»Die USA sind das einzige wirtschaftspolitisch erfolgreiche Land«

US-Flagge
Tony Webster, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Die USA vor dem wirtschaftlichen Abgrund? Heiner Flassbeck hält das für Unsinn. Das eigentliche wirtschaftliche Sorgenkind sei Deutschland – trotz oder gerade wegen seiner Schuldenphobie.

Die USA hoch verschuldet, Donald Trump wirtschaftspolitisch auf Irrwegen – und der große Crash nur noch eine Frage der Zeit? Heiner Flassbeck hält wenig von solchen deutschen Untergangserzählungen. Die USA hätten Vollbeschäftigung, steigende Einkommen und eine wachsende Produktivität. Deutschland dagegen stecke wirtschaftlich fest. Im Gespräch erklärt Flassbeck, warum staatliche Schulden notwendig sind, weshalb die deutsche Schuldenphobie dem Land schadet – und warum er die amerikanische Wirtschaftspolitik für hundertmal kompetenter hält als die deutsche.

 

De Lapuente: Herr Flassbeck, wer derzeit deutsche Wirtschaftsmedien liest, bekommt den Eindruck, die USA stünden wirtschaftlich kurz vor dem Abgrund: explodierende Staatsschulden, hohe Zinsen, Trumps erratische Wirtschaftspolitik. Warum halten Sie diese Untergangsstimmung für weitgehend unbegründet?

Flassbeck: Wir haben es bei den Zinsen mit der üblichen Spekulation an hochspekulativen Finanzmärkten zu tun – es wird spekuliert, dass die langfristen Zinsen höher sein werden. Und was tut man, wenn man erwartet, dass die langfristigen Zinsen höher sein werden? Man steigt erstmal aus den Staatsanleihen aus – das heißt: man verkauft sie. Deswegen steigen tatsächlich die Zinsen dieser Staatsanleihen, denn es sind ja festverzinsliche Papiere. Wenn der Preis sinkt, steigt die implizite Verzinsung dieser Papiere. Das alles hat mit einem Untergang nichts zu tun. Märkte sind irrational. Jeder vernünftige Mensch sollte das wissen. Aber leider steht jeden Tag in irgendeiner unserer extrem sachkundigen Zeitungen, dass die Welt – oder eben Amerika – untergeht. Alles Quatsch!

De Lapuente: Wie steht es dann wirklich um die Vereinigten Staaten?

Flassbeck: Kürzlich haben wir die neuen Zahlen über die Beschäftigung in den USA bekommen. Die amerikanische Wirtschaft hat in einem Monat 130.000 neue Stellen geschaffen. Wir reden hier in Deutschland darüber, dass von Monat zu Monat 20.000 Stellen wegfallen. Und die Amerikaner haben in einem Monat 130.000 neue Stellen geschaffen. Es gibt dort weiter Vollbeschäftigung. Die Preise sind zugegeben ein bisschen höher, als sie sein müssten, weil Trump Unsinn macht. Aber ansonsten fehlt dieser Volkswirtschaft kaum etwas. Uns hingegen fehlt alles.

»Es spricht vieles dafür, dass man die Unternehmen verhätschelt hat«

Das Standardwerk von Heiner Flassbeck!

De Lapuente: Woran liegt das?

Flassbeck: Weil die Amerikaner Schulden machen …

De Lapuente: … was hierzulande immer wieder als Beleg dafür herhalten muss, dass die US-Wirtschaft früher oder später scheitern müsse. Sie sagen dagegen, dass die USA hohe staatliche Defizite brauchen. Können Sie das erläutern?

Flassbeck: Alle Staaten brauchen Defizite – alle Staaten, bei denen die Unternehmen sich nicht verschulden. Und das sind fast alle. Selbst in den USA, ist die Gesamtlage so, dass der Unternehmenssektor sich insgesamt nicht verschuldet. Und wenn dieser sich nicht verschuldet, muss sich jemand anderes verschulden. Irgendeiner muss sich immer verschulden. Warum das so ist? Weil auf der anderen Seite gespart wird und damit Nachfrage verschwindet, die dringend gebraucht wird. Seit etwa 20 Jahren verschuldet sich in der westlichen Welt der Unternehmenssektor nicht mehr.

De Lapuente: Warum hat sich das so entwickelt?

Flassbeck: Das weiß niemand ganz genau. Es spricht vieles dafür, dass es diese Verhätschelungspolitik war, auch »Angebotspolitik« genannt, bei der man die Unternehmen pampert und verhätschelt und ihnen immer alles Gute tut. Das könnte dazu geführt haben, dass die Unternehmen es gar nicht mehr nötig haben, sich zu verschulden. Früher mussten sie kämpfen, ums Überleben – und um Investitionen und Produktivität. Das hat man ihnen alles weggenommen. Man wollte, dass sie sorgenfrei leben können. Aber um ehrlich zu sein: das ist nur eine Hypothese. Es gibt keine zufriedenstellende Erklärung. Man weiß nur: Seit 20 Jahren sind die Unternehmen in Europa – und eben auch in Deutschland – keine Schuldner mehr.

De Lapuente: Seltsame Marktwirtschaft …

Flassbeck: Es gibt keine Marktwirtschaft, wenn die Unternehmen sich nicht verschulden. Was wir jetzt haben, ist eine Pseudomarktwirtschaft – ja, eine Hybridwirtschaft. Und letztere kann eben nur funktionieren, wenn der Staat sich verschuldet. Deutschland hat das über viele Jahre ganz schlau umgangen, indem man das Ausland zum Schuldner gemacht hat. Man hat das Problem quasi einfach in ein anderes Land geschoben.

»Die USA sind das einzige Land, das schon seit fast zehn Jahren Vollbeschäftigung aufweist«

De Lapuente: Wie kann man tun, damit die Unternehmen wieder als Schuldner fungieren?

Flassbeck: Entweder man versucht, die Unternehmen dahin zu prügeln, dass sie wieder Schulden machen – das hat noch keiner versucht. Man könnte die Steuern für die Unternehmen erhöhen oder dafür sorgen, dass die Löhne kräftig steigen, damit die Unternehmen unter Druck kommen und sich verschulden müssen. In Japan ist das Phänomen schon zehn Jahre früher als im Westen aufgetreten, auch dort hat man noch keine Lösung gefunden. Daher liegt die Staatsverschuldung in Japan bei 200 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die USA sind im Augenblick bei 120 Prozent – alles in allem noch lächerlich wenig.

De Lapuente: Ein besonders verbreitetes Argument lautet, die USA seien auf ausländische Geldgeber angewiesen, die ihre Staatsanleihen kaufen – und könnten deshalb irgendwann das Vertrauen der Kapitalmärkte verlieren. Warum halten Sie das für Unsinn?

