Der Bauer und der Tod

Glückliche Familie mit Kuh und freundlichem Bullen: Aber Björn Scherhorn hätte sich fast einmal selbst aus dem Leben entfernt, bevor er mit Johanna neu starten konnte - sich und die Landwirtschaft. | Foto: Maria Feck
Glückliche Familie mit Kuh und freundlichem Bullen: Aber Björn Scherhorn hätte sich fast einmal selbst aus dem Leben entfernt, bevor er mit Johanna neu starten konnte – sich und die Landwirtschaft. | Foto: Maria Feck

Das Thema dieses Blogs und des zugehörigen Podcasts ist kein leichtes. Das verrät schon der Titel. Aber es ist ein notwendiges, denn die Bauern sterben. Nicht nur, weil ihre Höfe dem sogenannten Strukturwandel zum Opfer fallen, nicht nur, weil sie Opfer ihres Umgangs mit Pestiziden werden, Krebs bekommen oder Parkinson; auch weil sie ganz persönlich nicht mehr weiterwissen und können. Die Landwirtschaft ist eine Branche mit extrem hoher Suizidrate. Das ist in der Schweiz oder in Frankreich schon länger bekannt, jetzt wird das auch in Deutschland wahrgenommen. Und es beschäftigt sogar die Europäische Union.

Auf dieses Thema hat mich Björn Scherhorn gebracht. Nicht weil er mir davon erzählt hat, sondern weil ich ihn ganz offen darüber sprechen hörte und sah – in der YouTube-Sendung »Bringen wir unsere Bauern um?« von »Studio16« beim NDR. »Mensch, den kennst Du!« war meine Reaktion auf seinen kurzen Auftritt dort. Und dann habe ich ihn angerufen und gefragt, ob er mir die ganze Geschichte erzählt: die Geschichte von seinem Weg bis hinauf unters Dach zu jenem Balken, mit dem Strick in der Hand, und seinem Weg wieder hinunter, zurück zu den Kühen und dann zum Leben.

Die Hunderttausend-Liter-Kuh

Seit dem 13. Jahrhundert sind sie Bauern, der Familienhof ist zur Zeit der Französischen Revolutioon gebaut. Beinahe aber wäre es nicht weitergegangen auf dem Hof Scherhorn in Berge. | Dieses und alle weiteren Fotos: Florian Schwinn
Seit dem 13. Jahrhundert sind sie Bauern, der Familienhof ist zur Zeit der Französischen Revolutioon gebaut. Beinahe aber wäre es nicht weitergegangen auf dem Hof Scherhorn in Berge. | Dieses und alle weiteren Fotos: Florian Schwinn

Ich habe auf dem Hof Scherhorn bei Berge im Landkreis Osnabrück nicht nur außergewöhnliche Menschen kennengelernt, sondern auch einen außergewöhnlichen Bullen. Er ist ein gewaltiger Piemonteser, grau mit großen schwarzen Augenrändern und schwarzer Schwanzspitze, und so freundlich, wie ich noch nie einen Bullen erlebt habe. Er kam extra zum Schmusen zu uns und forderte Streicheleinheiten ein, wenn auch mit sehr tiefer Stimme.

Aber: freundliche Bullen, entspannte Kühe, spielende Kälber, grasende Schafe und neugierige Schweine, viele Schwalben und Kiebitze und Eulen, sind das glückliche Ende der Geschichte. Angefangen hat das alles ganz anders.

Nämlich mit den Hunderttausend-Liter-Kühen des Vaters Scherhorn. Die gab es dort schon in den 1990er Jahren: Kühe, die zehntausend Liter Milch im Jahr gaben, hunderttausend war ihre »Lebensleistung«. Dafür gab es dann Präsentationsteller vom Zuchtverband und der Nachwuchs der Superkühe ließ sich auf dem Jungviehmarkt gut verkaufen. Der Hof stand gut da, eine offensichtlich funktionierende konventionelle Landwirtschaft.

»Als ich der Betriebsleiter wurde«, sagt Björn Scherhorn »war der Hof ein stramm durchorganisiertes konventionelles Produktionssystem.« 240 Mastschweinplätze, 55 Milchkühe mit weiblicher Nachzucht und Bullenmast. 74 Hektar eigenes Land, davon rund dreißig Hektar Getreide. Ackergras für Grünfutter nach Gerste und dann im nächsten Frühjahr Mais, das war eine normale Fruchtfolge.

Hofübernahme – Erbprobleme

Auf diesem Hof entwickelte sich Jungbauer Björn Scherhorn dann zum Vorzeigelandwirt. Erst die Lehre, dann die Fachschule und den Meister, dann den elterlichen Hof übernommen. Wobei – und damit beginnen die Probleme: Vater Scherhorn schaffte es nicht, den Hof an den Sohn zu übergeben; der musste ihn vom Vater pachten. Weder die über siebzig Hektar eigenes Land, noch Haus und Hof gehörten ihm. Das sollte noch problematisch werden.

Das zweite Problem, das Björn Scherhorn von seinem Vater erbte, war das Land selbst. Das war nämlich früher von Mooren durchsetzt und auch sonst ziemlich nass. Was man heute noch sehen kann, wenn man durch die Gegend fährt. Viele der alten Häuser, der ehemaligen Bauernhöfe, sind von üppigen Hecken aus Rhododendren umgeben, mit Pflanzen also, die sauren, feuchten Boden brauchen. Der Familienname der Scherhorns, die seit siebenhundert Jahren in dieser Gegend Bauern sind, deutet schon daraufhin, was es dort ursprünglich gab: Tiere mit Hörnern und Schafe, die zu scheren waren.

Im Zuge der sogenannten Grünen Revolution in den 1960er Jahren wurde dann eine jahrhundertealte Weidelandschaft zu Äckern gemacht. Das Land wurde dräniert und mit tiefen Gräben durchzogen, die das Wasser wegschafften.

Das war der Hof, den Björn Scherhorn vom Vater pachtete und den er dann noch einmal optimierte. Zum Beispiel, indem er die Milchkühe, die er als Kind noch in Anbindehaltung kennengelernt hatte, dann aber mit sommerlichem Weidegang, nun ganz im Stall hielt. Im modernen Laufstall inzwischen, aber eben drinnen.

So hatte er das gelernt in der Berufsschule und dann in der Fachschule: »Lass die Kühe mal lieber drin«, sagten seine Lehrer und später dann die Fachberater. »Jedes Mal, wenn die rausgeht, verpulvert die Kuh eigentlich nur Energie, die du besser in Form von Milch verkaufen kannst. Futter kostet, und wenn die dir das dann da draußen verballert, das rechnet sich nicht.«

Hohe Leistung – kranke Kühe

Entspannte Weidekühe aus verschiedenen Kreuzungen - mit Hörnern. So sahen die Kühe auf Hof Scherhorn früher nicht aus, und auf der Weide waren sie auch nicht.
Entspannte Weidekühe aus verschiedenen Kreuzungen – mit Hörnern. So sahen die Kühe auf Hof Scherhorn früher nicht aus, und auf der Weide waren sie auch nicht.

Bald hatten die Kühe nur noch einen Auslauf am Boxenlaufstall. Und bald hielt Betriebsleiter Björn Scherhorn dann auch Kühe, die draußen gar nicht mehr satt geworden wären. Es ging in Richtung HF – Holstein-Friesian Hochleistungskuh. Mit zehntausend Litern Milchleistung im Jahr hatte er die damals besten Kühe vom Vater übernommen. Bei ihm gaben die besten dann elftausend und mehr.

