Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr

Schuldenuhr USA.
Benoît Prieur, CC0, via Wikimedia Commons

Brauchen die USA einen Stellvertreterkrieg, um ihre Schuldenwirtschaft am Leben und am Laufen zu halten? Einiges spricht dafür.

Zurzeit geschehen ungeheuerliche Dinge. Die Medien zitieren den US-Präsidenten Joe Biden mit Schlagzeilen wie diesen: «Biden warnt vor Armageddon» (spiegel.de), «Biden warnt vor Nuklear-Armageddon» (tagesschau.de), «So nah am Armageddon wie seit 1962 nicht» (faz.net). Die Botschaft ist klar: Es droht der Weltuntergang – und schuld daran ist allein der Erzfeind Russland und sein satanischer Präsident Wladimir Putin.

Sollte es tatsächlich zu einem Atomkrieg kommen, erübrigt sich die Klärung der Schuldfrage. Solange noch eine Chance besteht, ihn zu verhindern, ist die Klärung der Schuldfrage von größter Relevanz. Wer die Kräfte identifiziert, die an der Eskalation eines regionalen Kriegs zum Weltkrieg interessiert sind, kann wenigstens versuchen, sich ihnen zu widersetzen. Vielleicht stößt man dabei auf Überraschendes.

Ausgangspunkt der folgenden Überlegungen ist die Frage: Wer hat ein vitales Interesse an der Eskalation eines Konflikts zwischen der Ukraine und Russland? In anderen Worten: Wer profitiert von einem potenziellen Weltkrieg?

These

Wenn wir über Profit sprechen, sprechen wir von ökonomischen Vorteilen. Um die Fragen zu beantworten, müssen wir ökonomische Zusammenhänge verstehen. Über ökonomische Zusammenhänge liest man in der Kriegsberichterstattung zum Ukrainekrieg so gut wie nichts. Dabei sind sie in jedem Krieg zentral. Kriege fallen nicht vom Himmel. Sie werden meistens geführt, weil irgendwie ökonomische Interessen im Spiel sind. Meine These lautet wie folgt:

  1. Auch im Ukrainekrieg sind ökonomische Interessen im Spiel.
  2. Hauptprofiteur des Ukrainekriegs sind die USA.

Grenzenlose Unterstützung mit hohem Kriegspotenzial

Es ist zunächst einmal auffallend, wie stark sich die USA seit vielen Jahren für die Ukraine engagieren, genauer gesagt: den prowestlichen Teil der Ukraine. Bereits 1997 wurde zwischen der NATO und der Ukraine ein Partnerschaftsvertrag abgeschlossen (NATO-Ukraine-Charta). 2008 warben die USA für die Aufnahme des russischen Nachbars in die NATO – wohl wissend, dass Russland eine solche Entwicklung nicht goutieren würde. Es ist kein Geheimnis, dass die USA die Gegner der prorussischen Regierung unter Wiktor Janukowytch massiv unterstützten und sich nach dem Staatsstreich 2013/14 hinter den Kulissen für eine prowestliche Regierung einsetzten. Das Engagement verstärkte sich nach dem Krim-Referendum 2014 noch einmal deutlich – rhetorisch, finanziell und militärisch.

Da stellt sich die Frage: Was nützt den USA ihr kostspieliges Engagement in einem Konflikt, der sie weder unmittelbar noch mittelbar betrifft? Eine weitere Frage drängt sich auf: Ist es möglich, dass die USA in Wahrheit mehr an einem grossen Konflikt interessiert sind als am Schicksal der Ukraine?

Die USA und ihre Schulden

Werfen wir einen Blick auf ökonomische Zusammenhänge. Ich möchte vier interessante Zahlen nennen:

  • BIP pro Kopf Schweiz 2021: ca. 85.000 CHF
  • BIP pro Kopf USA 2021: ca. 69.000 USD
  • Staatsschulden pro Kopf Schweiz 2022: ca. 13.000 CHF
  • Staatsschulden pro Kopf USA: ca. 93.000 USD

Der Vergleich zwischen der Schweiz und den USA ist frappant. Obwohl die USA ein geringeres BIP pro Kopf erwirtschaften, betragen ihre Staatsschulden pro Kopf ein Vielfaches vom Schweizer Wert. Auch in anderen wirtschaftsstarken Regionen ist die Staatsverschuldung pro Kopf deutlich geringer als in den USA (EU ca. 30.000 EUR, Japan ca. 70.000 EUR).

Schuldendiagramm USA.
Quelle: https://www.federalreserve.gov/releases/z1/dataviz/z1/nonfinancial_debt/chart

Fakt ist: Die USA sind hoch verschuldet. 2017 betrug die Staatsverschuldung noch ca. 20 Billionen USD. Heute beträgt sie 31 Billionen USD. Das ist ein Plus von 55 Prozent in fünf Jahren. Dazu kommen noch die schnell wachsenden Schuldenberge der Unternehmen (ca. 20 Billionen USD) und Privathaushalte (ca. 19 Billionen USD). Gesamtverschuldung der USA im Jahr 2022: ca. 70 Billionen USD. Das sind 212.000 USD pro Kopf. Tendenz: rasch steigend (Stichwort Leitzinserhöhung zwecks Inflationsbekämpfung).

Offensichtlich können sich die USA eine extensive Verschuldung leisten. Woran liegt das? Vereinfacht gesagt liegt das daran, dass die USA eine wirtschaftliche und militärische Supermacht sind und der Dollar die globale Leitwährung ist. Mit diesem Power-Status können sie so viele Dollar drucken, wie sie wollen – sie werden immer Abnehmer dafür finden. Damit das so bleibt, müssen die USA den Welthandel dominieren und militärisch omnipräsent sein. Darum brauchen die USA die  NATO. Und darum gaben sie letztes Jahr ca. 800 Milliarden USD für Rüstung aus.Ausgaben der USA für Rüstung. Diagramm.

Der Dollar muss Leitwährung bleiben, sonst …

Was passiert, wenn der Dollar den Status als globale Leitwährung zu verlieren droht? Das würde bedeuten, dass die globale Nachfrage nach dem Dollar einbricht. Eine Entwertung wäre die Folge. Die ausländischen Investoren würden sich massenhaft aus dem Dollar zurückziehen, was eine verheerende Finanzkrise in den USA auslösen und wahrscheinlich zum Kollaps des Wirtschaftssystems führen würde. Eine Währungsreform wäre unvermeidlich. Um dieses Szenario zu verhindern, müssen die USA eine Supermacht bleiben. Fallen sie wirtschaftlich zurück, bleibt noch die Option Krieg, der sich in vier Stufen führen lässt:

  • Stufe 1: Wirtschaftskrieg in den Varianten Freihandelsabkommen, Zins- und Währungspolitik, Strafzölle, Sanktionen
  • Stufe 2: Planung von Chaos und Regime Change
  • Stufe 3: Stellvertreterkrieg
  • Stufe 4: Invasion

Dies führt mich zu einer zugegebenermaßen provokativen Behauptung: Stehen die USA im globalen Wirtschaftswettbewerb unter Druck, kann ihnen nichts Besseres passieren als Krieg. Idealerweise ein Krieg, in den sie keine Soldaten schicken müssen, also Stufen 1 bis 3. So halten sie ihre Schuldenwirtschaft am Laufen. Ist diese Behauptung absurd? Wenn man in ökonomischen Kategorien denkt, macht das kostspielige Engagement der USA in der Ukraine sehr viel Sinn.

Bedrohungslage aus Sicht der USA

Die Weltordnung hat sich in den letzten 20 Jahren stark verändert. China hat wirtschaftlich viel mehr Einfluss gewonnen. Russland hat militärisch mehr Einfluss gewonnen. Die EU, v.a. Deutschland, hat wirtschaftlich mehr Einfluss gewonnen und mit dem Euro eine Konkurrenzwährung zum Dollar geschaffen. Der zunehmende Einfluss dieser Blöcke auf die Weltordnung bedroht das schuldenbasierte Wohlstandsmodell und damit die globale Vormachtstellung der USA.

Strategische Provokation

Die USA brauchten nach dem Abflauen des War on Terror dringend ein neues Schlachtfeld. Die Unterstützung der Ukraine als antirussisches Bollwerk, insbesondere die in Aussicht gestellte Aufnahme in die NATO, war eine strategische Provokation, um Russland in einen militärischen Konflikt zu verwickeln. Eine ähnliche Strategie verfolgen die USA mit Taiwan. Das Ziel: Die globale Vormachtstellung stabilisieren.

