A Mentsh is Mentsh – und ein Glitch

Zensur
Mutant669, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Der international anerkannte Professor für Holocaust und Genozid Studien wurde eingeladen. Omar Bartov führte in seinem Beitrag aus, dass die Anklage gegen Israel wegen Verdachts des Völkermordes begründet ist. Eine solche Einladung in Deutschland ist ungewöhnlich. Und eine „Panne“ bei der Videoübertragung ebenso.

In der Bundeskunsthalle in Bonn fand am 12. März 2024 eine Veranstaltung unter dem Titel: „A Mentsh is Mentsh“ statt

Eingeladen wurden

  • Omar Bartov (Professor of Holocaust and Genocide Studies)
  • Carolin Emcke (Publizistin)
  • Hito Steyerl (Filmemacherin und Autorin)

Moderiert wurde die Gesprächsrunde von Nicole Deitelhoff und Meron Mendel.

Die Bundeskunsthalle hat diese zweite Gesprächsrunde so angekündigt:

„A mentsh is a mentsh ist der Titel dieser Gesprächsreihe mit Nicole Deitelhoff und Meron Mendel über den Umgang mit Antisemitismus, Rassismus und Post-Kolonialismus. Terror und Krieg in Nahost belasten das gesellschaftliche Klima – auch in Deutschland und Europa. Antisemitische Vorfälle häufen sich – selbst in künstlerischen und wissenschaftlichen Kontexten. Wie soll man damit umgehen? Wie soll man Konflikten und Sensibilitäten, realen und imaginierten Verletzungen, Unschärfen und Widersprüchen begegnen? Wie können wir halbwegs integer miteinander reden und zusammenwirken? Von Mensch zu Mensch? (…)

In unserem zweiten Gespräch über die Auswirkungen des 7. Oktober auf Kunst und Kultur werden wir uns vor allem mit solchen Dynamiken des kommunikativen Handelns beschäftigen – und nicht zuletzt mit der Frage, welche Wege aus den blockierenden Konfrontationen und eskalierenden Situationen herausführen könnten.“

Minute 38 herausgeschnitten

Die Veranstaltung wurde live aufgezeichnet. Eigentlich kein Problem. Man kann sich das anschauen und würde nichts besonders Auffälliges entdecken. Alle eingeladenen Gäste werden vorgestellt und kommen zu Wort. Man fällt sich nicht ins Wort und lässt sich ausreden. Das Gesprächsklima ist aufmerksam und freundlich. Tatsächlich wurde jedoch einiges von dem, was Omar Bartov zum Genozid-Vorwurf gesagt hatte … gelöscht. Das merkt man an keiner Stelle.

Omar Bartov selbst hat darauf aufmerksam gemacht, mit den Worten:

„It has been pointed out to be that some of my words in this conversation around min 38, apparently referring to potencial genozid in Gaza was edited out. I checked and that is indeed the case. This is very troubling and will hopefully corrected.“

Man muss es vorsichtshalber ins Deutsche übersetzen, um zu verstehen, was er genau damit meint:

„Man hat mich darauf hingewiesen, dass einige meiner Worte in diesem Gespräch um die Minute 38, die sich offenbar auf den potenziellen Genozid in Gaza beziehen, herausgeschnitten wurden. Ich habe das überprüft, und das ist tatsächlich der Fall. Das ist sehr beunruhigend und wird hoffentlich korrigiert.“

Als dies auch die Bundeskunsthalle bzw. die Verantwortlichen erreicht hatte, war man mit einer X-Meldung vom 15.3.2024 zur Stelle:

„In der Tat ein ärgerlicher Glitch. Es handelt sich keineswegs um Zensur, sondern um einen Aussetzer des Livestreams. Wir werden die Aufzeichnung ohne diese technische Panne so schnell wie möglich hochladen.“

Um auch diese Antwort zu verstehen, muss man wissen, was „Glitch“ bedeutet: „Als Glitch werden kleine oder minimale Fehlfunktionen, Fehler, Macken und Pannen in der Informationstechnik, bei Software und Computern bezeichnet. Ein „Glitch“ entsteht meist durch äußere Umstände …“

Ein Glitch?

In welchem Zustand sich diese Republik befindet, macht diese Episode deutlich. Das Format ist freundlich, die formulierten Absichten ehrenwert. Man will Diskussion, verschiedene Positionen zu Wort kommen lassen, fair miteinander umgehen … und der Frage gerecht werden:

„Wie können wir halbwegs integer miteinander reden und zusammenwirken? Von Mensch zu Mensch?“

Man muss ebenfalls erwähnen, dass der Moderator Meron Mendel (auch Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt) ein bedächtiger und sympathischer Mensch ist.

