
Ein maligner Narzisst mit psychotischem Einschlag steuert den Kurs der Welt. Was wird er tun, wenn ihm klar wird, dass alles verloren ist? Atombomben werfen?
Zunächst zur Lage: Den Irankrieg hat er verloren und zwar total. Nicht eines der abwechselnd vorgebrachten Kriegsziele hat er erreicht. Die USA sind nicht „great again“, sondern als Weltmacht geschrumpft. Die Welt ordnet sich neu, jetzt ohne die USA. Und wer will noch mit den USA Verträge schließen, weiß man doch, dass sich dieses Land an keine Abmachungen hält und außerdem das Völkerrecht bekämpft?
Innenpolitisch die gleiche Bilanz: Trumps Anhänger rekrutieren sich – kennzeichnend für den Rechtspopulismus – verbreitet aus den Unterprivilegierten. Doch gerade diese zahlen nun die Zeche: durch Steuermäßigungen für die Reichen, Kürzungen von Sozialleistungen bei den Armen, durch steigende Preise, unbezahlbares Benzin, aber vor allem auch über die enormen Steuermittel, die sinnlose Kriege verschlingen. Und nach wie vor hausen Massen von Amerikanern in Zelten und Pappkartons auf den Gehsteigen der großen Städte. Was daran gewaltig und „großartig“ sein soll, weiß nur Trump.
Nun stellt sich die Frage: Was kommt danach? Was kommt, wenn Trump selbst oder seine Anhänger mit der Realität konfrontiert werden? Muss Trump zugeben, dass alles ein Wählerbetrug, eine billige Show war? Jedenfalls fällt jetzt der Vorhang.
Basiswissen in politischer Psychologie
Aus der Beobachterperspektive ist das alles sehr spannend. Es ist, als würden wir an einer Lehrveranstaltung zum Thema „politische Psychologie“ teilnehmen. Wie in didaktischer Vereinfachung wird uns demonstriert, was geschehen muss, wenn sich ein Land eine Führungsfigur auswählt, die nicht nur – wie sonst die Regel – einigermaßen mittelmäßig ist, sondern geradezu unterirdisch ungeeignet.
Vorgeführt wird uns zunächst das Basiswissen einer Psychologie des Politischen: Die Politik ist ein Karrierefeld, das Narzissten anlockt. Wer nimmt schon so viel Anstrengung und dauernden Ärger auf sich, wenn er sich nicht etwas zu beweisen hat? Im Übrigen braucht man als Zugang keine Ausbildung und kann trotzdem reich werden. „Ganz oben“ befinden sich fast ausschließlich Menschen, die man getrost als gestört bezeichnen kann. Was Trump angeht, so liegt unterdessen eine Vielzahl von psychiatrischen Einschätzungen vor, die sich in einem Punkt völlig decken: Trump ist ein „maligner“, also ein bösartiger Narzisst, ein ungebremster Egomane. Keiner also, bei dem noch eine gewisse Distanz gegenüber seiner eigenen Störung erwartet werde kann, sondern einer, der sich ehern in den Klauen seiner seelischen Verwerfungen befindet.
Narzissmus als Massenphänomen
Dennoch ist Trump ein Repräsentant. Er repräsentiert den Narzissmus als Massenphänomen. Der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter sprach vom „Gotteskomplex“, der unsere gesamte Kultur befallen habe. Als Friedrich Nietzsche gegen Ende des 19. Jahrhunderts den „Tod Gottes“ verkündete, war die Menschheit längst dabei, selbst die Rolle Gottes zu übernehmen. Seitdem (man befasse sich etwa mit den so genannten Transhumanisten) kann der Mensch alles, angeblich sogar den Tod abschaffen. Und so versichert Trump zur Freude seiner Anhänger: „Ich bin Gott! Wer mir nachfolgt, erwirbt ungeahnte Großartigkeit.“ Dumm nur, dass nun der Absturz droht.