Flassbeck: Zunächst mal: Die USA sind nicht darauf angewiesen. Die USA haben ein Leistungsbilanzdefizit, was heißt, per Saldo bekommen sie Kredit vom Rest der Welt. Dorthin haben wir unsere Verschuldung hingeschoben. Die haben sich sozusagen für uns verschuldet. Das will Trump durch seine Zölle beseitigen, was allerdings noch nicht sehr erfolgreich ist. Die Amerikaner hatten in den letzten vierzig Jahren immer ein extrem hohes Leistungsplandefizit. Was aber in erster Linie daran liegt, dass die USA das einzige wirtschaftspolitisch erfolgreiche Land sind. Das muss man sich immer noch mal in Erinnerung rufen. Von den deutschen Medien wird das nicht zur Kenntnis genommen. Sie deuten stattdessen einen US-Untergang an. Aber die USA sind das einzige Land, das schon seit fast zehn Jahren Vollbeschäftigung aufweist. Die Einkommen steigen dort jedes Jahr um drei, dreieinhalb Prozent. Und die Wirtschaft investiert viel – viel mehr als bei uns. Auch die Produktivität steigt wesentlich stärker als bei uns. Was im Grunde nicht schwer ist, denn bei uns steigt sie gar nicht mehr. Wenn man sich die jüngsten Produktionsergebnisse für Deutschland ansieht: Eine Katastrophe! Die deutsche Wirtschaft liegt am Boden. Sie bewegt sich keinen Millimeter.

De Lapuente: Im Vorfeld der Wahl in Sachsen-Anhalt hat man schon mal deutlich gemacht, dass eine AfD in Regierungsverantwortung das Land wirtschaftliche schwäche – als sei sie jetzt noch intakt und erst kaputt, wenn die AfD eventuell mit ihrer Regierung beginnt …

Flassbeck: Wir haben einen wirtschaftlich total inkompetenten Kanzler. Wir haben einen wirtschaftlich total inkompetenten Finanzminister. Und wir haben auch eine wirtschaftlich total inkompetente AfD. Aber was sollen die Leute denn wählen? Die wählen natürlich diejenigen, die noch nichts falsch gemacht haben, weil sie noch keine politische Macht hatten. Außerdem erwarten die Leute endlich mal Begründungen dafür, was gerade passiert. Aber sie bekommen keine. Denn es gibt einfach keine nachvollziehbare Begründung dafür, dass ausgerechnet die Patienten  leiden müssen, weil wir Geld in die Ukraine überweisen. Es gibt auch keine Begründung für diesen Rentenquatsch, den die Bundesregierung da anstellt. Es ist reinste Willkür – und das merken die Leute. Und deswegen wählen sie was anderes.

»Benutzt man Panzer nicht, stehen sie dumm rum – benutzt man sie, wird es noch schlimmer«

De Lapuente: Trump will gleichzeitig das amerikanische Handelsdefizit reduzieren, die Wirtschaft stärken und weiterhin hohe Staatsdefizite zulassen. In Deutschland gilt das als widersprüchliche oder sogar ruinöse Wirtschaftspolitik. Könnte es sein, dass Donald Trump die ökonomischen Zusammenhänge an dieser Stelle besser verstanden hat als diejenigen, die bei uns wirtschaftspolitisch herumdoktern?

Flassbeck: Ob es Trump persönlich ist, würde ich ihm jetzt zwar nicht unterstellen wollen – aber sein Finanzminister weiß sicher ziemlich viel. Und sein Notenbank-Gouverneur ist auch gut. Trump hat Leute, die wirklich viel wissen. Und auch sein Handelsbeauftragter hat die Sachen ziemlich gut verstanden. Tatsächlich ist es so, dass die amerikanische Administration immer schon – und das kann ich aus eigener Erfahrung sagen – ungefähr hundertmal kompetenter war als die deutsche Administration in wirtschaftspolitischen Fragen. Es ist doch irre: Wir hatten schon deutsche Finanzminister, die kein sinnvolles Wort über Wirtschaftspolitik formulieren konnten – und dann mit US-Finanzminister Larry Summers stritten, der ja wirklich ein umstrittener Mensch ist, aber dennoch ein sehr guter Ökonom. Auch seine Nachfolgerin Janet Yellen war eine kompetente Frau. In Deutschland gibt es nichts dergleichen. Ökonomen sind in den USA ohnehin viel offener – bei uns gibt es nur diesen neoklassischen Unsinn. In den USA denkt man in alle Richtungen.

De Lapuente: Hat Friedrich Merz am Ende doch etwas richtig gemacht, indem er die Schuldenbremse für einen Moment ausgehebelt hat? Denn immerhin lässt er damit Verschuldung zu.

Flassbeck: Für den Moment schon. Wenn auch an der falschen Stelle. Für Juli haben wir die Ergebnisse der Auftragseingänge erst vor einigen Tagen erhalten. Das Einzige, was nach oben geht, findet man in der Rubrik »Spezialfahrzeuge« – oder » Sonderfahrzeuge«? –, gemeint sind damit Panzer. Alles andere ist am Boden. Panzer zu produzieren ist unsinnig. Denn wenn man sie nicht benutzt, stehen sie nur dumm rum. Benutzt man sie jedoch, ist es noch viel schlimmer – denn dann befinden wir uns im Krieg mit einer Atommacht. Das man in Deutschland Panzer baut, um wirtschaftlich etwas zu bewegen, ist die höchste Stufe der Absurdität, die man sich vorstellen kann. Und angesichts der absoluten Überlegenheit der NATO ist es sowieso absolut Schwachsinn, dass man noch weiter rüstet. Die SPD hat dann noch ein Sondervermögen durchgesetzt. Das rechnet sich über zehn Jahre – 500 Milliarden auf zehn Jahre: Das ist nichts, ein Klacks. Und außerdem wurde ein Teil davon noch mit den ohnehin geplanten Investitionen verrechnet. So geht es nicht, so kann man die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt nicht führen.

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32 Kommentare

  1. 1️⃣ Flassbeck: 💬 „Wir haben einen wirtschaftlich total inkompetenten Kanzler. Wir haben einen wirtschaftlich total inkompetenten Finanzminister.

    Wer würde dem widersprechen mit Ausnahme derer, die von dieser neoliberalen, asozialen und (neo-)feudalen Politik inklusive Milliarden-„Sondervermögen“ für die Aufrüstung des Militärs profitieren und das ist sicherlich nicht die Mehrheit der Bevölkerung und schon gar nicht die Allgemeinheit = das Wohl des Volkes.

    Aber das ist nicht erst 2026 mit „diesem“ CDU-Kanzler und „diesem“ SPD-Finanzminister so. Das war auch schon vorher so bei

    ● Olaf, dem SPD-Kanzler mit dem „Doppel-Wumms“ und der „Zeitenwende“,
    ● „Mutti“ Merkel, der CDU-Kanzlerin der alternativlosen Politik („Wir schaffen das.“),
    ● Gerhard „Agenda-2010“-Schröder („Hol’ mir mal ’ne Flasche Bier, sonst streik ich hier) und
    ● Helmut Kohl, dem CDU-Kanzler der „geistig-moralischen Wende“.

    Aber das mit „Mutti“ Merkel und Agenda-2010-Schröder ist schon lange her und wer kann sich noch an Helmut erinnern? Viele Bürger und Wähler können sich nicht mal an den Kanzler mit dem „Doppelwumms“ und den Poeten Robert Habeck, der von 2021 bis 2025 Bundeswirtschafts- und Klimaminister war, erinnern: „Insolvenz ist nicht automatisch, wenn ein Unternehmen aufhört zu verkaufen.“ – Wer kein Geld auf dem Konto hat, um die die Miete bezahlen zu können, ist auch nicht obdachlos, er hat nur kein Geld, um die Miete bezahlen zu können.

