
Trumps mentale Erkrankung und die Logik des Populismus.
Verkommt Politik zum demagogischen Illusionstheater, regiert die Inkompetenz. Sie ist die Folge einer Enttäuschung über die Demokratie und des Versuchs interessierter Kreise, diese in die Zustimmung zur Diktatur umzumünzen. Ein psychisch erkrankter Egomane leistet gute Dienste.
Schauen wir uns an, was Trump da veranstaltet: Trump ist ein kranker alter Mann. Statistisch gesehen überlebt er die nächsten fünf Jahre nicht. Wie alle sehr alten Leute wankt er – bildhaft ausgedrückt – am Rand des Grabs dahin, eine Allegorie unserer Endlichkeit. Doch je deutlicher er dem finalen Zusammenbruch entgegen geht, desto dröhnender mimt er den Übermenschen.
Insuffizienz in Dominanz verwandeln
Ein Problem gewiss, aber nicht nur sein privates. Eine beträchtliche Anzahl von US-Wählern will ja, dass jemand ein allgemeines Thema stellvertretend für viele in genau dieser Weise auf öffentlicher Bühne vorführt. Der Titel dieser Veranstaltung könnte so lauten: Wie schafft man es, die eigenen Niederlagen in Überlegenheit zu verwandeln? Wie lügt man sich aus der eigenen Ohnmacht heraus und erlebt sie stattdessen als beispiellose Dominanz?
Ich denke zunächst an die Trump-Wähler im so genannten „Rust Belt“ der USA, dem früheren Manufacturing Belt. Aus einst mittelständischen Arbeitern wurden Verlierer auf der ganzen Linie. Männer, die selbst oder deren Väter stolz darauf waren, Alleinernährer ihrer Familien zu sein, wurden arme Leute, die während der „Bankenkrise“ oft sogar ihre Häuser aufgeben mussten. Zurück blieb das Gefühl, einfach nichts mehr wert zu sein.
Doch wer auch immer regierte, Republikaner oder Demokraten, sie waren kaum am Schicksal derer interessiert, die die negativen Folgen ihrer Politik zu tragen hatten. Das US-System orientierte sich an den Interessen jenes einen Prozents, bei dem sich der Großteil der Vermögen und der Einflussmöglichkeiten angesammelt hatte. Bis zur neoliberalen Wende unter US-Präsident Ronald Reagan 1980 beruhte diese Ungleichverteilung von Geld und Macht immerhin noch auf einem bescheidenen Kompromiss mit den Lohnabhängigen.
Seit Kündigung dieses relativen Ausgleichs hat sich die Umverteilung von unten nach oben extrem beschleunigt. 2022 besaß die untere Hälfte der US-Bevölkerung nur noch einen Anteil von lediglich 2,9 Prozent des Volksvermögens. Ein Drittel der Familien war nicht imstande, unerwartete Ausgaben von 400 Dollar aufzubringen. Jeder dritte Erwachsene hatte eine Zahnbehandlung ausgelassen, weil er sie sich nicht leisten konnte.
Schon lange vegetieren die völlig Verarmten in langen Zeltreihen auf den Gehsteigen der großen Städte oder besitzen nur noch ihr Auto, in dem sie auf Parkplätzen „wohnen“ – und das obwohl sie einem Job nachgehen. Für alle anderen sind sie eine deutliche Drohung, wie heftig der Absturz ins Abseits auch diejenigen überwältigen kann, die noch einigermaßen zurechtkommen.
Trump ist ein Krankheitssymptom
Ohne diese tief gekränkten Menschen gäbe es keinen Donald Trump. So gesehen ist Trump ein Krankheitssymptom. Es zeigt jenen Zustand an, der die soziale Spaltung an einem bestimmten Punkt in die plutokratische Autokratie kippen lässt. Das ist nicht das Endstadium des Kapitalismus, aber seine Verwandlung in die offene Diktatur.
Während in der Phase des Kompromisses mit den Lohnabhängigen ein begrenztes Maß an öffentlicher Kontrolle etwa durch die Parlamente oder die Gerichte möglich war, werden diese institutionellen Hemmungen nun geschreddert. Übrig bleibt die brutale und unverhohlene Dominanz jener Miniminderheit, die sich fast alles, was ein Volk zum Leben braucht, unter den Nagel reißen konnte.
Zur gleichen Zeit sind die USA als Militärmacht weltweit – die genaue Zahl ist unbekannt – auf über 800 Militäreinrichtungen in mehr als 90 Ländern aktiv und verschleudern den Reichtum des Landes in kriegerischen Unternehmungen. Nicht im Traum verfallen die herrschenden Eliten auf den Gedanken, mit dem gleichen Aufwand an Ressourcen die Armut in den USA anzugehen. Allenfalls um ihre Wählerbasis sind sie besorgt, aber die lässt sich manipulieren, wofür Trumps Massenerfolg ein Beispiel ist. Denn Trump – hier befindet sich der größte Irrtum seiner Anhänger – ist kein Rebell gegen das Bisherige, er vertritt aus der gleichen Schicht des Geldadels, die zuvor schon bestimmend war, lediglich eine andere Fraktion.