In seiner Anmoderation hatte er auf einen Offenen Brief („The elephant in the room“) hingewiesen, in dem zahlreiche UnterstützerInnen sowohl die geplante „Justizreform“ kritisiert hatten und dabei auch auf die Besatzung hingewiesen hatten, also den unsichtbaren Elefanten, der ständig mit im „Raum“ ist, wenn es um eine Lösung des Israel-Palästina-Konfliktes gehe. Der Offene Brief wurde ein paar Monate vor dem 7. Oktober 2023 verfasst. Man kann jetzt sagen, der Elefant ist ausgebrochen, kommentierte Meron Mendel diese fatale Entwicklung.

Dieser „Offene Brief“ ist deshalb so besonders, weil genau diese beiden Umstände auch in Israel auseinanderfallen: Da gehen Hunderttausende gegen die Netanjahu-Regierung, gegen Regierungskriminalität und den geplanten Verfassungscoup namens „Justizrefrom“ auf die Straße, wochenlang und sehr ausdauernd. Aber sie thematisieren nicht die Besatzung, die dieselbe Regierung mit reaktionärem und postfaschistischem Eifer fortsetzt.

Wenn man all das halbwegs berücksichtigt, ist dieser Zensur-Umgang auf eine besondere Art deprimierend, in doppelter Hinsicht. Die Begründung ist haarsträubend: Warum soll eine Technik ausnahmsweise dann „versagen“, wenn jemand über den potenziellen Genozid durch Israel spricht. Die Begründung stinkt zum Himmel. Denn wenn es ein Glitch gewesen wäre, dann ist zum einen erstaunlich, warum es diese „Panne“ nur und ausschließlich bei den Ausführungen zum möglichen Genozid in Gaza gab. Zum anderen würde der Glitch doch irgendwo passieren, aber doch nicht Millisekunden genau am Ende eines Satzes, also so, dass man das nicht merken kann/soll.

Aber vielleiht ist der Glitch ja im doppelten Sinne ein „Übertragungsfehler“.

Der Elefant ist ein Dauergast

Zum zweiten wäre doch eine wirklich ehrliche Antwort notwendig gewesen, wenn man den eigenen Worten gerecht werden will.

Offensichtlich ist der innere Druck mit Blick auf die „deutsche Staatraison“ bereits so groß, dass der „Elefant“ nicht nur in Israel präsent ist, sondern auch in Deutschland durch die Medienhäuser, Museen, Theater, Studios und Köpfe trampelt.

Das einzugestehen wäre eine ermutigende Ausnahme, die eine Diskussion über unsichtbare Elefanten und Scheren im Kopf beflügeln könnte.

Das Gespräch, das man (mit Glitches) sehen kann, ist 1:31 Stunden lang: https://youtu.be/HU5QB06LqPs

Offensichtlich fehlten in der ersten Version etwa vier Minuten, denn die neue Version, die am 15.3.2024 hochgeladen wurde, ist 1:35 Stunden lang:

https://www.youtube.com/watch?v=ZeQqoiR2TfU

Es lohnt sich sehr, sich die Zeit für seine Ausführungen (ohne Glitch) zu nehmen.

Und es ist mehr als notwendig, diese verschiedene Formen von Zensur öffentlich zu machen und zusammen dafür zu sorgen, dass genau das zur Sprache kommt, was dem „Glitch“ zum Opfer fällt.

Glitch bedeutet auch glitschig

In diesem Zusammenhang muss man erwähnen, dass diese Glitch-Version zum Handwerkzeug der politischen und militärischen Propaganda gehört: Das israelische Militär hatte es vor ein paar Wochen einmal mehr exerziert, als es darum ging, die über 100 Ermordeten im Kontext einer UN-Hilfslieferung den Hungernden selbst anzulasten: Man überließ den Medien ein paar Videoschnipsel einer Drohne, die das ganze Massaker am 29. Februar 2024 im Blick hatte. Zahlreiche „Glitches“ wurde vorgenommen, um es so aussehen zu lassen, als wären dort nur Menschen wie Ameisen um ein paar LKWs herum unterwegs.