    2️⃣ Flassbeck: 💬 „Und wir haben auch eine wirtschaftlich total inkompetente AfD. Aber was sollen die Leute denn wählen?“

    Auch da kann man prinzipiell schwer widersprechen. Es gibt allerdings auch noch (eine) andere Partei(en), die eine Politik machen will bzw. wollen, die dem Frieden und dem Wohl des deutschen Volkes dient. Aber diese Politiker/Parteien werden nicht gewählt. Das ist das real existierende Dilemma ↔️ der Demokratie. Und wenn man Sabrina 👩‍🦱 liebt und heiraten will, aber tatsächlich Alexandra 👩‍🦳 heiratet, dann ist man schizophren, dann sollte man vielleicht zu einem Facharzt gehen.

    3️⃣ Was die Staats-Schulden angeht, dann gilt das, was Herr Flassbeck sagt, allerdings nur unter der Prämisse/Bedingung, dass diese Staats-Schulden niemals vollständig getilgt bzw. zurückgezahlt werden. Oder würde Herr Flassbeck dem widersprechen?

    1. Wenn die Schulden aller Staaten der Erdevollständig zurückgezahlt würden würde das das Ende jeglichen Privatvermögens bedeuten: Jeder wäre mit seinen Einkünften am Ende eines jeden Monats bei Null.
      Kann man ja mal überlegen, ob man das wirklich so will. so ganz ohne griffbereiten Notgroschen für notwendige Reparaturen etc.

  2. Was für ein Clown. Na klar, wer so erfolglos wie China und die BRICS ist hat eben eben keine Ahnung und wird auch garnicht erwähnt…

    Das anglofaschistische Diktum von der angeblichen „Administration“ ist dagegen ein Indikator, achtung hier kommt gleich geballter Unsinn. Und er enttäuscht nicht: die 40 Trillionen Staatsverschuldung der USA sind also gerade mal 120% des BNP😂Und D-Land hat das „Ausland“ zum Schuldner gemacht, während das in den USA nicht so ist. Die drucken einfach so das Geld, gell Heiner, das dann als „BNP“ das Kapital von Epstein-Klasse und Blackrock bildet.

  3. Gut gemeint aber nein.

    Die USA stehen derzeit bei 120% Staatsschulden. Richtig kritisch, also unumkehrbar sagt man wirds bei 200%. Heißt die USA sind vom echten Bankrott noch entfernt. An diesem Punkt kann man Flassbeck noch zustimmen. Aber zahlen tun die trotzdem viel Geld für die Zinsen. Geld das man genausogut für Soziales ausgeben könnte. Geld das hauptsächlich für immer mehr Rüstung ausgegeben wurde und wird und damit nicht nachhaltig als Investition betrachtet werden kann. Kann da nichts cleveres erkennen an der amerikanischen Wirtschaftspolitik, den Unternehmen gehts gut, aber dem Staat nicht.

    Das Herr Flassbeck das unproblematisch findet ist seine persönliche Meinung. Das die Anleger vor diesen Schulden letztens erst zurückschreckten und der Zinssatz erhöht werden musste zeigt das die nicht Flassbecks Meinung sind. Anleger überlegen recht genau, im Gegensatz zu Experten ist es nämlich ihr Geld. Nicht despektierlich gemeint.

    Das deutsche Mrd Paket war ja ursprünglich dafür gedacht Infrastruktur zu verbessern, so dumm ist Deutschland also nicht. Auch wenn ich persönlich gegen Verschuldung bin, dafür kann man drüber nachdenken. Nur, dafür wurde es nicht ausgegeben. Genau aus dem Grund gibts die Schuldenbremse, eigentlich bräuchte man keine. Aber das Geld ist nicht das der Politiker, also fehlt da der Sparansatz völlig. Warum also falsche Politik ändern, wenn man einfach mehr Geld draufwerfen kann. Bis zur nächsten Wahlperiode reichts doch.

    Flassbecks Ansatz Schulden machen ist normal, sollte er mal ein Blick nach Argentinien oder Griechenland werfen. Irgendwann stehen die Banken auf der Matte und dann ist Finito. Ab einem gewissen Prozentsatz verschlechtert sich das Ranking, damit steigen die Zinsen über Nacht ins unbezahlbare.

  4. Seit Neubeginn des liberalen Kapitalismus nach dem Ende des 2. Weltkriegs kannte die Unternehmen- und Reichen-Besteuerung nur eine Richtung, nämlich nach unten – bis zur Situation, dass die Unternehmen im eigenen Kapital schwammen und keine Kredite mehr für Investitionen mehr benötigten:

    De Lapuente: Warum hat sich das so entwickelt?
    Flassbeck: Das weiß niemand ganz genau.

    Eine erstaunliche Antwort für einen politischen Ökonomen. Die Antwort lässt vermuten, dass ihm da wohl etwas schwant, er dem aber (aus politischen Gründen?) nicht weiter nachgehen will:

    Es spricht vieles dafür, dass es diese Verhätschelungspolitik war, auch »Angebotspolitik« genannt, bei der man die Unternehmen pampert und verhätschelt und ihnen immer alles Gute tut. Das könnte dazu geführt haben, dass die Unternehmen es gar nicht mehr nötig haben, sich zu verschulden. Früher mussten sie kämpfen, ums Überleben – und um Investitionen und Produktivität. Das hat man ihnen alles weggenommen. Man wollte, dass sie sorgenfrei leben können. Aber um ehrlich zu sein: das ist nur eine Hypothese. Es gibt keine zufriedenstellende Erklärung. Man weiß nur: Seit 20 Jahren sind die Unternehmen in Europa – und eben auch in Deutschland – keine Schuldner mehr.

    Das sich nun anhäufende Geld bei den Unternehmen musste ja irgendwo profitabel investiert werden, was den Neo-Liberalismus notwendig machte – mit Privatisierungen im Inland und jeglicher Aufhebung von Kapital-Verkehrskontrollen, was die Globalisierung vorantrieb. Westliches Kapital durchdrang die Welt und fand so neue Möglichkeiten der Vermehrung, der Bereicherung oder der Akkumulation wie Marxisten sagen.

    Darin liegt so offenkundig eine gewisse Zwangsläufigkeit, dass es verwundert, dass hier immer wieder nur die individuellen Versäumnisse der Politiker angeführt werden. Dann will man natürlich auch nicht sehen, dass die Politik in den liberalen Demokratien an der Nase geführt wird, dass die Staaten um die Gunst des global agierenden Kapitals buhlen – im Konkurrenzkampf um die niedrigsten Unternehmenssteuern und sonstige Vorzugsbedingungen für Unternehmen.

    Die Folge des Neoliberalismus (der Macht des Kapitals) ist öffentliche Armut und privater Reichtum (allerdings konzentriert in sehr wenigen Händen). Das reichste Land der Welt schafft es nicht die Grundbedürfnisse seiner Bevölkerung zu befriedigen. Und die Europäer folgen dem notgedrungen – ihnen eint die selbe (transatlantische) Ideologie.

    Flassbeck schafft es nicht das Problem der Verschuldung im großen Zusammenhang zu sehen. Seine ständige Forderung, der Staat müsse sich verschulden, ist zwar in der aktuellen Lage richtig, aber für einen Ökonomen doch etwas dürftig. Da kann man erwarten, dass er etwas tiefer in die Problematik eindringt. Ich kann nur vermuten, dass er das aus ideologischen Gründen nicht tut, er müsste einige Grundsätze wirtschaftsliberaler Ideologie über den Haufen werfen. Da wagt er sich wohl nicht ran.

