Deutsche Militärstrategie für einen Krieg gegen Russland

Carsten Breuer
Arlington National Cemetery, Public domain, via Wikimedia Commons


Während Bundeskanzler Friedrich Merz den USA eine fehlende Strategie im Angriffskrieg gegen den Iran vorwirft und sich dafür Spott von Trump einfängt, legt seine Regierung selbst eine Militärstrategie vor – mit Hybris, Geheimhaltung und dem erklärten Ziel, bis 2039 die stärkste konventionelle Armee Europas aufzubauen. Ein riskantes Spiel auf Kosten der Bevölkerung.

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte den USA im Hinblick auf den Krieg gegen den Iran eine fehlende Strategie vorgeworfen. „Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung“, so der Kanzler. Wie seine eigene Strategie gegenüber dem Iran aussehen würde, ließ Merz jedoch offen und erklärte lediglich apodiktisch: „Das militärische Nuklearprogramm sowie das Raketenprogramm Irans müssen überprüfbar beendet werden.“ Daraufhin zog er sich den Spott von US-Präsident Trump zu: „Er weiß nicht, wovon er redet.“ Merz’ Bemerkungen werfen ein Schlaglicht darauf, dass er nun alles ist, aber kein Stratege – schon gar kein Militärstratege.

Tönerne Füße der neuen Militärstrategie

Die Hybris Merzens spiegelt sich in der deutschen Militärstrategie wider, die Verteidigungsminister Pistorius gemeinsam mit Generalinspekteur Carsten Breuer am 22. April 2026 vorgelegt hat. General Breuer begründete das Dokument mit den Worten:

„Die Militärstrategie folgt dem Gedanken, dass Deutschland als größte Volkswirtschaft Europas in einer komplexer und schärfer werdenden Bedrohungslage eine Führungsrolle in der NATO übernehmen muss und wird – auch militärisch. Sie ist Zeichen eines Paradigmenwechsels und untermauert unseren Gestaltungsanspruch.“

Diese Strategie steht auf tönernen Füßen – insbesondere, wenn man fragt, wie lange die deutsche Wirtschaft die langfristig angelegte Hochrüstung durchhalten kann, ohne selbst zusammenzubrechen oder durch massive Verarmung der Bevölkerung auf einen gesellschaftlichen Zusammenbruch zuzusteuern. Dieser Kollateralschaden der Kriegsvorbereitung gegen Russland zeichnet sich bereits am Horizont ab.

Schon die Behauptung von Verteidigungsminister Pistorius bei der Vorstellung, es handele sich um die erste Militärstrategie ihrer Art, entspricht nicht der Wahrheit. Militärstrategien gab es sowohl in der Nazizeit, in der Weimarer Republik als auch im Kaiserreich. Bemerkenswert ist, dass unter dem Argument, Putin dürfe sie sonst lesen, wesentliche Teile der neuen Strategie geheim bleiben und sich damit auch öffentlicher Kritik entziehen. Diese Geheimhaltung weckt beunruhigende Parallelen zur Kriegsvorbereitung im Dritten Reich zwischen 1933 und 1939.

Einhundert Jahre später hat sich die neue deutsche Militärstrategie zum Ziel gesetzt, bis 2039 die „stärkste Armee Europas“ aufzubauen – allerdings die konventionell stärkste. Und genau hier beginnt das Dilemma: Diese Strategie soll die Bundeswehr ertüchtigen, es mit Russland aufzunehmen. Wie jedoch eine konventionelle Armee eine Atommacht in letzter Konsequenz herausfordern soll, bleibt unbenannt – abgesehen von verstreuten Bemerkungen zur nuklearen Teilhabe der NATO.

