Alles Essen!

Rübensalat mit Radieschen und Birne.
Rübenblattsalat mit Radieschen und Birne. Rübenblattsalat? Was ist das denn? Das ist ein wohlschmeckendes Ergebnis des kulinariuschen Versuchs, die Lebensmittelabfälle deutlich zu reduzieren. | Foto: Mani Bakhshpour

Weltweit landet ein Drittel der Lebensmittel im Müll. In Deutschland sind es nach einer Studie des bundeseigenen Thünen-Instituts zwölf Millionen Tonnen jährlich. Das meiste davon wird in den Privathaushalten weggeworfen: 52 Prozent, 75 Kilogramm pro Person.

Abgesehen von der ungleichen Verteilung der Lebensmittel, die jederzeit für Hunger in den ärmeren Teilen der Welt sorgt, könnten wir auch mit einem Drittel weniger Produktion noch gut leben. Wenn wir die Verschwendung beenden würden. Und bei diesen ganzen erschreckenden Zahlen ist all das noch nicht einmal mitgerechnet, was für uns gewissermaßen „geborener“ Abfall ist: Was am Gemüse weggeschnitten wird, oder auch am geschlachteten Tier.

Und um genau das soll es hier jetzt gehen: Um das, was wir wegwerfen, obwohl wir es auch essen könnten. Zum Teil halten wir es nur für Abfall, weil wir nicht wissen, was wir damit alles anfangen könnten. Zum Teil ist das Wissen darüber auch nur verloren gegangen. Mit unseren Großeltern und Urgroßeltern ins Grab gewandert, von Fast-Food untergepflügt. Das zu ändern sind schon vor längerer Zeit Köche aufgebrochen und haben zuerst gefordert, die ganzen Tiere zu essen, also die Schlachtabfälle zu reduzieren. Dann kamen sie auf die Idee, diese Forderung auch aufs Gemüse auszuweiten.

Nose to Tail

Seite aus dem bekannten Kochbuch "Nose to Tail".
Fergus Hendersons Kultbuch „Nose to Tail“ ist keines der üblichen Kochbücher. Ja, es gibt Rezepte und auch Food-Fotos. Daneben aber läuft der Koch schon mal mit Hund und Zigarre durchs Gelände und empfiehlt „Scharfe Nierchen mit Black Velvet“ als „perfektes Geburtstagsfrühstück“. | Foto: Florian Schwinn

Vor Kurzem habe ich in dieser Kolumne angekündigt, mich noch einmal um diesen besonderen Weg zu kümmern, der Lebensmittelverschwendung Einhalt zu gebieten. Einfach alles essen und möglichst nichts übriglassen ist die genial einfache Idee, die seit einiger Zeit mit hippen Begriffen belegt wird.

Angefangen hat es damit, dass der britische Starkoch Fergus Henderson 1999 sein erstes Buch zur Komplettverwertung von Tieren herausbrachte. Wobei, vielleicht war er damals noch kein Starkoch und wurde das erst durch dieses Buch: Nose to Tail Eating: A Kind of British Cooking. Abgesehen davon, dass uns Festlandeuropäer „A Kind of British Cooking” womöglich eher abschreckt, hat das Buch sich durchgesetzt. Eine erweiterte Auflage erschien bei Bloomsbury 2012, die deutsche Übersetzung beim Schweizer Echtzeit Verlag 2015.

Leaf to Root

Seite aus einem Kochbuch.
Nochmal Radieschen im Salat, diesmal aber mitsamt der Blätter, die normalerweise bestenfalls im Kompost landen. Doppelseite aus dem Kochbuch „Leaf to Root“. | Foto. Florian Schwinn

Und natürlich kam dann auch alsbald die Entsprechung fürs Gemüse. Weil der Titel beim Tier ein englischer war, musste es der fürs Gemüse natürlich auch sein: Leaf to Root. Gemüse essen vom Blatt bis zur Wurzel. Diesmal ist das Original eine deutsch-schweizerische Zusammenarbeit von einem Team aus Journalistin, Fotograf und Koch.