    1. @garno 🕵️ „Da kann man erwarten, dass er etwas tiefer in die Problematik eindringt. Ich kann nur vermuten, dass er das aus ideologischen Gründen nicht tut, er müsste einige Grundsätze wirtschaftsliberaler Ideologie über den Haufen werfen.“

      Abseits jeder Ideologie müsste man dann die Frage stellen und wissenschaftlich seriös beantworten, warum marktwirtschaftlich organisierte Staaten überhaupt jemals Staatsschulden gemacht haben, wenn denn die „freie Marktwirtschaft“ = der ungezügelte Kapitalismus doch alle Menschen wohlhabend oder sogar reich/superreich macht?

      Marktwirtschaft und Kapitalismus gibt es nicht erst seit 50 Jahren. Das gab es auch schon in den 1920er Jahren und den Zeiten der Weimarer Republik. Auch damals gab es Finanz- und Wirtschaftskrisen, Börsencrashs, Spekulation mit Immobilien und explodierende Mieten, Armut und „Superreiche“, Obdachlosigkeit und Arbeitslosigkeit. Der britische Ökonom und Wirtschaftswissenschaftler John Meynard Keynes kam damals zu der Feststellung, dass die Konjunktur in kapitalistischen Systemen in Zyklen verläuft: Aufschwung 📈 🐂, Boom, Rezession 🐻 📉 und sich das wiederholt.

      Seine grundlegende Idee war: In wirtschaftlichen Krisen soll der Staat antizyklisch handeln, durch öffentliche Ausgaben und Nachfragepolitik die Wirtschaft stabilisieren und die Arbeitslosigkeit bekämpfen. Das wurde historisch gesehen auch gemacht und das nicht nur von „linken“, sondern vor allem von konservativen und rechten Regierungen.

      Was der John aber auch noch gesagt, das war: Wenn es mit der Wirtschaft wieder aufwärts geht, dann soll der Staat die Schulden wieder abbauen. Das wurde allerdings nie gemacht, in der Regel war das Gegenteil der Fall. Politiker, die immer nur bis zur nächsten Wahl denken, haben im Aufschwung noch mehr Schulden gemacht. Politiker haften schließlich nicht für die Schulden des Staates. (Heute muss man „differenzieren“: Schulden für Kampfpanzer, Handgranaten und Kampfdrohnen sind keine Schulden, das ist „Sondervermögen“!)

      Irgendwann kam dann diese „schwäbische Hausfrau“ 🧑‍🍳🧺👛🪙 aka „Mutti Merkel“, manche nennen sie auch den „Engel aus der Uckermark“ (Ex-DDR) und stellte fest, dass die Staatsschulden in Deutschland sehr hoch wären und wir alle „sparen“ müssten, weil „wir“ über unsere Verhältnisse gelebt hätte und leben würden. Das „Mutti“ Merkel war ein großer Fan des CDU-Kanzlers Helmut Kohl, dem Erfinder der „geistig-moralischen Wende“. Damit ist nicht die „Wende“ 1989/90 gemeint, sondern die neoliberale Wende 1982/83 in Western Germany (BRD).

      Und was hat die schwäbische Hausfrau aus der Ex-DDR gemacht? Sie hat das gemacht, was seit Helmut Kohl in Deutschland gemacht wird. Die schwäbische Hausfrau

      • hat noch mehr Schulden gemacht ⬆️,
      • den Sozialstaat abgebaut ⬇️,
      • die Steuern/Abgaben für die Armen und die Mittelschicht erhöht ⬆️ und
      • die Steuern für die besserverdienenden Reichen/Superreichen 💰 gesenkt ⬇️.

      An dieser Stelle kommen wir auch wieder zurück zur neoliberal-konservativen Ideologie ✝️: Konservative Politiker, neoliberale Ökonomen, „Wirtschaftsweise“ und konservative/neoliberale Journalisten (vor allem von FAZ, BILD, RTL, SPIEGEL, SZ, WELT und dem ZETT-DE-EFF ) verbreiten nämlich seit Jahrzehnten das neoliberale Märchen, dass im Kapitalismus

      (1) jeder wohlhabend oder sogar reich 💰 werden kann, der hart arbeitet 🏋️💪, und
      (2) wenn man die Reichen/Superreichen 💰 🏰 🏢 🍾 🥂 ⌚ 👜 🚘 🛩️ 🚁 ✈️ 🚢 ⛵️ 🏝️ steuerlich entlastet, auch etwas Gemüse/Obst 🫘 🍉 🍌 🥒🍇 🥕 🍎 🫑 für die Armen abfallen.

      Letzteres nennt man auch „Trickle-Down-Theorie“. Wenn man sich die ökonomische Entwicklung in Deutschland, Frankreich, Italien, GB, USA usw. ansieht, dann widerspricht das zwar der Realitiät, aber das ändert nichts daran, dass diese Ideologie weiterhin von der neoliberalen Kanzel gepredigt wird und viele Anhänger dieser Religion immer noch daran glauben, dass sie so reich werden wie Friedrich Merz, Donald Trump oder Elon Musk, wenn sie die Ärmel hochkrempeln, hart arbeiten und ein paar Überstunden machen.

      Wer profitiert von den staatlichen Schulden und die Antwort ist: Es sind nicht die Armen,
      es sind die Reichen, sie kassieren dafür Milliarden Zinsen und das Jahr für Jahr.
      Der kleine Mann und die kleine Frau zahlen diese Zinsen, und eines ist sonnenklar:
      Wer schon viel Vermögen und Kapital besitzt, wird noch reicher. Ist die freie Marktschaft nicht wunderbar?
      (Reiner Reimer, Reimstadt am Rhein, Reimland 2026)

      Ob das die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und Markus Lanz vom „ZETT-DE-EFF“ auch verstehten?

      1. Naja, Keynes hat vor allem gesagt, dass vor absehbaren und während Krisen staatliches Geld in die Beschaffung von Investitionsgütern gepumpt werden muss. Das haben wir doch getan. Vorzugsweise in Projekte der international bewunderten und erfolgreichen Energiewende.

        Keynes war auch kein Plattformökonom sondern ein Mensch, der in der Welt realer Güter lebte und dachte. Auf die Idee ein im Überfluss vorhandenes Ding zu bepreisen, um die Wirtschaft (wahlweise das Klima) zu retten oder eine Gesellschaft ohne Eigentum für die Massen (Sharing Economy) wäre er wahrscheinlich nicht gekommen. Ebenso absurd dürfte ihm die Derivatewelt und die massenhafte Abhängigkeit der Gesundheits- und Altersvorsorgesysteme – damals nicht in dem Umfang vorhanden – von hochspekulativen Aktien- und Anleihemärkten vorkommen. Wir leben in einer vollständig anderen wirtschaftlichen Welt. Und der Begriff „Marktwirtschaft“, schon gar kombiniert mit „sozial“ passt sicher nicht.

        Und Keynes hat seine Thesen zu einer Zeit von bestehenden Nationalökonomien aufgestellt. Wir haben aber eine global extrem verflochtene Wirtschaft und eine daraus folgend eine globale Krise.

    2. Ich sehe leider nicht, wo sie genau „das Problem der Verschuldung im großen Zusammenhang sehen“. Aber die übrlichen Phrasen haben sie gut drauf. Glückwunsch.
      PS: Natürlich sieht der Herr Flassbeck „das Problem der Verschuldung im großen Zusammenhang“, weil der Herr Flassbeck im Unterschied zu ihnen versteh, wie unser kreditbasiertes Geldsystem funktioniert.

  5. Was H.F nicht erwähnt, ist die grassierende Armut der working poor und illegaler Einwanderer, deren Ausbeutung den wirtschaftlichen Erfolg des Landes überhaupt ermöglicht,
    verstärkt durch die neokoloniale Ausbeutung rohstoffreicher armer Länder.