Nutzen des Ukrainekriegs für die USA

Mit dem Ukrainekrieg erreichen die USA mehrere Ziele:

  • Russland existenziell schwächen (militärisch und wirtschaftlich)
  • China mit Sanktionsandrohungen in Schach halten und wirtschaftlich schwächen
  • Deutschland und die Eurozone wirtschaftlich schwächen
  • die wirtschaftliche und militärische Abhängigkeit der Verbündeten langfristig erhöhen (Waffen, Energie, politische Einflussnahme)
  • militärisch-industriellen Komplex aufblähen
  • schuldenfinanzierten Wohlstand sichern

Aufgrund dieser Erkenntnisse muss man zum Schluss kommen, dass die USA mit Abstand die größten Nutznießer des Ukrainekriegs sind und folglich auch ein Interesse haben, ihn fortzusetzen und (kontrolliert) zu eskalieren, indem sie so lange Waffen und Geld liefern, bis sich die Russen vollständig aus der Ukraine zurückziehen – was sehr lange dauern und im Worst Case zum Atomkrieg führen kann.

Schlussfolgerungen

Aus Sicht der USA ist das alles sehr erfreulich. Die «Pax Americana» trägt die gewünschten Früchte: Fortsetzung des amerikanischen Lebensstils bzw. Mehrung des Reichtums der amerikanischen Plutokratie.

Aber die Welt besteht nicht nur aus den USA. Während man sich in Washington darüber freuen dürfte, dass alles nach Plan läuft, müssen die Eliten in Europa ihrem Fußvolk erklären, warum im Winter möglicherweise die Heizungen und der Strom ausfallen und unser Wohlstand flöten geht. Angeblich geht es um Werte wie Freiheit, Demokratie und Frieden. Zweifel sind angebracht. Wenn es in diesem Krieg hintergründig um die Rettung des schuldenbasierten Wohlstandsmodells der USA geht, sollten materielle Werte nicht mit ideellen verwechselt werden. Dann muss man das Business so benennen, wie es ist: Plutokraten in den USA füllen sich die Taschen mit lukrativen Energie- und Waffendeals, und der Rest der Welt soll Opfer bringen. Es ist skandalös: Regierungen, welche die Interessen der USA unterstützen, dienen mehr den amerikanischen Plutokraten als dem eigenen Volk. Das kann zu lauten Demos führen, wenn es sich herumspricht. Und die Parteien an den Rändern des politischen Spektrums freuen sich auf die nächsten Wahlen.

Noch ein Skandal: Das Informationsangebot in den westlichen Gesellschaften tabuisiert und verschleiert die ökonomischen Interessen und Zusammenhänge im Ukrainekrieg systematisch. Stattdessen werden militante Ressentiments gegen Russen und pazifistische Intellektuelle geschürt. Der demokratisch-kritische Diskurs weicht der orchestrierten Propaganda. Das Narrativ vom edlen Westen und den bösen Russen und Chinesen ist omnipräsent. Auch das ist im Interesse der USA.

Man darf gespannt sein, wie weit Russland und China gehen können und werden, um die kolonialistisch-kapitalistische Weltdominanz der USA zu beenden. Eine multipolare Weltordnung lassen die USA nicht zu. Sie verlangen «Full-spectrum dominance». Ihr Wohlstand hängt davon ab. Gut für die USA, schlecht für den Weltfrieden.

Die US-Diplomatin Victoria Nuland sagte ca. 2014: «Fuck the EU!» Der ukrainische Diplomat Andrej Melnik sagte zu Elon Musk, der am 3. Oktober 2022 einen möglichen Friedensplan twitterte: «Fuck off!»

Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

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42 Kommentare

  1. In diesem Zusammenhang ist besonders dieser Ausschnitt aus einem Interview mit Andrej Hunko interessant und höchst beunruhigend:

    Ja, unter diesen Umständen kann man sich vorstellen, dass die grossen Konzerne mehrheitlich lieber schweigen …

    A.H.: Dazu kommt noch, dass die EU bestrebt ist, das innere Regime bei Sanktionsverstössen drastisch zu verschärfen. Bis zum nächsten Treffen des Europäischen Rats wird eine Änderung des Primärrechts, der Grundlagenverträge der EU, sehr wahrscheinlich vollzogen, die Verstösse gegen Sanktionen dem kriminellen Bereich zuordnet.

    Was bedeutet das?

    Man setzt Verstösse zum Beispiel gegen Wirtschaftssanktionen gleich mit Terrorismus, Menschenhandel oder anderen schweren Verbrechen. Letzte Woche wurde das im Bundestag diskutiert. Im ersten Schritt wird das Primärrecht dergestalt geändert und im zweiten Schritt ein EU-Straftatbestand geschaffen, der diesen dann noch einmal konkretisiert. Wie der Sanktionsverstoss geahndet wird, liegt dann in den Händen der EU. Das gilt für alle Sanktionsregime. Wir haben nicht nur gegen Russland Sanktionen, sondern gegenwärtig gibt es in der EU 40 Sanktionsregime, zum Beispiel gegen Syrien oder den Iran. Es zeigt sich ganz deutlich, und nicht erst seit dem 24. Februar, dass hier immer weiter solche Sanktionsregime aufgezogen werden sollen.

    Ist das mit dem Völkerrecht zu vereinbaren?

    Nein, und das muss man unbedingt dazu sagen. Wir reden über unilaterale Sanktionen und nicht von Uno-Sanktionen oder Umsetzungen internationaler Gerichtsurteile. Hier ist ein geopolitscher Akteur, die EU oder die USA oder beide gemeinsam, der sich das Recht herausnimmt, andere Teile der Welt mit Embargos und schweren Wirtschaftssanktionen zu bestrafen. Das wird in Zukunft so weitergehen: gegen China oder unbotmässige Staaten vielleicht in Afrika etc. Das ist eine Entwicklung, die ich sehr, sehr kritisch sehe. Jetzt wird also innerhalb der EU das Strafrecht entsprechend verschärft.

    Ist es etwas Neues innerhalb der EU, dass man gegen einzelne Staaten strafrechtlich vorgehen kann?

    Die Tendenz dazu ist schon länger zu spüren, aber dass es einen Straftatbestand nach EU-Recht gibt, das ist tatsächlich neu.
    https://www.zeitgeschehen-im-fokus.ch/de/newspaper-ausgabe/nr-18-19-vom-12-oktober-2022.html#article_1421

    1. Kann sei das ich es falsch verstehe, aber was soll das Gerede von Hunko? Die Frage „Ist das mit dem Völkerrecht zu vereinbaren?“ trifft es. Die Antwort verwirrt „Nein, und das muss man unbedingt dazu sagen.“ Wie kommt er bei der Antwort darauf, lediglich zu beschreiben, was gemacht werden soll? Da sollten Linke doch auf die Barrikaden und schlau Rechtsbeugung begleiten.
      „Wir reden über unilaterale Sanktionen“ Ja dann, es steckt doch bei den „unilateralen Sanktionen“ auch immer die Militärische macht dahinter, für jeden der nicht mitmachen will. Das sollte Hunko auch so sagen. Es ist nicht wie immer gesagt wird, dass man sich dem Recht beugt, es wird sich der drohenden Waffengewalt gebeugt. „…wird das Primärrecht dergestalt geändert und im zweiten Schritt ein EU-Straftatbestand geschaffen.“ So geht es, wie es gebraucht wird.

  2. So etwas würde ich gerne, und sei es auch nur minimalst andeutungsweise, meinetwegen spekulativ, als Betrachtungsvariante von mir aus, in den sogenannten Leitmedien lesen! Aber da warte ich wohl vergebens drauf.
    Eine wirklich eindrucksvolle, nachvollziehbare, klare und kompakte Beschreibung dessen, was abläuft.
    Ein großes Lob!!!

  3. Danke an Guido Biland für diesen Artikel.

    Auf diesen Zusammenhang hatte ich schon in den Diskussionen hier im Forum hingewiesen, als es um die Abkopplung von BRICS und ihrem eigenen Währungspool ging. Dort kommen dann die Staaten der SOZ mit hinzu. Beide BRICS und SOZ bauen gerade eigen „Aufbaubanken“ auf, welche eine sinnvolle Alternative zur amerikanisch kontrollierten Weltbank ist.