Vasallentum mit Führungsanspruch

Es ist eine Militärstrategie, die – wie Patrick Keller und Max Becker von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP)  es formuliert haben – „Verantwortung für, aber nicht mit Europa“ übernehmen soll. Eine nationale Strategie, die nicht mit den anderen europäischen Ländern abgestimmt ist, sondern eine Führungsrolle Deutschlands in Europa anstrebt und sich zugleich eng an die Vorgaben aus Washington hält. Die neue deutsche Militärstrategie ist nichts anderes als die Erfüllung der Rolle, die Deutschland von den USA zugedacht bekommen hat: Es mit Russland aufzunehmen, während sich die USA dem Indopazifik und der westlichen Hemisphäre zuwenden. Merz und Pistorius erweisen sich auch hier als Musterschüler Trumps und treiben das Vasallentum auf die Spitze.

Die eigene Unterordnung unter die NATO wird im Dokument wortreich beschworen. Einer der Kernsätze lautet: „Die NATO muss europäischer werden, um transatlantisch zu bleiben.“ Das erinnert an die berühmte Botschaft aus dem Roman „Der Leopard“: „Es muss sich alles ändern, damit es so bleibt, wie es ist.“ Um die US-Hegemonie zu erhalten, soll Deutschland ins Feuer geschickt werden.

Technologisch soll die Bundeswehr „kurzfristig orientiert an einer schnellen Maximierung der Verteidigungs- und Durchhaltefähigkeit, mittelfristig mit einem deutlichen Fähigkeitszuwachs in allen Dimensionen und langfristig hin zu technologisch überlegenen, innovativen Streitkräften aufgebaut und in einem Zeitraum bis 2039 weiterentwickelt“ werden. Der Plan läuft also darauf hinaus, sich binnen zwölf Jahren eine Art Blitzkriegsfähigkeit zuzulegen – gerichtet gegen einen Gegner, der dann technologisch unterlegen sein soll. Doch ob Deutschland die nötigen Investitionen in Satellitentechnik und eigene KI-Kriegsführung überhaupt leisten kann, bleibt offen.

Das Ganze liest sich wie eine modernisierte Version einer Strategie für den Bewegungskrieg: Statt wie vor hundert Jahren auf Panzerwaffe und Flugzeuge setzt man nun auf Deep-Strike-Fähigkeiten im Hinterland des Feindes – allerdings ohne die materiellen Mittel und unter Ausblendung der Tatsache, dass der erklärte Feind über Atomwaffen verfügt.

Beunruhigend ist zudem, dass der eigene Schutzanspruch keineswegs auf die europäischen NATO-Verbündeten beschränkt bleibt. Die gerade beschlossene bilaterale deutsch-ukrainische strategische Partnerschaft wirft die Frage auf, ob die künftig stärkste Armee Europas auch in der Ukraine aktiv werden soll.

Die Militärstrategie sieht Deutschland als „Anlehnungspartner“ und beansprucht eine „neue europäische Führungsrolle“. Mit diesem Dokument geht die Bundesregierung volles Risiko. Wie Roulettespieler im Auftrag Washingtons sind Merz und Pistorius bereit, alles zu riskieren – und wollen der Bevölkerung in Deutschland einreden, ihre Sicherheit liege in der Vorbereitung eines Krieges gegen die Atommacht Russland. Die Geschichte lehrt, dass solche Hybris selten gut endet.

Sevim Dagdelen

Sevim Dagdelen war von 2005 bis 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages. Die Politikerin ist außenpolitische Sprecherin der Gruppe „Bündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit“ (BSW) und war Obfrau im Auswärtigen Ausschuss. Die Abgeordnete war Mitglied in der Parlamentariergruppe USA, in der Deutsch-Chinesischen sowie Deutsch-Indischen Parlamentariergruppe. Sevim Dagdelen war viele Jahre Mitglied der Parlamentarischen Versammlung der NATO, in der Abgeordnete aus den Mitgliedsländern des Militärpakts über sicherheits- und verteidigungspolitische Themen beraten.
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33 Kommentare

  1. Ach herjeeee…..
    Schon wieder die Russen angreifen?
    War die Erfahrung beim letzten Mal nicht schlecht genug? Müssen sind die Russen uns tatsächlich wieder mal befreien?
    Wo kommt diese Aggression her? Deutschland ist ein so glückliches Land, das noch nie angegriffen wurde. Und jetzt geht es schon wieder los, das ist fast schon sowas wie Ironie Schicksals.

