
Donald Trump ist schlecht für Amerika, sagen seine Gegner. Für Deutschland könnte ausgerechnet er ein Glücksfall sein.
Alle meine Freunde hassen Donald Trump. Sie halten ihn für einen großkotzigen, von Empathie befreiten, geldgierigen, machtlüsternen, egoistischen, gottlosen, herrschsüchtigen, lügenden, altersdementen Psychopaten, irgendwo zwischen Benito Mussolini, Kai Winn und Louis XIV. von Frankreich. Und das sind noch die netten Beschreibungen, die von amerikanischen Demokraten kommen.
Meine Freunde sind auch alle im Widerstand. Nicht im bewaffneten Widerstand natürlich, das wäre ja gefährlich, aber sie verbringen viel Zeit damit, mit Facebook-Memes, Zeitungsartikeln, Gedichten, Filmen, Pamphleten und Karikaturen Trump zu bekämpfen. Auch mit Demos. Wenn sie im TV-Business sind, schicken sie Pitches für Trump-kritische Comedy. Wenn sie Studenten sind, halten sie sich zurück, man möchte es sich ja nicht mit dem künftigen Arbeitgeber verderben, bloß weil man bei einer Widerstandssimulation mitspielt. Aber sie ballen die Faust in der Tasche.
Es ist wie in dem Film Casablanca, bloß ohne Victor Lazlo, den tschechisch-jüdischen Widerstandskämpfer und Ehemann der schönen Ingrid Bergman, und auch nicht im richtigen Casablanca unter den bewaffneten Augen von Gestapo und Vichy-Kollaborateuren, sondern, sagen wir, in einem Pub im Schottland. Oder eigentlich auch nicht in einem Pub, sondern mehr in einem Sushi-Restaurant in Washington DC, wo das Waffentragen verboten ist, aber das Sushi vegan und bio.
Die Demokraten wollen die Armee nicht abspecken
Meine demokratischen Freunde sind neuerdings auch alle sehr militärbegeistert. Was sie Trump besonders übelnehmen, ist, wie er über die Helden des Vietnamkrieges wie John McCain spottet. Was McCain eigentlich in Vietnam gemacht hat, außer abgeschossen zu werden, weiß keiner mehr. Das einzige aus dem Vietnamkrieg, an das sich US-Demokraten überhaupt noch erinnern, ist, dass Trump sich davor gedrückt hat, Agent Orange in vietnamesischen Dörfern zu versprühen.
Im Krieg gegen den Iran empört es sie, dass die US-Soldaten auf den Flugzeugträgern nicht genug zu essen kriegen und zu lange Dienst tun, während Trump findet, die Soldaten sollen sich nicht so anstellen. Gut, dass die U.S.-Army dank ihrer Roboter keine Wehrpflichtigen mehr braucht. Viele Demokraten denken auch, Präsident sollte nur wer sein, der im Heer gedient hat, so wie der Schicklgruber.
Sie finden es auch empörend, dass Trumps Kriegsminister Pete Hegseth die Armee abspecken und frisch, fromm, fröhlich, frei machen will. Er will alle Fetten und Bebärteten, die Radikalen und die schrägen Vögel, die Feiglinge, die Schwarzen und vor allen die Trannies loswerden. Nur echte Krieger und patriotische Cowboys nicht.
Ich hatte ja keine Ahnung, in welch schlechten Zustand die US-Army ist. Mir wurde aber von Freunden erzählt, dass sich die Trannies dort sammeln, weil sie sich dort auf Kosten der US-Regierung umoperieren lassen können. Lasst uns hoffen, dass das auch der Feind anerkennt, wenn die mal in Kriegsgefangenschaft geraten. Die Linken sind natürlich schwer dagegen, dass Trump die Armee abspecken will und dass Schwarze dann weniger Gelegenheit haben, Schulmädchen im Iran zu pulverisieren.