Justin Henderson stellt auf der Rückseite des Buches seine Philosophie vor, indem er uns sagt, „dass es dem Tier gegenüber unanständig wäre, es nicht von Kopf bis Fuß zu verwerten; es hält auch jenseits des Filets etliche nahrhafte Leckerbissen und Gaumenfreuden für uns bereit.“ Und Esther Kern, Sylvan Müller und Pascal Haag fragen uns: „Warum essen wir Karottengrün nicht? Wieso ist die Schale der Wassermelone in den USA eine klassische Zutat, während sie in Europa im Abfall landet? Weshalb gilt Tomatengrün als giftig, wird aber von Köchen trotzdem verarbeitet?“

Und wenn einige von uns jetzt ein wenig zurückzucken: Wie, soll ich etwa Innereien essen? Wie, Tomatengrün ist aber doch giftig – Nachtschattengewächs! Dann hat Fergus Henderson einen Tipp: „Haben Sie keine Angst vor dem Kochen – die Zutaten würden das merken und sich entsprechend danebenbenehmen.“

Trend

Auf das Thema aufmerksam geworden bin ich vor vielen Jahren beim Lesen. Das Buch war Tierisch gut. Darin beschrieb der inzwischen verstorbene Gründer der Hermannsdorfer Landwerkstätten, Karl Ludwig Schweisfurth, wie er auf Besuch in den USA zum Steakessen eingeladen war. Und dann aß er all das mit, was die Gastgeber wegschnitten und beiseitelegten. Dem armen Deutschen von Übersee wurde dann bedeutet, dass man das hier in den USA nicht mitessen müsse. Es gäbe genug Steaks als Nachschub. Der Mann hat Herta-Wurst, die größte Wurstfabrik Europas, verkauft, um das Geld in eine tiergerechte Haltung von Nutztieren zu investieren und zu zeigen, dass so etwas funktioniert. Er sagte damals: Ich habe einen Vertrag mit den Tieren. Es soll von ihnen nichts umkommen.

Wieder begegnet ist mir das Thema dann immer wieder. Zuerst, als es um unsere Haltung zu den Tieren ging, die wir halten, um Lebensmittel zu erzeugen. Zuletzt, als es um die Betriebe ging, die sich wirklich um das Tierwohl verdient machen.

Die regionale Biomarktkette Landwege in Lübeck hat den ihr genossenschaftlich angeschlossenen Höfen versprochen, die ganzen Tiere abzunehmen und zu vermarkten. Also musste sich der Biomarkt eine eigene Großküche zulegen, in der jetzt auch Knochen ausgekocht und Brühen eingekocht werden. Der Biolandbetrieb Bunde Wischen, der mit Landwirtschaft Naturschutz betreibt, hat von Anfang an versucht, alles von den geschlachteten Tieren zu vermarkten. Und das ist inzwischen auch gelungen. Der Care-Caterer Procuratio kauft Produkte aus nachhaltiger Landwirtschaft und bindet sie in seine Großküchen für Krankenhäuser und Altenheime ein. Indem er Nose to Tail und Leaf to Root Rezepte entwickelt, kann er dem Kostendruck standhalten. Die größere Verwertungstiefe macht es möglich, bessere Lebensmittelqualität einzukaufen.

Rezepte

Foto von Mani Bakhshpour.
In der Küche: Mani Bakhshpour, Filmemacher und Großküchenberater bringt auch Verbraucherinnen und Verbrauchern bei, das bislang ungenutzte ins tägliche Kochen zu integrieren. | Foto: privat

An dieser Stelle kommt Mani Bakhshpour ins Spiel. Der gebürtige Iraner ist eigentlich Filmemacher, seit Jahren aber schon unterwegs in der Food-Szene. Ebenfalls schon länger gibt er Kochkurse. Wobei er selbst dann, wenn es um mediterrane Küche geht, Zutaten aus Deutschland verwendet, also die Regionalität hochhält.

Angefangen hat das, weil er mehrere Filme übers Essen, über Lebensmittel, über Küche, Köche und Kochen gemacht hat. Dann wurde er selbst zum Koch. Und nun zum Berater von Unternehmen, die ihre Kantine nachhaltiger ausrichten wollen, oder von Caterern wie Procuratio, die mehr Nachhaltigkeit in die Außer-Haus-Verpflegung bringen wollen.

Ihn habe ich gebeten, uns ein paar seiner Rezepte zur Verfügung zu stellen, die einerseits eher ungewöhnliche Teile vom Tier verwenden, und andererseits alles vom Gemüse. So kam es zu der kleinen Auswahl von Rezepten, die hier folgt.

Viel Spaß beim Kochen und Guten Appetit!

