
Die Rentenkommission verkauft ihre Reform als „schwedisches Modell“. Doch der Vergleich hält einer genaueren Prüfung nicht stand.
Zu was braucht die Politik Kommissionen? Um sich dahinter zu verstecken. Die Rentenkommission hat ihren Bericht geliefert. Die Politik ist begeistert. Programm aus einem Wurf! Merz verspricht den Vorschlag ohne Abstriche umzusetzen. Es kommt: das schwedische Modell.
Von uns Kritikern der deutschen Rentenpolitik wurde das österreichische Rentenmodell bevorzugt. Alle Erwerbstätigen wurden dort in eine Rente zusammengefasst. Ergebnis: In Österreich sind die Renten ungefähr um ein Drittel höher als in Deutschland. Die Losung, die sich hier ausbreitete, war Erwerbstätigenversicherung unter Einbeziehung aller Erwerbspersonen, inklusive Selbständigen und Beamten, bei gleichzeitiger Abschaffung von Bemessungsgrenzen. Unter den abhängigen Beschäftigten hat das eine breite Anhängerschaft gewonnen.
Dagegen wurde von den Kapitalverbänden eingewandt, dass man nicht Rosinen rauspicken sollte. Das österreichische Modell habe Nachteile und sei auf Deutschland nicht anwendbar. An seine Stelle propagierten sie das schwedische Modell. Schweden habe es geschafft durch die Einführung einer staatlichen, alle Erwerbspersonen verpflichtenden Kapitalrente seine Rentenkrise zu überwinden und stabile ertragreiche Renten zu ermöglichen. Das bräuchten wir auch.
Die Rentenkommission empfiehlt, damit ab 2028 endlich ernst zu machen und die zweite Säule einer gesetzlichen Rente auf Kapitalbasis anzupacken. Zuerst sollen dazu 0,5 Prozent des Bruttolohns herangezogen werden und die Einzahlung sollte schnell auf 2 Prozent gesteigert werden.
Hier wird eine Rosine herausgepickt.
Mit dem schwedischen Rentenmodell hat das wenig zu tun
In Schweden hat die Alterssicherung hauptsächlich drei Elemente. Es gibt die Einkommensrente aus dem Umlageverfahren. Dazu werden insgesamt 16 Prozent der Bruttolohnsumme monatlich eingezahlt. Dazu kommt die Prämienrente. Der Rentenertrag daraus ergibt sich aus der Rendite des am Kapitalmarkt agierenden staatlichen Rentenfonds. Dafür werden obligatorisch 2,5 Prozent des Bruttolohns eingezahlt. Beide Rentenarten erfordern also 18,5 Prozent der Bruttolohnsumme. Das ist mit unserem Rentenbeitrag von 18,6 Prozent vergleichbar.
Aber es gibt einen wesentlichen Unterschied. Von den 18,5 Prozent bezahlt in Schweden der Unternehmer 11 Prozent, die abhängig Beschäftigten 7,5 Prozent. Die 7,5 Prozent der abhängig Beschäftigten werden auf die Steuerlast angerechnet und mindern die Steuerzahlung. Dann hat das schwedische Rentensystem noch eine 3. Säule: die Betriebsrente. Sie wird ausschließlich von den Unternehmen bezahlt, die dafür mindestens 4,5 Prozent der Bruttolohnsumme aufwenden und am Kapitalmarkt anlegen müssen. 90 Prozent der schwedischen Rentner sind durch eine Betriebsrente gesichert.¹
Aus diesen drei Säulen erhalten die schwedischen Rentnerinnen und Rentner eine deutlich höhere Rentenleistung als die Deutschen. Ihr Sicherungsniveau aus allen Elementen beträgt für einen Vollzeitbeschäftigten knapp 80 Prozent des Nettolohns. Dafür müssen die Schweden keineswegs länger arbeiten als wir Deutschen. Das durchschnittlicher Rentenzugangsalter in der Einkommensrente in Schweden ist 64,5 Jahre, während es in Deutschland inzwischen bei 64,7 liegt. Was die Bezugsdauer betrifft, ist interessant zu wissen, dass die durchschnittliche Lebenserwartung in Schweden 2,6 Jahre länger ist als in Deutschland, woraus logisch folgt, dass die Rentenbezugszeit in Schweden deutlich länger sein muss als bei uns.
Der Standardwert der Einkommensrente aus der Umlageversicherung, der in Schweden mindestens 50 Prozent des vorigen Nettolohns sichert, wird in Schweden in 40 Versicherungsjahren erreicht. Bei uns braucht man dazu 45 Jahre seit der Rentenreform von 1991. Würde man zu den 40 Jahren zurückkehren, müsste man den jährlichen Rentenwert um 5 Punkte erhöhen.