Der neue Irrationalität
Der Moment, in dem dieser Fraktionswechsel stattfindet, trifft auf den Niedergang der US-Hegemonie. Wie ein verendender Riese schlägt die Großmacht um sich. Und deutlich tritt ein Charakterzug des Systems in den Vordergrund, welcher der Richtung der US-Politik ihre grundsätzlich neue Färbung verleiht: ihre Irrationalität.
Dabei verwandelt sich der gesamte politische Prozess in ein Feld von Entscheidungen, das keiner nachvollziehbaren Logik mehr folgt. Die ans Ruder gekommenen Teileliten des Reichtums sind Amateure, die selbst ihre eigenen Interessen kaum mehr sinnvoll zu vertreten verstehen. Die als „erratisch“ bezeichnete Politik Trumps ist nicht nur Ausdruck seiner persönlichen Defizite, sondern zugleich der neuen Orientierungslosigkeit der US-Eliten, die über kein rationales Konzept mehr verfügen.
Diese Irrationalität hat zwei Ebenen: Sie betrifft zum einen die Art, in der das Führungspersonal bestellt wird, zum anderen die Entscheidungsebene selbst. Völlig um ihre Urteilsfähigkeit gebrachte Wähler identifizieren sich mit Kandidaten, die sich durch keinerlei Kompetenzen auszeichnen und die auch nicht vorhaben, ihre Wähler tatsächlich zu vertreten. An die Spitze gelangt eine Negativauswahl aus dem Upperclass-Milieu, die große Politik als Reality-Show inszeniert. Weltpolitik wird zum Spielball eines winzigen Zirkels von Dilettanten, die sich aus Begegnungen auf Golfplätzen kennen und glauben, dass Politik die Fortsetzung geschäftlicher Transaktionen mit anderen Mitteln ist. Auffallend viele Immobilienhaie sind dabei.
So verwandelt sich das Regieren im US-System in eine Veranstaltung, in der nur noch das demagogische Moment zählt, sowie der Machtmissbrauch auf Gegenseitigkeit. Wer Zugang zu jenen Clubs reicher Privatleuten hat, aus denen sich auch die Epstein-Mischpoke rekrutierte, betritt ein Netzwerk, das gewissermaßen jenseits von Gut und Böse operiert und dadurch zusammengehalten wird, dass jeder gegen jeden etwas in der Hand hat, was bei Abweichungen öffentlich gemacht werden könnte. Ähnliche Strukturen sind aus der Mafia bekannt.
Ansonsten gelten die Regeln des PR. Irgendwie ist man immer noch von öffentlicher Zustimmung abhängig. Andererseits kann man dem Wähler als Stimmvieh alles erzählen, vorausgesetzt, es wird im Sinne des Marketings gefällig und mundgerecht verpackt. Überhaupt ist PR jene Methode, mit der sich Irrationalität verkauft. Hier kommt ein Grundzug der Warengesellschaft zum Tragen, nämlich die Unehrlichkeit, ja Verlogenheit des sich Präsentierens am Markt: Trumps Superlativismus ist nichts anderes als eine Methode der Verkaufstechnik. So werden krachende Niederlagen in gewaltige Siege umgelogen. Bekanntlich wird alles oft genug Wiederholte zur unanfechtbaren Wahrheit.
Die Herrschaft der Schlechtesten
Der Prozess der Illusionierung des Politischen beginnt also bei der Auswahl des Führungspersonals. Wer schafft es, sich unter Vorspiegelung welcher Illusionen die Macht zu ergattern? Bereits antike Philosophen wussten, dass die „Demokratie“ – verstanden als ein System, das nicht auf Teilhabe, sondern auf Akklamation beruht – in die Diktatur umschlagen kann. Sind Demagogen in der Lage, das Volk an der Nase herumzuführen, bringt die Akklamationsdemokratie ihre eigene Perversion hervor. Kalkulierte Überredungstechniken spielen dabei eine große Rolle. Nun kippt die Massenzustimmung in die „Ochlokratie“ um, die „Pöbelherrschaft“. An die Regierung kommen die Ungeeignetsten und Schlechtesten.
Die deutsche Übersetzung „Pöbelherrschaft“ trifft allerdings nur das demagogische Moment. Denn stets erfolgt die Machtergreifung von Volksverführern nicht wirklich im Interesse des „Pöbels“, sondern jener, die die Ochlokratie finanzieren und hinter den Demagogen stehen. Die Ochlokratie nutzt Jubel und Begeisterung breiter Massen im Sinne einer Fiktion. Man denke etwa an die Nürnberger Parteitage der NSDAP.
Wie kam Trump an die Macht?
In diesem Zusammenhang lohnt es sich ein Blick auf jenes Prozedere zu werfen, durch das Trump an die Macht gekommen ist. Bereits seine Kandidatur zeigte, um was es ging. Nämlich um eine Reduktion politischer Komplexität auf ganz wenige Aspekte, die für den demagogischen Effekt brauchbar sind. Die Show, das Illusionstheater beginnt bereits bei der Kandidatur und setzt sich anschließend auf der Regierungsebene fort.