Was mir an Trump gefällt, ist seine nackte Direktheit. Er schickt Soldaten nicht in den Iran, damit sie Frieden und Freiheit bringen, sondern damit sie den Laden zerbomben. Der eigentliche Krieg gegen den Iran ist natürlich genau der gleiche wie unter den Demokraten gegen den Irak, sogar etwas weniger blutig (für Amerikaner), aber Trump zeigt das ehrliche Gesicht des amerikanischen Imperiums.
Trump ist gut für Deutschland
So, Trump, ist er schlecht für Amerika? Das kommt darauf an, wo Amerika hinwill. Zurück zu den Kriegen, wo Schulmädchen bombardiert werden, um Frieden und Freiheit zu bringen? Oder verärgert es die Demokraten nur, dass er die USA spaltet?
Neulich hat er sich Großbritannien vorgeknöpft; er hat dem langjährigen Verbündeten brüsk erklärt, die sollen sich gefälligst ihr eigenes Öl erkämpfen, nachdem der Iran die Straße von Hormus geschlossen hat. Letzteres geht andererseits auf die amerikanischen Kriegsanstrengungen zurück, so dass sich nun Demokraten wie Briten öffentlich darüber ärgern, dass sie nun den Ausputzer machen müssen.
Als Amerika und Großbritannien noch zusammen Mohammad Mosaddegh, den demokratisch gewählten sozialistischen Präsidenten des Iran gestürzt haben, 1953, da lief die Zusammenarbeit noch runder. Neulich meinte Trump, der Iran könne doch Los Angeles und San Diego vernichten. Trump ist nicht gut für Kalifornien.
Aber die interessantere Frage ist: Ist Trump gut für Deutschland? Ich möchte mal sagen: Ja! Ich will gar nicht billige Gummipunkte machen, wonach Amerika zum zweiten Mal einen neuen Faschismus gewählt hat, und ich glaube noch nicht einmal, dass das stimmt. Die Frage ist auch nicht: Ist der Vergleich historisch korrekt, sondern: Sind die Witze über den neuen Schicklgruber komisch? Aber ist Trump gut für Deutschland?
Republikaner waren immer deutschfreundlicher
In der Geschichte der tragischen bilateralen Beziehungen waren republikanische Präsidenten immer besser für Deutschland. Woodrow Wilson (Demokrat) hat die britischen und französischen Neuordnungspläne nach dem Ersten Weltkrieg gutgeheißen, die halb Ostdeutschland unter polnische Kontrolle gebracht haben. Herbert Hoover (Republikaner) hat Lebensmittel geschickt.
Franklin Roosevelt (Demokrat)ist gerade noch rechtzeitig gestorben, bevor die Rote Armee bis Paris durchmarschieren konnte, Harry Truman (Demokrat) hat die Vertreibung der Schlesier, Ostpreußen und Sudetendeutschen abgezeichnet. Dwight D. Eisenhower (Republikaner) hat den Marshallplan durchgesetzt.
John F. Kennedy (Demokrat) hat zwar gegen die Berliner Mauer Reden geschwungen, die Mauer aber hinter den Kulissen gutgeheißen – und Lyndon B Johnson (Demokrat) hat versucht, Deutschland in den Vietnamkrieg zu verwickeln. Ohne George W. Bush Sr. (Republikaner) hingegen wäre die Wiedervereinigung womöglich an England und Frankreich gescheitert. Und Barack Obama (Demokrat) hat Angela Merkel die Flüchtlingswelle übergeworfen, die letztlich dazu führte, dass die AfD nun deutschlandweit bei zwischen 20 und 40 Prozent liegt.
Aus unverständlichen Gründen denken deutsche Intellektuelle und große Teile der deutschen Politik aber, Republikaner sind böse und Demokraten sind gut. Das mag für Amerika gelten, und nicht einmal da bin ich mir sicher, aber ganz gewiss nicht für Deutschland. Liegt das daran, dass die meisten Amerikaner, die durchs Ländle reisen, Demokraten sind? Auch die Künstler und die Journalisten? Wahrscheinlich.
