Sind die Israelis „War Junkies“?

Israeli Air Force F-16I Sufa fighter jets, Operation Roaring Lion 2026
 / IDF Spokesperson’s Unit

Der Konflikt zwischen Israel, den USA und dem Iran trägt das Potenzial für eine globale Eskalation in sich. Politische Fehlentscheidungen, Machtstreben und ignorierte Warnungen könnten eine Kettenreaktion auslösen, deren Folgen weit über den Nahen Osten hinausgehen.

Der Krieg Israels und der USA gegen den Iran birgt in sich das Potential für einen Weltkrieg. Der erste Weltkrieg war ähnlich aus absurden und banalen Vorstellungen heraus begonnen worden. Der Weltkrieg II wurde durch einen krankhaften Politiker losgetreten worden. Dieser hatte geglaubt, Polen sei binnen dreier Tage von seiner Wehrmacht zu überrennen. Er hatte sich nicht vorstellen können, dass  Frankreich und Großbritannien es wagen würden den militärisch unterlegenen Polen zur Hilfe zu kommen. Größenwahn, Hybris, Selbstüberschätzung  und Dummheit sind die Elemente, die die Welt an den Rand zum Abgrund bringen. Gestern wie auch heute.

Alle bekannten und anerkannten Militärexperten hatten die amerikanischen Präsidenten, die vor Donald Trump amtierten, davor gewarnt den Iran anzugreifen. Trump dürfte davon gewusst haben, aber er hörte lieber auf den größenwahn- und leichtsinnigen Amtskollegen in Jerusalem.

Trump hatte drei Optionen: den Konflikt zu beenden, ihn eskalieren lassen oder einen Scheinabkommen erzielen. Er wählte die dritte Option. Es scheint, als hätten die USA und Israel den Weg verloren. Im Zwölftagekrieg hieß es, die Atomanlage in Natanz sei zerstört worden. Benjamin Netanjahu und Donald Trump behaupteten, der Iran habe versucht, sein Atomprogramm wiederaufzunehmen. Diese Behauptung widersprach der Aussage des Chefs der amerikanischen Geheimdienste, wonach seit dem Zwölftagekrieg keine Versuche zur Wiederaufnahme des Atomprogramms festgestellt wurden.

Israel war tief beunruhigt über die wachsende Bedrohung

Die bisherigen Ergebnisse des Krieges sind nicht ermutigend: Das Regime ist im Amt, für die 440 Kilogramm angereichertes Uran wurde noch keine Lösung gefunden, und das Raketenprogramm ist zumindest teilweise aktiv. Die Situation wird nur komplizierter, wenn wir eine weitere offene Frage betrachten –– die libanesische Front.

Andererseits ist Israels Ansehen in den Vereinigten Staaten erheblich beschädigt worden, und es wird erwartet, dass Israel beschuldigt wird, Präsident Donald Trump in einen unnötigen Krieg hineingezogen zu haben. Die israelische Heimatfront hat erhebliche Schäden erlitten, und im Norden befindet sich Israel in einem militärischen Chaos mit der Hisbollah, was die Sicherheit der Bewohner des Nordens und den Wiederaufbau Galiläas bedroht.

Der Krieg mit dem Iran war nicht ohne Rechtfertigung. Israel war tief beunruhigt über die wachsende Bedrohung durch ballistische Raketen und UAVs, die die Iraner nach dem zwölftägigen Krieg im Juni 2025 wieder in großen Mengen produzierten. Das Regime selbst stellte eine klare und anhaltende Gefahr für Israel, Irans Nachbarn am Golf und amerikanische Interessen in der Region dar. Trump und Netanjahu hatten offenbar den Eindruck, dass ein externer Vorstoß die Proteste neu entfachen und eine vernünftige Chance auf einen Sturz des Regimes schaffen würde.

