Umfrage: 28 Prozent der US-Bürger können sich vorstellen, die Waffen gegen die Regierung zu erheben

Joe Biden. Screenshot von Video des Weißen Hauses

Bedenklich stimmt es, wenn sich EU und Nato der Führung Washingtons unterstellen, während US-Präsident weiter an Popularität verliert und das Volk gespalten und aufgeladen ist.

In den USA gärt es. Dass die US-Regierung den Krieg der Ukrainer gegen die russischen Truppen und ostukrainischen Milizen aus dem Donbass mit vielen Milliarden und teuren Waffen unterstützt und damit angeblich für die Freiheit und Demokratie und die internationale amerikanische Ordnung kämpft, eint die Amerikaner nicht hinter ihm und hält den Einbruch seiner Popularität nicht auf. Nicht einmal 40 Prozent stehen noch zu ihm, abgelehnt wird er von 56 Prozent. Auch die Anhörungen über den Sturm auf das Kapitol und Trumps Putschversuch sowie die Aussagen von Cassidy Hutchinson können Biden und die Demokraten nicht anschieben.

Ganz klar lehnt nach Umfragen eine Mehrheit der Amerikaner es ab, dass Biden in zwei Jahren zum zweiten Mal als Präsidentschaftskandidat antritt. Er hat mehrmals erklärt, er wolle wieder antreten. In einer aktuellen Harvard CAPS–Harris Umfrage halten 71 Prozent davon nichts: für die meisten ist er zu schlecht, für die anderen zu alt – oder sie sagen, es sei Zeit für einen Wechsel. Kritikpunkte sind die Inflation, die Wirtschaftsentwicklung, die Arbeitsmarktorganisation und der Umgang mit Covid19, alles innenpolitische Themen. Ob das Urteil des Supreme Court und die Abtreibungsfrage etwas verändert, lässt sich aus der Umfrage nicht ablesen. Auch unter den Demokraten würden nur 30 Prozent für ihn stimmen. Das Problem ist nur, die Demokraten haben bislang keinen Kandidaten, mit dem sie auf einen Sieg hoffen könnten. Kamala Harris, die Vizepräsidentin, ist alles andere als beliebt und konnte auch keine Akzente setzen. In dieser Umfrage wollen aber auch 61 Prozent nicht, dass Donald Trump antritt.

Eine Umfrage des Emerson College stellte die Präsidentschaftsfrage, ob die Befragten für Trump oder Biden stimmen würden, wenn sie 2024 wieder gegeneinander antreten sollten. Mit 44 Prozent würden mehr für Trump stimmen als für Biden, für den 39 Prozent wären – bei der Wahl hatten 51% für Biden und 47% für Trump gestimmt. Bei den Republikanern hat die Anhörung zum 6. Januar offenbar mehr motiviert, Trump wählen zu wollen. Auch hier zeigte sich die Wirtschaft als entscheidendes Thema. Allerdings sind 59 Prozent für eine Legalisierung der Abtreibung.

Eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage von Associated Press-NORC Center for Public Affairs Research lässt erkennen, dass viele Amerikaner ängstlich und unzufrieden sind. 85 Prozent sagen, das Land bewege sich in eine falsche Richtung, das meinen auch 78 Prozent der demokratischen Wähler, und 79 Prozent beklagen die schlechte wirtschaftliche Lage. Im November sind die Midterm-Wahlen, nach denen die Demokraten wohl in beiden Häusern keine Mehrheit mehr haben und Biden schon zu lame duck wird, was seinen Untergang beschleunigen wird.

Und dann gibt es noch eine Umfrage des Institute of Politics der University of Chicago, die eine extreme Polarisierung und Entfremdung von der Politik spricht. Tatsächlich ist das Ergebnis beunruhigend, auch für das Ausland, nachdem die EU- und Nato-Mitgliedsländer sich in der Konfrontation mit Russland Washington und seinen Interessen derart untergeordnet haben. Zweidrittel der Befragten sagen, dass die Regierung in Washington, die in der Welt angeblich Demokratie durchsetzen will, „korrupt“ und gegen sie ausgerichtet sei. Und fast die Hälfte (49%) fühlen sich wie Fremde im eigenen Land

Das Land ist weiterhin zerrissen, das Misstrauen, die Aggression oder die Angst vor dem politischen Gegner hoch. Über 70 Prozent der Republikaner und der Demokraten sagen, die jeweils anderen würden ihre politische Überzeugungen durchsetzen wollen. Die jeweiligen würden Desinformation verbreiten und lügen. Die Hälfte aller Befragten glaubt, dass politische Differenzen vor allem durch Desinformation entstehen, die natürlich nur die Gegner beeinflusst.