Dank der Washington Post konnten diese Manipulationen sehr schnell aufgedeckt werden. Denn die Sequenzen, auf denen israelische Panzer und Tote im Umfeld dieser Panzer zu sehen waren, fielen den „Glitches“ zum Opfer. Als das herauskam, reagierten das israelische Militär mit immer neuen Adaptionen: Mal hat man den UN-Hilfskonvoi beschützen wollen. Dann habe man doch „in die Luft“ geschossen. Am Ende wurde man angegriffen und habe sich verteidigt.

Der noch größere Elefant namens Völkermord

Dass es bei der Videoaufzeichnung ein Glitch gab, nur an der Stelle, wo Omar Bartov die Anklage vor dem Internationalen Gerichtshof wegen des Verdachts des Völkermordes ausführt und diesen substantiiert, hat zwei eminent wichtige Gründe.

Zum einen ist die Person Omar Bartov selbst. Er ist international angesehen, sehr geschätzt, als Experte für Völkermorde. Man kann ihn also nicht als Scharlatan antun.

Zum anderen, und das ist noch schwerwiegender, liegt es am Vorwurf des Genozids selbst.

Der Israel-Palästina-Konflikt wird in seiner mildesten, westlichen Version als ein Konflikt dargestellt, in dem zwei Raufbolde aufeinander einschlagen. In dieser Version sind beide schuld daran, dass der Kampf nicht aufhört bzw. „friedlich“ gelöst werden kann. Das kann man geradeso verstehen, wenn man nur darauf achtet, dass beide Seiten „unfaire“ Mittel einsetzen (Bombardierungen – Selbstmordanschläge). Doch diese angebliche Äquivalenz hört bereits dort wo, wo man die Besatzung miteinbezieht. Denn Palästina hat keine israelischen Gebiete besetzt bzw. annektiert.

Mit dem Vorwurf des Genozids ist hingegen die Theorie der beiden Raufbolde gänzlich obsolet. Denn dieser setzt voraus, dass eine Seite gar nicht die Chance hat, sich zu wehren, also den Gegner davon abhalten kann, das zu tun.

Dieses eindeutige Ausgeliefertsein ist im Kontext des Gaza-Krieges 2024 unbestritten. Israel macht, was es will. Weder lässt sich die israelische Regierung von den USA, noch von europäischen Bedenken von den Kriegszielen abbringen. Die militärischen Fähigkeiten der Hamas spielen keine Rolle.

Dabei muss erwähnt werden, dass es bei dem Strafverfahren vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag darum geht, einen möglichen Genozid zu verhindern. Es geht darum, eine Absicht nachzuweisen, also nicht um den Nachweis, dass es einen Genozid gab. Dazu schreibt die taz überraschend klar:

„Gemessen an anderen Genozidverfahren ist das Kernelement der ‚Absicht‘ in der Klage sehr gut dokumentiert.“ (taz vom 6.1.2024)

Um diesen zu verhindern, forderte der Ankläger aus Südafrika, dass das Gericht in einem Eilverfahren einstweilige Verfügungen anordnet, die das sicherstellen sollen. Dazu gehöre u.a. eine ausreichende Ernährung in Gaza, die Wiederherstellung der Wasser- und Stromversorgung, die Gewährleistung medizinischer Hilfen. Dazu zählt auch, Untersuchung in Gaza zuzulassen. Fakt ist, dass Israel alle angeordneten Schutzmaßnahmen ignoriert. Im Gegenteil: Seitdem hat sich die Lage in Gaza auf ein bisher unbekannte Weise verschlimmert.

Diese Situationsbeschreibung wird in den staatnahen Medien wird fast komplett ausgeblendet. Eine Berichterstattung über den Internationalen Gerichtshof, über den Stand der Dinge findet nicht statt. Dass die deutsche Bundesregierung zudem an der Seite des „Beklagten“ in diesem Gerichtsverfahren steht, also bis heute den Vorwurf des Genozids für gänzlich abwegig hält und stattdessen weiterhin Waffen liefert, macht diesen Vorgang sehr brisant.

Es gibt ein Land auf der Erde, weit weg, das die Bundesrepublik Deutschland wegen „Begünstigung zum Völkermord“ vor dem Internationalen Gerichtshof angeklagt hat. Begründet wird dieser Schritt mit der politischen, finanziellen und militärischen Unterstützung Israels durch Deutschland und der Streichung der Mittel für das UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA.