Das alles hat natürlich nichts mit Demokratie zu tun. Der Psychoanalytiker Donald Winnicott wies einmal darauf hin, dass eine demokratische Gesellschaft seelische Reife benötige, um zu funktionieren. Tatsächlich fragt es sich, wie viele Narzissten, Illusionisten und Psychopathen eine Demokratie verträgt. Toleranz etwa ist eine Qualität, die auf dem Wissen um die eigenen Grenzen beruht. Vor allem auch darauf, dass vieles, was man bei Gegnern bekämpft, zugleich Teil des eigenen Inneren sein kann. Und die Projektion nach außen, auf Feinde, hoch problematisch ist.
Furcht vor der Ohnmacht
Doch genau das ist die Unfähigkeit des Ich-Besessenen, speziell desjenigen der schlimmeren Art: Er ist nicht in der Lage, einen Blick in sein eigenes Inneres zu werfen. Denn dort könnte er auf beängstigende Tatsachen stoßen. Vor allem auf die typisch narzisstische Furcht vor der Ohnmacht. In seiner frühen Vergangenheit hat der Narzisst etwas erlebt, dem er sich nie mehr aussetzen möchte. Es sind Erfahrungen der Demütigung und der Zurücksetzung, die unter Umständen als Trauma in die Seele eingebrannt sind. Dringen diese ins Bewusstsein vor, können sie sich wie Vernichtungsdrohungen anfühlen. Im psychischen Untergrund solcher Menschen lauert eine Mischung aus Todesfurcht, Minderwertigkeitsgefühlen und unbändigem Zorn.
So gesehen kämpft der Narzisst, abhängig von der Stärke seiner Störung, ums psychische Überleben. Würde ein Narzisst wie Trump (kein wahrscheinlicher Fall) seine Störung durchschauen, würde er sie vielleicht so auf den Nenner bringen: „Damit ich der Vernichtung entgehe, muss jede Erinnerung an die frühe Ohnmacht ausgelöscht bleiben. Das funktioniert nur, wenn ich allmächtig werde oder mir so vorkomme. Ich muss immer der Größte sein, der allen anderen überlegen ist.“ Narzissmus ist also eine Kompensationsstrategie, ohne dass es dem Narzissten auch nur ansatzweise bewusst ist.
Mit der Trauer in Kontakt kommen
Was würde in einer Psychotherapie passieren, falls ein maligner Narzisst überhaupt einmal den Weg dorthin findet? Der Tiefenpsychologe und Psychotherapeut Alexander Lowen sagte es so: „Mein erster Schritt bei allen narzisstischen Patienten ist der, ihnen zu helfen, mit ihrer Trauer in Kontakt zu kommen.“ Denn: Narzissten „dürfen es nicht zulassen, ihre Furcht, ihren Schmerz oder ihre Traurigkeit zu fühlen.“ Sobald sich das Vernichtungsgefühl meldet, setzt ein „struggle for survival“ ein, eine biologisch programmierte Reaktion: Kampf gegen die innere Wahrheit oder Untergang!
Wer solche Probleme nicht oder in weit geringerem Maße hat, mag sich wundern. Aber die Abwehr, sich mit den versteckten Tatsachen des eigenen Seelenlebens auseinanderzusetzen, kann ungeheuer stark sein. Kann man sich einen Donald Trump vorstellen, wie er während einer Psychotherapie bitterlich weint? Vielleicht in Erinnerung an seinen brutalen Vater, der übrigens schließlich dement wurde? Bevor Trump über sich selbst zu weinen anfängt, wird er zweifellos lieber einen neuen Krieg beginnen.
Ausblendung der Realität des Lebens
Doch noch etwas anderes wird abgewehrt: die Einsicht in die Realität des Lebens überhaupt. Ist Leben doch grundsätzlich mit der Erfahrung von Scheitern verbunden. Niemand hat wirklich gelebt, ohne Phasen der Ohnmacht oder der Verzweiflung durchlaufen zu haben. Und dabei endet alles auch noch in der totalen Niederlage. Zu guter Letzt gehen alle in die Waagerechte, werden schwach und schwächer und geben den Geist auf.