Es breitet sich eine Politik im Stil der cancel culture aus, man könnte auch sagen: der Apartheid. „Fast die Hälfte (49 Prozent) der Befragten gab an, dass sie ‚politische Diskussionen mit anderen vermeiden weil ich nicht weiß, wo sie stehen‘. Ein Viertel gab an, wegen der Politik Freunde verloren zu haben – und ebenso viele sagten, dass sie Freunde und Verwandte wegen der Politik gemieden haben.“  38 Prozent sagten, sie hätten wegen der politischen Ansichten eine Freundschaft beendet oder aufgehört, jemandem in den sozialen Medien zu folgen. Wenn nicht die Diskursverweigerung auch da wäre, könnte es Anlass zur Hoffnung sein, wenn ein Fünftel behauptet, wegen des politischen Tons ganz aus den sozialen Medien ausgestiegen zu sein. Und wenn es stimmt, dass 26 Prozent sagen, dass sie wegen deren politischer Haltung eine Marke oder ein Unternehmen boykottiert haben, wirkt sich die vom politischen System der USA gefährlich verstärkte Spaltung auch wirtschaftlich aus.

Am bedenklichsten ist allerdings ein anderes Ergebnis: 28 Prozent – unter den Schusswaffenbesitzern 37 Prozent – stimmen der Aussage zu, dass es an einem Punkt notwendig für die Bürger sein könnte, die Waffen gegen die Regierung zu richten. Das sagt ein Drittel der Republikaner und der unabhängigen Wähler, aber auch ein Fünftel der Demokraten. Die Unsicherheit und Gewaltbereitschaft werden bis 2024 noch zunehmen. Gut möglich, dass es einen zweiten 6. Januar geben wird.

Der Verkauf von Schusswaffen ist stark angestiegen. 2019 wurden im Monat noch durchschnittlich eine Million Schusswaffen von Amerikanern gekauft, 2020 sind es durchschnittlich um die 2 Millionen gewesen. 2020 wurden 22,8 Millionen Schusswaffen verkauft, 2021 mit 19,9 Millionen ein bisschen weniger.

Ähnliche Beiträge:

Sei der erste, der diesen Beitrag teilt:

13 Kommentare

    1. Wenn das Gas nicht mehr kommt, bricht auch die Karton- und Papierproduktion in Deutschland/ Europa ein. Abgesehen von den Preisen, die dann ein Kilo Papier kostet, denn es ist ein sehr energieintensiver Industriezweig.

      Und Papiereinsparung wie im Büro? Mit einem Computer kann man sich schlecht den Ar… abwischen.

      Ich hoffe, Ihr versteht meinen schlechten Humor ein bisschen.

  1. Schön, dass es auch gute Nachrichten gibt.

    Fragt sich halt wieviele % der deutschen sich vorstellen können, die Waffen gegen die Regierung zu erheben. Wenn es ökonomisch so kommt, wie es anscheinend nicht mehr zu vermeiden ist. Wenn all die, die es irgendwie ahnen, oder sogar heute schon besser wissen, was kommt, mal nicht Angst davor haben zu ihrer eigenen Meinung zu stehen. Und irgendwas tun, was die Grünen Herrschaften als „Demokratie Delegitimieren“ interpretieren…

    Einen Vorgeschmack hatten wir ja schon, bei den Anti-Corona-Massnahmen Demos, oder dem öffentlichen Besztehen auf den Grundrechten…

    Das Video dazu: https://www.youtube.com/watch?v=Z-gwBIYbuhI

    Man sollte nie vergessen was bereits heute alles gegen aufmuckende Büprger möglich ist…

  2. Ich habe heute -ich glaube auf Moon of Alabama- einen Kommentar zu Demokraten – Wahlkampf – Abtreibungsurteil gelesen. In der USA hat ja jetzt das Oberste Gericht geurteilt, dass das Abtreibungsrecht Sache der einzelnen Bundesstaaten (gleiches Gericht – Verbot des öffentlichen tragens von Waffen nicht) ist.

