Bilderstürmer und die Feuer der Hölle

Klimaaktivisten bewarfen Monet-Bild mit Kartoffelbrei und kleben sich dort fest.
Quelle: Screenshot YouTube, bearbeitet

Immer wieder verüben Klimaaktivisten Anschläge auf Kunstwerke oder nötigen Pendler zum Stillstand. Ist das hinnehmbar? Oder gibt es einen Wert, der höher wiegt als der bloße Klimaschutz?

Als Martin Luther den Papst herausforderte und die von Rom geprägte Ordnung auf den Kopf stellte, kamen in seinem Gefolge die Bilderstürmer; revolutionäre Theologen, die eine puristische Idee von Religion vertraten und fanden, prunkvolle Gemälde, Götzenbilder, Heiligenverehrung stünden zwischen Gott und der reinen Seele des Volkes. Es blieb nicht bei Predigten. Kirchen wurden gestürmt, Bilder verbrannt oder zerstört (oder auch geplündert und verkauft); und nach dem Dreißigjährigen Krieg war von Deutschland nicht mehr viel übrig.

Mehr als vierhundert Jahre später stürmten die Nazis Bilder, die der „reinen Volksseele“ nicht gefielen. Sie stellten die als so genannte „entartete Kunst“ aus, als abschreckendes Beispiel. Sie verkauften sie aber auch ins Ausland, darunter auch Bilder von Claude Monet. Was mit Deutschland dann passierte, wir erinnern uns.

Monet-Beschädigen erlaubt?

Fast forward in die Jetztzeit, heute kleben sich revolutionäre Klimaaktivisten neben Gemälde von Monet und anderen an und bewerfen die mit Kartoffelbrei. Klar, die sind unter Glas, aber nur deshalb, um sie vor eben solchen Zerstörern zu schützen. Für die Bilder, auch für die Zuschauer ist das nicht so gut.

So ähnlich wie in den vergangenen Zeiten geht es den Klimaschützern um Größeres, Grundsätzliches. Wo Luthers Epigonen dem reinen, wahren Gott dienen und die unsterblichen Seelen der Welt retten wollten, sind die Klebenden unserer Zeit auf einer semi-göttlichen Mission, den Planeten vor dem Klimawandel zu retten.

Aber dürfen die das eigentlich? Ist Monet-Beschädigen nicht verboten? Das ist schwer umstritten, in Deutschland wie auch in Amerika, und interessanterweise verlaufen die Linien recht ähnlich, nicht zwischen rechts und links und noch nicht einmal, wie meist, zwischen schwarz und weiß, sondern zwischen alt und jung.

Kleinliche Gesetzesbedenken

Die Älteren, die Generation Boomer, die am College noch mit klassischer Bildung in Berührung kamen und das Ozonloch, den Sauren Regen, das Waldsterben und die Chemtrails überlebt haben, sind entsetzt. Oft weniger über die Tat selbst, als darüber, wie kontraproduktiv so etwas ist und wie sehr es abschreckt. Die Jüngeren, die damit rechnen, dass der Himmel einstürzt, finden, dass der Zweck die Mittel heiligt.

Angesichts des drohenden Endes der Welt durch den Klimawandel halten sie es für gerechtfertigt, geboten sogar, unsere verlorenen Seelen wachzurütteln, auch mittels eines solchen Spektakels. Kleinliche Gesetzesbedenken müssten da zurückstehen. Und wie sonst, wenn nicht durch so eine Aktion, würden die tapferen Klebenden Aufmerksamkeit generieren und es in Film, Funk und Fernsehen schaffen?

Also, wenn es nur um Aufmerksamkeit geht, da würden mir noch eine ganze Menge andere Aktionen einfallen. Man könnte eine fünfzig Meter hohe Statue von George Floyd aus Pappmache herstellen und mitten in der South Side of Chicago öffentlich abbrennen. An die Schlagzeilen würde man sich noch nach Jahren erinnern.