Die Frage lautete: Wie kann Massenzustimmung erzeugt werden, ohne sich mit der realen Fragestellung herumzuschlagen? Die Antwort liegt auf der Hand: Ohne Bedenken verspreche man den Menschen genau dasjenige, was sie sich wünschen, wobei völlig gleichgültig ist, ob man das ernst meint. Ein Kandidat, der sich selbst kaum mit Sachfragen befasst, passt zu diesem Geschäft vorzüglich. Schon auf der Auswahlebene ist Borniertheit ein Vorzug, jedenfalls sofern er mit taktischer Schläue verbunden ist, die die Grundsätze der Massensteuerung berücksichtigt.
Propagandistisch profitieren populistische Kandidaten vor allem von einem Schachzug, der bei ihrer Zielgruppe, den an der bisherigen Politik Verzweifelten einschlägt: nämlich der Vorspiegelung, man sei in Fundamentalopposition und werde alles völlig anders machen. Hier beginnt die Vereinnahmung von Hoffnungen und Sehnsüchten und deren Umwandlung in eine Politik des Gegenteils.
In den USA überraschend ist dabei die Leichtgläubigkeit vieler Anhänger des Populismus, die ernstlich glauben, dass ausgerechnet das Personal aus dem Milieu der Supereichen die Anliegen der kleinen Leute vertreten würde. Während in deren Lebenswelt die Probleme der unteren Schichten einfach nicht vorkommen, geht es der Gruppe um Trump darum, genau diese Paradoxie aufrecht zu erhalten: Die paradoxe Synthese der Armut mit dem Reichtum, vermittelt durch die Illusion eines gemeinsamen Anliegens.
Politik als Betrug
Wie sollte man ein solches System nennen? Statt Ochlokratie vielleicht Plutokratie, Herrschaft des Geldes? Oder – wie gegenwärtig verbreitet – Faschismus? Oder etwa im Sinne Orbans als „illiberale Demokratie“? Wichtiger ist es, den Kern der Angelegenheit zu verstehen: Es geht darum, die Dominanz des Reichtums gegen die Ansprüche der relativ oder absolut Besitzlosen abzusichern. Deren Hoffnungen auf Teilhabe sollen kanalisiert und unschädlich gemacht werden. Die soziale Spaltung hat eine Art Verzweiflung an der „Demokratie“ hinterlassen, und so können Empörung und Wut darüber in Treibstoff für die Diktatur umgewandelt werden.
Nun findet ein regelrechter Betrug statt: Nicht die Integration der Bürgerinnen und Bürger in ein soziales Gemeinwesen, das ja eine Umverteilung voraussetzen würde, also nicht deren Emanzipation in einem Solidarverband des Ausgleichs und der Teilhabe ist beabsichtigt. Ziel ist es
umgekehrt, ihre endgültige Unterwerfung unter jene winzige Schicht zu bewerkstelligen, die aufgrund der kapitalistisch gesteuerten Verteilung von Vermögen und Macht in der Lage ist, die Arbeit aller in ihre eigene Dominanz umzuwandeln. Ein altes Thema – einst von Karl Marx analysiert, heute etwa von Thomas Piketty – und in den allgemeinen Grundzügen unverändert in diesem Sinn auf Ausbeutung basierend. Dieses System von seinen demokratischen und rechtsstaatlichen Teilelementen zu befreien, ist der Zweck jener „Alternative“, die auch in Deutschland ansteht, ans Ruder zu kommen.
Was war es – um genauer hinzuschauen –, was viele US-Bürger für Trump begeisterte? Die roten Baseballkappen thematisieren es. Es geht um „MAGA“, um „America First“. Doch kaum wird es jemandem gelingen, klar zu bestimmen, was diese Slogans real bedeuten. Es sind politische Leerformeln aus der PR-Kiste: Jeder darf sich darunter vorstellen, was ihm gerade in den Sinn kommt oder sich irgendwie angenehm anfühlt.
Etwa die Begeisterung, wenn eine Ansammlung von Gleichgesinnten „USA“ schreit. Weht ein MAGA-Gefühl durch die Menge, ist die Sorge, den Job zu verlieren, vorübergehend gebannt. Bereitwillig liefert man sich der Aufforderung zum kollektiven Halluzinieren aus. Die Hochstimmung, die das Kollektivereignis auslöst, dürfte ähnlicher Art sein wie zu seiner Zeit beim „Heil Hitler“.
Der Kompensationseffekt
Man kann nach der sozialpsychologischen Funktion solcher Massenstimmungen fragen und inwiefern sie sich für den Machterwerb eignen. Ganz offensichtlich geht es um einen Kompensationseffekt, der in Regierungsgewalt umsetzbar ist. „Greatness“, gewaltige Größe, ist der Wunschtraum vieler, denen die Anerkennung als integrale Teilnehmer des Gemeinwesens verweigert wurde. Aus klein wird groß. Der Tiefenpsychologie Alfred Adler hatte das als „Überkompensation“ bezeichnet. In der Fantasie verwandeln sich Gefühle von Minderwertigkeit in Überlegenheit. Für Adler stand solche Kompensation hinter jedem Machtstreben. Macht über andere haben zu wollen, sah er als Folge einer Zurücksetzung, die nicht eingestanden werden darf.