    Dort hat dieser Kommentator (wahrscheinlich Amerikaner) gesagt, dass die Demokraten seid 1971 dieses Thema als Wahlkampfthema Jahr für Jahr benutzen (missbrauchen?). Seid dieser Zeit haben sie mehrfach den Präsidenten gestellt und die Mehrheit in dem Senat und Repräsentantenhaus gehabt (unter Obama zeitweise sogar mit zweidrittel Mehrheit) aber nie die Bundesgesetzgebung mit einem einheitlichen Abtreibungsrecht für alle geregelt, was dann wohl nicht mehr gerichtlich auszuhebeln möglich wäre (kann sein, ich weiß es nicht, denn ich lebe hier, muss mich auf den Kommentator verlassen).

    Gleichzeitig ist als erste Maßnahme von Seiten der demokratischen Abgeordneten nach dem Urteil etwas passiert, was so typisch amerikanisch ist und für deren Politikstil steht, wo ich mich nur an den Kopf fassen kann. Diese Abgeordneten haben Rundmails und -briefe an ihre registrierte Wählerschaft geschrieben, worin sie diese Leute aufriefen, an sie ZU SPENDEN (und zwar viel!!!!). Denen geht es nur ums GELD!!!

    Genau diese beschriebene Verlogenheit, die Reduzierung auf das Monitäre untergräbt die USA seid vielen Jahren. Und jetzt wird die Decke der Höhle immer dünner …

    Übrigens sollten wir uns nicht so weit zurück lehnen. Auch wir unterhöhlen unsere berühmte „Solidargemeinschaft“ immer mehr. Uneingeschränkte monitäre Solidarität in kürzester Zeit gibt es nur für Waffen, Banken, Pharma (für Krankenschwestern reicht das klatschen!).

  3. „Je stärker Deutschland dient, umso größer ist seine Rolle“: Diese Worte sagte Wirtschaftsminister Robert Habeck bei seinem zweitägigen Besuch in Amerika. In den USA sei man erfreut, dass Deutschland bereit sei, „eine dienende Führungsrolle auszuüben“.
    https://www.focus.de/politik/deutschland/besuch-in-den-usa-habeck-sieht-deutschland-in-einer-dienenden-fuehrungsrolle_id_61552626.html
    Das passiert gerade, wir werden elegant von unserer Regierung als dienende verhökert und verramscht.

    1. „Der Durchschnittsmensch, wie groß seine Irrtümer auch sein mögen, erkennt zumindest soviel mit großer Deutlichkeit, dass nämlich die Regierung etwas ist, das völlig außerhalb seiner eigenen Interessen und der Interessen seiner Mitbürger liegt – die Regierung ist für ihn eine getrennte, unabhängige und oft feindselige Macht, über die er nur sehr geringe Kontrolle hat und die ihm erheblichen Schaden zufügen kann.”
      Das schrieb Henry Louis Mencken vor ungefähr hundert Jahren. Was stimmt daran nicht? Richtig, es muss heißen: der Durchschnittsmensch außerhalb Deutschlands
      Gewöhn dich dran…

  4. “ 28 Prozent – unter den Schusswaffenbesitzern 37 Prozent – stimmen der Aussage zu, dass es an einem Punkt notwendig für die Bürger sein könnte, die Waffen gegen die Regierung zu richten,…“

    Wäre es unter diesen Aspekten, nicht längst an der Zeit, in den USA nun eine „Farbenrevolution“ zu inszenieren? So ein richtig dreckig, grausamer Bürgerkrieg – der die Amerikaner so beschäftigt, dass sie keine Zeit mehr haben, für „globale Demokratie, Freiheit und Menschenrechte?“

    1. Sie meinen wohl so eine Art Afhanisierung der USA? Einen endlosen Bürgerkrieg, der von vielen Akteuren (von A wie Andorra bis Z wie Zypern) durch Waffenlieferungen angeheizt wird? Am Ende wäre dieses Land dann so geschwächt, dass es keine Humanitäre Interventionen mehr führen kann? Wäre das nicht furchtbar? Es würden dann womöglich nur noch Spezialoperationen geführt…….?