    Die Ursache für den Wirtschaftserfolg der USA ist wohl eher – wenn nicht sogar überwiegend – darin zu sehen.

    Es ist eine Ausbeutungs- und Raubökonomie. Die USA sind hier seit je her brutaler und erfolgreicher als die „Konkurrenz“.

  6. Ein wichtiger und erhellender Artikel, der sich mit den meisten fraglos messen kann.
    Wer zeigt nicht überbordendes Interesse an den möglichen Problemen auf dem überseeischenNeuenKontinent mangels eigener vor der Haustür.
    „Entweder man versucht, die Unternehmen dahin zu prügeln, dass sie wieder Schulden machen – das hat noch keiner versucht.“
    Wer sind ‚man und keiner‘?

    „Wir haben einen wirtschaftlich total inkompetenten..“
    Sagt wer?Zuwächse/Verteilung funktionieren bestens.

    „Denn es gibt einfach keine nachvollziehbare Begründung dafür, dass ausgerechnet die Patienten leiden müssen, weil wir Geld..“
    Absolut korrekt und inhaltlich auf den Punkt gebracht:
    ausgerechnet/ausschließlich/nur/einzig/
    lediglich Patienten (als alleinig Betroffene) sollen leiden, während den Armen, Ärmsten, Alten, Obdachlosen etc. ein lustiges, sorgenfreies Leben gewährt wird?Eine Schande aber auch.
    Gut, dass ‚man‘ sich hiiier bewusst und gehorsam darüber ausschweigt und ‚keiner‘ ein wahres Interesse an realem Ist/sein-wird hat.

  7. Nur zur Erinnerung, die USA haben Rohstoffe, auch Kohle, Öl und Gas sind auf eigenem Boden zu finden. Und wenn nicht, dann hinter der Grenze. Es gibt auch Uran. Die USA sind auch das Land, das unseren Zugang zu günstiger Energie zerstört hat, unter Wasser und durch den Krieg der NATO mit Russland und die Sanktion. Das Ziel dieser Politik war die Zerstörung jeglicher Bestrebungen nach wirtschaftlicher und politischer Unabhängigkeit. Das ist gelungen.

    Die amerikanischen Universitäten, das heißt die, die wirklich zählen und nach dem Vorbild der deutschen Universitäten vor ’68 gestaltet sind, forschen im Bereich von IT, Physik und Biotechnologie. Wir haben auf Druck unser Bildungssystem zerstört, von der fehlgeleiteten Inklusion zur Ideologisierung, der Absenkung des Niveaus, zur Einführung wertloser Abschlüsse. Unserer Politik ist es gelungen, alles Schlechte zu übernehmen. Chapeau!

    Die USA kontrollieren ihre Währung. Die Deutschen wurden gezwungen, ihre Währung aufzugeben, auch damit andere EU-Länder sich weiter verschulden können. Jetzt kommen die Eurobonds, zur Finanzierung des Krieges und der Umvolkung und natürlich für die „Energiewende“ zur Zerstörung der Industrie.
    Diese Politik errichtet gerade eine Zentralverwaltungswirtschaft mit Zentrale in Brüssel, ganz ohne Not, aber auch ohne Verstand, und wir sehen zu und finden das wunderbar.

    Erinnern wir uns, es war die Inflation in den USA, verursacht durch die Ausgaben für den Krieg in Vietnam und die höheren Ausgaben für den Kampf gegen Armut, die den Ölpreisschock von 73 auslöste.
    Seitdem wird ein Austerity-Programm nach dem anderen gefahren, wurde diese Gesellschaft durch die Kürzungen in den Abgrund gewirtschaftet. Und das „Sparen“ zu einem religiösen Mantra erhoben, dann kam die schwäbische Hausfrau und die Anbetung der „Schwarzen Null“ und die Privatisierung nach chilenisch-britischem Vorbild, damit auch hier nichts mehr funktioniert und die Infrastruktur zerbröselt.

    Ich vergesse nicht, wie Bangemann im Bundestag davon sprach, dass es eigentlich Ministerium für die Wirtschaft heißen müsste. Folgerichtig wurde alles für die Förderung der Exportwirtschaft getan, vor allem die Zerstörung der Binnennachfrage. Zurückhaltung bei den Löhnen, Kürzungen und Verlagerungen bei Sozialausgaben, mit Ausnahme der Beamten. Wir haben alles exportiert, einschließlich der Arbeitsplätze, denn nur so können die Gewinne gesichert werden.

    Wirtschaft, wie Bildung, wie Politik sind keine Stärken der Deutschen.

    Doch die USA können nicht unser Vorbild sein.
    60 Prozent der US-Amerikaner leben von einem Lohnscheck zum nächsten. Krankheit ist die häufigste Ursache des Privatbankrotts. Die erzwungene Mobilität ist eine Ursache der zerstörten amerikanischen Gesellschaft, wie Drogenkonsum und Kriminalität. Auch das Leben in einem Zelt gehört nicht zum deutschen Traum.

    Wir brauchen etwas anderes.
    Ob die AfD das liefern kann, ist offen, dafür gibt es dort auch zu viele ökonomische Analphabeten.

    1. Die AfD ist leider auch nur ein transatlantischer Verein, trotz einiger ostdeutscher Vertreter, die etwas anders ticken, aber die haben kein Gewicht im Gesamtverein. Das Bekenntnis zu Nato und transatlantischen Werten wird sie letztendlich für das atlantische Regime akzeptabel machen.
      Bleibt ihre Ausländerfeindlichkeit, aber die wird ja inzwischen von CDU und SPD übernommen. Und die Brandmauer wird mit dem Abgang von Merz (woran gearbeitet wird) Geschichte sein.

  8. Flassbeck ist ein Magier, ein Zauberkünstler und gewiss ein verkanntes Genie. Trotzdem würde ich hier gern mal ein Interview mit oder einen Beitrag von einem kompetenten Ökonomen lesen, der Flassbecks, sagen wir mal, phantasievolle Ansätze nicht teilt. Bezeichnet sich Overton nicht als „Debattenmagazin“? Debatte gibt es hier leider wenig. These und Antithese, Pro und Kontra. Schade.

    Zu Flassbecks Auslassungen halte ich mich mal zurück. Aber es ist unschwer zu erkennen, dass er, sorry, nicht einmal leidlich widerspruchsfrei seine eigenen Modelle der Welt mitteilen kann. Nur eins: massive, exponentiell wachsende Verschuldung hat immer und ausnahmslos zum Zusammenbruch geführt. Das wird diesmal nicht anders sein. Die Dtaatsverschuldung der USA liegt übrigens bei 125% BIP. Die Gesamtverschuldung der USA liegt bei über 300% BIP. Flassbeck vertritt ja die weitverbreitete Milchmädchen-These, dass die Schulden des Einen die Vermögen des Anderen sind. Wer, und das versäumt Flassbeck soweit ich ihn lese und verstehe, letzteres ist nicht meine Stärke, sind eigentlich die Anderen? Nun, die Party in den USA läuft, weil wertlose Buchzahlen (Verbindlichkeiten) gegen echte Güter und reale Dienstleistungen getauscht werden. Der Rest der Welt finanziert die US-Konsum-Wirtschaft. Und die Güter und Dienstlestungen dort sind vor Zugriff der Gläubiger geschützt. Und, es kommt krasser, das Gesamtvermögen der US-Amerikaner liegt bei über 600% ihres BIP. Das ist die größte Blase der Finanzgeschichte. Warum? Dieses Vermögen besteht zu 70% aus Aktien, Schuldverschreibungen, Anleihen, Firmenbetiligungen, Versicherungen, Pensionsansprüchen, anderen Geldeinlagen. Dem gegenüber stehen reale Werte von nur 30%. Und die sind über Firmenwerte (Aktien und andere Beteiligungen) zum Teil dort schon eingepreist. Die Schere zwischen Armen und Wohlhabenden, von Reichen ganz zu schweigen, ist gigantisch. Wobei „wohlhabend“ in Anbetracht der Blase natürlich relativ ist.

