Ukraine lässt halb verhungerte Soldaten an der Front kämpfen

Halbverhungerte ukrainische Soldaten an der Front, die seit Monaten nicht richtig versorgt werden. Bild: I. Petrovna
Halbverhungerte ukrainische Soldaten an der Front, die seit Monaten nicht richtig versorgt werden. Bild: I. Petrovna

In letzter Zeit hatten die ukrainische Regierung und das Militär eine Propagandakampagne gestartet. Nachdem die USA sich aus der Unterstützung zurückgezogen hatten und der dringend benötigte 90-Milliarden-Euro-Kredit der EU auf sich warten ließ, sollten die eigenen Bürger und vor allem die ausländischen Unterstützer durch Erfolgsmeldungen beruhigt werden. Betont wurde vor allem, dass die Ukraine trotz Personalnot einen Vorteil im Schlachtfeld bei den Drohnen habe, mit denen sie mehr russische Soldaten töte, als Russland trotz hoher Geldzahlungen Rekruten mobilisieren könne.

Das war eine ziemlich durchsichtige Kampagne, um den Krieg weiterzuführen zu können, was Präsident Selenskij ebenso noch anstrebt, um an der Macht zu bleiben, wie die europäischen Geldgeber und Waffenlieferanten. Das hatte man auch wieder beim Besuch von Selenskij in Berlin und beim Bundeskanzler sehen können (Selenskij: „Die Zukunft ist bereits an der Front – und die Ukraine gestaltet sie“Unser Krieg – eine neue Epoche in Europa).

Ich habe schon des Öfteren darüber berichtet, dass sich schon länger kaum mehr Freiwillige in der Ukraine für das Militär melden, weswegen Männer im wehrpflichtigen Alter von der Straßen, manchmal auch aus Häusern mit Gewalt eingefangen und in die Rekrutierungszentren (TCC) verschleppt werden, um auch mit Gebrechen an die Front geschickt zu werden, wo viele gleich wieder desertieren. Wer kann, ist bereits ins Ausland geflohen, 1-2 Millionen sollen sich verstecken, viele kaufen sich frei.

Gerade flogen in Odessa zwei Gruppen von Militärkommissaren oder Rekrutierern auf, die zusammen mit Polizisten und „Spähern“ systematisch Männer nicht nur aufspürten, sondern auch nach Vermögen einstuften, um nach der Busifizierung, also wenn sie diese gewaltsam in einen Kleinbus gebracht haben, und noch im Fahrzeug mit der Erpressung zu beginnen. Die Festnahme erfolgte mit einer Verfolgungsjagd und Schüssen. Auch Männer, die durch Unternehmen offiziell vom Kriegsdienst befreit sind, wurden festgenommen. Ein Informant aus den Strafverfolgungsbehörden berichtete Strana:

„Opfer wurden selten geschlagen, nur bei gewaltsamen Festnahmen, um sie vom Widerstand abzuhalten und anfänglichen Druck auszuüben. Nachdem man sie in einen Transporter gezerrt hatte, erklärte man ihnen, dass ihnen der Wehrdienstaufschub, die Reservierung oder der Behindertenstatus des Opfers völlig egal seien. ‚Sie sagten: ‚Wir zerreißen Ihre Dokumente direkt vor Ihren Augen und bringen Sie zum TCC, und schon morgen sind Sie in einem Angriffsregiment an der Front, ohne auch nur eine Ausbildung absolvieren zu müssen. Wenn Sie Widerstand leisten, werden wir Sie einfach verprügeln, Ihnen Arme und Beine brechen und Sie in einem Waldgebiet aussetzen. Und wir werden dafür nicht zur Rechenschaft gezogen; Sie sehen ja, die Polizei ist direkt bei uns!‘ Den Militärkommissariaten kam auch zugute, dass solche Vorfälle bereits häufig vorgekommen waren: Soziale Medien und die Zeitungen waren voll von Berichten über die Gräueltaten des TCC. Daher sind viele bereit, Geld zu zahlen, um freizukommen, selbst diejenigen, deren Dokumente in einwandfreiem Zustand sind.“

Dem Bundeskanzler Merz und seiner Regierung scheint es völlig egal zu sein, wie die Zustände bei der Mobilisierung in der Ukraine sind, Hauptsache, es wird weiter gekämpft, Russland geschwächt und die Rüstungsindustrie gestärkt. Vermutlich wird das, was auch in der Ukraine lange gemacht wurde, als russische Desinformation behandelt, was in der Ukraine aber nicht mehr nach der massenhaft vorkommenden, oft auf Videos dokumentierten Menschenjagd gelingt. Das Verhältnis zwischen den Militärkommissaren und der Bevölkerung hat sich selbst gewalttätig aufgeladen. Es kommt immer wieder zu Gewaltausbrüchen und Angriffen auf die TCC-Mitarbeiten, auch mit Todesfolgen.

