Wenn Widerspruch zur Abweichung wird

Frau mit zugeklebtem Mund
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Über den Autoritarismus des einzig „Wahren und Guten“.

Erster von zwei Teilen. Ein Auszug.

Im gerade erschienenen Buch „Mut zum Widerspruch …“ berichten Dissidenten einer vermeintlich freien Gesellschaft darüber, wie sie dem herrschenden Zeitgeist widersprachen und dafür angegriffen, beruflich ausgeschlossen oder geächtet, zum Teil ins Gefängnis geworfen wurden. Die persönlichen Geschichten im Buch zeugen aber auch davon, dass das mutige Widersprechen sowohl persönlich wie gesellschaftlich wohltuende Veränderungen mit sich bringt. Freiheit erfordert Mut und die Bereitschaft zum unvoreingenommenen Gespräch, auch über scheinbar „alternativlose“ Wege. Ich beleuchte in meinem – nachfolgend wiedergegebenen – Beitrag als Auszug aus dem Buch einige Ursachen und den Hintergrund.

Worum geht es?

Im freien demokratischen Ringen um allgemein verbindliche Regeln sollte Widerspruch selbstverständlich sein, ebenso wie großzügige Grenzen der Meinungsfreiheit. Insofern ist erklärungsbedürftig, wenn Menschen, beleidigt, ausgeschlossen und aus beruflichen Stellungen entfernt werden, weil sie der Regierung und der herrschenden Meinung öffentlich widersprechen. Mein Erklärungsansatz für dieses seltsame, widersprüchliche Phänomen ist, dass sich in den „real existierenden“ Demokratien seit langem eine technokratisch-autoritäre Krisenpolitik ausgebreitet hat, mit immer neuen „Krisen“ und „alternativlosen“ politische Entscheidungen. Dabei erodierte die Demokratie und statt einer Herrschaft des Volkes, durch das Volk, für das Volk (Lincoln), sehen wir heute weithin eine Herrschaft selbstgerechter akademischer Eliten, für die Reichen, und zwar in Mitte-Rechts wie Mitte-Links-Regierungen. Infolgedessen wachsen zugleich überall in Europa Protestbewegungen und Parteien, die vom herrschenden „Bloc Bourgeois“ hochmütig als „populistisch“ abgewertet und ausgeschlossen werden. Dazu werden in Ausnahmezuständen wie nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 die Grundsätze des demokratischen Rechtsstaats mehr oder weniger außer Kraft gesetzt und all diejenigen verfolgt, welche die Machenschaften entfesselter staatlicher Sicherheitsapparate aufdecken oder kritisieren (siehe z.B. Edward Snowden und Julian Assange). Auch der Ausnahmezustand der so genannten „Corona-Pandemie“ zeigte, wohin es führt, wenn staatliche Exekutivorgane und herrschende Eliten sich frei von rechtlichen Beschränkungen fühlen können.[1] Es war der vorläufige Höhepunkt einer nachfolgend rekonstruierten Krisenpolitik und eines technokratischen Autoritarismus des vermeintlich einzig „Wahren und Guten“ sowie der politischen Mitte, wobei sämtliche abweichende Meinungen als idiotisch, extrem, gefährlich usw. abgewertet sowie bekämpft werden.

Der Ausnahmezustand der „Corona-Pandemie“: Ein kurzer Rückblick

Vor gut fünf Jahren widersprachen nur wenige, als die deutsche Regierung nach dem Vorbild des autoritär regierten China und in einer internationalen Kettenreaktion einen „Lockdown“ anordnete, um eine zunächst als extrem gefährlich vermutete Seuche von Coronaviren (Sars-CoV-2/Covid-19) einzudämmen. Überall hieß es, die Abriegelung der Gesellschaft, Versammlungs- und Ausgehverbote, Schulschließungen, Kontaktsperren und Maskenzwänge seien notwendig, um die Seuche einzudämmen, eine Überlastung des Gesundheitswesens zu vermeiden und Leben zu retten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte „Pandemiealarm“ ausgerufen, wissenschaftliche Modellrechnungen Horrorszenarien mit Millionen Toten an die Wand gemalt, und die Zahlen Infizierter, Erkrankter und Toter stiegen rasant. Dazu sorgten Kriegsberichte und schockierende Bilder auf allen Kanälen, rund um die Uhr, für Angst und Handlungsdruck.[2] Es begann ein mehr oder weniger zweijähriger Ausnahmezustand, d.h. eine krisenbedingte Machtkonzentration bei der Regierung, mit Einschränkungen von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat, wie es in der Bundesrepublik noch nie vorkam.[3] Das Volk sammelte sich krisentypisch hinter der Regierung, forderte Zusammenhalt, Anpassung und Unterordnung, große Teile plädierten für noch strengere Maßnahmen.[4] Auch ich war erst gebannt von den Schreckensberichten und plausibel klingenden Thesen der Eindämmungspolitik.

Abweichende Informationen und Kritik kommen auf …

Je mehr ich mich aber informierte, desto stärker wurden bald meine Zweifel, inwiefern die autoritären „Anti-Corona-Maßnahmen“ wirklich erforderlich, geeignet und verhältnismäßig waren. So warnte schon Mitte März 2020 John Ioannidis (Professor für Medizin und Epidemiologie an der US-Universität Stanford) vor übertriebenen, schädlichen Reaktionen wie Lockdowns, der anhand von Daten eines Kreuzfahrtschiffes zudem eine nur moderate Gefährlichkeit des Virus abschätzte, was sich mit einer Sterblichkeitsrate von ca. 0,1-0,5% der Infizierten bald bestätigte.[5] Ähnlich kritisierte Andreas Sönnichsen (Professor für Medizin) die mangelnde Evidenz der panisch ergriffenen Maßnahmen, welche auf zweifelhaften Annahmen und Modellrechnungen beruhten.[6] Dass die Anti-Corona-Maßnahmen übertrieben, nutzlos oder schädlich seien, kritisierten auch Wolfgang Wodarg (Lungenfacharzt, ehemaliger Leiter eines Gesundheitsamtes und SPD-Politiker) und Sucharit Bhakdi (Professor für Mikrobiologie und Immunologie im Ruhestand).[7] Nicht zuletzt gab der Sonderweg Schwedens zu denken, wo Anders Tegnell als leidender Epidemiologe der – weitgehend unabhängigen – staatlichen Gesundheitsbehörde auf geltende Pandemiepläne verwies und einen allgemeinen Lockdown ablehnte, wie auch Schulschließungen oder den Zwang zum Maskentragen im Alltag, wofür es keine Evidenz gebe.[8]

