
Fauci sollte sich bei der Wahrheit über den Ursprung von COVID-19 nicht auf den fünften Verfassungszusatz berufen.
Wir brauchen eine unabhängige Untersuchung mit dem Recht, Zeugen vorzuladen und Unterlagen anzufordern – abgeschirmt von jenen Behörden, deren eigenes Verhalten zur Debatte steht. Und dann soll die Beweislage entscheiden.
Am 29. Juli saß Anthony Fauci aufgrund einer Vorladung vor einem Ausschuss des Senats und verweigerte mehr als hundertmal die Antwort auf Fragen. Bei seinen rund 250 früheren Auftritten vor dem Kongress hatte er sich kein einziges Mal auf den fünften Verfassungszusatz berufen. Nun tat er es bei der Frage, wo die schlimmste Pandemie seit einem Jahrhundert ihren Anfang nahm – und bei allen anderen Fragen ebenfalls.
Er hatte das Recht dazu. Der fünfte Verfassungszusatz gewährt dieses Recht, und wer Schweigen als Beweis für Schuld betrachtet, missversteht die Verfassung. Doch damit geht der entscheidende Punkt verloren. Fauci leitete 38 Jahre lang das National Institute of Allergy and Infectious Diseases und wurde zum Gesicht des medizinisch-wissenschaftlichen Establishments der USA – wobei er sich einmal sogar selbst entsprechend bezeichnete: „Ich bin die Wissenschaft.“ Seine Behörde gehörte zu jenen, die Coronavirus-Forschung in Wuhan und in North Carolina finanzierten. Wenn die Frage lautet: Wie konnten eine Million Amerikaner sterben?, dann kann der Mann, der die Rolle des „Arztes Amerikas“ spielte, nicht schweigen und zugleich weiterhin den Mantel der Wissenschaft für sich beanspruchen.
Aus dem Labor
Vor vier Jahren forderten wir in den Proceedings of the National Academy of Sciences eine unabhängige Untersuchung über den Ursprung von SARS-CoV-2, jenes Virus, das die Pandemie verursachte – mit uneingeschränktem Zugang zu amerikanischen ebenso wie zu den einschlägigen chinesischen Unterlagen. Der Öffentlichkeit wurde von Beginn der Pandemie an erklärt, die Frage nach dem Ursprung sei geklärt, das Virus sei natürlichen Ursprungs. Doch diese Frage war ganz gewiss nicht geklärt. Jede Veröffentlichung aufgrund des Freedom of Information Act, jeder Bericht eines Whistleblowers und jedes seit 2022 vorgelegte Dokument des Kongresses hat weitere Zweifel an dieser Darstellung geweckt und stattdessen auf einen Ursprung des Virus in einem Labor hingedeutet.
Im Januar 2025 schloss sich schließlich auch die Central Intelligence Agency dieser Einschätzung an. Sie gelangte „mit geringer Sicherheit zu der Einschätzung, dass ein forschungsbedingter Ursprung der COVID-19-Pandemie wahrscheinlicher ist als ein natürlicher Ursprung“. Das FBI kam mit mittlerer Sicherheit zum selben Ergebnis. Ebenso das Department of Energy, das die nationalen Forschungslaboratorien betreibt. Drei amerikanische Behörden und der deutsche BND halten inzwischen einen forschungsbedingten Ursprung für wahrscheinlicher. Dennoch wurde diese Einschätzung noch immer nicht unter Einbeziehung sämtlicher relevanter amerikanischer Unterlagen geprüft.
Wir wissen inzwischen jedoch recht genau, wie ein solches Virus hergestellt worden sein könnte, denn die Anleitung dazu wurde niedergeschrieben. Im Jahr 2018 reichten Ralph Baric von der University of North Carolina, Peter Daszak von der EcoHealth Alliance und Shi Zhengli vom Wuhan Institute of Virology bei der DARPA einen Antrag namens DEFUSE ein. Darin wurde ein konkreter Plan beschrieben: Barics Reverse-Genetics-Plattform – eine von ihm entwickelte und patentierte Technologie zum Zusammenbau von Coronaviren aus synthetischen Fragmenten – sollte dazu verwendet werden, Grundgerüste von Fledermaus-Sarbecoviren zu konstruieren, darunter aus Feldproben zusammengesetzte Konsensussequenzen. Anschließend sollte an der S1/S2-Verbindungsstelle des Spike-Proteins eine Protease-Schnittstelle eingefügt werden.
