Deutschlands absurder Arbeitsfetisch

Charlie Chaplin, Szene aus Moderne Zeiten
United Artists, Public domain, via Wikimedia Commons
Die Deutschen sollen wieder einmal mehr arbeiten, ohne dass gefragt wird, was das denn bringen soll. Eigentlich brauchen wir etwas ganz anderes.

Wenig überraschend haben die Vertreter der BlackRot-Koalition ein Thema für sich entdeckt, das die Politik in regelmäßig wiederkehrenden Wellen beschäftigt: Die Deutschen arbeiten zu wenig. Ganz besonders drastisch sieht es, so CDU-Generalsekretär Linnemann, bei den Rentnern aus. Es kann ja nicht sein, dass sich ein Rentner nach bis zu 45 Arbeitsjahren einfach auf die faule Haut legt. Eine Aktivrente müsse her, denn, so Linnemann weiter, die Arbeitsstunden in Deutschland seien einfach zu wenig.

Abgesehen von dem Umstand, dass Linnemann hier schlicht Fake News verbreitet – nie arbeiteten mehr Rentner als heute, stellt sich eine Reihe von Fragen. Zunächst: Wie misst man eigentlich, dass „genug“ Stunden in Deutschland gearbeitet werden? 2024 haben die deutschen Erwerbstätigen insgesamt fast 61,4 Milliarden Stunden gearbeitet. Dabei ist Schwarzarbeit nicht einkalkuliert. Man geht von etwa 3,3 Millionen Schwarzarbeitern im Jahr 2024 aus – mit einer hohen Dunkelziffer. Es wird zwar bemängelt, dass diese keine Steuern und Sozialabgaben leisten, aber realistisch betrachtet tragen sie zur Produktivität enorm bei – vor allem, da sie oftmals in Bereichen arbeiten, welche die Mehrheit eher meidet.

Ein produktives Leben braucht genug Erholung

Ab wann sind also genug Arbeitsstunden geleistet? Genug wofür eigentlich? Wo sollen diese Arbeitsstunden in einem Land, das Rezession und Pleitewellen erlebt, eigentlich geleistet werden? Was sollen sie bringen? Denn im Ergebnis geht es doch darum, mit Arbeit zum Gemeinwohl beizutragen – etwas aufzubauen, die Ernährung, Energie- und Wasserversorgung sicherzustellen und allen Menschen in Deutschland ein möglichst angenehmes Leben zu ermöglichen. Dieser Zweck wird durch die Reduktion auf reine Arbeitsstunden vollkommen unterlaufen. Denn dann bemisst sich der Erfolg (ähnlich wie beim BIP) nur noch in relativen Steigerungen im Vergleich mit der Vergangenheit. Mehr Arbeitsstunden bedeuten damit auch eine Verbesserung.

Dem ist aber gar nicht so. Schon die Gelehrten im antiken Griechenland wussten: Zu einem produktiven Leben gehört die Erholung genauso wie die Arbeit. Intuitiv haben das auch Schriftsteller wie Thomas Mann oder Ernest Hemingway, Wissenschaftler wie Charles Darwin und Politiker wie Winston Churchill erfasst. Sie widmeten nur wenige Stunden ihres Tages der Arbeit und verbrachten den Rest der Zeit mit Freizeitaktivitäten. Auch die moderne Wissenschaft hat das längst belegt. Der Mensch kann für etwa vier Stunden am Tag produktiv sein. Danach trägt er nichts Wesentliches mehr bei – mehr Arbeit bedeutet also keine Produktivitätssteigerung. Tatsächlich gehört die Erholung zum Produktionsprozess wie die Arbeit. Wenn der Fokus nicht mehr auf die Arbeit gerichtet wird, arbeitet das Gehirn trotzdem unterbewusst weiter – und kann Lösungen für Probleme finden, auf die man auch nach stundenlangem Nachdenken nicht gekommen wäre.

Eine weitere Steigerung steigert nichts

Was für intellektuelle Arbeit gilt, lässt sich auf handwerkliche Tätigkeiten übertragen. Denn auch hier lässt die Aufmerksamkeit nach einiger Zeit nach. Es schleichen sich Fehler ein, die die Qualität des Werkes mindern. Auch hier können Probleme entstehen, für die kreative Lösungen gefunden werden müssen – erleichtert durch die Erholungsphase. Tatsächlich wurde nie so viel gearbeitet wie heute. Von der Steinzeit über die Antike und das Mittelalter bis in die frühe Neuzeit: Stets haben die Menschen ein ausgewogeneres Verhältnis zu ihrer Arbeit gehabt als wir heute. Erst mit der Erfindung der Maschine und der Fabriken hat sich das geändert. Und zwar bis heute, obwohl die Maschinen uns doch alle Arbeiten abnehmen sollten.

Allerdings erlaubt das auf Turbo und schnellen Profit getrimmte Wirtschaftssystem nicht, angemessene Arbeitszeiten überhaupt nur einzuführen. Wir leben noch immer mit dem Wahn von 8-Stunden-Tagen und 40-Stunden-Wochen. Eine weitere Steigerung der Arbeitszeit steigert hier nichts – außer der mentalen und körperlichen Erschöpfung. Hinzu kommt, dass die Profite nicht den Menschen zugutekommen, indem sich Lebensumfeld und Lebensqualität verbessern. Stattdessen fließen sie einfach in die Taschen der Aktionäre.

Daher müssen wir nicht einfach der Forderung nach mehr Arbeit nachkommen, sondern das ganze System so ändern, dass es den Bedürfnissen der Menschen gerecht wird. Aber das erfordert große Veränderungen, zu denen die Mehrheit wahrscheinlich aus Bequemlichkeit und Gewohnheit nicht bereit ist.

Dieser Artikel ist erstmals bei der freien Medienakademie erschienen.

