All That’s Solid Melts Into Air

Seizure of vegetables from peasants in Novo-Krasne village in Odesa Oblast, Ukraine. November of 1932.
Autor/-in unbekanntUnknown author, Public domain, via Wikimedia Commons

Warum tat man sich im Westen so schwer damit, den Holodomor als Völkermord anzuerkennen?

Am Mittwoch hat der Bundestag den Holodomor als Völkermord anerkannt. Eine   Erinnerung daran, ein spätes Sichtbarmachen, wie in den dreißiger Jahren bewaffnete Soldaten der Roten Armee ukrainische Bauernhöfe besetzten, Saatgut und Ernte beschlagnahmten, alles Essbare plünderten und die Bauern nach Sibirien verschleppten, um im Auftrag Stalins die Zwangskollektivierung durchzusetzen.

Die genauen Opferzahlen sind ungeklärt, Schätzungen reichen von drei bis zehn Millionen Menschen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Zahlen von Kriegs- und Genozidopfern um 100 Prozent schwanken; es ist eher die Regel als die Ausnahme.

Unser Uncle Joe

Ob Stalins Exterminierungspolitik gegen ukrainische Kulacken, Bauern, tatsächlich ein Völkermord war oder ein Versehen oder eine Naturkatastrophe, war lange umstritten, vor allem in Amerika. Und ob Uncle Joe, wie Stalin in den USA in Kriegszeiten genannt wurde, wirklich selbstpersönlich den Befehl gab, auch.

Amerikanische Tankies, Altmarxisten, verteidigen den Großen Führer noch heute. Andere meinen: Sind nicht viele Menschen in der Sowjetunion umgebracht worden, auch Krimtartaren, Kasachen und Wolgadeutsche? Warum sich auf die Ukrainer kaprizieren? Das ist richtig. Zwischen zehn und zwanzig Millionen Tote alleine in der Sowjetunion gehen auf die Stalinisten zurück. Warum das aber ein Argument sein soll, den Holodomor nicht anzuerkennen, erschließt sich mir nicht.

Und das ist auch nicht der Grund, weshalb der Westen sich damit schwertut. Vielmehr war Stalin der wichtigste Alliierte Amerikas im Zweiten Weltkrieg. Dessen Bild sollte nichts trüben, denn das würde auf Amerika zurückfallen. Erst lange nach dem Krieg haben Amerika (und Großbritannien) etwa auch den Massenmord an den polnischen Offizieren in Katyn der Roten Armee angelastet und nicht der Wehrmacht.

Auch jüdische Organisationen verwehrten sich stets dagegen, den Völkermord an den Juden mit dieser „Hungersnot“ zu vergleichen. Es dauerte allerdings auch Jahre, bis sie den Völkermord an den Armeniern anerkannten, und was die Indianer angeht, da glauben die meisten Amerikaner sowieso, die seien von selber tot umgefallen.

Aber das waren bloß Russen

Und natürlich standen Ukrainer immer im Verdacht, keine treuen Stalinisten zu sein, sondern eher Sympathien für die Wehrmacht zu haben. Und das stimmt ja auch. Das gilt aber auch für Franzosen und Holländer, ohne dass denen das permanent vorgehalten wird. Als 1945 die britische Armee ukrainische Kriegsgefangene aus deutschen Lagern befreite, gab die Armeeführung Befehl, die an die Sowjetunion zu überstellen. Viele stürzten sich lieber ins Wasser oder brachten sich auf andere Weise um, bevor sie in Stalins Reich zurückkehrten. Auch das blieb unter der Decke.

Es gibt aber noch einen wichtigeren Grund, warum der Holodomor nicht im US-Gedächtnis angekommen ist: Die New York Times. Die Times hatte in den Dreißigerjahren einen Korrespondenten in Moskau, Walter Duranty, ein britischer Staatsbürger übrigens, der es sich gut gehen ließ und einen guten Draht zu Stalin hatte. Stalin persönlich hatte es genehmigt, dass er einen teuren Buick Sedan importieren konnte.

Duranty schrieb damals in der Times, dass Russen zwar hungerten, aber nicht verhungern würden und dass die Kulacken nicht getötet wurden, sondern vielmehr mit den kommunistischen Massen als Klasse vereint. Er kommentierte die Millionen Toten der Zwangskollektivierung mit den Worten: „Man kann kein Omelett machen, ohne ein paar Eier zu zerschlagen“. Privat allerdings erzählte Duranty, dass wohl zehn Millionen Menschen verhungert seien, „aber das waren bloß Russen.“

Als der britische Journalist Gareth Jones in die Ukraine reiste und berichtete, was wirklich passierte, bezichtigte Duranty ihn der Lüge. Die Journalisten in den USA und Großbritannien glaubten dem Times-Superstar, nicht Jones. Jones wurde 1935 von sowjetischen Agenten in die Mandschurei entführt und dort erschossen.

Pulitzerpreise are forever

Ähnlich berichtete Duranty über die Moskauer Prozesse, denen Hunderttausende zum Opfer fielen, darunter auch geflüchtete deutsche Kommunisten. Duranty bezeichnete die von Stalin Exekutierten als Nazis, Umstürzler und Konterrevolutionäre. Und Stalins Lieblingsfeind Leo Trotzki sei ein Faschist und Kriegstreiber.

Durantys Berichte aus Russland – aus denen Warner Bros. 1943 den Film Mission to Moscow verfertigte – prägt das Weltbild vieler Amerikaner noch heute. Der berühmte Journalist bekam dafür den Pulitzerpreis. Den stellt die Times, wie alle Pulitzerpreise, stolz im Gebäude aus, nebst einem Foto des Preisträgers.

Erst lange nach dem Fall der Mauer kam eine Debatte auf, den zurückzugeben. Aber da kennen die Kritiker die Times schlecht! Den Pulitzerpreis zurückzugeben, das sei quasi das gleiche wie Stalin, der seine Feinde aus Fotos retuschieren ließ, meinte der damalige Verleger Arthur Sulzberger Jr. Dass die Times immer mal wieder politisch grob falsch liegt, gibt sie ungerne zu. Das könnte das Vertrauen der Leser erschüttern.

Heute, natürlich, hat sich der Westen fest auf Seiten der Ukraine positioniert und gegen Russland. Da wirft man gerne einen neuen Blick auf die Geschichte und da macht der Bundestag politische Gummipunkte mit Resolutionen. Aber darum soll es hier nicht gehen. Die Story von der Ukraine, Russland und Walter Duranty sollte vielmehr als Mahnung dienen, nicht blind Zeitungen zu vertrauen, auch nicht sehr angesehenen Zeitungen. Denn wenn die mal lügen, räumen sie es hinterher sehr ungerne ein, und wenn sie es einräumen, kehren sie es rasch unter den Teppich.

