Boldly Go to a Diverse Future

NASA, Public domain, via Wikimedia Commons

Nichelle Nichols ist tot. Die US-amerikanische Schauspielerin, berühmt als Lieutenant Uhura in der Originalserie Star Trek, starb am Sonntag, mit 89 Jahren. Sie war eine der ersten, wenn nicht die allererste schwarze Frau, die im US-Fernsehen kein Dienstmädchen spielte, sondern einen Offizier einer Raumschiffbesatzung.

Als Whoopi Goldberg ein kleines Mädchen war und Nichelle Nichols im Fernsehen sah, wusste sie, dass auch sie alles werden konnte, was sie wollte. Whoopi würde später, nachdem sie richtig berühmt geworden war, in Star Trek — The Next Generation die weise Barfrau Guynan spielen. Fast hätte das nicht geklappt: Als ihr Agent damals  bei der Produktionsfirma von Star Trek anrief und fragte, ob sie eine Rolle haben könnte, dachten die, der Agent würde sie verladen und wollten gleich wieder auflegen.

Schwarz und Weiß im Weltall

Auch der erste Kuss zwischen schwarz und weiß auf einem amerikanischen Bildschirm fand zwischen Captain Kirk und Uhura statt — gezwungenermaßen und nur, weil böse Außerirdische eine Art telekinetische Mind Control ausübten (als ob das bei Kirk nötig gewesen wäre), aber immerhin. Die Episode „Plato’s Stepchildren“ lief 1968, nur ein Jahr, nachdem der Supreme Court das Verbot der „interrassischen“ Ehe aufgehoben hatte und im gleichen Jahr, wo die Peanuts mit Franklin den ersten schwarzen Comiccharakter bekamen. Einige Sendeanstalten in den Südstaaten strahlten die Episode nicht aus, aber die Aufregung war nicht so groß, wie NBC es befürchtet hatte. Es gab eigentlich mehr Ärger mit Leonard Nimoy’s Spock, den manche Zuschauer für eine Art Teufel hielten.

Über den Kuss aber wurde vergessen, dass Uhura eigentlich nur ein besseres Telefonfräulein war, die selten mehr sagen durfte als „Hailing on all frequencies, Sir“, wie überhaupt die Frauen in Star Trek den Männern meist beim Abenteuern zuguckten. Das änderte sich erst in den Filmen, als Uhura Atomwaffen suchte und Checkov herumkommandierte, und noch mehr in den neueren Streifen, wo Uhura von Zoe Saldaña gespielt wird und einen interstellaren Kuss mit Spock tauschte, der so authentisch wirkte wie die Knutschereien zwischen Amy und Sheldon in der Big Bang Theory.

So richtig traute sich Star Trek aber danach nicht mehr, die schwarz-weiße Barriere nochmals zu überschreiten. Die Affären des Enterprise-Lieutenant Geordi LaForge waren alle so schwarz wie er (und erfolglos). Der schwarze Tuvok auf dem Raumschiff Voyager war Vulkanier und die tun es nur alle sieben Jahre; und nur mit ihren Ehefrauen. Benjamin Sisko, der ebenfalls schwarze Commander der Raumstation DS9 heiratete nacheinander zwei dunkelhäutige Frauen. Und ja, auf DS9 gab es noch Worf und Dax, das erste schwarz-weiße Sado-Maso-Pärchen im Weltall, aber als Außerirdische. Erstaunlich, dass es in Star Trek allerlei intergalaktische Beziehungen gibt, aber immer noch keine schwarz-weiße irdische Ehe. DS9 ist allerdings der einzige Star-Trek-Spinoff, wo über Rassismus geredet wird und nicht so getan, als sei das lange vorbei.

Schwarz und Weiß auf dem Bildschirm

Ähnlich funktioniert es mit den Serien im US-Fernsehen, die nicht im Weltraum spielen, sondern auf dem Planeten. Die meisten haben einen all-weißen Cast, mit (manchmal) einem einzelnen schwarzen Darsteller oder, wie es unnett heißt, „Token Black Guy“. In einer Folge von Seinfeld versucht George Constanza verzweifelt, einen schwarzen Freund aufzutreiben, damit sein Boss ihn nicht für einen Rassisten hält, und kreuzt dann mit dem Ungeziefer-Vernichter seines Mietshauses bei einem Geschäftsessen auf. Andere Serien haben einen all-schwarzen Cast mit einem einzelnen weißen Freund, so wie die Cosby Show. Und wenn eine weiße Frau mit einem schwarzen Mann anbandelt, wie Miranda mit ihrem Doktor in Sex and the City, dann geht das fast immer böse aus.

Aber seit ein paar Jahren schon ist alles anders. Es gibt nun Serien wie The Neighborhood und Bob Hearts Abishola, die sorgfältig gemischt sind, mehr als im wirklichen Leben, eigentlich. Witzchen werden darin gemacht über schwarz-weiße Nachbarschaft, der schwarze Teil kommt dabei immer besser weg, und alles bitte immer ganz vorsichtig, am besten telekinetisch. Hingegen wird Friends von Kritikern gelegentlich attackiert, weil es „zu weiß“ sei (den Einschaltquoten schadet das allerdings nicht.)