Felix Feistel

Felix Feistel, Jahrgang 1992, studierte Rechtswissenschaften mit dem Schwerpunkt Völker- und Europarecht. Schon während seines Studiums war er als Journalist tätig; seit seinem Staatsexamen arbeitet er hauptberuflich als freier Journalist und Autor. So schreibt er für manova.news (https://www.manova.news/), apolut.net (https://apolut.net/), die freie Medienakademie (https://www.freie-medienakademie.de/) sowie auf seinem eigenen Telegram-Kanal (https://t.me/Felix_Feistel). Eine Ausbildung zum Traumatherapeuten nach der Identitätsorientierten Psychotraumatheorie und -therapie (IoPT) erweiterte sein Verständnis von den Hintergründen der Geschehnisse auf der Welt.
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70 Kommentare

  1. Der Mensch kann für etwa vier Stunden am Tag produktiv sein. Danach trägt er nichts Wesentliches mehr bei – mehr Arbeit bedeutet also keine Produktivitätssteigerung.

    Realitätscheck:
    – nach etwa 4 Stunden bleibt der Zug stehen, da der Zugführer nicht mehr produktiv arbeitet
    – nach etwa 4 Stunden bleibt der Bus stehen, da der Busfahrer….
    – Flüge enden nach etwa 4 Stunden, weil die Cockpitbesatzung…
    – OPs dauern ewa 4 Stunden, dann wird die OP abgebrochen oder das OP-Team ausgetauscht
    – Handwerker auf dem Bau arbeiten etwa 4 Stunden, danach passiert nichts mehr
    – usw. usw.

    Es mag sein, das einige Geisteswissenschaftler nach 4 Stunden aufhören, weil sie es können. Die Masse der Werktätigen nicht. Und ein Lokführer, Busfahrer oder Bauarbeiter ist auch in der 5. bis 8. Stunde „produktiv“.

    1. Nicht ganz so, warum wird wohl Gebäude- Reinigern oft nicht 8 Stunden Arbeit angeboten? Nach 6 Stunden ist der Ofen aus. 1999 mussten z.B. 250 qm in der Schulreinigung pro Stunde geputzt werden, heute sind es über 600 qm. Die Reinigungstätigkeit bleibt die selbe, wie schon 1930. Wird nur durch die EU erschwert die helle gelbe Fußböden für Förder- Schulen vorschrieb. In Ministerien z.B. werden oft nur 4- 6 Stunden putzen angeboten, Arbeit aber für 8 Stunden. Ebenso bei einer Behörde die geheim ist, da ist die Arbeitszeit für Reinigungskräfte nachts von 22:00 Uhr bis 02:00 Uhr ohne Nachtschichtzuschlag.

    2. Bei jedem liegt das Optimum anders und liegt im wesentl. an der körperl. Verfassung und Motivation. Bei mir funktionieren am besten 6 Stunden am Stück – ohne Pause und Ablenkung, dann Feierabend. In den 6 Stunden schaff ich wesentlich mehr als meine Kollegen, die 8-10 Stunden arbeiten und noch Pausen zwischendurch einlegen, also mitunter bis zu 12 Stunden am Arbeitsplatz verbringen.
      Also ich kann, natürlich nur aus eigener Erfahrung sagen, daß weniger mehr ist. Und ich rede hier von körperl. schwerer Arbeit, nicht von alle paar Minuten ein paar Knöppe drücken, den janzen Tach rumlabern oder rumstehen oder ein paar Formulare ausfüllen, sondern effizientes abarbeiten/produzieren.

      Übrigens -Lokführer oder Busfahrer (und viele andere Dienstleistungsberufe) produzieren nichts. Ob ein Lokführer oder Busfahrer 4, 6 oder 10 Stunden am Tag arbeitet, ändert nichts an der Produktivität des produzierenden Gewerbe. Und das meine ich nicht abwertend – deren Dienstleistungen sind mindestens ebenso wichtig wie das produzierende Gewerbe. Letztendlich ergänzen sich beide und sorgen (im Normalfall) für eine funktionierende Wirtschaftsgemeinschaft. Trotzdem sollte deren effiziente Arbeitszeit 8 Stunden (nur 6 wären m.M. nach besser) nicht übersteigen, weil sonst früher oder später Konzentrationsstörungen auftreten und damit evtl. zu Unfällen o.ä. führen, die für viele Menschen lebensgefährlich werden können. Und auch in den Dienstleistungsberufen gibt es genug Tätigkeiten, wo man körperlich schwere Arbeit verrichtet und oberdrein (dank Politiker), noch viel unnötigen/vollkommen überflüssigen Papierkram hat, der die Arbeitszeit unnötig strapaziert bzw. in die Länge zieht.

      Früher riefen wir „Stasi in die Produktion“, heute wäre „Politiker in die Produktion“ und das wenigstens/mindest. für 10 Jahre die richtige Parole. Nicht in irgendein Büro oder an eine Schalttafel, sondern dahin, wo man permanent Muskelkraft+Hirn anwenden muss . Damit sie mal wissen, wovon sie überhaupt reden. Oder in die Alters- und Krankenpflege, um mal ein richtig harten Kochenjob zu nennen, der auch zu den Dienstleistungsberufen zählt. Oder putzen, oder …, oder …

    3. Also diese Kommentar ist so unintelligent. Da weiß man gar nicht so recht, was man darauf antworten soll.
      Deshalb lasse ich es doch lieber bleiben.

      1. Ist der Kommentar „unintelligent“? Kann ein Kommentar „intelligent“ sein? In jedem Fall ist der Kommentar sehr elegant in seiner Realitätsnähe. Ihr Kommentar auf den Kommentar enzieht sich dagegen jeglicher Bewertungskategorie.

      2. Kann ein Kommentar „intelligent“ sein? Offensichtlich ist der Kommentar des OP ziemlich treffend, da er die Realität reflektiert. Können Sie das auch?

    4. „Plötzinn!“ (Helmut Kohl). Noch so ein „Hauptsach‘, g‘schafft isch“-Verfechter, der hier nicht mal auf Springer-Niveau der 1960er-Jahre argumentiert. Aber gut, manche Leute wissen mit mehr freier Zeit halt nichts anzufangen.