So gesehen gleicht das Leben einer griechischen Tragödie. Viele kämpfen heldenhaft gegen das Schicksal, aber alle werden schließlich niedergestreckt und müssen aufgeben. Jener Pfeil, der nach alter Vorstellung zum Zeitpunkt unserer Geburt auf uns abgeschossen wurde, trifft irgendwann garantiert, und darauf folgt der Zusammenbruch. Man muss Solches nicht als endgültiges Scheitern deuten. Es mag auch sein, dass hinter dieser Tragik im menschlichen Leben eine tiefere Wahrheit steckt, die quer zur Tragik steht. Aber das würde uns in die Philosophie führen …
Der Narzisst, speziell der maligne, weiß von alledem nichts. Sowohl seelisch, wie auch auf die Grundtatsachen des Lebens bezogen, bleibt er Analphabet. Ihn trennt eine Betonwand von allem, was er als Herabsetzung betrachten würde. Denn er ist allen menschlichen Verwerfungen enthoben. Frei von Leid und Niederlagen und voll unbändiger Kraft ist er unanfechtbar stets der Überlegene.
Die Hybris der Herrscher
Natürlich ist das, trotz moderner Besonderheiten, kein neues Problem. In alten Zeiten wurde es als Hybris bezeichnet: eine Überheblichkeit, die den Sterblichen nicht zukommt. Vor allem bei Herrschern – das wusste man stets – lauert hinter der Hybris der jähe Absturz, eingeholt von der Realität, von der sie glaubten, sie hätten sie im Griff. Hitler endete im Suizid. Stalin lag an einer Gehirnblutung sterbend auf den Boden seines Arbeitszimmers, doch Hilfe wurde extrem verzögert, weil alle sich fürchteten, der Allmächtige könne auch im Tod noch gefährlich werden.
Hybris hat auch eine lächerliche Seite. Trump wird zusehends von Alterserscheinungen geplagt. Trump ist ein Greis. Erste Anzeichen von Senilität sind offensichtlich. Wenn er dennoch mit der Miene des überlegenen Imperators – wie neulich vor der UNO-Generalversammlung – sich selbst feiert, mögen viele innerlich abwinken und sich ihren Teil denken. Denn dieser alte Kerl hat zu deutlich einen Schatten. Jedenfalls verfügt er nicht über eine Qualität, die Spitzenpolitiker am dringendsten bräuchten, nämlich über Weisheit.
Die Flucht in die Allmacht
Unter diesem Aspekt könnten die fraglichen Reaktionsweisen auch als Flucht beschrieben werden. Es handelt sich um eine Flucht aus der narzisstischen Ohnmacht in die narzisstische Omnipotenz. Immer liegt eine hoch problematische Kindheit zugrunde. Frühe Gewalterfahrungen sind die Regel. Der Psychoanalytiker Hans-Jürgen Wirth sagt es so: „Wer Macht sucht, ohne über die Fähigkeit und den Willen zu verfügen, Ohnmacht und Abhängigkeit aushalten zu können, benutzt Macht kompensatorisch, um seine narzisstische Störung auszugleichen.“
Solchen „Politikern“ geht es nicht um Politik, sondern um Wiedergutmachung. Wenn der rote Teppich ausgerollt wird, Leibwächter Körperschutz bieten, Soldaten Spalier stehen, die Nationalhymne dröhnt und das alles zu Ehren des Narzissten – wer würde dann nicht in Ehrfurcht vor sich selbst erblassen und alle vergangenen Demütigungen vergessen? Kurz: Macht wird zur Droge, die süchtig macht. Es hat ein Sprung stattgefunden: Aus einem einst geprügelten Kind wurde ein gefeierter Weltbeherrscher. Ein kleiner Donald hat sich eine glitzernde Rüstung zugelegt, an der alle Ohnmachtsgefühle abprallen.
