
Es ist nun endgültig an der Zeit, über jene bedauernswerten Menschen zu sprechen, die im falschen Körper stecken und daher von der Gesellschaft diskriminiert und geächtet werden: Menschen, die sich als Doktoren fühlen, es aber nicht sind. Eine Glosse.
Die Affäre um die nicht berechtigte Führung eines Doktortitels von Mario Voigt, macht es notwendig, über einen Kreis von Menschen zu sprechen, der es schwer hat in dieser unserer Gesellschaft. Es handelt sich dabei um Personen, die sich mit einem tragischen Schicksal konfrontiert sehen: Sie betrachten sich in etwa ab dem frühen Erwachsenenalter deutlich als Doktoren – und richten ihr Leben danach aus. Damit verbunden: Der Griff zu illegalen Mitteln. Das Plagiat, die Grundlage jeder Titelerschleichung, wird von Fachleuten gemeinhin als Einstiegsstraftat – Verletzung von Urheberrechten, um genau zu sein – bezeichnet, die bisweilen weitere Schandtaten nach sich zieht: etwa das Belügen der Öffentlichkeit oder die Beeinflussung von Prüfkommissionen.
Der Weg in Illegalität wegen einer intoleranten Gesellschaft
Die Betroffenen sind nicht seit ihrer Geburt mit der Akademikertiteldysphorie konfrontiert. Sie bildet sich erst im Laufe der Adoleszenz heraus – teilweise sogar erst in der Spätphase der Adoleszenz. Immer stärker verspüren diese Menschen dann die Gewissheit, einen Doktortitel vor dem Namen führen zu müssen. In seltenen Phasen der Klarheit, beurteilen sie ihre Situation jedoch als aussichtslos, sie spüren, dass sie einen solchen Titel nicht erhalten werden. Die Gesellschaft verstärkt diese bittere Einsicht, wir kommen gleich darauf zurück. Damit sehen sie sich dazu getrieben, auf Umwegen zu einem akademischen Grad zu kommen. Sie schreiben dann exzessiv ab oder engagieren sich jemanden, der das für sie übernimmt – es gibt auch Fälle, in denen ihnen jemand eine Doktorarbeit schreibt, dabei aber nicht oder doch nur sehr wenig plagiiert.
Betroffene leben in einem Zustand von Traurigkeit, Reizbarkeit, Getriebenheit, Unruhe, Anspannung und allgemeiner Unzufriedenheit. Sie fühlen sich im falschen Körper: sie sehen sich als Doktor, als hochangesehene Persönlichkeit, die von so ausgeprägtem Verstand ist, dass ein akademischer Grad die logische Vollendung ihres Werdeganges sein muss. Die biologische Realität ist eine andere – Betroffene wissen davon, dass sie in einem Körper stecken, der ihnen so einen Lebensweg nicht ermöglicht. Hier öffnet sich die Tür zu Illegalität. Man muss festhalten, dass dieser Schritt ursächlich in der Reaktion der Öffentlichkeit zu suchen ist. Sie treibt den Dysphorischen zu solcherlei Aktionen. Es ist die Intoleranz, die diese Menschen auf die falsche Spur bringt – und es ist Produkt eines strukturellen Dilemmas, gleich mehr dazu.
Die Gesellschaft geht teils gnadenlos mit Menschen um, die an Akademikertiteldysphorie leiden. Das heißt, sie tut es erst dann, wenn bekannt wird, dass der Betroffene glaubt, er stecke im Körper eines Doktors, aber gar keiner ist. Solange die Öffentlichkeit nichts von diesem Geheimnis weiß, behandelt sie ihn wie jedes andere Mitglied der Gesellschaft – was den Transdoktor, wie man solche Leute umgangssprachlich nennt, in seinem Wirken bestärkt, die Fassade unbedingt aufrechtzuerhalten. Dem Zustand dieser betroffenen Menschen ist es nicht förderlich, wenn sie bei aufgedeckten Doktordysphorie zusehen müssen, wie beschämend aufgedeckte Vorfälle öffentlich verhandelt werden. Während Mario Voigt nun ins Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung gerückt ist, teils beschimpft und lächerlich gemacht wird, sitzen in diesem Moment vermutlich viele betroffene Menschen kleinlaut zuhause und sorgen sich um ihre Zukunft. Probates Mittel dann: in die Offensive gehen.
Zugang erleichtert: Eine Standarddissertation für alle
Sie werden dazu verdammt, selbst mit dem Finger auf denjenigen zu zeigen, die ertappt wurden. Die gesellschaftlich nicht tolerierte Akademikertiteldysphorie hat zur Folge, dass Betroffene untereinander keine Solidarität an den Tag legen können. Es ist geradezu beschämend, wie die intolerante Öffentlichkeit Betroffene zu Mittätern werden lässt. Ein anderer Umgang mit den Betroffenen ist daher unbedingt erstrebenswert.
Nochmal zum strukturellen Problem, von dem vorhin kurz die Rede war – es lässt sich so zusammenfassen: Es ist die Gesellschaft, die sich anmaßt, Kriterien für die Vergabe von akademischen Titeln festzulegen. Besser gesagt, die Gesellschaft hat die Wissenschaft dazu berufen. Sie entwirft Standards, wann jemand zum Beispiel ein Doktortitel zusteht und wann nicht. Dabei nimmt man in Kauf, dass Menschen, die sich als Transdoktor identifizieren, chancenlos bleiben – sie müssen also gewissermaßen aus Gründen der Notwehr zu Ghostwritern oder Plagiaten greifen. Die Cisnormativität des wissenschaftlichen Betriebes produziert das Unglück jener Menschen, die sich im Körper eines Doktors glauben, aber keine sind. Es wäre daher endgültig an der Zeit, diese diskriminierenden Strukturen aufzuweichen und den Erhalt eines Akademikertitels an Kriterien zu binden, die für jeden umsetzbar sind.
Muss ein Doktortitel denn wirklich diese Art von Weihegrad mit erschwertem Zugang sein? Wieso genehmigt man, im Sinne dieser armen Menschen, nicht die Einreichung eines Plagiats? Besser wäre es, wenn man sich im Wissenschaftsbetrieb auf eine Standarddissertation einigte, die jeder, der gewillt ist, diesen Titel anzustreben, einfach mittels Copy and Paste duplizieren und einreichen könnte. Es ist cisnormative Arroganz, die Identität von einer Urkunde abhängig zu machen. Der Doktortitel muss so niedrigschwellig wie möglich angeboten werden, um auch Transdoktoren den Zugang zu ermöglichen. Eine Kommission sollte jetzt schnellstmöglich eine vorgefertigte Dissertation in einfacher Sprache anfertigen, die dann jedem Doktoranden – auch der Transdoktorand ist ein Doktorand! – zur Verfügung gestellt werden kann. Er reicht sie daraufhin ein und sollte dann innerhalb von 48 Stunden einen Bescheid erhalten, der ihn als Doktor ausweist. Unbürokratisch und schnell. Am Ende zählt nur, was einer will und nicht was einer kann. Alles andere ist totalitär.
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Bekommt Annalena dann auch endlich ihren Doktortitel in Völkerrecht, bevor sie zur UNO-Königin der Welt ernannt wird? Der Robert hat ja schon einen.
Vielleicht sollte das Bundespräsidialamt mal bei Mattel anfragen. Denen gehört ja die Marke UNO.
Auch Adelstitel kann man sich kaufen oder erschleichen, warum nicht auch einen Doktortitel?
Offenbar wollen diese Herrschaften mehr SCHEIN als SEIN sein und haben es nötig.
Der Titel als solcher wird natürlich entwertet.
P.S. Auch sein Professortitel soll ihm entzogen werden. politische Konsequenzen wird das für ihn aber nicht haben,selbst wenn er zurücktreten sollte. Irgendwann wird er auf einem lohnenden Pöstchen wieder auftauchen.
Er wird nie darben müsen wie Herr Baud und all die anderen Sanktionierten.
Ist Herr Merz schon mit einer Tüte Gas oder 1 Kilo Watt aus Katar zurück? 🙂
Schwadronieren und Hochstapelei hieß das früher : https://de.wikipedia.org/wiki/Gert_Postel
Man hat auch früher schon Hochstapelei von Betrug unterschieden. Verharmlosungen helfen nur den Betrügern.
…………. ich will auch !!!!! Aber einen in LEGO, ja???
Aufgrund seines Doktortitels hatte Mario sogar eine Professor-Planstelle. Kriegt man ja nur, wenn man Doktor ist. Muß der sympathische Mario jetzt das Gehalt zurückzahlen?
Nicht, daß noch jemand die Qualifikation des „Karlatan“ hinterfragt?
https://www.hintergrund.de/politik/inland/der-karlatan/
Die Arbeiten von Weidel und Wagenknecht sind vermutlich am häufigsten nach Fehlern und Plagiaten durchsucht worden. Ich finde es überaus verdächtig, dass niemand bisher etwas finden Konnte. Es ist doch klar, dass da etwas nicht stimmen kann, wenn alles stimmt. So gesehen ist dann beim Karl alles in Ordnung, weil nicht alles in Ordnung ist.
Ist doch klar.
Apropos strukturelle Probleme: Wie kommt es eigentlich dass ein „Plagiatsjäger“ wie Weber die Plagiate erkennen und fein säuberlich inkl Quellennachweis auflisten kann, während die welche die Doktorarbeit abnehmen dabei bloss Däumchen drehen?
Plagierende wird es immer geben. Das sie es so unverschämt tun wie in diesem Fall, zeigt, wie morsch ein nach wirtschaftlichen und politischen Gefälligkeiten ausgerichteter Universitätsapperat ist.
Wieviel Unglück könnte vermieden werden, wenn wir Doktortitel an den Grundschulen verschenken würden und deutsche Staatsbürgerschaften an den Grenzen. Erst wenn alle Menschen deutsche Doktoren sind, fühlt sich keiner mehr diskriminiert und niemand kann remigriert werden!
Endlich mal einer, der das Problem verstanden und auch eine Lösung anzubieten hat.
Wobei, man sollte auch den damit verbunden Problemen nicht ausweichen, da dadurch auch Probleme entstehen können, an die man zu denken hat, bevor Schaden entsteht. Was, wenn einer von DEN FALSCHEN die Gelegenheit nutzt, um die Richtigen vorzuführen? So wie ein flüchtiger Nazi eine veränderte Geschlechtsidentität behauptet, die er gar nicht haben kann, da er nicht zu UNS gehört? Dem kann und sollte vorgebeugt werden, in dem wir ein Bundesamt zur Erfassung DER FALSCHEN schaffen, deren diesbezügliche Wünsche prinzipiell nicht angenommen werden. Wir alle verstehen das und es wäre auch in vieler Hinsicht nützlich zum Schutz UNSERERDEMOKRATIE.
Dr. rer. nat. 1211 (demnächst)
„Dysphorisch“ – allein für die Verwendung dieses, mir bis dato nicht über den Weg gelaufenen psychologischen Fachbegriffes würden dir, lieber Roberto, der „Dr.“ zustehen…😉😅