Wobei er heute noch sagt: »Ich bin auch gerne konventioneller Landwirt gewesen, es hat mir Spaß gemacht, an den Stellschrauben zu drehen, um noch mehr Milchleistung herauszukitzeln.« Und es hat ja auch eine Weile funktioniert. Er hatte Kühe, die gaben siebzig Liter am Tag. Er war aber dann irgendwie vom Landwirt zum Feuerwehrmann geworden. Er beschreibt sich heute als einen Gehetzten, der ständig versuchte, die gesundheitlichen Brandherde im Stall zu löschen. »Du rennst die ganze Zeit diesem Zuchterfolg auf Leistung hinterher. Du bist nur damit beschäftigt, die negativen Folgen der Hochleistung abzufangen: dass dein Tier nicht in die Ketose oder ein Nachgeburtsverhalten fällt.«

Ketose ist eine Stoffwechselkrankheit, die entsteht, wenn die Kühe mehr Energie verbrauchen, als ihr Körper aufnehmen kann, also vor allem direkt nach der Geburt des Kalbs mehr Milch geben, als sie aus dem Futter produzieren können. Nachgeburtsverhalten heißt, dass die Gebärmutter die Nachgeburt nicht abstößt, was zu schweren Entzündungen führen kann.

Mit einem Wort: Björns Hochleistungskühe wurden öfter krank. Und sie wurden dann auch nicht mehr so alt, sie gingen viel früher zum Schlachter.

»Mir tat das dann schon leid, dass die Kühe nicht mehr so alt wurden wie früher«, sagt er. Aber so hatte er das gelernt: Die Produktionseinheit Rind und die Produktionseinheit Schwein musste nur gut geführt werden, dann stimmte die Leistung schon. Und so war es dann auch: An Milchleistung mangelte es nicht beim Hof Scherhorn. Und auch die Mastschweine waren top, genau wie vom »Markt« verlangt. Nur das Geld stimmte nicht. Es war immer zu wenig. »Produktion konnte ich«, sagt Björn Scherhorn, »aber verkaufen kannst du ja nicht. Deine Molkerei sagt dir, was sie gibt, und dein Viehhändler holt die Schweine zu seinem Kurs ab. Du musst nehmen, was du kriegst. Oder du sagst: Ich werde größer und bekomme dann Mengenzuschläge.« Das ging aber auch nicht, denn der Hof gehörte ja nicht ihm.

Gefangene des Systems

An dieser Stelle im Gespräch mit Björn Scherhorn habe ich ihm gesagt, was ich schon öfter im Gespräch mit Bauern gesagt habe: Die Land-Wirtschaft ist die einzige Wirtschaftsbranche, die ich kenne, die wächst, wenn sie keinen Gewinn macht. Wenn die Milch in der Produktion mehr kostet, als sie einbringt, werden mehr Kühe gemolken, wenn der Schweinepreis im Keller ist, werden mehr Schweine aufgestallt. Dabei ändern die Mengenzuschläge nichts am System.

»Und wir Bauern sind die Gefangenen dieses Systems«, sagt Björn Scherhorn. »Ein Unternehmer würde sagen: Moment, da müssen wir jetzt aber mal was an den Preisen machen, und dann schreiben wir andere Rechnungen. Aber ein selbstständiger Landwirt ist gefangen zwischen den Welten. Er ist auf der einen Seite voll haftbar, trägt volle Verantwortung, kann auf der anderen Seite aber nicht selber über die Preise bestimmen.«

Voll haftbar wird der Landwirt auch für die Schäden gemacht, die die Art der Landwirtschaft zeitigt, die Björn Scherhorn damals auch betrieb: Stichworte Tierwohl, Umweltschutz, Artensterben. Er hätte damals auch gerne mehr Tierwohl gemacht, den Schweinen Auslauf gegeben, die Kühe wieder rausgelassen. » Ich habe meine Kühe ja auch damals geliebt.« Dafür war aber kein Geld da.

»Das Einzige, was ein Landwirt hat, wenn es nicht mehr reicht, ist sein Land. Das ist das rare Gut, hinter dem alle her sind. Das kann er beleihen.«

Und genau das konnte Björn Scherhorn nicht, als es finanziell immer enger wurde, trotz Höchstleistungen im Stall und auf dem Acker: Er konnte keinen Kredit aufnehmen. Er lebte zwar in seinem Elternhaus, oder besser im Familienhaus, denn der Hof ist 1789 gebaut, im Jahr der Französischen Revolution. Aber der Hof gehörte ihm damals noch nicht.

Alles wird weniger

Halboffene Weidelandschaft mit Sträuchern und Hecken an den Gräben. Windschutz für die Kälber, und auch Erosionsschutz und Klimaregulator.
Halboffene Weidelandschaft mit Sträuchern und Hecken an den Gräben. Windschutz für die Kälber, und auch Erosionsschutz und Klimaregulator.

Sein Vater hatte ihm immer gesagt: Du musst zu den besten zehn Prozent der Landwirte gehören, dann kann dir nichts passieren. Jetzt gehörte er zu den besten zehn Prozent, und der Schweinezyklus der Preiskrisen schlug dennoch auch bei ihm zu.

Er arbeitete immer mehr und immer länger und hatte immer weniger Zeit für die damalige Partnerin und den kleinen Sohn. Und er wurde dabei selbst immer weniger. Und auch um den Hof herum wurde alles weniger. Björn Scherhorn macht es an den Schwalben fest, die in seinem Leben eine große Rolle spielen.

Er erzählt, wie er als kleiner Junge begeistert die erste Schwalbe des Frühjahrs begrüßte und wie er dann doch ein wenig trauerte, als es in seiner Fachschulzeit dann nur noch ganz wenige Schwalbennester am Hof gab. »Das war schade«, sagt er, »aber dieses ‚Schade‘ war noch sehr leise damals.«

Es wurde dann mit der Zeit aber lauter im Kopf des Landwirts Björn Scherhorn, der inzwischen ein nervöses Augenzucken entwickelt hatte und den zwischenzeitlich mal ein gelähmter Arm plagte. Nervenentzündung in der Schulter. Sein Körper wollte nicht mehr, er war mager geworden wie seine ausgelaugten Hochleistungskühe. Dann bemerkte er, dass auch das Land um ihn herum langsam ausgelaugt wurde.

»Irgendwann stand ich auf unserem sechshundert Jahre alten Eschboden und stellte fest: Der Boden war weniger geworden.« Eschboden, oder Plaggenesch, ist eine, vor allem in Nordwestdeutschland, von Generationen von Bauern in mühevoller Arbeit fruchtbar gemachte Bodenart. Dabei wurden jahrzehntelang immer wieder Grassoden abgestochen und als Einstreu in die Ställe gefahren, um später mit dem Mist auf die Äcker gebracht zu werden.

An dieser Stelle hatte er als Kind mit seinem Vater gestanden, als der den Lehrlingen erklärte, wie ein solch fruchtbarer Boden aufzubauen ist: Mit Mist, mit sehr viel Mist und sehr viel Zeit. Und nun war dieser Boden in seiner Lebenszeit geschrumpft. Obwohl er doch der Vorzeigelandwirt war, der mit den hohen Erträgen auf dem Acker und im Stall, der eigentlich alles richtig machte. »Ich denk: Da muss was passieren, das muss sich ändern.«

Dann keimte im optimierten konventionellen Landwirt Björn Scherhorn der Gedanke auf, vielleicht doch auf Bio umzustellen. Und dann kümmerte er sich darum. Aus dem »da muss sich etwas ändern« war ein »ich muss etwas ändern« geworden.

Die letzte Krise

Da war es aber fast schon zu spät. Nicht nur der Boden war weniger geworden, nicht nur Björn war weniger geworden, auch die Beziehung zu seiner Partnerin war weniger geworden.

»Ja, und wie das dann so ist, dann kommt irgendwann jemand anderes ins Leben. Und sie ist dann gefahren.« Zuerst blieb Björn Scherhorn allein zurück – mit dem gemeinsamen kleinen Sohn. Dann wurde bald klar, auch der würde gehen.

Jetzt kam zu all den Krisen, durch die er den Hof bis hierhin gebracht hatte, auch noch die seiner Beziehung hinzu. Björn sorgte noch dafür, dass der Sohn von den Schwiegereltern aufgenommen wurde. Der Gedanke schien ihm erträglicher, als wenn er mit seiner Mutter zu ihrem neuen Partner zöge. Das machte die Sache aber am Ende auch nicht besser. Björn war klar: »Wenn der Junge vom Hof geht, wird es schwer!«

Und das wurde es dann auch. Am Morgen fuhr der Vater noch eine Runde Trecker mit dem Sohn, dann wurde der abgeholt.