In Europa, auf dem Kontinent der Ex-Kolonialherren liegt das Land der Kläger nicht. Es handelt sich um den mittelamerikanischen Staat Nicaragua. Dieser hat eine lange Geschichte der Diktatur hinter sich, die vom Westen, allen voran von den USA gestützt und an der Macht gehalten wurde. Selbst nach dem Sturz der Diktatur Somozas ließen die USA ihren „Hinterhof“ nicht los, sondern organisierten Terroranschläge gegen die neue Regierung der Frente Sandinista.

All das kann ganz aus Vorsehung zu besagtem „Glitch“ beigetragen haben.

 

Quellen und Hinweise

STUDIO BONN – A mentsh is a mentsh – Kunst & Kultur nach dem 7. Oktober: https://www.youtube.com/watch?v=ZeQqoiR2TfU

Twitter-Account von Omar Bartov: https://twitter.com/bartov_omer

Wenn der Verweis auf den Holocaust nicht Staatsverbrechen ächtet, sondern rechtfertigt, Wolf Wetzel, 2024: https://overton-magazin.de/kolumnen/kohlhaas-unchained/wenn-der-verweis-auf-den-holocaust-nicht-staatsverbrechen-aechtet-sondern-rechtfertigt/

Anklage wegen Völkermord: Mit der Waffe des Rechts, taz vom 6.1.2024: https://taz.de/Anklage-wegen-Voelkermord/!5981347/

Ähnliche Beiträge:

32 Kommentare

  1. Herr Wetzel,
    auch wenn es nicht notwendig ist, auf den Inhalt einzugehen, da selbsterklärend, möchte ich mich doch für den Hinweis auf den „Glitch“ bedanken.

    „Als Glitch werden kleine oder minimale Fehlfunktionen, Fehler, Macken und Pannen in der Informationstechnik, bei Software und Computern bezeichnet…“
    Wenn das „minimal“ bis eklatant erweitert und der aktuelle Bezug nicht nur auf Informationstechnik beschränkt wäre, könnte man u.U. feststellen, dass uns Glitche/r bereits „umzingeln“ und Potenzial für das „Wort des Jahrzehnts“ hätten.

    Wird ab jetzt zumindest mein Lieblingswort, auch wenn ich befürchte, dass meine mentale Reputation massiv leiden wird, wenn ich vermehrt und scheinbar zusammenhanglos „Glitch“ vor mich hin murmel.😉

    1. Hallo cui bono,
      ich kannte das Wort auch nicht, aber man kann es wirklich zum Wort des Jahres 2024 wählen. Das Wort, die Methode hat das Zeug dazu. Und ich befürchte, wir werden es mit ganz vielen Glitches zu tun bekommen.

      1. „ich kannte das Wort auch nicht“ – Wurde aber schon 2012 von Walt Disney in einem Animationsfilm zum Thema gemacht. Der Film heißt „Ralph reicht’s“. Der Film ist eine Hommage an das Arcade Spiel Donkey Kong. Laut Wikipedia dem Begründer des Jump ’n Run Genres. In dem Film ist der Glitch übrigens auch ein unechter Glitch, der nicht vom Computer zufällig als Fehler erzeugt wird, sondern vom Bösewicht im Film. Vielleicht mal anschauen.

  2. „Eine solche Einladung in Deutschland ist ungewöhnlich.“

    Derzeit finde ich so eine Einladung eigentlich nicht so ungewöhnlch.

    Frau Baerbock znd Co äffen doch nur der US-Administration hinterher.

    Verhängen die USA Sanktionen gegen die Siedler, machen das Frau Baerbock und Co im Nachgang auch.

    Ebenso verhält es sich bei der Luftbrücke für Lebensmittel.

    Die Krux ist, es werden angebliche Wohltaten erbracht während man gleichzeitig Waffen und Munition liefert mit denen die Menschen bombardiert werden.

    An dem ganzen Gehabe unserer Politiker erkennt man sofort wer Herr oder Kellner ist.

  3. “ Fakt ist, dass Israel alle angeordneten Schutzmaßnahmen ignoriert. Im Gegenteil: Seitdem hat sich die Lage in Gaza auf ein bisher unbekannte Weise verschlimmert.“

    Naja, lieber Wolf Wetzel, so unbekannt ist die Weise nicht wirklich. https://antikrieg.com/aktuell/2024_03_18_folterexekutionen.htm

    Und ansonsten, die Dummdreistigkeit, mit der hierzulande zensiert wird, ist schon atemberaubend. Und so hübsch dann die Ausreden, wenn die Herrschaften ertappt werden.