  2. ich hätts nicht so harmlos ausgedrückt. klingt viel zu sehr nach etwas schräges hobby ausleben..
    reden wir doch tacheles
    es ist arbeitsWAHN
    vollzogen von ZWANGscharakteren des kapitals
    zur vollen blüte gereift von 1933-45
    wo menschen von deutschen zwangscharakteren verwurstet wurden zu lampenschirmen und decken
    nebenbei auch mal vernichtet, nich wahr? aber das hat ja keiner gewusst…

    1. Im deutschen realen Sozialismus waren eine ganze Menge Zwangscharaktere aktiv.
      Für Arbeitsverweigerung bemühte der sozialistisch Staat gern Resozialisierungseinrichtungen (Knast) mit anschließender Bewährung im Betrieb und nachgehender Resozialisierung im Knast und anschließender Bewährung im Betrieb und nachgehender Resozialisierung im Knast und anschließender Bewährung im Betrieb usw. usf.
      Kommt doch mal von Eurem 1933-1945 runter.

  3. Sprach der Chef zum Angestellten:
    Wenn Sie sich ordentlich reinknien, sich engagieren, richtig ranklotzen und den Gürtel etwas enger schnallen, dann kann ich mir nächstes Jahr ein noch größeres Auto kaufen.

  4. Ja tatsächlich das Thema kehrt immer wieder. Mal sind es die faulen Griechen mal die Protestierenden Franzosen die Italiener und so weiter und so fort. Im Prinzip arbeitet die gesamte Menschheit viel zu wenig, nur so Leute wie Merz und Musk und Thiel schuften unaufhörlich zu unser aller Wohl.

    1. Aber Merz macht das zum Dumpinglohn! 5000 Euro!
      Nein, nicht pro Jahr… auch nicht pro Monat… pro Tag!

      Und damit gehört er auch nur zur „Mittelklasse“….. sagt er….

      1. Der Merz ist echt arm, angeblich musste er sogar auf ein von 2 Privatflugzeugen verzichten.
        Ich rufe zu einer Spendenaktion auf, nicht das der noch so hungern muss, wie Andere unter seiner Peitsche.

        1. Da gab es mal im Satiremagazin „titanic“ einen lustigen Artikel – „Notopfer St. Moritz“ mit u.a. solchen Aussagen: „Bitte bedenken Sie – mit Spenden unter 100.000 Euro ist diesen Menschen nicht geholfen!“ 😀

  5. Im Grunde ist es für die CDU und ihre Mitläufer peinlich diese olle Schallplatte wieder aufzulegen.
    Man sollte Sie einfach auslachen!
    Mehr Realitätsleugnung ist doch ohne zwingendem Aufenthalt in der Klapse nicht möglich.
    Was arbeiten eigentlich Merz und Lnnemann den ganzen Tag. Und könnten die nicht zumindest einen halben Tag in der Woche als Regalauffüller im Supermarkt jobben?
    Von den unbezahlten Überstunden möchte man nicht reden, die verhindern zuverlässig 100.000 bis 150.000 Vollzeitarbeitsplätze. Bei Vollbeschäftigung droht ja die schreckliche Lohn- Preis- Spirale, weshalb man ja ein Heer an Reservemalochern braucht. Die „notwendige“ Inflation erzeugt man lieber durch Ausweitung der Geldmenge.
    Und dann noch die leidige Schwarzarbeit, dir gerne den Bürgergeldopfern angehängt werden.
    Ja nee, ist klar. Ich lasse mir mein Bad auch lieber für kleines Geld vom langzeitarbeitslosen Bürokaufmann fliesen, anstatt ohne Rechnung vom Fliesenleger.
    Von den ca. 160.000 Langzeitarbeitslosen, die nun bereits 20 Jahre völlig unproduktiv in der Arbeitslosenverwaltung der Hartz- Gesetze vor ihrer eigenen Arbeitslosigkeit versteckt werden, wollen wir lieber schweigen.

    Vermutlich tragen derzeit viele Politiker in diesem Land die Unterhosen ihre Groß- und Urgroßväter auf, so Fatal kann falsches Recycling sein

    1. Wenn Auslachen helfen würde…
      Dummerweise lassen sich leider immer noch genug „IDIOTEN“ aufhetzen um härter denn je nach unten zu treten! Diese Hirnakrobaten!

  6. Yeah, der Artikel geht runter wie Öl. Dazu die Erinnerung an Chaplins „Modern Times“. Rinjehauen!

    Dabei gäbe es in Deutschland viel Arbeit, etwa in der Instandhaltung und Rück-Ästhetisierung des öffentlichen Raums, in der Bildung (1 Lehrer pro 10 Schüler) oder dem Umweltschutz. Nur dafür möchte kein (deutscher) Arbeitgeber Geld ausgeben.

    Man könnte bei dem Thema noch in die Vergangenheit blicken und die These aufstellen, dass nach dem 2. WK die Deutschen wenigstens noch Autos bauen durften und hierüber wieder internationale Anerkennung erhielten. Daher rührt wohl ebenso der Arbeitsfetisch – siehe auch andere Länder, in denen die USA viel zu sagen hatten. Hinzu kommt die allseits bekannte protestantische Erwerbsethik.

    Wer heute produktiv sowie kreativ sein will und mehr als Bürgergeld bekommen möchte, geht am besten in die Verwaltung, setzt sich ins Heimbüro, automatisiert seine Tätigkeit – ohne dass der Chef es bemerkt – winkt brav in die Laptop-Kamera beim obligatorischen Zoom-Meeting und macht nebenher die sinnvollen Sachen.

  7. Da muss ich mal ausnahmsweise unseren Altkanzler aus Oggersheim zitieren: wichtig ist, was hinten rauskommt. Da spielt es keine Rolle, ob einer effektiv zwei, vier, sechs oder acht Stunden am Tag arbeitet. Wie viele Vorposter schon schrieben, sind sechs bis acht Stunden am Tag das Maximum für konzentriertes Arbeiten. Und da braucht es mindestens eine längere Pause und auch mehrere Mikropausen zwischendurch. Qualität schlägt Quantität. Aber das Denken von Merz und dem früh vergreisten Milchbubi kennt nur mehr, meeehr, meeeeeehr und noch meeeeeeeeeeeeeehr… Leute von vorgestern, nicht für heute und morgen.

