
Der Streit zwischen Donald Trump, JD Vance und dem Papst eskaliert: vom Wortgefecht über politische Drohungen bis zum bizarren Jesus-Post – und plötzlich kommt Kritik aus den eigenen Reihen.
Clemens V., der 1305 in der Nähe von Bordeaux geboren wurde, war der erste französische Papst. Er gelangte an die Spitze der Katholischen Kirche, als der Vatikan und das französische Königshaus tief verfeindet waren. König Philipp IV., genannt der Schöne, führte ein brutales Regime, um Frankreich in Kriegen gegen England und Flandern zur Großmacht zu machen. Er hatte auf Clemens‘ Vorgänger Bonifatius ein Attentat verüben lassen und ihn eingesperrt, nachdem der ihn exkommuniziert hat.
Clemens war Philipp freundlicher gesinnt. Er verlegte den Vatikan ins französische Avignon, wo er als Marionette des französischen Throns agierte. Gemeinsam ließen sie die Ritter des vatikaneigenen Templerordens niederkartätschen und deren Vermögen konfiszieren, um die Schulden der französischen Krone zu bezahlen. Das Schisma, das in einem Gegenpapst in Rom gipfelte, sollte die gesamte Katholische Kirche in Europa und das Papsttum auf Dauer schwächen. Und auch Philipp, der Schöne zog letztlich den kürzeren und musste seine Expansionspläne aufgeben.
POTUS vs. Pope
Mehr als 700 Jahre später gibt es einen Möchtegern-Gegenpapst in Mar-a-Lago, Florida: Donald Trump. Gut, er ist nicht katholisch, aber er hat einen katholischen Adlatus zur Seite: JD Vance. Frisch konvertiert, aber trotzdem katholisch.
Das amerikanische Schisma fing zu Ostern an, als Leo XIV., der erste amerikanische Papst, vor dem Krieg gegen den Iran warnte, und sagte, Gott segne nicht die Krieger. Außerdem sei Trumps Drohung, die iranische Zivilisation auszulöschen, völlig inakzeptabel. Die Anhänger von Christus seien „nie auf der Seite derer gewesen, die damals das Schwert geschwungen hätten und sie heute Bomben würfen“.
„Nie“ ist ein starkes Wort. Aber Trump, natürlich, schlug sofort zurück: Der Papst sei zu milde gegenüber Verbrechen, eine Geisel der Linken, er mache eine furchtbare Außenpolitik und ohnehin verdanke er sein Papsttum nur ihm, Donald Trump, und er, Trump, fände dessen Bruder Louis viel besser, das sei nämlich ein Maga-Anhänger.
Eine bizarre Antwort, die sich eher an den eigenen Anhängern orientiert. Der Papst zu milde gegenüber Verbrechen, hat der einen Zweitjob als Polizeichef von Rom?
Vance gab den Vito Corleone – übrigens auch ein Katholik – und drohte dem Papst, der solle aufpassen, was er sage, und vorsichtig sein, wenn er über Theologie rede. Der Papst sei im Zweiten Weltkrieg auf der Seite der Alliierten gewesen (naja, nicht wirklich, für Mussolini hatte er mehr Sympathien als für Stalin), und da seien ja auch Bomben gefallen. Vance ist erst seit 2019 katholisch; vielleicht hätte man ihn bei der Konversion etwas gründlicher prüfen sollen. Keine leere Drohung allerdings; Vance war der letzte Besucher von Papst Franziskus, bevor der das Zeitliche segnete.
Zu viel ist zu viel
Vance war, das kann man sagen, keine große Hilfe in der Debatte. Und dann wendete sich auch noch Giorgia Meloni gegen Trump, bislang dessen engste Alliierte in der EU (nach Viktor Orbán) und als italienische Ministerpräsidentin die Erbin Roms.
Was hat Trump geritten, sich mit dem Papst anzulegen? Ist er eifersüchtig auf den Mann, der weltweit ein viel beliebterer Amerikaner ist als er selber? Jedenfalls, um den Papst zu übertrumpfen und zu zeigen, wer der echte Boss ist, postete er ein Foto von sich als Jesus. In einer weißen Robe, und einem roten Umhang, mit Heiligenschein. Auf seiner eigenen Webseite Truth Social.
Ein ganz besonderer Jesus, umringt von MAGA-Anhängern, dazu amerikanische Kampfflieger und Adler in der Luft und über ihm fliegt was, Loki? Die geflügelte Freiheitsstatue? Eine satanische Ziege? Jar-Jar Binks? Ein andorianischer Besucher aus der Zukunft auf einer Forschungsmission?
Nicht das einzige Rätsel; Trump-Jesus neigt sich über einen grauhaarigen, bärtigen, abgemagerten Mann auf einer Liege, offenbar um den zu heilen. Ist das Jeffrey Epstein? Versucht er, den wieder lebendig zu machen? Jon Stewart von der Daily Show allerdings, der sich ebenfalls erkannte, zeigte sich sehr verwundert über Trumps grabbelnde Hände. Und das Internet kriegte sich nicht mehr ein.
Während die Linken nicht aufhören können, Witze zu machen, sind Trumps MAGA-Anhänger auf einmal empört über Dear Leader. Blasphemie, werfen ihm manche vor. Wirklich, da haben die MAGAs alles mitgemacht, die Bombeneinsätze im Mittleren Osten gegen Syrien, Jemen und den Iran, die steigenden Benzinpreise, die steigenden Lebensmittelpreise, die Deportationen, die Schüsse auf legal waffentragende Amerikaner – aber das Jesusbild, das ist der eine Tick zu viel?