    Interessant in diesem Zusammenhang ist, wer alles noch dort mitmachen möchte.
    BRICS: Argentinien und Iran, haben Antrag gestellt
    Saudi-Arabien, Indonesien, Nigeria sind als Beobachter dabei
    SOZ: Türkei will nächstes Jahr beitreten (Gerücht)

    Was aber in den letzten Wochen durch die OPEC+ passiert ist, ist schon ein mächtiger Affront gegen die USA, EU und konkret gegen Biden und Scholz. Waren doch beide erst vor wenigen Wochen beim Kronprinz Mohammed bin Salman vorstellig geworden und haben um eine Anhebung der Ölproduktion gebettelt.

    Einen guten Artikel hat gestern der Thomas Röper veröffentlicht.
    https://www.anti-spiegel.ru/2022/opec-senkt-oelfoerderung-saudi-arabien-stellt-sich-offen-gegen-die-usa/

    Dann möchte ich noch auf ein Interview hinweisen:

    »Nur ein Narr würde Washington vertrauen« – Ein Spiegelinterview vom 28.03.2022 (leider Bezahlschranke)
    Der saudi-arabische Politikwissenschaftler Mansour Almarzoqi über die zurückhaltende Kritik seines Landes an Russland, westliche Arroganz und eine mögliche neue Rolle Deutschlands am Golf.

    Zur russischen Intervention, bei der der Westen vom ersten Tag an vergeblich versucht hat, die Araber auf seine Seite zu ziehen, sagte er (Hervorhebung wie im Original):

    „Saudi-Arabien hat vom ersten Tag an die Einstellung der Gewalt gefordert und die Rückkehr an den Verhandlungstisch. Aber Riad teilt nicht die Position einiger westlicher Hauptstädte, die meinen, Saudi-Arabien müsse Teil dieses Konflikts sein, und zwar auf der Seite des Westens: Riad ist nicht Teil dieses Konflikts und will nicht Teil dieses Konflikts werden.“

    Über den Westen und seine neokoloniale Expansionspolitik, die auch Putin gerade sehr deutlich angeprangert hat, sagte er:

    „Derselbe Westen, der die israelische Besatzung Palästinas akzeptiert, empört sich jetzt über die russische Besetzung ukrainischer Städte. Beides sollte verurteilt werden, wird es aber nicht, weil verborgen unter der dünnen Fassade des Diskurses von Menschenrechten und Demokratie das koloniale Erbe des Westens liegt, wie der Neokolonialismus, der kapitalistische Expansionismus.“

    Dass Saudi-Arabien den Forderungen des Westens, seine Ölförderung zu erhöhen, nicht nachkommen würde, war damals auch schon absehbar, denn die Saudis stellten ihre eigene wirtschaftliche Situation plötzlich über die Forderungen der USA:

    „Die hohen Preise haben viele Gründe jenseits der Ukrainekrise. Zudem ist die fehlende Menge viel größer als unsere Fähigkeit, mehr zu produzieren. Wenn wir das dennoch täten, würden Sie immer noch hohe Preise zahlen, wir aber würden sehr viel verlieren. (…) Es war ungeheuer schmerzhaft für unsere Wirtschaft und unser Volk, diesen Aufschwung einzuleiten und am Ende mit Russland die Opec+-Vereinbarungen zu erwirken. Wenn Riad sich jetzt nicht an diese Vereinbarungen hält, müssten wir dieselbe schwierige Erfahrung erneut machen, und möglicherweise gelänge ein neuerlicher Aufschwung gar nicht.“

    Warum und wie sehr die Macht der USA in der arabischen Welt abgenommen hat, zeigte seine Antwort auf eine Frage zur Konfrontation mit China:

    „Einige wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass China die USA in einem Jahrzehnt als Nummer eins der Weltwirtschaft ablösen wird. Folglich gewinnt Asien an Bedeutung, nicht nur für Saudi-Arabien, sondern auch für Länder wie Deutschland. Schon jetzt ist der chinesische Markt ein wichtiger Markt für Saudi-Arabien. Unser Handel mit China belief sich im Jahr 2019 auf 76 Milliarden Dollar, während er mit den USA nur 32 Milliarden Dollar betrug.“

    Wie genervt man in den arabischen Ländern über die Arroganz des Westens und seinen Wunsch, allen seine „Werte“ aufzuzwingen, ist, zeigte diese Antwort:

    „Ein Hauptunterschied zwischen Geschäften mit Washington und mit Peking besteht darin, dass die USA andauernd hegemoniale, expansionistische Ziele in der ganzen Welt verfolgen und dann von uns verlangen, diese Ziele mit ihnen gemeinsam anzustreben. Mit China dagegen geht es nur ums Geschäft.“

    Wie man außerhalb der westlichen Medienblase über den Westen denkt, machte diese Aussage deutlich:

    „Der Westen besitzt ein Maß an Hybris und Arroganz, das auf einer vermeintlichen moralischen Überlegenheit beruht. Diese vermeintliche moralische Überlegenheit wird hier als Fortsetzung der Ansprüche des europäischen Kolonialismus betrachtet. Der Rest der Welt wurde damals vor vier Jahrhunderten als rückständig, unfrei, unterentwickelt und unfähig angesehen, aus eigener Kraft Fortschritt, Freiheit und Entwicklung zu erreichen. Europa rechtfertigte seinen Expansionismus, sein Streben nach Reichtum und Hegemonie, gegenüber den kolonisierten Ländern mit diesem Anspruch moralischer Überlegenheit.“

    Das gipfelte dann in Aussagen, über die auch europäische Politiker dringend mal nachdenken sollten:

    „Die Geschichte lehrt uns, dass die USA selbst den engsten Verbündeten, das Vereinigte Königreich, im Zweiten Weltkrieg fast im Stich gelassen hätten. Winston Churchill hatte den damaligen US-Präsidenten Franklin Roosevelt eindringlich um Hilfe gebeten – ohne Erfolg. Washington griff erst gegen Ende des Krieges ein, als die eigenen strategischen Interessen in Gefahr waren. (…) Nein, die USA sind nicht verlässlich. Nur ein Narr würde Washington vertrauen. Und nur ein Naiver würde sich darauf verlassen. Das Königreich Saudi-Arabien ist beides nicht.“

    Wenn man diese gesamte internationale Entwicklung im letzten dreiviertel Jahr anschaut, dann muß man der russischen Regierung im besonderen Herrn Putin und Herrn Lawrow bescheinigen, dass sie in den letzten Jahrzehnt einen verdammt guten Job außerhalb des Westens gemacht haben. Wie selbstbewusst heute selbst kleine Staaten (Salomonen) sich den Wünschen des Hegemons durch nicht reagieren, Enthaltungen oder direkte Ablehnung agieren und dabei Russland den Rücken stärken, ist beeindruckend. Ich habe dies in dieser Geschlossenheit vor 9 Monaten so gehofft aber nicht so erwartet.
    Dies ist mit eines der Hauptgründe, diese wirtschaftliche Stärke der Russen, weil die Sanktionspolitik in der Welt durch die guten russischen Kontakte verpufft, dass Russland den Krieg gegen die USA in der Ukraine gewinnen kann. Dies ist der einzigste Punkt im Artikel, wo ich Guido Biland widerspreche.

  4. Dass die Ukraine den Krieg verlieren wird, dürfte Biden doch klar sein. Dieses Land hat seit seiner Unabhängigkeit 16 Millionen Einwohner von 51 Millionen verloren. Es hat das niedrigste BIP/Kopf in Europa. Jetzt bricht die Wirtschaft zusätzlich um 30 Prozent ein. Russland kann die Infrastruktur der Ukraine zerstören, aber das Umgekehrte funktioniert nicht. Westeuropa begeht gerade wirtschaftlichen Selbstmord, um Russland zu schaden. Das Kapital wird sich in die Länder mit niedrigen Energiekosten verziehen. Was in Europa scheinbar keiner kapiert, man kann Länder deindustialisieren, aber Rohstoffquellen kann man nicht verlegen. Russland ist in der besseren Position. Für die USA gilt, wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte. Bei Gelegenheit werden die USA die Ukraine fallen lassen. Ich denke, das wird passieren, wenn Russland ein entscheidender Schlag gelingt. Die Position der USA wird wie nach dem 2 WK besonders Europa gegenüber wieder sehr stark sein. Gewiss hatte die BRD noch nie so unfähige Politiker wie im Augenblick. Aber ganz können auch diese ihre Augen nicht vor der Realität verschließen. Ich denke, sie gehen davon aus, dass der Krieg in wenigen Monaten zu Ende geht, und dass die Bevölkerung dann soweit ist, Verhandlungen mit Russland zu akzeptieren.