 


Secreto

Das Secreto vom Schwein heißt auf Deutsch auch Geheimes Filet. Dabei handelt es sich um ein Muskelstück, das sich im Bereich zwischen Rücken und Lendenspeck befindet. Es ist grobfaserig und erinnert von der Form her an einen Fächer. Wenn das Schwein draußen gelebt hat und möglichst einer robusten Rasse angehörte, ist das Secreto von feinen Fettäderchen durchzogen, die für eine intensive Marmorierung sorgen. Das verspricht ein intensives Geschmackserlebnis. Von außen wirkt das Secreto wie ein Stück Fett. Auch deshalb landet es oft im Schlachtabfall. Wenn man allerdings längs durch das Fleisch schneidet, sieht man die feine Marmorierung. Deshalb Secreto.

Dass das eigentlich ein Gourmet-Stück ist, bedeutet noch nicht, dass die Metzger das auch wertschätzen und anbieten. Also fragen, falls man noch einen richtigen Schlachter in der Nähe hat. Wenn er jemanden kennt, der es haben möchte, landet es beim nächsten Mal vielleicht nicht im Schlachtabfall. Es gibt allerdings auch eine Secreto-Gemeinde. Grillfans kennen das Stück und man kann es auch im Netz bestellen. Aber das war ja eigentlich nicht die Idee der Nachhaltigkeit.


Secreto vom Eichelschwein mit Bio-Kartoffelstampf und Bio-Kartoffelschalenchips, dazu zwei verschiedene Tsatsiki

Zutaten für 4 Personen:

700 g Secreto
1 Knoblauchzehe
1 Zweig Rosmarin
2 EL Rapsöl und Öl zum Braten
700 g Kartoffeln
40 g Butter
100 ml Milch
Salz

Secreto

Das Secreto auf Zimmertemperatur bringen. Rosmarin hacken und das Secreto damit und mit dem Öl einreiben. Knoblauchzehe halbieren und beiseitelegen. Eine schwere Pfanne erhitzen, etwas Öl hineingeben und das Secreto etwa drei bis vier Minuten auf jeder Seite anbraten. Dabei aufpassen, dass es nicht verbrennt. Die Knoblauchzehe dazu geben und das Secreto noch vier Minuten im Öl schwenken.

Das Secreto aus der Pfanne nehmen und auf einem warmen Teller fünf Minuten ruhen lassen und dann mit Stampf, den Chips und Zaziki servieren.

Gutes, frisches Secreto kann man medium essen.


Bio-Kartoffelschalenchips

Bei den Kartoffeln darauf achten, dass sie Bio sind und dass sie nicht grün sind oder Sprossen gebildet haben, sonst kann man die Schale nicht mitessen.

Den Backofen auf 190 Grad vorheizen.

Die Kartoffeln gut waschen und schälen. Die Schalen in eine Schüssel geben und gut mit Öl und Salz mischen.

Das Backblech mit Backpapier auslegen und die Schalen darauf verteilen.

So lange backen, bis sie knusprig sind.


Kartoffelstampf

Butter und Milch auf Zimmertemperatur bringen. Die geschälten Kartoffeln in Stücke schneiden und in einen Topf geben.

Mit Wasser füllen, so dass die Kartoffeln gerade bedeckt sind. Das Wasser salzen und die Kartoffeln weichkochen. Etwas abkühlen lassen und mit einem Kartoffelstampfer im Topf zerstampfen.

Butter und Milch in den Topf und bei mittlerer Hitze kurz erwärmen. Mit Salz abschmecken und zum Secreto servieren.


Zur Auswahl zwei verschiedene Tsatsiki dazu:

Fenchel-Tsatsiki

Zutaten für 4 Personen:

200 g Joghurt
1 Fenchelknolle mit Fenchelgrün
1/2 Knoblauchzehe
Salz

Fenchelknolle gut waschen. Dann die Fenchelspitzen (Fenchelgrün) zupfen und hacken. Die Knolle in feine Scheiben schneiden und unter den Joghurt heben. Knoblauchzehe fein reiben, hinzufügen und umrühren. Mit Salz abschmecken und mit Fenchelgrün garnieren.


Rote-Bete-Tsatsiki

Zutaten für 4 Personen:

200 g Joghurt
1 Rote Bete Knolle mit Strünken und Blättern
1/2 Knoblauchzehe
Salz und Pfeffer

Rote Bete gut waschen. Die Blätter abzupfen und die Strünke abschneiden. Rote Bete ungeschält bissfest kochen. In der Zwischenzeit die Strünke in kleine Stücke schneiden und die Blätter fein hacken. Die gekochte Rote Bete mit Schale klein würfeln und in den Joghurt mischen.