    1. Hätten wir keine preiswerten Roh- und Energiestoffe aus Russland bezogen, wären wir ökonomisch weit weniger bedeutend und müssten viel kleiner Brötchen backen. Aber dank Sanktionen ist ja nun die Deindustrialisierung im Gang und unsere Bäcker bereiten sich schon auf die Mangellage vor – nur ganz oben beim Kanzler glaubt man noch an alte Stärke.

      Und du glaubst selbstredend auch an vergangene Größe.

    2. Was wäre anders, wenn „wir Putin-Russland nicht mit Geld zugeschissen hätten“?
      Was wäre anders, wenn „wir die Bundeswehr NICHT hätten verrotten lassen“?
      Was genau „bräuchte man dann alles nicht“?
      Meinst Du damit etwa die deutsche Wiederaufrüstung oder habe ich nur Deinen Sarkasmus nicht verstanden?

    3. (CC an „Harry“)
      Was wäre anders, wenn „wir Putin-Russland nicht mit Geld zugeschissen hätten“?
      Was wäre anders, wenn „wir die Bundeswehr NICHT hätten verrotten lassen“?
      Was genau „bräuchte man dann alles nicht“?
      Meinst Du damit etwa die deutsche Wiederaufrüstung oder habe ich nur Deinen Sarkasmus nicht verstanden?

  2. Da fällt mir doch nur noch Dürrenmatt ein. Vielleicht arbeiten die Generäle an der Weltformel, die zur Vernichtung von ganz Russland führen könnte. Das sollten sie allerdings in der Psychiatrie in der Station „militärische Planung und Führungsrolle“ tun, meine ich.

    1. Ich finds auch immer lustig, wenn Armeeangehörige, die noch nie in einem Krieg waren mit Medaillen zugebaumelt sind.

      Ich stelle mir einfach vor, dass das Trostpreise von einem lokalen Fußballverein sind.

  3. Tja, wenn man sich zurück erinnert, sowohl Magret Thatcher als auch Francois Mitterand hatten die deutsche Wiedervereinigung (am Ende erfolglos) abgelehnt, weil sie genau dies befürchteten: In einem wiedervereinigten Deutschland werden die regierenden Politiker wieder größenwahnsinnig werden und Deutschland zur stärksten Macht in Europa aufrüsten wollen. Und das deutsche Volk ist in seinem Grundcharakter stets nur der tumbe Untertan, der dies ergeben mitmacht und sich dann wieder mit Hurra-Rufen in den Krieg führen lässt.
    Leider, leider hatten die beiden so was von recht.
    Wir gehen auf sehr schlechte Zeiten zu, wenn man diese Regierung so weitermachen lässt.

    1. @ Bernd Jansen

      „In einem wiedervereinigten Deutschland werden die regierenden Politiker wieder größenwahnsinnig werden …“

      Und der erste dieser Gößenwannsinnigen war Kohl. Was motivierte ihn, den Anschluss der DDR einzuleiten, ohne sich mit Paris, London und Warschau ins Einvernehmen zu setzten? Sein Weg der Vereinigung Deutschlands weckte die alten europäischen Geister, die schon den 1. WK als Weg zur Eindämmung deutscher Großmachtpolitik sahen. Kohl bestätigte sie und alles was nach ihm kam, waren Figuren, die das für den Westen wieder korrigieren sollen.

  4. Die geniale Strategie unseres geliebten und genialen Füh.. äh Kanzlers besteht darin Deutschland möglichst schnell und nachhaltig in die Pleite zu treiben. Den direkten Krieg mit Russland wird es nicht geben. Zumindest wird Russland eher ein paar Atombomben zünden, als sich darauf einzulassen direkt gegen die gesamte NATO-EU anzutreten.
    Die neue Interpretation von Blitzkrieg: Es blitzt einmal kurz auf und alles ist vorbei.

