»Die USA sind das einzige wirtschaftspolitisch erfolgreiche Land«

US-Flagge
Tony Webster, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Die USA vor dem wirtschaftlichen Abgrund? Heiner Flassbeck hält das für Unsinn. Das eigentliche wirtschaftliche Sorgenkind sei Deutschland – trotz oder gerade wegen seiner Schuldenphobie.

Die USA hoch verschuldet, Donald Trump wirtschaftspolitisch auf Irrwegen – und der große Crash nur noch eine Frage der Zeit? Heiner Flassbeck hält wenig von solchen deutschen Untergangserzählungen. Die USA hätten Vollbeschäftigung, steigende Einkommen und eine wachsende Produktivität. Deutschland dagegen stecke wirtschaftlich fest. Im Gespräch erklärt Flassbeck, warum staatliche Schulden notwendig sind, weshalb die deutsche Schuldenphobie dem Land schadet – und warum er die amerikanische Wirtschaftspolitik für hundertmal kompetenter hält als die deutsche.

 

De Lapuente: Herr Flassbeck, wer derzeit deutsche Wirtschaftsmedien liest, bekommt den Eindruck, die USA stünden wirtschaftlich kurz vor dem Abgrund: explodierende Staatsschulden, hohe Zinsen, Trumps erratische Wirtschaftspolitik. Warum halten Sie diese Untergangsstimmung für weitgehend unbegründet?

Flassbeck: Wir haben es bei den Zinsen mit der üblichen Spekulation an hochspekulativen Finanzmärkten zu tun – es wird spekuliert, dass die langfristen Zinsen höher sein werden. Und was tut man, wenn man erwartet, dass die langfristigen Zinsen höher sein werden? Man steigt erstmal aus den Staatsanleihen aus – das heißt: man verkauft sie. Deswegen steigen tatsächlich die Zinsen dieser Staatsanleihen, denn es sind ja festverzinsliche Papiere. Wenn der Preis sinkt, steigt die implizite Verzinsung dieser Papiere. Das alles hat mit einem Untergang nichts zu tun. Märkte sind irrational. Jeder vernünftige Mensch sollte das wissen. Aber leider steht jeden Tag in irgendeiner unserer extrem sachkundigen Zeitungen, dass die Welt – oder eben Amerika – untergeht. Alles Quatsch!

De Lapuente: Wie steht es dann wirklich um die Vereinigten Staaten?

Flassbeck: Kürzlich haben wir die neuen Zahlen über die Beschäftigung in den USA bekommen. Die amerikanische Wirtschaft hat in einem Monat 130.000 neue Stellen geschaffen. Wir reden hier in Deutschland darüber, dass von Monat zu Monat 20.000 Stellen wegfallen. Und die Amerikaner haben in einem Monat 130.000 neue Stellen geschaffen. Es gibt dort weiter Vollbeschäftigung. Die Preise sind zugegeben ein bisschen höher, als sie sein müssten, weil Trump Unsinn macht. Aber ansonsten fehlt dieser Volkswirtschaft kaum etwas. Uns hingegen fehlt alles.

»Es spricht vieles dafür, dass man die Unternehmen verhätschelt hat«

Das Standardwerk von Heiner Flassbeck!

De Lapuente: Woran liegt das?

Flassbeck: Weil die Amerikaner Schulden machen …

De Lapuente: … was hierzulande immer wieder als Beleg dafür herhalten muss, dass die US-Wirtschaft früher oder später scheitern müsse. Sie sagen dagegen, dass die USA hohe staatliche Defizite brauchen. Können Sie das erläutern?

Flassbeck: Alle Staaten brauchen Defizite – alle Staaten, bei denen die Unternehmen sich nicht verschulden. Und das sind fast alle. Selbst in den USA, ist die Gesamtlage so, dass der Unternehmenssektor sich insgesamt nicht verschuldet. Und wenn dieser sich nicht verschuldet, muss sich jemand anderes verschulden. Irgendeiner muss sich immer verschulden. Warum das so ist? Weil auf der anderen Seite gespart wird und damit Nachfrage verschwindet, die dringend gebraucht wird. Seit etwa 20 Jahren verschuldet sich in der westlichen Welt der Unternehmenssektor nicht mehr.