Doch hier sind viele der Schwächen, die die derzeitige US-Regierung mit dem israelischen System unter Netanjahu teilt: die Tendenz, auf Grundlage unbegründeter Wünsche, oberflächlicher und unausgereifter Pläne, Experten zu ignorieren oder aggressive Durchsetzungsmaßnahmen einzusetzen, um ihre Positionen an ihren Wünschen anzupassen. Zu einem günstigen Zeitpunkt, wenige Stunden bevor der Waffenstillstand in Kraft trat, veröffentlichte die New York Times eine detaillierte Untersuchung des Entscheidungsprozesses, der dem Krieg vorausging. Die Autoren der Untersuchung stützten sich auf umfangreiche Leaks aus Trumps innerem Kreis bis hin zum genauen Standort des Treffens der Teilnehmer am Tisch. Der Wendepunkt, so sagen sie, erfolgte am 11. Februar, als Netanjahu das Weiße Haus zum letzten Mal besuchte.

Der Premierminister legte dem Präsidenten einen Aktionsplan im Iran vor, während Mossad-Chef David Barnea und hochrangige IDF-Beamte aus der Ferne an einer Diskussion im Situation Room von Trump auf Bildschirmen teilnahmen. Die Israelis sprachen von einem nahezu sicheren Sieg: Das ballistische Raketenprogramm würde innerhalb weniger Tage zerstört werden, das schwache Regime könne die Straße von Hormus nicht schließen, während der Schaden für amerikanische Interessen in den Golfstaaten minimal wäre. Netanjahu spielte sogar mit Nachfolgeszenarien und stellte Trump Reza Pahlavi, den Sohn des Schahs, als möglichen zukünftigen Herrscher Irans vor. Der CIA-Chef bezeichnete israelische Vorschläge für einen Regimewechsel als „lächerlich“, und der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs bemerkte, dass „Israelis immer übertreiben.“

Der Iran ist an dieser Auseinandersetzung gewachsen und gefährlicher geworden

Die Untersuchung der Times ist faszinierend. Dies könnte der härteste Schlag sein, den Israels Ansehen in Washington seit der Jonathan-Pollard-Affäre* vor vier Jahrzehnten erlitten hat. Dennoch nimmt die Beliebtheit des Krieges und des Präsidenten in den Augen der amerikanischen Öffentlichkeit ab. Der radikale Kern der Trump-Anhänger, die MAGA-Mitglieder, hat teilweise einen Misstrauen gegenüber Netanyahus Motiven im Krieg entwickelt.

Es ist möglich, dass Netanjahu sogar Gründe hat, die Fortsetzung seiner Beziehung zu Trump zu fürchten. Bis heute hat der Präsident große Zuneigung zu ihm gezeigt und ihn in fast jeder Kontroverse und jeder Wendung unterstützt. Aber Trump verliert nicht gern, und er gesteht seine Niederlagen ganz sicher nicht gern zu. Wenn die Kampagne im Iran in den Vereinigten Staaten als Fehlschlag dargestellt wird, wird er jemanden suchen, dem er die Schuld geben kann. Auch Netanjahu sucht bereits nach einer Adresse, um die Verantwortung zu verlagern, wie er es nach dem Massaker am 7. Oktober tat. Die häufigen Anschuldigungen in seinen Propagandakanälen gegen den Generalstabschef Eyal Zamir (und die seltenen Andeutungen gegen den Mossad-Chef) bereiten bereits die Grundlage für die Zukunft, falls der Krieg ohne weitere Erfolge beendet wird. Israelische Zeitungen schreiben jetzt, dass Netanjahus Versagen im Iran-Krieg höher abzustufen sei als sein Versagen im Kampf gegen die Hamas in Gaza.