Knoblauchzehe hinzufügen und umrühren. Die Strünke unterheben und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die gehackten Blätter zum Garnieren verwenden.


Onglet

Das Onglet heißt auf Deutsch Nierenzapfen oder Herzzapfen, auf Englisch Hanging Tender. Es ist das Lendenteil des Zwerchfells beim Rind. Seit es Metzger gibt, die sich dem Nose-to-Tail-Trend verschrieben haben, wird es auch wieder angeboten.

Onglet mit Püree.
So sieht das am Ende aus: das Onglet mit Püree. | Foto: Mani Bakhshpour

Onglet-Steak vom Rind mit Blumenkohlpüree, Blumenkohlblatt-Chimichurri-Soße und Blumenkohlblattchip

Zutaten für 4 Personen:

700g Onglet (Nierenzapfen, Hanging Tender)
1 Blumenkohl mit Blättern
1 Knoblauchzehe
1 kleine leicht scharfe Chilischote
1 Bund Petersilie
2 TL Thymianblätter
2 EL Butter
4 TL Butterschmalz
80 ml Rapsöl und 4 EL Rapsöl
Salz


Onglet

Mit einem scharfen Messer grobe Sehnen vom Onglet entfernen – vor allem die große Mittelsehne. Dann in vier gleichgroße Stücke teilen und diese mit der Unterseite eines kleinen Topfes leicht platt klopfen bis die Steaks etwa zwei Zentimeter dick sind. Wenn das Onglet Zimmertemperatur erreicht hat, eine Pfanne erhitzen.

Dann das Onlget mit Butterschmalz einreiben und salzen und in der heißen Pfanne für etwa drei Minuten auf jeder Seite braten.

Anschließend aus der Pfanne nehmen und auf einem Holzbrett für 5 Minuten ruhen lassen, bevor man das Fleisch anschneidet.

Mit Püree und Chimichurri-Soße servieren.


Blumenkohlpüree

Den Blumenkohl waschen, die Blätter entfernen und für die Soße aufbewahren. Den Blumenkohl kleinschneiden und in einen Topf geben. Diesen mit Wasser füllen, bis die Blumenkohlstücke gerade mit Wasser bedeckt sind.   Bei mittlerer Hitze kochen, bis der Blumenkohl weich ist. Das Wasser abgießen und den Blumenkohl in dem Topf leicht abkühlen lassen. Dann Butter und die 4 Esslöffel Rapsöl dazu geben und mit einem Pürierstab gut pürieren. Mit Salz abschmecken.


Blumenkohlblatt-Chimichurri-Soße

Den Knoblauch fein würfeln.

Thymian, Petersilie samt Stielen und die Blumenkohlblätter gut waschen und zusammen mit dem Knoblauch und 80 ml Rapsöl in einem Mixer pürieren. Mit Salz abschmecken und zum Steak und dem Püree servieren.

 


Gemüseblattchips

Blumenkohlblätter (oder andere Blätter wie zum Beispiel Kohlrabiblätter, Radieschenblätter, Rübenblätter, Kohlblätter, Rote oder Gelbe Bete-Blätter, Brokkoliblätter, Kürbisblätter)
Rapsöl
Salz

 

Den Backofen auf 150 Grad vorheizen.

Blätter gut waschen und abtrocknen. Dann mit Öl einreiben und gut salzen. Alternativ kann man die Blätter zusätzlich mit einer Gewürzmischung einreiben.

Die Blätter so lange backen, bis sie knusprig sind. Ofen ausschalten und die Blätter im halboffenen Ofen abkühlen lassen

Je nach Dicke der Blätter unterscheiden sich die Backzeiten.

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21 Kommentare

  1. Weil alle Lebensmittel langsam heran wachsen, sollte man sie auch langsam essen und dabei möglichst sitzen.
    Alles um dieses Thema regelt sich dann auf ganz natürliche Art und Weise von allein.

  2. Guten Appetit,

    Formfleisch und Fleischbrät enthält alles vom Tier. Zu den tierischen Nebenprodukten, die häufig in kommerziell zubereitetem Hundefutter vorkommen, gehören Fleischreste, gemahlene Knochen, Haut, Organe und beschädigte Tierteile.