„Die Kämpfer verlieren vor Hunger das Bewusstsein und trinken Regenwasser“

Gleichgültig wird von den Kriegsunterstützern in Deutschland auch über das Schicksal der Männer hinweggegangen, die an der Front angeblich für Deutschland und Europa und auf jeden Fall für die Freiheit kämpfen, auch wenn es nicht ihre ist.  Gerade wurde die Situation der Soldaten der 14. Brigade des 2. Mechanisierten Bataillons bekannt, die in der Region Charkiw stationiert sind. Seit acht Monaten herrscht Mangel an Nahrungsmitteln und Trinkwasser. Fotos von abgemagerten, halb verhungerten Soldaten wurden von Ivanna Poberezhnyuk, der Tochter eines ehemaligen Mitglieds der Brigade, mit den Worten veröffentlicht: „Die Männer sind ohne Essen und Trinken in Stellung! Das Kommando reagiert nicht. Die Kämpfer verlieren vor Hunger das Bewusstsein und trinken Regenwasser. Es gibt auch Kommunikationsprobleme. Bitte teilt diese Fotos.“

Die Soldaten verbreiteten auch selbst einen Appell: „Man will unseren Abschnitt absichtlich dem Feind überlassen!  … Seit 7 Monaten  gibt es ständige Verzögerungen bei der Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser und Benzin. Oft kommt es zu Situationen, in denen wir in Ohnmacht fallen und körperlich nicht in der Lage sind, unsere Stellungen zu verteidigen. Während dieser ganzen Zeit gibt es ständig Probleme mit der Kommunikation!“  Sie sagen, sie hätten sich am ersten Tag des russischen Angriffs freiwillig zur Verteidigung gemeldet: „Wir fordern das Oberkommando auf, diese Situation zu klären und verräterische Aktionen zu verhindern!“

Erst nachdem die Fotos im Internet zirkulierten, reagierte das Verteidigungsministerium, allerdings ohne Bedauern und mit offensichtlicher Gleichgültigkeit. Der Kommandeur, der für die Situation verantwortlich ist, soll das nun lösen, was er seit Monaten nicht vermochte: „Dieser Sachverhalt wurde den zuständigen Kommandeuren gemeldet. Der Kommandeur der 14. Brigade übernahm die Angelegenheit. Trotz der komplizierten Logistik versuchen sie, das Problem der Bereitstellung und des Ersatzes der Mitarbeiter zu lösen. Solche Situationen sollten eigentlich nicht so weit kommen, doch die Lage an verschiedenen Fronten kann durchaus kritisch sein.“

So also müssen ukrainische Soldaten ihr Land und Deutschland bzw. die Freiheit verteidigen. Dafür erhält die Ukraine jetzt weitere 90 Milliarden Euro, während Soldaten an der Front leiden müssen und die Männer, die nicht in den Krieg von Selenskij, Merz und Co. ziehen wollen, in Angst leben. Trotz der 90 Milliarden fehlen der Ukraine für das Militär angeblich noch an die 20 Milliarden Euro für 2026. Insgesamt seien für das Jahr mehr als 134 Milliarden notwendig. Es müsste also noch mehr Geld in die Ukraine fließen.

Der Leiter des Präsidialamts, der frühere Militärgeheimdienstchef Budanov, machte klar, dass die Zwangsmobilisierung nicht eingestellt werden könne. Man könne sie höchstens weniger hart und unmenschlich gestalten. Freiwillige gebe es nicht mehr, aber „Millionen von Wehrdienstverweigerern“. Schwierigkeiten gebe es bei Mobilisierungen in einem großen Krieg in allen Staaten.

Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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5 Kommentare

    1. Mich wundert, dass uns diese Bilder nicht als Argument verkauft wurden, warum die Ukraine unbedingt noch viel mehr Milliarden braucht. Nicht mal Essen und Trinken können die armen Offiziere und Politiker noch finanzieren …

  1. Es ist doch wie immer. An der Front sterben die Proletarier, während die Oligarchie in Monaco ihre Bentleys spazieren fährt. Aber man täusche sich nicht. Auch diese beiden bedauernswerten Kreaturen lässt man nicht verhungern. Von den 90 Milliarden kommen bei ihnen sicher 2 Euro fufzig an, schließlich verteidigen sie UnsereDemokratie™️.

  2. 90 Milliarden, um weiter Menschen zu verheizen. Aber ein Gutteil davon wird schon den Weg in die Taschen der korrupten Oligarchen in der Ukraine finden. Der ukrainische Oligarch Rinat Akhmetov beispielsweise hat sich gerade für eine halbe Milliarde ein Apartment in Monaco gekauft. So kann er seine Beute steuerfrei verwenden.

  3. Was diese 90 Milliarden angeht.
    Davon sind 60 für den Kauf von Waffen und 30 für die Deckung des Haushalts vorgesehen.
    https://de.euronews.com/my-europe/2026/02/04/eu-90-mrd-euro-ukraine-gemeinsame-schulden

    60 Milliarden also, gehen gar nicht erst in die Ukraine. Die kommen direkt den Rüstungskonzernen zugute. Größtenteils amerikanischen Rüstungsfirmen. Und zwar nicht nur für Waffensysteme die noch bestellt werden müssen, sondern auch um Waffensysteme zu ersetzen welche EU Länder aus eigenen Beständen bereits gespendet hatten – wovon Einiges auch bereits längst verbrannt ist. Die EU will also den Großteil dieses Kredits nutzen um sich selbst aufzurüsten. Wobei die Amerikaner hier natürlich sich eine goldene Nase verdienen und die Preise entsprechend angepasst haben werden.

    Darüber hinaus, wir reden hier über Geld was erst noch zusammengekratzt werden muss. Und zwar durch Verschuldung. Einzelne EU Länder nehmen Kredite auf. Diese Kredite sollen aus den Reparationsleistungen von Russland zurückgezahlt werden, welche man erwartet von Russland zu bekommen, nachdem Russland besiegt wurde.
    Und wenn es nicht gelingt? Dann wird es der Steuerzahler ausbaden müssen.

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