Der Iran ist an dieser Auseinandersetzung gewachsen und gefährlicher geworden. Gefährlicher für den Westen, gefährlicher für Israel und gefährlicher für seine eigene Bevölkerung. Es hat sich vor allem gezeigt, dass iranische Raketen, Bomben und Drohnen Israel erreichen und dort Zerstörung und Tod verursachen können. Selbst Tel Aviv war nicht ausreichend geschützt, trotz des Iron Dom. Israel und die USA  waren geblendet und leichtsinnig. Man meinte, das Regime im Iran durch ein anderes austauschen zu können. So gesehen hat sich der Iran gehalten und kann sich als bisheriger Sieger dieses Waffengangs und der ausgehandelten Waffenruhe verstehen. Politisch gilt die Formel: Wenn sich Israel und die USA in ihren Zielen nicht durchgesetzt haben, dann haben sie verloren und wenn der Iran nicht verloren hat, dann hat er eben gesiegt. Außerdem hat der Iran die Meerenge von Hormus im Würgegriff und hat die ganze Welt in Haftung für die USA und Israel genommen. Am Ende der Kampfhandlung stand der Iran ziemlich zerrupft da, aber fester als vor dem Krieg. Die USA könnten in den Verhandlungen, ihr Ziel, die Meerenge freizubekommen noch erreichen, aber vor dem Krieg war die Meerenge kein Thema. Wenn Trump und Netanjahu Geduld gehabt hätten und wenn sie dem Iran keine unerfüllbaren Forderungen gestellt hätten, wären uns dieser absurde und unnötige Konflikt und die zahllosen Opfer erspart geblieben.

Aber selbst, wenn es stimmt, was Trump sagt, auch wenn es mehr Gründe gibt zu glauben, dass seine Statements nicht stimmen, selbst dann hat der Iran heute eine bessere Position als vor dem Krieg. Immerhin haben Trump und Netanjahu den Iran auf die Möglichkeit gebracht, für die Durchfahrt in Hormus Geld zu verlangen. Angeblich sollen es 2 Millionen Dollar für jeden Tanker sein. Täglich passieren dutzende Tanker die Meerenge. Das verspricht unvorstellbare Einnahmen für den Iran, mit denen er seinen Wiederaufbau finanzieren kann. Selenskyj ist vermutlich blass vor Neid, dass er ein solches Instrument nicht hat.

Militärische Stärke reicht offensichtlich nicht immer aus. Auch politische Klugheit und Weitblick ist von Nöten. Im konkreten Fall hätte es genügt, die Landkarte der Region zu studieren. Benjamin Netanjahu hat sie gekannt, aber Donald Trump eher nicht. Offensichtlich hat er auch nicht auf seine Berater hören wollen, die die Landkarte kannten. Er hat sich von Netanjahu in einen Krieg drängen lassen, den er nicht wirklich wollte . Entgegen seinen Versprechen an seine Wähler, keine neuen Kriege zu führen,  vertraute er seinem „Freund“ Netanjahu, dass es ein kurzer Krieg mit Hilfe der israelischen Luftwaffe werden würde. Es wurde bis jetzt bereits ein längerer Krieg; und inzwischen drohte eine Wiederholung des Vietnamtraumas oder gar ein vergleichbares Verhängnis, in das Putin in der Ukraine geraten ist.

Ohne die Milliarden aus den USA hätte Israel die Kriege nicht durchführen können

Trumps Drohung, die iranische Zivilisation zu vernichten, die eine der ältesten Zivilisationen unseres Planeten ist –  (immerhin 5000 Jahre im Vergleich zur amerikanischen Zivilisation, die nur 250 Jahre alt ist) –  ließ die ganze Welt den Atem anhalten. Alle wissen, dass Israel für diesen Bumerang verantwortlich ist. Deshalb kann man auch kaum davon ausgehen, dass die Welt Israel diesen Faux-Pas verzeihen wird. Israel setzt dem Libanon weiter hart zu und bombardiert, zerstört und tötet kaum noch zählbare Menschen. Der Iran weigert sich in Hinblick auf das Geschehen im Libanon durchaus zu Recht, die skizzierte Waffenstillstand-Vereinbarung zu erfüllen.