  5. In welchem Jahrhundert hängen Merz, Pistorius und Co, vor allem auch Kiese….wetter und die Herren Freuding und Breuer
    eigentlich fest?
    Naja, es gab schon mal ein Werk in dem die heutige Militärstrategie nachlesbar ist. Es heißt „Mein Kampf.“

    1. Glaubt man den heutigen MSM hat Selenskij den Krieg schon fast gewonnen, es benötigt nur noch einen ganz kleinen Nadelstich der neuen „Großdeutschen Wehrmacht“ dann bricht der Russe zusamnen.
      So propagieren es unsere irren Kriegstreiber.

      Ich kann nur raten genießt eure letzten Monate, Wochen oder Tage denn es wird schrecklich enden.

  6. Ich hatte geglaubt das vor 2030 Deutschland fertig ist, naja, dann warten wir auf 2039…
    Was soll diese impermanente Krieges Gerüchte?
    Deutschland befindet sich im permanenten Krieg seit annodazumal und bis heute hat Deutschland keinen Krieg gewonnen, aber hat heftig ihre Bevölkerung ausgenommen.
    Ich als ‚deutscher geborene Staatsbürger, schreibe: Hört auf mit dieser Verblödung.
    Deutschland besitzt keine eigene Fähigkeiten sich zu verteidigen, wie soll D sich zu einem Bollwerk an kriegerischen Imperien entwickeln, wenn D alle Infrastrukturen für einen westlichen Sieg, selbst boykottiert durch Sanktionen?

    Dieses politische herum Gejammere ist überholt und befasst sich nicht mit den realen Realitäten.
    Diese farbliche präsentierte Politik gehört in den Müll, da, WIR in einen pseudowirtschaftlichen Entwicklung uns befinden.
    Denn alle grossen 1 tausend Unternehmenn, besitzen überall auf dieser Welt ihre Filialen.
    Was wir seit Jahren oder Jahrzehnten lesen ist Nihilismus, um den Sklaven Mensch weiterhin auszubeuten.

  7. Auch ein friedfertiges Land, das verfassungskonform dem Frieden dienen soll und die Vorbereitung von Angriffskriegen verbietet, benötigt eine Strategie zur Verteidigung. Aber wo genau endet die berechtigte Vorsorge zur Abwehr von feindlichen Aktionen und wo beginnt die Vorbereitung für einen Krieg, der ggf. von einem selbst, oder von einem Verbündeten ausgeht, dem man hilfsverpflichtet ist? Während der Begriff „Kriegsvorbereitung“ andeutungsweise die Fähigkeit einen Krieg auch zu beginnen umfasst, Geht es ja eigentlich um die „Verteidigungsfähigkeit“ was weitaus defensiver klingt.

    Zitat 1: „Noch mehr erwecken politische Debatten über „kriegstüchtig/kriegsfähig“ wie auch die durch den Generalinspekteur der Bundeswehr in die Diskussion eingeführte Forderung, die Bundeswehr müsse in einem kriegerischen Konflikt „siegfähig“ sein, den Eindruck, als ginge es allein um die Bundeswehr.“

    Quelle: https://zms.bundeswehr.de/de/zmsbw-kanal-forschung-und-bildung/verteidigungsplanungen-der-bundesrepublik-deutschland-5822196

    So eine Aussage ist recht grenzwertig. Man fragt sich auf was bezieht sich das denn, wenn es nicht nur die Bundewehr betrifft. Auch der „kriegerische Konflikt“ beinhaltet weit mehr als lediglich eine Verteidigung. Das Ganze begründet mit dem verbrecherischen Krieg Russlands, macht die Sache nicht besser. Sind nicht alle Kriege verbrecherisch, sondern nur die, bei denen Russland mit im Spiel ist?