Abwehr von Kritik unter dem Deckmantel von Moral und Wissenschaft

Auf Kritik der Anti-Corona-Maßnahmen drohte meist reflexartig der moralische Vorwurf, die Gefahren der „Pandemie“ zu verharmlosen und die (offenbar über allem stehenden) Ziele des Lebens- oder Gesundheitsschutzes sowie der Solidarität mit verletzlichen, meist älteren Menschen zu verraten. Dazu kam der verheerende Schlachtruf „folgt der Wissenschaft“, womit jeglicher Widerspruch zur herrschenden Sichtweise als unwissenschaftlich, irrational oder idiotisch inkriminiert wurde. Zwar fanden zunächst noch Kritiker, wie Wodarg, in Leitmedien Gehör, aber bald drohte allen, die von der herrschenden Sichtweise abwichen, auch seriösen Wissenschaftlern, Ärzten usw., Vorwürfe wie “Corona-Leugner”, “Schwurbler”, “Covidioten”  – nicht nur in Deutschland.[9] Der Informationskonzern YouTube löschte z.B. ein Interview mit dem renommierten John Ioannidis wegen angeblicher Desinformation, er wurde beschimpft und erhielt sogar Morddrohungen.[10] Auch Andreas Sönnichsen wurde nach einem Interview im österreichischen Fernsehen mit einer Welle an Schmähungen überflutet, der Rektor seiner Universität verbot ihm per Telefonanruf kurzerhand Interviews und später folgte sein Rauswurf unter zweifelhaften Argumenten (siehe sein Bericht im Buch). Unter dem missbrauchten Banner „der“ Wissenschaft entfaltete sich eine Art moderne Ketzerverfolgung. Auch wenn die „Corona-Leugner“ nicht wie frühere Gottesleugner auf dem Scheiterhaufen landeten, wurden sie beschimpft, an den Rand gedrängt, zensiert, aus beruflichen Positionen entfernt und strafrechtlich verfolgt, ja inhaftiert (siehe die Geschichten der Ärztin Carola Javid-Kistel und des Soldaten Alexander Bittner).

Kontrolle, Lenkung und Zensur der öffentlichen Meinung

In der Corona-Krise erblühte geradezu eine Unkultur der Formierung, Lenkung und Zensur öffentlicher Meinungsäußerungen,[11] alles unter dem Deckmantel „der“ Wissenschaft und im Kampf gegen vermeintliche „Desinformation“ oder zum Schutz „unserer“ Demokratie (die ständige Betonung des „Wir“ erinnert übrigens an den Faschismus). Jüngst schlug ein Journalist im Mitteldeutschen Rundfunk allen Ernstes sogar Meinungsfreiheit als Unwort des Jahres vor, denn hierbei handle es sich um einen rechtspopulistischen Kampfbegriff, so eine „Philosophin“.[12] Schon länger wurden dazu die gesetzlichen Möglichkeiten zur Kontrolle und Zensur elektronischer (sozialer) Medien geschaffen und ausgeweitet. Damit bilden sich (im Verbund mit der EU) immer mehr eine Art staatsnaher Wächterrat oder Wahrheitsagentur, wobei neben den Landesmedienanstalten diverse, staatlich geförderte, Einrichtungen zum “Faktencheck” wie Pilze aus dem Boden schossen.[13] Diese orientieren sich mangels eigener Expertise zwangsläufig in erster Linie oder ausschließlich an den herrschenden Sichtweisen von Regierungen, regierungsnahen Experten und Interessenorganisationen (oft staatlich gefördert).

Verheerend wirken die wachsenden technischen Möglichkeiten einer unauffälligen, automatischen Selektion und Lenkung von Informationen und Aufmerksamkeit durch IT-Konzerne, mit ihren Algorithmen und Programmen. Damit werden abweichende Sichtweisen zur herrschenden Meinung zwar weiter in einem freien Informations- und Meinungsmarkt zugelassen, sind aber meist nur am Rand, mit Mühe zu finden und oft mit Warnhinweisen zur Einordnung versehen oder mit Diffamierungen (z.B. bei Wikipedia). Streng genommen findet so keine Zensur statt, aber es entsteht wie selbstverständlich ein Korridor des legitimen Sag- oder Denkbaren, wobei an den Rändern zwar große Chancen bestehen, Aufmerksamkeit zu erhalten, noch mehr wachsen aber die Risiken der Diffamierung und Vernichtung, je weiter man sich von der, von wem und wie auch immer definierten, moderaten Mitte als vermeintlicher Wahrheit entfernt (siehe Michael Meyen und seine Geschichte).[14]

Eminenz vor Evidenz oder: Instrumentalisierte Wissenschaft

Im Ausnahmezustand der Corona-Krise bestimmten zuallererst die Regierung und politisches Kalkül die öffentliche Meinung, weniger wissenschaftliche Evidenz, wie behauptet wurde. Dieses zeigen nicht zuletzt die per Whistleblower publik gewordenen Protokolle aus dem (staatlichen, weisungsgebundenen) Robert Koch Institut (RKI), z.B. zur Erhöhung der Risikoeinschätzung vom 16.3.2020, die politisch angeordnet wurde.[15] In den öffentlichen Auseinandersetzungen wurde aber vor allem oder ausschließlich auf das RKI als vermeintlich unabhängige wissenschaftliche Einrichtung verwiesen, womit Diskussionen und nicht zuletzt die rechtsstaatliche Kontrolle unterdrückt wurden (siehe den Beitrag des ehemaligen Richters Christian Dettmar).[16] Dazu kamen die von der Bundesregierung berufenen Expertinnen und Experten, wobei diese Eminenzen oft zugleich als politische Aktivisten in Erscheinung traten, allen voran Christian Drosten (Professor und leitender Virologe der Charité Klinik in Berlin): Dieser beschimpfte z.B. den Kollegen Andreas Sönnichsen einfach als “Irrlicht”, dessen wissenschaftliche Expertise als “polemisch” und “emotional”; die Kollegen der Great Barrington Erklärung wurden als “Pseudo-Experten” tituliert, wobei er selbst schon durch übertriebene Warnungen vor „Pandemien“ auffiel, eine zweifelhafte Studie zu Schulschließungen verantwortete und nicht zuletzt als Entwickler sowie Vertreiber des PCR-Tests nicht nur uneigennützige Interessen verfolgte.[17] Drosten war auch ein Wortführer, der die These, Covid-19 sei aus einem Labor der militärischen Forschung entwichen, als “Verschwörungstheorie” geißelte, was Leitmedien und ‚Fakten-Checker‘ übernahmen, bis jüngst Geheimdienste genau diese These als sehr wahrscheinlich zutreffend einstuften.[18] 