    1. Zitat: „und dass die Bevölkerung dann soweit ist, Verhandlungen mit Russland zu akzeptieren“

      Die Mehrheit einer jeden Bevölkerung dürfte wohl jederzeit bereit sein, einen Krieg durch Verhandlungen zu beenden. Oder: gar nicht erst anzufangen.
      Oder habe ich da etwas nicht mitbekommen?

      1. Ja, anscheinend schauen Sie keine Wahlumfragen an, in denen der Kriegshetzerblock aktuell 73,5 % erzielt. Verstehe ich aber, denn dazu braucht es starke Nerven

        1. Nicht ganz:

          39% bis 40% Nichtwähler also dagegen (keine genauen Zahlen zu finden- schon komisch)
          AfD: 10,9 Prozent (+4,7)
          Linke: 2,7 Prozent (-1,9)
          Sonstige: 5,7 Prozent (+3,2)

          Das macht mindestens 58,3% der Wahlberechtigten sind nicht zufrieden mit der Politik der Regierung!

          1. Woher wissen Sie, was die Nichtwähler denken? Abgesehen kommt es beim Wählen gar nicht darauf an, was jemand denkt, sondern was er tut! Wer nicht wählt, ist mit jeder Regierung einverstanden, ist also gleichgültig. Die traurige Tatsache besteht darin, dass zur Zahl der Leute, die die Kriegshetzer mit ihrer Stimme unterstützen, noch die große Zahl der GLEICHGÜLTIGEN kommt, denen die ganze Katastrophe egal ist.

            1. Ich weiß nicht, was der einzelne denkt.
              Aber was ich weiß ist, das dieses System sehr kaputt ist. Was viele Nichtwähler auch wissen. Laut einer Umfrage waren Ende September 60 Prozent der in Deutschland Wahlberechtigten der Meinung, dass keine der wählbaren Parteien die Probleme des Landes lösen könne. Am 4. Oktober, eine Woche später, war die Zahl schon auf 63 Prozent gestiegen. Der Umfrage zufolge rechnen lediglich neun Prozent der Bundesbürger überhaupt noch damit, dass sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland in den nächsten Jahren verbessern werden.
              Noch dunkler wird die Aussicht, wenn man sich über die Gründe der Nichtwähler Gedanken macht. Und die liegen auf der Hand: Wenn tatsächlich 60 Prozent der Bundesbürger (Tendenz: steigend) nicht der Meinung sind, dass die wählbaren Parteien die Kompetenz besitzen, die Probleme lösen zu können, führt das zur logischen Annahme, dass nicht die Parteien das Problem sind, sondern das System.

              Mehr dazu: https://sicht-vom-hochblauen.de/nichtwaehler-die-von-der-politik-ignorierte-mehrheit-von-tom-j-wellbrock/

              Und wenn Sie wissen/ glauben, dass Ihre Stimme einen Einfluss auf dieses System nehmen kann, dann will ich Sie von Ihrem Weg nicht abbringen, dass macht die Zeit und unsere Politiker.

          2. Das fällt mir dazu ein.
            Wahltach
            Wenn Mensch jenseits der 70 ist es verlockend Jungwähler zu sein. So jung, dass es das erste Mal (jungfräulich) ist an diesem Ritual mit der Bezeichnung Wahl teilzunehmen. Da es das erste Mal war, mit dem Kreuz, das Kreuz zu machen, sollte denn auch nur eines vergeben werden. Es wurde nur der Direktkandidat gewählt. Für das andere wollte ich wie jedes Jahr deutlich machen, dass es weder vergeben werden sollte, noch dass es in die Kategorie „Nicht abgegeben“, noch „Falsch ausgefüllt“ landet. Ich wollte lediglich, das deutlich wird, dass ich den Staat wie er ist, vor allem wenn er so instabil ist, dass eine Bank das System zusammenfallen lassen kann und auch lässt, nicht will. Das aber ist in der parlamentarischen Demokratie nicht möglich. Auch macht es die Wahlhelfer ,“ die nichts dafür können „ ganz fummelig, wenn der entsprechende Wahlzettel verlangt wird.
            Es wird überwacht, dass der Mensch, der eine Wahlbenachrichtigung bekommen hat, wenn er sie im Wahlbüro abgibt, vermerkt wird. Unabhängig ob er jetzt wählt oder nicht, er zählt als Wähler. Es geht so weit, dass der, der überhaupt nicht erscheint, auch als Wähler zählt, zwar als Nichtwähler, dennoch als Wähler. So wird Legitimität konstruiert. Es ist doch ehrlicher und mobilisierender, wenn gesagt wird, dass die, die nicht zur Wahl gehen, den Staat ablehnen. Nein, es wird gesagt, dass wenn man nicht wähle, dann immer den politischen Gegner wähle.
            Nun wähle ich jungfräulich, dennoch nicht politisch verblödet, wäre ich ein Jota woanders, wenn die Wahlen der Vergangenheit anders ausgegangen wären? Wäre nicht. Es sind Interessen befriedigt worden, nicht die der „kleinen“ Leute.
            Was etwas geändert hat ist, wenn die Leute aus den Betrieben auf die Straße gegangen sind und ihre Interessen selbst vertreten haben. In den Augenblicken, wo die parlamentarischen Politiker an so etwas teilnehmen, landet es im Katzenjammer, siehe bei VW und Gesamtbetriebsratsvorsitzender Osterloh der von 750000,00Euro Gehalt auf 3 Mio. gehoben wurde, indem er Personalchef bei VW LKW wurde, dass er es angenommen hat. Sollte jederzeitiger Abwählbarkeit der Parlamentarier beschlossen werden, komme ich wieder vorbei, sonst bleibe ich die nächsten 70 Jahre wg. Wahlen zu Hause, das zählt ja auch.

            1. Manche Leute wählen die stärkste Partei, weil sie nicht zu den Verlierern gehören wollen. Andere verzichten auf das Wählen, weil sie sich gedemütigt und ohnmächtig fühlen, wenn ihre Stimme nicht gezählt wird, wenn sie eine Partei wählen, die die fünf Prozent nicht schafft. Die Stimme wird aber gezählt, nämlich in der Kategorie „Sonstige“. Doch wie sagte schon Einstein…! Stellen wir uns mal vor, 40 % wählen solche Parteien, dann wäre das ein Debakel für das System. Außerdem würden einige Parteien die Hürde überspringen. Der Systemwandel könnte beginnen. Ich selbst habe in meinem Leben dreimal Parteien gewählt, die schon im Parlament vertreten waren. Zweimal wurde ich komplett betrogen. Es gab weder mehr Demokratie noch Frieden. Sonst wählte ich Sonstige. Die waren meine Partei! Durch eine Umfrage vor einer Wahl erfuhr ich, dass ein gewisser Prozentsatz die Wahlentscheidung erst in der Kabine trifft. „Was sind denn das für Idioten“, dachte ich. Dann fiel mir ein, dass ich selbst dazu gehöre. Denn unter den Sonstigen wählte ich nach Zufallsprinzip.

              1. Da liegt ein Trugschluss bei dir vor: alle Stimmen für Parteien, die an der 5% Hürde scheitern, werden zwar im offiziellen Wahlergebnis als „Sonstige“ gezählt, aber sie werden nicht mitgezählt, wenn es um das Entscheidende, nämlich die Verteilung der Mandate geht. Dann werden diese gültigen Stimmen behandelt wie nicht abgegebene Stimmen, sie werden nicht berücksichtigt und 100% der Manadate werden an die Parteien über 5% verteilt – obwohl diese ja weniger als 100% Stimmenanteil haben.
                Kurz beispielhaft vorgerechnet:
                Wenn der Anteil der Parteien, die bei der Wahl unter 5% bleiben, 12% ausmachte, dann sind die Parteien, welche die Fünfprozenthürde überwunden haben in Summe bei 88% Stimmenanteil.
                Es werden nun alle (also 100%) der Parlamentssitze an nur 88% der Wählerstimmen verteilt werden, 12% gültige (!) Stimmen fallen unter den Tisch. Damit bekommen alle „erfolgreichen Parteien“ mehr Sitze als sie als Wählerstimmenanteil hatten, Dann hat man in diesem Beispiel bereits ab 44% die absolute Mehrheit im Parlament – obwohl der Wählerstimmen dies gar nicht hergegeben haben!
                (So hatte z.B. die CSU bei den letzten bayrischen Landtagswahlen auch mit weniger als 50% Wählerstimmen ihre absolute Mehrheit erreicht, weil der Anteil „Sonstige“ in Summe sehr hoch war.)
                Simpel ausgedrückt: Die Parteien über 5% bekommen zusätzliche Mandate, indem sie sich Stimmenanteil der „Sonstigen“ aneignen, also gültige (!) Stimmen, die definitiv gar nicht für sie waren.
                Derzeitig ist es so, dass man, wenn man bewusst eine Partei wählt, die sicher nur als Sonstige unter 5% landen wird, damit nicht gegen die großen Parteien protestiert, sondern diese großen Parteien sogar unterstützt, indem man ihnen sogar noch mehr Mandate als laut eigenem Stimmenanteil zustehend zuschustert.
                Und deshalb freuen sich gerade die großen Parteien in Wahrheit sehr, je höher der Anteil der unter 5% bleibenden Stimmenateile ist, denn umso mehr zusätzlische Mandate erhalten sie.
                Die Fünfprozentklausel im aktuellen Auszählungsverfahren ist ein sehr raffinierter vorsätzlicher Wahlbetrug!
                Der Anteil dieser Sonstigen – in meinem Beispiel 12% – müsste zumindest in der Weise berücksichtigt werden, dass diese Mandate leer bleiben.

