Unsichtbare Afghanen

Bundeswehr in Kunduz
ISAF Headquarters Public Affairs Office from Kabul, Afghanistan, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Die Enquete-Kommission zum Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan versucht eine ehrliche Einschätzung abzuliefern – lässt aber allzu vieles einfach weg.

Als „vernichtend“ und „schonungslos“ wird der Zwischenbericht der Enquete-Kommission zum Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan bezeichnet. Auf über dreihundert Seiten werden die Misserfolge der Bundeswehr, des Verteidigungsministeriums, der Bundesregierung(en) – immerhin waren es ganze sechs! – und Co. behandelt. Schlechte Kommunikation und Zusammenarbeit. Milliardenhohe Kosten für nichts. Zahlreiche Unkenntnisse über die Realitäten vor Ort. All dies klingt einsichtig und selbstkritisch, doch ist bei Weitem nicht vollständig.

Besonders deutlich wird dieser, wieder einmal, auf ganz perfide Art und Weise. Nämlich dann, wenn es um konkrete Opferzahlen geht. Der Bericht listet nur die Anzahl der Deutschen auf, die im Laufe des zwanzigjährigen Einsatzes getötet wurden: 66 Menschenleben. Darunter 59 Soldaten, 3 Polizisten und 4 zivile Helfer. Passend dazu porträtiert die Tagesschau einen Afghanistan-Veteranen und dessen Kriegstraumata, sprich, einen deutschen Mann, der sich volljährig und eigenständig dazu entschieden hat, in den Krieg zu ziehen.

Das am meisten von Drohnen bombardierte Land der Welt

Afghanische Opfer? Sie scheint es nie gegeben zu haben. In einem Bericht des neuen deutschland heißt es gar, dass es „schwierig“ gewesen sei, in der Kommission über afghanische Opfer zu sprechen. Dabei wurden im Laufe des „War on Terror“ der NATO unter der Führung der Vereinigten Staaten weit über 176.000 Afghanen – darunter rund 50.000 Zivilisten – am Hindukusch getötet. Es handelt sich hierbei weiterhin um Mindestzahlen, die stets aktualisiert werden. Ein Grund hierfür ist auch die Tatsache, dass die Opfer der US-Truppen und ihrer Verbündeten, zu denen sich Deutschland stolz zählte und deshalb überhaupt erst miteinmarschiert ist, deutlich seltener erfasst wurden. Viele Militäroperationen und Drohnenangriffe fanden meist in abgelegenen Regionen statt, die für Menschenrechtsbeobachter und Journalisten schwer zugänglich waren. Viele Kriegsverbrechen westlicher Truppen wurde erst in den letzten Jahren, sprich, zum Ende oder erst nach dem Einsatz, aufgedeckt. Beispiele hierfür sind etwa die Gräuel britischer oder australischer Spezialeinheiten, die keine Taliban-Kämpfer jagten, sondern einfache Bauern folterten und ermordeten. Manch einer wagte in Deutschland auch die Frage zu stellen, ob KSK-Soldaten der Bundeswehr in ähnliche Verbrechen verwickelt gewesen waren. Eine Frage, die bis heute unbeantwortet blieb. Die Eliteeinheit sorgte mit mehreren Rechtsextremismus-Skandalen für Aufmerksamkeit und wäre 2021 fast vollständig aufgelöst worden.