Ein Verdacht und politisch gefährliches Fahrwasser …

In der Corona-Krise kursierte in sozialen Netzwerken früh ein politisch brisanter Verdacht, nachdem v.a. Wolfgang Wodarg darauf hinwies, dass die WHO die Gefahren von Seuchen oder Pandemien schon länger dramatisiere.[19] Tatsächlich hatte die WHO schon 2009/10 voreilig Pandemiealarm zur sog. Schweinegrippe (H1N1) ausgelöst, wodurch Unmengen an Steuergeldern, u.a. für unnötig beschaffte, zum Teil gefährliche Impfstoffe verschleudert wurden, was wesentlich von Wodarg aufgedeckt wurde. Dazu wurde bekannt, dass die WHO die Definition einer “Pandemie” ausgeweitet hatte, indem die Voraussetzung großer Sterblichkeit gestrichen wurde und wodurch zwangsläufig häufiger und mitunter falscher Alarm erfolgen muss.[20] Dazu drängte sich die Frage nach möglichen Einflüssen der Pharma- und Gesundheitsindustrie auf die WHO und die globale Gesundheitspolitik auf. Dabei wurde die Rolle philanthropischer Kapitalisten, wie Bill Gates, kritisch angesprochen, weil er (wie viele andere) mit milliardenschweren Stiftungen und ‘Thinktanks’ einen erheblichen globalen politischen Einfluss ausübt und zugleich an der Entwicklung sowie Verbreitung von Medikamenten oder Impfstoffen beteiligt ist sowie einer der größten Geldgeber der WHO.

Jedenfalls wuchs die Kritik an den Anti-Corona-Maßnahmen bald rasant, vor allem in sozialen Netzwerken und elektronischen Medien (wie Twitter/X, Multipolar, Rubikon, Nachdenkseiten usw.), zumal durch regierungsnahe Expertinnen und Experten sowie Leitmedien diese Kritik meist pauschal zurückgewiesen und diffamiert wurde.[21] Als Katalysator der wachsenden Polarisierung und Verhärtung der politischen Auseinandersetzung kam dazu, dass sich die oft als rechtsextrem verteufelte Partei “Alternative für Deutschland” (AfD) an der Kritik und an Demonstrationen gegen die Anti-Corona-Maßnahmen beteiligte (nachdem sie zuerst mangelnde Maßnahmen der Regierung kritisierte). Fortan drohte allen Kritikern der Vorwurf, sich mit “Rechten” gemein zu machen. Auch mir warf ein Kollege einen vermeintlichen “Lagerwechsel” vor, weil ich die Anti-Corona-Maßnahmen kritisierte und alternative Medien verteidigte. Rational betrachtet ist aber irrelevant, wer oder wie viele etwas sagen, sondern ob dieses den Tatsachen entspricht und es ist zweitrangig, welche Bewertungen und Konsequenzen damit verbunden sind.

„Verschwörungsdenken“ als Totschlagargument und autoritäres Denkverbot

Dazu wird heute oft „Verschwörungsdenken“ als pauschales Totschlagargument benutzt, um kritische Fragen als abwegig, rechtsradikal oder antisemitisch zu behaupten. Zwar kommen Verschwörungen in funktionierenden Demokratien selten vor und werden meist entdeckt, sind aber nicht unmöglich. Jedenfalls muss die Frage nach politisch oder ökonomisch motivierten Interessen und deren Einflussnahme, Korruption und Verschwörungen, erlaubt sein. So war es eine Verschwörung der Regierung Bush/Powell, als diese nach ‘9-11’ Belege über Massenvernichtungswaffen im Irak behauptete, um einen Angriffskrieg 2003 zu begründen. Damals hatten Leitmedien weltweit diese Lügengeschichte verbreitet und bei 9-11 wurden kritische Fragen oft reflexartig als Verschwörungsideologie diffamiert (zu dahingehenden Denkverboten siehe den Bericht von Daniele Ganser). Im Übrigen mögen Annahmen über dunkle Machenschaften, Korruption und Verschwörungen in rechtsextremen (aber auch linksextremen) Kreisen in übertriebenem Maß vorkommen. Ob eine Theorie richtig oder falsch ist, zeigt sich aber nicht daran, wer diese aus welchem Grund aufstellt, sondern alleine an Fakten, die im Einzelfall zu prüfen sind. Die ökonomische und politische Einflussnahme auf Wissenschaft und Medien ist zudem eher die Regel als Ausnahme, zumal in der Politikberatung und wenn starke ökonomische Interessen im Spiel sind.[22] Ich selbst habe die Einflussnahme von Politik, Verwaltung, Wirtschaftsunternehmen in der Wissenschaft oft erlebt, was von ‘goldenen Zügel’ der Forschungsförderung bis zum wortwörtlichen Diktieren von Studien reicht. So saß einmal ein Ministerialbeamter im “wissenschaftlichen Institut” direkt hinter uns und schrieb mit am „Forschungsbericht“. Ich bereue bis heute, dass ich damals nicht vehementer widersprochen habe, aber mein befristeter Vertrag und der prekäre Arbeitsmarkt ließen mich (wie so viele) kuschen. Nicht zuletzt sind aber persönliche oder soziale Verflechtungen und die habituelle, soziale Nähe von Eliten (mit ähnlicher Sozialisation, dem Studium an denselben Hochschulen usw.), wichtiger für die meist unauffällige, selbstverständliche Abstimmung oder Koordinierung von Sichtweisen.[23]

Autoritarismus unter den Zeichen des ‘Wahren und Guten’

Das frappierende Gruppendenken und Herdenverhalten (besonders in der „Scientific Community“) während der Corona-Krise ließ nicht nur mich damals oft an das berühmte Asch-Experiment denken, bei dem nur ein Viertel der studentischen Versuchspersonen ganz offensichtlich falschen Wahrnehmungen aller anderen in der Gruppe widersprachen.[24] Selbst abstruse Regeln, wie das Verbot des alleinigen Sitzens und Lesens eines Buchs auf einer Parkbank, wurden befolgt und offenkundige Unstimmigkeiten oder Widersprüche offizieller Darstellungen führten kaum zu Kritik, vielmehr zu Verleumdungen derjenigen, die darauf hinwiesen.