  8. Überraschend kann das alles nicht sein. Es ist die gewohnte Strategie der CDU, die staatlichen Subventionen an private Banken und Industriekonzerne aus den Sozialkassen zu finanzieren. Und das bei einer Ruhestandsregelung für Abgeordnete und Regierungsmitarbeiter/innen, die davon komplett ausgenommen sind. Ein hoch auf die ’soziale Gerechtigkeit‘!

  9. Tja… Es geht um Profitmaximierung der eh schon reichen und mächtigen. Das ist absolut krankhaft und müsste so behandelt werden. Weggesperrt in einer Irrenanstalt.
    Die gleichen sind es auch die für Krieg trommeln!

    Komplette Psychopathen, die rücksichtslos alles und jeden ausbeuten und auch über Leichenberge gehen.

  10. Dem Herrn Linnemann könnte man ja mal vorschlagen , er soll mit 68 noch Nachtschicht im Krankenhaus, Wechselschicht im Automobilwerk oder Dachdeckerarbeiten machen. Wenn er das annimmt, sage ich nichts. Ansonsten simd seime Äußerungen nur eines: Zeichen von fortgeschrittener Idiotie. Aber davon ist ja leider die gesamte Politikerkaste und ihr angeschlossenes Propagandasystem betroffen.

    1. Das ist keine Idiotie, sondern hat System.
      Der Bubi und sein Chef vereinen radfahrende Kapitalbüttel wieder mit der deutschen Herrenklasse.
      Am Ende heißt es dann wieder, daß Arbeit frei macht.

  11. Blöd nur, dass zuvorderst die Asiaten das nicht so sehen. Nur zur Info: Die pressen mittlerweile nicht mehr unsere billig Plastikteile, sondern produzieren im Akkord High-Tech Zeug, das wir nicht mehr konkurrenzfähig hin bekommen. Unser Rechts und Europawissenschaftler Author anfang 30, der offenbar nichts staatlich subventioniertes ergattern konnte und aktuell auf Traumatherapeut macht, schwimmt momentan noch in seiner Wohlfühlblase. Leider wohl nicht mehr sehr lange.
    Warum nun ausgerechnet die Rentner länger, sogar über ihren Renteneintritt hinaus arbeiten sollen, erschließt sich mir auch nicht. Hier also Full-Ack. Obwohl – vermutlich traut man es der aktuellen Generation einfach nicht mehr zu. Wundert mich nicht wirklich, wenn ich die lautstarksten der berufsempörten Schneeflöckchen so anschaue. Also liebe Ü60 – gebt nochmal alles um eurem Nachwuchs ihre Wohlfühlexistenz zu ermöglichen. Egal – wir leben eh nur noch ein paar Jahrzehnte – Bestenfalls. Und spätestens dann greift selbst für die borniertesten Realitätsverweigerer unvermeidlich die normative Kraft des Faktischen. Bildungsmäßig ist der Westen ohnehin schon am Arsch:
    https://www.youtube.com/watch?v=GhmEYB3Kq-o

    Uns Alten bleibt imerhin der Trost – Wir hatten die geilste Musik und den besten Sex.

  12. Na gut. Mein Kommentar wurde nach ca. 1 Stunde „Warten auf Freischaltung“ kommentarlos gelöscht. Nicht mal eine mail Benachrichtigung darüber, geschweige denn eine Begründung. Mein Kommentar enthielt keinerlei rechtlich fragwürdigen Passagen, auch wenn er nicht mit dem Artikel konform ging. Solche Foren braucht keiner. Schon gar nicht bei alternativen Medien. Das ist das Niveau von Spiegel, ARD und co. Ich werde daher mein Steady Abo für Overtone in der nächsten Stunde kündigen, falls mein harmloser Kommentar nicht doch noch erscheint. Einen weiteren Zensurstadel a la Telepolis brauche ich wirklich nicht. Viel Spass noch bei Zensieren mein höchst verachteter Zensor.

  13. Ich bin mit 16 Lehrling geworden und darf mit 67 in Rente. Der Staat hat mich also 51 Jahre an der Arbeitsfront verplant. Wenn ich zu Hause einen Handwerker brauche, muß ich (selber Handwerker) 10 Stunden arbeiten, um diesen Handwerker für 1 Stunde bezahlen zu können, so ist die Lage. Nun finde den Fehler. Wer bereichert sich an den übrigen 9 Stunden Wertschöpfung???? Wer seine Umwelt beobachtet, sieht, wo diese 9 Stunden schmarotzt werden. Einige hier rülpsen gleich reflexhaft „weil die Profite steigen müssen“ oder so. Welche Profite denn? Es ist ganz einfach so, daß, wenn man Millionen von Leuten zu akademischem Proletariat ausbildet (wißt Ihr eigentlich, wieviele Genderlehrstühle an deutschen Universitäten es gibt?!), und wenn man jedes Jahr hunderttausende Nichtleister vom ganzen Planeten importiert, und allen stehen sämtliche Sozialleistungen, Wohnraum, Gesundheitsversorgung uvm. zu, dann müssen die, die noch Werte produzieren, eben ein bißchen mehr arbeiten. Daran ist nichts unlogisch, daran ist nichts falsch gedacht.

      1. Mmmh, vielleicht ist die Kombination Ihrer Wahrnehmung und die des OP näher an der Ursache, als jede Wahrnehmung für sich allein.
        Und 185 Genderleerstühle sind schlicht 185 unproduktive Gaga-Einrichtungen. Hinzu kommen ja noch tausende Diversitäts- und Gleichstellungsbeauftragte (ein Widerspruch irgendwie, oder) in öffentlicher Verwaltung und Großunternehmen, die trotz allem Geschwafel die Wirklichkeit der Ungleichheit eher zementieren.

        Und um Ihren Hinweis zu den Einkommensmöglichkeiten im gehobenen Dienst der Polizei mit 5.000,-€ netto zu erden, so ist davon auszugehen, dass in der Regel der, die, das persönlich niemanden vom Schlitten holt oder beregnen lässt. Er ordnet das wahrscheinlich noch nicht mal selbst an sondern gibt eine Anordnung einfach weiter. Der mit dem Wasserstrahl bekommt 1.000,- bis 1.500,- weniger. Und er macht das trotzdem. Warum macht er das?