    1. Danke für den Link! Ich kenne diese wenigen Stimmen zum Teil. Ich bezog mich jedoch auch die Mainstreammedien. Da ist das Thema Besatzung ein so großer Elefant wie der angekündigte Genozid und die Taten, die dem folgen.

  4. Danke für ihren Artikel Herr Wolf, würde ich dieses Magazin nicht lesen, wäre dieser ‚Glitch‘ an mir vorbeigegangen.
    Von Mensch zu Mensch möchte ich meinen, auch wenn ich nicht immer ‚einer‘ Meinung mit ihnen bin, gut das es dich gibt.

    1. Ganz herzlichen Dank! Nein, das ist doch das Besondere, wenn wir uns erklären können, warum wir nicht derselben Meinung sind. Wenn wir neugierig sind, was der Andere sagt. Es geht doch darum, diesen Dissenz als Gewinn zu begreifen, ansatt ihn zum Schweigen zu bringen. Das macht „uns“ zusammen interessant und glaubwürdig.

  5. Die gekürzte Fassung ist bei YouTube nicht mehr aufrufbar. Ob damit der Schnitt unter den Tisch gekehrt werden soll, oder das Gesicht gewahrt werden soll, oder noch etwas anderes. Wer weiß.

    1. Danke für den Hinweis. Ja, ich bin von dieser Spurenverwischung ausgegagen. Denn wenn es ein „technisches Versehen“ war, dann kann man doch beide Versionen zur Überpüfung stehen lassen. Dann kann jede/r an Minute 38 überpüfen, ob die Glitsch-Version glaubwürdig ist. Ich finde es beschämend, dass das nicht passiert.

  6. Schöne Geschichte und man wundert sich darüber, dass es im deutschen Mainstream immer noch Leute gibt, die nicht wissen, wie das Internet funktioniert.

    Wer auf der Veranstaltung war, hat sich genau diese Worte des Professors gemerkt und wenn er den Stream guckt – ja so was. Habe ich geträumt? Und schon fragt man direkt beim Professor. Wie kann man so blöde sein, so etwas zu machen.

    Aber Danke. Ich glaube ohnehin, dass die Aufgabe der Medien nicht darin besteht die „Wahrheit“ zu zeigen, sondern darin sie bei Bedarf zu übermalen. Die stehen überall mit bemalten Riesenleinwänden herum, die sie vor das halten, was unser einer nicht wissen soll und filmen den Ponyhof, an den wir glauben sollen.

    1. Danke. Für mich war es schon etwas Besonders. Denn ich schätze den Mit-Moderator Meron Mendel. Wenn es kein „technischer Glitch“ war, dann ahnt man, was für ein (institutioneller) Druck existiert. Ich habe Herr Meron geschrieben und bin gespannt, ob der Brief an dem „Elefanten“ vorbeikommt.
      Waren Sie auf der Veranstaltung?

  7. Mir sind solche Gesprächsrunden zu langatmig. 95 Lebensminuten, kann man mit Doppelspeed auf 48 verkürzen.
    Was mich interessiert: Der Titel A mentsh is a mentsh ist ja offensichtlich jiddisch. Ich hab das Mal in London gehört, dem Aussehen nach waren das orthodoxe oder ultraorthodoxe Juden. Gibt vermutlich auch ein paar in Israel, aber die Hauptsprache dort ist doch Neuhebräisch. Warum wählt man denn diesen Titel auf jiddisch?

  8. Ach so, jetzt ist die Entschuldigung – wenn man bei einem Verbrechen erwischt wird – war nur aus Versehen, habe ich echt nicht gewollt. Ich doch nicht. Um es mal auf Strack-Zimmermann umzumünzen: Der Abschuss der Taurusraketen von der Ukraine aus nach Wolgograd (Wird wahrscheinlich wegen der Entfernung nicht so recht funktionieren, aber es geht nur ums Beispiel) war nie nicht beabsichtigt. Die Rakete sollte nicht das Stadtzentrum, sondern die Munitionsfabrik treffen.
    Und ähnliche Vorgänge. Alles nur „Glitches“.
    Liebes IM-Rechercheteam Correctiv, untersuchen Sie statt dauernd ultrarechte udn faschistische Kräfte irgendwo zu vermuten, doch mal die Fake News und Auslassungen und Propaganda im Mainstream. Da haben Sie genug zu tun. Aber das trauen Sie sich nicht, weil Sie ja von denen bezahlt werden. Und man beißt ja nicht die Hand, die einen füttert.