                1. Da bin ich mit Ihnen einig. 1933 wurde 5 Tage vor der Wahl die Reichstagsbrandverordnung zum Schutz vor kommunistischen Umtrieben verabschiedet, durch die die Kommunisten in den Untergrund getrieben wurden. Da sie ihre Mandate nicht antreten konnten, wurden die Sitze verteilt, so dass die NSDAP trotz eines Ergebnisses von 44 % die absolute Mehrheit erzielte. Eine Klausel führt natürlich immer zur Verzerrung der Mehrheitsverhältnisse. Aber Nichtwählen natürlich auch! Das muss ich Ihnen wohl nicht vorrechnen. Ich bleibe dabei, das Beste ist, Sonstige zu wählen, aus den o.g. Gründen, vor allem weil dadurch aus manchen Sonstigen Mitglieder des Bundestags werden.

        2. So einfach kann man es nicht sehen. Die Frage als solche wird ja nur im Zusammenhang mit vielen anderen gestellt. Sicherlich gibt es diese Kriegshetzerkommentatoren in allen möglichen Foren. Vom Sofa oder Geheimdienstschreibtisch kann man unter Pseudonym gut herumtönen. Wenn es aber um die eigene Sicherheit und körperliche Unversehrtheit so wie um die seiner Familie geht, wird sich niemand ernsthaft für die Ukraine einsetzten wollen bzw. für die Interessen des angloamerikanischen Kapitals. Wir sind ganz nahe an einem europäischen Krieg, weil ein paar aufgeputschte Typen in der Ukraine ständig das Maul aufreißen. Unsere eigenen Interessen sollten uns näherliegen.

        3. „Ja, anscheinend schauen Sie keine Wahlumfragen an, in denen der Kriegshetzerblock aktuell 73,5 % erzielt.“

          Dazu das passende Zitat: „Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!“

          Der „Kriegshetzerblock“ dürfte mittlerweile auf ein paar lernresistente, bildungsferne „Grünen“-Wähler geschrumpft sein. Jeder Mensch mit halbwegs funktionierendem Denkorgan unter der Schädeldecke, lehnt die Kriegshetze der deutschen Ampel-Regierung und ihrer Mainstream-Hofschranzen vehement ab und das ist zum Glück der weitaus größte Teil der Bevölkerung.

  5. Der beste Satz im Artikel:
    „Aber die Welt besteht nicht nur aus den USA.“

    Betrachtet man die Schulden, muss man notwendigerweise auch die Gläubigerseite mit heranziehen. China plant zur Zeit einen „Dollar-DUMP“. Aber vielleicht ist es sinnvoll, das Ende des diese Woche beginnenden Volkskongresses abzuwarten.

  6. Der aufgezeigte Widerspruch zwischen dem BIP der USA und der Prokopf-Verschuldung hat 1 unsichtbaren Hintergrund.
    Die BIP ist ein grundlegend manipulierter „Wert“, weil in ihm der ausschließlich konsumtive Verbrauch einfließt. Die eigentlich produktive Leistung erfolgt jedoch nicht im Lande. Man spricht von 30 % der Konsumtion.
    Zur Darstellung der ökonomischen Leistungskraft müsste der Anteil rausgenommen werden, will man sich der Realität annähern.
    Wir werden aber aus ideologischen Gründen mit Zahlen konfrontiert, die die ökonomische Überlegenheit glaubhaft machen sollen.
    In Realität ist die ökonomische Stärke der USA weitaus geringer, sodass die politischen Ziele nicht mehr den Möglichkeiten entsprechen und hier ein wichtiger Grund der wütenden Aggressivität gegen den „Rest der Welt“ zu finden ist.

  7. Danke fuer den Beitrag! Sehr sehr schoen, einfach und nuechtern geschrieben, vor allem einfach 🙂

    Ich habe erst letzte Woche das Buch von Daniele Ganser fertig gelesen, Imperium USA.

    Ich wusste zuvor dank einiger Mutigen Menschen die Versuchen objektiv die Dinge Sachlich und korrekt zu beschreiben, was im Hintergrund und warum so und so ist.

    Das Buch und die Beschreibung von Daniele Ganser ist aehnlich gut dargestellt und klaert vom 1500 bis heute den Styl, das Denken und handeln der USA auf.

    Plumb ausgedrueckt wurde ich im Geschihtsunterricht Jahrelang halb belogen…….und wie schoen gesagt, Krieg und Luege gehen hand in Hand.

    Danke Guido Biland fuer deinen schoenes Bericht mit Grafik Darstellung.

  8. @wrmfr 10:48
    Link zu einer (nicht ganz aktuellen) Grafik der größten Gläubiger von USD:
    https://www.gold.de/staatsverschuldung-usa/#glaeubiger
    Es ist äußerst schwer, öffentlich einen exakten Schulden- und Gläubiger-Status zu erhalten, da es ja Untermärkte wie den Petro-, den Euro-Dollar gibt, und außerdem das IWF-, Weltbank-Gebilde mit hereinspielt.

    Wie von @Oberst Meyer angesprochen, ist der BIP-Maßstab kein zuverlässiger Maßstab für die Wirtschaftsleistung eines Staates. Dies „aufzudröseln“ würde hier zu weit führen.

    1. Ja, zwar nicht ganz aktuell, aber die grundlegenden Relationen haben sich sicher kaum innert 10 Monaten geändert. Interessant sind aber auch die Tendenzen. Hier https://www.handelszeitung.ch/konjunktur/wenn-china-die-zahne-fletscht war China noch Spitzenreiter, das vor 8-9 Jahren sogar mal mit 1,3 Billionen führte. Auffällig ist aus meiner Sicht aber auch der hohe Anteil solcher Länder/Gebiete wie Ireland (4fache des deutschen Wertes), Bermuda und Cayman Islands.
      Festzuhalten bleibt: China hat seine Anteil schrittweise verringert, anteilig im Vergleich zu anderen Gebern und sogar absolut.

  9. Danke Guido Biland fuer den einfachen und sachlich gut strukturierten Bericht.

    Ich kann manches Besatetigen aus dem Buch von Danile Ganser Imperium USA.

    In dem Buch beginnt er von 1500 – 2020 die USA und den Militaer-Finanzkomplex etc zu beschreiben.

    Letzte Woche erst bin ich nach ca 2 Wochen mit dem Buch durch gewesen und muss sagen das es ein Weltbild komplett zerstoeren kann was man an erzogen bekommen hat.

    Ich erinnere mich gut an dem Moment wo ich realisiert habe das ich im Geschichtsunterricht halb belogen wurde.

    Heute ist es nicht einfacher, da es bequem ist sich nicht verantworten zu wollen und dazu gezwungen zu sein, da es ungebildet und blind zu leben stupide ist und keine Anstrengung bedarf.

    Deswegen freue ich mich ueber die mutige Aufklaerungsarbeit der Menschen die sich nicht scheuen richtige und unverfaelschte Information zu veroeffentlichen.

  10. In Ergänzung des dankenswerten Artikels von Giudo Biland möchte ich noch auf einen aktuellen von German-Foreign-Policy hinweisen: Kampf um den Ölpreisdeckel.