De Lapuente: Warum hat sich das so entwickelt?

Flassbeck: Das weiß niemand ganz genau. Es spricht vieles dafür, dass es diese Verhätschelungspolitik war, auch »Angebotspolitik« genannt, bei der man die Unternehmen pampert und verhätschelt und ihnen immer alles Gute tut. Das könnte dazu geführt haben, dass die Unternehmen es gar nicht mehr nötig haben, sich zu verschulden. Früher mussten sie kämpfen, ums Überleben – und um Investitionen und Produktivität. Das hat man ihnen alles weggenommen. Man wollte, dass sie sorgenfrei leben können. Aber um ehrlich zu sein: das ist nur eine Hypothese. Es gibt keine zufriedenstellende Erklärung. Man weiß nur: Seit 20 Jahren sind die Unternehmen in Europa – und eben auch in Deutschland – keine Schuldner mehr.

De Lapuente: Seltsame Marktwirtschaft …

Flassbeck: Es gibt keine Marktwirtschaft, wenn die Unternehmen sich nicht verschulden. Was wir jetzt haben, ist eine Pseudomarktwirtschaft – ja, eine Hybridwirtschaft. Und letztere kann eben nur funktionieren, wenn der Staat sich verschuldet. Deutschland hat das über viele Jahre ganz schlau umgangen, indem man das Ausland zum Schuldner gemacht hat. Man hat das Problem quasi einfach in ein anderes Land geschoben.

»Die USA sind das einzige Land, das schon seit fast zehn Jahren Vollbeschäftigung aufweist«

De Lapuente: Wie kann man tun, damit die Unternehmen wieder als Schuldner fungieren?

Flassbeck: Entweder man versucht, die Unternehmen dahin zu prügeln, dass sie wieder Schulden machen – das hat noch keiner versucht. Man könnte die Steuern für die Unternehmen erhöhen oder dafür sorgen, dass die Löhne kräftig steigen, damit die Unternehmen unter Druck kommen und sich verschulden müssen. In Japan ist das Phänomen schon zehn Jahre früher als im Westen aufgetreten, auch dort hat man noch keine Lösung gefunden. Daher liegt die Staatsverschuldung in Japan bei 200 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die USA sind im Augenblick bei 120 Prozent – alles in allem noch lächerlich wenig.

De Lapuente: Ein besonders verbreitetes Argument lautet, die USA seien auf ausländische Geldgeber angewiesen, die ihre Staatsanleihen kaufen – und könnten deshalb irgendwann das Vertrauen der Kapitalmärkte verlieren. Warum halten Sie das für Unsinn?

Flassbeck: Zunächst mal: Die USA sind nicht darauf angewiesen. Die USA haben ein Leistungsbilanzdefizit, was heißt, per Saldo bekommen sie Kredit vom Rest der Welt. Dorthin haben wir unsere Verschuldung hingeschoben. Die haben sich sozusagen für uns verschuldet. Das will Trump durch seine Zölle beseitigen, was allerdings noch nicht sehr erfolgreich ist. Die Amerikaner hatten in den letzten vierzig Jahren immer ein extrem hohes Leistungsplandefizit. Was aber in erster Linie daran liegt, dass die USA das einzige wirtschaftspolitisch erfolgreiche Land sind. Das muss man sich immer noch mal in Erinnerung rufen. Von den deutschen Medien wird das nicht zur Kenntnis genommen. Sie deuten stattdessen einen US-Untergang an. Aber die USA sind das einzige Land, das schon seit fast zehn Jahren Vollbeschäftigung aufweist. Die Einkommen steigen dort jedes Jahr um drei, dreieinhalb Prozent. Und die Wirtschaft investiert viel – viel mehr als bei uns. Auch die Produktivität steigt wesentlich stärker als bei uns. Was im Grunde nicht schwer ist, denn bei uns steigt sie gar nicht mehr. Wenn man sich die jüngsten Produktionsergebnisse für Deutschland ansieht: Eine Katastrophe! Die deutsche Wirtschaft liegt am Boden. Sie bewegt sich keinen Millimeter.