  9. Danke sehr für den ausgewogenen und informativen Beitrag! Ich habe eigentlich spontan wegen des ad hoc unverständlichen Titels darauf geklickt. Dieses Marketing hat gewirkt, aber dann hat der Inhalt noch mehr überzeugt und ich habe auch noch den Begriff ‚glitch‘ gelernt, umso besser.

    1. Herzlichen Dank, dass Sie nicht weggeklickt haben. Mich selbst hat das Wort „Glitch“ neugierig gemacht, da ich es auch nicht kannte. Zuerst dachte an etwas jiddisches, dann eben doch IT-Sprache. Aber der Ort, die Beteiligten und das Thema haben mich dann aber sofort gepackt, weil es sich um sehr kluge Menschen handelt, die gegen ihr besseres Wissen handeln – was deutlich macht, wie groß der institutionelle Druck ist bzw. wie schnell sie das Gefühl haben, sie stehen ggf. alleine da … und ohne Job.

        1. Hallo Herr Roth, danke für Ihre Erwiderung und Ihre eigenen Erfahrungen. Ich würde mir Ihren Text zum „linken“ Autoritarismus gern durchlesen, denn dieses Phänomen lässt mich nicht los, denn ich habe einige meiner Freude dadurch verloren. Dann würde ich gerne noch einmal auf Sie zukommen. Okay?
          Alles Gute im Kampf gegen die Femegerichtsbarkeit.
          Wolf Wetzel

  10. Man merkt, ihr seid alte weiße Männer 😄, also vor allem alt. – Ich auch, aber nicht ganz so.
    siehe mein Kommentar unter dem ersten Kommentar von cui bono. Der Glitch ist seit mindestens
    12 Jahren in der Popkultur angelangt.

    1. Danke für die „jugendliche“ Auffrischung. Aber es hat wirklich weder etwas mit alt und/oder weiß/e zu tun. Ich mochte schon vor 20,30.40 Jahren keine Popkultur, und heute erst recht nicht. Aber der Begriff wird ganz flott offensichtlich auch in der IT-Sprache verwandt. Wer zuerst war, bekommt dieses Jahr den „schwarzen Elefanten“ für das Un-Wort des Jahres 2024.
      Alles Gute.

      1. Das dachte ich mir schon, dass sich von Ihrer Seite das Bedürfnis in Grenzen hält diese popkulturelle „Bildungslücke“ zu schließen. Das Argument sollte sein, dass wenn Walt Disney schon vor 12 Jahren darüber einen Film darüber gemacht hat, dann kann es kein so exotischer und neuer Begriff sein.

          1. „Interessant finde ich, dass derartige Beleidigungen gerade von sonst sich aufgeklärt gebenden Menschen kommen.“
            Die Betonung auf „gebend“ ist korrekt gewählt.👍
            (Außerdem: wenn Walt Disney, der bereits 1966 verstarb, vor 12 Jahren einen Trickfilm „gemacht hat“, dann kann dies als absolutes Wunder betrachtet werden!)
            Zum Einordnen diverser Aussagen hier ein Schmankerl; bezeichnend auch ohne Worte:
            https://youtu.be/nYTrIcn4rjg?si=PPbZb4X8lsNCk26Q

            Krim: vorab – psssst

  11. Die Gegendarstellung der Bundeskunsthalle https://overton-magazin.de/allgemein/gegendarstellung/ ist doch echt komisch. Sie weist darauf hin, dass das Internet zu instabil gewesen sei. Und dann werden ausgerechnet gewisse Passagen gelöscht, die dem Narrativ des Westens widersprechen? Das Internet muss KI-mäßig agieren, dass es das so genau kann, dass ein nicht bei der Veranstaltung Anwesender dies nicht merken kann. Wenn das Internet wirklich so instabil gewesen war, ist dies verteilt über das gesamte Video mehr oder weniger gleichmäßig und immer wieder mitten im Satz finden Aussetzer statt. Nur einzelne fehlende Passagen, insbesondere mit nicht gewollten Inhalten, das ist eindeutig gewollt, und hat mit Instabilitäten Null zu tun.
    Wie heißt das Sprichwort so schön: „Lieber Gott, erhalte mir meine Ausreden.“