Doch nicht nur das: Macht liefert auch psychologische Waffen. Die können gegen andere gerichtet werden, damit eine Umkehrung stattfindet: Jetzt leidet nicht mehr das geprügelte Kind. Umgekehrt: Jetzt leiden die anderen. Gewalt, die man selbst erlebt hat, von der man aber nichts wissen darf, sie wird nun weitergereicht. Daher stammt die sadistische Neigung der Ich-Besessenen, auch als „narzisstische Rache“ bezeichnet, eine Lust an der Zerstörung anderer und überhaupt von allem, was noch nicht zerstört ist. Ich habe bisher noch keine Maßnahme Trumps beobachtet, die nicht zerstörerisch war. Es wird Jahrzehnte dauern, bis die Schäden ausgeglichen sind, die dieser Präsident angerichtet hat.
Den Höhenflug auf Dauer stellen
Bleibt nur noch die Notwendigkeit, solch rachsüchtigen Höhenflug auf Permanenz zu stellen. Und hier greifen die Vorteile einer Beschäftigung in der Politik, die dem „einfachen“ Narzissten nicht zur Verfügung stehen. Während dieser sich bei allzu großem Leidensdruck eventuell geschlagen geben muss und eine Psychotherapie aufsucht, hat der Narzisst in der Politik solche Hilfsmaßnahmen nicht nötig. Abhängig von der Größe seiner Macht kann er sich seine Welt so einrichten, dass sie seine Abwehr jeder Selbsteinsicht unterstützt. So erspart er sich den Leidensdruck, aber auch die persönliche Reifung.
Das heißt auch, er verlagert seine Störungen ins Außen. Seine Umgebung benutzt er als Resonanzraum, der ihm zu bestätigen hat, dass er einfach genial ist. Wer – etwa als Mitglied von Trumps Kabinetts – würde ihm widersprechen, wenn er damit seine Karriere gefährdet? Sind doch die von Trump ausgewählten Jasager alles Co-Narzissten, die vergleichbare Probleme haben.
Besonders deutlich ist das bei Pete Hegseth, dem Minister, dem „Verteidigung“ zu harmlos klang, und der sich daher als „Kriegsminister“ adeln ließ. Vor chauvinistischer Superpotenz platzt er geradezu. Ein Soldat ohne ausreichend Testosteron, so meint er, ohne „Eier“ also, kommt für die geplanten Tötungsaktionen nicht in Betracht. Schwuchteln, jedenfalls Männer, die eigentlich Frauen sind oder die sonstwie biologisch daneben liegen, fehlt jene Härte, ohne die Schwächeanwandlungen nicht erfolgreich verleugnet werden können. Das ist eigentlich SS-Mentalität.
Sagen wir es so: Die gesamte Führungsriege der USA befindet sich auf einer Art Trip. Und tatsächlich kann der Zustand, in dem sich diese Clique befindet, mit der Wirkung von Kokain oder von Amphetaminen verglichen werden. Ohne durch Zweifel oder durch Zögerlichkeiten angekränkelt zu sein, genießen sie sich selbst als Macher, denen absolut alles gelingt. Im siebten Himmel rauschhafter Ich-Besessenheit hören sich auch die schrillsten Wahnideen ihrer Galionsfigur wie Erleuchtungen an. Hängt die eigene Karriere davon ab, dass man keine Einwände vorbringt, ist leicht erklärlich, dass Entscheidungen gefällt werden, die kaum mehr etwas mit der Wirklichkeit zu tun haben.
Kindische Fantasien
Dass mindestens Trump sich im Höhenrausch befindet, zeigt sich deutlich an seinen Fantasien. Er generiert sie mit KI und gibt sie bezeichnenderweise ganz ohne Scham der Öffentlichkeit preis. Trump als Papst, Trump als Jesus, Trump als Supermann. Er hat keine Ahnung, dass diese Bildchen auf viele nur lächerlich wirken. Und auch das ein Merkmal des malignen Narzissmus: Solchen Menschen gelingt es oft nicht, sich vorzustellen, was im Kopf anderer vorgeht. Sie kennen lediglich zwei Möglichkeiten: entweder jemand bewundert sie unbändig oder er ist ein Vollidiot.