Anerkennung, weil es jetzt politisch opportun ist

Das bringt mich zu Matt Taibbi. Taibbi ist ein amerikanischer Reporter aus einer Journalistenfamilie. Er hat viele interessante Stories geschrieben, viele davon im Rolling Stone, etwa über die Investitionsbank Goldman Sachs und deren Rolle bei dem Börsencrash von 2008. Einst Darling der Linken, machte er sich unbeliebt, weil er geschrieben hat, an Russiagate, behauptete Verbindungen zwischen Trump und Russland, sei nichts dran. Heute schreibt er auf eigene Rechnung, für Substack.

Dort ruft er dazu auf, den Mainstream-Medien nicht mehr zu trauen. Die hätten sich selbst zerstört, weil es denen nicht mehr um die Story gehe, um Objektivität, sondern darum, den Geschmack ihrer Leser, die meist einer politischen Richtung zuzuordnen seien, zu bedienen, seien es Demokraten oder Republikaner. Die Medienlandschaft in Amerika sei inzwischen so gespalten, dass es kein parteiübergreifendes Publikum mehr gebe. Statt politischer Information böten die Medien Unterhaltung.

War das früher wirklich so anders? Irgendwie ist es tröstlicher zu glauben, früher seien die Zeitungen besser gewesen und die Presse ehrlicher. Und die Ukrainer? Das Erstaunliche ist nicht, dass der Bundestag den Holodomor als Völkermord anerkennt, das war überfällig. Das Erstaunliche ist, wie Politiker und Journalisten ihre Überzeugung um 180 Grad ändern, weil es politisch opportun ist und Klicks bringt.

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42 Kommentare

    1. Übrigens:

      Während der Bundestag also den Holodomor anerkennt, um ukrainischen Nationalismus zu stärken, und Waffen nach Saudi Arabien schicken lässt, debattieren sie bei der UN immer noch, ob im Jemen eine Hungersnot herrscht. Dort sterben Menschen definitiv an Hunger wegen dem Angriffskrieg der Saudis und der Blockade. Aber angeblich hat man nicht genug Daten, um „offiziell“ eine Hungersnot auszurufen.

      Und was mich dabei am Meisten nervt mittlerweile: Irgendwelche Trottel sollen doch bitte spenden an eine zumeist kirchliche oder staatliche Organisation für den Jemen oder die Ukraine, also die ganzen Bettelaufrufe, um das Leid angeblich zu lindern, dass sie selbst ausgelöst haben.

      Es geht nicht verlogener!

  1. Frau Schweitzer, selbst der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat angemerkt, dass die Hungersnot in der Sowjetunion die Kriterien für Genozid nicht erfüllt.
    Ukrainer machten nicht einmal die Hälfte der Opfer aus, die Hungersnot fand genauso auch im Russland, Kaukasus und Kasachstan statt und viele Opfer. Und die Hauptursachen lagen in Missernten.

    Deshalb hat der Westen sich bis dato schwergetan. Und nicht wegen irgendwelcher Verpflichtungen Stalin gegenüber. Das ist Schwurbelei.

  2. Es wäre gut, wenn die Deutschen erstmal ihre eigenen Genozide anerkennten, z.B. den an den Herero und Nama, an den 3 Millionen sowjetischer Kriegsgefangener (slawische Untermenschen), die systematisch dem Hungertod preis gegeben wurden und an der 1 Million russische Opfer der Hungerblockade Leningrads (bei der auch Putins älterer Bruder als Kleinkind starb), bevor sie die Propaganda der ukrainischen Nationalisten nachbeten.
    Das mal ganz abgesehen davon, dass diese Behauptung in der Historikerzunft ziemlich umstritten ist.

    1. Fairerweise muss man bei den sowjetischen Kriegsgefangenen dazusagen, dass die Wehrmacht mit der Versorgung schlichtweg überfordert war.

      1. Wenn die Kriegsgefangenen aus dem Osten kommen geht’s dem im Westen immer schlecht. In den Rheinwiesenlager waren auch die West Alliierten mit der riesigen Masse an Nazis die Bedingungslos Kapituliert haben auch überfordert!

      2. Es gab sicherlich auch Wehrmachtsoldaten, die versuchten den Gefangenen zu helfen und sie als Menschen sahen. Gleichzeitig ist es die Legende, die hinterher auch die Psychopathen erzählten, die gar nicht genug Sowjets töten konnten.

        Fakt ist, dass die Eugeniker unter den Nazis nach den Juden alle Slawen in den Gaskammern umbringen wollten. Lebensraum im Osten, die gleiche Nummer, die die Amerikaner mit den Ureinwohnern von Amerika machten, allerdings „mit deutscher Gründlichkeit“ (dummes Klischee) also industrielle Massenvernichtung. Dazu die verbrannte Erde-Politik als sie eroberte Gebiete aufgeben mussten oder als sie Städte angriffen, wollten sie keine Kapitulation annehmen.

        Individuelle Soldaten hatten manchmal Mitleid und vielleicht stimmte auch, wenn man in einem Brief lass, dass ein Soldat sein Brot mit den Gefangenen teilte, weil sie sonst gar nichts zu Essen hätten. Es gibt keine Entschuldigungen für die Grausamkeit der Wehrmacht insgesamt! Es sei auch an die Reaktionen auf die Wehrmacht-Ausstellung damals erinnert.

        Ich haben einige vergleichende Beobachtungen:

        1. Churchill, der von vielen us- und britischen Imperialisten als Held verehrt wird, den interessierte die Hungerkatastrophe in Bengalen überhaupt nicht. Aus dem wiki-Link von oben:

        „Shashi Tharoor warf insbesondere dem damaligen britischen Premierminister Winston Churchill vor, sich gegenüber dem Elend in Bengalen gleichgültig gezeigt oder es sogar wissentlich in Kauf genommen zu haben. Während der Hungersnot sei es Churchills einziges Interesse gewesen, die gute Versorgung der britisch-indischen Armee und des britischen Mutterlandes sicherzustellen. Seine einzige Antwort auf ein Telegramm des Vizekönigs Archibald Wavell, in dem dieser die Freigabe von Nahrungsmittelspeichern erbat, war die Frage gewesen, warum Gandhi denn nicht auch verhungert sei.[5]“

        Über Russen und Deutsche sagte er auch viel unglaublich Menschenverachtendes.

        2. Dann noch ein Gedanke zu Cherson:

        Niemandem im Wertewesten will auffallen, dass Cherson sich kampflos ergeben hat, um der Zerstörung zu entgehen – und nach internationalem Recht ist das möglich. Was machen also die Ukrainer? Sie fangen umgehend an die Stadt zu bombardieren, um sie zu „befreien“, was dann auch groß mit Foto-Ops in der zerstörten Stadt in Szene gesetzt wird, wo wieder leider ukrainische Soldaten mit Nazi-Devotalien auffielen. Dabei kündigten ukrainische Soldaten schon in den asozialen Medien an, dass sie nach der „Befreiung“ „Orks“ jagen wollen, die bei dem „Scheinreferendum“ für „Ja“ gestimmt hatten. Man kann auch nicht von „Befreiung“ sprechen, wenn ein Großteil der Einwohner nach Russland geflohen ist.