          1. @Altlandrebell :“Ingenieuren, die für Helsing und Rheinmetall Mordwerkzeuge fabrizieren, „Ärzten“, die an Biontech-mRNA-Zeug und sonstigem Dreck „forschen“ und Journalistinnen, die als Regierungssprecherinnen durch die Drehtür ins Ministerium gehen, um dem Warweg danach irgendwelche Propaganda vor die Rübe zu stammeln, ist jede Nutte und jeder Strichjunge vorzuziehen.“

            Großartig! Und nicht ein einziger Arbeitsloser kann der Welt auch nur annähernd so viel Elend und Verderben zufügen wie der Arbeitnehmer, der mit seinem „Fleiß“ z.B. Mordwerkzeuge, umweltschädliche Produkte oder allgemein nutzlosen Konsumdreck produziert.

      2. Halt stop, ich habe nicht behauptet, daß ich mich 51 Jahre verheizen lasse, das hält ja kaum jemand durch. Ich habe ausgesorgt. Dieser Kanackenstaat kann mich schon lange am Arsch lecken, ich habe mich auf eine komfortable Zuschauerposition zurückgezogen und alles, was ich noch arbeite, mache ich aus eigener Lust und Interesse. Und ich verfolge die Politik und die Blüten des linksextremen Schwachsinns mit Interesse, es sind spannende Zeiten.

          1. Das ist der Punkt – sich ständig unter der „linken“ Knute zu wähnen, obwohl doch eigentlich alles seinen marktwirtschaftlichen Gang geht und es sicher nicht mehr Sozialstaat geben wird. Auch nach außen: Abschottung, Aufrüstung…

        1. Na, dann is ja gut. Ich weiß allerdings auch nicht genau, welche „Linken“ bei uns genau regieren – die von der CDU waren/sind jetzt insgesamt schon ziemlich lange federführend dabei, Schröder war auch nicht unbedingt (Hartz IV eingeführt, Spitzensteuersatz gesenkt) sonderlich „links“. Aber gut, A. Merkel war ja vielen zu… (langsam ausblenden).

  14. Erst verschleudert die Regierung vorsätzlich die Steuermilliarden und dann will sie, dass die Steuerzahler mehr arbeiten, um die leeren Kassen wieder zu füllen. Ist doch ganz logisch.

    1. Es ist nicht DIE REGIERUNG, es ist der Staat. Das funktioniert ganz unabhängig von Regierungen. Interessant ist immer, wen der Staat unterm Strich nicht anfasst: die ganz, ganz oben, also die, die selbst von der Lebenswirklichkeit von Mehrfach-Millionären meilenweit entfernt sind.

  15. Es muss mehr gearbeitet werden, damit die Leute stets zu erschöpft und zu müde sind, um noch klar denken zu können. Nur mit einem Minimum an Fatique erzielen Marketing, Propaganda und andere Hypnosepraktiken ihre Wirkung,
    Ausgeschlafene sind nicht nur immun dagegen. Sie würden sich auch zur Wehr setzen und das wäre das Ende aller Deutungshoheit.

  16. Es geht um Lohnkürzung, Kürzung der Sozialleistungen.
    Die Zitrone noch stärker auspressen zugunsten des Top 1%.
    Das wird mit Pseudozahlen (Lügen mit Zahlen) verbrämt.
    Und die Journaille macht fleißig mit.

  17. Man kann sich auch künstlich blöd stellen.

    Ab wann sind also genug Arbeitsstunden geleistet? Genug wofür eigentlich? Wo sollen diese Arbeitsstunden in einem Land, das Rezession und Pleitewellen erlebt, eigentlich geleistet werden? Was sollen sie bringen?

    Das liegt doch auf der Hand, was sie bringen sollen. Sie sollen die Mehrarbeit und damit den Gewinn des Kapitals vergrößern. Lohnabhängige werden ja nicht für ihre Arbeit bezahlt, sondern der Unternehmer kauft ihre Arbeitskraft und die ist bestimmt durch den Wert der Lebensmittel, die zur Reproduktion der Arbeitskraft notwendig sind. Wenn also der Arbeitstag sich verlängert, ist das der reine Gewinn, weil die Reproduktionskosten der Arbeitskraft nicht steigen oder nicht in dem Maße steigen. – Früher wusste man mal, dass mit der Länge des Arbeitstags die Produktivität sinkt. Wenn jedoch die Produktivität durch die Maschinerie vorgegeben ist, dann sinkt die Aufmerksamkeit, was Ausschuss und Arbeitsunfälle zur Folge hat. Ferner wird die Lebensarbeitskraft stärker verschlissen. Die Leute sterben früher, weil eine solche intensive lange Arbeitszeit die Physis auf die eine oder andere Art stärker belastet. Das ist natürlich im wiederum in staatlichem Interesse, dann müssen weniger Renten gezahlt werden. Zu vermuten ist das die Gesundheitskosten steigen, weil die Erholungsphase zu kurz ist. Wenn jetzt also der Staat im Sinne des Kapitals aktiv wird, weil das Kapital abwandert und die gesamte Wirtschaft lahmt, dann beweist das nur wie stark die neoliberale Sichtweise verinnerlicht wurde. Wie bei anderen Aufgaben des Staates die privatisiert wurden, erhöhen sich die gesamtgesellschaftlichen Kosten statt zu sinken. Oder die Versorgungsleistung werden zurückgefahren, was natürlich direkt dazu führt, dass Leute sterben. Jetzt soll also nicht nur die Bahn, die Straßen, die Schulen … auf Verschleiß gefahren werden, sondern die gesamte Arbeiterklasse. Es hat was von einem Vernichtungslager durch Überarbeit.

    Denn im Ergebnis geht es doch darum, mit Arbeit zum Gemeinwohl beizutragen

    Und das Gemeinwohl besteht hierzulande im Profit des Kapitals. Insofern passt die Verlängerung des Arbeitstags da wunderbar rein.