      1. Nun, vielleicht ist es nicht immer erkenntlich, wenn mein Zynismus auf Realität trifft. Und leider bewegt mich die ganze globale Situation in jene Richtung, deren Lösungsansätze in schwarze-galligem Humor münden.
        Stellen wir uns aber spiegelbildlich vor, wie es aussähe, wenn die USA von eben jenen „Demokratisierungsmaßnahmen“ heimgesucht werden würde, welche seit Jahrzehnten von den USA mit größtem Selbstbewusstsein, global betrieben wird: Inszenierte Kriege, „Regimechange“, um „Demokratien“ zu schaffen, deren Marionetten weder für das eigene Volk, sondern im Interesse des, nun ja: „gods own country“ etabliert wurden.

        Und ja, wenn die USA so geschwächt wären, wie man sich das von Russland wünscht, dann wäre auch die Aufrechterhaltung einer „regelbasierten Ordnung“ – wessen REGELN? – ein wenig ins Wanken geraten. Und das wäre für die Welt keineswegs „furchtbar“, sondern außerhalb der USA, der Ansatz, um endlich die Aggressionen, einzudämmen.

        1. Man muss dort nichts inszenieren, die schaffen das auch alleine.
          Sollte die derzeit einzige US Fraktion, die einen Bürgerkrieg und Putsch haben möchte, also die Trump Fraktion, sich in den USA an die Macht putschen, so wäre zumindest der Rest der Welt mittelfristig vor neuen US Kriegen sicher. Wie weit sich die Nachkommen des Abschaums Europa dann dort gegenseitig massakrieren, würde mich nicht mit grosser Trauer erfüllen. Trump weiss zumindest, dass sich Kriege nicht rentieren. Das hat er bewiesen, als er sich weigerte den Kriegswünschen des Pentagons gegen Syrien Folge zu leisten. Mehr will ich für den Rest der Welt von einem PotUS gar nicht, und welche Innen Politik auch immer ein Trump veranstaltet ist mir völlig egal

  5. Ich war und bin weit davon entfernt, ein „Trump-Sympathisant“ zu sein. Denn als nüchtern objektiv denkender – und leider völlig desillusionierter Zeitgenosse, dieser vollkommen irrationalen, durchgeknallten Welt, sehe ich nur rationale Lösungen – die LEIDER NICHT DURCHFÜHRBAR sind.

    Warum lässt sich die europäische Politik, derart von Washington anal penetrieren, statt „klare Kante“ zu zeigen? Amerika erpresst, pardon, „übt moralischen Druck“ aus, um sich den gänzlich unmoralischen Forderungen, willfährig zu beugen? Was haben WIR von einer Ukraine, die definitiv ein failed state im Range eines „shit holes“ ist? Wegen der Kokaine, nehmen wir in Kauf, rapide zu verarmen, suhlen uns in moralischer Erhabenheit“ , egal, ob die gesamte Wirtschaft ruiniert wird.

    Wegen der Ukraine, akzeptieren wir ein gänzlich zerstörtes Verhältnis zu Russland, ohne an ein fernes Nachkriegsszenario zu denken. Aber für die USA, ist es ja leicht: Der Krieg findet ja nur in „good old europe“ und nicht in „gods own country“ statt.

    1. Recherchieren sie mal das „Global Young Leader“ Programm das vom Pentagon finanziert wird. Es bezahlt künftigen USA Fans ein besonderes Auslandsstudium
      „Unsere“ Vorkämpfering für und Demokratie, auch USA/NATO genannt, Baerbock gehört zu dieseAuserwählten die gerade Europa vor dem Bösen retten.

      Schön, dass sie verstehen, dass die eigentlichen Machthaber in den USA keineswegs so blöde wie ihre Präsidenten sind….

    2. Es wird sehr viel einfacher für Dich wenn du mal deinen eigene Satz durchdenkst
      „…sehe ich nur rationale Lösungen – die LEIDER NICHT DURCHFÜHRBAR sind….“

      In deinem Kopf sind mittlerweile Lösungen die nicht durchführbar sind „rational“ ? Merkst Du was?

      Du bist so von deinen Meinungen überzeugt, dass du sie per Definition für „rational“ hältst…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.