        Aber irgendwie muss man eben die Erschließung von neuem „Lebensraum im Osten“, neue Niedriglöhner, die für noch weniger als Litauer arbeiten, neues Land für Agrargroßkonzerne, das Land and Lease-Gesetz in den USA, neue deutsche angebliche Wunderwaffen, also all die Kriegsprofite, rechtfertigen.

        3. Bei YT gibt es einen Ukrainer Denys Davydov, der seit Beginn des Krieges übelste Propaganda für die Ukraine macht. Dabei geht er weit schlimmer vor als sein Pendant „military summary“ aus Weißrussland, z.B. mit menschenverachtenden Memes, also richtig üble Kriegspropaganda, aber für ein internationales Publikum und in Englisch. Er verkündet also monatelang, dass die Ukraine kurz vor dem Endsieg steht. Letzte Woche nach dem Luftangriff auf Kiew verkündet er, dass er jetzt Flüchtling ist, wegen dem Stromausfall und seine Tochter bräuchte eine gute Schulausbildung. Für den gilt offenbar weder die Zwangsrekrutierung, die sonst für männliche Ukrainer gilt, noch wird er von YT gedrosselt und bei Millionen Klicks verdient er mit dieser Kriegspropaganda einen Haufen Geld. Im Gegensatz zu den Zwangsrekrutierten (territorial defense), die von Anti retreat troops, meistens Nazis, an der Flucht gehindert und durch den Fleischwolf gedreht werden, kann er sich schon die teure Flucht ins Ausland leisten und von dort weiter zum Krieg aufhetzen.

        Der Krieg darf für diese Typen nie aufhören, weil sie damit viel Geld verdienen. Deshalb – nachdem er mal kurz die Hose herunter gelassen hat – macht er so weiter wie vorher als wäre nichts passiert.

        Das Phänomen kann man auch z.B. nach der Niederlage in Afghanistan beobachten oder in Mali. Statt dass es ein Einhalten und Fehleranalyse gibt, wird die Kriegspropaganda und der Militarismus verstärkt und weiter hochgefahren. Die Kriegsgewinne sind einfach zu verlockend.

      3. die Wehrmacht mit der Versorgung schlichtweg überfordert war

        Meinst du die Sowjets waren nicht mit der Versorgung überfordert? Millionen Deutsche Kriegsgefangene kehrten nach dem Krieg nach Hause zurück und berichteten oft darüber, dass Russen mit ihnen das letzte Leib Brot teilten was die Deutschen nie begreifen konnten. Diese Erfahrung hatte viele von Ihnen persönlich sehr bewegt. Russische Kriegsgefangene kehrten leider nur sehr wenige zurück. Sie wurden in der Regel gar nicht erst gemacht und wenn doch, dann wurden sie als Zwangsarbeiter zu Tode geschunden und wenn sie zu schwach waren in Vernichtungslagern vernichtet. Also, lass bitte diese Rechtfertigungen. Bei den Nazis galten Russen nicht einmal als Menschen. Sie wurden schlimmer als Sklaven behandelt, zur Zwangsarbeit benutzt solange es ging und dann einfach durch den Schornstein entsorgt mit voller Absicht.

        1. Mein Großvater war Pimpf (das war das Nazi-Gegenstück zu den Jungpionieren in der DDR, in der Sowjetunion hießen die IMO einfach nur Pioniere) und ist mit 14 Jahren in russische Kriegsgefangenschaft gekommen und in Gefangenentrecks nach Sibirien gelaufen. Mein Großvater hatte nie eine Waffe in der Hand, hat nie irgendwo gekämpft, er wurde auf dem Schulweg verhaftet. Auf dem Weg bekamen sie nichts zu essen, sie haben versucht irgendwo unterwegs Getreide zu pflücken. Es gab kein Klopapier (das war meinem Großvater irgendwie sehr wichtig) und Kinder die zu schwach waren, wurden erschossen. Meinem Großvater war es extrem wichtig das ich als Kind schnell laufen konnte, er hat mir gezeigt wie man im Gehen Getreideähren pflückt und von Spelzen befreit, wie man sich aus Laub eine Art Klopapier macht und auch meine ersten russischen Wörter (dawei, saditzie, paschalsta, …) hab ich von ihm gelernt.

          Von den über 100.000 Kriegsgefangenen von Stalingrad sind gerade mal 5% nach Hause gekommen, 95% sind in der Gefangenschaft gestorben.

          Mein Verständnis über den WK2 ist ziemlich kurz: Unsere Völker haben sich gegenseitig Unfassbares zugefügt.

        2. In Ergänzung:

          Ich habe als Kind auch die andere Sicht kennengelernt. Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen. Vor meiner Schule gab es einen Friedhof für russische Soldaten. Wir haben dort als Kind Cowboy und Indianer gespielt. Hin- und wieder standen dann Fremde auf dem Friedhof und haben geweint. Uns wurde erklärt das das die Mütter von den Soldaten sind.

          Unser Kindergarten wurden gelegentlich von russischen Soldaten besucht. Da in der Nähe ein großer Truppenübungsplatz war, traf man auch russische Soldaten im Wald. Die Russen waren extrem freundlich zu Kindern. Bei solchen Treffen haben wir Kinder die Russen regelrecht ihrer Uniform beraubt, die haben ihre Abzeichen, Orden und Uniformteile an die Kinder verschenkt, wir durften die Waffen angucken und uns in die Autos setzen.

  3. Sehr interessant, wie „linke“ Amis so ticken. Auch interessant, dass sie dabei wenig Kenntnisse verraten, alles aus dem Bauch heraus interpretieren.

    1. Ich glaube, Frau Schweitzer ist eine deutsche Expat aus dem grünliberalen Milieu, die sich bei den „progressiven Demokraten“ vollständig assimiliert hat.

      Die Hasstiraden auf „Uncle Joe“ und seine Lobpreiser in den USA der Antihitlerkoalition ist bei diesen fanatisch antikommunistischen „Liberalen“ weit verbreitet, daher auch die Verehrung für die Geschichtsfälscher und Shoahrelativierer Snyder/Applebaum. Es ist auch viel Selbsthass dieser Leute dabei.

      Spätestens mit dem Ende des Warschauer Pakts war die Gehirnwäsche der US-„Progressiven“ praktisch total. Zu den paar Dissidenten zählt Frau Schweitzer eher nicht.

  4. Und das nächste Fass wird wieder aufgemacht! Kann man mit der Vergangenheit nicht endlich abschließen? Das nächste was kommt, werden Forderungen nach Reparationen sein, obwohl die Opfer davon nichts mehr haben und schon ist der nächste Konflikt vorprogrammiert. Die Vergangenheit ist vergangen und darf nicht die Rechtfertigung für zukünftige Konflikte sein. Wenn wir diesbezüglich mit der Vergangenheit anfangen, müssen wir bei der Völkerwanderung, den Römern und der christlichen Kirche anfangen. Was bringt das?