Einzigartiges Virus
Eine Protease-Schnittstelle ist von entscheidender Bedeutung, damit solche Fledermausviren die „Artenschranke“ zwischen Fledermäusen und Menschen überwinden können. In diesem Fall handelt es sich um eine sogenannte Furin-Spaltstelle (FCS). Als SARS-CoV-2 erstmals auftauchte, war es das einzige bekannte Virus seiner Familie – der Gruppe der Sarbecoviren –, das eine solche Stelle besaß. In dieser Hinsicht ist es bis heute einzigartig. Trotz umfangreicher Probenentnahmen bei Fledermäusen, die als Reservoirwirte dieser Viren dienen, ist kein anderes Virus dieser Gruppe oder Familie aufgetaucht, das eine solche FCS aufweist – ebenso wie in China kein Tier gefunden wurde, das mit einem Vorläufer von SARS-CoV-2 infiziert gewesen wäre. Diese Befunde geben weiterhin großen Anlass zur Sorge.
Diese neuartige FCS war jenes Merkmal, das die Virologen am stärksten beunruhigte, als sie erstmals das Genom untersuchten. Denn sie stellt einen evolutionären Sprung dar, für den es keine Hinweise darauf gab, dass er in der Natur stattgefunden hatte. Was den meisten Menschen unbekannt war: Amerikanische Wissenschaftler hatten nur zwei Jahre vor dem Ausbruch einer neuartigen Coronavirus-Erkrankung in Wuhan vorgeschlagen, genau dieses Merkmal in genau diese Art von Coronavirus einzubauen. Sofern ein geeignetes Ausgangsvirus vorhanden war, wäre das Einfügen von zwölf Nukleotiden zur Erzeugung der FCS trivial gewesen; ähnliche Arbeiten waren bereits durchgeführt worden.
Betrachten wir nun, was hinter verschlossenen Türen gesagt wurde. Am 31. Januar 2020 erklärten führende Virologen Fauci, das Genom sehe gentechnisch verändert aus. Jeremy Farrar vom Wellcome Trust brachte sie am folgenden Tag zu einer Besprechung zusammen und schickte einen weiteren Tag später Fauci und Francis Collins eine Übersicht darüber, wie die Beteiligten die Lage einschätzten. Michael Farzan, der den Rezeptor entdeckt hatte, den SARS-CoV-1 und SARS-CoV-2 nutzen, um in menschliche Zellen einzudringen, bezifferte die Wahrscheinlichkeit eines Laborunfalls auf 60 zu 40 oder 70 zu 30. Edward Holmes sah das Verhältnis 60 zu 40 zugunsten der Laborhypothese. Farrar schrieb, auf einer Skala, auf der null für einen natürlichen Ursprung und hundert für eine Freisetzung stehe, liege er, wenn er ehrlich sei, bei fünfzig.
Laborunfall in Wuhan
Nichts davon wurde öffentlich gemacht. Sechs Wochen später veröffentlichten fünf dieser Wissenschaftler in Nature Medicine den Aufsatz „The Proximal Origin of SARS-CoV-2“, in dem sie zu dem Schluss kamen, dass kein Laborszenario plausibel sei. Fauci präsentierte den Artikel vom Podium des Weißen Hauses aus als unabhängige und definitive wissenschaftliche Erkenntnis. In einer erst im vergangenen Juni veröffentlichten Nachricht erklärte Collins gegenüber Kollegen, bei dem Artikel habe es sich um eine Arbeit gehandelt, bei der er selbst, Fauci, Farrar und Lawrence Tabak „mitgeholfen haben, aber angemessenerweise nicht ausdrücklich erwähnt werden“.