De Lapuente: Im Vorfeld der Wahl in Sachsen-Anhalt hat man schon mal deutlich gemacht, dass eine AfD in Regierungsverantwortung das Land wirtschaftliche schwäche – als sei sie jetzt noch intakt und erst kaputt, wenn die AfD eventuell mit ihrer Regierung beginnt …

Flassbeck: Wir haben einen wirtschaftlich total inkompetenten Kanzler. Wir haben einen wirtschaftlich total inkompetenten Finanzminister. Und wir haben auch eine wirtschaftlich total inkompetente AfD. Aber was sollen die Leute denn wählen? Die wählen natürlich diejenigen, die noch nichts falsch gemacht haben, weil sie noch keine politische Macht hatten. Außerdem erwarten die Leute endlich mal Begründungen dafür, was gerade passiert. Aber sie bekommen keine. Denn es gibt einfach keine nachvollziehbare Begründung dafür, dass ausgerechnet die Patienten  leiden müssen, weil wir Geld in die Ukraine überweisen. Es gibt auch keine Begründung für diesen Rentenquatsch, den die Bundesregierung da anstellt. Es ist reinste Willkür – und das merken die Leute. Und deswegen wählen sie was anderes.

»Benutzt man Panzer nicht, stehen sie dumm rum – benutzt man sie, wird es noch schlimmer«

De Lapuente: Trump will gleichzeitig das amerikanische Handelsdefizit reduzieren, die Wirtschaft stärken und weiterhin hohe Staatsdefizite zulassen. In Deutschland gilt das als widersprüchliche oder sogar ruinöse Wirtschaftspolitik. Könnte es sein, dass Donald Trump die ökonomischen Zusammenhänge an dieser Stelle besser verstanden hat als diejenigen, die bei uns wirtschaftspolitisch herumdoktern?

Flassbeck: Ob es Trump persönlich ist, würde ich ihm jetzt zwar nicht unterstellen wollen – aber sein Finanzminister weiß sicher ziemlich viel. Und sein Notenbank-Gouverneur ist auch gut. Trump hat Leute, die wirklich viel wissen. Und auch sein Handelsbeauftragter hat die Sachen ziemlich gut verstanden. Tatsächlich ist es so, dass die amerikanische Administration immer schon – und das kann ich aus eigener Erfahrung sagen – ungefähr hundertmal kompetenter war als die deutsche Administration in wirtschaftspolitischen Fragen. Es ist doch irre: Wir hatten schon deutsche Finanzminister, die kein sinnvolles Wort über Wirtschaftspolitik formulieren konnten – und dann mit US-Finanzminister Larry Summers stritten, der ja wirklich ein umstrittener Mensch ist, aber dennoch ein sehr guter Ökonom. Auch seine Nachfolgerin Janet Yellen war eine kompetente Frau. In Deutschland gibt es nichts dergleichen. Ökonomen sind in den USA ohnehin viel offener – bei uns gibt es nur diesen neoklassischen Unsinn. In den USA denkt man in alle Richtungen.

De Lapuente: Hat Friedrich Merz am Ende doch etwas richtig gemacht, indem er die Schuldenbremse für einen Moment ausgehebelt hat? Denn immerhin lässt er damit Verschuldung zu.