  5. Kommunismus hat einen kleinen Begleiter den Kannibalismus! Die Gesamten Hungersnöte der Neuzeit sind keine Naturkatastrophen sondern von Menschen verursacht.

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Hungersnot_in_Sowjetrussland_1921%E2%80%931922

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Hungersnot_in_der_Sowjetunion_in_den_1930er_Jahren

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Chinesische_Hungersnot

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Hungersnot_in_Nordkorea_1994%E2%80%931998

    Dazu kommen noch die Unzähligen Hungersnöte deren Ursprung im Kolonialismus und dem Neokolonialismus liegen! Ganz selten gibt es Missernten durch Natürliche Ursachen wie Trockenheit, Unwetter, Pflanzenkrankheiten, Schädlingsbefall oder Vulkanausbrüche.

  6. Schweitzer argumentiert am Kern der Frage vorbei – das Fehlen einer Schädigungsabsicht. Die Stalin-Regierung wollte im Rekordtempo Industrialisierung und hat dafür die mörderisch wirkende Kollektivierung durchgedrückt. Aber niemand wollte eine Hungersnot. Für einen derartigen Willen gibt es in den vielen gesichteten Dokumenten keinen einzigen Beleg. Die Hungersnot wurde in Kauf genommen, das ist aber etwas komplett Anderes. Es ist auch nachgewiesenermassen nicht so, dass eine bestimmte Volksgruppe ins Visier genommen worden wäre. Die schlimmsten Auswirkungen hatte die Kollektivierung überall dort auf sowjetischem Gebiet, wo es konzentrierte kleinbäuerliche Landwirtschaft oder, wie in Kazakhstan, nomadische Strukturen gab. In Kazakhstan starb ein grösserer Anteil der Bevölkerung als in der Ukraine. Das ist alles gut belegt.

    Die Entscheidung des deutschen Bundestages ist eine katastrophale Übernahme eines faschistischen Narrativs, das im ukrainischen Kontext bezweckt, von der eignen Kollaboration mit den Nazis abzulenken, im deutschen eine de facto-Relativierung des Holocausts konstituiert, ganz im Sinne Noltes, der im Rahmen des Historikerstreits behauptete, dieser sei eine „verzerrte Kopie“ der „Vernichtungsaktionen“ des „Bolschewismus“ gewesen.

    Unkommentiert einen solchen, an die u.s.-aner gerichteten Text in Deutschland zu publizieren, dazu verfasst von einer offensichtlich komplett sachunkundigen Person, ist mehr als bedenklich. Ein Einknicken vor einem Zeitgeist, der Deutschand bereits in Teufels Küche gebracht hat.

    1. Den Vorwurf, dass Stalin vorsätzlich eine Hungersnot in der Ukraine eingeführt hat um Millionen Ukrainer zu ermorden, wurde nach dem 2. Weltkrieg von ukrainischen Nazi-Kollaborateuren vorgebracht, die in die USA und nach Kanada emigriert sind, und 1991 erfanden sie den Begriff „Holodomor“ weil er dem Begriff „Holocaust“ ähnelt.

      Nur wenn man voraussetzt, dass Stalin aus reiner Bösartigkeit Millionen Ukrainer ermorden wollte, kann man eine Absicht herleiten, ein anderes, glaubwürdigeres Motiv für einen Mord an Millionen Ukrainer gibt es nicht.

      Die ukrainischen Nazi-Kollaborateure waren übrigens eine kleine Minderheit in der Sowjetunion, ebenso wie die ukrainischen Nazis heute eine kleine Minderheit in der Ukraine sind, aber ebenso wie sie während des Krieges eine Macht darstellten weil sie unter dem Schutz Hitler-Deutschlands standen, stellen sie heute eine Macht dar, weil sie unter dem Schutz der Nato stehen.

      Die westliche Propaganda – jawohl, die gibt es auch – hat es fertig gebracht, nicht nur Stalin alles böse zuzutrauen, sondern allen Russen, auch wenn meistens nur von Putin die Rede ist, deshalb muss heute die Hungerkatastrophe als beabsichtigt gedeutet werden.

  7. Also ich fand den Artikel von. Frau Schweitzer interessant, da hier einmal eine andere Meinung zum „Holdomor“ zu Worte kommt, die das richtige Fazit daraus zieht der Presse, die ihr Fähnchen auch früher schon gegen den Wind drehte, wenn es politisch geraten war, zu misstrauen.

    Sollte man übrigens auch für die sogenannten „Faktenchecker“, die keineswegs unabhängig agieren, und zwar ganz egal zu welchem Thema in der veröffentlichten Meinung, gelten lassen.

    Die agieren ja auch nach dem Motto „Wes Brot ich esse, dessen Lied singe ich“.

    Was historische Ereignisse angeht, da hatte ich früher einmal Interesse an antiken Geschichtsfälschungen – so wird bis heute der angeblichen „Christenverfolgung nach dem Brand Roms“ durch den Tyrannen Nero gedacht, aber es gibt auch Historiker, die das anzweifeln, da ja immer die vermeintlichen Sieger die Geschichte schreiben, und das waren natürlich die frühen Christen, die diese Legende verbreiteten, und den Ruf eines Kaisers zerstörten, der im antiken Rom keineswegs so negativ gesehen wurde – von den „Heiden“.

    Zieht sich übrigens wie ein roter Faden durch die Geschichtsschreibung und warum sollte es heute anders sein als früher? Orwell lässt grüßen.

    Was Stalin angeht, da haben die Russen ja auch innerrussisch Probleme die brutale Geschichte dieses georgischen Massenmörders und seiner autoritär kommunistischen Ideologie in der UDSSR richtig aufzuarbeiten. „Memorial“, das in Russland heute als „ausländischer Agent“ gilt wies da schon seit Jahren darauf hin.

    Der russische Staat lässt ehemalige Gulags z.B. lieber verfallen bzw. neu für andere Zwecke nutzen als diese, wie wir Deutschen die Todes- und Vernichtungslager der NS-Faschisten für die Nachwelt zu erhalten damit wir nie vergessen zu was für Menschheitsverbrechen NS-Deutschland fähig war.

    Übrigens hier gibt es eine Gemeinsamkeit mit den heutigen Ukrainern, die an die Verbrechen ihrer Vorfahren, und Kollaborateure, nur erinnern, wenn es politisch angesagt ist, oder es sich nicht vermeiden lässt, wie z.B. in Babij Jar, daran zu erinnern, ansonsten pflastert man eben die ehemalige Massenerschiessungsgruben samt menschlichen Überreste, zu und baut darauf neue Wohnviertel oder ein Einkaufszentrum wie ich Mal von einem deutschen Buchautor erfuhr, der mit seiner ukrainischen Frau und Kind in der Ukraine wohnhaft ist und darüber berichtet.