    – etwas aufzubauen, die Ernährung, Energie- und Wasserversorgung sicherzustellen und allen Menschen in Deutschland ein möglichst angenehmes Leben zu ermöglichen. Ja klar und der Osterhase bringt die Eier. Ein angenehmes Leben ist für Lohnabhängige nicht vorgesehen. Die werden solange mit Lohnarbeit überhäuft bis sie ins Gras beißen.

    Dieser Zweck wird durch die Reduktion auf reine Arbeitsstunden vollkommen unterlaufen.

    Warum wohl? Weil dieser Zweck nur im Kopf des Autoren existiert. So einen Zweck gibt es gar nicht.

    Daher müssen wir nicht einfach der Forderung nach mehr Arbeit nachkommen, sondern das ganze System so ändern, dass es den Bedürfnissen der Menschen gerecht wird.

    Als hätte sich Merz die Forderung nach Mehrarbeit ausgedacht, um den Bedürfnissen der Menschen gerecht zu werden und als müsste man ihn belehren, dass das nicht so ist. Der weiß das.

    Aber das erfordert große Veränderungen, zu denen die Mehrheit wahrscheinlich aus Bequemlichkeit und Gewohnheit nicht bereit ist.

    Ja klar – aus „Bequemlichkeit und Gewohnheit“, aber ein zwei Stündchen Lohnarbeit mehr, das geht natürlich immer, trotz „Bequemlichkeit und Gewohnheit“.

  18. Beim Thema „Wieviel Arbeit muss sein?“ ist meine Gebetsmühle der Text: https://www.inkrit.de/frigga/documents/DA291_fh.pdf. Noch Fragen? Frau, nach Abschluss der Ausbildung mit Zeiten der Arbeitslosigkeit wegen Mutterschaft unter Abstrichen in der Rentenhöhe verrentet mit dem 60. Geburtstag. Devise: Wer wenig braucht hat mehr vom Leben. Manche sehens eher umgekehrt:“ Ich habe kein `Gutes Leben´ denn ich bekommen für meine Arbeit zu wenig Geld.“ Da diese Frage eigentlich jeder für sich selbst beantworten muss, sind Fragen der sozialen Sicherheit sehr schwer zu beantworten und haben mit der Lektüre politischer Koryphäen vergangener Jahrhundert etwas zu tun, aber nicht alles!

  19. Mmh. Ich überlege gerade, ob Autoren mit Geburtsjahrgang 1992 und anscheinend langer, wahrscheinlich noch andauernder „Selbstfindung“ tatsächlich diejenigen sein sollten, die sich über Arbeitsmoral und -zeit, 40-Stunden-Woche usw. auslassen sollten.
    Wer von einem „produktiven Leben“ schwafelt und ernsthaft als Beispiele Hemingway (Selbsttötung) und Churchill (manisch-depressiv) anführt, der lebt offensichtlich in Sphären völliger Entrücktheit. Und vergleicht er jetzt Fatma vom Putzdienst und Kalle von der Müllabfuhr mit Hemingway, Churchill und Mann? Auf die letzten 3 kann eine funktonierende Gesellschaft ganz gut verzichten. Auf Fatma und Kalle eher nicht.

    Und dann versäumt der Autor es auch nur ansatzweise einen Weg zur Diskussion zur Lösung der von ihm aufgezeigten Konflikte zu zeigen. OK, er ist ja auch nicht Hemingway, Mann oder Churchill 😉 .

    Heißt übrigens nicht, dass ich nicht für das Faulsein bin. Man muss es sich halt leisten können, wie Hemingway, Churchill und Brecht.

    1. Welchen „Mann“ meinen Sie denn? Den Thomas, den Heinrich, den Golo, den Klaus….? Ist ja eine ganze Sippe.
      Zum Namen meines persönlichen literarischen Lieblings Franz Kafka spuckt die deutsche wikipedia auf Nachfrage folgendes aus: „Kafkas Werke wurden zum größeren Teil erst nach seinem Tod und gegen seine letztwillige Verfügung von Max Brod veröffentlicht, einem engen Freund und Vertrauten, den Kafka zu seinem Nachlassverwalter bestimmt hatte. Kafkas Schilderungen unergründlich bedrohlicher, absurder Situationen haben zur Bildung des auch im außerliterarischen Kontext verwendeten Adjektivs „kafkaesk“ geführt. “ … „In Anerkennung seiner Leistungen wurde Kafka viermal befördert, 1910 zum Konzipisten, 1913 zum Vizesekretär, 1920 zum Sekretär, 1922 zum Obersekretär. Zu seinem Arbeitsleben vermerkt Kafka in einem Brief: „Über die Arbeit klage ich nicht so, wie über die Faulheit der sumpfigen Zeit“. Der „Druck“ der Bürostunden, das Starren auf die Uhr, der „alle Wirkung“ zugeschrieben wird, und die letzte Arbeitsminute als „Sprungbrett der Lustigkeit“ – so sah Kafka den Dienst. An Milena Jesenská schrieb er: „Mein Dienst ist lächerlich und kläglich leicht […] ich weiß nicht wofür ich das Geld bekomme.“ Als bedrückend empfand Kafka auch sein (von der Familie erwartetes) Engagement in den elterlichen Geschäften, zu denen 1911 die Asbestfabrik des Schwagers hinzugekommen war, die nie recht florieren wollte und die Kafka zu ignorieren suchte, obwohl er sich zu ihrem stillen Teilhaber hatte machen lassen. Kafkas ruhiger und persönlicher Umgang mit den Arbeitern hob sich vom herablassenden Chefgebaren seines Vaters ab.“