    So sieht grob skizziert Flassbecks Traum aus.

    Ach, ich höre lieber auf…

    1. Die Staatsverschuldung der USA funktioniert, weil der Dollar die Reservewährung der Welt ist, in der Rohstoffe und Energie gehandelt werden. Wenn das nicht mehr der Fall ist, kollabiert das System.

      Deshalb „muss“ die USA alle Gefahrenquellen zerstören. Irak, Libyen, der Krieg gegen Russland, Venezuela, der Krieg gegen den Iran, die Zerstörung Deutschlands/Europas und im nächsten Schritt der Konflikt mit China. Alternativesysteme, eigenständige Währungen, unabhängige Wirtschaftssysteme, die ihre eigene Währung nutzen, darf es nicht geben.
      Trump hat dies freundlicherweise oft genug gesagt. Das kann man ihm glauben.

      Das Modell der USA funktioniert, weil es durch Gewalt umgesetzt wird.

      1. Noch funktioniert es. Aber ein Krieg gegen die Volksrepublik China wird unweigerlich zum Kernwaffeneinsatz führen. Dann war es das mit der Menschheit. Dann funktioniert es nicht mehr. Aber die USA werden es vermutlich so weit treiben, weil sie ihren Kurs nicht ändern können (oder wollen) und tun was sie immer getan haben: den Rest der Welt Ausplündern, was dann zu einem Krieg führen muss. Einen Wirtschaftskrieg wird China aussitzen können. Die KPCh macht die Grenzen dicht und befiehlt dem Volk wieder wie zu Maos Zeiten zu leben oder wie im Kaiserreich. Also bleibt den USA nur der heiße Krieg um ihre Wirtschaft zu halten.

        Tja, wie entschärft man diese Situation?

    2. @Reimar Pflanz 💭 Nehmen wir an, Sie hätten mit Ihrer Analyse recht, dann stellt sich die Frage, wer oder was dieses gigantische Ponzi-Schema ändern oder abbremsen könnte.

      Ein Ponzi-Schema funktioniert solange, solange es in ausreichendem Maße neues „frisches“ Geld gibt, um die bestehenden alten Schulden zu tilgen und die Zinsen an die Gläubiger zu zahlen.

      1. Eine Möglichkeit des Schuldenabbbaus wäre z. B. einen (weltweiter) Schuldenschnitt. Das ist dann aber kein Traum mehr, das wäre eine Fata Morgana.

      Lassen wir mal China, Russland, Nordvietnam, Klein-Kuba und die zwei Öl-Staaten, die keine Staatsschulden haben, außen vor, dann werden die „Superreichen“ 💰 weltweit in allen anderen Staaten, allen voran den USA und Deutschland, von den Regierungen und der Mehrheit der Politiker (Alice Weidel von der AfD inklusive) angebetet 🙏. In den USA macht sich gerade ein Multimilliardär auf den Weg, der erste Dollar-Billionär der Geschichte zu werden. Bill „Microsoft“ Gates kauft in den USA seit Jahren alle landwirtschaftlichen Flächen auf, die er bekommen kann. Dort werden Sie, wenn Sie, wenn Sie das Wort „Schuldenschnitt“ in den Mund nehmen, als „Kommunist“ verhaftet und bekommen dafür 175 Jahre Knast 🧱.

      2. Eine Möglichkeit wäre auch, dass die reale Wirtschaft = BIP (wieder) schneller wächst als die Schuldenquote. Realistisch ist auch das nicht. Woher soll dieses Wachstum kommen?

      3. Ein Möglichkeit ist die (schleichende) Inflation. Inflation entwertet nicht nur das Geldvermögen auf dem Bankkonto, sondern auch die (Staats-)Schulden. Der Prozess läuft gerade, er läuft langsam und diese Vermögensentwertung betrifft vor allem die Mieter und anderen kleinen Leute ohne große Villen, Immobilien, Forstgrundstücke, Aktien, Antiquitäten, Diamanten, Oldtimer, Privatflugzeuge, Goldmünzen, Goldbarren usw.

      4. Man kann die Staatsausgaben senken, vor allem die Ausgaben für Infrastruktur, öffentliche Bildung, Kindergärten, Gesundheitsvorsorge, Sozialhilfe, Obdachlosenunterstützung, Arbeitslosengeld, Kultur usw. Auch das läuft bereits seit Jahren, es hat aber seine Grenzen, wenn in Deutschland eine Million Obdachlose in der Fußgängerzone herumliegen es sei denn, man sperrt sie dann in Lager zur kapitalistischen Umerziehung.

      5. Eine Möglichkeit wäre ein ganz großer Knall z. B. ein Weltkrieg. Das ist – auch historisch gesehen – nicht unwahrscheinlich. Schön ist das für die meisten Bürger in der Regel nicht, auch nicht für diejenigen, die den Krieg überleben.

      Was bleibt, das ist eben der „Traum“ von Herrn Flassbeck: mit Staatschulden die neoliberale Wirtschaft am Laufen zu halten solange das Ponzi-Schema funktioniert. Die Alternative wäre auch ein (neo-)feudaler Polizei-Staat. Schön ist auch das nicht für die kleinen Arbeiter, kleinen Angestellten, kleinen Beamten, kleinen Freiberufler, kleinen Gewerbetreibenden, kleinen Rentner, Behinderten, Kranken, Arbeitslosen usw.

      1. Der Weg in ein neofeudales System ist der wahrscheinlichste, oder? Er wird aktuell beschritten. Die angestrebte Plattformwirtschaft zielt genau auf diesen Neofeudalismus. Begleiterscheinungen wie digitales Geld, Sozialkredit, Totalüberwachung sind wichtige Zwischenziele. Ein globaler Krieg ist dabei nicht gewünscht. Das Risiko besteht natürlich. Allerdings wird ein Ereignis benötigt, dass die Akzeptanz des neuen Systems sichert. Tja, und genau das ist der Punkt, an dem meine Phantasie endet. Wäre ich der Drehbuchautor, würde ich als Ergebnis eines false flag hybriden Angriffs auf die westliche Welt den Zusammenbruch des Systems simulieren, um dann sofort ein resilientes Ersatzsystem hervorzuzaubern: konteollierte Geldströme, prorammierbare Währung,de facto Enteignung mittlerer Vermögen- später folgend de jure, social credit, Totalüberwachung, weniger Brot aber mehr Spiele.

        Sicher ist nur, dass das System kollabiert, Wie und wann ist unklar. Kann noch 20 Jahre laufen oder übermorgen zusammenbrechen. Morgen bitte nicht, da habe ich anderes vor.

    3. Es ist eine Tatsache in unserem kreditbasierten Geldsystem, dass die Schulden des Einen das Vermögen des Anderen sind. Diskussionen über Makroökonomie mit Menschen, die diese triviale Tatsache nicht verstehen wollen oder können, ist möglich, aber sinnlos.