    Gruß
    Bernie

    1. Im Zweiten Weltkrieg hatten alle großen Nationen Konzentrationslager. Auch die Amis und Briten. Die Amis waren sich nicht zu fein, deutsche Juden in amerikanische Konzentrationslager einzusperren. Aber die Deutschen sind die einzige Nation, die einen Kult aus ihren Fehlern macht.

      1. @Tuka Ram

        Um Missverständnissen vorzubeugen ich will nicht falsch verstanden werden – Ich finde unsere Erinnerungskultur an das Menschheitsverbrechen der Shoa, und andere Nazi-Verbrechen, völlig korrekt, und wünschte mir das die Ukraine und Russland das bei ihren jeweiligen Verbrechen im Rahmen der kommunistisch-autoritären bzw. Bandera-Ideologie ebenso praktizieren würden.

        Im übrigen verurteile ich die Verharmlosung des „Holdomor“ die RT Deutsch dieser Tage betreibt genauso, und das schreibe ich obwohl ich die absichtlichehe herbeigeführte millionenfache Hungersnot in der Ukraine anders als der aktuelle Bundestagsbeschluss sehe, weil dieses Menschheitsverbrechen nicht nur Ukrainer sondern auch andere Völker in der Ex-UDSSR mit voller Wucht traf – die Definition für „Kulaken“ bzw. Grossbauern im Rahmen des Kommunismus war überaus pervers – kommunistische Ideologie eben….genauso Scheisse wie die faschistische Ideologie….

        Die Roten Khmer in Kambodscha verurteilen bei ihrem kommunistischen Massenmord schon jemand als todeswürdigen Intellektuellen wenn er nur schon Brillenträger war – gelehrige Schüler von Lenin, Stalin und Konsorten

        Zynische Grüße
        Bernie

    2. Was Stalin angeht, da haben die Russen ja auch innerrussisch Probleme die brutale Geschichte dieses georgischen Massenmörders und seiner autoritär kommunistischen Ideologie in der UDSSR richtig aufzuarbeiten.

      Das ist auch ein sehr fest verankertes Vorurteil im Westen, was ich so unkommentiert nicht einfach stehen lassen kann.

      Wusstest du zum Beispiel, dass Stalin in der Sowjetunion bereits kurz nach seinem Tod, während des 20. Parteitag der KPdSU vom 14. bis zum 25. Februar 1956 offiziell auf höchster Staatsebene als Verbrecher gegen die Menschlichkeit verurteilt wurde?

      Wusstest du, dass in fast Jeder größeren russischen Stadt es eine Gedenkstätte an die Opfer Stalins gibt?

      Wusstest du, dass der 30. te Oktober in Russland als ein nationaler Trauer- und Gedenktag zum Gedenken an die Opfer der politischen Repressionen unter Stalin abgehalten wird? An diesem Tag versammeln sich sehr viele Menschen an den Gedenkstätten. Legen Kränze nieder, stellen Kerzen auf. Anschließend werden die Namen der Opfer aus der jeweiligen Stadt und Umgebung einzeln vorgelesen. Eine Prozession, die in Moskau und St. Petersburg bis zu 12 Stunden in Anspruch nimmt. Im staatlichen Fernsehen laufen an diesem Tag fast ausschließlich Dokus über den Roten Terror. Auch Putin nimmt schon mal an den Gedenkveranstaltungen teil, spricht eine Rede und legt einen Kranz nieder.

      Als ich noch in Deutschland gelebt habe, habe ich an einigen wenigen Holocaustdenkmälern solche Veranstaltungen nie gesehen. Schmierereien und Jugendliche die Selfis davor machen habe ich gesehen.

      Der russische Staat lässt ehemalige Gulags z.B. lieber verfallen bzw. neu für andere Zwecke nutzen als diese, wie wir Deutschen die Todes- und Vernichtungslager der NS-Faschisten für die Nachwelt zu erhalten damit wir nie vergessen zu was für Menschheitsverbrechen NS-Deutschland fähig war.

      Die meisten Deutschen Vernichtungslager wurden abgerissen und nur einige Wenige wurden als Museen erhalten. Das ist mit den russischen Gulags auch nicht anders. Auch in Russland gibt es einige Gulags, die als Museen und Orte des Gedenkens erhalten wurden.

      youtu.be/XQKPrUKJNhw

      Wobei ein Vergleich zwischen einem Gulag und einem Vernichtungslager doch etwas gewagt ist. Gulags waren so etwas wie Hochsicherheitsgefängnisse für politische Gefangene. Vielmehr Arbeits- und keine Vernichtungslager. Die Bedienungen in einem Gulag waren schwer erträglich, aber trotzdem gab es in Gulags weder Gaskammern noch Krematorien. In Gulags kamen die Menschen wenigstens mit einer ganz konkreten Anschuldigung und einem Gerichtsurteil, auch wenn es oft politische Urteile waren, aber immerhin wussten die Insassen was ihnen vorgeworfen wurde und vor Allem hatten sie eine Hoffnung. Sie wussten wie lange sie dort verbringen mussten und sie hatten durchaus eine Chance es zu überstehen und wieder frei zu kommen. Viele haben die Gulags überlebt. Darunter mein eigener Opa, der 8 Jahre im Gulag war. Die Meiste Zeit war er mit dem Holzfällen beschäftigt. Das war hart und gefährlich, und viele überlebten die harten Bedienungen nicht, aber man konnte es überleben und man hatte eine Aussicht darauf wieder freizukommen. In deutschen Vernichtungslagern gab es nur einen Weg in die Freiheit. Den durch den Schornstein. Also da ist schon noch ein großer Unterschied zwischen einem Gulag und einem Vernichtungslager.

      Zudem, war der Rote Terror vor Allem politisch gewesen. Man konnte in den Gulag kommen etwa weil man einen Witz über Stalin erzählte. Das hat schon gereicht, aber der Punkt ist, dieser Terror war rein politisch motiviert. Und das ist schon etwas anderes, als wenn man in ein Vernichtungslager gebracht wird, bloß weil man das Pech hatte mit der „falschen“ Abstammung geboren worden zu sein. Oder weil man das Pech hatte mit einer Behinderung zur Welt gekommen zu sein.

      Was „Memorial“ angeht. Als „ausländischer Agent“ eingestuft zu werden ist eigentlich nichts Schlimmes. Es gibt ein Bundesgesetz in Russland welches einfach nur vorschreibt, dass nichtstaatliche Organisationen diesen Label tragen müssen, wenn sie von anderen Staaten finanziert werden. Sie können dabei trotzdem ihre Arbeit fortsetzen, das Label soll einfach nur Menschen informieren, dass sie es mit einer Organisation zutun haben, die sich von anderen Staaten finanzieren lässt. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist eine Maßnahme der Transparenz. Als ein „ausländischer Agent“ ist es nicht verboten die Arbeit fortzusetzen, man soll nur so ehrlich sein und die Finanzierung aus dem Ausland bekannt geben.

      Dieses Gesetz hat Russland bei USA abgeschaut. Das entsprechende Gesetz in USA ist noch wesentlich schärfer.