    1. Vielen Dank für Ihren Kommentar! Meinst schaut man ja nicht ganz genau hin oder gleich weg. Aber genau das, was Sie sagen, ist mehr als offensichtlich: Ein Live-Stream mit Störungen würde ganz anderes aussehen. Aber das Entscheidende ist: Worauf sich der Prof. Omar Bartov und ich beziehen, ist die hoch geladene Version, also eine bearbeitet. Und genau diese hat diese „Schnitte“, die nicht ein Außerirdischer gemacht hat. Das weiß die Bundeskunsthalle Bonn sehr wohl, denn sie hat die erste Version aus dem Netz genommen. Sie hat sich für die Gegendarstellung einfach ein falsches Pferd genommen.
      Kann man eigentlich die erste Version noch bekommen? Angeblich vergisst das Netz ja nichts?!
      https://youtu.be/HU5QB06LqPs

  12. großes kompliment an die redaktion zur veröffentlichung dieser glitschigen „gegendarstellung“. ohne diese wäre ich leider nie auf diesen, wie eigentlich so gut wie immer, sehr lesenswerten artikel von wolf wetzel aufmerksam geworden, bzw mich zu dessen lektüre hätte bewegen lassen. man kann als berufstätiger mensch leider nicht immer und alles lesen, was einen eigentlich schon interessieren würde. was ja auch das perfide dilemma an der heutigen von oben unterwanderten informationsmedienlandschaft ist und was einen deswegen dazu nötigt, immer mehr „arbeits“- und „frei“zeit mit informationsbeschaffung verbringen zu müssen, wenn man sich als an sich mündiger bürger nicht permanent am nasenring durch die manege führen lassen möchte. also: immer her mit den gegendarstellungen! umso glitschiger, umso dummdreister diese formuliert sind, umso besser. wusste schon andy warhol (als er sagte „any press is good press“). „übersetzt“ könnte das heißen: jede gegendarstellung ist eine unterstützung. außerdem: wenn wolf wetzel wirklich etwas auch nur irgendwie an den haaren herbeiziehbar ansatzweise ungebührliches behauptet hätte, wären ihm UND der redaktion längst ne unterlassungsklage samt post von der staatsanwaltschaft ins haus geflattert.
    aber vielleicht sollte man auch etwas gnade und verständnis mit den leuten von der bundeskunsthalle walten lassen. die hatten sich mit einer solchen veranstaltung wahrscheinlich schon allzu weit aus dem fenster gelehnt und deswegen schon vorab einen ähnlichen druck erfahren müssen wie die leitung der documenta – eine jahrzehntelang gesellschafts- und kulturpolitisch wichtige veranstaltung, die „dank“ roth und steinmeier heute geschichte ist.

    1. Vielen Dank. Die Verbindung zwischen der Bundeskunsthalle und Dokumenta 15 in Kassel ist sehr treffend.
      Ich war auch ausdrücklich dafür, diese Gegendarstellung zu veröffentlichen.
      Denn sie belegt, dass die Bundeskunsthalle absichtlich eine falsche Fährte gelegt hat. Es geht nicht um den Livestream, sondern um die erste hochgeladenen Fassung, die jenseits von „Übertragungsfehlern“ oder „Netzinstabilitäten“ zu sehen ist (bzw. war). Ich habe der Bundeskunsthalle einen Brief geschrieben, um ihr die Möglichkeit zu geben, darauf zu antworten:
      https://wolfwetzel.de/index.php/2024/03/25/ueber-elefanten-im-raum-ein-glitch-und-eine-gegendarstellung-der-bundeskunsthalle/
      Manchmal ist eine Gegendarstellung entlarvender, als das sonst übliche Silencing.