    Inzwischen läuft die EU vollständig in die Fallen, die sie in ihrer US-Hörigkeit selber auslegt. Sollten sie ihren fantastischen „Ölpreisdeckel“ wirklich durchziehen, erreichen sie exakt das Gegenteil dessen, was sie beabsichtigen. Man hat inzwischen wirklich den Eindruck, dass auch unsere europäischen Machthaber ernsthaft sich darum bemühen, Europa umfassend zu schädigen. Es gibt ja diesen Spruch im Englischen: „Never ascribe to malice, that which can be explained by stupidity.“ („Schreibe niemals der Bosheit zu, was sich durch Dummheit erklären lässt.“) Aber reicht Dummheit jetzt als Erklärung wirklich noch aus?

    Was die Hybris der USA angeht: GFP berichtet unter Berufung auf die Frankfurter Rundschau folgendes:
    Aktuell wird über ein Gesetzesvorhaben mit der Bezeichnung NOPEC diskutiert, das es erlauben soll, souveräne Staaten dem US-Kartellrecht zu unterwerfen und sie vor US-Gerichten abzuurteilen; konkret soll es möglich sein, den OPEC+-Staaten wegen Kartellbildung in den USA den Prozess zu machen.

    Ganze souveräne Staaten sollen in den USA vor Gericht gestellt und verurteilt werden! Über so etwas auch nur nachzudenken ist nur möglich, wenn man sich da für das Herrschervolk über die ganze Welt hält – was die Amis offenkundig auch tun und wohl schon lange getan haben („Gottes eigenes Land“). Gleichzeitig drückt sich in diesem Vorhaben die Verzweiflung aus, die sich wohl inzwischen in Gottes eigenem Land ausbreitet. Gott ist eben auch nicht mehr das, was er mal war. 😇

    Nur scheinen das immer mehr Länder und Völker der Erden zunehmend anders zu sehen. Wir Europäer wären gut beraten, wenn auch wir uns von dieser Sichtweise lösen würden, wobei mir klar ist, dass das ein schwieriger Prozess sein wird, nicht zuletzt wegen der ausgeuferten militärischen Präsenz der USA in Europa und anderen Teilen der Welt. Aber besser wird es ja nicht mehr, und von einem niedergehenden Hegemon löst man sich besser, so lange man noch kann.

    1. Dazu passt doch das in dem ersten Kommentar hier von mir verlinkte Interview mit Andrej Hunko und das Zitat daraus über das Bestreben von EU und USA, das Brechen oder Umgehen von Sanktionen als Verbrechen und Terrorakt einzustufen und zu verfolgen.
      Es wird immer wahnsinniger!

  11. zu Wir Europäer wären gut beraten, wenn auch wir uns von dieser Sichtweise lösen würden, wobei mir klar ist, dass das ein schwieriger Prozess sein wird, nicht zuletzt wegen der ausgeuferten militärischen Präsenz der USA in Europa und anderen Teilen der Welt

    ich habe meine gmail konten geloescht, nutze posteo.de und Linux Ubuntu usw….. . Bezahle meist nur in Bar – Euro und versuche moeglichst Produkte usw aus dem lokalen / nationalen bereich zu nutzen.

    damit habe ich das gefuehl das ich mich dem nicht beuge und mein Leben usw hier investiere

    1. Hallo Hoffi,

      willkommen bei den Ubuntuusers! 😀

      Entscheidungen, die wir über unser persönliches Alltagsleben treffen, sind wichtig, weil sie notwendige Entscheidungen auf globaler Ebene so ein bisschen vorwegnehmen. Man könnte sagen, wie bereiten uns vielleicht ein klein wenig vor auf Veränderungen, die kommen müssen.

      Aber das Problem lösen wir dadurch nicht. Selbst dann nicht, wenn alle (westlichen) Menschen so denken und handeln würden wie du es für dich versuchst. Wir benötigen politische, also staatliche, Entscheidungen. Da liegt das Problem, denn offenkundig gibt es in der gesamten EU oder im gesamten sogenannten „Westen“ keine politische Kraft, die so etwas auch nur andeutungsweise anstrebt.

      1. Hallo umbhaki,

        danke fuer deine Reaktion.

        Ubuntu nutze ich seit 2010 und habe sehr schnell angefangen es zu lieben, da ich mir die Software auf meine Beduerfnisse und Nutzung zurecht legen kann.
        Windows habe ich nie gemocht…… .

        Life is offline, das ist mein Motto und bedeutet fuer mich das ich mich gerne privat geschuetzt im netwerk bewegen meochte.
        Tiefgehende Fragen hatte ich mir gestellt als der Impfdruck letztes Jahr began, von meinem Arbeitgeber und der Oeffentlichkeit.
        Ich musste fuer mehr als 2 Wochen in Quarantaene und wurde mehr und mehr misstrauisch und wollte Wissen, Wer sind die Leute die die Arroganz besitzen mich bis in mein privates Leben hinein verfolgen?

        Ich recherchierte lange und fand mehr und mehr schluessige Antworten, aber auch da war ich Vorsichtig.

        Ich bestellte mir das Buch Game Over von Dr. heiko Schoening da ich wissen wollte was ist das dahinter, hinter dem ganzen Rauch aus Krieg, Luegen, Macht und Raffgier und die Menschheit zu besitzen zu wollen.

        Ein dicker Waelzer von fast 500 Seiten und ich musste einige male das Buch zur Seite legen, denn er hat aus dem 18 Jahrhundert bis 2019 – 2020 Wer und welche Gruppen dahinter stecken.

        Daniele Ganser hat mit seiner Aufklaerung ebenfalls einiges an Details beschrieben.

        Ich kann nicht die Welt retten oder andere Menschen aendern, aber! ich kann Entscheiden was ich denken und fueheln moechte, und wem ich in mein privtaes Leben lasse und wen nicht.

        Nicht selten ist mir die Spuke weg geblieben ueber das Verhalten der emotionstoden hinter der Moechte gerne Freiheitstatue.

        Was ich merke ist seitdem ich die Buecher gelesen habe und mich mit Mitmenschen unterhalte sind die Gespreache heute weicher und umgaenglicher.

        Viele haben Angst davor das ihr korrektes und friedliches Weltbiled risse bekommt und nach und nach logische Antworten auf die Fragen der Taeuschung.

        Es ist nicht schoen die harte und schmerzhafte Warheit daruber zu erfahren, denn niemand nimmt Veraenderung gerne in Kauf.

        Ich denke drann bleiben und nach vorne schauen und das tun was einem gluecklich und frei macht.

        Dazu benoetigt es nicht viel…… .

        1. Du beschreibst es gut. Das Problem ist nur, dass du nicht der einzige bist der mit der Geschichte „Probleme“ hat.
          Hoffi sagt es richtig, dass die Probleme für den einzelnen in seiner Gemeinde liegt. Es wird allerdings die Änderung der ganzen Welt angegangen. In der Kommune kann es allerdings gehen, was zu ändern. Es gibt, auch ansetze dazu https://www.keimform.de/wp-content/uploads/2008/08/einfuehrung-peer-oekonomie-hiddinghausen.pdf
          Was immer auch gemacht werden muss, frage ich mich immer ist noch genug Zeit?
          https://klartext-info.de/?p=729

  12. Für meine Begriffe sollte der Merker an diesem Artikel sein, daß die hervorstechenste Aussage darin, die nicht direkt und indirekt, verschleiert oder selbst unverschleiert, in einem Riesenhaufen offizieller Stellungnahmen europäischer Politiker, NATO-Strategen, und Thinktank-Papieren zu lesen ist, die ist, daß „die USA“ diesen (Stellvertreter-)Krieg bräuchten.

    Anstelle dieser Aussage figurieren die vom Autor mehr oder minder korrekt dargestellten Umstände in EU / NATO – Aussagen als Hintergründe für ideologische Umschreibungen eines politisch und polizeilich unhintergehbar zu machenden Dogmas, einer Doktrin, des Inhalts, daß europäische Staaten / Souveräne plus NATO die Herausforderungen, die der russische Ukrainekrieg an sie stelle, unter allen Umständen und mit allen dazu tauglichen Mitteln abzuweisen hätten.