    Zitat 2: „Wir müssen uns auf einen weitgehend entgrenzten, zum maximalen Ressourceneinsatz drängenden Krieg gegen Russland vorbereiten“, sagte am Dienstagabend Generalleutnant Kai Rohrschneider (…) beim Parlamentarischen Abend des Liebherr-Konzerns in Berlin. Denn die Befähigung zur Kriegführung sei fundamental für die Abschreckungsfähigkeit.“

    Quelle: https://www.hartpunkt.de/bundeswehr-sieht-notwendigkeit-fuer-kriegsvorbereitung/

    Was bedeutet denn „weitgehend entgrenzt“? Also nicht nur auf die Verteidigung Deutschlands bezogen, sondern auch als Kriegsbeteiligung zur Unterstützung Dritter, die ggf. diesen Krieg herbeigeführt, oder ihn sogar begonnen haben?
    Die Feindbestimmung hingegen ist eindeutig. Deutschland und seine Verbündeten (huch, sind wie denn nicht schin längst auch irgendwie mit der Ukraine verbündet, streben diese aber auf jeden Fall kraftvoll an? ) haben offensichtlich nur einen Feind. Dabei darf man sich fragen, ob wir nicht durch zweifelhafte Verstöße gegen den Zwei-plus-Vier-Vertrag
    den 2.WK noch nicht ganz hiner uns gelassen haben.

    Die in Artikel 2 gegebene Zusicherung, „daß von deutschem Boden nur Frieden ausgehen wird.“ und die Zusage:
    „Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik erklären, daß das vereinte Deutschland keine seiner Waffen jemals einsetzen wird, es sei denn in Übereinstimmung mit seiner Verfassung und der Charta der Vereinten Nationen.“

    „Keine seiner Waffen einsetzen wird“? Ist das der Grund, warum wir der Ukraine zunächst nur Helme schenkten? Hat die UN uns aufgefordert die Ukraine mit eigenen und gekauften Waffen von irgendwo zu unterstützen?
    Was wir so tun, dient das dem Frieden und dem Versprechen niemals: „das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören“? Wurde diese Friedlichkeit nicht schon durch das Assoziationsangebot der EU an die Ukraine mit allen damit verbundenen Folgen erheblich gestört? Aber das waren wir doch nicht, wir waren daran nur beteiligt. Wir liefern auch keine Waffen, sondern nur Verteidigungsmittel und die Geldtransfers aus Steuergeld dienen auch nur dazu die Verteidigunbgsmöglichkeit der Ukraine aufrecht zu erhalten. Das ist schließlich auch nur eine Förderung für das zukünftig friedfertige Zusammenleben.

    Es gab eine Zeit, in der ich mit Stolz auf das Erreichte in Deutschland blickte, aber dieses Deutschland ist in einer Vielfalt der Einfalt erstickt. Ich erinnere mich gut an die Polenhilfe der Achtziger Jahre, an das Aufblühen des Landes, dass uns heute mit Reparationsforderungen und mit Schdenfreude über die gesprengte Nord-Stream begegnet. Ich erinnere mich an meine Skepsis, als Anfang der Neuziger Jahre die Russlandhilfe propagiert wurde, vielleicht wegen der Erzählungen meiner Onkel aus der russischen Gefangenschaft, vielleicht auch wegen der Unfreiheit in den Ostblockstaaten – und doch kann ich nicht verstehen, warum man sich der ausgestreckten Hand Gorbatschows – und ja auch Putins, entzogen hat und die bestehende Friedlichkleit absichtlich zerstörte.

    Der Russe ist weder böse noch alleinig Schuld an dem, was aktuell passiert. Der Russe, das ist ein Mensch, wie jeder andere, der mir auf der Straße begegnet mit dem Wunsch dass man seine Bedürfnisse akzeptiert und respektiert – und überall auf der Welt gibt es nützliche und zerstörerische Zeitgenossen. Bei uns ebenso wie in Russland.

  8. Die Kriegsgefahr ging für Deutschland im letzten Jahrhundert nicht von einer äußeren Bedrohung aus.
    Es war stets die eigene Regierung, die Deutschland in den Krieg führte. Bei WK I war das so und für die ganze Welt sehr offensichtlich auch bei WK II.

    Erst kam die Aufrüstung Deutschlands, an der sich damals die konservativen Parteien des Zentrums wie auch die Sozialdemokraten beteiligten, dann kam der Größenwahn.

    Heute geht der Größenwahn Hand in Hand mit der Aufrüstung bzw. läuft ihr voraus.
    Und wieder sind die gleichen Parteien dabei.
    Nichts gelernt aus der Geschichte!