In der Corona-Krise wuchsen erschreckend autoritäre Einstellungen, definiert als Bereitschaft oder Forderung von Unterordnung, Konformität und Aggressionen gegen Abweichungen von geltenden Regeln.[25] Es war ein neuartiger, technokratisch geprägter Autoritarismus unter den Zeichen des vermeintlich einzig Wahren und Guten, der von den meisten gar nicht als solcher erkannt wird, vor allem bei sog. Intellektuellen des Juste Milieu. “Mehr Diktatur wagen” forderte z.B. der Schriftsteller Thomas Brussig in der Süddeutschen Zeitung am 9. Februar 2021. Besonders aggressiv ging es gegen alle, die sich die eilig entwickelten „Impfstoffe“ oder Medikamente nicht verabreichen lassen wollten. Im Spiegel schrieb Nikolaus Blome im Blick auf Impfunwillige: „Möge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen“ (7.12.2020).[26] Die Fraktionsvorsitzende der Grünen in Hamburg und Sprecherin für Antidiskriminierung (!), Bianca Blomenkamp, meinte auf Instagram am 6. Dezember 2021, heute sei ein Tag, an dem sie gerne jedem freiwillig Ungeimpften kommentarlos aufs Maul hauen würde. Sie löschte den Beitrag zwar wieder, er verdeutlicht aber die aggressive Stimmung. Ein ehemaliger Bundestagsabgeordneter der Freidemokraten sprach im Blick auf Impfunwillige von „gefährlichen Sozialschädlingen“ (Facebook 3.8.21) und in ähnlicher Nazisprache verglich die Kabarettistin Sarah Bosetti Impfunwillige mit einem „Blinddarm“, der ja nicht überlebenswichtig für eine Gesellschaft sei (Twitter, 3.12.21). Die Liste ließe sich fortsetzen, wesentlich ist, dass dieser Autoritarismus in akademisch gebildeten, linksorientierten Kreisen besonders stark war und sich von dort ausbreitet.[27]

Einschränkung der Denk- und Redefreiheit an Hochschulen

An und ausgehend von Hochschulen wird schon länger eine wachsende Unkultur moralisch und politisch motivierter Denk- und Sprechgebote beobachtet.[28] Umfragen unter Studentinnen und Studenten zeigen, dass erschreckend viele dazu tendieren, politisch oder ideologisch unliebsame Meinungen zu unterdrücken (vor allem konservative, rechtsorientierte), so dass sich viele oft nicht mehr trauen, ihre Meinungen frei zu äußern. Z.B. fand es nur eine Minderheit der Antwortenden für nicht akzeptabel, Hinweise auf Veranstaltungen mit Rednern zu entfernen, welche negative Seiten der Migration thematisieren.[29] Auch bei Fragen des Geschlechts und sexueller Identität (‚Gender‘) lauern oft intolerante Sittenwächter, die leider reichlich ungebremst ihr Unwesen treiben (siehe die Geschichte von Alessandra Asteriti). Dazu protestieren Studentinnen und Studenten oft gegen kritische, vom Mainstream des vermeintlich einzig Wahren und Guten abweichende Professorinnen oder Professoren und fordern oft sogar ganz offen, „wissenschaftlichen Konsens“ gelehrt zu bekommen. Die Tendenz zur Einschränkung des Denkens und Sprechens aus politischen Gründen findet sich zusehends bei allen politisch oder moralisch aufgeladenen Diskussionen, auch bei wissenschaftlich Beschäftigten, und zwar in allen Fakultäten: So meinten in einer repräsentativ angelegten Befragung 64% der Antwortenden, dass die Bestreitung des menschengemachten Klimawandels an Hochschulen nicht erlaubt sein sollte.[30] Dabei darf zum einen nicht vergessen werden, dass Mehrheit oder Konsens keine Garanten für Wahrheit sind und zum anderen, dass diese Frage wissenschaftlich längst nicht so unumstritten ist wie in Leitmedien meist behauptet wird.[31]

Nicht zuletzt versäumen es Hochschulleitungen oft, die Kultur freien Denkens und Redens zu verteidigen, ja sie betreiben nicht selten selbst eine Gängelung, Degradierung oder gar Entlassung störender, politisch unbotmäßiger Professorinnen oder Professoren (siehe den Bericht von Heike Egner und Anke Uhlenwinkel).[32] Dabei fällt auf, dass sich unter den Ausgesonderten auffällig viele Aufgestiegene aus unteren, bildungsfernen Schichten finden (wie der Autor dieser Zeilen), die von Bourdieu ‘Oblaten’ (Ordensleute) genannt werden und die offenbar den Verheißungen der Institution, der sie ihren sozialen Aufstieg verdanken, besonders erliegen, ohne das hier näher ausführen zu können.[33] Auch fällt auf den ersten Blick auf, dass viele Dissidentinnen oder Dissidenten der Corona-Krise schon im Ruhestand, am Ende ihrer Karriere oder wirtschaftlich unabhängig waren, während jüngere Kollegen oft vertraulich gestanden, dass sie ihre Karriere nicht aufs Spiel setzen wollten.[34] Nicht zuletzt wurden kritische Beiträge auch auffällig oft nur anonym und in alternativen Medien verfasst, ebenso ein Zeichen wachsender Denk- und Meinungsverbote.

 

Fußnoten

[1] Hirsch, Joachim. 2020. „Sicherheitsstaat 4.0“. In Lockdown 2020, hrsg. Hannes Hofbauer und Stefan Kraft. Wien: Promedia Verlag, 167-181.

[2] Von Rossum, Walter. 2020. „Mediale Superspreader“. In Lockdown 2020, hrsg. Hannes Hofbauer und Stefan Kraft. Wien: Promedia Verlag.

[3] Vgl. Hirsch, Sicherheitsstaat 4.0 a.a.O; Merkel, Wolfgang. 2020. „Wer regiert in der Krise? Demokratie in Zeiten der Pandemie“. WSI-Mitteilungen 73(6): 445–53. doi:10.5771/0342-300X-2020-6-445; Lucenti, Sebastian. 2023. „Keine ‚Lex-COVID-19‘ für Corona-Maßnahmen – Teil I: Das Ende des verfassungsrechtlichen Tunnelblicks auf staatliche Entscheidungen unter Unsicherheiten“. Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht (online-Aufsatz) 42(2): 1–13.

[4] In Umfragen hielten ca. 60% die Maßnahmen für angemessen, ca. 30% gingen sie nicht weit genug, ca. 10 % fanden sie übertrieben (vgl. https://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/coronacompass/coronacompass/).

[5] Vgl. https://www.statnews.com/2020/03/17/a-fiasco-in-the-making-as-the-coronavirus-pandemic-takes-hold-we-are-making-decisions-without-reliable-data/; Ioannidis, John P. A. 2020. „Global Perspective of COVID-19 Epidemiology for a Full-Cycle Pandemic“. European Journal of Clinical Investigation 50(12): e13423. doi:https://doi.org/10.1111/eci.13423; Streeck, Hendrik, Bianca Schulte, Beate M. Kümmerer, Enrico Richter, Tobias Höller, Christine Fuhrmann, Eva Bartok, u. a. 2020. „Infection Fatality Rate of SARS-CoV2 in a Super-Spreading Event in Germany“. Nature Communications 11(1): 5829. doi:10.1038/s41467-020-19509-y; vgl. Pezzullo, Angelo Maria, Cathrine Axfors, Despina G. Contopoulos-Ioannidis, Alexandre Apostolatos, und John P.A. Ioannidis. 2023. „Age-Stratified Infection Fatality Rate of COVID-19 in the Non-Elderly Population“. Environmental Research 216: 114655. doi:10.1016/j.envres.2022.114655).

[6] Vgl. Stellungnahme Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (Hg.), 20.3.2020, Covid-19: Wo ist die Evidenz? https://www.ebm-netzwerk.de/de/medien/pdf/stn-20200320-covid-19-ebmnetzwerk.pdf; Sönnichsen, Andreas. 2024. Die Angst- und Lügenpandemie. 2. Auflage. Norderstedt: Books on Demand. Solche unsicheren, von Vorannahmen abhängende, Modellrechnungen spielen bei Krisenszenarien eine zentrale Rolle, auch beim „demographischen Wandel“ oder „menschengemachten Klimawandel“, als technokratische Hybris unserer Zeit.

[7] Vgl. Bhakdi, Sucharit, und Karina Reiss. 2020. Corona Fehlalarm? Zahlen, Daten und Hintergründe. Zwischen Panikmache und Wissenschaft: welche Maßnahmen sind im Kampf gegen Virus und COVID-19 sinnvoll? Berlin Wien: Goldegg Verlag. Wodarg, Wolfgang. 2021. Falsche Pandemien: Argumente gegen die Herrschaft der Angst. 8. Aufl. München: Rubikon-Verlag; https://www.wodarg.com/.

[8] Tegnell, Anders, und Fanny Härgestam. ‎Der andere Weg. Salzburg: Benevento/Red Bull Media.

[9] Shir-Raz, Yaffa, Ety Elisha, Brian Martin, Natti Ronel, und Josh Guetzkow. 2023. „Censorship and Suppression of Covid-19 Heterodoxy: Tactics and Counter-Tactics“. Minerva 61: 407–33. doi:10.1007/s11024-022-09479-4.

[10] Vgl. Ioannidis, John P. A. 2022. „An Acceptance Speech“. Journal of Evaluation in Clinical Practice 28(6): 941–42. doi:10.1111/jep.13776; https://blog.bastian-barucker.de/covid-19-policies-john-ioannidis/.

[11] Vgl. Hofbauer, Hannes. 2022. Zensur: Publikationsverbote im Spiegel der Geschichte. Vom kirchlichen Index zur YouTube-Löschung. Wien: Promedia Verlag.

[12] Vgl. Martens, René: „Finstere Zeiten tragen die Signatur der Entwirklichung“ (Kolumne Altpapier), Mittel-Deutscher Rundfunk (12. Juli 2024), https://www.mdr.de/altpapier/das-altpapier-3742.html (22. Nov. 2024).

[13] Vgl. Meyen, Michael. 2021. „Die neuen Wahrheitsbeamten“. MEDIENREALITÄT. https://medienblog.hypotheses.org/10001 (27. November 2021); Meyen, Michael. 2021. „Die Propaganda-Matrix“. München: Rubikon; Meyen, Michael. 2023. Cancel Culture: Wie Propaganda und Zensur Demokratie und Gesellschaft zerstören. Berlin: Hintergrund.

[14] Vgl. Chomsky, Noam, und Edward Herman. 2006. „A Propaganda Model“. In Media and cultural studies: Keyworks, hrsg. Meenakshi Gigi Durham und Douglas M. Kellner. John Wiley & Sons, 257–94; Meyen, Propaganda-Matrix, a.a.O. Siehe auch die bevormundende Begründung der ARD, warum sie keine kontroverse wissenschaftliche Diskussion zuließ: https://multipolar-magazin.de/artikel/im-dialog-mit-der-ard.

[15] https://rki-transparenzbericht.de/, https://multipolar-magazin.de/artikel/rki-protokolle-und-leak-offene-fragen.

[16] Vgl. Boehme-Nessler, Volker. 2024. „RKI-Files und die Justiz – Urteile mit Makel“. Cicero Online. https://www.cicero.de/innenpolitik/rki-files-und-die-justiz-urteile-mit-makel (17. April 2025).

[17] Vgl. Sönnichsen, Angst- und Lügenpandemie, a.a.O. S. 59; vgl. Homburg, Stefan. 2022. Corona-Getwitter. Sargans, Schweiz: Weltbuch (Ebook, ohne genaue Seitenangaben); Bodderas et al. (Welt am Sonntag, 15.1.23, Nr. 3, S. 4.).

[18] https://www.berliner-zeitung.de/open-source/corona-ursprung-risiken-der-gain-of-function-forschung-li.2295883

[19] Vgl. Meisterhans, Nadja. 2020. „Globale Gesundheitspolitik: Die WHO und der Philantrokapitalismus in Zeiten von Corona“. Policy Brief 6 (Marie Jahoda/Otto Bauer Institut): http://www.jbi.or.at.; Beigbeder, Yves. 2012. „Die Weltgesundheitsorganisation im Wandel“. Vereinte Nationen: German Review on the United Nations 60(5): 195–201 oder der Dokumentarfilm “Trust WHO”; https://www.oval.media/trust-who/.

[20] Vgl. Doshi, Peter. 2011. „The Elusive Definition of Pandemic Influenza“. Bulletin of the World Health Organization 89(7): 532–38. doi:10.2471/BLT.11.086173.

[21] Vgl. Homburg, Corona-Getwitter a.a.O.; Meyen, Propaganda-Matrix a.a.O. Rieg, Timo. 2020. „Desinfektionsjournalismus. Die Corona-Berichterstattung ist kein Leuchtturm der Orientierung“. Journalistik – Zeitschrift für Journalismusforschung 3(2): 159–71. doi:10.1453/2569-152X-22020-10684-de.

[22] Vgl. Kreiss, Christian. 2020. Gekaufte Wissenschaft. Wie uns manipulierte Hochschulforschung schadet und was wir dagegen tun können. Hamburg: tredition.

[23] Vgl. Krüger, Uwe. 2015. „Manufacturing consent through integration: Social networks of German journalists in the elite milieu and their effects on coverage“. European Journal of Communication 30(2): 152–70.

[24] Vgl. Asch, Solomon E. 1956. „Studies of Independence and Conformity: I. A Minority of One against a Unanimous Majority.“ Psychological Monographs: General and Applied 70(9): 1–70. doi:10.1037/h0093718; vgl. Homburg, Corona-Getwitter, a.a.O. Ebook ohne feste Seitenangabe).

[25] Vgl. Roth, Günter. 2021. „Krisenpolitik — auf dem Weg zur autoritären Technokratie?“ https://einfachkompliziert.de/krisenpolitik-auf-dem-weg-zur-autoritaeren-technokratie/.

[26] Vgl. Klöckner, Marcus, und Jens Wernicke. 2022. Möge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen: Das Corona-Unrecht und seine Täter. 1. Auflage, ungekürzte Ausgabe. München: RBmedia Verlag.

[27] Höher Gebildete hatten in der Corona-Krise auch mehr Ängste, die wiederum positiv mit Medienkonsum korrelierten (vgl. Manson, Joseph H. 2020. “Right-Wing Authoritarianism, Left-Wing Authoritarianism, and Pandemic-Mitigation Authoritarianism.” Personality and Individual Differences 167: 110251. doi:10.1016/j.paid.2020.110251; Peng, Yilang. 2022. “Politics of COVID-19 Vaccine Mandates: Left/Right-Wing Authoritarianism, Social Dominance Orientation, and Libertarianism.” Personality and Individual Differences 194: 111661. doi:10.1016/j.paid.2022.111661. Sasaki, Natsu, Reiko Kuroda, Kanami Tsuno, und Norito Kawakami. 2020. „Exposure to Media and Fear and Worry about COVID-19“. Psychiatry and Clinical Neurosciences 74(9): 501–2. doi:10.1111/pcn.13095.).

[28] Vgl. z.B.: Hopf, Wilhelm (Ed.) (2019): Die Freiheit der Wissenschaft und ihre ‘Feinde’. Münster: LIT Verlag Münster; vgl. Revers, Matthias/Traunmüller, Richard (2020): Is Free Speech in Danger on University Campus? Some Preliminary Evidence from a Most Likely Case. KZfSS Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 72(3): 471–97. doi:10.1007/s11577-020-00713-z; Traunmüller, Richard/Revers, Matthias (2021): Meinungsfreiheit an der Universität. KZfSS Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 73(1): 137–46. doi:10.1007/s11577-021-00758-8; Meyen, Michael (2023). Wie ich meine Uni verlor: Dreißig Jahre Bildungskrieg. Bilanz eines Ostdeutschen. Berlin: edition ost. Und:  Netzwerk Wissenschaftsfreiheit e.V.: Dokumentation: https://www.netzwerk-wissenschaftsfreiheit.de/dokumentation/.

[29] Hinz, Thomas, Konstantin Mozer, und Susanne Strauß. 2023. „Durchführbarkeit und Qualität von rapid response research (R3HighEd). Umfragen bei Studentinnen und Studenten in Deutschland. Universität Konstanz (Bericht AG Hochschulforschung, pre-print, pdf Version)“, https://www.soziologie.uni-konstanz.de/ag-hochschulforschung/forschungsprojekte/rapid-response-research-machbarkeitsstudie/ (11. Oktober 2023).

[30] Vgl. Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (Ed.) (2024), Akademische Redefreiheit: Kurzbericht zu einer empirischen Studie an deutschen Hochschulen, https://read.zeit-stiftung.com/report_akademischeredefreiheit/docs/Report_AkademischeRedefreiheit_RGB_RZ_2.pdf); kritisch dazu: Roth, Günter. 2024. „Alles gut oder Balken im eigenen Auge? Zur Studie Akademische Redefreiheit, in: https://overton-magazin.de/hintergrund/wissenschaft/alles-gut-oder-balken-im-eigenen-auge-zur-studie-akademische-redefreiheit/ (28. November 2024).

[31] Vgl. Roth, G. (2024): Technokratische Krisenpolitik und ‚Klimakrise‘: Weitere Aushöhlung oder Ende der Demokratie? https://einfachkompliziert.de/technokratische-krisenpolitik-und-klimakrise-weitere-aushoehlung-oder-ende-der-demokratie/ (10. Feb. 2024).

[32] Egner, Heike/Uhlenwinkel, Anke (2024): Wer stört, muss weg! Die Entfernung kritischer Professoren aus Universitäten, Neu-Isenburg, Westend Verlag.

[33] Vgl. Bourdieu, Pierre. 1992. Homo academicus. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

[34] Vgl. Homburg ‚Corona-Getwitter‘, a.a.O. (Ebook, ohne Seitenangabe). Mir sagten oft männliche Kollegen nur im Vertrauen, dass sie bei gewissen Themen wie ‚Gender‘ oder ‚Migration‘ ihre Meinung zurückhalten.

Günter Roth

Günter Roth war bis März 2025 Professor für Sozialpolitik an der Hochschule München, Dr. rer. soc., arbeitet u.a. zur Demokratie in der Krise; aufgrund von Kritik an Corona-Politik und Impfpflicht Ende 2021 angegriffen, nach mehreren Gerichtsverfahren seit Juli 2024 freigestellt, lebt in München und auf dem Land in Oberschwaben, mit kleinbäuerlicher Herkunft. Mehr bei: www.einfachkompliziert.de
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16 Kommentare

  1. Ein sehr guter Artikel. Interessant ist, dass nicht nur Alice Weidel gegen die Corona-Beschränkungen kämpfte, sondern auch Sozialkonservative wie Sahra Wagenknecht und Darwin Dante (Pseudonym). Diese sollten sich verbünden, wenn die AfD im März in RLP und BW die SPD und die Grünen überholt.
    Bitte klicke auf „Lebensreformer“.

    1. > nicht nur Alice Weidel

      Naja. Irgendwer in den vorderen AfD-Reihen nimmt erst mal alles, was sich irgendwie als Gegenstand der Regierungskritik verwenden lässt.