    Freibank, Arme-Leute-Festessen, und Rumford-Suppe;
    Ja die guten alten Zeiten kommen endlich Zurück 👍

    Ihr werdet nichts mehr besitzen und Glücklich sein!

  3. Ich hab gestern eine Hühnersuppe gemacht. Also Hähnchen mit Suppengrün kochen, dazu Reis.
    Und ich muss die Studie bestätigen. Ich habe gestern eine Hühnersuppe gekocht. Das Hähnchen hat zum Beispiel 1.3 Kilo gewogen, aber alle Knochen und auch die Haut habe ich weggeworfen, nur die Hälfte des Hähnchens hab ich gegessen.
    Gemäß des Rezepts braucht es zweimal Suppengrün. Die erste Portion Suppengrün wird mehrere Stunden lang ausgekocht (zusammen mit den Knochen und der Haut), aber komplett weggeworfen, nur die Brühe bleibt übrig.

    Zur Suppe gab es Brot. Oder sollte es geben. Dummerweise war das Brot schon nach nur drei Tagen verschimmelt.

    Ich überlege nun Knochen, Haut und verschimmeltes Brot an den Autor zu schicken. Solange bis er versteht, dass beim Selberkochen zwangsweise erhebliche Teile der gekauften Lebensmittel im Müll landen.

    1. Wer kauft sich schon, für sich allein, einen 1,3 kg Gockel, um daraus mühsam und aufwendig eine Brühe zu kochen?
      Das ist ja genau so bescheuert, als wenn man sich einen großen Bus kauft, um damit sein Kind zur Schule zu karren.

      1. Eine Suppe. Die Brühe ist die Basis. Und die Suppe reicht für vier Tage. Abgesehen davon ist es egal, wer die Suppe kocht. Bei jedem bleiben Knochen und Haut übrig. Wer kocht, bei dem gehen rund 1/3 des Gekauften als Abfall in den Müll. Stichwort Kartoffelschalen, holzige Teile von Kohlrabi, das Grün von Möhren, …

        Die Studie des Autors ist wertlos.

    2. Sehr richtig! Ich schätze die Artikel von Herrn Schwinn im Wesentlichen, das eine oder andere Rezept werde ich gerne ausprobieren, danke dafür, aber seriös wäre gewesen, sich die Studie einmal genauer anzuschauen. Da ist von 6,5 Mio t LebensmittelABFÄLLEN die Rede, das wird dann durch 83,2 Mio Einwohner geteilt, und die Nachricht lautet dann, pro Kopf würden 78 kg LEBENSMITTEL weggeworfen.

      Das klingt dann so:

      „Der Großteil der Lebensmittelabfälle entsteht mit 59 Prozent (6,5 Mio. Tonnen) in privaten Haushalten, dazu gehören neben übrig gebliebenen Speiseresten z. B. auch Nuss- und Obstschalen sowie Knochen.
      Jeder Verbraucher und jede Verbraucherin wirft demnach etwa 78 Kilogramm Lebensmittel [sic!] im Jahr weg.“

      Es handelt sich aber eben nicht um Lebensmittel, sondern Lebensmittelabfälle! Nussschalen, Knochen, Kaffeesatz, holzige und sonstige ungenießbare Gemüseabfälle, sind beim besten Willen keine Lebensmittel! Da sind ja die Löwenzahnblätter und Gänseblümchen im Rasenschnitt noch nahrhafter! Das ganze dient nur dem Herbeireden einer in Privathaushalten angeblich grassierenden, aber in Wahrheit so nicht vorhandenen Lebensmittelverschwendung und dem Ablenken davon, dass es sich beim Hunger in der Welt um ein Verteilungsproblem handelt, und darum, dass westliche Großkonzerne lokalen Kleinbauern in Entwicklungsländern die Existenz zerstören.

      Dadurch wird dann aber auch Schwinns Schlussfolgerung falsch, wir könnten auch mit einem Drittel weniger Produktion gut leben!!! Früher wurde kritisiert, dass Supermärkte noch genießbare Lebensmittel wegwerfen und es Leuten verbieten, diese aus den Containern zu holen. Ebenso wurde die Überproduktion mittels Subventionen und anschließende Vernichtung von Obst und Milch kritisiert. Nun wird medial auf die Privathaushalte gezielt, und um das zu rechtfertigen, werden die Daten gefaked, und ungeniessbare Abfälle zu Lebensmitteln umdefiniert.