      Wohl kaum würde man auch in Deutschland eine vermeintliche Nichtstaatliche Organisation überhaupt dulden, welche vom russischen Staat finanziert wäre.

      Memorial war früher tatsächlich mal eine nichtstaatliche Organisation und hat wertvolle Arbeit geleistet. Aber sie wurde im Laufe der Zeit immer mehr von westlichen Staaten finanziert. Das duldete man sogar eine Weile bis es offensichtlich wurde, dass Memorial außer ihrer wertvollen Arbeit unter anderem auch Dienste für andere Staaten zu verrichten begann. Es wurde offensichtlich, dass sie in Abhängigkeit von USA und Großbritannien geraten ist und es tun musste um die Finanzierung aufrecht zu erhalten. Später wurde sie wegen dem Finanzierungsgesetz als Ausländischer Agent gebrandmarkt, was an sich noch kein Verbot darstellt. Aber sie haben versucht sich dagegen zu wehren (klar) und stellten sich gegen das Gesetz. Und das geht halt nicht, in einem Rechtsstaat müssen sich Alle an die Gesetze halten. Aus dem Ausland finanzierte Organisationen selbstverständlich auch.

      1. @Russischer Hacker

        leider weiß das hier keiner.

        Wenn man nicht zufällig mit geschichtsaffinen Russen befreundet ist oder länger dort war.
        Das Wissen das „wir“ von der Welt haben ist schon echt mager.

        Im Angesicht dieser Uninformiertheit dann so zu demagogisieren wie das seit Jahren in Berlin geschieht ist beschämend.

        Oder ebenfalls beliebt, bezahlte Redakteure lesen 1x Applebaum und 1x Snyder und 1x Putin, das Monster – der SPIEGEL-Bestseller, und gucken 90 minuten bescheuerte Doku über narzisstische „Oppositionelle“ und sind dann der Meinung jetzt voll informiert zu sein.

        Und flankiert werden sie von Osteuropahistorikern, die von einem unerklärlichen Hass auf russische Politik getrieben sind.

        Mir wäre neu, dass auch nur ein Amerikanistikexperte mit der Bösartigkeit gegen den eigenen Forschungsgegenstand vorgehen würde, wie das „Russland-Experten“ tun.

        Wobei: idR sind es ja keine „Russland“-Spezialisten. Fast alle sind Historiker mit Schwerpunkt Osteuropa.
        Und forschen auch entsprechend an Unis in den balt. Staaten oder Wien oder in der Ukraine.

        Damit ist die Perspektive natürlich bereits vorgegeben.
        Neutrale Forschung sieht anders aus.

        Also besten Dank für die Aufklärungsarbeit!

      2. Auch die deutschen KZs wurden als Gefangenen- und Arbeitslager geplant.

        In der unmittelbaren Nachkriegszeit hieß es, dass alle KZs Vernichtungslager gewesen sind. Im Laufe der Jahrzehnte wurden dann aus immer mehr ehemaligen Vernichtungslager Arbeitslager. Durch Forschung kamen weitere Fakten zu Tage und die Nachkriegs-Propagandalüge des Vernichtungslager passte nicht mehr. Eines der seltsamen Fakten war zum Beispiel die Gaskammer im KZ Dachau. Wenn Du die Gaskammer heute anguckst, bekommst Du als Nebeninformation, das die Gaskammer nach der Befreiung von den Amerikanern eingebaut wurde und zur Demonstration im Nürnberger Prozess diente. In einem modernen Prozess wurde man sowas als Beweismittelfälschung und Prozessbetrug bezeichnen.

        Soweit ich weiß, wird heute nur noch Ausschwitz als Vernichtungslager bezeichnet.

        1. Was Du da schreibst, ist grossenteils nicht wahr. Die Gaskammer in Dachau wurde von der SS gebaut, aber erst im Februar 1945, sie war nie systematisch in Betrieb. Allerdings kam es in den Jahren 1944 und 1945 zu einigen Tötungen durch Giftgas (Zyklon B) in einem Teil des Krematoriums. In der Regel wurde gehängt, seltener erschossen. Mehr als ein Fünftel aller Insassen wurde getötet oder starb an den Lagerbedingungen, etwa 41.500 Menschen. Damit lag das KZ in einem mittleren Bereich unter den nicht ausgesprochenen Vernichtungslagern.

          Die systematische Massenvernichtung vor allem von Juden und Zigeunern fand in der Tat in den Lagern der „Aktion Reinhard“ und in Auschwitz-Birkenau statt, Dazu gab es Mordstätten in Weissrussland wie Trostenez und Chatyn, wo Hunderttausende im Rahmen des Generalplans Ost ermordet wurden.

          Die systematisch Judenvernichtung begann mit dem Überfall auf die Sowjetunion, die ersten Massenmorde an Juden wurden von Banderas OUN und dem SS-Bataillon Nachtigall (kommandiert von dem späteren CDU-Vertriebenenminister Theodor Oberländer) begangen, 5000 Ermordete allein in Lemberg, über 100.000 bis Ende Juli, in Ausführung von Banderas Direktiven in der Schrift „Kämpfe und Aktivitäten“ vom Mai 1941.

          Die Vernichtung der Kriegsgefangenen war auch kein Versehen oder Überforderung, sie war Programm. In Christian Streits Buch „Keine Kameraden“ ist das im Detail beschrieben. Die Menschen wurden systematisch ausgehungert, das Sterben ging auch im Reich, etwa im Gefangenen-KZ Stukenbrok, weiter. Menschen, die den lebenden Skeletten Essen zusteckten, wurden von der Gestapo festgenommen, viele waren es eh nicht.

          Nebenbei: alle Neonazis und Holocaustleugner schreiben „Ausschwitz“. Warum Du?

        2. Die Gaskammer in Dachau wurde von der SS aufgebaut, sie wurde aber „nur“ zu Testzwecken an einigen Gefangenen erprobt, nicht zur Massenvernichtung eingesetzt. So steht es auf der Webseite der Gedenkstätte Dachau. Auschwitz war nicht bloß ein Vernichtungslager, sein Charakter war Komplex und hat sich Laufe der Kriegsjahre immer etwas verändert, so stand im Vordergrund der ersten Jahre die Gefangenen durch harte körperliche, teilweise absolut sinnlose Arbeit zu vernichten. Die Lebensdauer der Gefangenen würde dabei genau ausgerechnet, war en detail kalkuliert, später wurden viele Häftlinge von der SS an die Industrie verkauft, diese Häftlinge starben durchaus auch durch die harte Arbeit, Bedingungen, aber sie waren eher Arbeitssklaven, ihre Lebensdauer war höher. Dieses besonderen Charakters wegen ist Auschwitz/Birkenau bekannt für die Selektierung an der Rampe in sofort zu vernichtende Menschen und welche, die man als Arbeitskräfte einige Monate benötigen konnte. Je nach Arbeitskraftbedarf wurden mehr oder weniger Menschen sofort vernichtet. Reine Vernichtungslager, in denen nicht selektiert wurde, sondern direkt alle Ankommenden erschossen, vergast und dann verbrannt, verscharrt worden waren: Belzec 434.508 Ermordete, Sobibor 250.000 Ermordete und Treblinka 1 Million Ermordete.

  8. Leider greift hier das von der NYT projizierte Weltbild: „Wer den Zustand der US-Medien beurteilen will möge dies anhand der New York Times tun.“

    Wesen und Dysfunktionalität der US-Medien wird aber sichtbar nur jenseits der Times. Denn sie ist nicht Opfer, sondern Teil des Problems.

    Das ist, als wolle man die Verbrechen der US-Politik durch die Brille des State Department beurteilen.
    Kann man machen, aber der Erkenntniswert ist begrenzt.

    Das Problem sind z.B. die Zeitungen die es nicht mehr gibt und die Zeitungen, die zwar noch „sind“ aber nur noch ein Schatten ihrer selbst. Hier wirds erst interessant.

    Das, was etwa bei der SZ im Kleinen passierte (bekannte Autoren verlassen das sinkende Schiff, Dutzende werden ob Kostendiktat entlassen), hat in den USA eine ganze Zeitungsgattung ausradiert.

    Die Konsolidierung beim TV verläuft ebenso aber dort war die Unabhängigkeit eh gering.

    Ob es die Times gibt oder nicht, macht keinen Unterschied und sagt auch nichts aus über den Verfall und den Verlust von Qualität.

    bzw. Patrick Lawrence würde hier sogar widersprechen, denn er machte selbst bei der staatstragenden NYT Mitte der 90er einen Qualitätsverfall aus.

    Und was hat die Autorin gegen Taibbi?

    Hätte er lieber weiter die Mär von Russiagate singen sollen? Weil er dann unser Vorurteil vom verhätschelten pseudolinken Demokratensprössling erfüllt hätte?

    Es gibt schädlicheres als „Useful Idiots“.

    Und was muss man mitbringen um als Darling zu gelten?

    Und überhaupt:

    Was zum Henker hat das alles mit dem Holodomor zu tun und der Frage, um die es doch eigentlich geht und die Lapuente gestern stellte: Was genau wissen wir in Sachen „Holodomor“?

    Und warum befindet der BT darüber obwohl es überhaupt nicht dessen Aufgabe ist.

    Also wie ein Kommentar oben schreibt: leider an der Kernfrage vorbei.

  9. Wieder mal die faschistennahe Propaganda und Shoah-Relativierung der Snyder/Applebaum. Man kann nur sagen: Gähn. Warum sich der Bundestag der Geschichtsfälschung anschliesst? Nächste Frage.

    Die hysterische Hetze gegen den lange toten britisch-amerikanischen Journalisten Duranty ist auch peinlich. Sicher hat der teilweise in rosa Farben berichtet, nicht anders als etwa zeitgenössische Linke über das „Rojava“ der kurdischen Warlords, oder die Verherrlichung der chinesischen Kulturrevolution bis in die westliche Kultur- und Modeszene (u.a. Brigitte Bardot) in den sechziger/siebziger Jahren. Frau Schweitzers Parteinahme für einen nazianschlussfähigen fanatischen Antikommunismus und Antirussismus fällt in die selbe Kategorie. Mal in den Spiegel schauen.

    1. Warum sich der Bundestag anschließt?

      Weil die Abgeordneten jahrelang lobbyiert wurden über die Parteistiftungen, wo diese „Historiker“ auftraten.
      Weil die Abgeordneten MSM-Zeitung lesen und TV schauen, wo diese „Historiker“ prominent in Szene gesetzt werden.
      Weil die nicht nachprüfen (wollen), wenn sie immer wieder von verschiedensten Personen die gleichen Narrative vorgesetzt bekommen, ob die nicht aus einer Echokammer kommen.

      Warum ist das so?
      Warum dürfen im ÖR immer wieder Männer der Springer-Presse (die besonders nahe am deutschen Geheimdienst steht und von der CIA gegründet wurde) auftreten und kein Kollege stoppt sie, wenn sie lügen?

      Ich habe schon 2014 gefragt, warum George Soros von deutschen Zeitungen einfach so eine Kolumne kriegt zum Ukrainekrieg und zu Eurobonds? Bezahlt hat er dafür nichts? Das wäre sehr ungewöhnlich für einen Milliardär und in den Kreisen., wo gerade der Mann so gerne Vortragshonorare, Stipendien, unzählige Organisationen usw. bezahlt. Mittlerweile fließen viele Millionen, wenn es nicht schon Milliarden sind. Victoria Nuland 5 Mrd. damals schon. Es gibt unzählige Propaganda-Organisationen und ein Netzwerk an Regierungs- und Oligarchen-„N“GOs, die sich gegenseitig Geld hin- und herschieben, das oft von Steueroasen kommt. Man darf auch nicht vergessen, wer in USA reagiert und wer die CIA gegründet hat. Es waren Wallstreet Banker und die haben ihre reichen Kunden bedient.

      https://taibbi.substack.com/p/youtube-censors-reality-boosts-disinformation

      Es könnte jeder nachschauen, wie viel von diesen Propaganda-Lügen, um die Demokratische Partei im Wahlkampf zu unterstützen, in Deutschland korrigiert sind oder wie überhaupt berichtet wurde.

      Deutschland gehört der Demokratischen Partei.

      Die drückt in Deutschland ihre Narrative durch, also die der Neocons und Neoliberalen. Wobei die beiden US-Parteien bei den wichtigen Fragen, wie z.B. Ukrainekrieg oder Israel einstimmig entscheiden, also ein Kartell bilden, genauso wie in Deutschland die Blockparteien. Daran sieht man, dass die bunten Farben ein Fake sind, genauso wie die Weltkarte mit all den Nationen.

      Im US-Schulunterricht wurde ungelogen und wird oft noch von „territories“ gesprochen, wohingegen man dann Großbritannien oder Frankreich als Kolonialisten anklagt oder Russland Imperialismus vorwirft.

      https://en.wikipedia.org/wiki/Territories_of_the_United_States

      https://www.youtube.com/results?search_query=michael+parenti+super+patriotism

  10. Die genauen Opferzahlen sind ungeklärt, Schätzungen reichen von drei bis zehn Millionen Menschen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Zahlen von Kriegs- und Genozidopfern um 100 Prozent schwanken; es ist eher die Regel als die Ausnahme.

    Nach allem was ich gelesen habe ist das eine falsche Annahme. In den 30’ern war kein Krieg mehr in Sowjetunion und die Bürokratie im Kommunismus funktionierte sehr gut. D.h. man weiß wieviel Menschen in welchen Regionen gestorben sind. Die hohe Zahl sind alle Toten, in den von der Hungersnot betroffenen Regionen. Man erhält sie, wenn man davon ausgeht, das ansonsten niemand gestorben wäre. Was Blödsinn ist. Die geringen Zahlen sind die aus der „Übersterblichkeit“ berechnete Zahlen. Deshlab „schwanken“ diese Zahlen.

