Ein Nazi-Pantheon in Kiew

Statue of Stepan Bandera
Haidamac, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Ukraine als Mittel des deutschen Revanchismus.

Kiew plant ein nationales Pantheon – und will darin ausgerechnet Nazi-Kollaborateure wie Bandera und Melnyk ehren. Der Westen schaut weg, Polen reagiert empört, und Berlin schweigt. Doch das Projekt ist mehr als Geschichtspolitik: Es ist die geistige Mobilmachung für einen Revanchekrieg gegen Russland – mit deutscher Finanzierung und stiller Duldung. 

Von Heldenverehrung zur Nazi-Apotheose

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat der Rada einen Gesetzesentwurf für ein „nationales Pantheon“ vorgelegt. Vordergründig geht es darum, alle herausragenden Persönlichkeiten der Ukraine zu ehren. Doch bereits jetzt ist klar, dass Faschisten und Nazi-Kollaborateure wie Stepan Bandera und Andrij Melnyk fest in diese Glorifizierung einbezogen werden sollen. In Deutschland würde ein vergleichbares Projekt die Protagonisten des Völkermords an den europäischen Juden und den Völkern der Sowjetunion, Reinhard Heydrich und Heinrich Himmler, in eine institutionalisierte nationale Verehrung miteinschließen. Kiews Projekt eines Nazi-Pantheons bildet den Abschluss einer Reihe von Ehrungen durch Straßenbenennungen nach Antisemiten und Kriegsverbrechern, die mit der deutschen Wehrmacht bei deren kolonialem Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion kollaborierten.

Das geplante nationale Pantheon unter Einschluss der Nazi-Kollaborateure zeigt deutlich, dass sich die Führung der Ukraine von einer Revanche gegen Russland träumt. Doch nicht nur das: Die Ukrainische Aufständische Armee, in deren Tradition man sich mit der Personenauswahl des Pantheons stellt, ist auch für die Ermordung von 100.000 polnischen Zivilisten verantwortlich.

Der Westen stellt den Persilschein – Polen zieht die Notbremse

Vor diesem Hintergrund wachsen auch die Widersprüche im Westen, was die bedingungslose Unterstützung der Ukraine angeht. Während die EU-Kommission der Ukraine mit der Eröffnung von Beitrittsverhandlungen einen demokratischen Persilschein ausstellt, hat der polnische Präsident Karol Nawrocki dem ukrainischen Machthaber Selenskyj den polnischen Orden des Weißen Adlers entzogen, nachdem Selenskyj einer Spezialeinheit der ukrainischen Armee den Ehrennamen „Helden der UPA“ verliehen hatte. UPA – das ist die Abkürzung für die Ukrainische Aufständische Armee, die für antisemitische und antipolnische Massaker im Zweiten Weltkrieg steht.

Die Errichtung eines nationalen Pantheons in Kiew unter Einschluss der Nazi-Kollaborateure, die als eliminatorische Antisemiten auch für die Massaker an Polen verantwortlich zeichnen, dürfte die Spannungen weiter verschärfen. Immer deutlicher schält sich heraus, dass das, was einst als russisches Narrativ unter den Teppich gekehrt wurde, der prägende Teil der ukrainischen Geschichtspolitik ist: eine unheimliche Nazi-Apotheose. Die Idee des Pantheons ist es, die verstorbenen Kriegshelden der Vergangenheit für kommende Triumphzüge aufzuladen. Diese Idee macht sich die offizielle Geschichtspolitik nun zu eigen. Jede Kritik, wer denn da aufgenommen werde, wird brüsk als Einmischung in die inneren Angelegenheiten zurückgewiesen. Auch das Zerwürfnis mit Polen wird in Kauf genommen. 

Kriegsrisiko als deutsche Staatsräson

Warum? Die Ukraine kann sich auch der künftigen finanziellen Unterstützung sicher sein. Deutschland ist zum Hauptfinanzier des Regimes in Kiew mutiert, das sich durch ein Verbot von Oppositionsparteien und die Diskriminierung von Minderheiten auszeichnet. Ob Absicht oder nicht, der US-Stellvertreterkrieg in der Ukraine droht zum Krieg der NATO und EU mit deutscher Hegemonie gegen Russland zu werden. Die Entfesselung von Revanchismus und Nazi-Gedenken mag aus Washingtoner Sicht bloßer Kollateralschaden sein beim Versuch, Russland zu zerschlagen, wie Frau Kallas es einst als Kriegsziel ausplauderte. Frau Baerbock, die ihr in puncto – Herr Lehrer, ich weiß was – in nichts nachstand, sprach vom Ziel, „Russland zu ruinieren“. Für Europa aber bedeutet die Entfesselung des deutschen Revanchismus gegen Russland, wie die geistige Mobilisierung ihrer ukrainischen Hilfswilligen mittels eines Nazi-Pantheons, höchste Gefahr.