      Durch die Studie wird übrigens obendrein der Eindruck erweckt, der Durchschnittsbürger könne auch mit einem Drittel weniger Geld für Lebensmittel auskommen, er müsse sich nur besser organisieren und nicht so viel verschwenden. Oder sogar noch weniger. Denn wenn ich und all die anderen „Vernünftigen“ kaum Lebensmittel wegwerfen und mit den Blättern der Bioradieschen noch ihr Biosteak garnieren, dem wir politisch korrekt eine feine Bio-Nierchensuppe voranstellen, dann müssen die anderen ja viel mehr wegwerfen, damit wir auf die durchschnittlich 78 Kg kommen. Oder?

      1. Oh mein Gott, es ist noch schlimmer als ich dachte. Seine Bioabfälle sollte man am besten aufteilen und vor der UNO, der EU, der Bundesregierung und dem Umweltbundesamt abladen. Die wollen uns nämlich gemeinsam dazu anhalten, unsere Bananenschalen, Hühnergerippe, Eierschalen, Kaffeesatz und Paprikastrünke, die sie als „Lebensmittelverschwendung“ bezeichnen, bis 2030 zu halbieren.
        https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2022/90-lebensmittelabfaelle.html
        Auf der Grundlage der grob irreführenden Daten des Thünen-Instituts fantasieren sie eine Lebensmittelverschwendung von dreißig Prozent:
        https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/essen-trinken/lebensmittelverschwendung-vermeiden#gewusst-wie
        Mindestens alle vier Jahre müssen die EU-Mitgliedstaaten jetzt eine gründliche Messung der „Lebensmittelabfälle“ vornehmen. Insbesondere sollen „Bürgerinnen und Bürger aufgefordert werden, [… ] die Umsetzung ihrer Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung zu überwachen und zu bewerten.“
        Da kommen dann wieder Überwachung via Apps, etc. ins Spiel…
        Lehrer sollen die Schüler Tagebuch über weggeworfene Lebensmittel führen lassen, etc… So treibt man der Jugend echtes, sinnvolles Engagement für Ökologie und eine gerechte Welt aus, bzw. lenkt sie mit Erbsenzählen ab. Am Ende wird mancher vermutlich lieber knochenfreie Chicken-Nuggets kaufen, statt Suppenhuhn, um seine „Lebensmittelabfälle“ (Hühnergerippe) zu reduzieren.

