor Greene hat ihm öffentlich abgeschworen. Tulsi Gabbard hält die Klappe. Er regiert die Republikaner mit eiserner Faust. Das Einzige, was geblieben ist, ist sein Drang, Geld zu verdienen und sich im Fernsehen zu bewundern.

Massie ist der gleiche geblieben

Massie ist aber der gleiche geblieben, libertär und Anti-Neocon, isolationistisch und angstfrei. Trump hat an Popularität verloren, massiv, und Massie hatte gehofft, auf einer anti-Trump-Plattform und einer Anti-Israel-Plattform zu gewinnen, was hieß, er betrieb seinen Wahlkampf damit, gegen Trump zu stänkern.

Massie hat eine lange Geschichte, den Präsidenten anzugehen. Er hat gegen dessen „Big Beautiful Bill“ gestimmt, die Ukrainehilfe, und er setzte es durch, dass Trump die Epstein-Akten offenlegen musste. Das nahm der ihm übel. Dann versuchte Massie, ihm den Krieg mit dem Iran aus den Händen zu schlagen. Das nahm AIPAC ihm übel. Als Massie verlor, sagte er, er habe seinem Gegenkandidaten gratuliert, habe aber erst einmal dessen Telefonnummer in Tel Aviv suchen müssen.

Eine für einen US-Politiker sehr, sagen wir, unorthodoxe Bemerkung. Der American-Jewish Congress warf ihm vor, antisemitische Stereotype zu verbreiten, etwa, dass er ihm Wahlkampf gesagt habe, die Vorwahl sei ein Referendum, ob die Israellobby in Kentucky einen Kongresssitz kaufen könne. Kann sie das?

Er hat erstaunlich viele Fans angezogen, auch Demokraten, junge Menschen, allerdings reichte es nicht. Denn wer gegen Trump aufmüpfig wird, wird gefeuert. Wie beim Apprentice. Bestrafe einen, erziehe hunderte, wusste schon Chairman Mao. Und die Chinesen, die mag Trump. Bill Cassidy in Louisiana und Brad Raffensberger in Georgia, beides Republikaner, hat er ebenfalls zu Fall gebracht. Nicht loyal genug.

Viel Geld gegen Massie

Und wie hat Trump Massie verhindert? Mit Geld. Viel Geld. Alleine AIAPC hat – behauptet Linksaußen-Senator Bernie Sanders – neun Millionen Dollar für den Wahlkampf gegen Massie aufgebracht. Noch mehr Geld kam von privaten Spendern, darunter Hedgefondsmanager Paul Singer und Miriam Adelson, die Witwe von Casinomogul Sheldon Adelson, sie und ihr Mann Israel-Unterstützer erster Stunde. Das meiste Geld ging in Fernsehwerbung, in der auf Massie eingedroschen wurde.

Gerne möchte man eine Fliege an der Wand sein, wenn die Republikaner tagen. Keiner möchte als nächster öffentlich geschlachtet werden, aber auch keiner will mit dem Schiff ertrinken. Es ist wie bei dem Film The Death of Stalin, wo die Getreuen nach der richtigen Minute schielen, immer schon dagegen gewesen zu sein.

Was macht Massie jetzt? Er hat noch sieben Kongressmonate vor sich, genug Gelegenheit, weiterzustänkern und Verbündete zu gewinnen. Er könnte als Unabhängiger antreten, gegen den Republikaner Gallrein, und dem die Wahl verhageln. Und für AIPAC könnte das ein Pyrrhussieg gewesen sein.

Denn nun steht die Lobby im Rampenlicht, auch ihre Sponsoren, gekettet an die republikanische Partei, nur noch eine Mehrheitsbeschafferin, und einen rasch alternden Präsidenten, den fast nur noch die Furcht der Anderen im Amt hält.

Eva C. Schweitzer

Eva C. Schweitzer pendelt zwischen Berlin und New York, wo sie eine Dissertation über den Times Square verfasst hat; sie arbeitet als Buchautorin und freie Journalistin über Medien, Entertainment und Politik. Ihr letztes Buch war „Links Blinken, rechts abbiegen“ beim Westend Verlag; derzeit schreibt sie ein Buch über die Tucholsky-Familie. Sie leitet auch den Verlag Berlinica Publishing, der Bücher aus Berlin nach New York bringt. Zuvor war sie Redakteurin beim Tagesspiegel in Berlin.
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2 Kommentare

  1. Seien Sie bitte sehr vorsichtig, Frau Schweitzer, dass Ihnen nicht postwendend der Bannfluchtitel Antisemitin verpasst wird, wenn Sie die Israellobby der USA in solch ungünstigem Licht erscheinen lassen.
    Spätestens wenn die deutschen Israelgroupies aufmerksam werden, ist’s geschehen!

  2. „Trump hat sich inzwischen mehrfach um 360 Grad gedreht“ – Ja genau! Und früher war Trump ja noch der Speck der Hoffnung!

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