Abschuss ohne Sichtkontakt – Die NATO im Kriegszustand

NATO-Flagge
President Of Ukraine from Україна, CC0, via Wikimedia Commons

Polen erlaubt den Abschuss verdächtiger Flugobjekte ohne Sichtkontakt. Das galt im Bündnis bisher als Regel für den Kriegszustand – und trifft ausgerechnet die russische Enklave Kaliningrad.


Polen genehmigt künftig den eigenen Kampfjets den Abschuss verdächtiger Flugobjekte auch ohne Sichtkontakt, insbesondere im Hinblick auf die russische Enklave Kaliningrad, die mit Polen eine gemeinsame Grenze hat. Das gab es bisher in der NATO noch nie. Innerhalb des westlichen Militärpakts war dies bisher nur im Kriegszustand möglich. Abgesehen von der massiven Gefährdung der zivilen Luftfahrt, die durch diese Anordnung entsteht, wird immer deutlicher, dass die NATO sich offenbar bereits im Krieg mit Russland sieht. Polen ist lediglich der Vorreiter.

Kaliningrad als Brandbeschleuniger

In der gefährlichen Illusion, Russland an der Enklave Kaliningrad herausfordern zu müssen, dreht der NATO-Verbündete Deutschlands an der Eskalationsschraube. Zugleich werden Szenarien einer militärischen Isolation Kaliningrads durchgespielt, auf die die russische Seite gegenüber der NATO mit der Drohung einer „nuklearen Option“ reagierte.

Schlafwandelt die NATO hier in einen Dritten Weltkrieg? Wohl kaum, denn man muss von einer gezielten Eskalationsstrategie des Militärpakts zur Erfüllung von US-Interessen ausgehen. Polen und die baltischen Staaten werden vorgeschickt, nichts anderes.

Es sind genau diese Szenarien, die in Umfragen (Allensbach) eine relative Mehrheit der deutschen Bevölkerung an der Beistandsverpflichtung des Artikels 5 der NATO zweifeln lassen: Sterben für die Eskalationspolitik der NATO-Verbündeten an der Ostflanke. So ist es auch zu erklären, dass die Bundeswehr jetzt Soldaten für den Dienst im Osten, in Litauen, zwangsverpflichten muss. Freiwillig wollen sich nur wenige diesem Wahnsinn aussetzen.

Gesprächskontakt als Symbolpolitik

Vor diesem Hintergrund muss der Gesprächskontakt des deutschen Außenministers Wadephul mit seinem russischen Amtskollegen Lawrow als Symbolpolitik eingestuft werden. Mit dem Verlesen von Demarchen wird eine Gesprächsbereitschaft simuliert, die durch die sonstige Politik überhaupt nicht untersetzt wird. Im Gegenteil: Deutschland vertieft seinen Status als US-Mustervasall und wird dafür von den USA gönnerhaft gelobt.

Elbridge Colby, Unterstaatssekretär im Verteidigungsministerium und Konzeptionär der NATO-3.0-Kriegsstrategie, pries Deutschland als NATO-Musterland wegen der gigantischen Aufrüstung Berlins. Die Bereitschaft der Europäer und insbesondere der Bundesregierung, sich für die USA unter den Bus zu werfen, scheint schier grenzenlos.

Sevim Dagdelen

Sevim Dagdelen war von 2005 bis 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages. Die Politikerin ist außenpolitische Sprecherin der Gruppe „Bündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit“ (BSW) und war Obfrau im Auswärtigen Ausschuss. Die Abgeordnete war Mitglied in der Parlamentariergruppe USA, in der Deutsch-Chinesischen sowie Deutsch-Indischen Parlamentariergruppe. Sevim Dagdelen war viele Jahre Mitglied der Parlamentarischen Versammlung der NATO, in der Abgeordnete aus den Mitgliedsländern des Militärpakts über sicherheits- und verteidigungspolitische Themen beraten.
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2 Kommentare

  1. „Die Bereitschaft der Europäer und insbesondere der Bundesregierung, sich für die USA unter den Bus zu werfen, scheint schier grenzenlos.”
    Ja , das scheint wirklich so und die sediert Masse schaut tatenlos dabei zu!
    Dabei ist das alles so fadenscheinig, dilettantisch und offensichtlich hingepfuscht, hat nicht einmal den Anschein von Glaubwürdigkeit. Die Bevölkerung hat diese Leute in ihre Ämter gewählt, obwohl sie kein Geheimnis daraus machen, dass sie weder geeignet noch vertrauenswürdig sind. Manchmal glaube ich, dass man dem Trinkwasser oder der Luft längst irgendwelche Substanzen zur Steigerung der Willfährigkeit zugesetzt haben muss und man selber zu der Minderheit der Unglücklichen zählt, die zufälligerweise dagegen immun sind und den ganzen Mist sehen müssen wie er tatsächlich ist.

  2. Liebe Redaktion, in dieser Gestalt vorgetragen, liefert der Artikel Desinformation, Greuelpropaganda und zielt auf Panikmache. Bei aller Sympathie für Kriegsgegnerschaft nenne ich das inakzeptabel. Hier die polnische Verlautbarung, ausgeliefert via Radio:
    https://www.polskieradio.pl/395/7784/Artykul/3736366,poland-to-change-rules-on-shooting-down-suspect-foreign-aircraft
    The change is a response to the growing threat from Russia and lessons from the war in Ukraine, officials said, including the appearance of fast jet-powered drones and cruise missiles that leave very little time to react. …
    An unusual flight path or missing transponder response would not on their own be enough to classify an aircraft as hostile, they said, given the risk of malfunctions affecting Polish, allied or civilian aircraft. Entering a no-fly zone would likewise not automatically trigger a decision to fire.

    In peacetime, aircraft normally identify potential threats by visual contact, to avoid mistakes such as confusing a civilian or allied aircraft with a hostile one. Under the new „positive identification“ approach, pilots who see several indicators that an aircraft may be hostile – for example a radar reading, entry into a no-fly zone and information from Ukraine – will be able to fire on it from a distance.

    In dieser – vorgetragenen – Gestalt ist das eine Maßnahme, die False-Flag-Attacken aus der Ukraine und seitens des UK ebenso zu verhindern vermag, wie einen mutwilligen Angriff auf russischen Flugverkehr vorzubereiten. Zugleich ist es als Vorsorge gegen russische Vergeltungsangriffe auf NATO-Truppen in Polen zu deuten, eine Option, die seitens Russland semioffiziell in den Raum gestelllt worden ist.
    Aber diese technisch-organisatorische Ambiguität gehört mit der Wägung ergänzt, ob die polnischen Streitkräfte sich ernstlich zum exklusiven Ziel russischer Vergeltungsangriffe machen wollen. Das ist mindestens zweifelhaft.

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