  4. Vorweggenommen: Die Herstellung gut verdaulicher und gesunder Mahlzeiten ist eine Technik. Echte Männer neigen heutzutage dazu, Messer als Waffe zu betrachten und nicht als Werkzeuge, die – von geschulten Händen leidlich gefahrlos benutzt – helfen die Versorgung eines Einzelnen, einer Gruppe/Familie/Belegschaft… zu gewährleisten.
    Zu „Wer kauft sich schon…“ und “ ausgekocht und wird weggeworfen“das folgende:
    Der Sinn des „Auskochens“ ist, die Überführung der Nährstoffe von Pflanzen und Tieren in einen leichter verdaulichen Zustand. Was weggeworfen wird, ist – wenn man kochen kann – tatsächlich ausgekocht und evt. auf dem Kompost noch brauchbar als mineralische Ergänzung. Zu nichts sonst. Es ist der nährstofffreie Rest. Es gibt archäologische Hinweise darauf, dass die Zunahme des Großhirns in der Evolution u. a. der Möglichkeit zu verdanken war, dass Gegartes leichter aufzuschließen war als tierische Rohware. Brot mit Fett oder Öl könnte überall auf der Welt Hungernde vor dem Verderben retten. Auch wenn damit saisonale Mangelkrankheiten nicht unbedingt beseitigt sind.
    Ein ordentlicher Gockel hat 1,5 bis 2 kg. Für meinen letzten habe ich vor 2 Wochen auf dem Markt 20 € (1,8 kg) bezahlt. Nach Küchenarbeit: 2 große gebratene/gegrillte Keulen; 4 Portionen Curry-Fricassee mit Ananas, 2 l Brühe mit Kleinfleisch inkl. Leber/Herz… . Ergibt entweder 6 reichlich gefüllte Teller für Nudelsuppe mit Huhn, ohne Fleisch hervorrragend geeignet als Krankenkost. Man muss dann die Appetitlsoigkeit und empfundene Schwächlichkeit bei einer saisonalen Erkältung nicht so wahnsinnig ernst nehmen!
    Wer meint, in der Mittagspause oder am Abend mit den Sandwiches von der Tanke besser bedient zu sein, kann entweder nicht rechnen oder nicht kochen. Meine Großmutter und meine Mutter waren emanziperte berufstätige Frauen. Ich bin es und meine Tochter ist es auch. Weil meine Tochter kochen kann, ist der Entscheidungsspielraum, ob sie sich weiterhin an ihrem Arbeitsplatz terrorisieren lassen muss, für sie relativ groß. Dass meiner Enkelin die Möglichkeit beschieden sein wird, eine emanzipierte Frau zu werden, scheint im Moment etwas zweifelhaft zu sein. Auch bei Inflation – vielleicht gerade dann – ist jede selbst erbrachte Arbeit Geld wert. U. u. viel Geld.
    Eine schnelle Margherita für 2 Personen habe ich gerade billigst möglich mit Lieferdienst für 8,80 € gefunden. 8 * 4,40= 35,20 . Von Unterschieden in Sachen Abwechslung/Vielfalt, Geschmack und Qualität gar nicht zu reden.
    Nach einem Arbeitsplätzchen mit 15 € netto kann man in meiner Gegend lange suchen. Vom Brutto kann man die Margherita ja nicht bezahlen.
    Die Frage lautet nicht, wieviel Geld man verdienen muss, um grenzenlos dumm und untüchtig sein zu können. Die Frage lautet heute: Warum kommen manche mit ihrer Yacht nicht in den New Yorker Hafen, obwohl sie nachweislich weder über eine gehobene Moral, höhere Geistesgaben noch praktische Geschicklichkeit verfügen. Sonst würden sie sich ja wenigstens das Segeln nicht nehmen lassen.
    Genau an dieser Stelle läuft es falsch! Und das nicht erst seit Putin.

  5. Ich mag die Beiträge von Schwinn, vor allem deshalb, weil ich zu vielen Dingen eine andere Meinung habe. Bei Lesen des aktuellen Beitrags, vor allem bei „Scharfe Nierchen mit Black Velvet“ als „perfektes Geburtstagsfrühstück“ fiel mir Ulysses ein. Dort wird im 4.Kapitel der eigentlich Protagonist Leopold Blum eingeführt, dessen kulinarische Vorlieben so beschrieben werden:

    Mr Leopold Bloom ate with relish the inner organs of beasts and fowls. He liked thick giblet soup, nutty gizzards, a stuffed roast heart, liverslices fried with crustcrumbs, fried hencods’ roes. Most of all he liked grilled mutton kidneys which gave to his palate a fine tang of faintly scented urine.

    Blooms erste Handlung nach der Morgentoilette ist ein Gang zum Fleischer um dort eine Schweineniere zu kaufen. Die bereitet er seiner zunächst noch schlafenden Ehefrau dann zum Frühstück zu.
    Ich selbst habe zwar noch nie in Butter gebratene Niere gefrühstückt, aber zumindest gab es in meiner Kindheit manchmal Nierenragout. Fand ich immer sehr lecker.

  6. Jetzt kommt alles auf den Tisch:

    Die nahrhaften Schalen der Kartoffeln vor dem Backen eines Gratins wegwerfen?
    Vor kommen wir denn da hin?

    In die apodiktische Hölle der Erbsenzähler, in der Kaffeefilter nicht nur einmal benutzt werden

    Es wird immer klarer, warum die Einwohner dieses Landes die Mauern um ihre Grundstücke immer höher gezogen haben.
    Da prallen Lebensentwürfe aufeinander. Jeder nach seiner Fasson war gestern.

    Damit lässt sich arbeiten.

  7. Es bleibt doch mal festzuhalten, dass die meisten Speisen nicht zu Hause und „selbst“ gekocht sind. Das meiste Essen wird in Mensen, Kantinen, Mc D oder ähnlich eingenommen. Oder bei den vielen Döner Schuppen. Zu Hause wird dann oft auch auf Pizzaservice oder Tiefkühlessen zurückgegriffen.
    Was bei der Produktion zu Müll wird, ist wohl der Lebensmittelzubereitung zuzuordnen. Wenn ich nicht Rentner wäre, weiß ich nicht, ob ich nach 10 Std. Arbeit noch Bock hätte abends zu kochen. Wenn, dann müsste ich als heutiger Vegetarier, sagen, ginge ein Steak mit Brot am schnellsten und war lecker.
    Was soll der Artikel jetzt sagen, dass die Bevölkerung für den Hunger der Welt verantwortlich ist wegen wegwerfen? Fehlen nur noch die breiten Ärsche, weil zu viel gegessen wird. Warum das so ist, soll nicht behandelt werden, dann fallen die Schuldigen weg, obwohl, kein Sommerloch. Es jedes Jahr mal wieder so ein Artikel. Er ändert nichts, zahlt nur Zeilenhonorar.