    Dieser Vorgang erinnert mich an einen Grundsatzartikel, den der ehemalige Forschungsdirektor des DGAP, Eberhard Sandschneider, 2008 oder -9 anläßlich des vermeintlichen Endes der Ära der Herrschaft der sog. Neocons über die USA geschrieben hat, das die europäischen Eliten von der Präsidentschaft Obamas erwartet hatten.
    Darin warnte er sinngemäß, die USA würden außenpolitisch fortfahren, zu tun, was sie seit dem Ende des WK2 immer getan hätten, nämlich versuchen, sich immer und überall auf der Welt, und besonders in Europa, innerhalb und außerhalb der Ebene möglicher zwischenstaatlicher Konflikte, politisch „an die Spitze einer Bewegung zu stellen“.
    Wenn ihr jetzt zum Adlerblick aufsteigt, werdet ihr unschwer bemerken, das beschreibt treffend, was die EU (ihre Institute) plus die NATO spätenstens mit Beginn der Präsidentschaft Trump anstelle der USA unternommen haben – und damit nicht aufhörten, seit Biden Präsident ist, im Gegenteil, sie werden immer anspruchsvoller in der Behauptung dieser „Bewegung“ unter- und gegeneinander.

    Just saying.
    Und ergänze: Hier kann man die EU / NATO Nukleardoktrin nachlesen, die es offiziell nicht geben kann, aber geben muß, weil NATO / EU auf der Basis „nuklearer Abschreckung“ Krieg gegen Russland führt:
    https://www.derstandard.at/story/2000139860323/ruestungsexperte-kristensen-putin-hat-keinen-roten-knopf-am-schreibtisch

  13. @TomGard
    Zu dem von Ihnen zitierten Herrn Kristensen schreibt Wikipedia:
    Hans Møller Kristensen (* 7. April 1961) ist ein dänischer Friedensforscher.
    Kristensen ist Direktor des Nuclear Information Projects bei der Federation of American Scientists.[1] Er kritisierte 2005, dass die US-amerikanische Rüstungsdoktrin noch immer den nuklearen Erstschlag in Betracht zog.[2] Seit 2005 ist er an der Herausgabe des SIPRI-Jahrbuches im Abschnitt Nuklearwaffen beteiligt.[3]
    Das Interview im Standard „schmeckt mit“ überhaupt nicht. Es wimmelt vor Allgemeinplätzen und enthält im Einzelnen auch Falschaussagen, beispielhaft zitiere ich drei Sätze ziemlich am Anfang des Interviews:
    „Trotzdem schwadronieren die Russen über den Gebrauch nuklearer Waffen.“
    „Zunächst warnten die Russen vor dem Einsatz von Atomwaffen, falls die Nato direkt in den Krieg verwickelt würde. Jetzt drohen sie mit dem Einsatz von Atomwaffen in dem Krieg selbst, den Russland zu verlieren scheint.“

    Das gesamte Interview zu kommentieren ist mir zu mühsam. Insgesamt wird halt NATO-Narrativ pur serviert.

    1. Du irrst. Der „Elephant im Raum“, den niemand im Westen beim Namen nennen will, ist die in zahlreichen Reden, Verlautbarungen und Erklärungen verbreitete russische Begründung für „SMO“, die nicht Krieg genannt werden soll: Die faktische, strategische und operative Einbettung der Ukraine in die Nato, ob die formelle Mitgliedschaft nun folge, oder nicht, sei eine Bedrohung des Bestandes der Russischen Föderation und könne deshalb nicht geduldet werden.
      „Bedrohung des Bestandes“ ist nur eine halbe Stufe von „Existentieller Gefährdung“ desselben – so in etwa ist das wording der Nukleardoktrin zu übersetzen – entfernt. Indem Kristensen diese strategische Ignoranz der NATO-Staaten mitmacht, teilt er die geltende Abschreckungsdoktrin der NATO, denn die ist das militärisch handelnde Subjekt im Russlandkrieg, präzise der SACEUR ist es, General Christopher G. Cavoli, operativer Chef der NATO-Streitkräfte und Koordinator der in Wiesbaden und Ramstein beschlossenen Maßnahmen der internationalen Unterstützergruppe der Ukraine. Rechenschaftspflichtig ist Cavioli nicht dem Weißen Haus oder Pentagon, sondern dem Stabschef der NATO-Streitkräfte, Lieutenant Admiral Rob Bauer, das ist ein Niederländer.
      Mit diesem Wissen achte mal darauf, von welchen handelnden Subjekten Kristensen redet, wenn er nach möglichen Nuklearwaffeneinsätzen des Westens gefragt wird, und was er da sagt.

      Meine provokative Behauptung dazu: Kristensen gibt seiner Überzeugung Ausdruck, solange ein russischer Nuklearangriff keinen Kernbestand der NATO träfe, würde die NATO nicht mitgehen, wenn die USA nuklear zurückschlagen wollten, und wenn die NATO nuklear zurück schlagen wollte, würden die USA das nicht mitgehen. In der Tat definiert das ziemlich genau die strategische Grauzone, der sich Russland gegenüber sieht, und deshalb nenne ich das die Nukleardoktrin des Bündnisses.

      1. @TomGard
        Auch Du erwähnst den rosa Elefanten nicht, der hinter Deinem Bild steht. In meinen Augen ist es das Bestreben des Wertewestens, an die 25% der WELTBODENSCHÄTZE zu gelangen, die in russischem Territorium lagern, und der USA speziell, zu verhindern, daß China auf diese Bodenschätze zugreifen kann (durch Allianzen mit Russland). Dazu muss Russland in der gegenwärtigen Form verschwinden, ob durch Aushungern, Farbrevolution, inneren Zerfall oder Führungswechsel, oder sogar durch einen nuklearen Enthauptungsschlag mit anschließender Abwehr möglichst vieler Zweitschlagwaffen, ist optional.
        Bisher wurde von den USA die Ukraine für alle diese Optionen als das strategische Mittel erster Wahl angesehen und benutzt, und dies schon seit vielen Jahrzehnten.
        Wenn es Russland schafft, die Ukraine für alle diese Optionen unbrauchbar zu machen (wonach es momentan aussieht, vorausgesetzt dass die NATO mit ihrem 19fach größerem Militäretat als Russland nicht direkt einsteigt, wonach es nicht aussieht), dann wird die USA sich ein anderes strategisches Mittel für die Bekämpfung Russlands suchen (müssen). Auch dafür gibt es schon Überlegungen dort.
        Für die Erreichung seiner strategischen Ziele bezüglich der Ukraine benötigt Russland keine Atomwaffen. Das ist praktisch ein Heimspiel beim direkten Nachbarn, deshalb glaubten sie am Anfang, das mit so geringen Kräften durchziehen zu können.
        Für die Erreichung der NATO-Ziele bezüglich Russlands dürfte jedoch Nuklearwaffeneinsatz unverzichtbar sein. Die Frage ist dann nur noch, ob jetzt schon der richtige Zeitpunkt gekommen ist, ob man technologisch schon so weit ist, den russischen Zweitschlag abwehren zu können. Die Antwort dürfte eines der größten gegenwärtigen Militärgeheimnisse sein.
        Und natürlich die Frage, ob ein entscheidender westlicher Politiker dumm genug ist, trotzdem auf den roten Knopf zu drücken – oder wer ihn davon abhalten kann.

        1. „Dazu muss Russland in der gegenwärtigen Form verschwinden, ob durch Aushungern, Farbrevolution, inneren Zerfall oder Führungswechsel, oder sogar durch einen nuklearen Enthauptungsschlag mit anschließender Abwehr möglichst vieler Zweitschlagwaffen, ist optional.“

          So? Und wer sichert in solchen Szenarien den Abtransport der Rohstoffe nach Westen, bzw. – dies ist das realistischere Motiv – eine Unterbindung des Abtransportes nach China und dessen südostasiatische Partner?

          Dein Konstrukt, noname, ist eine Bebilderung des katholisch-christlichen Bildes von den Mächten des Lichts und der Dunkelheit, und ich zeige Dir, wie und warum.

          Fast alle Leute wollen glauben, die Idee der (oder hinter der) Eurasischen Union, bzw. des Konzepts „Eurasien“, sei gegen „den US-Imperialismus“ oder gar eine „westliche Kultur“ von Herrschaft und Ausbeutung gerichtet. Sie meinen, sie könnten sich dazu auf die Friedmans, Kagans, Brzezińskis und Co berufen, und auch auf die russische Nomenklatura, in der man diese Vorstellung gern teilt.
          Doch die faktische Kehrseite „Eurasiens“ und der EEU ist, daß sie ein Bollwerk der Russischen Föderation gegen eine „Chinesifizierung“ Zentralasiens und damit auch Russlands darstellt und darstellen soll.

          Weshalb, glaubst Du, hat Putin persönlich sich nach dem Putsch von 9/11 umgehend an die Seite von Bush jr gestellt und der NATO freizügig die Aufmarschrouten zum AfPak-Krieg geöffnet? Und steht bis auf den Tag hinter der offiziellen Verschwörungstheorie zu 9/11?