Seitens der USA wurden selbst in den letzten Tagen des Einsatzes afghanische Zivilisten gezielt getötet. Während die Truppen im August 2021 abzogen, löschte ein US-Drohne in Kabul zehn Zivilisten aus, die für IS-Terroristen gehalten wurden. Amerikas Drohnenkrieg in Afghanistan wäre ohne den Luftwaffenstützpunkt in Ramstein in der Pfalz nicht möglich gewesen, wie Whistleblower bereits vor Jahren verdeutlichten. Jahrelang war das Land am Hindukusch das am meisten von Drohnen bombardierte Land der Welt. Ähnlich wie heute fanden auch damals die Opfer dieser Angriffe wenig bis gar keine Beachtung. „Warum interessiert man sich nur für die Selbstmordattentate der Taliban und nicht für das, was uns widerfahren ist?“, fragte mich ein Nomade aus der südostafghanischen Provinz Khost als ich ihn im Jahr 2017 traf. Eine US-Drohne hatte sechs Familienmitglieder Khans getötet, darunter seinen Vater sowie seine Brüder. Sie hinterließen allesamt Frauen und Kinder, um die sich der Nomade nun kümmern musste. In der Statistik der NATO werden Pasta Khans Verwandte bis heute als „Terroristen“ angeführt. Eine Entschuldigung oder eine Entschädigung gab es nie.

Kunduz wurde nie aufgearbeitet

In einigen anderen Fällen gab es seitens der westlichen Truppen Entschädigungen, in denen Vieh oder ein Auto höher bemessen wurden als ein Menschenleben.

Es ist deshalb in diesen Tagen besonders wichtig zu betonen, dass Deutschland und die Bundeswehr in Afghanistan als Kriegspartei agierte und unschuldige Afghanen tötete, während sie mit korrupten Politikern und Warlords paktierte. Paradebeispiel hierfür ist das mittlerweile verdrängte und vergessene Kunduz, wo 2009 der damalige Bundeswehroberst Georg Klein mindestens 91 Zivilisten bombardieren ließ. Heute ist Klein General, während seine Opfer vergessen wurden. „Eine Aufarbeitung des Massakers in Kunduz hat bis heute nicht stattgefunden“, sagte mir Karim Popal, der deutsch-afghanische Anwalt der Opferfamilien vor einigen Tagen. Er spricht bis heute von einer deutlich höheren Opferzahl und versäumten Entschädigungszahlungen. Im Gegensatz zu deutschen Bürokraten, die über das Schicksal der afghanischen Opfer und ihrer Hinterbliebenen entschieden, recherchierte Popal mehrmals vor Ort. Kleins Bombardierungsbefehl verstieß im Übrigen auch gegen die Richtlinien der NATO, doch in Deutschland interessierte sich niemand hierfür. Der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung täuschte die Öffentlichkeit, während sich Kanzlerin Angela Merkel aus der Verantwortung zog, wie der Spiegel damals berichtete.

Kritiker, die viele der genannten Missstände seit Jahren nachgiebig betonten und nun von der Enquete-Kommission übergangen wurden, wussten deshalb auch, dass der Fall der afghanischen Republik früher oder später kommen wird. In Berlin und anderswo kam ebenjene Einsicht erst viel zu spät an – auf Kosten afghanischer Menschenleben, die nun abermals unsichtbar gemacht werden.

Emran Feroz

Emran Feroz arbeitet als freier Journalist mit Fokus auf Nahost und Zentralasien, unter anderem für Die Zeit, taz, Al Jazeera und die New York Times. Er berichtet regelmäßig aus und über Afghanistan und den US-amerikanischen Drohnenkrieg und ist der Gründer von „Drone Memorial“ (www.dronememorial.com), einer virtuellen Gedenkstätte für zivile Drohnenopfer.
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20 Kommentare