Trumps Vater war deutschstämmig, aber so richtig warm werden die Deutschen mit ihm nicht. Nicht einmal Friedrich Merz. Allerdings leugnete Trump das lange. Er sagte, seine Familie stamme aus Schweden. Seine Mutter war eine Wikingerin aus Schottland. Trump schafft seine eigene Realität. Er nennt sich Republikaner, ist aber eigentlich freischwebend über dem politischen Wasser.
Trump würde niemals Truppen gegen Putin schicken
Was mir besonders an Trump gefällt, ist, wie er die deutsche Politik wachrüttelt. Seit Jahren wird in der Ukraine gekämpft, es gibt eine russlandfeindliche Fraktion, die mit den Demokraten in den USA verbunden ist, und eine russlandfreundliche Fraktion, die den Republikanern nahesteht, beide auch finanziell. Früher war es umgekehrt, aber in Amerika flippt die Politik immer mal wieder aus. Früher waren auch die Demokraten pro Sklaverei – und die Republikaner dagegen.
Im Kalten Krieg haben sich die Amerikaner in Deutschland als Schutzmacht gegen Russland verkauft. Natürlich ging es nur darum, die Kriegsbeute zu sichern, niemals wäre die U.S. Army tatsächlich gegen Moskau zu Felde gezogen. Zum Glück, das hätte allenthalben verbrannte Erde hinterlassen, aber das war die Saga. Nun, im Ukrainekrieg kann jeder sehen, dass Trump niemals Truppen gegen Putin schicken würde. Kein deutscher Politiker würde sich darauf verlassen, hoffe ich zumindest. Nicht einmal Merz.
Dabei haben sich die Fakten on the ground nie geändert, es wurde nur ein Weichzeichner-Vorhang weggezogen und selbst der dümmste deutsche Politiker sollte nun sehen, dass er im Zweifel so dastehen könnte wie 1941; zwischen Stalin und Roosevelt. Trump aber macht Druck auf Deutschland, amerikanischen Sprit zu kaufen und das ist letztlich das, worum es auch geht.
Nur die Briten machen beim Welt-Monopoly nicht mehr mit. Aber die vermisst auch keiner.
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Nett geschrieben und wohl auch zutreffend.
Weniger das tatsächliche Handeln hat sich sooo sehr geändert als vielmehr die Außendarstellung und der Stil.
„Dabei haben sich die Fakten on the ground nie geändert, es wurde nur ein Weichzeichner-Vorhang weggezogen“.
Man kann über Eva C. Schweitzer genau so wie über Trump (und deren jeweiligen Schreibstil) denken, wie man will – aber der oben zitierte Satz sollte endlich beherzigt werden. Ganz gleich, wie Demokraten und Republikaner für die Vereinigten Staaten selbst sein mögen – für den Rest der Welt bedeutet ein Wechsel zwischen Demokraten und Republikanern allenfalls einen Wechsel von Stil und bestimmten Prioritäten. In der Hauptsache bleibt die Politik gleich.
Wenn man in Deutschland gesetzlich sozial-, und krankenversichert ist und
sich über die KSK die Hälfte der Krankenversicherungsbeiträge vom Steuerzahler holen darf, kann man
auf Sinnlosigkeiten wie Obama-Care pfeifen und die Republikaner loben. Der kleine Malocher vom Trailerpark ist
seines eigenenen Glückes Schmied.
Eine wahrlich herrliche Glosse mit faktischen Hintergrund, gut zu lesen und zu verstehen. Die Aussagen zu den Präsidenten treffen in ihrer Mehrzahl auch die Gefühle, Meinungen und Ansichten meiner, im Osten der USA lebenden, amerikanischen Verwandtschaft.
Der Einstufung der Briten wage ich zu widersprechen, die Tommies sind immer noch gut um rutschigen Sand ins Weltgetriebe zu streuen, siehe den Besuch des struwweligen Boris in Kiew nach „Istanbul“. Die Einschätzung, dass die Hunnen am Ende zwischen den Stühlen sitzen werden, teile ich auch. 😉🤣Vor allem, die Insulaner haben mit der „Nibelungentreue“ nichts am Hut. 😉🤣🤣