Der Tag, als sein Sohn den Hof verließ, war der Tag, an dem sich Björn einen Strick vom Haken nahm und auf den Dielenboden kletterte. Vor dem scheunengroßen Dielentor hatte er als kleiner Junge die erste Schwalbe begrüßt. Jetzt stand er, eine lange Zeitreise und viele Krisenjahre später, zwölf Meter höher auf dem Dielenboden und schaute auf einen Balken.

»Dann siehst du den handgesägten und handbehauenen Balken, den deine Vorfahren mühevoll zusammengeschustert und eingefügt haben, für dieses Haus, was über Generationen hält.« Und da soll es nun geschehen.

»Und dann kam ne Schwalbe! Wieder eine Schwalbe, wie damals. Die hat mich wieder runtergebracht.«

Schwalbenbauer

Björn und Johanna Scherhorn mit drei ihrer Kinder vor der Diele, von deren Dachboden Björn damals eine Schwalbe wieder heruntergeleitete, und in deren Fußboden jetzt die Hofkäserei eingebaut werden soll.
Björn und Johanna Scherhorn mit drei ihrer Kinder vor der Diele, von deren Dachboden Björn damals eine Schwalbe wieder heruntergeleitete, und in deren Fußboden jetzt die Hofkäserei eingebaut werden soll.

Eine Schwalbe sagt man, mache noch keinen Frühling. Aber eine einzelne Schwalbe brachte damals Björn Scherhorn runter vom Dachstuhl und zurück ins Leben. Und heute ist der Biohof Scherhorn Lebensraum für ganz viele Schwalben. Im Dachstuhl der Diele hängen ihre Nester unter den Balken. Die Schleiereulen nisten im Dachgeschoss des Stalls. Und auf den Weiden sind die Kiebitze zurück.

Und die Menschen im Hof sind inzwischen zu acht. Björn und Johanna Scherhorn haben gerade ihr sechstes Kind bekommen. Die beiden haben sich, nachdem um Björn Scherhorn alles zusammenzubrechen schien, auf den Öko-Feldtagen auf einem Biohof bei Kassel kennengelernt und dabei festgestellt, dass sie aus benachbarten Dörfern kommen.

Es gibt keine Mastschweine mehr im ehemaligen Schweinestall. Aber es gibt Schweine auf dem Hof, ganze vier. Sie sind schwarz und haben eine Stubsnase: Berkshire, eine robuste Schweinerasse, die auch das ganze Jahr über draußen leben kann. Dazu gibt es Gänse und Hühner und Lauf­enten. Und es gibt wieder Schafe auf Hof Scherhorn, wie früher. Nur dass sie nicht mehr geschoren werden müssen. Die Guteschafe von der schwedischen Insel Gotland werfen ihre Wolle ab, meist als geschlossene Decke.

Die Herde der Milchkühe ist auf siebzig gewachsen, und seit ein paar Jahren werden die Kälber nun auch nicht mehr von den Müttern getrennt, sondern bleiben bei ihnen. Deshalb wirbt Hof Scherhorn mit »geteilter Milch«. Die Kunden, die den Hofkäse kaufen, teilen die Milch der Kühe mit den Kälbern.

Die Kühe sind von Winterende bis zum nächsten Winteranfang draußen. Gemolken wird nur noch einmal am Tag. Dafür müssen die Kühe früh morgens ihr Weideleben für einen Gang zum Melkstand unterbrechen. Außerdem haben die Kühe von Hof Scherhorn auch wieder Hörner. Nicht nur, weil der Bioverband Demeter, zu dem der Hof Scherhorn gehört, das so will. »Auch wenn ein Wolf vorbeikommt, hilft das«, sagt Björn Scherhorn.

Alles ist anders als früher auf Hof Scherhorn. »Und ich bin endlich Bauer geworden«, sagt Björn. Er unterscheidet zwischen den Berufsbezeichnung Landwirt und dem Bauern.

Heute ist er Bauer, die Kühe sind auf der Weide und die Schwalben sind wieder da. Als er Landwirt war, hat er in Produktionseinheiten gedacht, er hat optimiert, Leistung gebracht und Leistung verlangt, auch von den Tieren und dem Boden. »Ich war drin in dem Prozess und konnte anderen Leuten auch richtig gut erklären, wie das zu funktionieren hat.« Er und seine leistungsorientierten Kollegen hätten damals mitleidig auf die Milchviehhalter im süddeutschen Raum hinuntergeschaut. »Guck dir mal die lächerlichen Leistungen an, das funktioniert ja gar nicht. Wie können die denn überhaupt wirtschaftlich sein? Wir waren auch nicht wirtschaftlich. Aber wir meinten aufgrund der hohen Produktionsmengen, wir wären die Könige von Deutschland.«

Bis zum tiefen Absturz. Den hat er auch bei anderen erlebt. Bei Freunden, die heute nicht mehr da sind, die sich noch nicht vorstellen konnten, alles zu ändern, und bei denen im letzten Moment auch keine Schwalbe kam.

Neue Krisen – neue Wege

Weite Weidelandschaft um Hof Scherhorn. Hier war vor wenigen Jahren noch Ackerland, dessen Krume in den Dürrestürmen davonflog.
Weite Weidelandschaft um Hof Scherhorn. Hier war vor wenigen Jahren noch Ackerland, dessen Krume in den Dürrestürmen davonflog.

Nach Björns Wandlung vom Landwirt zum Bauern, nachdem er mit seiner Frau Johanna auf Bio umgestellt hatte, mussten die beiden gleich mehrere Dürrejahre durchleben. Das war die Zeit, in der die Verkehrsnachrichten zum ersten Mal vor Sandstürmen über Autobahnen warnten. Nur dass da kein Sand durch die Luft flog und die Sicht nahm. Da flog der ausgetrocknete Humus von den Äckern.

»Der Humus aus dem Boden, der eigentlich den nachfolgenden Generationen zustehen sollte«, sagt Björn Scherhorn: »Wir können doch nicht so wirtschaften und so Ackerbau betreiben, dass wir die Zukunft einfach wegpflügen.«

So war es aber damals auch bei ihm vor der Haustür. Im ersten Dürrejahr rasten die heißen Winde auch bei ihm über die Äcker. »Da draußen stand eine braune Wand, es flog alles weg mit dem heißen Wind.« Und dass es Wind gibt in der Gegend, das sieht man schon an den Windrädern die hinter dem Hof aufragen.

Nach dieser Erfahrung haben die beiden angefangen, die Landschaft umzubauen und Hecken zu pflanzen, Windbrecher. Jetzt lassen sie an den Wassergräben, die es noch gibt, immer auf einer Seite den Bewuchs hochkommen. »Und wenn da keine Sträucher und Bäume wachsen, dann pflanzen wir welche.« Auch Kräuter säen die beiden ins Weidegras, »die helfen unseren Tieren, gesund zu bleiben.« Spitzwegerich gegen Husten, Schafgarbe gegen Bauchschmerzen.

Entstanden ist so eine von Hecken durchzogene weite Weidelandschaft. Waren es früher gerade mal zehn Hektar Dauergrünland, liegen heute achtzig Hektar Wiesen und Weiden um den Hof herum.

»Die Dürre war ein guter Lehrmeister« sagt Björn Scherhorn heute. Wir haben gelernt, wie wir hier wirtschaften müssen. Und das sei übrigens ziemlich genau so, wie das Generationen seiner Vorfahren an diesem Ort schon gemacht haben.

»In den Dürrejahren war jeder Halm knapp«, sagt er, sie mussten die Kühe kilometerweit auf Weiden treiben, auf denen früher nur das Jungvieh stand. »Aber als es dann endlich wieder regnete, wurde es durch das viele Beweiden bei uns wieder grün, während drumherum noch alles grau war.«

Nachdem der große Teich hinter dem Haus in der ersten Dürre trockengefallen war, ließen sie ihn tiefer baggern, so dass er bei der nächsten Dürre nicht mehr austrocknete. »Und wir hatten im nächsten Jahr mit der Weidekuhhaltung und dem Teichtieferbaggern siebzig Schwalbenpaare da.«

Da sind sie wieder, die Schwalben, die nun auch nie wieder verschwinden sollen vom Hof Scherhorn.