Die Mobilisierung mittels des Kompensationseffekts bedarf allerdings einer Galionsfigur, die die Botschaft charismatisch verkörpert. Diese Rolle spielt Donald Trump. Dabei ist es gut, wenn solche Figuren den Effekt leibhaftig vorführen können, bevorzugt, wenn sie ihn selbst erlebt haben. Hitler behauptete irreführend, aus der Arbeiterklasse aufgestiegen zu sein. Nach Demütigungen durch seinen prügelnden Vater scheiterte er zunächst mit seiner Absicht, Kunstmaler zu werden und verwandelte diese erniedrigende Ausgangslage in die Grandiosität eines unbändigen Machtstrebens. Dabei war sein Ziel keineswegs, die Arbeiterklasse in eine soziale Demokratie zu integrieren, sondern ihr eine Art Placebo zu verabreichen. Die wichtigste Belohnung, etwa bei Reden vor Arbeitslosen, lautete: Ihr seid die Herrenrasse! Dass diese „Rasse“ gar nicht existierte, spielte keine Rolle.
Bankrotteur und maligner Narzisst
Aus klein also wird groß – allerdings lediglich halluziniert. Und das hat Konsequenzen. Denn wo kollektive Halluzinationen, Wahnvorstellungen bereits dort eine entscheidende Rolle spielen, wo politisches Führungspersonal ausgewählt wird, steht auch die politische Entscheidungsebene selbst in Gefahr, „irre“ zu werden. Die Anbindung an die Wirklichkeit geht verloren.
Schauen wir zunächst, inwieweit der Kompensationseffekt auf Trump selbst zutrifft. Trump ist ein krimineller Bankrotteur, dessen Hauptleistung in der Vermarktung seines Namens und seinen Auftritten im Showgeschäft besteht. Doch wesentlich wichtiger als diese Vergangenheit ist seine psychische Disposition. Bereits 2017 erschien eine Studie über Trump, in der 27 Fachleute für seelische Gesundheit – klinische Psychologen und Psychiater – ihr Urteil abgaben.1 Freilich wussten sie, dass Ferndiagnosen problematisch sind. Andererseits verfügten sie über Kriterien, nach denen jemand beurteilt werden kann, der sich so andauernd redend und handeln auf der Weltbühne produziert. Übereinstimmend lautete die Hauptdiagnose: maligner, also bösartiger Narzissmus.
Das ist nun wirklich keine unbedeutende Diagnose. Bösartige Narzissten tummeln sich im antisozialen und kriminellen Umfeld oder sitzen in der Psychiatrie oder im Knast. Die Genese des malignen Narzissmus wird übereinstimmend in frühen Kränkungen oder Traumata gesehen. Der Narzisst kompensiert diese Erfahrungen der Zurücksetzung ersatzweise durch den Anspruch auf grandiose Überlegenheit. In Trumps Kindheit und Jugend spielte der autoritäre, kalte und fordernde Vater eine bedeutende Rolle. Wahrscheinlich hat Trump niemals liebevolle Wertschätzung und Zuwendung erfahren, was für eine gesunde seelische Entwicklung von grundlegender Bedeutung ist.
Solche Einschätzungen wurden seitdem vielfach wiederholt, unterdessen ergänzt durch die Vermutung, Trump habe einen Schlaganfall erlitten (einen „Mini-Stroke“) oder leide unter beginnender Demenz. Man muss sich hier nicht festlegen, Trumps „Irresein“ ist offensichtlich. Unter politischem Gesichtspunkt stimmt daher zweifellos, was die Psychiater Philip Zimbardo und Rosemary Sword konstatieren: „Wir sind der Auffassung, dass Trump der gefährlichste Mann der Welt ist.“.2
Wie auch immer: Trumps narzisstische Störung schränkt seinen Blick auf die Wirklichkeit erheblich ein. Was ich tue, so seine Überzeugung, ist grundsätzlich genial, alle anderen sind Idioten und haben keine Ahnung. Dementsprechend ist, was Trump auch immer von sich gibt oder entscheidet, gewaltig, beispiellos und nicht zu überbieten. Trump sieht sich als Höhepunkt der Weltgeschichte und das übrigens – worauf Beobachter hinweisen – ohne sich durch Studium, Lesen oder gründliches Zuhören wirklich zu informieren. Wie bei allen Diktatoren traut sich zudem keiner wirklich, ihm Informationen zu liefern, die nicht in sein Wahnbild passen. Solche restlosen Abschottungen gegenüber der Realität erleben Psychiater in Heilanstalten täglich.
Welche Interessen bedient Trump?
Man könnte sich fragen, wessen Interessen Trumps politischer Auftritt eigentlich bedient außer seinen eigenen. Weshalb – sachlich aus der Perspektive der bisher dominanten US-Eliten betrachtet – sollten Grönland oder Kanada zu den USA gehören, wo doch der wirtschaftliche und militärische Einfluss der USA im Hinblick auf diese Gebiete längst auf weit subtilere Weise realisiert sind? Man spricht von Soft Power, die auch ohne martialische Drohungen ihre Ziele erreicht. Trump bevorzugt Brutalität, denn offensichtlich enthält sein Narzissmus eine sadistische Komponente.