Wollen die Vertreter des schwedischen Modells das alles wirklich? Mitnichten!
Sie wollen nur eine Rosine rauspicken und die nur in verschrumpelter Form. Die Rosine heißt Einstieg in eine obligatorische kapitalgedeckte Rente mit dem Ziel, die gesetzliche Rente aus dem Umlageverfahren zu schwächen. Parallel zum Aufbau einer kapitalgedeckten Rente soll der Nachhaltigkeitsfaktor, der die umlagefinanzierte Rente senkt, wieder wirksam werden. Die sogenannte Haltelinie der Rente von 48 Prozent vom bereinigten Netto vor Steuern soll so um ca. drei Prozent in den nächsten Jahren fallen. Die Erträge aus der neuen Zusatzrente sollen, so wird versprochen, die Verluste auf 48 Prozent ausgleichen und damit die Rente stabilisieren. Da ist eine erhebliche Verschlechterung selbst gegenüber der Riester-Rentenreform. Die Zusatzrenten sollten, so wurde versprochen, die Rentenhöhe auf 51 bis 53 Prozent anheben und nicht nur stabilisieren.
Heute will man die Rente senken und verlangt deswegen für den alten Wert einen höheren Beitrag. Dass die Kapitalrente die Rentensenkung nicht kompensieren wird, sei zusätzlich angemerkt.
Gleichzeitig soll es immer schwerer werden in Rente zu gehen. Die sogenannte Rente mit 63, die es heute noch erlaubt im Jahr 2028 mit 45 Versicherungsjahren mit 64 in Rente zu gehen, soll ersatzlos gestrichen werden. Auch die Möglichkeit, mit 63 Jahren durch Inkaufnahme von Rentenabschlägen aus dem Arbeitsleben auszuscheiden, soll erschwert werden. Die dafür geforderten Abschläge von heute immerhin 3,6 Prozent pro Jahr sollen deutlich erhöht werden.
Auch hier haben die Schweden es besser. In Schweden kann jeder mit 63 Jahren in Rente gehen. Rentenabschläge sind hinzunehmen.
Was aber ist der eigentliche Skandal!
Sowohl in Schweden wie in Österreich und den meisten Ländern Europas sind die Renten oft um ein Drittel höher als bei uns. Darüber gibt die OECD mit der Statistik „Rente auf einen Blick“ immer wieder Auskunft. Danach betrug das Sicherungsniveau der gesetzlichen Rente 2023 in Deutschland 47,8 Prozent zum bereinigten Nettolohn. Der Durchschnitt der EU-Länder lag bei 66,7 Prozent. Niedriger als in Deutschland waren die Renten nur in Polen und Litauen.²
Das Land, das als das wirtschaftsstärkste Europas gilt und deshalb die politische und militärische Führung beansprucht, hat das mieseste Rentensystem. Der Anteil am BIP für Renten ist in Deutschland mit 9,5 Prozent³ deutlich niedriger als in den meisten europäischen Ländern (Schweden 10,7 Prozent).
Der Bezug auf das schwedische Modell ist eine einzige Lüge
Was daran allein interessiert, ist die Absicht kapitalgedeckte Rentenelemente aufzubauen und die Erwerbstätigen zu zwingen, ihr Geld Finanzhaien anzuvertrauen, weil die gesetzliche Rente keine Absicherung mehr bietet. So wurde schon mit den Betriebsrenten verfahren. Dafür zahlen fast nur noch die Erwerbstätigen ein ohne Garantien für die Zukunft zu erhalten.4 Auch hier ist der Unterschied zu Schweden fundamental, denn dort sind es die Unternehmer, die die Kosten tragen. Treiber der Kostenverlagerer auf die abhängigen Beschäftigten sind die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und die Versicherungsunternehmen. Sie haben sich sofort gegen die neue Kapitalrente gestellt, weil sie Zusatzbeiträge auch von Unternehmern verlangt und vom Staat verwaltet werden soll. Ihre Schlagworte sind Eigenverantwortung und Freiwilligkeit. Der BDA will die Lohnkosten senken und die Versicherungen wollen den Zugriff auf die Versicherungsprämien und -policen ohne Beschränkung der Vermittlungs- und Verwaltungskosten. Beide wollen sie die privaten Beiträge der Versicherten erhöhen, um möglichst viel privates Geld für den Geldmarkt zu gewinnen. Deswegen romantisieren sie das Aktienkapital, verschweigen die Risiken und versprechen goldene Zeiten.