Flassbeck: Für den Moment schon. Wenn auch an der falschen Stelle. Für Juli haben wir die Ergebnisse der Auftragseingänge erst vor einigen Tagen erhalten. Das Einzige, was nach oben geht, findet man in der Rubrik »Spezialfahrzeuge« – oder » Sonderfahrzeuge«? –, gemeint sind damit Panzer. Alles andere ist am Boden. Panzer zu produzieren ist unsinnig. Denn wenn man sie nicht benutzt, stehen sie nur dumm rum. Benutzt man sie jedoch, ist es noch viel schlimmer – denn dann befinden wir uns im Krieg mit einer Atommacht. Das man in Deutschland Panzer baut, um wirtschaftlich etwas zu bewegen, ist die höchste Stufe der Absurdität, die man sich vorstellen kann. Und angesichts der absoluten Überlegenheit der NATO ist es sowieso absolut Schwachsinn, dass man noch weiter rüstet. Die SPD hat dann noch ein Sondervermögen durchgesetzt. Das rechnet sich über zehn Jahre – 500 Milliarden auf zehn Jahre: Das ist nichts, ein Klacks. Und außerdem wurde ein Teil davon noch mit den ohnehin geplanten Investitionen verrechnet. So geht es nicht, so kann man die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt nicht führen.

Redaktion

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11 Kommentare

  1. 1️⃣ Flassbeck: 💬 „Wir haben einen wirtschaftlich total inkompetenten Kanzler. Wir haben einen wirtschaftlich total inkompetenten Finanzminister.

    Wer würde dem widersprechen mit Ausnahme derer, die von dieser neoliberalen, asozialen und (neo-)feudalen Politik inklusive Milliarden-„Sondervermögen“ für die Aufrüstung des Militärs profitieren und das ist sicherlich nicht die Mehrheit der Bevölkerung und schon gar nicht die Allgemeinheit = das Wohl des Volkes.

    Aber das ist nicht erst 2026 mit „diesem“ CDU-Kanzler und „diesem“ SPD-Finanzminister so. Das war auch schon vorher so bei

    ● Olaf, dem SPD-Kanzler mit dem „Doppel-Wumms“ und der „Zeitenwende“,
    ● „Mutti“ Merkel, der CDU-Kanzlerin der alternativlosen Politik („Wir schaffen das.“),
    ● Gerhard „Agenda-2010“-Schröder („Hol’ mir mal ’ne Flasche Bier, sonst streik ich hier) und
    ● Helmut Kohl, dem CDU-Kanzler der „geistig-moralischen Wende“.

    Aber das mit „Mutti“ Merkel und Agenda-2010-Schröder ist schon lange her und wer kann sich noch an Helmut erinnern? Viele Bürger und Wähler können sich nicht mal an den Kanzler mit dem „Doppelwumms“ und den Poeten Robert Habeck, der von 2021 bis 2025 Bundeswirtschafts- und Klimaminister war, erinnern: „Insolvenz ist nicht automatisch, wenn ein Unternehmen aufhört zu verkaufen.“ – Wer kein Geld auf dem Konto hat, um die die Miete bezahlen zu können, ist auch nicht obdachlos, er hat nur kein Geld, um die Miete bezahlen zu können.

    2️⃣ Flassbeck: 💬 „Und wir haben auch eine wirtschaftlich total inkompetente AfD. Aber was sollen die Leute denn wählen?“

    Auch da kann man prinzipiell schwer widersprechen. Es gibt allerdings auch noch (eine) andere Partei(en), die eine Politik machen will bzw. wollen, die dem Frieden und dem Wohl des deutschen Volkes dient. Aber diese Politiker/Parteien werden nicht gewählt. Das ist das real existierende Dilemma ↔️ der Demokratie. Und wenn man Sabrina 👩‍🦱 liebt und heiraten will, aber tatsächlich Alexandra 👩‍🦳 heiratet, dann ist man schizophren, dann sollte man vielleicht zu einem Facharzt gehen.

    3️⃣ Was die Staats-Schulden angeht, dann gilt das, was Herr Flassbeck sagt, allerdings nur unter der Prämisse/Bedingung, dass diese Staats-Schulden niemals vollständig getilgt bzw. zurückgezahlt werden. Oder würde Herr Flassbeck dem widersprechen?