Welche Zukunft – um Beispiele für die Absurdität der politischen Vorstellungen Trumps zu wählen – blüht einem „Friedensrat“, der ganz offensichtlich nichts als ein Fanclub Donald Trumps ist? Trump beansprucht den Vorsitz auf Lebenszeit und bestimmt, wer rein darf und wer raus muss. Ein solches Gremium als Konkurrenz zur UNO erinnert eher an das Spielverhalten ahnungsloser Halbwüchsiger, die im Pfadfinderlager „große Politik“ mimen.
Betrachten wir den Irankrieg. Zurecht wird er als völlig planlos kritisiert. Pläne in Kriegen sind grundsätzlich schwer umzusetzen, da zumeist alles ganz anderes kommt, als man denkt. Verschwendet man keinen Gedanken daran, über welche Möglichkeiten der Gegner verfügt, wird alles noch unberechenbarer. Doch dazu müsste man dessen Perspektive einnehmen, ihn also „verstehen“, was ja auch sonst aus der Mode gekommen ist. Stattdessen schwärmen Machthaber immer noch von „Blitzkriegen“, die wie chirurgische Eingriffe mit exakt voraussagbarem Effekt appliziert werden können. Siehe Putin, ein ebenfalls erfolgloser Blitzkrieger.
Denn alle solche Vorstellungen sind Ergebnis von sträflichen Vereinfachungen. Jeder Politikwissenschaftler hätte gesichert mitteilen können, dass noch niemals ein Regimewechsel aus der Luft gelungen ist. Und die Idee, durch die Ermordung von Führungspersonal hier weiterzukommen, ruht auf der Unkenntnis des iranischen Systems. Offenbar schon lange darauf vorbereitet, wurde eine Art Staffelung der Führung vorgenommen. Das Personal der ersten Ebene wurde automatisch durch die zweite Ebene ersetzt und so weiter. Der geringste Sachverstand hätte im Übrigen voraussagen können, dass die Iraner die Straße von Hormus sperren würden. Auch die iranischen Angriffe auf die Goldstaaten lag als Folge glasklar auf der Hand.
„Deals“ statt Diplomatie
Und mit den „Deals“ steht es ebenso. Man könnte Trumps hilflose Versuche, seine Welt der Vereinfachungen bis auf Stammtischniveau auch mit „Verhandlungen“ durchzusetzen, als Folge des allgemeinen Niedergangs der Diplomatie ansehen, was sich ja auch im Hinblick auf den Ukrainekrieg zeigt. Auch Europa – hier durchaus vergleichbar mit Trump – setzt vor allem auf Waffengänge. Ebenfalls von gänzlich unrealistischen Zielen ausgehend, nämlich der fixen Idee, Russland doch noch besiegen zu können. Dass nun schon so lange bestehende Patt an der Front wird einfach nicht zur Kenntnis genommen.
Glaubt man, militärisch alles lösen zu können, wird zunächst gebombt und geschossen, geredet wird nur, um durchzusetzen, was doch nicht mit Bomben erreichbar war. Liederlich ist dabei die Auswahl derer, die behaupten, „Deals“ auf den Weg zu bringen. „Deals“ – ein Wort aus dem Trump-Vokabular – sind etwas ganz anderes als Vereinbarungen auf Augenhöhe. Sie sind grundsätzlich nicht auf Kompromiss angelegt, sondern auf Überwältigung. Hierzu benötigt man keine erfahrenen und ausgebildeten Diplomaten. Es reicht, den Schwiegersohn zu bemühen oder einen Kumpel vom Golfplatz. Amateure überall.
Mit Schadenfreude könnte man nun beobachten, wie die Trump-Administration nicht nur ihre Anhänger unter den „kleinen Leuten“ betrügt, sondern auch die Interessen der hinter ihr stehenden Milliardärseliten. Leute wie Elon Musk, Peter Thiel oder Mark Zuckerberg. Es ist ja nicht nur der Größenwahn, der alles durcheinanderbringt, sondern die Crux einer jeder Politik, die sich rund um einen egomanen Machthaber gruppiert. Hofschranzen und Jasager verfehlen notwendig jenen Kurs, der unter Berücksichtigung der realen Umstände eingeschlagen werden müsste. Wer zudem durch angeblichen Bürokratieabbau im Stile Musks Institutionen ausschaltet, die noch über Sachverstand verfügten, wird im Nirgendwo landen.
Ein Hohn ist es deshalb, dass in einem Land, das über so viel Wissen und Expertise verfügt, Politik von beratungsresistenten Anfängern praktiziert wird. Und das in einem Moment, in dem sich die Machtverhältnisse auf dem Globus neu ordnen, während zugleich die Interdependenzen zwischen den Akteuren und Gegebenheiten so eng wie nie zuvor sind. Es gibt einfach kein Eingreifen mehr, ohne dass eine Vielzahl von nicht intendierten Folgen auftritt. Da sie sich in Systemzusammenhängen entfalten, sind sie oft völlig überraschend und nur schwer voraussagbar. Doch die Trump-Administration erkennt noch nicht einmal das unmittelbar Voraussehbare.
Verlust der demokratischen Beratungsfunktion
So liegt die Tragik des Niedergangs der formalen Demokratie, also selbst jener demokratischen Anteile, die auch im Rahmen der kapitalistischen Dominanz erhalten werden konnten, im Verlust der demokratischen Beratungsfunktion. Die tendenziell offene Gesellschaft ermöglicht es, Wissen zu generieren und es im Hinblick auf die Staatsführung fruchtbar zu machen. Das ist das Beste, was demokratische Verfahren liefern können.