Die in dem Artikel vorgebrachten Argumente waren wissenschaftlich stets schwach und sind seither eines nach dem anderen zusammengebrochen. Die Autoren behaupteten, die Herstellung eines solchen Virus im Labor sei schwierig. Ein deutsches Team setzte jedoch mithilfe eines auf Hefe basierenden Systems innerhalb von weniger als zwei Wochen ein solches Virus aus synthetischen Fragmenten zusammen. Die Experten von Proximal Origin behaupteten außerdem, ein molekulares Merkmal neben der Furin-Spaltstelle zeige, dass das Virus innerhalb eines lebenden Organismus und nicht in einem Labor entstanden sei. Dieses Merkmal – eine Gruppe von Zuckermolekülen, sogenannte O-Glykane – war aufgrund der Computeranalysen der Autoren vorhergesagt worden. Laboruntersuchungen zeigten jedoch, dass dieses Merkmal tatsächlich gar nicht existierte. Die Autoren erklärten ferner, ein Konstrukteur im Labor hätte über das Spike-Protein die Bindung des Virus an den menschlichen Rezeptor optimiert. Ralph Baric hatte jedoch bereits ein Experiment durchgeführt, das zeigte, dass die Infektion menschlicher Zellen besser funktioniert, wenn die Bindung des Spike-Proteins an die Rezeptorstelle gerade nicht optimal ist. Zu keinem dieser Fehler in Proximal Origin wurde jemals eine Korrektur veröffentlicht. Wie aus ihren eigenen E-Mails und Slack-Nachrichten hervorgeht, verloren die Autoren schon bald selbst das Vertrauen in ihre Schlussfolgerungen. Dennoch zogen sie den Artikel nicht zurück.
Baric selbst war an der Entstehung von Proximal Origin beteiligt, denn er nahm heimlich an der Telefonkonferenz vom 1. Februar teil. Seine Anwesenheit wurde niemandem gegenüber offengelegt; er kann nicht erklären, wie er überhaupt in die Konferenz gelangte, und mindestens zwei Teilnehmer wussten nicht, dass er dabei war. Baric erwähnte den DEFUSE-Antrag während des Gesprächs nicht und behauptete später, ihn vergessen zu haben. Der Antrag lag nach Beginn des Ausbruchs 18 Monate lang in den Akten des Pentagon und der Geheimdienste, ohne dass irgendeine Behörde ihn veröffentlichte; ans Licht kam er schließlich durch einen Whistleblower. Als dies geschah, waren sich die Autoren von Proximal Origin intern darüber einig, dass sie sich „erneut davon überzeugen“ müssten, dass die Ähnlichkeit lediglich Zufall sei. Einer schlug vor, E-Mails zu vermeiden oder bestimmte E-Mails für mögliche Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz sorgfältig auszuwählen. Baric hat ausgesagt; Teile seiner Aussage sind weiterhin geheim, vermutlich wegen seiner Verbindungen zu den Geheimdiensten.
Mehrere Geheimdienste – darunter der deutsche BND und die CIA – halten einen forschungsbedingten Ursprung für wahrscheinlicher und weisen auf einen Laborunfall in Wuhan hin. Sollte dies zutreffen, würde es allerdings nicht erklären, weshalb eine derart aufwendige Vertuschung notwendig gewesen sein sollte, an der hochrangige US-Regierungsvertreter sowie Wissenschaftler aus Großbritannien, Australien und anderen Ländern beteiligt gewesen wären. Wissenschaftler weltweit sind von der Existenz einer Vertuschung deutlich stärker überzeugt als von einem natürlichen Ursprung des Virus; allerdings haben vergleichsweise wenige ihre Auffassung öffentlich geäußert.