Unsere ältere Generation kann nur dankbar sein, dass sie seit Ende des Zweiten Weltkrieges am Rande begrenzter Konflikte 80 Jahre Frieden hatte. Ihr war bewusst, dass dieser Frieden und die damit verbundene Sicherheit vorüber sind und vielleicht nicht mehr wiederkommen werden. Man darf aber nicht vergessen, dass dieser Frieden nur unser Kontinent Europa betrifft. Israel und seine Nachbarn haben in diesen 80 Jahren immerhin mehr als 6 Kriege geführt. (1948,1956,1967,1982, 2008, 2023-25). Der letzte Krieg war der längste und grausamste mit der höchsten Zahl von Opfern, und es war am Ende doch nicht der letzte Krieg, von den unzähligen Vergeltungsattentaten ganz zu schweigen. Im April 2026 brach ein neuer Krieg aus, diesmal gegen den Iran. Und dieser Krieg ist, während ich diese Zeilen schreibe, für Israel noch nicht beendet, auch wenn die USA sich schon vorübergehend zurückgezogen hat.

Es ist für die meisten Menschen in Deutschland und Mitteleuropa nicht zu begreifen, wie eine Nation im 21. Jahrhundert noch einen fast 100-jährigen Krieg führen kann. Allerdings wissen wir, dass Israel das nur deshalb kann, weil es von den USA, England, Frankreich und Deutschland unterstützt wurde und wird. Ohne die Milliarden aus den USA, die seit über siebzig Jahren nach Israel fließen, hätte Israel die Kriege nicht durchführen können. Israel führt einen Stellvertreter-Krieg im Auftrag des demokratischen Westens, der schon immer daran interessiert war, den Nahen-Osten aus verschiedenen Gründen zu dominieren. Alle haben sie ihre Gründe. Und Israel spielt  den aggressiven dummen Terrier für sie alle. Natürlich hat Israel auch eigene Interessen. Aber es wäre für den Staat Israel besser gewesen, man hätte versucht sich friedlich mit den Nachbarn zu einigen und nicht immer mit Gewalt und Demütigung. Gewalt erzeugt nur wieder Gewalt. Das haben wir doch in der Schule schon gelernt. Jetzt muss man den Eindruck gewinnen, dass Netanjahu die Friedensbemühungen mit dem Iran torpedieren möchte. Manche vermuten, dass er das allein aus persönlichen Gründen macht, weil er Angst hat bei einem nachhaltigen Frieden seine Macht zu verlieren und im Gefängnis zu landen. Man kann aber davon ausgehen, dass auch für den Fall, dass er verliert, Netanjahu schon gesorgt hat.

Israel hat sich seit 1967 enorm entwickelt, hat es aber versäumt, die Palästinenser analog von der Entwicklung profitieren zu lassen, besonders was Menschenrechte und persönliche Freiheit betrifft. Man hätte z.B. eine Autobahn zwischen Gaza und der Westbank anlegen können, was ja ursprünglich auch geplant war und dadurch auch die Menschen in Gaza am Fortschrift teilhaben lassen. Stattdessen hat man sie in einem OpenAir  Gefängnis eingesperrt und ist davon ausgegangen, dass es reicht den Konflikt zu verwalten, ohne es zu lösen. Das hat nicht funktioniert und es wird auch in Zukunft nicht funktionieren.

Konflikte kann man aber nicht verwalten, sie müssen gelöst werden

Vermeintliche Nahost Experten wie z.B. Michel Friedmann, der bekannte jüdische Entertainer, meinen, dass der Grund für den Iran-Krieg bei der Hamas liegt und ihrem Ausbruch aus dem größten Freiluftgefängnis der Welt vom 7. Oktober 2023. Das ist auch die Meinung vieler anderer Kommentatoren und großer Teile der Bevölkerung in Deutschland. Es ist aber falsch und zeigt eine peinliche Ignoranz, was den Nahost-Konflikt betrifft. Der Grund für die aggressive Lage im Nahen Osten und ihre Wirkung auf den Mittleren Osten und eigentlich auf die ganze Welt, liegt beinahe 80 Jahre zurück, bei dem gewaltigen Unrecht, dass die Juden und die übrigen Nationen den Palästinensern mit der Gründung des Staates Israel angetan haben. Dieser Grund ist schon seit Jahrzehnten der „weiße Elephant im Raum“. Nicht die Tatsache, dass der Nahost-Konflikt nicht gelöst wird, ist der Grund für die desolate Situation, sondern die Tatsache, dass Israel es nicht lösen will. Netanjahu hat mehrmals behauptet, dass er den Konflikt nur verwalten will und kann. Konflikte kann man aber nicht verwalten, sie müssen gelöst werden.