  9. Einer der Nationen, die ihre Schulden im Griff haben, ist Russland.
    Wenn Russland seine Staatsschulden im Begriff hat, um Beschäftigung und Investitionen zu erhalten, warum investiert man in den USA?
    Weil die USA und EU gründlich zu einem Investitionswirtschaftsraum selbst hin dazu entwickelt hat.
    Alle diese liberalen Kosten für dieses Investment, wurden freiwillig von der goldene Milliarde getragen.
    Dieser westliche Aufschwung, erinnert an zwei verlorenen Weltkriege.
    Was will der ökonomische Prophet den lesern mitteilen?
    „Ihr bezahlt wie bestellt“!

    Die ganzen Lügen der vergangenen Jahren, werden weiter vorangetragen, warum?
    Vielleicht darum, um die existente Simulantion weiter beibezubehalten?
    Der wirtschaftliche Punkt, in einer weltwirtschaftlichen Situation, besteht darin, das alle Teilnehmer aller Ideologien darin Teil haben.
    Also der wirtschaftliche Bankrott, wird nicht stattfinden, da alle Teilnehmer, sich fest an diesem untragbaren Monument, Kapital festhalten. Simulanten simulieren die.

  10. „Rüstungskeynesianismus“ ist kein
    Keynesianismus. Entweder ist er ein
    volkswirtschaftliches Strohfeuer, das verpufft, wenn man nicht rechtzeitig dicke
    Scheite Buche nachlegt, oder er ist der schnellste Weg in die Katastrofe.

    Was ist Rüstungskeynesianismus ?
    https://www.sdaj.org/2012/01/06/ruestungskeynesianismus/

    Der gute, alte Herr Keynes und seine Ausbeutung und Zerstörung auf Kredit.
    Nun haben wir derzeit aber keine bessere
    Blaupause um den Leuten draußen wieder
    Geld in die Taschen stecken zu können.
    Ohne Bauzeichnung kein Haus. Ohne funktionale, stringent umgesetzte Wirtschaftstheorie nur Siechtum und Niedergang.

    Der BSW-Parteivorsitzende Fabio De Masi
    kennt sich mit Keynes aus. Weidel und ihre Freunde können eckige Bonbons rundlutschen, sonst nichts.

    Wann kommt der Sozialismus ?

    Weiß ich nicht.

    1. Nun, Herr de Masi hat, soweit ich weiß, nie im harten kapitalistischen System arbeiten müssen. Er war stets recht weich gebettet in verschiedenen Bürojobs in der Linkspartei bzw. deren Abgeordneten und „gemeinnützigen“ Unternehmen. Mag sein, dass er Keynes „verstanden“ hat. Das ist allerdings eine Leistung an sich. Bisher musste der Parteivorsitzende des BSW nicht beweisen, dass er Keynes auch erfolgreich anwenden kann. Macht als keinen Unterschied zu denen von Ihnen erwähnten Vergleichssubjekten. Am Ende sind sie alle nur kleine Teilchen einer umgebenden, eigendynamischen Realität.

      Ich vermute mal, dass Keynes (oder ähnlich Flassbeck) in einer Welt nicht an Güter gebundener Wertschöpfung schlicht nicht brauchbar ist. Seine Theorien haben sich überlebt und sind vielleicht noch von prinzipiellem oder historischem Interesse, jedoch unbrauchbar als Ansatz für die Krisenbewältigung. Um einen Crash, und zwar einen nie dagewesenen, werden wir zur Auflösung de ökonomischen Spannungn nicht herum kommen. Beschissene Zeiten unmittelbar voraus. Wende oder Ankerwerfen nicht möglich.

      Und was den Sozialismus angeht, wäre zunächst wenigstens mal ungefähr drazulegen, wie er denn aussehen soll. Der letzte in Europa hat sich als mäßig erfolgreich erwiesen, der so genannte in China ist keiner, in dem ich leben möchte oder meine Kinder in ihm leben sehen will.

      1. Ich mache hier keine Werbung für Parteien und deren Repräsentanten. Ich halte Parteien für den Ursprung allen Übels.

        Es geht um Schadensbegrenzung und
        Reduzierung der Fallhöhe. Es geht um das Soziale. Wenn die Sozialleistungstrasfers
        wegen wirtschaftlicher Depression über kurz oder lang ausfallen, hauen wir uns hier gegenseitig in die Fresse. Zum Frieden nach außen gehört der Frieden nach innen.
        Wirtschaftspolitik hat keinen Selbstzweck.

        Warum soll ein Quotenmalocher neben einer Bankerin, wie Malermeister Chrupalla
        über mehr Wirtschaftskompetenz verfügen, als der Ex-Wirtschaftsminister und Müllermeister Michael Glos, der 2009 zurückgetreten ist, weil er sich fachlich überfordert sah ?

        De Masi muss mal jemand mit rohen Schnitzeln füttern, böse machen und in die Muckibude schicken. Dann wirkt er wie Graham Platner und alle glauben ihm.

  11. Alleine die Überschrift, vermittelt den US amerikanischen Niedergang, da diese heutige USA, niemals demokratisch, legimitiert wurde, durch ihre einstigen ‚Stämme‘.
    Demokratie ist Bestandteil von der Kratie und dem Demo.
    Das bedeutet für diese USA, das ihr Demo vernichtet wurde durch die Kratie,das bedeutet, das daß ganze Palaver um Demokratie, ein Geschwätz ist.
    Die realen politischen Handhabungen, sind Geschwätz, weil niemand jemanden ‚real‘ angreift, wenn dieser Mensch, in einer Notlage ist. Der Mensch wird helfen, aber niemals einem der aus dem System kommt.
    So fern dieser Mensch erkennt,wie. das System funktioniert.
    Dieser Text ist ein wirkliches Ergebnis, da dieser von einem Menschen ‚erdacht‘ wurde, aber de4 artifischilie Aspekt, genau un die Gedanken eingreift!

  12. Zur Überschrift, nein die USA die der einzige erzeugte Staat,zur ermöglichung eines Kapitalfaschischen Staat, ermöglicht, durch diverse europäischen Kontrolleure.
    Die deutsche verursachte kontroverse, dient dazu „ihre“ Weltherrschaft vorzubringen.
    Letztlich betrachtet, ist der ‚Nationalstaat‘, ein Staat, der Nationen vereinigen Sol, aber das Kapital, wird über alle regieren.
    Dieser Prozess, wird sogar vor der Öffentlichkeit präsentiert, siehe die heutige politische Auseinandersetzung in der brdgmbh ,diese GmbH ist Deutschland. Eine Organisation die nur limitiert zur Haftung genommen werden kann. Die Belege dazu wurden in der Vergangenheit,allzu deutlich beschrieben.

  13. Hahahahahaaa…. gerade die USA sind doch schon seit Dekaden, außer vielleicht im IT Bereich nicht einmal in der Lage einen Kühlschrank herzustellen.
    Die haben seit Jahrzehnten doch all ihre Fachbetriebe Outgesoursct nach China oder sonst wohin wo es billiger war.
    Viele technisch anspruchsvolle und hochsensiblen Verfahren sind sie gar nicht mehr in der Lage zu bedienen.
    Autos konnten sie bspw. sowieso noch nie bauen, die sind alle völlig untauglich.