      Die Bezahlung kreativer Leistungen gleich welcher Art verlangt Mäzene. Ohne solche müssen Künstler, Philosophen, Religiöse, Musiker … mit in der Welt bedeutsamen Leistungen dahinscheiden, ohne jemals dafür einen Pfennig bekommen zu haben. Wer besser lebt hat Gönner. Wer sich nicht von Gönnern abhängig machen will, MUSS bescheiden bleiben und sich den Lebensunterhalt durch wertschöpfende, produktive Arbeit verdienen oder sich wie Kafka der handelnden Verwandschaft fügen. Diese Unterscheidung wird voraussichtlich bleiben.
      Das Problem: Gesellschaften sind arm dran, die solches Schaffen nicht aufweisen. Dessen Qualität nimmt aber durch die Einrichtung von Künstlersozialkassen, Verwertungsgemeinschaften für Worte, Musik… nicht zu.
      Seit Corona glaube ich auch nicht mehr, dass „Wissenschaft“ anders arbeitet. Reale Werte entstehen durch diese genauso wenig. ES WIRD VERDIENT. Auch ohne `Würdigkeit´. Die herrschenden Teile der Gesellschaft bestimmen, wer zu den Profiteuren gehört und wer nicht. Eine Parteikaste? Eine religiös definierte Kaste? Die politische Kaste?
      Jede Menge dumme Mitmenschen, absolvieren wegen ihrer Anpassungsfähigkeit mittlere, hohe und höchste Schulen. „Ohne Vitamin B geht das alles nicht“ wusste früher jeder. Auf diese banalen Zusammenhänge kann JEDER kommen. OHNE jemals Marx gelesen zu haben, Abitur zu haben, auch als Analphabet. Politik kann an diesen Zuständen nichts ändern. Der Mensch ist ohne seine „Beziehungen“ aber nicht überlebensfähig. Mit wenigen Ausnahmen, die man früher z. B. als Waldmenschen oder Einsiedler bezeichnete.
      Manche Mitmenschen besuchen sie gern, und bringen dann ein bisschen Dröhnung mit. In alkoholischer, pflanzlicher oder chemischer Version und freuen sich, mit einem Unikum der Welt entfliehen zu können. Schon wieder haben zwei was davon. Einfach durch „Beziehung“.

        1. Danke für den Lesetipp.
          A:
          Die von mir bewältigte Pflichtlektüre wurde von bayerischen Lehrplänen bestimmt und einem Deutschlehrer, der garantiert antifeministisch eingestellt war. Nach meiner Erinnerung hat er seine angeheiratete Frau anlässlich der Treffen der `freiwilligen´ (siehe oben Vitamin B) literarischen Arbeitsgemeinschaft in einem seiner zahlreichen Zimmer dazu verwendet, sie anzublaffen, wenn der Tee nicht sofort nach Eintreffen des letzten Teilnehmers serviert wurde. Auf der Abiturfahrt hat er sich dann allerdings gemeinsam mit einer Schülerin des wirklich gebildeten Zuges (Latein, Griechisch, Englisch statt Mathe, Biologie, Chemie und Physik) für württembergische Weine entschieden.
          B.
          Nachdem ich inzwischen sogar (fast vollumfänglich) die gegenwärtige Form des e-books bedienen kann, kann ich mir wieder „Bücher“ leisten. Von Zeit zu Zeit muss ich nämlich wegen Überfüllung unserer Wohnung immer wieder welche weggeben. Der Weg in die nächste . „öffentliche Bibliothek“ ist weit (Bus 1 Stunde). Wartezeit auf kritische Bücher zurückliegender Jahrhunderte je nach öffentlicher Debattenlage zwischen 6 Monaten und x Jahren. Vieles nur in Präsenz, was wegen der Abfahrtszeiten der letzten Busse nicht hilfreich ist. [Ja! Wir leisten uns ein Auto, und nutzen es auch ab und zu!]
          Da die Phase der Alphabetisierung durch Bibelübersetzung definitiv beendet ist, und die Kirchen eher mit zeitgenössischen religiösen Liedern ihre Hallen füllen, fallen auch die örtlichen Bestände irgendwelcher kritischen Bruderschaften weg.

  20. „Denn im Ergebnis geht es doch darum, mit Arbeit zum Gemeinwohl beizutragen – etwas aufzubauen, die Ernährung, Energie- und Wasserversorgung sicherzustellen und allen Menschen in Deutschland ein möglichst angenehmes Leben zu ermöglichen.“
    NEIN! In einem kapitalistisch organisierten Wirtschaftssystem, wie dem in diesem Land, geht es bei der Arbeit einzig und allein um die Verwertung des eingesetzten Kapitals zur Akkumulation. Nur die Arbeit eines Menschen, kann Wert erschaffen und damit neues Kapital, welches dann wieder eingesetzt wird um mehr Arbeit (von Menschen) zu verwerten usw. usf. Der herrschenden Kapitalistenklasse geht es mitnichten um das Gemeinwohl oder die Versorgung der Bevölkerung mit notwendigen oder nutzbringenden Gütern. Sie beschreiben die Zielsetzung eines sozialistischen Wirtschaftssystems.

  21. Merz wirkt: Bett, Brot, Seife: Kanzler will Leistungen für Flüchtlinge kürzen

    CDU nimmt zudem „Totalverweigerer“ ins Visier. Wenn also Arbeitnehmer die von den Arbeitgebern angebotene Arbeit gar nicht annehmen, dann müssten sie insofern sanktioniert werden.

    Dem „Arbeitgeber“ geht es aber auch nicht darum, dass er Arbeitssuchenden insofern Arbeit gibt, sondern dass er einfach nur seine eigenen Profite maximiert.

    Dabei eignet sich unser Geld auch ohnehin nicht als Bezahlmittel, weil dieses wegen der Art der Geldentstehung eher nur für eine Art Bezahlen mit Schuldscheingeld ausgerichtet ist.

    Die heutige Praxis sieht so aus, dass der Staat dadurch immer wieder Geld von den Banken anfordert, dass er Schulden macht.
    Dies fällt ihm auch nicht schwer, weil er seine vielen Schulden später ohnehin nicht wieder zurückzahlen muss.
    Er schuldet seine vielen Schulden einfach immer weiter um und dann ist doch wieder Geld da.

    Hierbei gibt es dann jedoch das Problem der Ungleichheit.
    Der einseitig verteilte Geldbesitz innerhalb der Gesellschaft führt dazu, dass vor allem auch der Staat immer schneller neue Schulden aufnehmen muss, damit er einerseits seine vielen Schulden bezahlbar machen kann und damit er andererseits auch immer wieder an neu gedrucktes Geld drankommt.

