Von Singapur lernen

Singapur City
chenisyuan, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wie wurde ein rohstoffloser Zwergstaat zu einer der erfolgreichsten Volkswirtschaften der Welt? Singapur setzt auf Stabilität, Leistung und Pragmatismus – und stellt damit unbequeme Fragen an ein reformmüdes Deutschland.

Gerade sind wir aus Singapur zurück, einer faszinierenden Stadt, die gleichzeitig auch ein Land ist. Das Land gehört zu den sogenannten Tigerstaaten, wie die wirtschaftlich aufstrebenden asiatischen Staaten Singapur, Südkorea und Taiwan genannt werden. In jüngster Zeit sind Indonesien, Malaysia, die Philippinen und Thailand dazu gekommen. Singapurs Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt kommt kurz nach der Schweiz und den Kaimaninseln, noch vor den USA – und weit, weit vor Deutschland. Und dass, obwohl das Land erst 1965 unabhängig wurde, ohne jede Süßwasserquelle an den Start ging und die ersten zehn Jahre seiner Existenz bettelarm war. Und obwohl es für den einen oder anderen Delinquenten eine archaische, ursprünglich von den Briten eingeführte Prügelstrafe bereithält und sogar die Todesstrafe, die von 80 % der Bevölkerung für absolut richtig gehalten wird. Inzwischen ist es der bevölkerungsreichste Zwergstaat der Erde und hat die zweithöchste Bevölkerungsdichte weltweit.

Im Gegensatz zu vielen anderen erfolgreichen Staaten hat Singapur keine wichtigen Rohstoffe anzubieten, keine natürlichen Ressourcen, außer vielleicht der zentralen Lage auf einigen Handelsrouten, und keine interessensgeleiteten Sponsoren. Wie also konnte dieses Land so erfolgreich sein? Was kann man davon lernen, vor allem in einer Situation, in der in Deutschland so einiges den Bach runtergeht und es beeindruckend wenig kreative politische Ideen gibt, etwas daran zu verändern?

Was macht Singapur so erfolgreich?

An der persönlichen Freiheit und den für die ökonomische Entwicklung oft als wesentlich erachteten „westlichen Werten“ kann es nicht liegen. Das politische System hat zwar nominell viele demokratieartige Eigenschaften, faktisch besteht es aber aus einem Einparteiensystem, das sich die Opposition seit 1965 effektiv vom Leib halten kann. Vor allem dadurch ist allerdings eine enorme Stabilität entstanden, und so gilt das Land als eines der stabilsten der Erde. In Bezug auf Demokratie, persönlicher Freiheit und Pressefreiheit liegt Singapur im Mittelfeld, aber Korruption und Vetternwirtschaft sind praktisch unbekannt. Das wiederum wird der zentralen Rolle von Meritokratie zugeschrieben, also der Vergabe von Gütern und Privilegien nach Maßgabe der individuellen Leistung. Von ebenso großer Bedeutung scheint die Grundidee zu sein, auf der politisches Handeln basiert: nicht die Ideologie, sondern der Pragmatismus zählt – und viele politischen Entscheidungen werden empirisch überprüft und je nach Ergebnis nachreguliert. Mit anderen Worten, der Staat ist vor allem technokratisch, er ist schnell und nicht risikoscheu.

Natürlich spielen für den Erfolg von Singapur auch noch eine ganze Reihe anderer, eher lokaler Faktoren eine Rolle, die sich woanders nur schwer kopieren lassen: der konfuzianistische kulturelle Hintergrund, die kurzen Abstände, das warme Klima, die prächtige Flora, die Toleranz für einen relativ autokratischen Politikstil und einiges mehr. Drei Faktoren scheinen sich aus unserer Sicht aber anzubieten, die politischen Zustände in Deutschland deutlich zu verbessern: Stabilität, Meritokratie und Technokratie. Obwohl sie momentan einen schlechten, unserer Ansicht nach viel zu schlechten Ruf haben.