    1. Der Verarbeitungsgrad der Nahrungsmittel, die man zu sich nimmt, spielt eine gewisse Rolle und auch die Beimengung von Substanzen, die der Haltbarmachung dienen oder „angenehme“ Konsistenz oder Geschmack erzeugen. In aller Regel sind die Beigaben den automatisierten Verarbeitungsprozessen geschuldet, nicht den Notwendigkeiten menschlicher Ernährung. Deshalb ziehe ich eigenes, frisch Gekochtes vor. Letzten Endes muss jeder selbst entscheiden, was er seinem Körper zuführt und was nicht. Ob das jetzt Impfstoffe sind, Kräuterbutter, vegane Bratwürste, T-Bone-Steaks oder 1/2 Blech Mohnkuchen. In ländlichen Gebieten hat man bei uns gerne die Säuglinge an Mohn-Schnullern nuckeln lassen. Aber nicht (!) den Erstgeborenen, weil dessen Verstand für den Erhalt des Hofes eine gewisse Bedeutung hatte. Es gibt für sämtliche Lebensentscheidungen grundlegende Prioritäten.
      Stutzig macht mich gegenwärtig die Behauptung „je gesünder, desto teurer“. Die Mehrzahl der mit irgendwelchen Labels versehenen Produkte sind Bausteine einer Vermarktungsstrategie der Einzelhandelsketten und kein Hinweis auf reale Qualitätsunterschiede.
      Wo und wie Nahrungsmittel aufgenommen werden, ist zwar nicht belanglos (ruhige Atmosphäre, sitzend…), deine Unterscheidung der Orte sagt aber wenig. In einigen, wenigen Produktionsstätten werden täglich Millionen vorportionierter Mahlzeiten – auch diätkonforme – für Betriebskantinen, Krankenhäuser, Altenheime, Kindergärten… hergestellt, die am Bestimmungsort aufgewärmt werden oder über Stunden während des Transports warm gehalten. Aufwärmen und Warmhalten erfordert optimale hygienische Bedingungen – nicht allein bei den Produzenten, sondern in der ganzen Lieferkette und an den letzten Aufwärmestellen. Niedrige Temperaturen begünstigen die Vermehrung von Keimen, die eigentlich außer in „Reinräumen“ immer vorhanden sind.
      Der regionalen Presse nach, gab es in meiner Region im August etwa vierzig mehr oder weniger schwere Darmerkrankungen von Kindern in Kindertagesstätten des nahen Ballungsraumes, obwohl der Lieferant nachweislich einwandfreie Ware geliefert hatte. Gefunden wurden escherichia coli, die durchaus auch Folgen von „Eigenzüchtungen“ wegen ungenügender Hygiene in den Einrichtungen selbst sein können.
      Auch im Sektor Ernährung zeigt sich: Die Art und Weise, wie wir leben wird von den Zeitanforderungen und Profitinteressen der Ausbeuter bestimmt – ganz sicher nicht von Gesundheit, Genuss, oder Nachhaltigkeit. Florian Schwinn möchte daran etwas ändern. Deshalb halte ich seine Beiträge für wichtig. Man muss den Kapitalinteressen nicht allein eine Ideologie entggensetzen, sondern auch eine andere Praxis.

  8. Das ein Artikel notwendig ist, um den Bürgern mitzuteilen was man alles Essen darf, kann, soll, ist letztlich der Beweis inwieweit diese Gesellschaft indoktriniert IST. Es lebe die PR vom Steuerbüttel bezahlt.
    Nichts desto trotz, bei uns wird seit Jahr und Tag alles verzehrt, denn wir kochen gerne. Dort wo ich lebe dürfen die Menschen auch Hühner, Schweine, Ziegen auf ihrem Grundstück halten, nur so wegen den Essensreste…

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