    Einfach nur staatliche Leistungen zu kürzen, würde zwar den rasanten Anstieg der Staatsschulden abbremsen. Wer dann aber arbeitet, der würde trotzdem seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten können.

    Die CDU wird aber niemals aus ihren leeren Sprechblasen rauskommen. Herr Merz preist den Kapitalismus auch als Lösung an.

    richtig ist folgendes:
    “[A] great embarrassing fact… haunts all attempts to represent the market as the highest form of human freedom: that historically, impersonal, commercial markets originate in theft.”
    ― David Graeber, Debt: The First 5,000 Years

    1. Randbemerkung zu
      „richtig ist folgendes:
      “[A] great embarrassing fact… haunts all attempts to represent the market as the highest form of human freedom: that historically, impersonal, commercial markets originate in theft.”
      ― David Graeber, Debt: The First 5,000 Years
      Darf man das auch auf Deutsch gelesen haben, oder müssen wir tatsächlich ALLE die im geographischen Westen üblich gewordene amerikanische Version einer Lingua Franca beherrschen, um den Anschein von Kritikfähigkeit, Wissen, Bildung und Lesefreude zu erwecken? Habe zwar früher selbst Englisch unterrichtet, komme aber mit dem üblich gewordenen Englisch der Kunstworte aus den Anfängen von Wortreihen oder Halbsätzen nicht zurecht. Jeder sein eigener Stein von Rosette? Kein Wunder, dass man glaubt KI haben zu müssen.
      Spiele gegenwärtig mit dem Gedanken mir wenigstens wieder die Abos meiner früheren Arbeitsjahre zuzulegen: Morning Star und Guardian. Zu amerikanischem Englisch mochte ich mich noch nie durchringen. Dann wird´s mit den materiellen Möglichkeiten zur Buchbeschaffung aber knapp. Man kann halt nicht alles haben. Nur die „umsonst-Artikel“ bringen´s halt auch nicht.

  22. „wenige Stunden […] Arbeit und verbrachten den Rest der Zeit mit Freizeitaktivitäten.“

    Das ist weltfremd. Der Mensch sucht in Arbeit Sinn und Erfüllung (ob er sie finden kann heutzutage, ist eine andere Frage) und auch soziale Eingebundenheit (heute mehr denn je weil das „Privatleben“ immer weniger soziale Anteile hat. Der moderne Mensch vereinsamt zusehends. Vor allem in der Stadt, in der Masse.

    Nicht weniger Arbeit ist die Lösung, sondern sinnhafte, befriedigende, kooperative, maßvolle Arbeit. Das braucht der Mensch!

    Im Zeitalter der Bullshit-Jobber und den meist der Betäubung dienenden „Freizeitaktivitäten“ ist das natürlich nicht mehr bekannt.

    1. Das Wort „Arbeit“ ist nach meiner Einschätzung nicht genau genug.
      Der Mensch muss zwar TÄTIG sein, um zu überleben (Nahrung, Schutz vor Wetterereignissen, Zuführung von Wasser…). Auf welche Weise und zu welchem Zweck beschließt er aber nicht alleine. Was die anderen als „Arbeit “ akzeptieren und belohnen hat mit den gemeinsamen sozialen Beziehungen zu tun. Diese Beziehungen können religiöse oder moralische Begründungen genauso berücksichtigen wie nötige Arbeit zum Wohle aller, bis hin zur Zwangsarbeit. Dass man gegenwärtig wieder einmal möglichst billige Lohnarbeit durchsetzen will und Wilderei nicht schätzt hat mit Interessen und Macht zu tun. Was „sinnhafte, befriedigende, kooperative, maßvolle Arbeit“ ist, kann das Individuum für sich selbst bestimmen, nicht stellvertretend für andere. Es bedarf dazu weder sinnstiftender Priester, eines Fron- oder Gutsherrn, der Metall-Gewerkschaft oder des Verbandes der Metallarbeitgeber.
      U. a. ist es meines Wissens in Deutschland gegenwärtig gesetzlich verboten, den Bedarf an tierischem Eiweiß durch das Fangen und Braten von Bibern zu decken oder ungefragt Hecken zu roden, um auf deren Fläche Nahrungsgräser zu säen. Quellwasser ohne Genehmigung von Wasserwirtschaftsamt und Grundeigentümern zur wirtschaftlichen Nutzung abzuleiten ist verboten, kann aber im Interesse von Nestlé und Paulaner Bräu genehmigt werden. Aus einer Quelle zu trinken und die eigene Wasserflasche aufzufüllen ist erlaubt. Ganz gleich ob ein Warnschild angebracht ist oder nicht.
      Wildbeuterei als Lebensform ist meines Wissens kein strafrechtlich erfasster Tatbestand. Trotzdem ist die Zahl der Menschen. die auf dieser Grundlage leben könn(t)en wegen der fehlenden persönlichen Voraussetzungen sehr gering. Dank des Verzichts auf Kompass und Karte kann ja kaum noch einer am Sonnenstand erkennen, ob es morgens ist oder abends und in welche Richtung er geht. Gleich ob er zu Fuß, mit zwei, drei, 4 Rädern oder einem Dreiachser unterwegs ist.
      Miit der Diskussion Ihrer Position könnte man Tage zubringen. Trotzdem wird es „der Weisheit letzten Schluss“ nicht geben, bestenfalls interessegeleitete Mehrheitsentscheidungen unter Verzicht auf den Einsatz von Wasserwerfern oder Molotowcocktails… . Das Ende ist offen. Dass Regierungen da Abhilfe schaffen können ist genauso wenig wahrscheinlich wie eine erfolgreiche Weltrevolution.

      1. Soso, an meinem Kommentar zum Thema „Arbeit“ meinen Sie dass der Begriff „Arbeit“ nicht genau genug sei – aber sonst, bei anderen, scheint Sie das nicht zu stören?

        Ihr Blabla hätten Sie sich voll sparen können.

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