    1. Bei den Nazis ging es um rassistisch begründeten Größenwahn, heute geht es um kulturellen Größenwahn wie „Freiheit und Demokratie“ als Begründung für Krieg.

      1. Nach kurzer Abstinenz reiche ich einen kleinen Beitrag ein 😉.
        Es geht hier keinen Hauch um „Freiheit und Demokratie“. Es ist im Grunde der alte rassistische Reflex, der sich hinter diesen schönen, kulturkämpferisch missbrauchten Begriffen versteckt. Natürlich spielt dabei auch die Gier und der Zwang zum kapitalistischen Profit machen eine Rolle. Es steckt vielen Deutschen immer noch in den Knochen, dass sie „damals“ vom Iwan, dem slawischen Untermenschen, besiegt und von ihrem kranken Größenwahn – und wie wir jetzt sehen können nur vorerst – befreit wurden. Diesmal meint man es mit der erhofften Hilfe von Uncle Sam – oder Donald ? – besser machen zu können. Ein gefährlicher Wahn der Elite. Denn diesmal wird der Iwan nicht lange fackeln. Leider sitzen auch die Wohlmeinenden mit im Boot…

  9. Zu Trumps Strategie wäre zu sagen, dass sie sehr erfolgreich ist. Ziel war weder ein Regime Change im Iran noch die Verhinderung einer Iranischen A-Bombe. Das waren nur die offiziellen Vorwände. Ziel war genau das was jetzt eingetreten ist. Die Kappung der Öllieferungen aus der Golfregion. Im Grunde also eine Fortsetzung dessen, was man schon mit der Sprengung der NS-Pipeline begann, nur dass diesmal auch die Volkswirtschaften in Asien davon betroffen sind.
    Seit über 40 Jahren, weiß man, dass Iran im Falle eines Angriffs als erstes den Golf sperren wird. Im Unterschied zu früher, ist die USA aber nicht mehr von den Lieferungen aus der Golfregion abhängig. Man hat sich von Seiten der US-Strategen lediglich darin getäuscht, wie schnell der Iran die Straße wieder öffnen würde und musste deshalb dazu übergegangen die Blockade selbst durchzuführen. Bevor man den Iran angriff, sicherte man sich noch einmal schnell die Ölreserven Venezuelas.
    Natürlich stürzt dies die gesamte Weltwirtschaft in eine schwere Krise, aber man erhofft sich davon, dass die USA daraus gestärkt hervorgeht weil man nicht auf die Öllieferungen aus dem Golf angewiesen ist. Natürlich bleibt es auch für die USA ein Vabanquespiel. Aber ohne ein Wagnis einzugehen, wäre die USA ohnehin auf der Verliererstraße gewesen. 39 Billiarden Dollar Schulden sprechen eine deutliche Sprache.

    1. Sehe ich auch so. Man muss dazu verstehen, dass ALLES, was die USA als Ziele und Pläne offiziell angeben eine reine Fake-Show ist, hinter der wahre Absichten verborgen werden. An sich könnte man die USA beinahe als Kryptokratie bezeichnen.
      Ähnlich wie in dem Roman „Eden“, wo in einem fiktiven Staat die wahren Herrscher nicht nur nicht bekannt sind, es wird sogar geleugnet, dass sie überhaupt existieren. Wir ahnen ja zumindest was da abgeht – Bilderberge usw-.
      Die USA sind gegenwärtig sehr erfolgreich dabei Ihre Interessen durchzusetzen. Natürlich klappt nicht immer alles wie geplant, das liegt in der Natur der Sache. Aber derzeit sieh es so aus: Russland ist in einen endlosen Krieg verwickelt. Dank der hasszerfressenen Vollidioten in EU (die sich dabei gleich auch selber als Konkurrenten für die USA ausschalten) und Ukraine ein Selbstläufer und sicher Einnahme für die US-Rüstungsindustrie. China wird planmäßig systematisch weiter geschwächt durch Störung seiner wirtschaftlichen Basis -aktuell Stichwort Iran. Die US-Ölindustrie ist im Gegensatz zu ihren arabischen Konkurrenten bzw Russland überhaupt nicht von der Lage am Golf oder ukrainischem Drohnenterror betroffen und macht bei ungestörter Produktion jeden Tag riesige Profite. Läuft super. Eigentlich alles leicht durchschaubar. Warum die allgemeine Journaille das nicht thematisiert – Dummheit oder Vorsatz – gute Frage.
      Eine andere Frage ist, ob die USA langfristig Erfolg haben werden, denn auch sie können nicht zaubern und die Realität außer Kraft setzen.