    1. @ Altlandrebell
      Kleine Ergänzungen von mir: Das KSK in Calw wurde aus den berüchtigten, an Skandalen reichen Fallschirmjägereinheiten der Bundeswehr, die in Calw und Nagold stationiert waren, als Kerntruppe mit aufgebaut. Deren großes Vorbild war der Duce-Retter Otto Skorzeny. Näheres bei Wikipedia.
      Die haben sich auch zu BRD-Zeiten als Elite-Mörder-Truppe verstanden. Ich kannte ein paar Wenige. Ich würde sofort glauben, daß die KSK gemeinsam mit Ihren US-Special-Forces-Kumpeln etliche afghanische Zivilisten meuchelten. Daß die großen deutschen Möchtegern-Föhrer keinerlei Wissen über das geschundene Land und seine Kriegerethik hatten und haben wundert nicht. Ähnliche Ehrbegriffe herrschen übrigens bei der jemenitischen Bevölkerung. Als Kackostrophulus Fischer Außenminister war, wurde zum Teil in der Presse berichtet, daß andere Außen-Kollegen sich über dessen Dummheit und Unwissenheit wunderten. Seine geistige Zieh-Tochter übertrifft ihn vermutlich noch an Einfalt und Debilität.

    2. Aber man darf nicht vergessen, dass Deutschland, Italien und Co. keine bloßen Vasallen sind.

      Sehr richtig, darauf möchte ich nochmal schnell kurz eingehen. Zweifellos ist es so, dass Europa „sicherheitspolitisch“, wie man das nennt, auf die USA angewiesen ist. Gleichzeitig ist es so, dass die USA eine unglaubliche Anzahl von Militärstandorten in Europa unterhalten (die höchste Anzahl in der BRD), so dass man sich durchaus fragen kann, ob es sich hier eigentlich um Unterstützung oder vielleicht doch um beinahe so etwas wie eine Besetzung handelt.

      Es ist andererseits aber eben auch so, dass die EU insgesamt – und hier noch einmal Deutschland im Besonderen – das eigene Süppchen kocht. Die EU will sich in gewissem Umfang von den USA emanzipieren und arbeitet daran, in der Welt eine mehr bestimmende Rolle einzunehmen. Diesem Ziel dienen all die Auslandseinsätze irgendwo auf der Welt, und ganz ohne Zweifel hofft man seitens der deutschen Regierung, innerhalb der EU-Saaten und EU-Militärs eine Führungsrolle einzunehmen. Darum wird hierzulande inzwischen so laut „hier!“ geschrien, wenn es irgendwo irgendwen zu erschießen gibt.

      Darum wurde im Frühsommer 2022 in Nullkommanix ein „Sondervermögen“ von immerhin 100 Milliarden EUR in das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland geschrieben, von denen es jetzt schon wieder heißt, dass dieser Betrag vorne und hinten nicht reichen wird.

      Darum ist hier jetzt ein Provinzinnenminister zum Kriegsminister befördert, weil der sich mit seinem ganzen Herzen hinter diesen Führungsanspruch Deutschlands stellt und das auch lautstark kommuniziert. Dass dieser Mensch der beliebteste Politiker Deutschlands sein soll, ist entweder eine drastische Fälschung der Volksmeinung, oder aber dieses Volk hat den Verstand verloren – falls es je einen hatte.

      Übrigens zieht sich dieser Führungsanspruch durch sämtliche einigermaßen relevante Parteien von rinks bis lechts. Es ist keine Ausnahme festzustellen, auch wenn seitens der AfD tatsächlich hinsichtlich des Ukraine-Kriegs erstaunlich besonnen argumentiert wird. Deutschlands militärische Macht aufbauen und ausweiten wollen die genauso wie die anderen – die träumen hier alle einen nagelneuen Kolonistentraum.

      Nein, Deutschland, Italien und Co. sind keine bloßen Vasallen. Die haben registriert, dass die USA sich in Asien genug Last aufhalsen und wollen ihre Chance nutzen, zum großen multipolaren Player zu werden. Koste es die Völker, was es wolle.