Stabilität

Stabilität ist für die Wirtschaft zentral. Langfristige Planung erfordert stabile Gesetzgebung, vorhersagbare politische Entwicklungen, vorausschauende gesellschaftliche Absprachen, und Ähnliches mehr. Nun wird sich in Deutschland so schnell keine Mehrheit mehr für die Einrichtung eines Einparteienstaates finden lassen, auch wenn die Parolen von rechts das manchmal nahezulegen scheinen. Politische Stabilität lässt sich aber auch anders organisieren. Die Voraussetzungen wären allerdings politische Ziele und Visionen, die über den Status Quo und vor allem über die laufende Legislaturperiode hinausreichen. Und die sind schlichtweg nicht mehr auszumachen.

Wo sind die konkreten politischen Ideen darüber, wie wir in Zukunft unseren Wohlstand finanzieren wollen, welche Marktnische wir verteidigen, welche erobern sollten, wo wir uns in zehn Jahren politisch verorten möchten, in welche Richtung wir Europa entwickeln wollen? Selbst näherliegende Ziele, wie die dringend nötige Reform des Rentensystems, des Erbrechts, der Einwanderungspolitik werden selbst von erfahrenen Parteien nicht mehr vor der Wahl systematisch entwickelt (wozu zumindest die CDU ja alle Ampelzeit der Welt hatte) und dem Wahlvolk zur Entscheidung vorgelegt. Sondern sie werden erst nach der Wahl durch externe Kommissionen langwierig erarbeitet, nur um dann durch schlecht organisierte regierungsinterne Zwistigkeiten aller Konturen beraubt zu werden. Dass ist intellektuelle, aber auch politische Armut, die wir uns nicht länger leisten sollten. Zurück zur Vision, was immer Helmut Schmidt davon gefunden hätte!

In vielen anderen Bereichen ist es übrigens durchaus normal, dass man die guten Ideen vorher haben muss. Jahrelang haben wir Forschungsgelder dadurch einwerben müssen, indem wir Pläne für mindestens drei- bis fünfjährige Projekte zur kritischen Beurteilung eingereicht und das nötige Geld nur dann bekommen haben, wenn unsere Ideen hinreichend zielführend, innovativ, und konkret waren. Wie konnte es geschehen, dass man diese Ansprüche an Politiker gar nicht mehr stellt? Vielleicht nie gestellt hat? Wie kann es sein, dass man politische Ideen und Visionen auf einmal nicht mehr selbst hat, obwohl man doch gerade dafür sein Gehalt bezieht, sondern durch externe Kommissionen erarbeiten lassen muss? Und wieso wartet man damit bis nach der Wahl? Um möglichst wenig in der Legislatur verändern zu müssen, für das man kritisiert werden könnte? Stabilität gewinnt man durch Vorhersagbarkeit, nicht durch Untätigkeit.

Meritokratie

Die Meritokratie ist eine der Antworten auf eine einfache Frage: was ist das Kriterium, nach dem wir verfügbare Güter, Macht und Möglichkeiten verteilen wollen? Noch in den Siebzigerjahren waren sich westliche und östliche Systeme dahingehend einig, dass die persönliche Leistung das entscheidende Kriterium sein sollte. Noch bis zur französischen Revolution und in vielen Staaten auch noch länger war die Herkunft das allein maßgebende Kriterium. Das Ergebnis ist bekannt, der Adel hat regiert und der Rest ist gefolgt, während Fähigkeiten, Talent und gute Ideen keine Chance hatten. Nun hat der Adel zwar abgewirtschaftet und wir bestimmen unsere Identitäten heutzutage anders. Aber es ist tatsächlich wieder die Herkunft, die entscheidet: bin ich Angehöriger der richtigen, revolutionären Klasse, komme ich aus dem richtigen Land, gehöre ich der richtigen ökonomischen Schicht an, habe ich die richtigen Werte aufgesogen? Die Inhalte ändern sich, je nach Mode und politische Orientierung, und so zählt für den einen der Pass, für den anderen das Einkommen meiner Eltern. Ob ich aber einen Job bekommen kann, ob ich Steuererleichterungen oder politischen Einfluss haben darf, hängt nicht mehr von meiner Leistung, sondern von meiner Herkunft ab.