Anmerkungen
¹ https://taz.de/Aktienrente-in-Skandinavien/!6067196/
² OECD Pensions at a Glance, 2023
³ 22.05.2025 — Rentenversicherung. Bund. Bundesmittel: Wofür der Staat. Steuereinnahmen an die. Rentenversicherung zahlt. Imke Brüggemann-Borck und Edgar Kruse.
4 https://www.unsere-zeit.de/rente-mit-sozialbetrugsanteil-4815895/





Das schwedische Modell, ah ja. Umvolkung weit fortgeschritten, Gewaltkriminalität in den Städten, Opposition wird unterdrückt wie hier, Mitglied der NATO, Volvo gehört 100% den Chinesen usw. Schweden, ein Erfolgsmodell, das zu kopieren sich lohnt.
Wegen IKEA hat schwedisch völlig unbegründet einen guten Ruf. Deshalb gibt es noch viele andere schwedische Läden, z. B. Jojk, Nordic Nest, Nordland-Shop, Nordliebe, Scandinavian-lifestyle, Schweden-Markt, usw. Ist alles aus China.
Schweden Rente oder Svensk pension hört sich jedenfalls mega an. Das bringt der CDU Punkte.
Dann haben die Frauen und Männer in China das bessere Rentenmodell für die kleinen Bürgerinnen und kleinen Bürger in Europa und Deutschland oder wie oder wer oder was oder wo?
Große Bürgerinnen und große Bürger mit einem großen Bankkonto (und Beamtinnen/Beamte!) haben in Deutschland keinen Problem mit ihrer Rente. Das ist aber in vielen Staaten so.
Bei den großen Bürgerinnen und großen Bürgern liegt das daran, dass sie so fleißig sind. Manche sind superfleißig, die leisten in einer einzigen Woche mehr als so ein kleiner Bürger in 50 Jahren.
Und bei den Beamtinnen und Beamten liegt das an dem „B“. Das Wort „B“ankkonto fängt mit „B“ an und die „B“erufsbezeichnung „B“eamter (inkl. „B“eamtinnen und diverse Beamte, aber auch das sind in erster Linie Beamte) fängt mit „B“ an. Deshalb werden Beamtinnen und Beamte immer und zu jeder Zeit auf Kosten der Allgemeinheit alimentiert, auch im Alter, damit sich die Beamtinnen und Beamten nicht bei der Tafel anstellen müssen.
Alles klar oder noch Fragen, alter Schwede?
Was hat denn dieser Blödsinn, der sich so bekifft anhört, mit meinem Kommentar zu tun. Bitte nicht wegzensieren. Der DIRTY OPERATING hängt ständig so wirres Zeug an Kommentare von mir.
Die „Arbeitgeberseitigenkosten“ die hier gerne angesprochen werden. Speielen eigentlich keine Rolle. Da der Arbeitnehmer so rum wie andersrum die Kosten erwritschaften muss. Würde alles über den Arbeitnehmer laufen. Würden Arbeitnehmer, später mehr Lohn erstreiten oder erstreiken. Bestes Beispiel USA: Die Gehälter sind Absurd huch im Vergleich zu Europa aufgrund Hoher Privater Lebenserhaltungskosten. Sogar mit extrem schwachen Gewerkschaften.
In Schweden gibt es eine steuerfinanzierte Mindestrente und Dienstleistungen der Kommunen für bedürftige Ältere! Hier wird Schweden Rente nur auf das Aktienmodell beschränkt!
In Schweden gibt es eine steuerfinanzierte Mindestrente und Dienstleistungen der Kommunen für bedürftige Ältere! Hier wird Schweden Rente nur auf das Aktienmodell beschränkt!
wenn alle Bürger, auch Politiker, in der Rentenkasse pflichversichert wären, na ja dann würde das gaanz anders aussehen…
Die Ausgaben für die Rente betrugen 2004 10,4% vom BIP.
2024 waren es nur noch 9,4%.
Laßt euch also nicht verarschen!
In der Schweiz müssen alle einzahlen und zwar ohne Beitragsbemessungsgrenze, auch mit Mindest- und Höchstrente. Der Betragssatz dort beträgt 10,6%, also 5,3% für Werktätige und 5,3% für Unternehmen.
Der Beitragssatz der Brd war 1998 noch 20,3%. Heute sind es nur noch 18,6% und laut RV soll es ohne gesetzl. Änderungen bis 2040 auf 21,1% steigen – also unbedeutend. Würde alle einzahlen müssen wie in der CH könnten wir uns auch deren Werten nähern.
Was von der Aktienrente zu halten ist sieht man an der Riester-Rente, die ist nichts anderes. Nur den Namen hat man geändert, genug Trottel fallen drauf rein.