Bertolt Brecht schrieb einst im Hinblick auf die deutsche Wiederbewaffnung: „Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtig nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.“ Die Regierung Merz scheint zielsicher den dritten Krieg riskieren zu wollen. Die Ukraine und die Ukrainer sind ihr dabei bloßes Mittel. Folgerichtig ist aus Berlin keine Kritik am geplanten Nazi-Pantheon in Kiew zu vernehmen. Eine Schande.

Sevim Dagdelen

Sevim Dagdelen war von 2005 bis 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages. Die Politikerin ist außenpolitische Sprecherin der Gruppe „Bündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit“ (BSW) und war Obfrau im Auswärtigen Ausschuss. Die Abgeordnete war Mitglied in der Parlamentariergruppe USA, in der Deutsch-Chinesischen sowie Deutsch-Indischen Parlamentariergruppe. Sevim Dagdelen war viele Jahre Mitglied der Parlamentarischen Versammlung der NATO, in der Abgeordnete aus den Mitgliedsländern des Militärpakts über sicherheits- und verteidigungspolitische Themen beraten.
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6 Kommentare

  1. Die ukrainischen Nazis wissen, dass sie die Westeuropäer am Haken haben und führen sie nun am Nasenring vor. Die Europäer (die transatlantischen Demokraten) haben sich verrannt mit ihren ideologisch geprägten Narrativen und müssen nun in den sauren Apfel beißen um wenigsten halbwegs konsequent dazustehen. Sie können ja nicht plötzlich eine neue Zeitenwende zur alten vollführen, plötzlich wieder auf Diplomatie und Interessengeleitete Politik umschalten. Was würde dann aus ihren Werten werden? Lieber ein Don Quijote als ein Sancho Panza.

  2. Die übelsten Verbündeten der Nazis waren im Osten die ukrainische UPA und die kroatische Ustascha. Wer hier vom Aufarbeitungsweltmeister eine angemessene Distanz erwartet, hat es nicht kapiert. Schon mit dem Ustascha-Vertreter Tudjman verband den deutschen Außenminister Genscher eine tiefe Freundschaft. Er hat 1991 Jugoslawien in die Luft gesprengt, indem er Kroatien unter Tudjman anerkannte. Dass ein Krieg losgeht, wenn in Kroatien die Ustascha regiert, das konnte er wissen.
    Die Ukraine gab es da erst kurz, Kroatien in der Geschichte nur manchmal. Der Versuch, durch aggressiven Rassismus eine Identität zu schaffen, ist in beiden Ländern erkennbar. Kroatien hat die Tudjman-Zeit aufgearbeitet und sieht sie inzwischen sehr kritisch. Deutschland nicht.
    Diese Kriegsverbrecher, die da geehrt werden, sind für die 100.000 ermordeten Polen verantwortlich, die im Wolhynien-Massaker hingerichtet wurden. Die polnische Reaktion ist daher verständlich. In Berlin? Man versteht die Aufregung nicht.
    Dass das hier schwerstens nach einer Neuauflage des Unternehmens Barbarossa aussieht, stört sie nicht. Nicht die geringste Anstrengung, diesem Eindruck entgegen zu wirken.

  3. Eine Frage hat sich mir soeben gestellt, welche zwar nicht auf den Artikel abzielt, wohl aber zum Thema Russland:

    Da der Anti-Spiegel momentan nicht aufgerufen werden kann, suchte ich nach Infos in der Tass.
    Da landete ich bei der Suche unglücklicherweise zuerst bei folgender Webadresse:

    https://tass.news/

    Mittlerweile habe ich das korrigiert und zu der richtigen Webseite zurückgefunden; nämlich

    https://tass.ru/

    War eingangs mächtig erschrocken, was für einen verdrehten Mist ich zu sehen bekam…

    ❓❓❓Kennt jemand diese Seite (tass.news)? Von wem ist diese? Was wird damit bezweckt, beispielsweise Artikel zu lancieren, nach denen wieder von der Sowjet Union anstelle von Russland die Rede ist und von Gebietsstreitigkeiten mit China fabuliert wird? Das glauben zwar nur die Dummen, aber von denen haben wir ja bekanntlich mehr als genug…❓❓❓

    1. „Kennt jemand diese Seite (tass.news)? Von wem ist diese? Was wird damit bezweckt, “

      Diese „Telegrafenagentur der Sowjetunion“ -kurz TASS- gehört zum Konglomerat verschiedener Internet-Plattformen -auch bei YT sind sie aktiv- der russischen „Sowjets“. Es ist das russische Äquivalent zu den „Reichsbürgern“ in Deutschland. Die „Sowjets“ in RUS erkennen Russland nicht an, Russland sei nur eine westliche Firma, Putin ein West-Agent etc. Ähnliche Thesen vertreten die „Reichsbürger“ in Deutschland.

  4. Die werte Sevim Dagdelen hat recht ! Wie so auffallend oft!
    Frage: Hat Merz irgendwo schon einmal verlautbart oder verlautbaren lassen „ wie lange es dauern würde Berlin zu evakuieren“ !? Nur für den Ernstfall natürlich!

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