  2. Was für ein Clown. Na klar, wer so erfolglos wie China und die BRICS ist hat eben eben keine Ahnung und wird auch garnicht erwähnt…

    Das anglofaschistische Diktum von der angeblichen „Administration“ ist dagegen ein Indikator, achtung hier kommt gleich geballter Unsinn. Und er enttäuscht nicht: die 40 Trillionen Staatsverschuldung der USA sind also gerade mal 120% des BNP😂Und D-Land hat das „Ausland“ zum Schuldner gemacht, während das in den USA nicht so ist. Die drucken einfach so das Geld, gell Heiner, das dann als „BNP“ das Kapital von Epstein-Klasse und Blackrock bildet.

  3. Gut gemeint aber nein.

    Die USA stehen derzeit bei 120% Staatsschulden. Richtig kritisch, also unumkehrbar sagt man wirds bei 200%. Heißt die USA sind vom echten Bankrott noch entfernt. An diesem Punkt kann man Flassbeck noch zustimmen. Aber zahlen tun die trotzdem viel Geld für die Zinsen. Geld das man genausogut für Soziales ausgeben könnte. Geld das hauptsächlich für immer mehr Rüstung ausgegeben wurde und wird und damit nicht nachhaltig als Investition betrachtet werden kann. Kann da nichts cleveres erkennen an der amerikanischen Wirtschaftspolitik, den Unternehmen gehts gut, aber dem Staat nicht.

    Das Herr Flassbeck das unproblematisch findet ist seine persönliche Meinung. Das die Anleger vor diesen Schulden letztens erst zurückschreckten und der Zinssatz erhöht werden musste zeigt das die nicht Flassbecks Meinung sind. Anleger überlegen recht genau, im Gegensatz zu Experten ist es nämlich ihr Geld. Nicht despektierlich gemeint.

    Das deutsche Mrd Paket war ja ursprünglich dafür gedacht Infrastruktur zu verbessern, so dumm ist Deutschland also nicht. Auch wenn ich persönlich gegen Verschuldung bin, dafür kann man drüber nachdenken. Nur, dafür wurde es nicht ausgegeben. Genau aus dem Grund gibts die Schuldenbremse, eigentlich bräuchte man keine. Aber das Geld ist nicht das der Politiker, also fehlt da der Sparansatz völlig. Warum also falsche Politik ändern, wenn man einfach mehr Geld draufwerfen kann. Bis zur nächsten Wahlperiode reichts doch.

    Flassbecks Ansatz Schulden machen ist normal, sollte er mal ein Blick nach Argentinien oder Griechenland werfen. Irgendwann stehen die Banken auf der Matte und dann ist Finito. Ab einem gewissen Prozentsatz verschlechtert sich das Ranking, damit steigen die Zinsen über Nacht ins unbezahlbare.

  4. Seit Neubeginn des liberalen Kapitalismus nach dem Ende des 2. Weltkriegs kannte die Unternehmen- und Reichen-Besteuerung nur eine Richtung, nämlich nach unten – bis zur Situation, dass die Unternehmen im eigenen Kapital schwammen und keine Kredite mehr für Investitionen mehr benötigten:

    De Lapuente: Warum hat sich das so entwickelt?
    Flassbeck: Das weiß niemand ganz genau.

    Eine erstaunliche Antwort für einen politischen Ökonomen. Die Antwort lässt vermuten, dass ihm da wohl etwas schwant, er dem aber (aus politischen Gründen?) nicht weiter nachgehen will:

    Es spricht vieles dafür, dass es diese Verhätschelungspolitik war, auch »Angebotspolitik« genannt, bei der man die Unternehmen pampert und verhätschelt und ihnen immer alles Gute tut. Das könnte dazu geführt haben, dass die Unternehmen es gar nicht mehr nötig haben, sich zu verschulden. Früher mussten sie kämpfen, ums Überleben – und um Investitionen und Produktivität. Das hat man ihnen alles weggenommen. Man wollte, dass sie sorgenfrei leben können. Aber um ehrlich zu sein: das ist nur eine Hypothese. Es gibt keine zufriedenstellende Erklärung. Man weiß nur: Seit 20 Jahren sind die Unternehmen in Europa – und eben auch in Deutschland – keine Schuldner mehr.