Und weiter

Und wie geht es nun weiter inmitten von Grünland und Weiden, mit siebzig Milchkühen und Nachzucht? »Weiter geht es mit einer eigenen Käserei«, sagt Johanna Scherhorn. In einen Seitenflügel des Hauses, die scheunengroße sogenannte Diele, wird ein Loch gebaggert und da hinein kommt die Käserei.

»Wir wissen genau, wo wir hinwollen«, sagt Johanna Scherhorn. Sie könnten es sich viel einfacher machen und umstellen auf die sogenannte Mutterkuhhaltung. Dabei werden Fleischrinder aufgezogen und es wird nicht gemolken. »Wir haben schon häufiger gesagt, Mutterkühe wären so viel einfacher«, sagt Johanna, »aber wir hängen einfach an Milchkühen. Wir finden die einfach unglaublich schön. Wir machen das unglaublich gerne.«

Damit die Milch mehr einbringt, sollen aber nun nicht mehr Kühe auf den Hof, sondern die zweite Verarbeitungsstufe: die Käserei. »Wir wollen nicht Masse produzieren, sondern Qualität«, sagt Johanna Scherhorn, »und die dann direkt vermarkten, gerne regional, aber auch über den Online-Shop. Der Käse kann auch mit der Post zu den Kundinnen und Kunden kommen.«

Es gibt auch noch weitere Ausbaupläne für die Zukunft. »Wir würden das kleine Paradies, das wir hier geschaffen haben, gerne erhalten und auch anderen zugänglich machen.« Zum Lernort machen will Johanna Scherhorn den Hof. Schon jetzt kommen im Frühjahr immer mehr radelnde Bird Watcher zum Hof, um sich die gefiederte Vielfalt anzuschauen und anzuhören, die es in den ausgeräumten Feldfluren längst nicht mehr gibt, die aber rund um den Hof Scherhorn wiedergekommen ist. So etwas kann man auch professionell anbieten.

Räume für Seminare und Veranstaltungen wären da, ganze Häuser sogar. Sie müssten nur ausgeräumt und ausgebaut werden. Aus einem Schweinestall in einem weit über zweihundert Jahre alten Hof einen Seminarraum zu machen, ist kein kleines Unterfangen. Aber das ist auch Zukunftsmusik, jetzt kommt erstmal die Hofkäserei und mehr Direktvermarktung. Denn mehr Milchgeld wegen des besonders hohen Omega-3-Fettsäuregehalts durch die Vollweidehaltung zahlt auch die Bio-Molkerei nicht.

Björn Scherhorn liegt viel daran, dass auch andere Landwirte das Glück haben, das ihn in Gestalt einer Schwalbe im letzten Moment noch erreicht hat. Es war knapp, aber die 1299 begründete Bauernfamilie Scherhorn lebt weiter auf dem Hof bei Berge, Baujahr 1789. Viele andere Bauern haben ihre Geschichte mit einem Suizid beendet. Und es werden leider sehr rasch immer mehr, die ihrem Leben ein Ende setzen, die keinen Ausweg mehr sehen. Es wird Zeit, dass wir da hinschauen, dass wir den Bauern helfen, sich aus ihren Abhängigkeiten zu befreien.

Auch wenn es angesichts dieses Problems peinlich banal klingt, der Serientitel dieses Blogs und des zugehörigen Podcasts weist den Weg: Es hilft schon, den Einkaufswagen bewusster zu steuern.

Florian Schwinn

Florian Schwinn ist Journalist und Sachbuchautor. Er hat für Print und Hörfunk gearbeitet, Radiofeature produziert und moderiert. Seit vielen Jahren beschäftigen ihn Themen aus dem Bereich Umwelt und Landwirtschaft.
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35 Kommentare

    1. Ja und die taz hat den Dreck lieber intravenös (oder in den Muskel, is ja Wumpe wo die multifunktionale Plörre landet). Nur damit hier nicht irgendwelche irreführenden Eindrücke entstehen, man wäre irgendwie nicht Teil der ganz großen Abriss-Lobby:

      Impfpflicht und Moralphilosophie
      Grenzen der Freiheit
      Gastkommentar von
      Charles Schildge

      Liberale Philosophen lehrten uns, warum eine allgemeine Impfpflicht moralisch geboten ist. Manche Liberale von heute scheinen das vergessen zu haben.
      7.1.2022

      https://taz.de/Impfpflicht-und-Moralphilosophie/!5823713/

      Corona und Impfpflicht
      Impfung oder Lockdown
      Essay von
      Stefan Huster

      Bei der Impfpflicht geht es nicht um Gewissensfragen, sondern um die Lösung für ein Problem. Nur durch Impfungen sind die Krankenhäuser zu entlasten.
      6.2.2022

      https://taz.de/Corona-und-Impfpflicht/!5830407/

      Man kann wunderbar mit oder ohne vorgetäuschter Moral heucheln. Da ist man flexibel. Sogar sehr flexibel. Auch gerade bei Übernahme von Praktiken aus dem letzten Jahrhundert:

      Blinde Stelle in der VerteidigungWer schießt die Drohnen ab?
      Kommentar von
      Yelizaveta Landenberger

      Der Reservistenverband will die Altersgrenze für Reservisten auf 70 anheben. Das ist wegen neuer Bedrohungen keine schräge Idee, sondern überfällig.
      21.4.2026

      https://taz.de/Blinde-Stelle-in-der-Verteidigung/!6172711/

  1. @Vende „Und was macht der Deutsche Bauernverband, einer der größten deutschen Lobbys in Deutschland?“

    Das könnte bei einigen Lesern (und Leser:+INNEN, das vergesse ich immer noch) für Verwirrung und Missverständnissen sorgen. Dieser „Deutsche Bauernverband“ (warum heißt das nicht „Deutscher Bäuerinnen- und Bauernverband“, gibt es da nur Männer und was ist mit diesen „Diversen“?) vertritt vor allem die Interessen der großen und ganz großen Bauern, der Lebensmittel-Industrie, der chemischen und Pharma-Industrie, der Hersteller von Pestiziden, Hebiziden und Fungiziden und Antibiotika für Enten, Hühner, Gänse und Mastschweine.

    1. Tja, konventionelle Landwirtschaft ist für die Menschen, für die Merz den 8-Stunden-Tag abschaffen will, die weder Scheune noch Balken noch Strick haben.
      Bio ist für städtische Angestellte, gut versorgte Rentner und sonstige Arrivierte. Shoppen im Dorfladen im Hameau de la Reine.

  2. Und die Regierung peitscht die Bevölkerungszahl weiter hoch, obwohl Energie importiert werden muß und die Erzeugung von Lebensmitteln nicht endlos gesteigert werden kann. Die Steigerung auf das heutige Niveau trägt ja vielfach schon bittere Früchte. Statt einer möglichen Gesundschrumpfung hat man sich für Masseneinschleppung von Konsumenten entschieden, das ist bestürzend.

    1. Gesund schrumpfen. Das hat gewiss was mit Volksgesundheit zu tun. Im vorigen Jahrhundert nannte man es auch eine Zeit lang Rassenhygiene. Die Schrumpfung ist anderweitig in Arbeit, also gemach. Aber nebenbei bemerkt:

      Wir sind, was volkt!
      27. Dezember 2018 Richard Winterstein
      Neofaschisten skandieren griffige Parolen und offenbaren darin ihr gestörtes Verhältnis nicht nur zur deutschen Sprache, sondern auch zu deren Bedeutungsinhalten. Aber nicht nur das!
      (…)
      „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!“

      Eine wahrhaft revolutionäre Parole! „Deutschland den Deutschen …!“ Deutschland ins Eigentum der Deutschen, d.h. aller Deutschen überführen – das hat was! So sei das aber gar nicht gemeint? Wie denn dann? Aha, der zweite Teil der Parole darf dabei nicht unterschlagen werden: Die Ausländer müssen natürlich außer Landes geschafft werden, denn darauf kommt’s in erster Linie an. Und wenn die dann alle weg sind, gehört Deutschland endlich wieder den Deutschen allein. Will heißen: Die Anwesenheit von Ausländern im Land ist verantwortlich dafür, dass Deutschland eben nicht den Deutschen gehört. Wenn das so ist: Gehört Deutschland heutzutage dann den Ausländern? Kann man so auch nicht sagen, denn die haben uns Deutschen Deutschland allein aufgrund ihrer Anwesenheit ja eigentlich gar nicht weggenommen. Es ist noch da und gehört überwiegend deutschen Eigentümern. Was also will uns die Parole sagen?