Sich zu beraten, Experten heranzuziehen, die sich wirklich auskennen, Abwägungen vorzunehmen, Wahrscheinlichkeiten abzuschätzen – nach allem, was wir hören, findet solches Vorgehen in der US-Administration nicht mehr statt. Man befasse sich im Vergleich mit der Art, in der John F. Kennedy während der Kuba-Krise einen ganzen Beraterstab – das Executive Committee of the National Security Council (ExComm) – um sich versammelte. Bei allem Vorbehalt gegenüber dem kolossalen Risiko, das Kennedy einging: Er wusste wenigstens, dass Weltpolitik nicht aus dem Bauch heraus veranstaltet werden kann.
Doch der Wert von Wissen wird vom Populismus grundsätzlich verkannt. Der Kampf Trumps gegen die Universitäten zeigt jenen antiintellektualistischen Zug, der etwa auch bei den Nazis zu beobachten war. Alles was geschieht, muss sich den mentalen Beschränkungen machthungriger Egomanen fügen, für die Reflexion und diskursives Denken Schwäche bedeuten. „Wir reden nicht nur, wir handeln“, könnten sie ausrufen. Übersprungen wird, dass Reden und Handeln schwerlich ohne Denken möglich sind.
Kaum überraschend daher, dass Politik nun zum Blindflug im dichten Nebel wird, bei dem die Instrumente versagen und die Crew es nicht erkennt. Und zwar als Ergebnis einer doppelten Fehlsteuerung: der Auswahl von Führungspersonal im Sinne des Kompensationseffekts und die Übergabe der Entscheidungsbefugnis an Personen, die ihre Anhänger zwar mobilisieren können, zu Regierungsgeschäften aber so wenig taugen wie Gehbehinderte für eine Klettertour im Hochgebirge.
„Er hat die Welt in Händen und den Finger am Atomknopf“
Vielleicht wäre alles nicht gar so schlimm, gäbe es nicht das Atomwaffenproblem. 2016 schrieb die renommierte Psychiaterin und Harvard-Professorin Judith Lewis Herman einen Brief an den damals noch regierenden Barak Obama. Sie drang darauf, dass Trump einer neuropsychiatrischen Untersuchung unterzogen werde, bevor er sein Amt antrete. Der Titel des Beitrags von zwei der psychiatrischen Mitunterzeichner dieses Schreibens in der oben zitierten Publikation lautet bezeichnend: „Er hat die Welt in Händen und den Finger am Atomknopf“3
Auch diese Tatsache ist Ausdruck der in diesem Fall nicht mehr ganz so neuen Irrationalität. Donald Trump gehört zu jenen weniger als zehn Personen, die weltweit alleine darüber entscheiden, ob es zu einem Einsatz von Atomwaffen kommt oder vorläufig nicht. Die Zukunft der Menschheit liegt fast unkontrolliert in ihrer Hand. Während seiner ersten Amtszeit fragte Trump, weshalb die USA eigentlich Atomwaffen besitzen, wenn sie sie nicht anwenden.
Und was meinte er eigentlich, wenn er androhte die iranische Zivilisation ein für alle Mal auszulöschen? Das geht nur mit Atomwaffen und war eine völkerrechtswidrige Drohung mit dem Massenmord. Weiß Trump übrigens, hat er je davon gehört, dass auch eine „kleiner“ Atomkrieg das Ende der Zivilisation auf diesem Globus bedeuten würde? Diese Frage stellt sich auch im Hinblick auf andere Machthaber in einer Zeit, die Politik zunehmend als Demagogie betreibt. Dagegen würde der Einsatz der gewaltigsten Waffe, die es gibt, der Selbstvergöttlichung von Supernarzissten sehr entgegenkommen.
Jedenfalls wird Trumps moralischer Blindflug, gekoppelt mit der Unfähigkeit, in Zusammenhängen zu denken, zu einer sprunghaften Weiterverbreitung von Atomwaffen führen. Jeder Diktator hat nun begriffen, dass er ohne Atomwaffen den Überfällen mächtigerer Staaten ausgeliefert ist. Und selbstverständlich hat Trump die Atombombe des Irans nicht etwa gestoppt, sondern langfristig erst so richtig auf den Weg gebracht. Für wen der Tellerrand die absolute Grenze seiner egomanen Welt bedeutet, von dem ist Weitblick nicht zu erwarten.
Aber genau der wäre gefordert, um das Atomwaffenproblem überhaupt erst in den Blick zu bekommen. Davon sind wir auch jenseits von Trumps Amateurpolitik noch sehr weit entfernt. Welche Katastrophen benötigt die Menschheit noch, bevor sie erkennt, was die Stunde geschlagen hat? Und dass die Fortsetzung des internationalen Hauens und Stechens mit Höchstwahrscheinlichkeit in den Untergang führt?
Fußnoten
1 Bandy X. Lee (Hg.): Wie gefährlich ist Donald Trump? 27 Stellungnahmen aus Psychiatrie und Psychologie, Gießen 2018.
2 Ebenda, S. 72.
3 Ebenda, S. 171.





Das meinte A. Gramsci wohl wenn er von „Monstern“ sprach, die für die alte Welt kämpfen während eine neue Welt unvermeidlich und latent schon geboren ist!