  14. Hi

    Was ist denn auf der Habenseite der USA:
    – Diebstahl (z.B. Venezuela, ebenso gekaperte Schiffe, und einiges mehr)
    – Erpressung fast aller Länder (Sanktionen ohne Ende) und damit Unterdrückung derer Wirtschaft
    – Kriege (verdeckt oder offen) gegen alle, bei denen zuvor genannte Methoden nicht erfolgreich sind – Ausnahme China, da ausgesprochen wehrhaft

    Damit wird u.a. Verknappung von Ressourcen vor allem bei Öl und Gas ereicht, über welche die USA selber ausreichend verfügen, ja als Großexporteur enorm profitieren. Praktisch alle Volkswirtschaften sind betroffen von ungewissen Energielieferungen, was deren derzeitige Wirtschaftskraft und noch mehr in Frage stellt.

    Weiterhin werden „befreundete – besser Vasallen-“ Staaten von den USA in die Pflicht genommen, deren Kriege auf eigene Kosten weiter zu führen und enorme Rüstungskosten durch Aufrüstung zugunsten der USA dadurch zu tragen. Gleichwohl sind diese Vasallen selber Schuld – allerdings könnten sie nur zu einem hohen Preis ausscheren.

    Irgendwie habe ich diese Aspekte in obigem Artikel nicht entdeckt.

    Ich weiß nicht, ob sich unter diesen Umständen tasächlich von einer nachahmenswerten oder auch nur erfolgreichen US-Wirtschaftspolitik sprechen lässt. Flassbeck jedenfalls und sein nichtreflektierender Interviewpartner sind bei mir gründlich unten durch. Wieviel Oberflächlichkeit bis Ignoranz zu den Themen wie Ökonomie, Gesellschaft, Geopolitik möchte sich das Overton-Magazin noch antun?

    Die Essenz dieses Artikels ist ökonomisch betrachtet vielleicht zutreffend, für den Planeten mit all seinen Bewohnern aber m.E. der Untergang.

  15. Ich weiß nicht, ob es zielführend ist, zu wissen, was Herr Flassbeck für Unsinn hält. Für mich ist es irrelevant, was sozialdemokratische Wirtschaftswissenschaftler vorschlagen, oder für gut oder schlecht beurteilen. Wenn Herr Flassbeck meint, ein verbrecherisches System, eine kriminelle Politik wie das der USA, als ökonomisch nachahmenswert zu beurteilen, bitte schön. Es sei ihm gegönnt. Das die USA sich nur durch ihr Militär, nur durch den $, noch in dieser Position halten – wie lange noch ist eine spannende Frage – blendet er aus. Deutschland, die EU, alle sind Vasallen dieser USA. Sie sind hörig. Und das hängt damit zusammen, dass die Amis das beste Wirtschaftssystem haben? Das versucht ja Herr Flassbeck zu vermitteln. Der Kapitalismus, die Herrschenden, wollen den US-amerikanischen Markt, man will ja Profit machen, nicht verlieren. Dazu kommt die berechtigte Angst, dass die Amis, sobald sich ein Land von den USA abwendet, ihr Militär ins Spiel – und sei es zu Anfang auch nur verbal – bringen. Ich neige dazu zu sagen: Herr Flassbeck ist Ökonom, ich bin nichts. Er ist Sozialdemokrat, ich bin Marxist. Er redet wirr und ich lache.

  16. Gerade habe ich die Meldung gelesen: Frankreich bezahlt mehr für Schuldzinsen als für Bildung und Verteidigung zusammen. Super Idee, wenn der Staat sich immer weiter verschuldet, bis er keinen müden Euro mehr hat und alles privatisiert werden muss.

    Noch ein Wort zu Keynes: Der Staat sollte sich in Krisenzeiten verschulden – aber in guten Zeiten Geld zurücklegen. Beides macht Sinn. Aber der zweite Teil ist in einer Demokratie nicht zu verwirklichen. Die Schuldenbremse in der Verfassung müsste so aussehen, dass der Staat verpflichtet ist, in guten Zeiten Geld zurück zu legen.

    Eine Schuldenspirale nützt nur den Couponschneidern.

    1. Sehr richtig. Es gibt schon Menschen, nämlich die, an die die Zinsen gezahlt werden, weil sie das Geld „verliehen“ haben, die erst mal kein Problem mit Schulden haben. Jedenfalls so lange wie der Schuldner zahlt.
      Als vor Jahren Argentinien nicht mehr zahlen konnte, wurde ernsthaft im auswärtigen Ausschuss des amerikanischen Kongresses gefordert, Krieg gegen das Land zu führen. Nun, das waren einzelne Stimmen und wie wir wissen, hat man nicht bombardiert. Aber man ahnt, was die angetrieben hat, die solches forderten.

  17. Nun, die Preise sind in den USA „ein bischen höher“. Ich las vor wenigen Tagen, dass dort in der Einkommengruppe bis 50.000 Dollar 20 % nicht mehr ausreichende Nahrung kaufen und essen können. Macht aber nichts, weil die Einkommen ständig steigen.
    Eine nahe Verwandte, mit einem Amerikaner verheiratet und mit einem Familieneinkommen sehr weit über dieser Summe, kehrte mit Mann und Kindern nach Deutschland zurück, weil für sie das Leben dort immer absurdere Züge annahm. Und man gehörte nicht zu den „working poor“. Aber das kann sehr schnell gehen und beginnt in ihrem bürgerlichen Umfeld mit privater Verschuldung.
    Egal, darum geht es im Artikel nicht und bei David Graeber „Schulden – die ersten fünftausend Jahre“ habe ich gelernt, dass Staatsschulden niemals zurückgezahlt werden. Ungeachtet dessen sind die Ausführungen für mich schon nachvollziehbar. Ihre Richtigkeit kann ich nicht beurteilen. Die Idee eines Kommentatoren, einen Ökonomen zu publizieren, der andere Thesen vertritt, finde ich schon gut.
    Was mich interessiert, ist, was das alles für die reale Lebenslage der Amerikaner bedeutet? Was bedeuten die Zinszahlungen, im Jahr rund eine Billion aus dem Staatshaushalt, für das Land. Die 1,5 Billionen, die Trump jetzt für Rüstung haben will? Wie ist dass mit den Investitionen für die neuen KI – Rechenzentren, von denen immer öfter geschrieben wird, dass es unwahrscheinlich ist, dass sich damit das Geld verdienen lässt, das investiert wurde. Selbst bei den laufende Betriebskosten gibt es Zweifel, weil international wohl die Tendenz zur (kostenpflichtigen) Nutzung chinesischer Modelle sich abzeichnet, die noch nicht die Leistungen der amerikanischen Spitzenmodelle erreichen, aber günstiger verfügbar sind. Wie ist das mit dem Anteil der „Finanzindustrie“ an der amerikanischen Wertschöpfung? Was passiert, wenn nicht mehr das Geld der ganzen Welt – was nicht sicher, aber auch nicht unmöglich ist- nach Amerika fließt?
    Und was passiert, wenn die USA ihre Schulden nicht mehr bedienen können? Wahrscheinlich ist dann die Hyperinflation, die mir auch für Europa unausweichlich zu sein scheint, aber drehen dann die irren Herren der Welt vollkommen am Rad?

  18. Großer Gott, gutes Interview und grauenhafte Kommentare. Deutschland eben.
    Diskussionen über Makroökonomie mit Menschen, die unser kreditbasiertes Geldsystem nicht verstehen wollen oder können, ist möglich, aber sinnlos.

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