  13. vielen dank auch Ihnen, lieber wolf wetzel. und danke auch für den link auf Ihre eigene seite, die zeigt, dass das von mir bzgl des werts des freiwilligen veröffentlichen von gegendarstellungen festgestellte Ihrerseits, eigentlich ja ganz erwartungsgemäß, bereits antizipiert wurde. nichtsdestoweniger kann Ihnen die parallelität unser beider ansichten möglicherweise auch als bestätigung dienlich sein, dass Sie mit Ihren ansichten und überlegungen gar kein einsamer wolf sind. wahr-scheinlich renne ich daher mit meiner nächsten feststellung doors wide open bei Ihnen ein: das holz der türen, die Sie bei der bundeskunsthalle mit Ihrer für die leute da hochnotpeinlichen inquisition eintreten wollen, könnte zum brennholz einer hexenverbrennung hergenommen werden, die Sie dann zum unfreiwilligen henker machen könnte. wie wir beide wissen, lag der gesetzliche grund zum dezidierten verzicht auf ein bundeskultusministerium nach dem letzten krieg in der abschaffung der kunstfreiheit durch die nazis. mit der heute verteufelten, damals wie heute aber ebenso richtig wie sinnvollen, föderalen variante wähnte man sich damit in sicherheit vor wiederaufkeimendem faschismus. rollen wir mal kurz rückwärts: wer kam wann auf die glorreiche idee, eine staatliche kunsthalle bauen zu lassen? ich weiß es tatsächlich nicht. aber wer sozusagen gleichzeitig das ebenfalls in bonn ansässige haus der geschichte durchsetzte, wissen wir beide: helmut kohl. ob man ihm damals zur kompensation seiner privaten vorlieben damals die bukuha abnötigte?! der kasten stand aber bereits, als schröder (der harmlose 😉 ein bundeskultusministerium durch die hintertür einführte. dieses de facto ministerium nannte und nennt sich bis heute aber immer noch nicht ministerium, sondern ganz harmlos und bescheiden einzelpersonenbezogen „beauftragte(r) der bundesregierung“. als noch wenigstens halbwegs kulturaffine menschen von naumann bis grütters dieses amt innehatten, wäre niemand auch nur ansatzweise auf die irrwitzige idee gekommen, dass es jemals jemand wieder zur inquisitorischen abschaffung von kunst- und meinungsfreiheit missbrauchen könnte oder wollte. wenn es claudia roth nun aber offensichtlich geschafft hat, mit dem handstreichartigen plattwalzen aller föderalen antifaschistischen sicherheitsstrukturen anlässlich der documenta 15 nicht nur metaphorisch mehrdeutige künstlerische darstellungen als quasi entartet zu diskreditieren und nebenbei auch noch den ganzen laden mehr oder weniger aufzulösen und international komplett zu entwerten, dann braucht man sich gar nicht mehr wundern, wenn die armen teufelchen in der bundeskunsthalle jetzt das ganz große bibbern erfasst hat, dass mutti sie jetzt alle gleich in den großen topf überm feuer stecken könnte. wer ist denn wohl deren gleichzeitig direkte und oberste dienstherrin?! vielleicht wollten die ja auch nur mal gaaaaanz vorsichtig antesten, ob sie auch nur ansatzweise noch einen erbärmlichen rest von meinungs- und kunstfreiheit wenigstens simulieren könnten, um vor internationalen künstlern und kuratorenkollegen nicht länger ganz so verblödet dastehen zu müssen. aber – zack – hat sofort der grüne blitz aus heiterem klima bei denen eingeschlagen. also holen Sie doch lieber die armen kleinen teufelchen schnell wieder raus aus dem topf und reden Sie stattdessen mal ein wort der vernunft mit teufels großmutter! bei eva schweitzer las ich neulich hier auf overton ein zitat, das angeblich vom ehemals obersten verfassungswächter stammte, der folgerichtlig heute als einer der obersten verfassungsfeinde verdächtigt wird. er meinte wohl, sinngemäß, der unterschied der heutigen nazis zu deren vorfahren sei, dass die von heute zu verblödet wären, selbst zu erkennen, dass sie nazis sind.

    1. Vielen Dank für Ihre Gedanken. Was Ihren letzten Gedanken angeht, ob die Zensorinnen das aus Blödheit machen oder .. was, würde ich ihre Intelligenz nicht unterschätzen. Sie wissen, dass der Faschismus auch ihren Job kosten könnte (denn die Nazis holen dann ihre eigenen Leute ins Bezahl-System). Deshalb wollen sie lieber die goldene Badewanne alleine benutzen. Aber ein totalitäres Regime mit der Agenda, ein Drittes Reich zu verhindern ist doch „genial“?
      Das trifft ganz besonders auf die Bundeskunsthalle und die sehr anständige Gesprächsrunde mit Herrn Mendel zu: Sie wissen, was (mit der Aufzeichnung) passiert ist! Es ist ihnen peinlich, selbst zu antworten. Also muss die Bundeskunsthalle einen ganz glitschigen Ausweg finden, der genau zum Gegenteil führt: https://wolfwetzel.de/index.php/2024/03/25/ueber-elefanten-im-raum-ein-glitch-und-eine-gegendarstellung-der-bundeskunsthalle/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert