
Donald Trump wird gerne mit dem römischen Kaiser Gaius Caeser Augustus Germanicus genannt Caligula verglichen. Der alte Römer soll irre gewesen sein – wie der US-Präsident? Ein historischer Vergleich, der hinkt.
Verrückt! Er ist schlicht und ergreifend nur verrückt! Ein Irrer! Durchgeknallt und geistesgestört! Wie konnte es dieser Schwachsinnige nur ins Oval Office schaffen? Die ganze Welt scheint sich darin einig zu sein, dass Donald Trump, der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten, ein Rad abhat. Seine politische Leitlinie zeugt angeblich davon – seine Auftritte dokumentieren das auf eine Art und Weise, dass man den üblichen Weg einer Diagnosestellung, mittels Prüfung durch einen Mediziner sich gleich komplett schenken kann. So einen Verrückten in so einer Position: Das gab es ja noch nie!
Nun gut, eigentlich schon. Bereits das Römische Kaiserreich kannte einen Verrückten: Gaius Caesar Augustus Germanicus, Sohn des Nero Claudius Germanicus, der wiederum Großneffe von Kaiser Augustus war. Berühmt wurde der Sohn als Caligula – was »Stiefelchen« bedeutet. Als Kind soll er schon am Rhein in kleinen Soldatenstiefeln herummarschiert sein, während sich sein Vater dort mit Germanenstämmen herumschlug. Caligula war der dritte Kaiser Roms. Seine Herrschaftszeit dauerte nur vier Jahre – von 37 bis 41 nach Christus. Bekannt ist, dass Caligula ein Verrückter war. Durchgeknallt und geistesgestört! Deswegen ziehen heute viele diese Vergleiche zwischen jenem Kaiser und dem aktuellen US-Präsidenten. Und durchaus haben beide Gemeinsamkeiten. Wenn auch nicht unbedingt die vermeintliche Verrücktheit.
Ferndiagnose als Expertise?
Die Weltöffentlichkeit scheint sich nicht darüber einigen zu können, welcher Vergleich im Falle Donald Trumps am treffendsten ist. Der mit Hitler oder Mussolini – oder dann lieber mit jenem Kaiser, dem man nachsagt, er sei geistig degeneriert gewesen. Zuletzt scheint der Caligula-Vergleich die Oberhand gewonnen zu haben. Vielleicht auch, weil das Imperium der Amerikaner teils frappierend an das Römische Reich erinnert. So spricht der Historiker Stephen Dando-Collins bei History News Network vom »Mad Emperor of Rome« und diskutiert ausdrücklich Trumps »questionable mental state«. Ähnlich Martin Longdale in Washington Monthly: Er sieht bei Trump – mit Rückgriff auf Caligula – einen Fall von »klarer Geisteskrankheit«. Der renommierte US-Wirtschaftswissenschaftler Paul Krugman glaubt gar, dass Trump Caligula besser aussehen lasse, weil er offenbar noch verrückter sei als der alte Römer – so schrieb er es schon vor längerer Zeit in der New York Times.
Die deutsche Presse steht da selbstverständlich nicht nach. In der Frankfurter Rundschau erklärt Althistoriker Christian Mark auf Nachfrage, dass sich Trump »auch mit […] Figuren der römischen Geschichte vergleichen [ließe], mit Caligula oder Nero zum Beispiel«. René Pfister stellt indes im Spiegel fest, dass »der Caligula der Gegenwart« Trump heiße. Auch Lena Wachter geht bei BR24 dieser Frage nach, wie viel Caligula im US-Präsidenten stecke. Und der berühmte Publizist Heribert Prantl empfiehlt auf seiner Webpräsenz ein Drama von Albert Camus namens »Caligula«, welches er mit der Überschrift »Donald Caligula« titelt. Diese Liste von Publikationen, Artikeln, Kommentaren und Blogbeiträgen ließe sich in der Tat schier endlos erweitern. Caligula ist überall – seine kaiserliche Verrücktheit polarisiert offenbar die politischen Beobachter noch fast 2.000 Jahre nach seinem gewaltsamen Ende.
Alle sind sich indes einig, dass der römische Kaiser geistig nicht bei voller Gesundheit war. Und allzu viele wissen heute auch sicher, dass Donald Trump mentale Probleme hat. Härter ausgedrückt: Dass er verrückt und völlig durchgeknallt ist. Und das per Ferndiagnose. Über solche Verfahren ohne Sichtung eines Patienten regt man sich gemeinhin nur auf, wenn die Rentenkasse einen Antragsteller auf Frührente nicht selbst zum Amtsarzt schickt, sondern einfach nur das Konvolut seiner Arztbriefe und Befunde einem solchen Mediziner zukommen lässt. Ohne Sichtung des Antragstellers Schlüsse zu ziehen: Das hält man im Regelfall für nicht statthaft. Aber bei Staatsleuten, die einen wegen ihrer Politik und ihrer Positionen nerven, finden es zu viele in Ordnung, auf die Ferndiagnose irgendwelcher Experten zu setzen. Dabei lässt sich nur zweierlei in der Tat sicher sagen: Wie es Donald Trump psychisch geht, weiß nur sein Leibarzt. Und außerdem weiß man ganz und gar nicht sicher, ob der römische Kaiser verrückt war.
Ein Konsul, der wiehert
Geschichte wird immer von den Siegern geschrieben. Oder von denen, die übrig- und zurückbleiben. Denn Tote können keine Widerworte mehr geben. Caligula hat in seiner Zeit als Kaiser des Römischen Reiches vielen Aristokraten vor den Kopf gestoßen. Maßgeblich hatte das mit seinem Vorgänger zu tun: Tiberius Iulius Caesar Augustus, dem ungeliebten Adoptivsohn des großes Augustus. Kaiser Tiberius war – so würde man es heute ausdrücken – nicht gerade ein Kommunikationstalent. Anders als sein Adoptivvater und Vorgänger bemühte er sich weder um freundschaftliche Bande zur Aristokratie, noch brachte er zum Ausdruck, was er vom Senat forderte – das ging so weit, dass Senatoren verunsichert waren, wie sie zu gewissen Themen Stellung beziehen sollten. Die Furcht ging um, den Kaiser vor den Kopf zu stoßen – und da er auch keine Freundschaften mit Aristokraten pflegte, etablierte sich im Laufe seiner 23-jährigen Regierungszeit ein System der Intrigen und der Denunziation.
Die lex majestatis diente ursprünglich dazu, Vergehen gegen die Hoheit des römischen Gemeinwesens zu ahnden. Mit dem Gesetz sollten Fahnenflucht, Volksverhetzung und schlechte Amtsführung von Magistraten verfolgt werden – unter Tiberius nutzte man es, um kritische Worte gegen den Kaiser justiziabel zu machen. Der römische Adel setzte traditionell auf ein System der Patronage – dass der Kaiser diese nun links liegen ließ, für keinen der Ihren zugänglich war, ließ die hohen Herren um seine Gunst buhlen. So entstand ein Denunziationswettbewerb. Wenn dabei nebenher noch lästige Nebenbuhler ausgeschaltet wurden, indem sie verbannt oder gar getötet wurden, erfreuten sie sich dieses für sie erfreulichen Nebeneffektes. Auf diese Weise entstand während der Jahre des Kaisers Tiberius ein Klima der Missgunst, des Misstrauens und des fortwährenden Verrates – selbstverständlich unterstellte man auch unschuldigen Zeitgenossen, sich gegen den Kaiser versündigt zu haben. Es versteht sich von selbst, dass in wenigen Sätzen nicht die gesamte Gemengelage jener Zeit dokumentiert werden kann. Ein Blick in die Caligula-Biographie von Aloys Winterling lohnt sich daher. Der Historiker zeichnet auch ein Gesellschafts- und Sittenbild dieser Jahre, denn es war die Zeit, in der Caligula sozialisiert wurde – zumal seine Familie selbst denunziert wurde.
Caligula hatte also mit dieser Gruppe der Aristokraten, diesem Geschlecht von Karrieristen und Opportunisten eine Rechnung zu begleichen. Der fortwährenden Kultur der Missgunst sollte Einhalt durch kaiserliche Kraft geboten werden. Caligula behandelte diese Herren mit purer Verachtung – und mit Grausamkeit. So ließ er sie offenbar gerne über Stunden gebeugt neben seiner Sänfte herlaufen. Eine Episode erlangte dabei Weltruhm und beschäftigt die Nachwelt noch immer: Sein Lieblingspferd sollte zum Konsul erhoben werden. Die Zeitgenossen hielten das, so berichten die Geschichtsschreiber, für eine Verrücktheit sondergleichen. Fraglich ist indes, ob sich diese Geschichte wirklich so ereignete, schließlich haben die Aristokraten und Chronisten nach Caligulas Tod mit großer Wonne Dreck auf den getöteten ehemaligen Kaiser, dessen Andenken, wenn man es schon nicht komplett vergessen machen konnte – die damnatio memoriae griff nicht immer vollumfänglich –, so doch wenigstens beschmutzt werden sollte. Die Episode vom Pferd könnte man aber auch anders lesen: Caligula hätte mit dieser Aktion zum Ausdruck bringen wollen, dass selbst ein Pferd für einen hohen Beamtenposten moralisch geeigneter ist als irgendjemand aus dem aristokratischen Establishment der Urbs. Winterling behandelt natürlich auch die mögliche Verrücktheit Caligulas, stellt in den Raum, dass das Andenken absichtsvoll befleckt wurde und kann – wie auch? – keine Diagnose stellen.
Verrücktes damals wie heute
Zu jener Zeit gab es ohnehin noch keine gesicherten Diagnosen. Verrücktheit wurde nicht nach psychologischen Kriterien angenommen, sondern aus einem Gefühl verletzter Konventionen heraus. Seinerzeit konnte ein Feldherr schon deswegen als vollkommen irre betrachtet werden, weil er die Überlebenden eines widerständigen Barbarenstammes nicht einfach ermorden ließ, sondern ihnen das Leben schenkte. Die Römer liebten zwar den Großmut – aber nicht die Fahrlässigkeit. Und eine solche Unterlassung hätten zumindest die innenpolitischen Feinde eines solchen Heerführers sofort ausgenutzt, um seinen Geisteszustand öffentlich in Frage zu stellen. Rom kannte auch sogenannte »gute Kaiser« – es waren fünf an der Zahl: Nerva, Trajan, Hadrian, Antoninus Pius und Marcus Aurelius. Sie herrschten zusammen etwas weniger als ein Jahrhundert – ihre Zeit brach etwa 50 Jahre nach Caligulas Ermordung an. Doch auch sie könnten, wollte man ihnen etwas Übles nachsagen, als degenerierte und geistig nicht ganz gesunde Herrscher aufgefasst werden.
So ließ etwa Hadrian seinen ums Leben gekommenen Geliebten – einen Jüngling namens Antinoos – zum Gott erheben. Ein Schritt, den man Kaiser Nero 70 Jahre zuvor noch übelnahm, als er seine verstorbene Gattin Poppaea vergöttlichte. Der Philosophenkaiser Marcus Aurelius verübte Massaker an Gefangenen. Auf der Siegessäule, die seinen Namen trägt und auf der Plaza Colonna in Rom steht, finden sich Reliefs, die diesen Akt der Brutalität dokumentieren. Solche Taten hielt man nicht verborgen, man ließ die Bürger wissen, wie hart man gegen Feinde vorging – mit auf dem Rücken gefesselten Händen standen die besiegten Gegner vor den römischen Legionären und warteten auf ihren Tod. Doch niemand kategorisierte all jene Männer als verrückt. Im Gegenteil, einige gelten bis heute als ausgewiesen gute Kaiser – ihre Prinzipate gelten als goldenes Zeitalter und mancher wird noch immer als feiner Geist und Denker betrachtet.
Gleichwohl gibt es freilich Parallelen zwischen Caligula und Trump. Und es ist nicht die vermeintliche Verrücktheit, von der man ohnehin nichts Genaues weiß. Was sie teilen: Beide stehen gegen das Establishment ihrer Zeit und pflegten ihren Argwohn gegen die Systemaristokraten. Für beide trifft zu, dass sie Freude daran haben, den hohen Herrschaften grausam vor den Kopf zu stoßen und sie zu brüskieren. Und ja, beide verstehen sich als Schauspieler – Caligula zwang seinem Umfeld gerne und häufig auf, ihn als Mimen zu bewundern. Der Vergleich, so wie er angewandt wird im öffentlichen Diskurs heute, ist ein dummer Streich von politischen Beobachtern, die händeringend ihre Expertise unter Beweis stellen wollen und dafür von Prämissen ausgehen, von denen man nichts Genaues weiß. Dabei bemerken sie außerdem offenbar nicht, dass sie der modernen und wissenschaftlichen Auffassung von psychischen Störungen eine Abfuhr erteilen und die altertümliche Lesart etablieren. Damals galt Verrücktheit als Makel, als Ausdruck eines schwachen Charakters und damit auch als Schuld. Heute betrachten wir solcherlei Störungen als Krankheit – und damit entziehen wir dem Patienten zu recht die Schuldfähigkeit. Taugt also so ein Vergleich, wo er ohnehin vielleicht nur das Produkt antiker Chronisten ist, die verärgert waren über jenen Kaiser und ihn vor der Geschichte strafen wollten? Und ist Verrücktheit überhaupt ein Ansatz, mit dem man Trump schmähen könnte? Wäre er tatsächlich verrückt, wäre damit ja alles entschuldigt, was unter seiner Regierung geschieht.
Dieser Artikel erschien unter anderem Titel bereits vor einigen Wochen bei Manova.
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„Die lex majestatis diente ursprünglich dazu, Vergehen gegen die Hoheit des römischen Gemeinwesens zu ahnden. Mit dem Gesetz sollten Fahnenflucht, Volksverhetzung und schlechte Amtsführung von Magistraten verfolgt werden – unter Tiberius nutzte man es, um kritische Worte gegen den Kaiser justiziabel zu machen.“
Der §188 (Majestätsbeleidigung) und der § 130 (Volksverhetzung) stammen also aus dem römischen Reich. Das wusste ich noch nicht, Es ist schön zu sehen, was hier für jahrtausendealte Traditionen gepflegt werden. Wobei der §130 ja nur angewendet wird, wenn ein Kritiker des politischen Mainstreams verurteilt werden kann. Bei Leuten die offen zum Krieg gegen Russland aufrufen (ich nenne keine Namen) hingegen ist er nicht relevant.
Fahnenflucht (§ 16 WStGB) könnte hier auch bald wieder äußerst wichtig werden.
Ich halte übrigens Trump nicht unbedingt für verrückt. Er hat halt eine sehr hohe Meinung von sich selbst und kann daher keine Fehler machen bzw. eingestehen. Dies sieht man aber genauso bei unseren Politikern. Das ist nichts Trump-spezifisches. Trump zeigt nur offen, wie korrupt und verlogen das politische System ist und schon immer war. Früher verbarg man das aber wesentlich geschickter, so dass heutzutage manche Leute plötzlich aufwachen und kritisch werden.
Der Vergleich USA-Rom drängt sich auf, doch wie jeder Vergleich hinkt er. Zum Einen ist die Verwaltung von Roesenteichen heute deutlich einfacher, zum anderen herrschen die USA nicht nur durch ihre Militärmacht. Sie herrschen mehr durch ökonomischen Druck. Das hätte Rom nie geschafft, da die unterworfenen Völker ökonomisch nicht von Rom abhängig, sondern würden ausschließlich militärisch und mit den Mitteln des Teile und Herrsche beherrscht. Als diese militärische Macht schwand, brach das Imperium Romanum zusammen wie ein Kartenhaus. Die USA werden ihre ökonomische Macht sicher eher erhalten, als ihre militärische.
„Divide et imperia“ wird mit „teile und herrsche“ regelmäßig unzutreffend übersetzt. Richtiger wäre: „Spalte und herrsche“. Rom verstand es zu verhindern, dass sich zwischen den unterworfenen Stämmen Bündnisse gegen seine Hegemonialmacht bilden konnten. Mittel der Spaltung waren Privilegien wie das Bürgerrecht für die einen, Sanktionen inklusive Straffeldzüge gegen die anderen. Zudem erfand man Bedrohungen für den einen Stamm durch einen anderen, um dem vermeintlichen bedrohten militärische Hilfe anzubieten, oder sich zu Hilfe rufen zu lassen, was meist dazu führte, dass man den Helfer, also Rom, nicht mehr los wurde, sondern selbst zum Vasallen wurde. Auch der Erzrivale Karthago wurde durch römische Einmischung in dessen Einflussbereich in drei Kriege gezwungen, die seinen wirtschaftlichen und politischen Untergang besiedelten, nachdem Rom „zu Hilfe gerufen“ worden war. Ähnlichkeiten zur US-Hegemonialpolitik drängen sich förmlich auf.
Das konnte aber Rom auch ur, weil es die diskrepanzen und latenten Feindsehlikeiten zwische d en verscheidenen Völkern udn Stämmen auch Tatsache gab, die musste Rom nicht erfinden…. es gab auf der anderen Seite Völker, die sich über jahrhunderte als Freund Roms begriffen und trotzdem sich nicht völlig einvernehmen ließen, wie z.B. die Friesen…. so ganz einfach war das alles nicht. Rom hatte auch viel Ärger mit den Völkern an seinen Rändern, die zwar gern von römischer Kultur udn reichtum profitieren wollten, allerdings ohne diePflichten die daraus entstanden, am plünderte gern die Randgebiete udn versuchte den Strafmaßnahmen der Legionen danach aus dem Wege zu gehen…
Mit das Interessanteste an diesem Artikel ist das Nachdenken darüber, dass „Verrücktheit“ bei einem Politiker in unterschiedlichen Gesellschaften und zu unterschiedlichen Zeiten ziemlich verschieden definiert wurde.
Hier hat es ja Veränderungen gegeben.
—
In der SU kamen Dissidenten mitunter in die Psychiatrie.
In der Renaissance wäre Trump als gewiefter und lebenspraller Machtmensch glorifiziert worden.
Wären Gewaltpolitiker wie Stalin und Hitler, die man im 20. Jahrhundert mitunter auch als verrückt bezeichnete, im Spätmittelalter und im Umfeld von Timur Lenk sonderlich aufgefallen?
Richard II. von England (reg. 1377–1399) war vermutlich wirklich geisteskrank.
Julius Caesar soll unter Epilepsie gelitten hatten. Gewiss keine Geisteskrankheit, aber doch eine Auffälligkeit.
Bei Johanna I. von Kastilien, der Wahnsinnigen im 15. Jh. sind die Verrücktheitsvorwürfe zweifelhaft, denn „Wahnsinn“-Zuschreibungen wurden auch früher schon politisch genutzt, um die Handlungsfähigkeit in Zweifel zu ziehen.
Und Ludwig II. von Bayern (1845–1886, König von Bayern)? Sein Handeln inkl. Schlösserbau scherte sich nicht um die bayerischen Finanzen. Aber war er deswegen im medizinischen Sinne verrückt?
Wilhelm IV von Preußen (reg. 1840 – 1858/61) soll hingegen zuletzt wirklich unter einer Art von „Gehirnarteriosklerose“ gelitten haben; Schlaganfälle kamen hinzu. Andererseits war auch sein politisches Wirken bei vielen sehr unbeliebt.
Nur ein paar Beispiele.
Ja es hat sich so manches verändert. In der glorreichen BRD kommen allzu eifrige Steuerfahnder mitunter in die Psychatrie.
Egal.
Durch die permanente Durchdringung und Dauerbeschallung, mit auch eigens dafür hergestellten und/oder pervertierten Berufssparten kann man in der Tat von einer normopathischen Gesellschaft sprechen.
Oder anders und damals waren die Mittel noch nicht so wirkmächtig:
Man kann natürlich, wie Adorno es versucht hat, beim autoritären Charakter, man kann immer versuchen zwischen Persönlichkeitsstrukturen und bestimmten sozialen Strukturen Beziehungen herzustellen. Da gibt es eine interessante Literatur. Geht ja schon auf Wilhelm Reich zurück, großer Psychoanalytiker, der in den dreißiger Jahren gesagt hat, jede Gesellschaft produziert in der Mehrzahl ihrer Mitglieder, die Art von psychischen Störungen, die sie für ihren Erhalt braucht. Insofern produziert jedes System sozusagen charakteristische psychische Verformungen, die es braucht. Der Kapitalismus produziert eben den eigennützigen Menschen, weil er genau diese Form von Mensch braucht.
Aus:
Rainer Mausfeld über Jordan Peterson, Grundeinkommen, Militarismus & individuelle Lösungen (Teil 2)
acTVism Munich
https://www.youtube.com/watch?v=znYQEdi2g78
Herr Trump ist nicht irre sondern korrupt.. (Vielleicht auch psychisch Krank aber diese Urteil das sollte man den Psychatern oder Psychaterinnen überlassen.
Den Vergleich mit Rom finde Ich insofern zutreffend, als dass es auch in Rom für die Statthalter üblich war alles aus den Provinzen zu pressen was man konnte, um das eigene Vermögen zu vergrößern. Bei Herrn Trump hat der Wahnsinn aber durchaus Methode, genau wie bei Leuten wie Frau V.d Leyen oder Herrn Merz. Er erklärt sich meiner Meinung nach vor allem durch ein kaltblütiges Profitstreben und das schonungslose Ausleben persönlicher Macht zum eigenen Vorteil..
Hätte Ich gewusst, dass ihr heute noch einen Trump Artikel macht dann hätte Ich es gleich hier verlinkt. Aber da dieser Senatsbericht über die ersten 500 Tage Trump hervorragend zum Artikel passt verlinke ich hier noch mal die Rede von US-Senator Chris Murphy zu dem Thema..
Herr Trump ist allerdings nicht allein sondern wird von den mächtigsten und reichsten der US-Oligarchen gestützt. Kein Wunder denn Gesetzte und Begnadigungen bekommt man bei Ihm zum „Schleuderpreis“!
Mfg Makrovir
Anmerkung..
Interessanter Weise interpretiert u.A Cleckly die Psychopathie nicht als psychische Krankheit sondern schlichtweg als einen andere „Art“ Menschen.
Vgl.
Political Ponerology – Andrew M. Lobaczewski
Das geht mir (als Laien) aber persönlich etwas zu weit weil es ja auch irgendwie herabwürdigend ist. Persönlich würde Ich es also eher als schwäche oder eine Art Behinderung sehen..
Was aber dabei auch hochinteressant ist, ist die sogenannte „Sekundär Psychopathie“. Das bedeutet, dass viele Menschen selber psychopathische Verhaltensweisen an den Tag legen oder erlernen wenn sie gezwungen sind in einem empathielosen System zu leben oder aber von Psychopathen befehligt werden. Versuche wie das Milgram Experiment oder auch das Konformitäts Experiment von Asch haben gezeigt, das wir alle mehr oder weniger anfällig dafür sind..
Einen Aspekt gibt es aber bei diesen Experimenten der Hoffnung macht! Das ist der sogenannte Sicherungs oder im Englischen „Circuit Breaker“ Effekt. Dabei wurde gezeigt, dass man zwar (bei manchen Versuchsaufbauten) bis zu 90% der Menschen dazu bringen kann ein Verbrechen am Mitmenschen zu verüben oder auch Dinge gegen die eigene Überzeugung zu sagen (Aus konformitäts Drang heraus). Wenn aber bei so einem Experiment auch nur ein anderer zugegen war der das „richtige“ getan hatte, dann sank die Bereitschaft dem Mitmenschen Schmerzen zuzufügen oder gegen das eigenen Wissen zu sprechen sofort auf ebenfalls etwa 10% ab !
Das ist in etwa so wie bei dem Jungen der ruft, dass der Kaiser keine Kleider hat..
Und es liefert natürlich auch ein gutes Erklärungs Modell für die Tatsache das die öffentliche Diskussion immer mehr Zensiert und auch monopolisiert wird denn damit schafft man eine scheinbare Konformität..
(199% der Wissenschaftler…)
Deshalb seid Couragiert Leute !
Lasst euch nicht in eine scheinbare Realität der Psychopathen einsperren.. Denn irre sind die leider nicht, nur gierig und unverschämt und vielleicht auch etwas „Seelenlos“..
Mfg Makrovir
Im Gegensatz zu Caligula sind Trumps Provokationen und Tabubrüche wohl überlegt, wenn er z. B. mit seinen Äußerungen den Separatisten in Grönland und Kanada Unterstützung andeutet. Es ist mir jetzt ganz egal, ob dieser Kommentar in die Moderation kommt oder ganz wegzensiert wird. Aber ich finde es verrückt, wenn eine Partei, die als Friedenspartei antritt, zwar kein Pferd, aber einen Kriegsbefürworter an die Macht bringt, der selbst seine Danksagung in seiner Doktorarbeit mit Ausnahme der Namen abgeschrieben hat. Sie drückten damit die Verachtung des Volkes noch brutaler aus, als Caligula die der römischen Institutionen aus der Demokratie. Die Wähler haben es dem BSW mit vernichtenden Niederlagen vergolten. Verrückt sind vielleicht auch jene Politiker, die einen Krieg mit Russland ankündigen, wobei die Paranoia nur vorgetäuscht ist, um den kompletten Größenwahn zu verbergen. Die Friedenskämpfer von der Linken Heidi Reichinnek und Ines Schwerdtner erklärten, sie würden die CDU unterstützen, nur um nach den Landtagswahlen eine Machtergreifung der CDU zu verhindern. Dabei bereiten CDU, SPD und GRÜNE einen Krieg gegen Russland vor.
Drum links, zwei, drei!
Drum links, zwei, drei!
Wo dein Platz, Genosse, ist!
Reih dich ein in die Kriegstreibereinheitsfront,
weil du auch ein Linker bist.
Man entschuldige meinen Schreibfehler. Korrektur:“nur um nach den Landtagswahlen eine Machtergreifung der AfD zu verhindern.“
Ein krankes Imperium mit seinem kranken Imperator.
Verrückt von den Normen von Gut und Böse ist das gesamte System. Der oberste Schausteller der Macht, eher nur das possenreißende Symptom als tatsächlich Ursache der fehlgeleiteten Macht.
Welche Formen der Abweichung gibt es eigentlich?
a) kognitive Geistesschwäche im Sinne einer ausgeprägten Demenz, ausgelöst z.B. durch Alzheimer oder übertriebenes Saufen
b) psychiatrische Auffälligkeiten (z.B. Narzissmus, Soziopathie, Normopathie, Schizophrenie, Autismus, Paranoia, bipolare Störung [-> manisch-depressive Stimmungsschwankungen])
c) „Verrücktheit“ im Sinne eines Abrückens von gerade gängigen/vorherrschenden Werten/Maßstäben
—
zu a)
Ja, das gibt´s und vor der zweiten Wahl von Trump konnte man das manchmal sehen. Bei Trump dürfte dieses Problem nicht vorliegen.
zu b)
Zu berücksichtigen ist, dass heute vieles, was man früher bloß als nun einmal vorkommende komische Marotte, als individuelle Abweichung usw. betrachtet und toleriert hätte, heute (im Zuge eines Gierens gewisser Berufsgruppen nach neuen Kunden und Aufträgen … !) ins Krankhafte und Behandlungsbedürftige transferiert wurde.
Nur ein paar Beispiele: Aus dem Zappelphilipp wurde der ADHS-Patient, jemand, den man früher als etwas sonderbar und in sich zurückgezogen betrachtet hätte, nennt man heute als Opfer von Autismus, der ängstliche Zeitgenosse wurde zum „Phobiker“ usw.
Die Liste der psychischen Erkrankungen ist ebenso umfangreich wie das Behandlungsinteresse bestimmter Leute.
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_psychischen_und_Verhaltensst%C3%B6rungen_nach_ICD-10
Von daher ist vieles, was heute schwülstig und theatralisch als schwerwiegende Störung oder Abweichung diagnostiziert wurde, in Wahrheit von zweifelhaftem Wert. Das betrifft natürlich auch die Bewertung heutiger Politiker!
Dahinter steckt die abwegige Vorstellung, dass es bei gewöhnlichen Menschen (Jesus will ich mal ausnehmen) überhaupt so etwas wie vollständige „geistige Gesundheit“ geben könnte. Gibt es die?? Natürlich nicht!
—
Bekannt ist nun, dass bestimmte psychiatrische Auffälligkeiten prinzipiell eine Karriere erleichtern. Wer da nicht zumindest etwas mit Narzissmus und einem Schlückchen Soziopathie geimpft ist, der kommt doch meist nicht weit.
Auch normopathische Anpassung ist insbesondere auf den unteren Stufen der Karriereleiter sehr hilfreich, später reicht das freilich nicht mehr aus. Auch mit Narzissmus kommt man nicht allzu weit.
—
zu c)
Das ist wahrscheinlich ein sehr unterschätzter Punkt! Das Wort verrät es ja schon: Verrücktheit als ein Abrücken vom Normalen und Althergebrachten. Der Verrückte ist einfach nur anders, aber eben nicht dement.
Auf seine Art ist daher jedes Genie zugleich verrückt. Ist ja bekannt.
Wenn man einem unbeliebten Mächtigen nicht auf andere Weise beikommen kann, so ist seit Jahrtausenden die Behauptung der wie auch immer gearteten Verrücktheit ein beliebtes Mittel der Wahl. War schon vor 3300 Jahren beim Ketzerkönig Echnaton so (eigentlich Pharao Amenophis IV). Bei ihm schloss sich sogar die „damnatio memoriae“ an, also die versuchte Tilgung der Erinnerung durch Zerstörung von Inschriften usw.)
In dieser Hinsicht ist ja Hitler erfolgreicher gewesen, denn niemand führt diesen Namen so oft im Munde wie gerade seine erbittertsten Feinde, niemand will ihn so wenig vergessen. Auch das vielleicht ein klinisches Phänomen.
—
Bei Trump könnten wir es mit einer Mischung von Narzissmus mit einem Schuss Soziopathie zu tun haben und das dann noch gemischt mit Fall c), also einem Abrücken von gerade gängigen/vorherrschenden Werten/Maßstäben wie z.B. dem Völkerrecht.
Das ist nun nicht unbedingt eine Mischung, die man gerne bei einem zugezogenen neuen Nachbarn haben möchte, aber es ist weit von Demenz entfernt.
@Wolfgang Wirth
Ich finde Sie machen es unnötig kompliziert. Die Leute, die glauben, dass Trump verrückt ist, glauben das, weil sie befürchten, dass ihn sein unzweifelhafter Narzissmus, seine Egomanie, in einen Cäsarenwahn treiben könnte, wenn er merkt, dass er scheitert, wenn offenkundig wird, dass seiner Großmäuligkeit eben keine dazu passenden Taten folgen, sondern sich das Ganze zunehmend nur als leeres, prahlerisches Geschwätz entpuppt, er somit also sein Gesicht verlieren würde, und eine große Demütigung bevorstünde.
Wenn seine Selbstbesessenheit mit der Realität kollidiert, könnte eben das einen Wahn auslösen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Was dazu führen könnte, dass er in seiner Position Dinge in Gang setzt, die schlimme Verheerungen auf der Welt verursachen. Das glauben die Leute, die Trump für verrückt halten.
Und so ganz abwegig finde ich das nicht, allerdings vermute ich, dass die Hintermänner von Trump sich dessen wohl bewusst sind und ihn möglicherweise rechtzeitig einhegen werden.
Trump ist noch weniger Alleinherscher als Putin, obwohl beide immer so dargestellt werden.
Allerdings sind die Hintermänner von Trump, bzw. das System dahinter auch kein Club von Menschenfreunden, sondern natürlich von Zielen getrieben, die der Welt mehr als genug zu enormen Schaden reichen können. DIESE Leute werden gewiss auch von einer Art Wahn getrieben, der aber weit weniger offenkundig ist.
Hallo @Two Moon
„Ich finde Sie machen es unnötig kompliziert.“
Mag sein. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich bei dieser Hitze nichts im Garten machen kann und nun ein bisschen am Rechner spiele …
—
Sie schreiben:
„Wenn seine Selbstbesessenheit mit der Realität kollidiert, könnte eben das einen Wahn auslösen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Was dazu führen könnte, dass er in seiner Position Dinge in Gang setzt, die schlimme Verheerungen auf der Welt verursachen. “
Na ja, welcher Politiker ist nicht selbstbesessen?? Und egoman war praktisch jeder Politiker, der Wirkungen hinterließ.
An die von Ihnen skizzierte Eskalationsmöglichkeit habe ich ehrlich gesagt – bezogen auf die Gebiete außerhalb der USA – noch nicht großartig gedacht. Ich halte das aber auch für eher unwahrscheinlich, weil Trump in internationaler Hinsicht relativ zurückhaltend ist. In den Iran-Krieg hat ihn Israel reingezogen. Da bin ich entspannt.
Trump ist für mich eher ein interessantes Phänomen bzw. ein Symptom für neuartige Entwicklungen beim politischen Stil und bei der Art der politischen Auseinandersetzung sowie bei der innenpolitischen Zuspitzung von Widersprüchen und im Hinblick auf die Kultur (bzw. Nicht-Kultur) seines Landes.
Er ist da und er ist wirksam, weil das sozusagen historisch notwendig aus den gegebenen Verhältnissen folgt.
So, wie es astrologisch gesehen notwendig ist, dass ein starker Mars nicht auf die Art der Zeichen Fische oder Krebs daherkommt … !
Trump bringt frischen Wind. Es ist unterhaltsam, das aus der Ferne zu beobachten.
Als Person beschäftigt er mich wenig. Er bereitet mir auch keine Sorgen.
—
Etwas mehr Turbulenz könnte er noch im Hinblick auf die Verhältnissen im Inneren der USA bringen, wo seine Politik die ja ohnehin schon vorhandenen Spannungen zwischen den zwei großen Lagern verstärkt hat.
Da scheinen mir nun auch bisher für fast unmöglich oder zumindest für sehr unwahrscheinlich gehaltene Eskalationen und Verwicklungen denkbar. Aber so ist das nun mal. Es gibt historisch gesehen Zeiten der Ruhe und es gibt Zeiten der Bewegung.
Sie wissen ja, ich betrachte das alles ein Stück weit so wie Sie die Konstellationen des Horoskops im Blick haben. Also eher von außen und emotionsarm.
—
So, jetzt wird gegessen und ich mach mir ein Bier auf!
Genehmigen Sie sich auch eins (oder auch zwei, der Wärme wegen).
Erst bezeichnet Caligulapuente unsern Bundespräsidenten Steinmeier in völliger Verkennung der Realität als „Gescheiterten“.
Hier nun diagnostiziert RDL in Zweitverwurstung mit rhetorischem Fragezeichen, Trump sei immerhin ein halber Wiedergänger von Caligula.
Beiden Fehldiagnosen ist unter anderem gemein, dass sie stur und gezielt untauglich-verkehrte Maßstäbe anlegen an ihren jeweiligen Beurteilungsgegenstand. Nämlich den geschmäcklerischen Maßstab von RDL: Der eine ist demnach ein „Trumpel“, der sinngemäße Kopfstöße liebt, der andere ein farblos-spröder „Versager“.
Um aber tatsächlich zu ermitteln zu können, welchen Nutzen und Erfolg diese beiden Funktionseliten für ihren jeweiligen Standort abwerfen, muss man sie schon vor dem Hintergrund der objektiven ökonomisch-imperialistischen und politisch-ideologischen Rollen beurteilen, die sie aufgrund ihres jeweiligen Amtes zu erfüllen haben.
Und da ist sowohl Trump als auch Steinmeier sehr erfolgreich. So hat Steinmeier etwa Karsten Bonack wegen Vereitelung des Reichstagssturmes ans Bundesverdienstkreuz gehängt und das Corona-Märchen jahrelang stabil regierungstreu vermarktet. Und Trump hat Venezuela erfolgreich überfallen und auf Linie gebracht, und bricht jetzt den Kubanern das Rückgrat u.v.m.
Sicher haben Trump und Steinmeier insofern auch einige Schattenseiten. So hat Trump den Iran-Krieg zumindest vorläufig verloren und der weniger originelle Steinmeier konnte bisher noch keinen deutschen Anspruch auf eigene Atombomben durchsetzen. Mehr war aufgrund der realpolitischen Großwetterlage im Moment für beide einfach nicht drin.
Auch wenn also in einigen Punkten noch „Luft nach oben“ ist, sind beide aber insgesamt Lichtgestalten des Imperialismus.
Merke: Caligula wollte bloß seinen Incitatus zum Konsul schlagen, aber Westend hat Caligulapuente als Redakteur verpflichtet.
Vordergründig ‚irre‘ Politik zu machen, hat oder hatte in beiden Fällen ein monetär motiviertes, halbwegs kontrolliertes kontrolliertes Chaos zur Folge, dass sehr profitabel sein kann bzw. konnte. Die Nutznießer profitieren von der durch diese Politikform verursachte Chaos, die Kriegsindustrie ist hierfür das beste Beispiel. Der Vergleich mit diesem Spätrömer ist gleichwohl selektiv aber Hitlervergleiche sind etwas aus der Mode gekommen. Vergleiche zu den Zionisten anzustellen, wäre u.U. gleich antisemitisch, den alten mit dem neuen Fritz zu vergleichen, ehrabschneidend oder so weiter. Medial wäscht immer eine Hand die andere, bis alle Patscher bis auf ein paar Blutergüsse wieder blitzsauber sind, obwohl die ganze bekannte damals wie heute im Chaos versinkt. Die Caligulas werden uns zuletzt ausgehen.
Schön, die Biografie Winterlings erwähnt zu sehen. Ob seine Sicht auf Caligula, die von der traditionellen Deutung abweicht, zutrifft, sei dahin gestellt. Mich konnte das Buch überzeugen und vor allem ist es schlichtweg gut geschrieben. Vielleicht ein wenig in der Tradition Mommsens, der mehr als ein Jahrhundert zuvor für seine römische Geschichte den Literaturnobelpreis bekam. Die gelehrte Zunft soll das damals nicht gemocht haben. Aber schon damals war es ein Aberglaube – wenngleich ein weit verbreiteter- dass ein Text wertvoller und wissenschaftlicher ist, wenn er unverständlich daher kommt. Wenn man gar nichts mehr versteht, muss er genial sein.
Ob Caligula wahnsinnig war oder Trump es ist, kann man trefflich diskutieren. Eine Diskussion, die man über Merz besser nicht führt. Jedenfalls nicht bei uns. Interessanter ist eigentlich, wie politische Systeme so einen Verdacht oder gar eine Gewissheit behandeln. Wie es aussieht, ist die einzige Lösung noch immer der „Tyrannenmord“. Jedenfalls, wenn man nicht – wie im Fall Biden – einfach neben und über dem Herrscher regieren und agieren kann.
Richtig weit gekommen ist unsere menschliche Zivilisation dann wohl doch nicht.
Die menschliche Zivilisation entwickelt sich durchaus vorwärts. Heute werden keine Frauen mit roten Haaren mehr auf dem Scheiterhaufen verbrannt, weil die Ernte schlecht ausfiel, die Bauern nichts auf ihrem Teller hatten und die Könige, Fürsten und Bischöfe Angst hatten, die Bauern würden sich einen Knödel vom adligen bzw. klerikalen Teller holen. Mir wurde zugetragen, am Hofe von König Friedrich dem Großartigen von Deutschland gab es heute Rehbraten mit brauner Soße, deutschen Knödeln und deutschem Blaukraut. Man sagt, das Blaukraut wäre im königlichen Garten von alternativen blauen Gärtnerinnen und alternativen blauen Gärtnern angepflanzt und geerntet worden, deshalb wäre es besonders blau gewesen. Dazu soll es blauen Burgunder vom Weingut Weidelmann, Gauerland & Söhne gegeben haben. Das Weingut Weidelmann, Gauerland & Söhne gibt es seit 1933 und produziert einen hervorragenden Blauburgunder. Man sagt, der König wäre begeistert gewesen.
Fazit: In der Zivilisation entwickelt sich manches ganz langsam mit kleinen Schritten vorwärts, manches mit drei oder vier ganz großen Schritten. Und manchmal geht es wieder zwei Schritte rückwärts. Nur die Maschinen, Techniken und Technologien, um Krieg zu führen und andere Menschen abzuschlachten, die entwickeln sich immer kontiniuerlich vorwärts, die werden immer progressiver, effektiver und effizienter oder sehe ich das falsch?
Kleine Denksportaufgabe für Österreicher: Wenn sich wos entwickelt und des is nix, entwickelt sich dann wos oder entwickelt sich dann nix?
Das größte Problem am Gärtnern ist der Gärtnerverschleiß und die wachsen auch nicht einfach eben so nach, seuftz. Selbst der Prince of Wales kann andererseits ein Lied davon singen, wie seine besten Gärtner vor der Zeit in Rente gehen, weshalb er jetzt auch in ein Gartenhäuschen umgezogen ist, um seine weitläufigen Rosenhecken fortan besser in Eigenregie trimmen zu können.
Was Trump in Bezug auf Cuba anstellt (auch dank der großen Befugnisse eines US-Präsidenten), ist absolut übel. Ansonsten: So so, la la. Warum das? Nun, die Regierenden von Großmächten handeln ähnlich, seine Vorgänger der letzten hatten größtenteils einen anderen Stil und bei einer Kritik daran ist schon viel Kulturkampf-Blabla. Seine Anhänger finden natürlich alles toll, wobei es hier auch schon Zerwürfnisse gibt, die Verbündeten der USA sind vornerum vor allem unterwürfig (was mit ‚Vasallentum‘ wenig bis nichts zu tun hat, dazu später), weil sie bislang von dieser transatlantischen Arbeitsteilung halt auch sehr profitiert haben – jedenfalls dann, wenn sie vom Warenexport dorthin leben. Das gilt vor allem für die Manager von Konzernen, aber auch für den Mittelstand. Wer nichts hat außer seiner zu verkaufenden Arbeitskraft, braucht halt einen Job und hofft, dass die Kohle reicht. Viel Entrüstung (eher hintenrum) in der europäischen Politik über Trumps Nullsummenphilosophie, wenn einer was gewinnt, verliert das ein anderer, nein, wo bleiben denn da die, äh, „Werte“ (dass es da vor allem um Mehrwert geht, hört man dann nicht so gern bzw. vielleicht hilft ja auch Ohren zuhalten. Bock auf dauerhafte Bündnisse hat Trump auch wenig, was hierzulande auch wieder für Entrüstung sorgt, anders als er brauchen die Juniorpartner halt Planungssicherheit. Stichwort: „Enttäuschte & sitzengelassene Juniorpartner“ trifft es meiner Ansicht nach um Welten besser als „Vasallen“, bei der letzteren Bezeichnung schwingt viel „Wir Europäer müssen jetzt aber…“ mit, da sind sich Merz und Gysi einig, würg. Und ein Letztes: Wer krank ist, leidet i.d.R. darunter und will praktisch immer auch gesund werden. Das ist bei Trump sicher nicht so, er ist unheilbar gesund – das trifft aber auch für so ziemlich alle zu, die über Macht verfügen, der Ausweg daraus müsste halt sowas Anarcho-Syndikalistisches sein, aber bitte ohne DGB.
Da fällt mir dieses Theaterstück von Friedrich Dürrenmatt ein (bitte nicht verwechseln mit Friedrich März!). Wie hieß das nochmal? Aja, „Die Physiker“. Da geht es darum, ob tatsächlich alle Verrückten in der Psychatrie sind oder nicht doch ein paar Verrückte oder sogar mehrere frei rumlaufen, aber alle anderen wegsehen.
Wir leben doch im „Wertewesten“ angeblich in Demokratien, in Deutschland sogar in der besten Demokratie, die wir in Deutschland jemals hatten. Das hat jedenfalls ein Politiker gesagt. Wenn die Mehrheit Verrückte wählt, dann bekommt sie auch Verrückte. Im März 1933 haben rund 44 Prozent der deutschen Wählerinnen und Wähler ihren eigenen Diktator gewählt, obwohl es Leute gab, die damals sagten: Wer Hitler wählt, der wählt den Krieg. Wie bekloppt war das denn?
Von Dürrenmatt kenne ich insbesondere ‚Der Richter und sein Henker‘ aber das war nur eine ziemlich unaufregender Kriminalroman eines für die damalige Zeit relativ erfolgreichen schweizerischen Kriminalromanautors. Andererseits ist die Schweiz wahrscheinlich trotz ihrer gewaltigen Schattenwirtschaft nicht wehrhaft genug, um einer erneuten Versuch der Machtergreifung durch die Nazis zu widerstehen. Wenn ich Nazi wäre und viel Geld aus Rüstungsgeschäften erwirtschaftet hätte (was beides nicht der Fall ist), würde ich auch zu allerletzt die Schweiz bombardieren. Es wirkt daher umso befremdender, dass die Schweiz deutschen Rechtsextremist:Innen Unterschlupf gewährt haben könnte.