  10. Der Abgriffskrieg gegen Russland wird alsbald geführt werden, egal ob der gewinnbar oder nicht gewinnbar ist.
    Der ist so fest in den Köpfen der Eliten verwurzelt da gibt es kein ZURÜCK mehr.
    Die Frage ist nicht ob sondern wann der Krieg beginnt und das könnte schon 2026 oder 2027 geschehen.

    Europa am Abgrund: Kriegsvorbereitungen auf ALLEN Ebenen | Prof. Ulrike Guérot
    https://m.youtube.com/watch?v=c8ylh4Gqc1M&pp=ygU3RXVyb3BhIGFtIEFiZ3J1bmQgS3JpZWdzdm9yYmVyZWl0dW5nZW4gYXVmIGFsbGVuIEViZW5lbg%3D%3D

    1. Auch 2026 und 2027 wird es keinen Angriffskrieg gegen Russland geben.
      Dafür gibt es weder genügend Personal, Material, Munition und Willen einen Krieg zu führen.
      Die Kriegsbegeisterung findet nur im Kopf einiger weniger Verwirrter statt.
      Also, alles im grünen Bereich, bitte wieder ablegen und weiterdösen.

  11. Auch ein friedfertiges Land, das verfassungskonform dem Frieden dienen soll und die Vorbereitung von Angriffskriegen verbietet, benötigt eine Strategie zur Verteidigung.
    Emirades, 29.04.2026 14:49 Uhr

    Gegen wen? Ich frage noch einmal: Gegen wen?! Und damit es wirklich deutlich wird: Gegen wen soll sich die Bundesrepublik Deutschland verteidigen? Was gibt es hier, das zu verteidigen wäre? Die unermesslichen Bodenschätze? Die weitläufig naturbelassenen Landschaften? Die schönen und einzigartigen Menschen? Was soll gegen wen denn bitte verteidigt werden? Welche Empathie oder Fähigkeit zum Perspektivwechsel fehlt mir eigentlich, dass ich einfach nicht zu erkennen vermag, was denn hier zu holen wäre? Vielleicht kann mir jemand behilflich sein und etwas mit fehlgeleitete Eitelkeit aushelfen?

    Was noch irgendwie besonders ist an dieser BRD, aber bereits im Niedergang, ist ein gewisses abnehmendes Bildungsniveau, eine die Arbeit betreffende und vorhandene, doch ermüdende Lernfähigkeit, eine in der Demontage befindliche und ins Ausland fortlaufende Industrie. Doch diese ganzen Assets könnten durch keinen konventionellen Krieg erobert werden. Es gibt für dieses Land keine Freiheit am Hindukusch, keine Gold in der Straße von Hormus und keine Zukunft oder zivilisierten Werte im Donbas; nichts, was zu verteidigen wäre, weil das alles nicht existiert.

    Dennoch ist eine Verteidigung absolut notwendig. „Wie bitte?“ mag einer fragen. Die Menschen hier müssen verteidigt werden, nicht das Land, nicht die erschöpfte Kultur und schon mal gar nicht das ausgelaugte und verbaute Territorium. Die Menschen müssen verteidigt und beschützt werden gegen soziopathische, narzisstische und egomane Politiker, Manager, Kapitalbesitzer, Börsenspekulanten, Aktienpakete, Hedgefonds, Synergien, PPPs. Gegen nutzlose Lametta spazieren tragende Militärs* (siehe Foto), gegen Strategien herbeifantasierende Pseudoexperten, Ungleichmacher und gesetzverdrehende Vorteilsnehmer namens Elite.