Auch Sex and the City wurde in einer neuen Farbmischung aufgelegt, es heißt nun And Just Like That und unsere inzwischen nur noch drei Freundinnen, geliftet und gebotoxt, suchen nun aktiv nach Friends of Color. Carrie hat eine beste indische Freundin, eine ultrareiche Immobilienmaklerin, Miranda hat eine halb-schwarze, non-binäre lesbische Affäre, die aussieht, wie ein Kerl und wo ich mich verzweifelt frage, was die an Miranda findet, und Charlotte, ja, Charlotte sagt zu ihrem Ehemann Sachen wie: „Wir kennen doch dieses schwarze Paar, sie ist Professor an der Columbia und er ist an der Wall Street, das wäre doch eine passende Addition zu unserem Dinner.“

Exportgut: ‚interracial‘ Harmonie

Ich selber habe weniger ein ultrareiches Sex-and-the-City-Leben, sondern mehr so ein seinfeldsches Dasein, wo ich mich mit meinen Freunden über Kaffee und Hamburger darüber streite, ob die Demokraten nicht doch hätten Bernie Sanders aufstellen sollen und um wie viel Prozent Jerome Powell den Leitzins anheben muss. Meine go-to-Person of Color ist die Krankenschwester der Mutter eines Freundes, die ich bei Familienfesten treffe. Die Krankenschwester und ich sind uns rasch einig, dass Charlottes „Wir wollen schwarze Freunde, aber bitte bloß reiche“, ziemlich abartig ist, und nicht das New York, was wir wollen, reflektiert, aber wer hört schon auf uns.

Natürlich exportiert Amerika seine auf dem Bildschirm frischgefundene interrassische Harmonie in alle Welt. Denn wenn Amerikaner irgendetwas sein wollen, dann ist das vorneweg, und dazu gehört, andere Länder zu belehren, wie sie ethnische Probleme lösen, die vor allem Amerikaner haben. Amazon Studios etwa hat nun Leitlinien; die dort produzierten Filme sollen „Diversity, Inklusivität und Gleichberechtigung“ vermitteln, und darin sollen Menschen aller Rassen, Ethnizitäten, Nationalitäten, sexueller Orientierung, Geschlecht, Alter, Religionen eine oder auch mehrere Rollen spielen.

Es gab ja bereits dem Film JoJo Rabitt, wo Hitler von Taika Waititi dargestellt wurde, der halb neuseeländischer Maori und halb jüdisch ist; also, die Tendenz finde ich gut. Was Star Trek angeht, da warte ich dringend darauf, dass es den ersten deutschstämmigen Captain gibt, immerhin die größte ethnische Minderheit in den USA, und Starfleet scheint ja doch meistenteils aus Amerikanern und Außerirdischen zu bestehen.

Und Nichelle Nichols, sie ruhe in Frieden. Wir werden sie immer lieben.

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3 Kommentare

  1. Immerhin gab es bereits 1936 einen Film über „interrassische Beziehungen“, Circus von Grigori Aleksandrov und Isidor Simkov. ha-te-te-ps://en.wikipedia.org/wiki/Circus_(1936_film). Nur mal so anzumerken.

  2. In Discovery (2017) ist eine Protagonistin of color vorbestraft, Schiffs-Arzt und Navigator sind ein homosexuelles Paar. Voyager (1995), mit Kate Mulgrew als Kathryn Janeway, eine Frau als Kapitänin war damals für viele Menschen wahrscheinlich Fiktion, wie ein indigener erster Offizier (Chakotay, Robert Beltran). Voyager z.B. hatte fantastische weibliche Charaktere gespielt von Jeri Ryan (Seven of Nine), Jennifer Lien (Kes) oder Roxann Dawson (B’Elanna Torres), menschliche-männliche Rollen waren damals bereits ziemlich farblos oder sehr stereotyp. Rassismus oder besser Speziesismus ist zentraler Bestandteil des Star Trek Narrativs. Lieutenant Uhura ist mitnichten »nur ein besseres Telefonfräulein«, sondern war 1965/66 ein Zeichen dafür das es in einer fiktiven Zukunft keine Rolle mehr spielt welche Hautfarbe, Geschlecht oder (planetare) Herkunft jemand hat um auf der Brücke eines Raumschiffs als Offizier präsent (sichtbar) zu sein. Natürlich kann man es auch, schlicht und ergreifend, mit der Ausweitung der Zielgruppe erklären – wenn man andere Menschen mit einer Serie erreichen möchte, müssen die Rollen Attitbute der Zielgruppe annehmen.

    Lieutenant Nyota Uhura eine fähige Offizierin gespielt von Nichelle Nichols war neben Christine Chapel (Majel Barrett) eine von zwei Frauen. Spock (Leonard Nimoy) war der einzige Halb-Mensch/Halb-Vulkanier auf der Brücke unter sieben Männern. Im Star Trek Narrativum existiert weder interrassische noch Interspezis-Harmonie, das Gegenteil ist der Fall. Niemand interessiert sich für ein harmonisches, politisch korrektes Star Trek Universum. Irgendwie schade Nichelle Nichols Tod als Aufhänger für die amerkianische, kulturelle Hegemonie heranzuziehen und zuviel Meta.

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