Was Fauci hätte sagen sollen
Falls das Virus tatsächlich in einem Labor gezüchtet, gentechnisch verändert oder neu zusammengesetzt wurde, dann stammte ein Teil der dafür eingesetzten Technologie aus den USA, der Entwurf war amerikanisch und ein Teil der Finanzierung ebenfalls. Und auch einige jener Unterlagen, mit denen sich die Angelegenheit klären ließe, befinden sich in den Vereinigten Staaten: Barics Laborbücher, Bestandslisten der Gefrierschränke, die Sequenzen jener Viren, die von der EcoHealth Alliance gesammelt wurden, Unterlagen der UC Davis zum PREDICT-Programm unter USAID, Materialtransfervereinbarungen und Versandbelege zwischen der UNC und anderen US-Bundeslaboratorien sowie die NIH-Förderakten, aus denen hervorgeht, ob die im DEFUSE-Antrag vorgeschlagenen, von der DARPA jedoch abgelehnten Arbeiten möglicherweise in einzelnen Teilen von anderen US-Behörden finanziert wurden. Jedes einzelne dieser Dokumente könnte noch in dieser Woche auf Anordnung des Kongresses vorgelegt werden. Seit sechs Jahren werden sie sämtlich zurückgehalten.
Unser Vorwurf lautet nicht, dass die USA an der Entstehung dieses Virus beteiligt waren. Unser Vorwurf lautet, dass Fauci und andere amerikanische Regierungsvertreter und Wissenschaftler die Suche nach der Wahrheit behindert haben. Auf Grundlage der bislang verfügbaren Beweise kann keine Untersuchung die Wahrheit feststellen. Also: Öffnet die Akten. Setzt eine unabhängige Untersuchungskommission mit dem Recht zur Vorladung von Zeugen und zur Anforderung von Unterlagen ein, abgeschirmt von jenen Behörden, deren eigenes Verhalten Gegenstand der Untersuchung ist. Und dann soll die Beweislage entscheiden. Sollte sie Ralph Baric und Anthony Fauci entlasten – was durchaus möglich ist –, dann wären sie durch Beweise entlastet worden und nicht durch bloße Behauptungen. Das ist die einzige Art von Entlastung, die etwas wert ist.
Genau das hätte Fauci am 29. Juli sagen sollen:
„Hier sind meine Unterlagen. Hier sind die Unterlagen der NIH. Erzwingt die Herausgabe der übrigen Dokumente, und ich werde euch dabei helfen, die Antwort zu finden.“
Stattdessen berief er sich mehr als hundertmal auf den fünften Verfassungszusatz.
Dieser Artikel erschien erstmals im englischen Original bei Common Dreams.





Soweit ich es verfolgen und beurteilen kann ging es bei der letzten Anhörung Fauci’s vor dem Senat nicht um wissenschaftliche Wirklichkeiten, sondern um ideologische Wahrheiten und die Personalie Fauci per se!
Dass Fauci das Recht hat, sich auf „den Fünften“ zu berufen, ist durchaus strittig. Das Recht soll ja sicherstellen, dass man sich nicht zusätzlich selbst belastet, woraus ja weitere Bestrafungen folgen können.
Da Fauci aber bereits „vorbeugend begnadigt“ wurde, drohen ihm keinerlei Strafen für sein damaliges Tun mehr. Damit stellt seine Auskunftsverweigerung eine Mißachtung des Congresses dar, was eine neue, nicht von der Begnadigung erfaßte Straftat darstellt.
Ein schwacher Appell und noch dazu falsch an entscheidender Stelle.
Die Chance, dass dieses Virus auf natürlichen Weg entstanden ist, ist kleiner als 100 mal hintereinander im Lotto zu gewinnen. Fauci gehört hinter Gittern. Die Beweislage ist ist erdrückend aber das politische und gesellschaftliche System ist in den USA und dem gesamten Westen dermaßen kaputt, dass selbst Massenmörder ungestraft davonkommen.
Nach und nach kommt alles ans Licht. Was die Kritiker von Anfang an sagten und unsere Faktenchecker als Verschwörung „nachgewiesen“ ! hatten und immer noch glauben. Immer öfter stellen sich Fakenews als die eigentliche Wahrheit heraus, die dem Bürger verheimlicht wurde. Von der flachen Erde mal abgesehen, die aber gern benutzt wird um Leute in einen Topf zu werfen.