    Es braucht eine gewaltige Verteidigung gegen den jetzt schon seit Jahrhunderten dominierenden Impuls der Selbst- und Fremdzerstörung, gegen den Stumpfsinn eines »Gestaltungsanspruch[s]«, gegen die fortschreitende systematische Verblödung, gegen die Angst der Militärs, dass ihre Nutzlosigkeit offensichtlich wird, gegen die irrige Annahme, das ganze Kriegsgekreische wäre auch nur Diskussionswürdig.

    [Das] Argument, Putin dürfe sie sonst lesen, [müssen] wesentliche Teile der neuen Strategie geheim bleiben

    Selbst ein Analphabet braucht keine drei Sekunden, um die (nicht vorhandene) »Strategie« völlig zu durchschauen. Mir fällt dazu nichts mehr ein außer: „This is a f***ing lonely planet.
    ________

    * @ me-need-more-brain, 29.04.2026 13:58 Uhr:
    »Ich finds auch immer lustig, wenn Armeeangehörige, die noch nie in einem Krieg waren mit Medaillen zugebaumelt sind.« Volle Zustimmung, doch es ist leider zum „totlachen“…

    1. Der Punkt ist vielleicht ein anderer. Sie haben Recht was gibt es hier noch zu holen ?
      Aber Russland will hier auch gar nichts haben und holen. Es will einfach nur endlich mal in Ruhe gelassen werden.
      Was macht man mit einem Stänkerer der einfach keine Ruhe geben kann ? Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Langfristig werden Russland und China sich nicht davor drücken können den Westen als Machtfaktor auszuschalten. Im Idealfall gelingt ihnen das geschickt, in dem sie ihn weiter auf den Weg der Selbstzerstörung lenken. Dummheit und Lernunfähigkeit hier sind ja schon mal ganz gute Voraussetzungen dafür.

  12. Spannend bleibt welche Art von Regierung es dann sein wird, die irgendwann bis 2039 an (Militär)Macht sein wird und was sie damit dann so alles anstellt.
    Ein regionaler Nazi jedenfalls, hatte sich bereits vor 10 Jahren mit einem Spruch hervorgetan, nachdem der „deutsche Adler seine Augen wieder auf Frankreich gerichtet hat“. Ignoranz und politische Unfähigkeit scheinen dieses Feld gerade vorzubereiten.

  13. „Die Militärstrategie folgt dem Gedanken, dass Deutschland als größte Volkswirtschaft Europas in einer komplexer und schärfer werdenden Bedrohungslage eine Führungsrolle in der NATO übernehmen muss und wird – auch militärisch. Sie ist Zeichen eines Paradigmenwechsels und untermauert unseren Gestaltungsanspruch.“

    Die NATO wurde gegründet um Deutschland unter Kontrolle, sprich „down“ zu halten. Der von Breuer geäußerte „Gestaltungsanspruch“ ist illusionär. Die USA wollen keine eigenständigen Vasallen, die womöglich selbst Vorstellungen von ihrer Rolle in der Welt haben. Dagdelen hat recht, wenn sie glaubt, dass wir nur eine vorgegebene Rolle in der NATO spielen werden. Mehr nicht!

    Wir sollen der neue Proxy der USA werden – und Merz, Pistorius und sämtliche Medien sind voll begeistert.

  14. Zumindest wird der Dritte Weltkrieg schneller vorbei sein als der Zweite – gab es damals schließlich (bis auf zwei Ausnahmen ganz zum Schluss) keine Atombomben.

  15. Das Karthagogleichnis von Brecht, so aktuell wie noch nie!
    Das große Karthago führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten war es noch bewohnbar. Nach dem dritten war es nicht mehr zu finden.
    Mit diesen ebenso knappen wie treffenden Worten umschrieb Bertolt Brecht schon 1951 das mögliche Schicksal eines vereinigten Deutschlands

  16. Was hat dieser Typ von General eigentlich für Heldentaten unter Einsatz seines Lebens vollbracht das eine so „prächtige“ Ordensansammlung auf seiner Uniform präsentieren kann?

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