      Mit der Eigentumsfrage hat die genau genommen gar nichts zu tun. Es geht dabei auch gar nicht um den Verteilungsmodus deutschen Eigentums, denn das ist bekanntlich selbst unter Deutschen höchst ungleich verteilt: Wenige besitzen sehr viel, viele sehr wenig! Das soll in den Augen derer, die diese Parole skandieren, auch gefälligst so bleiben! Deutschland soll, geht es nach dieser Parole, also gar nicht als Heimat krasser sozialer Ungleichheit denunziert, sondern als nationalistisch einheitlich strukturiertes Gebilde eingefordert werden. Deutschland ist unser Deutschland, wenn alle Ausländer weg sind! Und es hat auch dann immer noch unser Deutschland zu sein, wenn der Mehrheit der Bevölkerung wenig mehr als vielleicht ein Auto und die Wohnungseinrichtung gehört.

      Die reale Einkommens- und Eigentumsverteilung hat für das deutsch-nationale Einheitsempfinden überhaupt keine Rolle zu spielen. Das nationale Wir-Gefühl hat es nicht nötig, sich mit lästigen Besitzverhältnissen herumzuschlagen. Als deutscher Landsmann steht uns der größte Mietwucherer noch immer um ein Vielfaches näher, als unser besitzloser Mieternachbar mit ausländischer Herkunft, der unter der gleichen Wuchermiete leidet, wie wir. Soziale Gegensätze, mit denen die Nation reichlich ausgestattet ist, sind dem überzeugten Neofaschisten überhaupt kein hinreichender Grund, seine Identifikation mit dem nationalen Ganzen in Frage zu stellen.

      Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass es den Neofaschisten überhaupt nicht um das Wohlergehen der Mehrheit der lohnarbeitenden Bürger geht, deren Beziehung zu den Nutznießern (Kapital) sie lieber nicht zum Thema und schon gar nicht in vertiefter Form machen wollen. Ihnen schwebt allenfalls eine Befassung mit dem Verhältnis von Lohnarbeit und Kapital dergestalt vor, dass sich deutsche Unternehmer gefälligst nur an deutschen Lohnarbeitern bereichern können sollen, denn das wäre die logische Konsequenz aus der Parole „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!“. Ob sie damit bei den deutschen Unternehmern auf Gegenliebe stoßen würden, darf allerdings bezweifelt werden. Doch selbst wenn sie einen derartigen Dissens in Kauf nehmen würden, wäre dies ein weiterer Beleg dafür, dass hartgesonnenen Nationalisten die Treue zur Nation auch auf Kosten von Wirtschaftsinteressen geht.

      https://web.archive.org/web/20181227104332/https://www.heise.de/tp/features/Wir-sind-was-volkt-4258505.html

      Und mal davon abgesehen, von was man bestürzt ist und wen man als überflüssig empfindet, das kann sich ändern.

      1. Sie abreiten sich da an dem Beitrag von EU nein danke ab, haben aber den Kern offenbar nicht verstanden. Es ging hier weder um die politische noch die kulturelle, sondern die biologische Dimension der Sache.

        1. Ich schätze ich verstehe euch sehr gut:

          Grottenolm
          24.05.2026 08:53 Uhr

          nein es ist kein Mythos. Es ist völlig widernatürlich, dass eine großes Wirbeltier noch dazu ein Fleischfresser in solchen Massen den Planeten bevölkert. In den Nahrungsnetzen nimmt die Anzahl der Individuen und auch die Biomasse nach oben stetig ab. So gibt es mehr Mikroben als Pflanzenbiomasse, mehr große Pflanzenfresser als Fleischfresser (schon die schlichte Tatsache, dass es riesige Antilopenherden gibt aber nur kleine Löwenrudel müsste ihnen das klar machen). Der Zustand mit einer Massenvermehrung von Homo sapiens geht also nur auf Kosten anderer Tiere und Pflanzen und ist langfristig nicht zu halten. Eventuell hat ja diese Verödung der Umwelt auch Auswirkungen auf das Unterbewusstsein, die die Paarungslust dämpfen.
          Die von Ihnen genannten Faktoren sind aber richtig benannt. Die verstärken das Problem drastisch, weit über den rein popolationsbiologischen Effekt hinaus.

          Zur Erläuterung, siehe das Diagramm
          https://www.researchgate.net/figure/Abbildung-4-Vergleich-aller-lebenden-Organismengruppen-basierend-auf-dem_fig1_357158114

          https://overton-magazin.de/top-story/sind-smartphones-am-drastischen-rueckgang-der-fertilitaet-und-sexualitaet-der-jungen-menschen-schuld/#comment-387201

          Es steht ihnen frei an sich selbst Abhilfe zu leisten. Apropos widernatürlich, ist das sowas wie entartete Kunst? Immer schön achtsam bleiben.

  3. Eine gute Argumentation und ein exzellentes Plädoyer für die kleinen und mittelständischen Bauern. Zwei Schönheitsfehler gibt es aber leider dabei.

    1. Man muss sich Produkte, die auf bäuerliche Art und Weise hergestellt und nicht mit Antibiotika, Pestiziden, Herbiziden, Fungiziden usw. handelt wurden und etwas mehr kosten, ökonomisch auch leisten KÖNNEN. Viele Bürger, die nicht zu den „Besserverdienern“ gehören, können das nicht.

    2. Man muss es sich auch leisten wollen. Viele Verbraucher, die es sich ökonomisch leisten könnten, WOLLEN es sich aber nicht leisten, weil die Metallic-Lackierung (Aufpreis bei einem „ID.3 Neo“, einem Auto der sogenannten „Kompaktklasse“ aktuell 860 Euro brutto) und die Felgen (Aufpreis 705 Euro brutto) wichtiger sind als Lebensmittel, die sozial fair, ökologisch umweltverträglich, ohne Antibiotika und ohne Wachstumsbeschleuniger produziert werden.

    1. Viele Verbraucher können sich heute gar keinen neuen Kompaktwagen mehr leisten
      und fahren ihren 20 Jahre alten Ford Fiesta, dessen rote Lackierung matt und verblasst
      ist so lange weiter, bie es gar keine Ersatzteile mehr auf den Schrottplätzen gibt.
      Ich gehe davon aus, dass die Konsumenten von „Bio“ Produkten zuerst bei Lehrern
      und anderen heute noch existierenden Beamten zu finden sind. Der nicht grün angehauchte
      Normalo muß sehen was er sich nach Abzug der Miete und der Nebenkosten incl. Heizung, der
      Fahrtkosten zur Arbeit und dem Abzug der Rundfunkgebühren, noch für Lebensmittel ausgeben
      kann. Dazu kommt, wer mit wachem Auge die Vergleichtests von Bio- und kommerziell produzierten
      verfolgt, wird immer wieder aufgeklärt, dass viele Bio – Waren schlecht in der Bewertung abschneiden.
      Befinden sich die Anbauflächen der Bio- Produkte in der Nähe von Schnellstraßen oder Industrie
      Standorten, weil dort die Pachtkosten meißt am günstigsten sind, muß man mit hohen Schadstoff-
      belastungen rechnen. Liegen die Anbauflächen in Mitten der konventionellen Landwirtschaft, enthalten
      die Bioprodukte fast genauso viel Pestizit- und Fungizitrückstände wie die Konventionellen.
      An Eines sollte vielleicht noch gedacht werden: Die Menschen die heute 80 Jahre und mehr alt
      werden, sind aus heutiger sicht in einer verdreckten Welt groß und alt geworden. Mit Wasser
      aus Bleirohren und Allem was Bayerstorf und Co. zu spritzen angeboten hat. Mir ist aufgefallen, dass
      die Menschen immer mehr an den verschiedesten Krebsarten versterben, seit die EU und unsere
      Behörden die Lebensmittel besserer und sauberer machen. Das Bombardement mit Funkstrahlen
      und der Elektrosmog werden auch noch das Seine dazu tun.