Manche Gründe für diese Rückentwicklung haben mit Gerechtigkeit, andere mit Moral zu tun, aber auch Nationalismus und Wettbewerb um materielle Ressourcen haben eine Rolle gespielt. Das Ergebnis war immer dasselbe: Quoten wurden immer entscheidender, persönliche Leistung immer weniger wichtig. Das kann für ein Land, das sich seiner Dichter und Denker rühmt, aber auch seiner Erfinder und Ingenieure, auf Dauer nicht gut gehen. Jedenfalls nicht, wenn wir auf Dauer mithalten und unseren Wohlstand nicht missen wollen.

Nun ist die Betonung der individuellen Leistung natürlich nicht ohne Kritik geblieben. Die meisten kritischen Stimmen wenden sich jedoch bei näherer Betrachtung eher gegen den Umgang mit dem Leistungsprinzip als gegen sein Potenzial als rationales Entscheidungskriterium. Ja sicher, es kann in vielen Fällen schwierig sein, Leistung objektiv zu beurteilen. Soll man eine Wissenschaftlerin nach der Anzahl ihrer Publikationen bewerten und belohnen, nach dem Ausmaß ihres Einflusses auf die Forschung, nach Maßgabe der Doktoranden, die sie ausgebildet hat, oder nach der Anzahl und Bedeutung ihrer gesellschaftlichen Funktionen? Darüber kann und muss man sich streiten, aber dasselbe Problem hat man mit anderen Kriterien auch. Denn es ist ja keineswegs offensichtlich, dass zum Beispiel das Geschlecht aus verteilungspolitischer Sicht wichtiger ist zur Besetzung einer politischen Funktion als der ökonomische Status oder die religiöse Überzeugung.

Ja sicher, unsere Startbedingungen sind nie gleich. Aber erstens kann man daran etwas tun und zweitens gilt das für andere Kriterien ebenso. Ja sicher, manche fühlen sich in leistungsbezogenen Systemen einem dauernden Konkurrenzdruck ausgesetzt. Aber das Leistungsprinzip sagt ja keineswegs, dass man möglichst viel leisten soll oder gar muss, oder dass man mehr leisten muss als andere. Es dient lediglich dazu, den Zugang zu Ressourcen zu regeln. Wenn ich weder die Motivation noch die Fähigkeiten mitbringe, um eine bestimmte Funktion zu erfüllen, warum sollte es eine gute Idee sein, dass ich mich darin versuche? Das Leistungsprinzip macht Menschen sicher genauso wenig glücklich wie andere Kriterien. Aber es unterscheidet sich von anderen Kriterien dahingehend, dass man es beeinflussen kann. An meiner Leistung kann ich arbeiten, nicht aber an meiner Herkunft. Ja sicher, das Leistungsprinzip wird oft dazu herangezogen, die Zugehörigkeit zu Eliten zu legitimieren. Aber auch daran lässt sich etwas tun: durch die Entwicklung transparenter Maße und durch häufige Messung, und das ist etwas, worin uns Singapur voraus ist.

Technokratie

Technokratie schließlich klingt gar nicht gut: irgendwie unmenschlich, viel zu rational und viel zu blind für historische Zusammenhänge und gesellschaftliche Werte. Dennoch sind viele technokratische Regierungsformen recht erfolgreich, und gerade Italien hat damit (wegen der häufigen Regierungskrisen) sehr viel und keine schlechte Erfahrung. Karl Schiller, der erste Bundesminister für Wirtschaft der SPD im Kabinett Kiesinger, war ein großer Anhänger der Technokratie. Sicher ist es richtig, dass gerade faschistische oder anderweitig autokratische Systeme starke technokratische Züge getragen haben. Aber daraus den Umkehrschluss zu ziehen, dass Technokratie unweigerlich in den Faschismus führt, wie es George Orwell getan hat, spiegelt einen typischen kognitiven Fehler wider: der Schluss nämlich von Korrelationen auf Kausalität.

Tatsächlich will Technokratie vielmehr erreichen, dass Entscheidungen aufgrund rationaler Erwägungen und nicht auf Basis ideologischer Neigungen getroffen werden. Dass diese Entscheidungen durch langfristige Ziele gesteuert werden und nicht durch persönliche Präferenzen von politisch Verantwortlichen. Dass dafür wissenschaftliches und technisches Wissen eine wichtigere Rolle spielen als gesellschaftliche Verteilungswünsche. Das alles muss man nicht wollen und man mag kritisieren, wie dies Harald Welzer getan hat, dass Fragen der Gerechtigkeit und der Bürgerbeteiligung ausgeklammert werden, dass also Technokratie zumindest aus basisdemokratischer Sicht in die falsche Richtung läuft. Wir fragen uns bloß, ob die unentwegten ideologischen Zwistigkeiten in der Ampel und der jetzigen schwarz-roten Regierung die bessere Option darstellen. Oder gar die zu ihrer baldigen Ablösung bereitstehenden „Alternative“.

Quo vadis?

Alle einstigen weltpolitischen Marktführer haben es verpasst, ihren Niedergang rechtzeitig zu bemerken: Spanien und England sind historische Beispiele, die USA könnten ein aktuelles werden. Dasselbe gilt auch im kleineren, und so fürchten wir, dass es Deutschland in Zukunft nicht mehr so leicht zum Exportweltmeister schaffen wird. Die Zeiten, wo wir noch Ideen hatten, die hier entwickelt und dann in Asien ausgeschlachtet wurden, sind vorbei. Die wirklich neuen Ideen kommen jetzt aus Shenzhen und wenn wir uns nicht stark zusammenreißen, bricht uns auch noch der Mittelstand weg. Das muss einen nicht tangieren und man kann seine Energie dafür einsetzen, über die gerechte Verteilung des langsam aber sicher abebbenden Wohlstandes zu lamentieren. Wenn es einen aber tangiert, und wir gehören zu der Gruppe von Menschen, auf die das zutrifft, könnte erwägen, von Singapur zu lernen. Das tropische Klima bekommen wir wahrscheinlich von alleine. Aber für eine zentralere Rolle von Stabilität bzw. Zukunftsorientierung, von Leistung und von mehr Pragmatismus bei der politischen Entscheidungsbildung müssen wir selbst sorgen.

Lorenza Colzato und Bernhard Hommel

Lorenza Colzato und Bernhard Hommel forschen an der Shandong Normal University in Jinan (China) und der Technischen Universität Dresden. Colzato studierte Psychologie in Padua, promovierte an der Universität Leiden und absolvierte eine Psychotherapie-Ausbildung in Rom. Hommel studierte Psychologie und Literaturwissenschaften, und promovierte an der Universität Bielefeld, forschte am Max-Planck-Institut für psychologische Forschung in München und leitete den Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie an der Universiteit Leiden. Er ist Mitglied und Senator der Nationalen Akademie der Wissenschaften: Leopoldina, und vormaliger Präsident der European Society for Cognitive and Affective Neuroscience. Beide haben zahlreiche hochdotierte Forschungsprojekte eingeworben und zusammen weit über 400 wissenschaftliche Beiträge in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht.
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22 Kommentare

  1. Nun wird sich in Deutschland so schnell keine Mehrheit mehr für die Einrichtung eines Einparteienstaates finden lassen, auch wenn die Parolen von rechts das manchmal nahezulegen scheinen.

    Welche „rechten Parolen“ sollen das bitte sein? Solche blöden Andeutungen ärgern mich und ziehen das Niveau des Textes unnötig herunter, nur um nach Zustimmung zu heischen!

    Ist es nicht so, dass wir quasi schon ein Einparteiensystem haben, in dem nur noch die „Rechten“ (eigentlich Liberalkonservative) und vielleicht Teile von BSW als Opposition zählen können? Ist es nicht so, dass das Altparteienkartell diesen das Leben auf undemokratischste Weise, mit juristischer Schikane, Verleumdungen schwer macht usw. und sie auszugrenzen versucht?

    1. @ Scheinregen: Über den von Ihnen zitierten Satz bin ich auch gestoßen. Es ist bei uns
      das „Links“ was sich die Macht einverlaibt hat und mit der Antifa auch brutal verteidigt.
      Politik kann technokratisch in Deutschland gar nicht mehr gemacht werden, da alles
      was gegen die linken Ideologen gesagt wird, gleich niedergeschrieen oder geknüppelt
      wird.

      1. Was bitte soll am herrschenden Faschismus links sein? Und wieviel Propaganda muss man dafür konsumieren?
        Faschismus das ist die Einheit von Staat und Kapital!
        Benito Mussolini und der wird es wohl gewusst haben.

  2. Habe irgendwie im Hinterkopf, dass es sich bei Singapur um so eine Art Schweiz, oder Luxenburg handeln könnte, wenn es um die Rolle eines Finanzstandortes geht. Kann es sein, dass hier ebenfalls über bestimmte „Standortvorteile“ Kapital aus aller Welt angezogen wird?
    Oder über fiskalische Geschichten. So wie das „Wunder von Monheim“, wo durch die Senkung der Gewerbesteuern, auf Kosten des restlichen Landes, auf dicke Hose gemacht wurde.
    Ohne solche Überlegungen macht der Artikel null Sinn.

  3. Singapur als Vorbild?
    Immer wenn man glaubt, dass der augenblicklich vorherrschende Grad an Dummheit nicht mehr steigerungsfähig ist, kommt so ein Artikel.
    Einstein hatte dbzgl ja leider sowas von recht ….

  4. Wenn die soooo erfolgreich, schön und reich sind, wie groß ist der Armee, denn „der Russe“ wird- hat er das deutsche Paradies erst- gleich durchmarschieren. Kannste einen drauf lassen. Und wer hatte es zuerst im Blatt?

  5. Ein Teil von dem, was die beiden geistesgestörten Autoren fordern haben wir ja hier schon: eine technokratische Diktatur ohne Meinungsfreiheit, aber mit gewissen rechtsstaatlichen Garantien für Privilegierte.
    Der andere Teil fehlt noch; „fleißige“ und „genügsame“ Arbeitskräfte. Aber dafür wird ja jetzt jeden Tag getrommelt.
    Dass das Kapital sich singapurische Verhältnisse wünscht, ist klar, aber was soll so ein Gesülze hier auf overton???

  6. Uns wird die „repräsentative Demokratie“ als einzige humane Gesellschaftsform verkauft, was sie nicht ist. Wir wählen Parteien und Personen aufgrund von Wahlwerbung, und noch vor Machtübernahme werden die Versprechen über Bord geworfen. Weder Meritokratie noch Technokratie sind in Spuren erkennbar, nur einzig und allein der Einfluss der jeweiligen Lobby. Und damit sind wir mehr von der eigentlichen Demokratie entfernt als z.B. Autokratien. Das mag in der Vergangenheit funktioniert haben, weil das Informationsmonopol beim Staat lag und durch Industrialisierung sowie Raub fremder Güter ein Vorsprung der westlichen Welt im materiellen Lebensniveau erreicht war. Das funktioniert nun nicht mehr. Asien hat uns überholt ohne einzuholen. Wenn wir nicht schnurstracks in eine Autokratie oder in den vollendeten Faschismus gelangen wollen, müssen zunächst folgende Dinge Einzug halten:
    – Offenen Informationsmöglichkeiten für alle.
    – rationale Entscheidungen ohne Lobbyeinflüsse. Bsp.: Wenn wir die Voraussetzungen für Elektromobilität und Einsatz von Wärmepumpen ohne massive Einbußen von Lebensqualität und Wettbewerbsfähigkeit nicht kurzfristig schaffen können, dann fahren wir halt weiter Verbrenner (die sparsam sind) und heizen weiter mit Öl, und wir lassen uns nicht vorschreiben, wo wir dieses kaufen.
    – Offen rassistische Systeme und Gruppierungen werden nicht mehr gesponsert, das sind insbesondere Israel und die Banderafraktion der Ukraine. Das erspart uns eine Menge Volksvermögen (u.a. durch weniger Flüchtlinge), welches wir in die dringen erforderlichen gesellschaftlichen Bereiche wie Kinder, Bildung und Wohnraum stecken.
    – Wir treiben mit allen Ländern und Regionen Handel, der uns nützt und verzichten auf Sanktionen.
    – Wir setzen wieder mehr auf Leistung, und zwar in Anlehnung an die physikalische Definition, also erledigte Arbeit pro Zeit. Verlängerungen von Wochenarbeitszeiten über wissenschaftlich nachgewiesene Zeiten der Produktivität hinaus gehören nicht dazu und sind kontraproduktiv, es wird nicht mehr fertig, der Krankenstand steigt und Familien haben es schwerer. Die Katze beißt sich damit in den Schwanz. Nachwuchs bleibt aus. Im Bereich der „Benachteiligten“ sind dagegen Anreize und Druckmittel für den Broterwerb sinnvoll, der Einzelfall sollte entscheiden. Wer unwillig ist, sollte auch schlechter leben als der Willige.
    – Es ist allgemein wieder mehr auf Ordnung zu setzen, nicht nur optisch. Es dürfen schon drastische Strafen her, wenn jemand seinen Müll in Grünanlagen entsorgt, sowas gibt es z.B. in Singapore nicht.
    – Es sollte eine regelmäßige Rechenschaftspflicht aller Entscheider geben, die auch Sanktionen mit sich bringen können. Wenn also Wahlversprechen nicht umgesetzt werden und keine triftigen Gründe dafür vorliegen, so ist das Entgelt zu kürzen.
    Natürlich können wir auch weiterwursteln wie bisher, bis auch das letzte Goldstück aufgebraucht ist und der Schuldenstand nicht mehr beherrscht werden kann. Ich vermute, so wird es kommen.

    1. Dass die Gewählten für das, was sie leisteten, zur Rechenschaft gezogen werden, ist schon mal nicht die schlechteste Idee. Im Moment scheint in der politischen Klasse die Auffassung dominant zu werden, dass es geboten ist, den Wähler zur Verantwortung zu ziehen, wenn er die falschen Entscheidungen trifft.

      Leider habe ich vergessen, wo ich es vor einem halben Jahrhundert gelesen habe. In einem fiktiven Gemeinwesen erhält das Oberhaupt nach der Wahl eine Amtskette, die er permanent zu tragen hat und in der mehrere Gramm Nitroglycerin eingelassen sind. Verbunden ist die Kette mit einem elektronischen System zur permanenten Messung der Zufriedenheit der Wähler. Fällt diese unter eine bestimmte Grenze, wird ein Zünder in der Kette ausgelöst und es gibt Neuwahlen.

  7. Hommel … Er ist Mitglied und Senator der Nationalen Akademie der Wissenschaften: Leopoldina, …

    Alles klar^^ 😉 … mehr brauch ich auch nicht mehr zu wissen.

  8. Die Autoren rütteln an liebgewordenen, aber veralteten Vorstellungen und dies tut manchen hier weh!
    Das ist ganz normal und Teil des Erkenntnisprozesses.

    Die Grundaussage des Artikels, das eine kapitalistische Wirtschaft Stabilität braucht, ist richtig. Kommt mir nicht mit sozialistischen Träumen. Die haben im ehemaligen Ostblock nicht funktioniert. Auch kann ich mir nicht vorstellen, daß das Volk hierzulande für sozialistische Träume überhaupt genügend Gemeinsinn besitzt. Der ungezügelte, neoliberale Kapitalismus fördert doch den übertriebenen Liberalismus und Individualismus. Letztlich ist es so, die westliche Ideologie des Liberalismus hat genauso versagt wie die schönste weltliche Religion, der Kommunismus. Es muß also etwas dazwischen geben?

    Die Entwicklung der asiatischen Tigerstaaten einschließlich China zeigt wie das gehen könnte. Der Erfolg jedenfalls gibt ihnen recht. Eine streng regulierte Marktwirtschaft erfordert einen starken, gemeinwohlorientierten Staat. In China liefert die Verbindung von Konfuzianusmus und einen sinisierten Marxismus eine gute Kombination. Bisher hat das gut funktioniert und in kürzester Zeit Millionen aus der Armut befreit. Indien, stärker westlich-liberal geprägt, war dazu nicht in der Lage.

    Das Modell Singapur diente nachweislich auch China als Vorbild. Auch Japan war und ist im westlichen Sinne nicht liberal, sondern regulierte durch das METI den Kapitalismus. Seit dieses Planungsminiszerium abgeschafft wurde, geht es Japan ökonomisch schlechter, Singapur und China nicht.

    Allerdings lassen sich die asiatischen Modelle nicht auf Europa übertragen. Aber in Deutschland ist ein radikaler Politikwechsel nötig der bedeutet, wieder Rohstoffe aus Russland und Zusammenarbeit mit China, ohne sich gegenseitig mit politischen Wunschvorstellungen zu nerven, Die Wirtschaft braucht Stabilität. Dazu gehört selbstverständlich soziale Gerechtigkeit. Die BRD könnte sich diese auch leisten, wenn sie ihr Geld nicht in der korrupten Ukraine verbrennen würde..

    Daraus folgt
    Keine Waffen für Israel und der Ukraine
    Handel mit allen Ländern zollfrei auf Augenhöhe
    Wir zahlen nicht für Eure Krise

      1. Braun, noch brauner extrem braun = BRD. Einem Staat der mit einer 99,9% NS Justiz, 98% NS Verwaltung, 100% NS Polizei (Deutsche Polizisten, Mörder und Faschisten. War keine Beleidigung, nur eine Tatsachenbehauptung) und 70% NSDAP Politiker in der CDU, 90% NSDAP in der FDP und immerhin noch 30% in der SPD, als angeblich demokratischer Staat gestartet ist, den Nationalsozialismus aber nie hinter sich gelassen hat.
        Also der Nachfolger des 3 Reichs als Nazideutschland war immer die BRD. Der Staat dessen einzige Existenzberechtigung die Versorgung der ganzen Naziverbrecher war.

  9. In Singapur verbrät man die Steuern die man in Europa unterschlagen hat..

    Die größte Herkunftsregion für vermögende Zuwanderer in Singapur ist Europa; über 55 % der Zuflüsse stammen aus Europa im Jahr 2023. Großbritannien, einst ein sicherer Hafen für europäisches Kapital, verzeichnet seit dem Brexit erhebliche Kapitalabflüsse. Schätzungsweise 4.200 britische Millionäre zogen nach Singapur. London bleibt ein wichtiger Goldhandelsplatz, doch Singapur holt rasant auf. Die britischen Goldexporte im Wert von 33 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 deuten darauf hin, dass einige Kapitalströme nun nach Asien fließen könnten.
    Auch Frankreich hat seit 2018, nach Einführung der neuen Vermögenssteuer durch Präsident Macron, fast 3.000 vermögende Privatpersonen ins Ausland vermittelt. Die Schweiz exportierte Gold im Wert von 4,01 Milliarden US-Dollar nach Singapur, was die starken Handelsbeziehungen im Edelmetallsektor unterstreicht, die durch die Präsenz schweizerischer Raffinerien vor Ort gestärkt werden. Deutsche vermögende Privatpersonen, die den Risiken der Eurozone misstrauen, diversifizieren ihre Goldbestände und investieren in den sicheren Hafen Singapurs. Im Jahr 2023 exportierte Deutschland 206 kg nicht-monetäres Gold (im Wert von 13,05 Millionen US-Dollar) nach Singapur.
    Seit 2022 haben russische Oligarchen und osteuropäische Unternehmer schätzungsweise 45 Milliarden US-Dollar nach Singapur transferiert, um Sanktionen und geopolitischer Instabilität zu entgehen. Amerikanisches Vermögen wandert weltweit am schnellsten nach Singapur ab: Die Zahl der Millionäre hat sich von 150 im Jahr 2014 auf über 1.000 im Jahr 2023 fast versiebenfacht. Dieser Anstieg spiegelt die wachsende Besorgnis der US-amerikanischen Eliten über politische Instabilität wider, wobei Ereignisse wie die Unruhen vom 6. Januar als wichtige Auslöser gelten. Singapurs Steuervorteile – keine Kapitalertrags- oder Erbschaftssteuer – stehen im deutlichen Gegensatz zu den in den USA geplanten Vermögenssteuern von bis zu 25 % auf nicht realisierte Gewinne. Der Technologiesektor führt diese Entwicklung an: Unternehmer aus dem Silicon Valley stellen etwa 40 % der Neuankömmlinge und ziehen oft mit ihren Familien und Risikokapitalfonds um. Dieser Trend könnte sich noch verstärken: Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 53 % der amerikanischen Millionäre und 64 % der jüngeren Millionäre eine Auswanderung erwägen.iv Australiens Position als einer der größten Goldexporteure nach Singapur unterstreicht die regionalen Finanzbeziehungen. Im Jahr 2023 exportierte Australien 4.859 kg Rohgold im Wert von fast 298 Millionen US-Dollar.

    https://sbma.org.sg/media-centre/publication/crucible/crucible-34/singapores-golden-magnet-the-wealth-shift-from-west-to-east/

    Man „pampert“ die Milliardäre der Welt und hilft bei der Steuerhinterziehung.. Das ist also was sich hinter dem Begriff „Meritokratie“ verbirgt. Das ist keine „Meritokratie“ sondern Oligarchie und Feudalismus..

    Außerdem beutet man wohl ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus..
    https://www.hrw.org/world-report/2021/country-chapters/singapore

    Meritokratie und Technokratie, das klingt als ob der Artikel direkt von den „Silicon Valley Tech Bro’s“ gesponsort wurde, die labern genau das selbe.. 🙄

    Mfg Makrovir

  10. Ein so langer Artikel, der das Wesentliche ausspart: Singapur ist eine Art Monaco Asiens. Oder ein anderer Vergleich eine „City of London“ bzw. „Manhattan“.

    Realistisch betrachtet produziert der Stadtstaat nichts, weswegen eine Rechnung in BIP auch Nonsense ist. Er schmarotzt von der Produktion anderer Länder, deren Gewinnler ihr Geld nach Singapur schaffen. Und vor allem ist es ein Handelsplatz für Waren, die anderswo hergestellt wurden. Und natürlich ein Finanzplatz, also Zockermarkt.

    In der Wiki liest man zwischen den Zeilen auch die Wahrheit, etwa wenn angemerkt wird, daß Singapur (in Geldwerten gerechnet) zeitweise mehr exportiert, als es überhaupt BIP hat! Ein 6-Millionen-Leute Staat, der zu den 11 größten Exportnationen der Welt gehört! Das sagt doch wohl alles?

    Der KANN kein Vorbild für den Rest der Welt sein, das geht rein rechnerisch nicht. Ich weiß, in Deutschland ist der Glaube weit verbreitet, daß es allen gut gehen könnte, wenn sie wie Deutschland mehr exportieren als importieren… Tu was gegen Religion…

  11. Sicher ist es richtig, dass gerade faschistische oder anderweitig autokratische Systeme starke technokratische Züge getragen haben. Aber daraus den Umkehrschluss zu ziehen, dass Technokratie unweigerlich in den Faschismus führt, wie es George Orwell getan hat, spiegelt einen typischen kognitiven Fehler wider: der Schluss nämlich von Korrelationen auf Kausalität.

    Stimmt, allein aus der Tatsache, daß Technokratie eine notwendige Bedingung für Faschismus ist, lässt sich nicht schließen, daß sie auch hinreichend ist. Das muß auf anderem Wege erfolgen, nämlich unter Zuhilfenahme der Definitionen der beiden Begriffe. Da diese aber strittig sind …

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