    Eine Hungersnot, die mehrere Ursachen hatte, als Völkermord zu bezeichnen ist absurd, aber man benutzt heute gerne solche Begriffe für alles was man diskreditieren möchte. Was auch für uns gut ist, damit werden die Verbrechen der Nazis relativiert.

  11. Gut beschrieben. Eine gute Analyse der Zahlenhuberei liefert Anton Gentzen xttps://de.rt.com/europa/155928-faktencheck-holodomor-gefaelschte-zahlen-verkannte/ . Die Technik ist die selbe wie bei Goebbels: Opferzahlen aufblähen.

    Für Deutsche hat die „Holodomor“-Propaganda den besonderen Aspekt der Entschuldung von der Shoah und den Vernichtungsorgien des Generalplan Ost, nach dem Motto „die anderen waren genauso/schlimmer“. In diese Kerbe schlägt auch die „Bloodlands“-Propaganda der Snyder/Applebaum, die schon als Shoahleugnung light beschrieben wurde.

  12. „…Das Erstaunliche ist nicht, dass der Bundestag den Holodomor als Völkermord anerkennt, das war überfällig. …“

    Überfällig wäre, auch & wenn schon, die Anerkennung des Völkermords an den Leningraderinnen und Leningradern zwischen 1941 und 1944 wegen der Blockade durch die faschistische deutsche Wehrmacht. Die Abgeordneten des Deutschen Bundestags, welche gestern dieser Resolution zum Holodomor zustimmten, sind die selben, die das bis heute verhindern. Sie sollten nach dem von ihnen selbst geänderten Paragrafen 130 StGB dafür angezeigt und hoffentlich verurteilt werden.

    „…Das Erstaunliche ist, wie Politiker und Journalisten ihre Überzeugung um 180 Grad ändern, weil es politisch opportun ist und Klicks bringt.“

    Nein, das Erstaunliche ist, dass es journalistische Artikel wie diesen gibt, welcher Politikern und Journalisten „Überzeugungen“ zugesteht, die sich politisch und ökonomisch opportun verhalten – statt sie so zu bezeichenen, wie es diese im Interesse der Allgemeinheit kenntlich machen würde: nämlich als verachtenswerte Feiglinge, Verräter, Speichellecker und Profiteure der Macht.

  13. Sehr wichtig an dem Cavalli-Artikel ist der Hinweis auf die 12 Millionen Übersterblichkeit in Russland während der Yeltsin-Tschubais-Herrschaft, vor allem nach dem Putsch 1993. Zusammen mit den anderen „Transformationsherrschern“ in der Ex-UdSSR waren das 18 Millionen. Das übertrifft die Opfer der Hungersnöte 1921 und 1932/33 in der UdSSR. Völkermord war das nicht, allerdings zumindest mit bedingtem Vorsatz gewollt.

    „We knew that every factory sold was a nail in the coffin of communism. Is it expensive, cheap, free, with a surcharge — the twentieth question, the twentieth… Privatization in Russia before 1997 was not an economic process at all. She was solving a completely different scale of the problem… She solved the main task — to stop communism. We have solved this problem. We have solved it completely,“ A. Chubais
    zitiert nach xttps://t.me/colonel_cassad/108099 (yandex translate)
    Den Tod von 18 Millionen Menschen haben sie dabei mit „gelöst“.

    1. Soziale Genozide im Kapitalismus werden nicht wahr genommen.
      Der Markt soll ja per se sozial sein, wie es ein Ludwig Erhard propagiert hat.
      Dabei hatte er vom Markt relativ wenig Ahnung.
      Aber in den Provinzen der Ahnungslosen gilt er als Volksheld und Wohlstandsbringer.

  14. „Das Erstaunliche ist nicht, dass der Bundestag den Holodomor als Völkermord anerkennt, das war überfällig“

    Den Kommentaren von @Pnxy und @aquadrat kann man sich nur anschließen. Vor allem bei Ersterem alles ausführlich und treffend zum Thema beschrieben.
    Mein Senf zum Artikel : Deutsche Staatsraison beinhaltet nun höchst offiziell Geschichtsrevisionismus und Relativierung der Shoa.
    Ob der Autorin der Wille oder schlicht die Begabung fehlt, sich dieses komplexen Themas anzunehmen, ist mir relativ egal.
    Unter dem Strich und in ihrer Auswirkung des gesellschaftlichen Diskurses macht sich die Autorin zum Handlanger übelster rechter und ukrainischer ultranationalistischer Propaganda.

  15. Lutz Herden im FREITAG auch noch mal dazu, allerdings noch hinter Paywall:

    “ Holodomor-Resolution des Bundestags: Geschichte wird passend gemacht
    Meinung Nicht allein die Ukraine, sondern auch Russland und Kasachstan litten unter der Hungersnot von 1932/33. Niemand kann auf einen exklusiven Opferstatus pochen. Alle sind Opfer der damaligen Politik Josef Stalins“

    Beginnt mit:
    „(…)Es ist seit jeher umstritten, ob es sich mit der furchtbaren Hungernot von 1932/33 in der Sowjetunion um einen von Josef Stalin vorsätzlich geplanten Völkermord an Ukrainern handelt. Expertisen von US-amerikanischen und westeuropäischen Historikern bezweifeln das.(…)“

    Endet:
    „(…) Um zur Holodomor-Resolution des Bundestages zurückzukommen. Sie leistet einem Geschichtsverständnis Vorschub, das Tatsachen verfälscht oder höchst tendenziös darstellt. Offenbar ist allein die geistige Kriegsführung gegen Russland das, was zählt.

    Nur ist noch nicht einmal der Vorwurf zutreffend, dass sich mit dem Hungertod von Millionen Menschen 1932/33 großrussischer Chauvinismus an der Ukraine vergangen habe. Stalin war bekanntlich Georgier, zu seinem damaligen zehnköpfigen Politbüro gehörten mit Lesar Kaganowitsch, Andrej Schdanow, Kliment Woroschilow und Nikita Chruschtschow vier Ukrainer.

    Die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft geriet zur unmenschlichen Heimsuchung für nahezu alle Völker der Sowjetunion. Sie verschaffte der Ukraine keinen exklusiven Opferstatus (…)“.

    Spricht darin auch Massaker der faschistischen UPA 1943 an, die hingegen eindeutig belegt sind, aber vom BT nicht als Völkermord verurteilt werden, weil es der ukrain. Regierung natürlich nicht in den Kram passt.

  16. Das betreute Denken greift weiter um sich, dabei müssten wir dringender denn je ohne Geländer denken.

    Dichter und Denker war gestern, heute ist Schwätzer und Heuchler mehr in Mode.
    Das ist ein Präzedenzfall. Es wird weitergehen.

    Wo bitte ist da Freiheit?

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