Mögliche Protestaktionen

Oder die Dienstwagen der Regierungsfraktionen mit radioaktiven Schlamm bewerfen. Oder sich an die Motorhaube von einem benzinsaufenden Clanporsche in Neukölln kleben. Oder ein öffentliches Masturbier-In auf dem Potsdamer Platz in Berlin veranstalten und dabei aus dem mit dem Buchmessenpreis gekrönten Blutbuch vorlesen. Es ließe sich auch die Bücherverbrennung auf dem Bebelplatz nachstellen, aber mit Smartphones (den eigenen). „Gegen volksfremde Technik amerikanisch-chinesischer Prägung, für idealistische Lebenshaltung! Ich übergebe der Flamme das iPhone 12.“

Und – wo wir gerade bei umweltverschmutzender Technik sind –  man könnte sich (als Gruppe) sowohl vor dem russischen als auch dem ukrainischen Präsidentenpalast festkleben, bis Putin und Selenskyj den Frieden verhandelt haben, denn der Krieg hat schädlichere Auswirkungen auf das Klima als der gesamte Berliner Autoverkehr.

Ich hätte noch mehrere solche Ideen. Nun aber zu einem anderen Punkt: Ist der Kampf gegen den Klimawandel so wichtig, dass auch illegale Methoden erlaubt sein sollten, einschließlich die, andere Leute zu nötigen, mit Gewalt vom Autofahren abzuhalten, das Fliegen zu blockieren und Museen zu sperren? Wichtig genug, demokratische Prozesse zu unterlaufen und Gesetze zu ignorieren?

In den Feuern der Bilderstürmer

Genauso wichtig ist es allerdings, sich von selbsternannten Weltrettern nicht auf der Nase herumtanzen und herumkommandieren zu lassen. Das ist bereits ein Wert an sich. Und noch wichtiger ist es, Leute nicht moralisch zu legitimieren und nicht an die Macht zu lassen, die grundsätzliche demokratische Errungenschaften – das Gewaltmonopol des Staates, Gesetze, ausgehandelte Prozesse – verachten und unterlaufen. Leute, die glauben, weil sie die Guten sind, dürften sie alles.

Solchen Leuten darf man keine Macht einräumen, denn der Geist, der daraus atmet, hat zu den Bilderstürmern geführt, den Nazis und der Stasi. Manchmal ist es wichtiger, dem entgegenzutreten, auch, wenn man dann im nächsten Sommer eine dickere Schicht Sonnencreme auflegen muss. Das Opfer sollte es uns wert sein.

Denn natürlich besteht dann die Gefahr, dass wir alle im Feuer der Hölle, pardon, der Erdenhölle des Klimawandels braten. Aber das ist immer noch besser als in den Feuern von Puristen und Bilderstürmern zu lodern, die glauben, im Besitz einer absolutistischen Wahrheit zu sein, die ihnen alles erlaubt.

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25 Kommentare

  1. Rekurs auf Geschichte ist wichtig. Aber Journalisten sollten in der historischen Recherche so sorgfältig sein wie in der aktuellen, sonst landet man bei Ideologen und Geschichtsfälschern wie Snyder und Applebaum.

    Konkret: Die Epoche der reformatorischen und nachreformatorischen Bilderstürme und Bilderenfernungen im HRR und der Schweiz hatte ihren Schwerpunkt von 1522 bis 1530, mit einem Nachhall im Rheinland und im Süden etwas später, mit den letzten Ereignissen 1545, Mit dem dreissigjährigen Krieg hatte das nichts zu tun. Und in vielen Fällen ging es um Entfernungen von allzu prunkvollen Bildern und Statuen aus der sakralen Sphäre, oft ihrer Rückgabe an die Stifter oder ihrem Verkauf zugunsten der Stadtkassen. Massenereignisse und Vandalismus kamen vor, aber waren nicht vorherrschend. JFTR. Luther verurteilte den Bildersturm, vor allem (nicht verwunderlich bei seiner Autoritätshörigkeit) die Massenereignisse.

    Die albernen Selbstdarstellungen narzisstischer „Klimaaktivisten“ kann man beschimpfen, verurteilen, belächeln, gewiss.

    Wichtiger wäre, der „Bloodlands“-Holocaustleugnung light und den „Holodomor“-Lügen entgegenzutreten, und der Ukronazipropaganda von Snyder und Applebaum. Die sind aktuell gefährlich. Dass „Klimaaktivisten“ die Macht ergreifen, ist eher unwahrscheinlich.

  2. Als Maler würde ich sagen, weg vom Monet und lieber Dürer, Botticelli und Picasso zum Kleben oder als Hintergrund für Kartoffelbrei und Tomatensuppe benutzen.
    Im Ernst: Ich habe jede Menge Respekt vor Leuten, die sich auf Strassen, Brücken oder ähnlichem festkleben (lassen), aber Hände weg von der Kunst.
    Die interessiert eh kaum jemanden und der Strassenverkehr wird doch mehr frequentiert als so ein Museum – eigene Beobachtung. Schade, eigentlich, denn würden mehr Leute ins Museum gehen, dann könnte sich die kognitive Verstopfung im Hirn leichter auflösen und Alternativer wären öfter zu finden. Keine Angst vor Kunst.
    Und übriges: das sicher vorhandene Argument, es träfe ja nur die reichen Säcke ist mir zu blöde um darauf zu antworten.

  3. Tja, was ist wohl besser?
    Den Tod finden in einem näher rückenden, wahrscheinlicher werdenden Krieg?
    Für dessen Verhinderung beinahe jedes Mittel Recht sein sollte…….???!!!???!!!!!!!!!
    Oder:
    Den Tod finden (wobei die Boomer-Generation und Vorgängergenerationen in D mit ein bisschen Glück sicher verschont bleiben) in einer näher rückenden, unausweichlichen Klimakatastrophe, nein, Umweltzerstörungskatastrophe, mit all ihren Konsequenzen und damit verbundenen Verheerungen?
    Für deren Verhinderung beinahe jedes Mittel Recht sein sollte….!!!??!!!!?!!!!

    Es ist wirklich kein Wunder, dass sich eine gewisse Radikalisierung in allen Lebensbereichen breit macht.
    Solche Beiträge regen mich auf. Klimaschutz (was leider eh zu kurz gedacht ist, weil es verdammt nochmal nicht nur um Klima geht) hat nix, aber auch rein gar nix mit Moral zu tun. Sondern mit unbedingter Notwendigkeit!!!
    Krieg hat jede Menge mit Moral zu tun.

    Aber wir tollen vernunftbegabten Menschen wollen offenbar sowohl Krieg als auch die totale Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Nur weiter so!!!

    Zynische Grüße (den Spruch hab ich bei einem anderen Foristen abgekuckt…),
    k.

      1. Leider wird nicht auf Thomas Müntzer abgehoben. Der hat mit den Bauern gekämpft.
        Was mich immer wieder erstaunt, dass es im Allgemeinen um das Individuum geht, das sich entwickeln können muss. Da soll es sogar noch andere Geschlechter geben als Mann und Frau?
        Die Inhalte, die hier und sonst (meist als Krise bezeichnet) werden, sind individuell nicht zu lösen.
        Nur, der Nazismus lässt nicht los und ist kaum zu ermitteln. Fast jeder denkt, er vertritt die Mehrheitsmeinung.
        Mir ist egal was mit den Bildern passiert, wobei es passiert ja auch nichts, es sind Glasscheiben vor den, Gemälden. Nachmachen ist dabei kein großes Problem. (Wolfgang Beltracchi)
        https://www.youtube.com/watch?v=HFqVRf_Rfwo

  4. Alleine der Gebrauch des Narrativ-Begriffes „Klimaschutz“ finde ich schon bedenklich, denn damit wird als Prämisse zugrunde gelegt, sowas wie „Klimaschutz“ sei machbar. Da freut sich u.a. Bill Gates. Tatsächlich geht es hier aber um beabsichtigte Eingriffe in tatsächlich nichtverstandene komplexe Abläufe. Konkret im Falle der CO2-Endzeitpropheten durch eine Reduktion von CO2-Emissionen .Ob das Resultat „Schutz“ wäre oder das komplette Gegenteil, ist einerseits gar nicht geklärt, sondern wird lediglich behauptet.

    Andererseits liegen durch zivilisatorischen Rückbau in Mittelalterstrukturen mögliche „CO2-Ersparnisse“ in der Komplettbetrachtung weltweit im Sub-Promille-Bereich. Die schon anbetrachts der Volatilität der rein natürlichen CO2-Emissionen vollkommen bedeutungslos sind – und deren auf einer Micky-Maus-Welt-Simulation basierende Behauptung von Wirksamkeit absurd ist… btw: gerade sind mal wieder (siehe „Klimagate“) führende Protagonisten der „Klimafoscher“-Sekte durch geleakte emails beim Datenfälschen erwischt worden. Die gemessene Realität wollte mal wieder so gar nicht mit ihren Modellen konform gehen, da musste man dann halt mal (wieder) etwas nachhelfen.

    Wir haben hier also radikale Anhänger einer Ideologie, die gezielt und mit reichlich Geld seit Ende der 60er aufgebaut worden ist, Von denselben Kreisen, die heute als milliardenschwere „Philantropen“ verkünden nur zum Besten der Menschheit zu wirken. Von denen sie erklärtermaßen so um 95% für komplett nutzlos und überflüssig betrachten.

    Und diese sich in einer Endzeitsekte versammelnden, radikal gläubigen Anhänger gerieren sich nun als Kulturstürmer … wieso nur fallen mir in dem Kontext die Taliban und deren Sprengung der Buddhastatuen ein ? Der tatsächliche (!) Bildungsgrad dürfte bei beiden Gruppen jedenfalls so ziemlich identisch sein: religiös Vernagelte mit Anspruch auf die alleinseligmachende Wahrheit.

    Gut… das ist dann ja heutzutage quasi vollkonform zur aktuellen „Staatsraison“, deshalb haben diese Figuren strafrechtlich auch bislang auch kaum mehr als ein „du, du, du“ zu befürchten.

    1. Stimmt, danke. Jetzt weiss ich wieder warum ich die Taliban nicht mochte. Diese Riesenstatuen und Bumm, in der Tagesschau. Gab keinen Grund die zu zerstören, ebenso wie es keinen Grund für die Ukrainer gab, alle Russischen Bücher zu verbrennen.Hörst Du mich, Staatsanwalt. Na wenn schon.

  5. Die jungen Leute sind klasse.
    Das Pseudo-Abseilen auf die Fahrspuren einer Autobahn wurde im Widerstand / Dannenröder Forst von Klimaaktivisten erfunden.
    Eigentlich haben sie nur Plakate an Autobahnbrücken aufgehängt und sich mit Seil und Sitzgurt gesichert.
    Die Geschwindigkeitsreduktion der Autofahrer vermutlich zuerst billigend in Kauf genommen, um den Stau später zu kultivieren.
    Es mangelte ihnen am Organisationsgrad um einen bundesweiten „Generalstreik“ herbeiführen zu wollen. Die Vereinzelung von Aktionen führte zu blindem Aktionismus wie Ankleben zu allerlei Anlässen um mediale Aufmerksamkeit zu erreichen.
    Dem muss man immer einen drauflegen, weil in den Nachrichten nur Neues vermeldet wird.

    Wenn man bereit ist zu realisieren, dass wir in Zeiten leben in denen Widerstand zur Pflicht geworden ist,
    kann man diese jungen Menschen nur lieben.

    Es soll ihnen nicht zum Nachteil vorgeworfen werden, dass sie genau so bescheuert sind, wie wir es früher
    waren.

    Nein, ich billige öffentlich keine Straftaten und rufe nicht zu solchen auf !

  6. @Eva C. Schweitzer

    Als Ergänzung zur christlichen Bilderstürmerei die hat eine uralte Tradition wie die englische Autorin und Journalistin Catherine Nixey in ihrem Buch „Heiliger Zorn – Wie die frühen Christen die Antike zerstörten sehr detailliert und historisch nachweisbar beschreibt.

    Nicht erst mit Luther nein schon seit den ersten Tagen des Christentums wurden „heidnische“ Werke und Kunst schwer beschädigt oder gleich ganz vernichtet, und die sogenannten „Heiden“ auch verfolgt und umgebracht als das Christentum Staatsreligion im Römischen Kaiserreich wurde („Die Kriminalgeschichte des Christentums“ des Autors Karlheinz Deschner.ist hier sehr aufklärerisch und genau 😉)

    Gruß
    Bernie

  7. Danke für den Hinweis auf Deschner und christlichen Vandalismus, der sich eben nicht nur auf Bilder beschränkte, siehe den bestialischen Mord an der Mathematikerin und Philosophin Hypatia. Dagegen waren die frühneuzeitlichen Bilderstürmer freundliche Menschen.

  8. Gut, wenn den Klima-Engelchen mal der Heiligenschein abgenommen wird.
    Klebstoffaffine Bürgerkinder mit auffallend viel Tagesfreizeit, denen die beruflich benötigte Mobilität abhängig Beschäftigter strunzegal ist, dürfen sich über wachsende Unbeliebtheit nicht beklagen. Eigentlich ist es ein Wunder, dass die Blockierer bislang nur verbale Kritik geerntet haben. Das A und O aussichtsreicher Gesellschaftskritik sollte stets darin liegen, die Mehrheitsgesellschaft mitzunehmen.

    1. Die Mehrheitsgesellschaft???????
      Oh mein Gott….., das könnte dauern.
      Verdammt viel länger als es den westlichen Kriegstreibern und deren Gefolgschaft offenbar gelungen ist, die Mehrheitsgesellschaft auf ihre Seite zu ziehen. Das hat, aus welchen Gründen auch immer, ja ruckzuck funktioniert. Bemerkenswert eigentlich.

      Bemerkenswert jedoch auch immer wieder, wie ein Großteil der Menschen ihren aktuellen Lebens- und Besitzstand ( „bis zum Gartenzaun“) zu wahren versucht, im Wissen, dass sämtliche durch Umweltfrevel hervorgerufenen Katastrophen unmittelbar und durch Nichts zu leugnen vor der Tür stehen. Und wenn nicht sie selbst betroffen sein werden, dann doch ihre lieben Kinderlein und Enkel.
      Und egal ob Krieg oder Umweltkatastrophen: die lieben Kinderlein werden es diesmal sicher nicht besser haben als die Eltern.
      Mehrheitsgesellschaft. Da muss ich drüber nachdenken.

      Polemische Grüße,
      k.
      Und PS: sowohl im Krieg als auch unter lebensfeindlichen Umweltbedingungen interessiert sich keine Sau (sorry) mehr für Kulturgüter, Klebstoff und Bilder unter Glas…….

      1. Ob die Mehrheitsgesellschaft wirklich so kriegsbegeistert ist?
        In Umfragen finden sich da widersprüchliche Angaben, auch Mehrheiten für Verhandlungen.
        Die Kritik daran, dass die Menschen ihren Lebensstandard gern halten möchten, teilen auch neoliberale Einflüsterer, die – im trauten Verbund mit Degrowth-Influencern – dem Gürtel-enger-schnallen-Mantra ein Supi-Öko-Label umhängen können.
        Linke sind jedoch dazu da, für ein besseres Leben zu werben.
        Frei nach Wiglaf Droste: Wir schnallen den Gürtel weiter!

      2. Zitat: „Bemerkenswert jedoch auch immer wieder, wie ein Großteil der Menschen ihren aktuellen Lebens- und Besitzstand ( „bis zum Gartenzaun“) zu wahren versucht, im Wissen, dass sämtliche durch Umweltfrevel hervorgerufenen Katastrophen unmittelbar und durch Nichts zu leugnen vor der Tür stehen.“

        Dort stehen sie schon lange, mindestens seit Mitte der 70er-Jahre. Am besten, wir lassen sie weiter dort stehen.

  9. Ich gehöre zu den Älteren – und schäme mich für den ausgemachten Stuss, der hier in ihrem Namen publiziert worden ist. Was haben George Floyd oder Massenmasturbation mit Klima zu tun? Da verwechselt Schweitzer Wokeness-Themen mit ökologischen Überlebensfragen.

    Schlimmer noch – sie pinselt ein grobes Bild einer heilen, regelbasierten Welt hin, in der alles (vermutlich europäischen) Werten gehorche. Das ist Bullshit. Wir leben in einer Klassengesellschaft, in der die Wirtschaft als Diktatur verfasst ist und die Gewählten – und manchmal auch Ungewählten, wie Draghi oder Sunak – mit erdrückender Lobbykraft dazu zwingen, ihnen zu Willen zu sein. (Wobei in vielen Fällen Zwang gar nicht nötig ist.)

    Der Aktionismus mit Dosensuppe und Kartoffelbrei hat gewiss den Nachteil, dass er selbst zum Thema wird, statt als Menetekel zu wirken. Aber der Versuch, ihn in die Nähe von Faschismus zu bringen, ist wirklich ein bornierter. Getragen ist er von einer Idolatrie des Originals, die spätestens seit Benjamins Text zur Reproduzierbarkeit nur noch lächerlich wirkt. Ganz nebenbei wird das Konzept des zivilen Ungehorsams, Widerstands umstandslos über Bord geworfen. Wie es den bürgerlichen Machthabern eben so gefällt. Widerständiges als extreme, strikt abzulehnende Randerscheinung abzuqualifizieren ist eine ihrer bewährten Taktiken.

    Die stetig voranschreitende Zerstörung nicht nur menschlicher Lebensgrundlagen aufhalten zu wollen, ist Legitimation für noch viel mehr als diese harmlos-unzulänglichen Aktionen.

    1. Die Wokeness- und die Klimafraktion dürften im wesentlichen Mitgliedergleich sein. Insofern finde ich es absolut gerechtfertigt, die Methoden beider Gruppen in einem Satz zu verwenden.

      Der eigentliche Punkt ist, ob es überhaupt ökologische Überlebensfragen geht, oder ob das ganze eine quasireligiöse Massenhysterie ist. Fest steht, dass die Klima- ebenso wie die Wokeness-Bewegung so ziemlich alle Anzeichen religiöser Bewegungen haben. Das beginnt bei der Resistenz gegen Argumente – Wer widerspricht ist automatisch Nazi, Klimaleugner, Biologist, Rassist, Sexist, TERF und was sonst noch. Dass man möglicherweise einfach nur Mathematiker und Biologe ist und als der eine die Modelle der Meteorologen doch ein bisschen arg unterkomplex und ziemlich freihändig zusammengenagelt findet und als der andere weiß, dass es genau zwei Geschlechter gibt und dass Intelligenz ganz sicher mal erblich war (sonst gäbe es den modernen Menschen nicht), ist schlicht nicht vorgesehen.

      Auf mich wirken die Aktionen mit Kartoffelbrei und Tomatensuppe ebenso wenig als Menetekel wie Straßenkleberei und Autobahnblockaden. Für mich ist das alles hysterisches Aufspielen ungebildeter und überspannter Religioten auf dem Niveau der Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen – Operative Hektik soll geistige Windstille kompensieren.
      Dieser Aktionismus ist sicher kein Faschismus, es ist die Moralapostelei alter Klatschweiber vom Dorf. In der Schule Deko gewesen, nur den Feierabendbauern abbekommen und, weil andere auch keinen Spaß am Leben haben dürfen, nun die Hüterinnen der dörflichen Moral (Hast du gesehen wie Schmidts Karin rumläuft? Schämt die sich den gar nicht? Und was Hubers Gerd für ein Auto fährt! Das kann der sich doch gar nicht leisten!).

      Und weil es immer einen gibt der noch moralischer ist, endet moralische Politik immer in maximaler Freudlosigkeit. Sei es bei den Saulenheiligen, den Puritanern, den Taliban oder aktuell den Klimafanatikern.

      Auch gegen diese moralinsauren Gesellen und Gesellinnen haben wir im Westen das Konzept der geschrieben Gesetze entwickelt. Da steht klar drin was verboten ist und alles andere ist erlaubt. Deswegen ist das Konzept des zivilen Ungehorsams auch kein Konzept, sondern schlichte Anmaßung – irgendjemand, üblicherweise nicht die hellste Kerze auf der Torte, hält sich für klüger als alle anderen und meint, dass deswegen die Gesetze für ihn nicht gelten. Früher wurden solche Typen einfach ausgelacht und für hartnäckige Fälle gab es etwas von Ratiopharm. Heute bilden 15-jährige Schulschwänzerinnen sich ein, sie könnten ausgebildeten Naturwissenschaftlern die Welt erklären und bekommen Schnappatmung, wenn man ihnen sagt, sie mögen doch bitte erstmal erwachsen werden.

      Was mir vollkommen rätselhaft ist, wie Sie auf die Idee kommen, Widerständiges würde als extreme, strikt abzulehnende Randerscheinung abqualifiziert. Ich sehe das diametrale Gegenteil. Widerstand, so er den nur dümmlich, theatralisch und „moralisch“ genug ist, wird gefeiert und Gesetzesübertretungen werden mit einen ganz strengen „Dududu…“bestraft.

      Wer die „stetig voranschreitende Zerstörung nicht nur menschlicher Lebensgrundlagen aufhalten“ will, sollte sich meiner Meinung nach erstmal erkundigen, wie viele Menschen bei Umsetzung seiner Forderungen wohl verhungern werden und sich danach überlegen, ob diese Menschen sich wohl friedlich und gesittet hinlegen und beim verhungern an das Allgemeinwohl denken oder ob doch nicht eher ein paar ganz hässliche Aufstände und Kriege die Folge sein werden.

      1. Schauen Sie, ich tu mir Ihre Antwort nicht in Gänze an. Schon der erste Satz zeigt ideologische Verbretterung. Ich bin das beste Gegenbeispiel, nichts mit den Wokeratis am Hut, aber selbstverständlich ein entschiedener Gegner aller realitätsverweigerenden Positionen, seien es Querschläger in Sachen Seuche oder Denier in Sachen Klima.

        1. Wie ich bereits schrieb: Wer widerspricht ist automatisch Nazi, Klimaleugner, Biologist, Rassist, Sexist, TERF und was sonst noch. Oh, Verzeihung, den Seuchenleugner hatte ich vergessen.
          Schade. Ich hatte mehr intellektuelle Offenheit und weniger Emotionalisierung und Dramatisierung erhofft. Haben Sie möglicherweise den Abschnitt überlesen in dem diese Seite sich „als Stimme gegen Debatteneinengung und Moralismus“ beschreibt?

  10. @aquadraht

    Gern geschehen und wegen Hypatia dann kennst sicher auch den Film „Agora“ auch der sich filmisch mit dem Leben und dem Tod der griechisch- alexandrinischen Philosophin Hypatia, ebenso wie mit dem furchtbaren Fanatismus der ersten Christen, auch der christlichen „Parabalani“ in Alexandria. – „Kriegermönche“ – beschäftigt.
    Gruß Bernie

  11. Wie solche Karrieren von diesen selbsternannten Bessermenschen verlaufen können, wenn Zufälle sie an die Macht spülen, zeigt ein prominetes Beispiel.
    Joschka Fischer – vom Steinewerfer zum Bombenwerfer.

    Bildung hätte vielleicht geholfen.
    „Zwar kein aktueller, aber einer der bekanntesten Politiker ohne Abschluss, ist Joschka Fischer. Das Gottlieb-Daimler-Gymnasium in Stuttgart verließ er ohne Abschluss. Nach einer abgebrochenen Lehre als Fotograf engagierte sich Joschka Fischer zwar in der Studentenbewegung, aber selbst studierte er nie. Bis 1981 arbeitete er als Taxifahrer in Frankfurt.“
    https://karriere.unicum.de/berufsorientierung/branchencheck/politiker-ohne-abschluss

    1. Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal…
      Fischer ist – gerade mit seiner Gewaltbereitschaft – ein Beispiel, wie wenig sich jemand verändert hat – gerade im Gegensatz zur offiziösen Lesart: Früher Revoluzzer, heute Staatsmann…
      Der Typ hätte genauso in die militante Fußball-Hooligan-Szene oder den Naziskin-Sumpf geraten können.

        1. Ersatzweise Emporkömmling. Da der Fischer das Arbeiten nicht erfunden hat, hat er sich an die studentischen Bekannten aus dem Mittelstand rangewanzt und so nach und nach sein Auskommen gefunden indem er die Mär vom verfolgten Sozialrevoluzzer verzapft hat. Zumindest die Ditfurth scheint ihm nicht auf den Leim gegangen zu sein.
          Die gleiche Nummer hat auch der Özdemir abgezogen, diesmal als Quotentürke, obwohl er Tscherkesse ist.
          Klappt doch prima der grüne Betroffenheitskult: Opfer, Opfer, Opfer…..

  12. Das Thema, ist für mich keiner Diskussion wert. Gesponsert von einer Getty, die den ganzen Wahn sinn finanziert, würde ich keineswegs „sensibel“ mit den KleberInnen umgehen. Runterreissen – und gut ist. Das Beste aber war ja in Wolfsburg, wo sich auch so einige Verrückte „angeklebt“ haben. Abends dann: „gut, wir machen die Lichter aus – und gehen nach Haus.“ Das nennt man entspannten Umgang.

  13. „Vor 40 Jahren“ kamen rechtslose Vorkämpfer mit ihren Atomkraft nein Danke, Pershing Stationierung Demonstrationen und Ratz Fatz hat man diese Partei in der Regierung.
    Die klimafreundliche Politik zeigt ihren waren Inhalt!

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