Die USA sind traditionell eher antikatholisch
Es ist noch nicht einmal das erste; Glanzbildchen von Trump als Jesus zirkulieren schon seit Jahren (darunter auch eines, unter dem steht „… und dann merkte Jesus, dass seine Brieftasche weg war“). Auch die religiösen Verirrungen von Trump haben seine christlichen Anhänger nicht ernsthaft irritiert. Etwa als er von den „beiden Korinthern“ sprach, überteuerte Bibeln vertickte oder mehrere Konkubinen hatte wie seinerzeit König David. Und das Porn-Starlett als Geliebte? Die Freundschaft mit Jeffrey Epstein? Die fünf Kinder von drei Frauen? Lange sei das alles her, und man wähle einen Präsidenten und keinen Priester, hieß es meist von den MAGAs dazu.
Amerikaner sind oft religiös, viel mehr als Deutsche, aber es ist eine bestimmte, und andere Art von Christentum, insbesondere bei den Protestanten. Die klassischen liberalen Protestantischen Kirchen sind in den USA fast ausgestorben. Großen Zulauf haben rechtsnationale Evangelikale oder Southern Baptists, die eigentlich alttestamentarisch denken. Kriegsminister Pete Hegseth gehört der Communion of Reformed Evangelical Churches (CREC) an, Erzkonservative, die glauben, Frauen dürften kein Wahlrecht haben, und in deren Kirchen Weiße unter sich sind.
Eigentlich sind es späte Kreuzzügler, viele christliche Zionisten darunter. Anders allerdings die Katholiken, die immer noch den Papst als ihr Oberhaupt sehen, die im Neuen Testament angekommen sind, und die in der Tendenz eher liberal sind, schon deshalb, weil viele von ihnen Latinos sind. Und immer schon gab es in den USA eine starke, antikatholische Strömung, die sich gegen Iren und Italiener richtete – als JFK gewählt wurde, der erste katholische Präsident, waren viele Protestanten empört. Könne ein Katholik überhaupt loyal sein? Höre der nicht eher auf den Papst?
Aber nun ist die Stimmung anders. Gegenwind von der eigenen Basis kommt auf, eigentlich ungewöhnlich. Wenn Trump sich bisher wie Philipp, der Schöne gerierte, sind normalerweise die Liberalen empört und die Konservativen finden es komisch. Nun ist es umgekehrt. Und die, die ihn verteidigen, wirken seltsam verbissen.
Ein Gegenpapst in Washington?
Liegt es daran, dass MAGAs der ersten Stunde, wie Tucker Carlson oder Marjorie Taylor-Greene ihn nun für einen Kriegstreiber halten? Vielleicht aber auch – das ist meine Theorie – spüren manche MAGAs, das Trump nicht wirklich der starke Mann ist, als der er sich verkauft, sondern ein Clown, mit dem man sich lächerlich macht.
Gleichviel, als Trump wegen seines Jesus-Kostüms ordentlich Flak kriegte, ruderte er zurück wie der Heiland über den See Genezareth. Das sei nicht er als Jesus, erklärte er, das sei er als Doktor. Trump als Doktor! Eine weitere Witzbildchenwelle ergoss sich über den Präsidenten. Warum trägt mein Doktor nicht auch so eine weiße-rote Robe? Und Wasser in Wein verwandeln kann er auch nicht.
Aber der Streit mit dem Papst hat durchaus einen ernsten Kern. Im Pentagon, heißt es, sollen ein paar hochrangige Funktionäre durchblicken haben lassen, dass Amerika die militärische Macht habe, zu tun, was auch immer es wolle. Es sei besser, wenn der Vatikan sich auf Amerikas Seite schlage. „Wie viele Divisionen hat der Papst“, fragte Stalin einmal. Ja, wie viele? Und auch das Wort von „Avignon“ machte die Runde.
Könnten die USA einen eigenen Papst auf amerikanischem Boden installieren? Vielleichte JD Vance? Oder Robert Kennedy Jr.? Möglich ist alles, aber dass der die Katholiken außerhalb Amerikas hinter sich versammeln kann, ist unwahrscheinlich. Derweil, Außenminister Marco Rubio, ein echter Katholik, hält sich vornehm heraus. Klar ist wohl nur, wenn das alles vorbei ist, ist Amerika ein anderes Land.
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Großartig respektlos! … „spüren manche MAGAs, das Trump nicht wirklich der starke Mann ist, als der er sich verkauft, sondern ein Clown, mit dem man sich lächerlich macht.“
Nun ja, ganz so lächerlich ist es wohl nicht. Larry Johnson hat heute in einem Interview mit Glenn Diesen verlauten lassen, daß man es im WH mittlerweile so sieht: Es ist wie wenn Kinder mit einem agressiven Alkoholiker Vater unter einem Dach leben müssen. Wenn er schläft, läuft man auf leisen Sohlen durch die Räume, nur um ihn nicht zu wecken und einen erneuten Wutausbruch zu riskieren. Ansonsten wird ihm nur das erzählt, was er gerne hören möchte. Eine ziemlich ungute Situation, finde ich.
Das ganze ging wohl mit einem bizarren Auftritt von „Pistol Pete“ Hegseth los. Scheint der Autorin entgangen zu sein.
@ H.K. Bitte eine Quelle zum bizarren Auftritt des Kriegsministers, oder eine kurze Erklärung, bitte bitte. danke
„US-Kriegsminister Pete Hegseth hat bei einem Gottesdienst im Pentagon für militärische Gewalt gebetet.“
https://www.welt.de/politik/ausland/article69c481cbaf187d606b8133c3/pete-hegseth-us-kriegsminister-betet-fuer-gewalt-gegen-feinde.html
Es gibt eine Menge Videos darüber im Netz. Auch auf Youtube. https://www.youtube.com/results?search_query=pete+hegseth+prayer+original Er scheint sich nicht entscheiden zu können, ob er nun Pfarrer oder Kriegsminister ist.