Der Autor hat ganz gewiss recht, wenn er sagt, wie bedenklich es ist, das zehn Figuren auf diesem Planeten entscheiden ,obs Knöpfchen gedrückt wird, oder ob nicht.
Nun ist da schon Trump und das bringt mich zu meiner Sorge, was oder wer nach Putin kommt. Was ist denn, wenn in Russland irgendein durchgeknallter General die Macht übernimmt; oder einer aus dem Parlament, der Schläge gegen den Westen fordert, davon gibt es mittlerweile wohl schon ziemlich viele, wie man hin und wieder hört!
Bei uns sieht es allerdings nicht besser aus, das Geschwafel der Forderung einer nuklearen Bewaffnung Deutschlands lässt auf mir den Alb des Merz auf der Brust sitzen, der sich bei den zehn Knöpfchendrückern einreiht.
Die Figuren die uns und die USA regieren sind für mich nur Exponenten des kapitalistischen Systems, die als Erfüllungsgehilfen des Kapitals agieren, dabei genauso mittelmäßig agierend, wie das Kapital an sich.
Die infrastrukturell gut oder besser ausgestatteten Staaten können keinen Krieg führen, ohne die Vernichtung eben dieser Infrastruktur zu erleben.
Mann muss also zwingend Friedensordnungen und Sicherheitsarchtekturen auf den Weg bringen und nicht das Gegenteil tun, wie derzeit.
Kurzsichtig aus der Sicht des Kapitals ist es in jedem Fall, der breiten Masse der Bevölkerung kein existenziell sorgenfreies und auskömmliches Leben zu ermöglichen; ganz gewiss wird das vom Autor gut beschriebene Kaspertheater dann irgendwann nicht mehr genügen. Auch die Masse hat einen Bruchpunkt, wenn die Schrauben immer stärker zugedreht werden.
Die Kapitalisten denken aber höchstens bis zum nächsten Quartalsbericht. Langfristige Planung und Vorbereitung würde ja jetzt Geld kosten. Es wird nur auf den kurzfristigen Profit geguckt und nach ihnen die Sintflut. die Manager sind dann oft sowieso schon wieder weitergezogen.
Man könnte vieles vernünftiger organisieren und damit langfristig besser, aber wir haben die kurzfristige Gier als Leitprinzip im Börsenwertewesten. Es kann also nur zu eben dieser Politik wie heute kommen.
Was für ein toller Text, inhaltlich und sprachlich, dem man nur wünschen kann, dass er zigtausendfach im Oberstufenunterricht an Schulen gelesen wird.
Das dürfte zu spät sein. Heutige Oberstuflern ist dieser Text vermutlich schon zu lang und zu kompliziert. In Nordrhein-Westfalen wird jetzt auch noch „Mehrsprachigkeit“ eingeführt. Also dann demnächst Menschen mit 1,0 Abitur, aber sprechen kein deutsch. Dann verstehen sie diesen Text bestimmt nicht mehr. Naja vielleicht kann ihnen dann ein LLM etwas darüber halluzinieren als Zusammenfassung.
https://www.wa.de/nordrhein-westfalen/werden-klassenarbeiten-kuenftig-nicht-nur-auf-deutsch-geschrieben-93930115.html
„Siehe Putin, ein ebenfalls erfolgloser Blitzkrieger.“
Da ist es ja, das ceterum censeo, das die Zensur beruhigen soll.
Bringt aber leider Abstriche mit, die den Text insgesamt ein ganzes Stück nach unten stufen.
Schade!
Oder ist das tatsächlich die Analyse des Autors? Dann hat er bezüglich der russischen Strategie und Taktik sehr wenig verstanden.
Zügigen Schrittes geht ein Mann durch eine Grünanlage. Unvermittelt gibt er sich eine Ohrfeige auf die rechte Wange.
Ein Journalist sieht es und ist ratlos. Warum hat er das getan? Ist der Mann verrückt? Ist ihm plötzlich eingefallen, dass er zuhause etwas vergessen hat? Aber wäre es dann nicht auch verrückt, sich dafür zu züchtigen? Jedenfalls, so folgert der Journalist, ist das „Irresein“ des Mannes offensichtlich.
Der Journalist macht sich viele Gedanken über die Irrationalität moderner Großstadtmenschen und schreibt einen langen Artikel darüber.
Der Mann ist inzwischen im Büro angekommen. Er geht zu einem Spiegel und klebt sich ein Pflaster auf die rechte Wange, dort, wo die Mücke zugestochen hat.
Hier wird wieder der Schauspieler in der Hauptrolle mit dem Drehbuchautor und dem Regisseur verwechselt.
Sehr gut erkannt. Trump spielt die Rolle des großen „Disruptors“. Seine Aufgabe ist die Zerstörung des transatlantischen Imperiums bzw. dessen Reste und dessen imperialen Verflechtungen/ Verpflichtungen.