          Ein bißchen Geschichte schadet hier nicht. In der Phase der sowjetisch-amerikanischen Kriegsdiplomatie, die unter Chruschtschow begann, stellte man im US-Außenministerium und WH rasch fest, daß „die Russen“, also die sowjetischen Eliten gemäß der patriotischen Seite der Sowjetherrschaft, einen derartigen Horror vor der Kultur und dem Potential des chinesischen Despotismus hatten, daß sie sich, anekdotisch zugespitzt, im Zweifel lieber den USA ergeben, als „den Chinesen“ ausgeliefert hätten. Das war die Grundlage für die Entente Nixons mit der chinesischen Führung.

          Das Motiv ist bis heute wirksam. Wäre die EEU das, als was die russische Diplomatie sie gern hinstellt, hätte der Kreml im Frühjahr das Evakuierungsangebot an die „russische“ Bevölkerung der Ukraine konsequent um die komplette Schließung der Grenzen ergänzt und militärische Übergriffe der ukrainischen NATO-Söldner allenfalls mit konzentrierten Vernichtungsschlägen gegen die Einkreisungstruppen um die „Volksrepubliken“ beantwortet. Wie irre ist es bitte, auf das Heranrücken der NATO an russische Staatsgrenzen mit der Ausdehnung dieser Grenzen in Richtung der polnischen, rumänischen, slovakischen, bulgarischen NATO-Bastionen zu antworten?
          Die Existenz der russischen Föderationsregierung in ihrer traditionellen Gestalt hängt am „Bollwerk gegen China“, und deshalb ist sie verdammt, „europäisch“ sein zu wollen und zu bleiben, und in dieser Gestalt cum grano salis eine Provinz des Imperium gewordenen „westlichen“ Imperialismus. Das ganze hirnrissige Gequatsche Putins von „russischer Welt“ etc.pp. hat diesen Gehalt, keinen anderen.

          Der russische Idealismus der „multipolaren Weltordnung“, die seit der Abdankung der SU existiert, nämlich in Gestalt der entfesselten kapitalistisch / imperialistischen Konkurrenz auf dem vollendeten Weltmarkt und um ihn, ist nicht weniger gegen China, als gegen die USA und deren Verbündete gerichtet.

  14. „Die EU-Sanktionen gegen Russland wurden lange vor dem Ukraine-Krieg geplant – und die Abstimmung mit den USA war enger als bisher bekannt. Eine zentrale Rolle spielten EU-Kommissionschefin von der Leyen und ihr Kabinettschef Seibert“

    https://lostineu.eu/eu-sanktionen-wie-von-der-leyen-den-usa-folgt/

    An Scholz und Macron vorbei haben die EU-Granden mit Nuland & Co bereits die Sanktionen festgelegt. Ein weiteres Indiz dafür, dass der Krieg von langer Hand vorbereitet und provoziert war.

    1. Das war doch klar. Die Pläne liegen mit Sicherheit seit geraumer Zeit in den Schubladen. Es sollte doch kaum jemand glauben, daß diese klassischen Überrumpelungstaktiken von einem schlichten Geist wie der vdLs ad hoc ausgebrütet wurden. Die geistig wie körperlich eher unterentwickelte Person vdL braucht eben ihre Leadership und Vorgaben.
      Wie kommt es eigentlich, daß die nichtgewählte EU-Kommission sich als Diktator Europas aufspielen kann?
      Und noch befremdlicher, warum folgen ihnen alle in den sicheren ökonomischen Untergang?

    2. Simon, das ist ziemlich dümmliche Propaganda entlang der ideologischen Narrative von „Verrat“ und „sklavischer Gefolgschaft“. Die wahren Verhältnisse sind andere. Der Artikel, auf den sich der Blog beruft, https://www.politico.eu/article/europe-american-president-paradox-ursula-von-der-leyen/
      kann darüber einige Aufschlüsse geben, aber nur, wenn man über eine Reihe von Vorgängen Bescheid weiß, die da nicht erwähnt werden. An erster Stelle sind das die politischen und militärischen Vorbereitungen, welche die NATO über den Sommer ’21 in der Ukraine für einen vernichtenden Angriff auf die „Volksrepubliken“ getroffen hat und die Widerstände, auf die das traf, namentlich auch im Pentagon und Weißen Haus, nicht zuletzt auch in der ukrainischen Armeeführung selbst, wo es erneut zu Säuberungen kam.
      Nur ein Splitter: Jake Sullivan und sein Betreuungsobjekt Biden nötigten der NATO noch bis Januar eine Respektierung des Minsk II – Vertrages und des Normandie-Formates auf, obwohl Stoltenberg beides im ostentativen Schulterschluß mit Johnson unentwegt rhetorisch erledigte. Folgerichtig ließen Selensky und Kuleba die deutschen und französischen Delegationen im letzten Treffen in Berlin krachend auflaufen. Vorher hatte sich der EU-Ratspräsident Michel noch ostentativ an die Seite Macrons und seine Forderungen nach strategischer Unabhängigkeit der EU von den USA und dem UK gestellt, danach duckte er sich in die Gefolgschaft von der Leyens.
      Wenn man einen großen Teil der damaligen Vorgänge in ein knappes Narrativ fassen wollte, könnte man sagen, die deutsche und französische Regierung handelten noch nach dem Mantra, eine „Europäische Sicherheitsarchitektur“ sei nur „mit Russland“ zu haben. Van der Leyen folgte dem Mantra, europäische Einigkeit und Souveränität seien nicht ohne NATO und die Transatlantiker in US und UK zu haben. Beide Fraktionen haben von ihrem Standpunkt aus „Recht“, es war halt nur nicht vereinbar.

    3. (ich sehe grad, Tom Gard hat bereits verlinkt. wurscht)
      https://www.politico.eu/article/europe-american-president-paradox-ursula-von-der-leyen/
      * * *
      kurz wegen Politico via Wiki geguckt:

      Gegründet von Joe Allbritton:
      Untere Mittelschicht. Soldat 2. WK. Jurastudium. Leiht sich Geld.
      Erwirbt ein Grundstück, das er ganz zufällig später für ein Vermögen verkaufen kann, weil dort eine Straße gebaut wird.
      Gründet die Riggs Bank.
      Dann: „investigation by the Securities and Exchange Commission involving oil money from Equatorial Guinea at the same time that Riggs was facing broader charges of money laundering.“

      Parallel: Beginnt zu investieren in Medien.
      Gründet Politico.
      Einiges geht Pleite. Politico nicht.

      Sohn Robert Allbritton übernimmt Politico und Riggs Bank, Riggs Bank wird 2005 an PNC Financial Services verkauft:

      „In 2005, PNC acquired Riggs National Corporation of Washington, D. C. Riggs had been fined after aiding Chilean dictator Augusto Pinochet in money laundering.“

      Allbritton verkauft Politico im Sommer 2021 für 1 Mill. an Axel Springer.

      So here we are.

    4. Das Spektakel war 4 Jahre eher geplant, 2017 kam allerdings Trump in die Quere.
      U.a. wegen der Verzögerung beim Eskalieren des RU Konfliktes das schier endlose Gejaule der Meute damals.

  15. Respekt für den Beitrag an Krass und Konkret!
    Hätte dieses Medium kritische Reichweite, würde wohl die gesamte Meute jetzt auf Autor und Betreiber gehetzt werden.

    Schlussendlich ist zu sagen, natürlich ist im Kapitalismus ALLES ökonomisch determiniert, Werte werden in Säcken gehandelt, ausschliesslich!
    Und Skrupel oder auch nur irgendeine Form von Moral kennen weder die Cowboys aus Übersee, noch deren Cousins in London, die Brüsseler Räuberbande ebenso wenig.

    Generell ist in diesem System alles und jede Nachricht zu hinterfragen, in Bezug auf Politik, und insbesondere mit Bezug auf RU, wird schon immer gelogen, dass sich die Balken biegen.
    Das sich diese extremst irre Propaganda in den Köpfen der Menschen dann anreichert, kann man den Leuten kaum übelnehmen.
    Die Verursacher dagegen sind schlicht Verbrecher, gehören an und für sich zur Verantwortung gezogen.

  16. […] Von Guido BilandBrauchen die USA einen Stellvertreterkrieg, um ihre Schuldenwirtschaft am Leben und am Laufen zu halten? Einiges spricht dafür.https://overton-magazin.de/hintergrund/wirtschaft/wer-solche-freunde-hat-braucht-keine-feinde-mehr/ […]

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