Wenn Trump nachts nicht schlafen kann (die Zeitpunkte seiner Postings zeigen es), verwandelt er sich in einen Jugendlichen, der schlimmste Selbstwertzweifel hat. KI weigert sich ja nicht, wenn der Präsident der Vereinigen Staaten einen absolut lächerlichen Prompt eingibt „Male mir ein Bild, auf dem ich der Herrscher der Welt bin!“ Ob sich Trump angesichts solcher Bildchen an sich selbst erregt, wäre interessant zu wissen. Er mag sich ja auch ungeheuer schön vorkommen, das Altwerden ignoriert er sowieso.
Natürlich erzeugt Trumps psychische Erkrankung eine chaotische und irrationale Politik. Diese beruht ausschließlich auf seiner eigenen Befindlichkeit als wandelnde Superlative und muss seine diffusen inneren Zustände abstützen. Bezirzt von Netanjahu (einem ähnlich gestrickten Menschen) mag er das Iranproblem als einen Klacks betrachtet haben: „Ich bin Gott und bombe mal eben die Mullahs in die Kapitulation.“ Bezeichnend ist, dass ihn dabei weder die Generalität noch der Kongress stoppten, schon gar nicht sein „Kriegsminister“. Denn irgendjemand musste doch wissen, dass noch nie ein Machtwechsel irgendwo alleine durch Luftangriffe erzwungen werde konnte und selbstverständlich die Iraner die Straße von Hormus sperren würden. Aber, wie gesagt: Trump duldet niemanden, der ihn mit Realitäten konfrontiert, Überbringer unliebsamer Botschaften werden abgehalftert.
Die große Frage: was wird Trump als Nächstes tun?
Auf diese Weise steht die ganze Welt jetzt vor einer letzten Frage: Was wird passieren, wenn Trump von der „narzisstischen Wut“ gepackt wird? Niederlagen und Demütigung sind das Entsetzlichste, was malignen Narzissten zustoßen kann. Können sie dem nicht ausweichen, folgt die seelische Katastrophe. Jetzt bricht die im Unbewussten lauernde Ohnmacht als göttlicher Zorn herein. „Ohnmächtig“ ist diese Wut und hat doch zugleich die Energie eines Vulkanausbruchs. Zeus schleudert Blitze und offenbart seine Macht im Negativen. Hitler befand sich in dieser Lage und gab 1945 den „Nero-Befehl“: ganz Deutschland soll vernichtet werden!
Was wird Trump tun? Sobald bei ihm ankommt, dass der Irankrieg verloren ist, sich durch ihn die USA im Abstieg befinden, die Midterms an die Demokraten gehen? Wie man hört, wird in den USA kräftig aufgerüstet, nachdem ein Mangel an militärischen Mordwerkzeugen eingetreten ist. Aber werden bei erneuten Luftangriffen die iranischen Teufel in die Knie gehen? Was, wenn Trump die Kunde erreicht, dass alles schon wieder vergeblich war und nun wieder große Mengen an Tötungsgerät fehlen? Bodentruppen? Mag sein, dass auch dieses aussichtslose Unterfangen erst einmal durchexerziert werden muss. Vielleicht sucht Trump nach der Gelegenheit, an den Särgen der Gefallenen GI’s Krokodilstränen zu vergießen.
Als Alternative bietet sich eine bislang bewährte Methode an: alles schönreden. Trump könnte verkünden: „Ich habe den größten Sieg in der Weltgeschichte erfochten. Napoleon war ein Wicht im Vergleich zu mir!“ (Was voraussetzt, dass er von Napoleon gehört hat.) Als Prototyp des kapitalistischen Geschäftsmanns könnte er also zu Marketingmethoden greifen. Schrott liefern, aber auf Tricks und Täuschung setzen. Oft genug wiederholt, werden ja auch Lügen zur Wahrheit. Nur: Wird das auch jene überzeugen, die empört auf die steigenden Spritpreise starren? Der „Sieg“ in Vorderasien ist dann doch zu weit weg.