Erstaunlich wieviele sich immer wieder an Trump abarbeiten und alle stimmen ein. Aber
Seine vielgescholtenen Zölle. Aktuell wird in der EU diskutiert gegen China ebenfalls allgemein hohe Zölle zu machen, neben den Spzial Zöllen auf Sachen wie Autos die wir schon vor 1,5 Jahren gemacht haben, da uns China wirtschaftlich davonläuft, sowohl preislich aber auch technologisch!
Hochtreiben der Militärausgaben. Zusätzlich zu der Erhöhung auf 2% wollen wir die Militärausgaben weiter erhöhen. Man möchte sich zudem mehr an internationalen militärischen Auseinandersetzungen beteiligen.
Beim Iran wurde gesagt Trump macht für uns die Drecksarbeit.
Wenn das alles so „narzisstisch“ ist und „Wie alle sehr alten Leute wankt er“ – wieso machen wir das dann nach?
Dieser Veriss trifft meiner Meinung nicht den Kern.
Aus der Sicht von Kaiser Donald Trump, seiner „family“, seinen „friends“ und „buddies“ ist diese Politik selbstverständlich rational. Wenn ein paar Gangster einen Geldtransporter überfallen und den Fahrer erschießen, weil der das Geld nicht freiwillig rausgibt, dann ist das aus der Sicht der Gangster auch rational.
Die Frage ist doch: Warum lassen sich die anderen acht Milliarden Menschen auf diesem Planeten das gefallen und die allermeisten Staaten bezeichnen sich doch selbst als „demokratisch“ ganz abgesehen von den Vereinigten „demokratischen“ Staaten von Amerika? Das ist doch irrational oder?
Herr Waldrich beschreibt das Sichtbare. Das Warum bleibt ihm unzugänglich.
Trump ist die Symbolfigur, die für den Abriss des transatlantischen Imperiums und dessen Abhängigkeiten und Verflechtungen steht. Mit , historisch gesehen, atemberaubendem Tempo verschieben sich politische Macht, Kapital- und Rohstoffströme von West nach Ost.
Die globalisierte Welt zerfällt in regionale Wirtschaftsblöcke. Während der europäische Pfeiler des transatlantischen Imperiums verzweifelt versucht, die 500jährige Hegemonie des „Westens“ über die Welt zu bewahren, bereitet sich die USA mit den Werkzeugen von gestern auf die „Multipolare Welt“ vor. Dazu kommt noch die systemische Krise des angelsächsisch geprägten globalen Finanzsystems mit der Staatsschuldenkrise…
Gewiss, Trump ist kein Sozialist, und damit ein Vertreter der herrschenden Klasse. Außerdem verstößt er ständig gegen die Guten Sitten, als ob Politik ein Showgeschäft wäre. Und ich stimme auch zu, dass sich im Westen Demokratie in Ochlokratie verwandelt. Das liegt daran, dass der Kapitalismus immer mehr Menschen in verarmten Pöbel verwandelt. Und ich finde es gut, dass sich Overton in ein antifaschistisches Kampfblatt verwandelt. Dass ist notwendig, um die Machtergreifung der AfD zu verhindern. Und die Zensur ist unbedingt erforderlich, um Widerspruch gegen Artikel wie diesen zu verhindern und die Trumpanhänger rauszuwerfen.
Danke Hans-Peter Waldrich für diese mutige Ansprache!
Die Welt benötigt wahre Demokraten wie Sie! Wir benötigen eine Gerechte Gesellschaft, in der alle gleichviel haben, wie sie schon in der Bibel gefordert wird. Wolf und Lamm weiden zusammen / und der Löwe frisst Stroh wie das Rind, / doch der Schlange Nahrung ist der Staub. Man tut nichts Böses / und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg, spricht der HERR. (Jesaja 65,25)
„Ein Hohn ist es deshalb, dass in einem Land, das über so viel Wissen und Expertise verfügt, Politik von beratungsresistenten Anfängern praktiziert wird. Und das in einem Moment, in dem sich die Machtverhältnisse auf dem Globus neu ordnen, während zugleich die Interdependenzen zwischen den Akteuren und Gegebenheiten so eng wie nie zuvor sind.“
Der Autor würde diese Idee niemals formulieren, würde er sich fragen, warum denn eine Figur wie Trump, mit all seinen negativen Eigenschaften, in genau diesem „Moment“ an die Macht kommt.
Wie ist denn dieser „Moment“ entstanden? Antwort: Weil dieses Land, „das über so viel Wissen und Expertise verfügt“, seit Jahrzehnten Politiker wählt, die dieses „Wissen und Expertise“ glauben ignorieren zu können. Ohne diese Politik auf dem ökonomischen und geostrategischen Gebiet ist der heutige Zustand der Welt undenkbar. Deren über Jahrzehnte unter tätiger Mithilfe von thinktanks verübte Politik, hat die USA in einen Zustand versetzt, in dem sie Trump als bessere von zwei schlechten Optionen gewählt hat. Der Niedergang der USA als globale dominante Macht findet schon lange in den Grenzen der USA, in den sozialen und ökonomischen Lebensverhältnissen der Mehrheit eine Entsprechung.
Nicht bloß Trump ist beratungsresistent, auch die US-Demokraten waren und sind es. Des gleichen ihre europäischen Verbündeten. Im großen weltweiten Irrenhaus ist Trump nicht allein, zumindest im Westen sind da noch viel mehr irrationale Menschen an der Macht.