      Das Schlimme bei Corona, aber auch schon zuvor wie beim Putsch in der Ukraine war und ist, dass sich Leute, die sich häufig selbst als links bezeichnen, von den Menschenausgrenzern und Hassern mit vordergründigen Darstellungen wie in der Corona-Zeit mit der Solidarität mit den „Schwächsten“ mitreißen lassen. Die Schwächsten waren dann nicht die in allen denkbaren Aspekten unfertigen und wehrlosen Kinder, sondern die Alten, die ihr Leben hatten.

      Ja, den Menschen wurde höllisch Angst eingejagt. Aber die Leute begaben sich dann für sich selbst auf einen technokratischen Weg, bei dem sie selbst den „Kampf gegen den Virus“ zum Kampf gegen Abweichler machten. Die Maske und dann später die Impfung wurde zum Signum der Artigkeit und jede Kritik daran zur Anbahnung zum Verbrechen gegen die Gesellschaft.

      Die Menschlichkeit wurde ausgeschaltet. Die FFP3-Maske und die Impfung wurden zu unhinterfragbaren Totems. Selbst bei denen, die der Wissenschaft zuneigten, war egal, dass kein Mensch eine FFP3-Maske über längere Zeit korrekt tragen kann und dass die Impfung nicht mal klinische Immunität verspricht.

      Die Menschen waren in einem Dauerausnahmezustand, der Menschlichkeit und Zivilisation durch großteils wirkungslose Artigkeitsdemonstration und kritiklose Verfahrensbereitschaft ersetzt, weil die Schleimhäute durch die Impfung ungeschützt waren.

      Die Dauerbearbeitung durch die Medien funktionieren immer ähnlich.

      Dazu muss nur ein Feind (Virus oder Russland oder Islam oder AfD oder Drogen oder, oder) installiert werden und selbst die „Linken“ sind kurz- bis mittelfristig zur Ausgrenzung und unmenschlichen „Blinddarmentzündungsbekämpfung“ bereit. Seit schon Jahrzehnten exekutieren die USA mit ihren Drohnen ohne Anhörung, Rechtsanwalt oder sonst irgend einem zivilisierten, seit den Hexenverfolgungen eingeführten Rechtsmittel Menschen. Das brutalisiert die Menschen, indem sie ihr Mitgefühl zurückhalten und die Unmenschlichkeit gegenüber Menschen einüben. Passend zum Neoliberalismus. Hauptsache man selber gerät nicht in den Fokus.

      Diese „Linken“ oder wie der Autor sie nennt, das Juste-Millieu, die Leute aus der Mitte, rennen einfach allem hinterher, was gerade als „in“ präsentiert wird. Die kommen sich auch als Retter der Demokratie vor, wenn sie massenhaft und bundesweit organisiert gegen die Opposition demonstrieren, auch wenn offensichtlich ist, dass damit nur die Dauerschlagzeilen einer kränkelnden Ampelregierung aus den Hauptnachrichten expediert werden sollen.

      Als Jugendlicher fragte ich mich oft, wie Nazi-Deutschland passieren konnte. Die Parteien, die heute noch gegen die AfD prozessieren wollen, weil die die Ausländergesetze, die heute in der EU Usus sind, schon vor 10 Jahren forderten, führen die Methoden von Denkverbot, Zensur und Meinungsbestrafung ein, mit denen die originär Rechten dann tabula rasa machen.

      Wie viel Demokratie wir haben, entscheidet nicht das Grundgesetz, sondern die Regierung und die begleitenden Medien.

      1. „Die Menschen waren in einem Dauerausnahmezustand, der Menschlichkeit und Zivilisation durch großteils wirkungslose Artigkeitsdemonstration und kritiklose Verfahrensbereitschaft ersetzt, weil die Schleimhäute durch die Impfung ungeschützt waren.“

        Nicht nur die Schleimhäute. Es gibt Informationen, daß „Geimpfte“ weitaus anfälliger für eine Covid-Erkrankung waren, als Ungeimpfte. Ob das damit zu tun hatte, daß mit der „Impfung“ bereits ein Teil des Virus sich ungehindert im Körper ausbreiten konnte, oder eher damit, daß der Dauerbeschuß mit Spikeproteinen das Immunsystem „sturmreif schoss“, müßte jetzt mal untersucht werden Aber ich hab da so eine Vermutung, ob das passiert…

        Für letzteres spricht auch eine Statistik aus dem GB-Gesundheitswesen, die bei „Geimpften“ eine signifikant erhöhte Non-Covid-Sterblichkeit ausweist.
        Und nochwas habe ich gestern aus einem Video (mit Tom Lausen) erfahren: Die Bundeswehr, die ja eine fast geschlossen „geimpfte“ Gruppe der Bevölkerung darstellt, hatte nach Beginn der „Impf“-Kampagne nicht nur mehrere Impftote zu beklagen, sondern auch einen hohen Krankenstand. Auch die Statistik zu den Covid-Positiven spricht Bände:

        2020 – 1000
        2021 – 10.000
        2022 – 92.000
        2023 – 10.000

        Also NACH Beginn der „Impf“-Kampagne schossen die „Fallzahlen“ in die Höhe!
        War das mal irgendwo in den „freien und unabhängigen Medien“?

  2. Ein Journalist, der den Begriff „Meinungsfreiheit“ als Unwort des Jahres vorschlägt, sollte sofort ein Berufsverbot erhalten,
    Abgesehen davon, dass genau solche Geisteshaltungen wirklich rechts sind, begeht der Mann Verrat an seinem Beruf und dem Berufsethos seiner Kaste!

    1. Es zeigt aber sehr klar, daß in diesen Kreisen selbstempfundener Elite kein inhaltlich-kritisches Denken mehr existiert. Es findet stattdessen eine politisch motivierte Verschlagwortung statt, mit der dann Diskussion nicht betrieben, sondern per Totschlagargument unterbunden wird.

      Im konkreten Fall: Statt sich mit der Frage zu beschäftigen, ob die Meinungsfreiheit wirklich noch gegeben ist, Für und Wider abzuwägen, auch das eigene, aktiv Diskussion abwürgende Verhalten zu hinterfragen, wird der Begriff, allein weil er beim als solchen empfundenen „Feind von rechts“ benutzt wird, zur „rechten Parole“ und damit zum Totschlagargument. Und so stirbt die Meinungsfreiheit – auch als Begriff mit Sinn.