2016 schrieb die renommierte Psychiaterin und Harvard-Professorin Judith Lewis Herman einen Brief an den damals noch regierenden Barak Obama. Sie drang darauf, dass Trump einer neuropsychiatrischen Untersuchung unterzogen werde, bevor er sein Amt antrete. Der Titel eines Berichts über dieses Ereignis, verfasst von zwei der psychiatrischen Mitunterzeichner des Briefs an Obama, lautete bezeichnend: „Er hat die Welt in Händen und den Finger am Atomknopf.“
Und hier lauert die Gefahr: Donald Trump gehört zu jenen neun Personen (die Regierungschefs der Atommächte), die weltweit alleine darüber entscheiden, ob es zu einem Einsatz von Atomwaffen kommt oder vorläufig nicht. Die Zukunft der Menschheit liegt fast unkontrolliert in ihrer Hand.
Wird Trump also zur Atombombe greifen? Seine mehrfache Ankündigung, die iranische Kultur auszulöschen und auf immer zu beseitigen, zeigt, dass solche Fantasien in ihm bohren. Atom- und Wasserstoffbomben sind Auslöschungsbomben, die auch bei nur begrenzter Verwendung unsere Zivilisation global beenden könnten.
Ist Trump jener historischer Superlativ, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann (das ungefähr ist die Formel des so genannten ontologischen Gottesbeweises), dann liegt es nahe, dass er zu dieser Waffen greift. Auch die Atomwaffe ist ein Superlativ, über das hinaus nichts Schrecklicheres gedacht werden kann. Gott hat die Welt erschaffen und Trump macht das wieder rückgängig. Wird Trump zum apokalyptischen Amokläufer?
Sofern wir diese Krise aber doch überleben, täte gewiss zweierlei Not: nämlich, dass wir uns damit auseinandersetzen, was eigentlich „Demokratie“ ist. Denn das US-System – lange von unseren Transatlantikern vasallenhaft gefeiert – ist und war (!) offenbar niemals eine Demokratie. Und zweitens: dass wir unsere gedankenlose Blindheit gegenüber der Atombewaffnung revidieren. Dass wir sie möglichst weit von der Macht entfernen, wie es etwa der Atomwaffenverbotsvertrag der UNO vorsieht, den unterdessen 99 Staaten unterzeichnet haben oder ihm beigetreten sind, die USA, aber auch Deutschland nicht.
Atomwaffen sind bereit liegende Spielzeuge, mit denen infantil gebliebene Realitätsverweigerer ihre Wut abreagieren können. Hier verbindet sich der Extremismus des durchgeknallten Narzissmus mit dem Extremismus von Waffen, die militärisch sinnlos sind, aber mit dem Völkermord drohen. Ist unsere narzisstische Kultur auf den erweiterten kollektiven Suizid aus? Ich hoffe auf die Gegenkräfte.
U. a. benutzte Quellen
Arno Gruen: Der Fremde in uns. Stuttgart 2000.
David Cay Johnston: Die Akte Trump, Wals bei Salzburg 2016.
Bandy X. Lee (Hg.): Wie gefährlich ist Donald Trump? 27 Stellungnahmen aus Psychiatrie und Psychologie, Gießen 2018.
Christopher Lasch: Zeitalter des Narzissmus, Hamburg 1995.
Alexander Lowen: Narzissmus. Die Verleugnung des wahren Selbst, München 1984.
Hans-Joachim Maaz: Die narzisstische Gesellschaft. Ein Psychogramm, 3. Aufl. München 2015.
Horst-Eberhard Richter: Der Gotteskomplex. Die Geburt und die Krise des Glaubens an die Allmacht des Menschen, Reinbek 1992.
Hans-Jürgen Wirth: Narzissmus und Macht. Zur Psychoanalyse seelischer Störungen in der Politik, Gießen 2002.
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Eine interessante Frage, was ein „gesunder“ Mensch eigentlich ausrichten kann (und will).
Wahrscheinlich hätte er keine Lust Politik zu betreiben, sondern würde sich mit seinem eigenen Leben beschäftigen.
Also braucht die Welt die „Kaputten“.
Nur die Headline gelesen: Also, mir reicht es wirklich mit den »A T O M B O M B E N«!
Ich werde es erfahren, wenn es soweit sein sollte, das ist hinreichend…