    Das sich nun anhäufende Geld bei den Unternehmen musste ja irgendwo profitabel investiert werden, was den Neo-Liberalismus notwendig machte – mit Privatisierungen im Inland und jeglicher Aufhebung von Kapital-Verkehrskontrollen, was die Globalisierung vorantrieb. Westliches Kapital durchdrang die Welt und fand so neue Möglichkeiten der Vermehrung, der Bereicherung oder der Akkumulation wie Marxisten sagen.

    Darin liegt so offenkundig eine gewisse Zwangsläufigkeit, dass es verwundert, dass hier immer wieder nur die individuellen Versäumnisse der Politiker angeführt werden. Dann will man natürlich auch nicht sehen, dass die Politik in den liberalen Demokratien an der Nase geführt wird, dass die Staaten um die Gunst des global agierenden Kapitals buhlen – im Konkurrenzkampf um die niedrigsten Unternehmenssteuern und sonstige Vorzugsbedingungen für Unternehmen.

    Die Folge des Neoliberalismus (der Macht des Kapitals) ist öffentliche Armut und privater Reichtum (allerdings konzentriert in sehr wenigen Händen). Das reichste Land der Welt schafft es nicht die Grundbedürfnisse seiner Bevölkerung zu befriedigen. Und die Europäer folgen dem notgedrungen – ihnen eint die selbe (transatlantische) Ideologie.

    Flassbeck schafft es nicht das Problem der Verschuldung im großen Zusammenhang zu sehen. Seine ständige Forderung, der Staat müsse sich verschulden, ist zwar in der aktuellen Lage richtig, aber für einen Ökonomen doch etwas dürftig. Da kann man erwarten, dass er etwas tiefer in die Problematik eindringt. Ich kann nur vermuten, dass er das aus ideologischen Gründen nicht tut, er müsste einige Grundsätze wirtschaftsliberaler Ideologie über den Haufen werfen. Da wagt er sich wohl nicht ran.

  5. Was H.F nicht erwähnt, ist die grassierende Armut der working poor und illegaler Einwanderer, deren Ausbeutung den wirtschaftlichen Erfolg des Landes überhaupt ermöglicht,
    verstärkt durch die neokoloniale Ausbeutung rohstoffreicher armer Länder.

    Die Ursache für den Wirtschaftserfolg der USA ist wohl eher – wenn nicht sogar überwiegend – darin zu sehen.

    Es ist eine Ausbeutungs- und Raubökonomie. Die USA sind hier seit je her brutaler und erfolgreicher als die „Konkurrenz“.

  6. Ein wichtiger und erhellender Artikel, der sich mit den meisten fraglos messen kann.
    Wer zeigt nicht überbordendes Interesse an den möglichen Problemen auf dem überseeischenNeuenKontinent mangels eigener vor der Haustür.
    „Entweder man versucht, die Unternehmen dahin zu prügeln, dass sie wieder Schulden machen – das hat noch keiner versucht.“
    Wer sind ‚man und keiner‘?

    „Wir haben einen wirtschaftlich total inkompetenten..“
    Sagt wer?Zuwächse/Verteilung funktionieren bestens.

    „Denn es gibt einfach keine nachvollziehbare Begründung dafür, dass ausgerechnet die Patienten leiden müssen, weil wir Geld..“
    Absolut korrekt und inhaltlich auf den Punkt gebracht:
    ausgerechnet/ausschließlich/nur/einzig/
    lediglich Patienten (als alleinig Betroffene) sollen leiden, während den Armen, Ärmsten, Alten, Obdachlosen etc. ein lustiges, sorgenfreies Leben gewährt wird?Eine Schande aber auch.
    Gut, dass ‚man‘ sich hiiier bewusst und gehorsam darüber ausschweigt und ‚keiner‘ ein wahres Interesse an realem Ist/sein-wird hat.

  7. Nur zur Erinnerung, die USA haben Rohstoffe, auch Kohle, Öl und Gas sind auf eigenem Boden zu finden. Und wenn nicht, dann hinter der Grenze. Es gibt auch Uran. Die USA sind auch das Land, das unseren Zugang zu günstiger Energie zerstört hat, unter Wasser und durch den Krieg der NATO mit Russland und die Sanktion. Das Ziel dieser Politik war die Zerstörung jeglicher Bestrebungen nach wirtschaftlicher und politischer Unabhängigkeit. Das ist gelungen.

    Die amerikanischen Universitäten, das heißt die, die wirklich zählen und nach dem Vorbild der deutschen Universitäten vor ’68 gestaltet sind, forschen im Bereich von IT, Physik und Biotechnologie. Wir haben auf Druck unser Bildungssystem zerstört, von der fehlgeleiteten Inklusion zur Ideologisierung, der Absenkung des Niveaus, zur Einführung wertloser Abschlüsse. Unserer Politik ist es gelungen, alles Schlechte zu übernehmen. Chapeau!

    Die USA kontrollieren ihre Währung. Die Deutschen wurden gezwungen, ihre Währung aufzugeben, auch damit andere EU-Länder sich weiter verschulden können. Jetzt kommen die Eurobonds, zur Finanzierung des Krieges und der Umvolkung und natürlich für die „Energiewende“ zur Zerstörung der Industrie.
    Diese Politik errichtet gerade eine Zentralverwaltungswirtschaft mit Zentrale in Brüssel, ganz ohne Not, aber auch ohne Verstand, und wir sehen zu und finden das wunderbar.

    Erinnern wir uns, es war die Inflation in den USA, verursacht durch die Ausgaben für den Krieg in Vietnam und die höheren Ausgaben für den Kampf gegen Armut, die den Ölpreisschock von 73 auslöste.
    Seitdem wird ein Austerity-Programm nach dem anderen gefahren, wurde diese Gesellschaft durch die Kürzungen in den Abgrund gewirtschaftet. Und das „Sparen“ zu einem religiösen Mantra erhoben, dann kam die schwäbische Hausfrau und die Anbetung der „Schwarzen Null“ und die Privatisierung nach chilenisch-britischem Vorbild, damit auch hier nichts mehr funktioniert und die Infrastruktur zerbröselt.

    Ich vergesse nicht, wie Bangemann im Bundestag davon sprach, dass es eigentlich Ministerium für die Wirtschaft heißen müsste. Folgerichtig wurde alles für die Förderung der Exportwirtschaft getan, vor allem die Zerstörung der Binnennachfrage. Zurückhaltung bei den Löhnen, Kürzungen und Verlagerungen bei Sozialausgaben, mit Ausnahme der Beamten. Wir haben alles exportiert, einschließlich der Arbeitsplätze, denn nur so können die Gewinne gesichert werden.

    Wirtschaft, wie Bildung, wie Politik sind keine Stärken der Deutschen.

    Doch die USA können nicht unser Vorbild sein.
    60 Prozent der US-Amerikaner leben von einem Lohnscheck zum nächsten. Krankheit ist die häufigste Ursache des Privatbankrotts. Die erzwungene Mobilität ist eine Ursache der zerstörten amerikanischen Gesellschaft, wie Drogenkonsum und Kriminalität. Auch das Leben in einem Zelt gehört nicht zum deutschen Traum.

    Wir brauchen etwas anderes.
    Ob die AfD das liefern kann, ist offen, dafür gibt es dort auch zu viele ökonomische Analphabeten.

    1. Die AfD ist leider auch nur ein transatlantischer Verein, trotz einiger ostdeutscher Vertreter, die etwas anders ticken, aber die haben kein Gewicht im Gesamtverein. Das Bekenntnis zu Nato und transatlantischen Werten wird sie letztendlich für das atlantische Regime akzeptabel machen.
      Bleibt ihre Ausländerfeindlichkeit, aber die wird ja inzwischen von CDU und SPD übernommen. Und die Brandmauer wird mit dem Abgang von Merz (woran gearbeitet wird) Geschichte sein.

  8. Flassbeck ist ein Magier, ein Zauberkünstler und gewiss ein verkanntes Genie. Trotzdem würde ich hier gern mal ein Interview mit oder einen Beitrag von einem kompetenten Ökonomen lesen, der Flassbecks, sagen wir mal, phantasievolle Ansätze nicht teilt. Bezeichnet sich Overton nicht als „Debattenmagazin“? Debatte gibt es hier leider wenig. These und Antithese, Pro und Kontra. Schade.

    Zu Flassbecks Auslassungen halte ich mich mal zurück. Aber es ist unschwer zu erkennen, dass er, sorry, nicht einmal leidlich widerspruchsfrei seine eigenen Modelle der Welt mitteilen kann. Nur eins: massive, exponentiell wachsende Verschuldung hat immer und ausnahmslos zum Zusammenbruch geführt. Das wird diesmal nicht anders sein. Die Dtaatsverschuldung der USA liegt übrigens bei 125% BIP. Die Gesamtverschuldung der USA liegt bei über 300% BIP. Flassbeck vertritt ja die weitverbreitete Milchmädchen-These, dass die Schulden des Einen die Vermögen des Anderen sind. Wer, und das versäumt Flassbeck soweit ich ihn lese und verstehe, letzteres ist nicht meine Stärke, sind eigentlich die Anderen? Nun, die Party in den USA läuft, weil wertlose Buchzahlen (Verbindlichkeiten) gegen echte Güter und reale Dienstleistungen getauscht werden. Der Rest der Welt finanziert die US-Konsum-Wirtschaft. Und die Güter und Dienstlestungen dort sind vor Zugriff der Gläubiger geschützt. Und, es kommt krasser, das Gesamtvermögen der US-Amerikaner liegt bei über 600% ihres BIP. Das ist die größte Blase der Finanzgeschichte. Warum? Dieses Vermögen besteht zu 70% aus Aktien, Schuldverschreibungen, Anleihen, Firmenbetiligungen, Versicherungen, Pensionsansprüchen, anderen Geldeinlagen. Dem gegenüber stehen reale Werte von nur 30%. Und die sind über Firmenwerte (Aktien und andere Beteiligungen) zum Teil dort schon eingepreist. Die Schere zwischen Armen und Wohlhabenden, von Reichen ganz zu schweigen, ist gigantisch. Wobei „wohlhabend“ in Anbetracht der Blase natürlich relativ ist.

    So sieht grob skizziert Flassbecks Traum aus.

    Ach, ich höre lieber auf…

    1. Die Staatsverschuldung der USA funktioniert, weil der Dollar die Reservewährung der Welt ist, in der Rohstoffe und Energie gehandelt werden. Wenn das nicht mehr der Fall ist, kollabiert das System.

      Deshalb „muss“ die USA alle Gefahrenquellen zerstören. Irak, Libyen, der Krieg gegen Russland, Venezuela, der Krieg gegen den Iran, die Zerstörung Deutschlands/Europas und im nächsten Schritt der Konflikt mit China. Alternativesysteme, eigenständige Währungen, unabhängige Wirtschaftssysteme, die ihre eigene Währung nutzen, darf es nicht geben.
      Trump hat dies freundlicherweise oft genug gesagt. Das kann man ihm glauben.

      Das Modell der USA funktioniert, weil es durch Gewalt umgesetzt wird.

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