    2. … und weil der Paketversand vom Hof in Berge 9,50 € kostet.
      Ich such mir einen Hof in der Umgebung und fahr mit dem Rad hin, tue ich was für mich und für die Umwelt.

    3. Man muss es sich leisten können. Hier am gut frequentierten Biobauernhof sieht man dass die Teslas 70 Kilometer und mehr zurückgelegt haben, damit ihre Besitzer sich mit den guten Produkten eindecken können. Käse, Fleisch, Gemüse alles vom Besten. Oftmals erkennt man erst wieder den Geschmack, den den die Dinge früher hatten. Die Zutaten für den klassischen Samstagseintopf und den Sonntagsbraten kosten dafür auch locker einen Fünziger, pro Person.
      Sobald das dort am beschriebenen Gehöft das Seminarhaus eingerichtet ist, sind es wieder die Teslas, nur dass für die Anreise oftmals 700 Kilometer anzusetzen waren. Gute Seminare, mit wirklichem Benefit z.B. in Sachen Persönlichkeitsentwicklung oder ein Coaching, immer mit ganzheitlichem Anspruch, den früheren Bullshit weit hinter sich laddend – international anerkannte, fähige Leute. Drei Tausender die Woche und zwei bis drei Seminare jährlich sind da allerdings ein normales Maß.
      Kurzum, eine gesunde Ernährung mit schmackhaften Nahrungsmitteln, sind genau wie humanistische Persönlichkeitsbildung ein Luxusgut, leistbar für eine kleine Bevölkerungsschicht und beides von dieser privilegiert in Anspruch genommen.
      Ein ekletanter Widerspruch in sich selbst, aber kein Grund in Richtung der vermeintlichen Bessermenschen zu schauen um diesen etwas wegnehmen zu wollen.
      Genau so wenig gibt es von dort einen Grund, auf die herabzuschauen, die Berge von Discounterfleich, das Kilo zu Dreieuroneunundneunzig in sich hineinmantschen und vor der Glotze verblöden.
      Das ist auf Ebene der Individuen nicht lösbar. Es braucht Solidarität, größerer Wohlstand und Bildung für alle. Ein erster Schritt dahin, wäre die Entmilitarisierung der Gesellschaft. Dies sollte beiden Gruppen leicht zu vermitteln sein.

      1. 1. Zitat: „Kurzum, eine gesunde Ernährung mit schmackhaften Nahrungsmitteln, sind genau wie humanistische Persönlichkeitsbildung ein Luxusgut“

        Nehmen wir an, das ist in Deutschland so, dann läuft aber in diesem „demokratischen und sozialen Bundesstaat“ wie es so schön im Art. 20 des Grundgesetz von 1949 heißt, etwas ganz gewaltig schief oder? Ich bin kein Pazifist und auch nicht für Entmilitarisierung, aber man sollte fragen, ob es rational betrachtet und aus der Sicht eines objektiven Dritten notwendig ist, die Bundeswehr zur größten konventionellen Armee Europas aufzurüsten, dafür zukünftig die Hälfte des Bundeshaushalts auszugeben und dann bei Bildung, Kitas, Schulen, Hochschulen, Erzieherinnen und Lehrern zu sparen bzw. zu kürzen oder sehen Sie das anders?

        2. Zitat: „Ein ekletanter Widerspruch in sich selbst, aber kein Grund in Richtung der vermeintlichen Bessermenschen zu schauen um diesen etwas wegnehmen zu wollen.“

        Es geht hier nicht darum, den „Bessermenschen“ etwas wegnehmen zu wollen, es geht um Monopoly. Dieses Brettspiel ist inzwischen über 100 Jahre alt. Die meisten kennen die Spielregeln, verstehen aber offenkundig nicht den Sinn dieser genialen Wirtschaftssimulation. Am Anfang haben alle Spieler die gleichen Ressourcen und alle profitieren ökonomisch und sozial vom Aufschwung. Irgendwann kippt das Spiel, ein Spieler wird immer reicher und reicher, die anderen machen Schulden und kommen auf keinen grünen Zweig mehr. So funktioniert auch der real existierende Kapitalismus.

        Oder gehören Sie zu denen, die anderen erzählen wollen, dass alle, die fleißig und nicht allzu dumm sind, irgendwann so „superreich“ werden wie Herr Dieter Schwarz, dessen Vermögen inzwischen mehr als 50 Milliarden Euro beträgt. Eine ganz einfache Frage: Wie viele Milliarden braucht der Mann noch oder nimmt man den „Superreichen“ schon etwas weg, wenn sie nicht noch reicher und reicher und reicher und reicher werden? Wir reden hier nicht von lausigen Millionen, sondern MILLIARDEN, eine Milliarde hat 1.000 Millionen, 50 Milliarden sind 50.000 Millionen. Manchmal drängt sich der Verdacht auf, viele Leute können tatsächlich eine Million nicht von einer Milliarde Euro unterscheiden.

        3. Zitat: „Das ist auf Ebene der Individuen nicht lösbar.“ – Man kann das Problem auf dieser Ebene zwar nicht lösen, aber wie mein Beispiel mit der Metallic-Lackierung zeigt, kann man selbstverständlich etwas tun. Diese Entscheidung hat jeder selbst in der Hand, der sich ein neues Auto kauft bzw. kaufen will. Ich kann eine Metallic-Lackierung kaufen oder das Geld für gute Lebensmittel ausgeben. Wer oder was zwingt mich dazu, eine Metallic-Lackierung zu kaufen? Das war vielleicht vor 40 oder 50 Jahren so, dass eine Metallic-Lackierung besseren Rostschutz bietet als eine Standard-Lackierung in weiß, schwarz, hellgrau oder dunkelgrau oder verbraucht das Auto mit der Metallic-Lackierung weniger Benzin? Heute geht es allein um Ästhetik und sonst nichts. Es gibt sogar Hersteller, da kann man sich für 3.000 oder 4.000 Euro Aufpreis seine individuelle „Lieblingsfarbe“ zusammenmischen lassen. Man gönnt sich ja sonst nichts.

        4. Jede Gesellschaft besteht aus Dummen und Bauernfängern, die andere für dumm verkaufen. Dummen kann man ihre Dummheit schlechterdings vorwerfen. Politikern, Abgeordneten, Ministern, Journalisten, Lobbyisten der Rüstungs- und Lebensmittel-Industrie, die immer von Verantwortung faseln und andere für dumm verkaufen, um sich selbst zu bereichern und Politik für die oberen 10 Prozent der Bevölkerung zu machen, kann man das schon vorwerfen. Man muss es ihnen vorwerfen. Wem wollen Sie das sonst vorwerfen? Wie sagte der Kabarettist Georg Schramm vor langer Zeit einmal: Wir brauchen Idioten, sonst frist keiner Gammelfleisch.

        Wenn jemand mit 120 km/h am Kindergarten vorbeifährt und ein Kind überfährt, wem geben Sie dann die Schuld, dem Kind?

        1. 1. Zitat: „Kurzum, eine gesunde Ernährung mit schmackhaften Nahrungsmitteln, sind genau wie humanistische Persönlichkeitsbildung ein Luxusgut“
          Dagegen spricht die eigene Erfahrung. Wenn man Leuten, die ganzen Tag Zeit haben anbietet, sie können aus Deiner Obstwiese kostenlos so viele Äpfel, Nüsse oder Birnen nehmen, bis sie platzen, dann nehmen sie das Angebot nicht an, aber das Sonderangebot Steak oder Wurst für 1,99 da werden sie mobil und machen sich auf den Weg. Da spielt auch Kultur mit rein. Ein richtiger Mann ist einfach keinen Salat nur Fleisch, am besten gegrillt. Jedenfalls in bestimmten Kreisen.

          1. Ein Hasenfutter bestehend aus rohen Äpfeln, Salatköpfen und Nüssen würde ich auch dankend ablehnen.
            Das Problem, das Wissen über die Zubereitung von Nahrungsmitteln ist verlorengegangen und mit ihm in wechselseitigen Prozess die Genussfähigkeit.
            Bei diesem Rezept den grünen Salat mit Radiccio ergänzen um Bitteraromen eizubringen, die Apfelstücke in Zitronensaft einlegen, dann behalten sie ihre Frische, Säure wird in der Beize ohnehin benötigt. Die Walnüsse sind unverzichtbar. Ich würde Sesamöl verwenden.
            Erst so wird aus den genannten Zutaten ein dem menschlichen Genuss zuträgliches Produkt.

        2. Ich glaube Pazifist zu sein und sehe 1 wohl deshalb anders. Die Militarisierung der Gesellschaft muss auch Effekte auf das Mindset ihrer Bürger haben. Als ob wir damit nicht bereits übelst genug bedient wären.
          Der Wachstumsökonomie ist 2. in einer Welt endlicher Resourcen ihr Ende vorbestimmt. Daran gibt es keinen Zweifel – vielleicht eine weitere Erkenntnis aus dem Monopoly Spiel. Eine Milliarde in gestapelten 100 Euro Scheinen ergibt eine Säule mit einer Höhe von 1000 Metern. Niemand der dort oben sitzt kann unterscheiden, ob da unten ein Säulchen von einem Meter Höhe, entsprechend einer Million in die Höhe ragt oder garnichts. Alles nichtswerte Nieten, dort unten.
          3. ist ein Bildungsthema. Woher sollen die Leute wissen was wirkliche Lebensqualität ist, wenn sie nie Anteil daran hatten. Diese kann mitunter auch durch ein technisches Produkt vermittelt werden, zum Beispiel durch seine Haptik.
          Sogar für die oberen 10% nach 4. könnte es ein Zugewinn an Lebensqualität bedeuten, wenn der Unterschied zur restlichen Gesellschaft weniger drastisch ausfallen würde. Es gibt ja die Beispiele von dort, wo man sich als vom Reichtum betroffener für eine Besteuerung stark macht.

          1. @Trilex Pazifismus bedeutet für mich nicht, wehrlos und schutzlos zu sein. Wenn mich einer mit einem Messer angreift und ich habe einen Stock oder einen Knüppel in der Hand, dann werfe ich den Stock bzw. Knüppel nicht weg und sage: Stich zu.

            Pazifismus bedeutet heute, dass man dieser gigantischen Aufrüstungsorgie widerspricht, weil man dann sogar von Leuten, die sich als „links“ bezeichnen als „Lumpenpazifist“ oder „Putinversteher“ oder was auch immer diffamiert wird.

            Diese „Kriegstüchtigkeit“ hat nichts mehr mit Verteidigung zu tun. Wenn es mit der kapitalistischen Wirtschaft nicht mehr so rund läuft, dann suchen sich die Regierungen offenkundig einen äußeren Feind, um von den wirtschaftlichen und sozialen Problemen im eigenen Land abzulenken.

            Auf der Autobahn gibt es jeden Tag einen Stau. Wer ist schuld daran: Putin!
            Die Bahn hat zwei Stunden Verspätung. Wer ist schuld daran: Putin!
            In den Schulen sind die Toiletten versifft. Wer ist schuld: Putin!
            Der reichste Deutsche hat nur 50 und keine 100 Milliarden Euro. Wer hat Schuld: Putin!
            Das lokale Krankenhaus wurde geschlossen: Wer hat Schuld: Putin!
            Jeder zweite Abiturient kann nicht mehr rechnen. Wer ist schuld daran: Putin!
            Im letzten Winter sind allein in Hamburg 15 Obdachlose erfroren: Wer hat Schuld: Putin!
            Im Ahrtal hat es eine große Flutwelle und Tote gegeben. Wer hat Schuld daran: Putin!
            Mein Fahrrad hat einen Platten: Wer ist schuld: Putin!
            in meiner Socke ist ein Loch: Wer hat Schuld: Putin!

            Zitat: „Woher sollen die Leute wissen was wirkliche Lebensqualität ist, wenn sie nie Anteil daran hatten.“- Um das erfahren zu können, benötigt man ein Mindestmaß an finanziellen Ressourcen. Wenn jemand für den gesetzlichen Mindestlohn arbeitet, dann sind seine Möglichkeiten erheblich eingeschränkt. Bei „Superreichen“ mit einem Vermögen von 50 Milliarden Euro geht es nicht mehr darum, ob sich die Haptik einer mechanischen PC-Tastatur für 200 Euro besser anfühlt als bei einer Rubberdome-Tastatur für 20 Euro. Da geht es um Macht und wer den größeren Schniedelwutz hat. Das Vermögen von Elon Musk aka Mr. X-Tesla wird derzeit auf rund 800 Milliarden Dollar geschätzt, auf 20 oder 30 Milliarden mehr oder weniger kommt es da nicht an. Eine Milliarde sind aber 1.000 Millionen. Viele Bürger in diesem Land verdienen in ihrem gesamten Leben nicht einmal 1 Million Euro, um sich dann von „christlichen“ und „sozialen Demokraten“ vorwerfen zu lassen, sie wären faul und würden zu oft krank feiern. Und über Menschen in der sog. „Dritten Welt“, die für ein paar lausige Dollar am Tag schuften, wird in diesem „christlichen“ Land überhaupt nicht mehr geredet.

            Ein oder zwei „Superreiche“ können leicht höhere Steuern für „Superreiche“ fordern, weil sie wissen, dass das nicht eintreten wird, weil die anderen „Superreichen“ den Hals nicht voll kriegen. Die Gier nach immer mehr Reichtum ist eine Sucht und das Problem bei Suchtkranken ist, dass sie es selbst nicht wahrhaben wollen. Es wäre Aufgabe der Politik, diese Sucht zu bekämpfen. Bekämpft werden von den meisten Politikern aber „faule“ Arbeitslose, „faule“ Kranke, „faule“ Rentner, „faule“ Migranten, „faule“ Asylbewerber und „faule“ Obdachlose und viele ander „Faulenzer“.

            1. Zustimmung in allen Punkten. Nur können die Dinge so sehr einer offensichtlichen, wie auch überprüfbaren Wahrheit entsprechen, wie sie nur wollen, sie kommen nicht an gegen Probaganda und massenhaft verbreitete Ignoranz.

              *Notwehr ist legal und ziviler Widerstand bleibt pazifistisch. Erst die eigene Zugehörigkeit zu einer bewaffneten, staatlichen Organisation würde den Angriff durch jemanden legitimieren, der selbst einer solchen Truppe angehört. Der Angriff auf einen Zivilisten bleibt ein Verbrechen.

  4. > Ketose ist eine Stoffwechselkrankheit,

    Nein, Ketose ist einfach eine andere Form von Stoffwechsel basierend auf Ketonkörpern.
    Viele Menschen versuchen darauf umzustellen, weil gesünder.

    1. Ein paarmal die Woche in eine Ketose zu kommen ist sicherlich nicht ungesund, gesünder ist allenfalls dieser Wechsel zwischen den Stoffwechsellagen als die Ketose selber. Im Artikel ist die Ketoazidose gemeint – wenn durch massiven Anfall von Ketonkörpern der Organismus derart übersäuert, dass daran gestorben werden kann.

      1. > Im Artikel ist die Ketoazidose gemeint

        Dann muss man auch so schreiben, so ists jedenfalls falsch.

        > Ein paarmal die Woche in eine Ketose zu kommen ist sicherlich nicht ungesund, gesünder ist allenfalls dieser Wechsel zwischen den Stoffwechsellagen als die Ketose selber.

        Nein. Gemeint war hier durchaus die dauerhafte Ketose.
        Natürlich behauptet jeder von sich die gesündeste Ernährung zu haben, das muss jeder für sich entscheiden.
        Aus meiner Sicht deutet zumindest einiges daraufhin das dauerhafte Ketose gesünder ist. Gibt u.a. Krankenhäuser und Ärzte die das explizit zur Heilung einsetzen.

  5. Gut gelaufen und ich kenne einige Höfe wo es ganz ähnlich war. Der Schlüssel dabei immer, die anscheinend funktionierende Partnerschaft oder Familie. Egal ob bio oder konventionell bewirtschaftet.
    Manchmal gehören die Dinge aber auch zusammen. Wenn zu einem Milchbetrieb alle zwei Wochen der Abdecker kommen muss, hat die Freundin irgendwann keine Lust mehr, sich das länger anzuschauen. Ein Rückweg zur Weidewirtschaft, wie in dem beschriebeneb Beispiel ist oftmals über Jahrzehnte verbaut. Die Äcker wurden beliehen, um die Investition in eine vermeindlich konkurrenzfähige Milcherzeugung tätigen zu können. Durch den dann geringeren Grundstückswert wäre der Betrieb mit einer Umwandlung in Grünland auf der Stelle pleite.

  6. Ein großes Problem scheint ja auch der Vater des Bauern zu sein, der seinen Sohn offenbar mit der Pacht abzocken wollte, anstatt ihm den Hof zu übergeben.

    Es wundert mich wirklich nicht, dass die Boomer-Generation so ein schlechtes Image hat.

    Mein Mann ist Boomer, ich gerade nicht mehr, aber auch wir sehen im Bekannten- und Freundeskreis Leute auf ihrem Geld hocken wie Dagobert auf seinem Geldspeicher. Was soll das?

    Unser erwachsener Sohn muss nicht warten, bis wir mal das Zeitliche segnen, der profitiert jetzt schon ganz massiv, weil wir wollen, dass es ihm gut geht und nicht, dass er vor uns katzbuckelt. Ich finde das machtmissbräuchlich!

    Und ich finde es wirklich zum Kotzen, dass die innerfamiläre Solidarität irgendwie bei vielen verschwunden ist. Früher hat man einen Hof übergeben und ist ins Austragsstüberl gezogen. Und jetzt presst man seinen Sohn so aus, dass der mit dem Strick in den Speicher geht und sich nur durch einen glücklichen Zufall nicht aufhängt?

    Ich verstehe es nicht im Ansatz. Ich kann es nichtmal nachvollziehen. Meint dieser Vater, er könne irgendwas mitnehmen in Jenseits? Normalerweise will man doch sehen, dass das eigene Kind seinen Weg macht und ihm nicht noch Steine in den Weg legen. Ich möchte ja fast wetten, dass der Vater seinen Hof beizeiten überschrieben bekommen hat, weil das nämlich früher so üblich war.

    Mich kotzt die Generation Ego-Boomer so an, dass ich mich gar nicht mehr über die Okay-Boomer-Kommentare aufregen kann, weil es halt einfach häufig stimmt. Muss das schön sein, seinen erwachsenen Sohn so zu gängeln, dass der ernsthaft an Selbstmord denkt. Himmelarschundzwirnnochmal!

    1. Sehr enttäuschend, dass du die Hetze der Generation aufeinander mitmachst. Vielleicht ist dir bekannt, dass wer alt ist und kein Geld hat, in dieser Gesellschaft die Arschkarte gezogen hat. Das auf die Charakterschiene herunterzubrechen – böse „Ego-Boomer“ – ist nicht gerade analytisch. Nicht die pösen Menschen sind schuld am Verschwinden der familiären Solidarität, sondern die gesellschaftlichen Verhältnisse stellen wie schon immer die Familienmitglieder gegeneinander.

  7. Oh ha, auch gegen den Schwindel mit „Bio-Produkten“, darf man sich hier nicht äußern.
    Mein harmloser Kommentar auf den von DIRTY OPARATING SYSTEM hat die
    Freigabe nicht überlebt. Die Grünen scheinen immer noch stark beim Verfassungsschutz
    vertzreten zu sein. Muß man jetzt auch schon den Bademantel bereit halten, wenn man
    sich den Biomüll nicht leisten kann?

    1. Seit Jahren kaufe ich beim Bioschlachter. Der Grund für den Umstieg war ein konventionelles Stück Speck, das ich für Bratkartoffeln auslassen wollte. Statt Speckgrieben und Schmalz bekam ich ein wässriges Fett-Wassergemisch auf dem eine dünne, braue Fettschicht blakte. Von Seckgrieben keine Spur.

      Dieser Anblick hat mich geheilt. Ich kaufe so einen Dreck nicht mehr. Und ja, es ist ein wenig teurer und ein Krösus bin ich auch nicht. Aber dann esse ich einfach weniger, Hauptsache es schmeckt.

    2. Seit Jahren kaufe ich beim Bioschlachter. Der Grund für den Umstieg war ein konventionelles Stück Speck, das ich für Bratkartoffeln auslassen wollte. Statt Speckgrieben und Schmalz bekam ich ein wässriges Fett-Wassergemisch auf dem eine dünne, braue Fettschicht blakte. Von Seckgrieben keine Spur.

      Dieser Anblick hat mich geheilt. Ich kaufe so einen Dreck nicht mehr. Und ja, es ist ein wenig teurer und ein Krösus bin ich auch nicht. Aber dann esse ich einfach weniger, Hauptsache es schmeckt.

      1. Schön für Dich.
        Ob ‚bio‘ oder ‚konventionell‘, Fleisch, Milchprodukte, frisches Obst und Gemüse kann ich mir normalerweise nicht leisten.
        Letzteres hat in der Regel viel zuwenig Kalorien / € und kaum Protein.
        Ca. zweimal im Monat leiste ich mir einen Joghurt, der Rest sind Hülsenfrüchte, Getreideprodukte, selten Kartoffel (kosten zuviel Energie beim Kochen). Ab und an Heringskonserven oder Thunfisch bzw genauer gesagt Katsuwonus, echter Thunfisch ist ja quasi ausgerottet. Dazu raffinierter Zucker der recht günstig Kalorien liefert, manchmal pflanzlicher Milchersatz, wenn er günstig ist, manchmal Eier aus Massentierhaltung.
        Also wenn man sich beschwert dass der Speck a bisl Wasser lässt hat man vermutlich sonst keine reellen Sorgen und hat ein wenig den Kontakt zur Realität verloren.

  8. Erst gibt es keine Freigabe für einen harmlosen Kommentar, jetzt wartet meine Kritik
    daran auf Moderation. Aus meinem Bekanntenkreis haben alle Overton aufgegeben.
    Es hat wirklich keinen Zweck hier noch Zeit zu verschwenden.

  9. „Nicht nur, weil ihre Höfe dem sogenannten Strukturwandel zum Opfer fallen, nicht nur, weil sie Opfer ihres Umgangs mit Pestiziden werden, Krebs bekommen oder Parkinson;…“

    Solche Aussagen halte ich für ein Märchen. So etwas kann nur aus der Feder einer Person stammen, die sich die Berufsbezeichnung Journalist gegeben hat und passen daher optimal in die Tätigkeit der heutigen Journalistenbranche. Wo ist der realistische und ehrliche Beleg, dass Landwirte häufiger an Krebs und Parkinson erkranken, als Journalisten und andere Personen?

  10. So ganz kann man das Politische nicht draußen lassen. Es gab massive Bauernproteste gegen eine Dieselpreiserhöhung, die Minister Özdemir gar nicht wollte. Diesen muss ich hier ausnahmsweise verteidigen, denn was er vorhatte war einsichtig und mit Augenmaß. Aber inzwischen ist das alles wieder weg, auch in Brüssel. Die Bauern selbst sind es ja nicht unbedingt, aber auf ihre Proteste setzen sich immer Rechtspopulisten und Rechtsextreme obendrauf.
    https://taz.de/Unterwanderung-der-Bauernproteste/!6045310/

    Und deren Absicht ist klar. Kein Bio, Massentierhaltung, Pestizid und Hochleistungskühe.

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