      1. @ umbhaki

        Ihre Befürchtungen sind vollkommen unbegründet, das hat unser aller Mißwirtschaftsminister unlängst in Washington klargestellt, als er von einer „dienenden Führungsrolle“ Deutschlands sprach. Wenn Sie allerdings versuchen sollten, die Begriffe „Diener“ und „Führer“ mental unter einen Hut zu bekommen, verspreche ich Ihnen eine schlaflose Nacht… 😜

    3. Sehr schön analysiert.
      Zwei Gedanken kamen mir:
      Nummer 1 „Menschenleben retten“. Dazu dienen ja auch westliche Wunderwaffen laut Bärbock und co.
      Fällt außer mir noch jemanden auf, das damit implizit gesagt wird Russen sind keine Menschen ?
      Das wird so durchgewunken, ohne dass einer von der Journaille Schnappatmung bekommt, der sonst bei jeder unpassenden Gelegenheit Menschenverachtung wittert ? Keine weiteren Fragen.
      Nummer 2
      Ich denke immer über diesen seltsamen Widerspruch nach.
      Richtig, die mussten nicht dahin, sie wollten. Der Westen hat da die härtesten Elitetruppen, nach eigener Einschätzung die härtesten Kerle im Einsatz und dann hört man (oder auch nicht, weil gerne mal totgeschwiegen) von den hohen Selbstmordraten unter den Veteranen in den USA, von den vielen Traumatisierten nach dem Einsatz.
      Man fragt sich was solche „harten Kerle“ denn für Weicheier sind, was die sich denn gedacht haben, wie es da zugeht.
      Ich kenne einige Rettungssanitäter sehr gut, die müssen auch mit schlimmen Situationen umgehen und kommen damit zu recht, auch wenn man bestimmte Situationen natürlich nicht vergisst. Vielleicht ist der Unterschied ja, dass die Wissen, dass sie Gutes tun, während an den Elitesoldaten vielleicht ja doch unbewusst die Sinnlosigkeit und Schändlichkeit ihres Tuns nagt ?

  1. “ …..niemand stellt die US-Schutzherrschaft in Frage.“

    Im Gegenteil! Jeder in Aussicht gestellte Abzug von Besatzungstruppen treibt den Bürgermeistern (und einigen Anderen) der betreffenden Städte die Tränen in die Augen und etwas weiter östlich winkt man mit Milliarden, um von den Herrschaften endlich dauerhaft besetzt zu werden.

      1. „Macht gescheite Regionalpolitik…“

        Das beschränkt sich nicht aufs Regionale. Wenn die Balten nicht in der Nato wären, würden sie deutlich mehr Aufmerksamkeit darauf verwenden, mit ihren Nachbarn gut auszukommen.

        Schon im Fall Georgien 2008 war wie unterm Mikroskop zu beobachten, dass die USA ihnen den Rücken stärkten, so dass die Georgier dachten, sie könnten sich mit dem US-Rückhalt die Südosseten mit Militärgewalt zu willen machen.

        Ähnliches Spiel in der Ukraine ab 2014: Massive US-Investitionen für den Aufbau des ukrainischen Nationalismus, bis diese davon überzeugt waren, dass sie Russland niedermachen können.

        Es gibt aber schon massive politischen und mediale Fehlleistung lange bevor dann tatsächlich bis aufs Blut provoziert und dann geschossen wird. Massive Karriereförderung in Politik und Medien durch allerlei Vorfeldorganisationen und nicht zuletzt durch das Atlantikernetzwerk, das in Deutschland inzwischen alles bis zur Kultur in der Hand hat. Dass auch die Kultur rettungslos verloren ist, wurde mir bei der Documenta 2022 mit dem Großbild bewusst, das von der blutigen Suharto-Diktatur erzählt, die mit Hilfe westlicher Geheimdienste Massaker gegen Linke verübte, was den westlichen Regierungen aber natürlich unrecht ist. Deswegen wurde das Bild kurz mal antisemitisch geframt und dann abgehängt. Protest? Keiner.

        Ich habe den Eindruck, Herr Feroz hat die ersten fünf W-Fragen abgearbeitet und kommt langsam zum „warum“.

  2. Ähnlich wie im Fall des Ukraine-Krieges hat es in Deutschland – von kleinen Diskussions-Nischen abgesehen – nie einen öffentlichen Diskurs über die geopolitische Dimension des Afghanistan-Krieges gegeben. Hätten die Deutschen z. B. etwas mehr erfahren über die Patenschaftsrolle ihres Landes, incl. Luftwaffenstützpunkt, für das benachbarte Usbekistan, dann wäre ihnen schnell klar geworden, dass es nicht nur um Afghanistan und die dortigen Taliban geht, sondern um die Kontrolle Mittelasiens, nachdem dort durch den Zerfall der Sowjetunion ein Vakuum entstanden war.
    Bezeichnend für den eingeengten deutschen Debattenraum ist, dass das Buch „Murder of Samarkand“ von Craig Murray nicht ins Deutsche übersetzt wurde, obwohl Murray – damals UK-Botschafter in Usbekistan, heute Menschenrechts-Aktivist – sich in dem Buch schwerpunktmässig mit der deutschen Rolle befasst. Aussenminister Joschka Fischer besuchte Usbekistan mehrmals und pflegte intensive Kontakte zum usbekischen Regime des Autokraten Karimow. Der für das Andijan-Massaker verantwortliche Innenminister Aitmatow durfte sich nach einer Krebserkrankung in Deutschland nachbehandeln lassen.

  3. 21 Jahre Brunnen bohren und Mädchenschule aufbauen, war für die Katz.
    Der Westen pumpte zig Milliarden Hartwährungen in den ‚Krieg‘ gegen den Terror.
    Das Leid das Afghanistan erlitt muss gross sein, das Leid das die Steuerzahler berappten interessiert diese nicht.
    Das Leiden etlicher Millionen von Menschen, die an das Opium oder Nebenprodukte erlitten, interessiert den Westen nicht.
    Das Leiden der Menschheit darf anscheinend nicht aufhören und darum versagt jede zivilisatorischen Einrichtungen, denn wer soll das Leiden bezahlen in der über korrupten Welt? Jeder zahlte für die Lügen und niemals wird die Gerechtigkeit ihren Weg gehen.
    Oder vielleicht doch?

  4. Afghanistan ist das Lehrbeispiel eines Kriegs, der nichts als Verelendung bringt.

    – Die Taliban sind Ergebnis des Kriegs. Der 30 Jahre (!) dauernde Krieg hat sie hervorgebracht. Genau genommen, die ersten 10 Jahre des Kriegs, der insgesamt 30 Jahre dauerte. — Bedeutet: Der Krieg schuf die „Monster“, die er zu bekämpfen vorgab.

    – Die Militärs erhielten 2 Billionen Dollar. (Geht es nach Biden, Trump und der gesamten politischen Klasse Deutschlands, so erhalten sie künftig das Doppelte oder noch mehr.)

    – 30 Jahre Kriegswirtschaft in einem zuvor schon armen Land:
    Schwere Hungersnot litten bei Abzug der westlichen Militärs 18 Millionen der 32 Millionen Bewohner als Folge dieses Kriegs (zufolge Welthungerhilfe).

    Was davon steht in der Enquete? Wie dumm will der Bundestag bleiben?
    Wer redet heute über die Verelendung und die Kriegswirtschaft in Regionen, die von „asymetrischen Kriegen“ heimgesucht sind? Solche Analysen sind ebenso eingestellt wie die Friedensforschung.

    1. .Dreißig Jahre? Es sind schon vier Jahrzehnte Krieg in Afghamistan. Die 1990er Jahre waren auch eigentlich nicht friedlich. Die Taliban beherrschten auch nicht ganz Afghanistan. Da gab es noch andere Kriegsherren mit ihren kleinen Domänen.

      1. Sie haben recht: Der sowjetische Einmarsch in Afghanistan begann im Dezember 1979. Damit war das Land noch nicht sofort auf Kriegswirtschaft umgestellt, aber 40 Jahre sind der richtige Zeitraum.

        Die Taliban übernahmen 1996 die Macht (nach dem Abzug der Truppen Russlands). Hervorgegangen waren die Taliban aus den Mudschahedin (islamische Kämpfer und Söldner) des Krieges gegen die Sowjetunion, finanziell und ideologisch ausgestattet von Saudi-Arabien (hanafitische Islamschule), dem engsten Verbündeten der USA, aufgerüstet von den USA. Als Gründungsdatum gilt 1994, also vor 30 Jahren.

        Mit den Taliban verbunden waren die ebenfalls saudisch beeinflussten Al-Qaida…

        Als es Deutschland noch nicht zu 100% Vasall der Atlantikbrücke geworden war, gab es unabhängige Nahost-Experten. Scholl-Latour reiste mit Al-Qaida-Karawanen durchs wilde Afghanistan und berichtete seine eigenen Erkenntnisse. Zum Teil waren die schief und umstritten, aber alles in allem trugen die unabhängigen Nahost-Experten zu einer gut informierten Öffentlichkeit bei.

        Heute ist die Sicht auf den Nahen Osten von transatlantischen Feindbildern verzerrt; auch hier ist das Meinungsspektrum sehr eng geworden – wodurch auch der Afghanistan-Enquête des Bundestags Scheuklappen umgelegt sind.

  5. Mal zurück erinnern: die Schröder-Regierung hatte eine satte Bevölkerungsmehrheit hinter sich, als sie den Afghanistan-Einsatz beschloss. Versprochen wurde, dass man nur ganz kurz hinein gehen werde, Bin Laden schnappen und wieder abziehen werde. Konnte man wissen, dass das anders kommen würde?
    Leser des konkret-Magazins durchaus. Dort hat Willy Wimmer schon in den 90-ern die US-Bemühungen beobachtet und kam zu dem Schluss, dass sie dire Südflanke Russlands in ihrem Sinne gestalten wollten. Wobei er über Pläne berichtete, Russland in zwei Teile zu brechen, schon damals. Wimmer ist eine klassische Frohnatiúr und CDU-Mitglied, aber zu Analysen fähig, die sonst nur ein Antiimperialist marxistischjer Prägung fertig bringt. Eine absolute Ausnahmeerscheinung.
    Ich weiß nicht, ob Wimmer das damals schon schrieb, oder ob ich mir das dazu gedichtet habe. Jedenfalls will das US-Imperium dort, wo es neu ordnet, militärisch präsent sein. Da kam Afghanistsan wie gerufen.
    Es wurde dann daraus nichts. Krönung sollte die Nabucco-Pipeline sein, die Gas gen Westen transportieren sollte. Chef des Unternehmrens war Joschka Fischer, was das Scheitern eigentlich schon hinreichend erklärt.

    konkret wibt mit dem Slogan: lesen, was andere nicht wissen wollen. Die aber irgendwann einsehen müssen, es gewusst gewollkt zu haben besser gewesen wäre.

    1. Naja, Konkret heute noch zu loben, ist sehr naiv.
      Denn aus Konkret hervorgegangen ist die dümmste Kreatur und der übelste US-Vasall, den die deutsche Linke in der Stimmung nach dem Mauerfall hervorgebracht hat: die Antideutschen. Deshalb ist es gut, wenn Konkret jetzt endlich eingeht. Besser wäre das gleich 1990 geschehen!

      Was Willy Wimmer angeht, stimme ich mit Ihnen überein. Ich habe soeben die unabhängigen Nahost-Experten jener Zeit gelobt, die noch ziemlich unabhängig waren (auch unabhängig von den Transatlantismus-Denkverboten) und für eine über den Nahen Osten informierte Öffentlichkeit sorgten.
      Es gab zahlreiche Zeitungen, in denen Wimmer schrieb. Die Konkret war dafür ziemlich belanglos. Gucken Sie zum Beispiel mal im damaligen ‚Freitag‘.

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