      #

      Kleiner Seitenhieb: Ein Florian Schröder (dieser arrogante, systemkonforme Hetzer, der sich selbst für einen Kabarettisten hält) durfte auf einer Veranstaltung von „Querdenken“ auf der Bühne reden, und wurde später von den Systemmedien dafür gefeiert, wie er „den Covidioten die Leviten gelesen hätte“. Aber er konnte da immerhin auftreten! Einen Michael Ballweg habe ich dagegen nie bei Maischberger & Co gesehen…. Also wer stand damals für Meinungsfreiheit und wer dagegen?

      1. Allg:

        Zum Thema sollte man evtl. mal folgenden Sachverhalt im Hinterkopf behalten.

        https://de.wikipedia.org/wiki/Noam_Chomsky#Faurisson-Kontroverse

        Dazu auch ein berühmtes Zitat von Rosa Luxemburg
        „Freiheit, ist immer die des Anderen, die ich meine!“

        Ich selbst muss und werde niemals den Aussagen, Ansichten und oder Thesen von Menschen aus dem harten, rechten Lager zustimmen.
        Aber wir alle sollten uns fragen, wann und wo fangen wir an, Anderen denken und reden zu verbieten und vor allem um welchen Preis? (Nicht nur aus moralischer Sicht, sondern auch wegen des offensichtlichen und erkennbaren Zielkonflikts)
        Daher sollte es jeder demokratischen Gesellschaft das wichtigste Anliegen sein, verschiedene Grund- und Eckpfeiler einer solchen Gesellschaft unter allen Umständen zu schützen und zu verteidigen.
        Meinungsfreiheit gehört hier ebenso dazu wie das Recht zu Leben und das Recht auf Unantastbarkeit

        @Elberadler
        Etymologie: Demokratie = „Herrschaft des Volkes“

        ZITAT: „Es zeigt aber sehr klar, daß in diesen Kreisen selbstempfundener Elite kein inhaltlich-kritisches Denken mehr existiert. Es findet stattdessen eine politisch motivierte Verschlagwortung statt, mit der dann Diskussion nicht betrieben, sondern per Totschlagargument unterbunden wird.“

        Das gewisse Kreise Begrifflichkeiten um ihre Bedeutung bringen wollen und diese sowohl inhaltlich regelrecht vergewaltigen, entstellen und prostituieren, gab und gibt es zu allen Zeiten und in allen Gesellschaften.
        Aber genau daher heißt es auch => „Herrschaft des Volkes“

        Wenn „das Volk“ nicht herrschen will, sondern sich in der Rolle des Beherrschten wohlfühlt, ist die Demokratie nur noch Makulatur und Recht(e) von Gegebenheiten abhängig wie der sozialen Schicht und oder den finanziellen Mitteln. (sehen Sie sich dazu die heutigen Gegebenheiten in Deutschland an)
        Daher macht man auch mittlerweile nicht mehr vor den Köpfen und den Gedanken der Menschen halt.

        – Krieg ist Frieden
        – Freiheit ist Sklaverei
        – Meinungsfreiheit ist böse!

        Die Menschen in Deutschland und Europa stehen an einer Wegscheide; Und so wie es aussieht, wird der Zug der Lemminge wieder die falsche Abzweigung nehmen; so wie jedes Mal in den letzten 30 Jahren.
        Nur dieses Mal stehen wir nicht am Abgrund, sondern sind einen Schritt weiter…………

  3. Der ZDF Jahreswechsel Flop in Hamburg mit Schwimmbühne für die 9000 zahlenden Beitragszahler*Innen sagt, doch mehr als genug über die herrschenden Zustände aus!

  4. Vor gut fünf Jahren widersprachen nur wenige,..“
    Rück- und umblickend lässt sich dieses NICHT-Phänomen auf fast alles, in fast allen Bereichen anwenden.

    Asch lieferte mit seinen Experimenten einen Beleg dafür, dass sich knapp 80% der Gruppenmitglieder mindestens 1x einem falschen Mehrheitsurteil anpassten.
    Selbst in der kürzeren Vergangenheit und Gegenwart dürfte das Verhältnis 80:20% evident sein.

    So bleibt letztlich die Frage, WAS/WER noch als Norm(al) definiert werden kann.
    Die angepasste Mehrheit, oder der „degenerierte?“ Rest?
    Und wenn’s dem Menschen ein natürliches Bedürfnis zu sein scheint, kopfunter mit dem Strom zu schwimmen; ja – was sollen dann noch Rufe in der Wüste, wenn noch nicht einmal Taube in der Nähe sind, die von ‚Sapere aude‘ gehört haben können!?

    Selbst wenn es JETZT eine (fiktive) Zeit des allgemeinen Erwachens geben würde, nutzte es nichts mehr:
    das Korsett ist bereits angelegt – und bis auf einige kleine Nachjustierungen wird’s nur noch fest(er) gezurrt.
    Prost Neujahr!

    1. Das fing schon mit dem Glühlampenverbot an, jetzt soll man mit dem gleichen eingesparten Strom Heizen oder Autofahren!
      Oder je mehr Mülltrennung statt findet, desto dreckiger die unmittelbare Umgebung!

    1. auch die Berliner Zeitung bringt nichts
      (vielleicht auch überlesen), ein Brand in einer Kirche in Amsterdam war auch eine Schlagzeile wert aber die ukrainische Rakete
      in einem Cafe/Hotel mit ca 24 Toten ist nicht erwähnungswert, wäre es eine russische gewesen, würden sich die Schlagzeilen in unseren Medien überschlagen.
      Kaum mehr zu ertragen diese Doppelmoral.

    1. Das wäre noch kein Problem. Problematisch wird es, wenn jene, die das von sich denken, alle anderen Meinungen und Diskussionsansätze diffamieren und aus dem Diskussionsraum entfernen wollen, damit nur ihre Meinung noch gilt.

  5. Wartet erstmal ab bis der Merz mit der Weidel ins politische Bett steigt, dann gibt es Meinungsfreiheit nur noch fürs rechte Gesindel oder warum sollte Trump die Rechten so hofieren? Seht in die USA dann versteht ihr was hier mit eurer rechten neoliberaen AFD passieren wird.
    Um es mal mit dem monotomen zu sagen: „Sie werden uns alles nehmen“

    2026 wird ein sehr erfolgreiches Jahr, höhere Kassenbeiträge, höhere Benzin- und Heizkosten, uvm, alles nur zu unserer Freude.
    Ich wünsche viel Spass und Freude

    Darauf jetzt erst mal einen Fürst Metternich (trocken) und damit er nicht so staubt mit einem kleinen Schuß Cointreau, dann benötigt man auch kein RedBull. 🙂

    Prost 2026

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