Der Nahost-Konflikt ist die dunkle Wolke über Israel, Palästina und den Nachbarstaaten. Solange dieser Konflikt nicht fair und gerecht gelöst wird, wird es keinen Frieden in der Region geben. Israel hat im März 2026 mit mehrheitlichem Knesset-Beschluss das Gesetz der Todesstrafe für Palästinenser verabschiedet. Furchtbar genug, und dann haben noch etliche Minister  dies abscheulich geschmacklos mit Champagner gefeiert. Solange israelische Minister und Knesset-Abgeordnete mit Champagner die Einführung einer Todesstrafe nur für Palästinenser feiern, wird die arabische Welt, aber nicht nur sie, Israel verachten und ablehnen. Und am Ende auch bestrafen.

Was das israelische Gesetz betrifft: Anstelle der diskriminierenden Vorgabe, dass die Todesstrafe nur dann verhängt würde, wenn die Tat gegen einen israelischen Staatsbürger oder Einwohner gerichtet wäre, enthält die endgültige Fassung nun den Zusatz „die Absicht, die Existenz des Staates Israel zu negieren“. Die Diskriminierung bleibt somit bestehen. Die Formulierung war nicht für Fälle gedacht, in denen ein Jude in Judäa und Samaria aus terroristischen Gründen einen Palästinenser ermordet. Darüber hinaus verschärft die neue Formulierung die Diskriminierung noch mehr, da ihr zufolge selbst ein terroristischer Mord eines Juden an einem israelischen Araber nicht dem hinzugefügten Sonderzweck entspricht. Der „Zweck, die Existenz des Staates Israel zu negieren“, ist vage formuliert, was für das Strafrecht völlig unangebracht ist. Könnte man ihn jedoch anhand rechtlicher Beweisvermutungen jemandem zuschreiben, so läge die Vermutung nahe bei arabischen Terroristen.

Westliche Länder halten die Todesstrafe für barbarisch. Israel führt sie ein. Das Modell der Todesstrafe als „Standardmaßnahme“ ist in der demokratischen Welt nicht anerkannt. Eine Bestrafung aufgrund der Nationalität ist ebenso inakzeptabel. Sie würde ausschließlich Palästinenser betreffen, nicht aber Juden, die vor einem israelischen Gericht angeklagt würden. Darüber hinaus schwächt das neue Gesetz auch die mit der Todesstrafe verbundenen Verfahrensgarantien: Es hebt die Notwendigkeit der einstimmigen Zustimmung von drei Richtern vor Militärgerichten für Verurteilung und Strafmaß auf und sieht stattdessen eine Verurteilung per Mehrheitsbeschluss vor. Das Gesetz schließt die Möglichkeit für den Militärkommandanten aus, das Urteil umzuwandeln, und schreibt die Vollstreckung innerhalb von nur 90 Tagen nach rechtskräftigem Urteil vor (vorbehaltlich einer rätselhaften Ausnahme auf Antrag des Premierministers). Und das, obwohl eines der Hauptargumente gegen die Todesstrafe die Unmöglichkeit der Fehlerkorrektur ist. Fehler passieren nun einmal. Dies ist in den USA in Todesstrafen Verfahren schon oft vorgekommen. Das neue Gesetz verstärkt lediglich die Angst vor Fehlern, während im Hinblick auf die Todesstrafe die Verfahrenssicherungen dringend verbessert werden müssen, um diese Möglichkeit zu minimieren.

Die Palästinenser dürfen zwar in Israel wählen, aber ihre Wahl ist eine Farce

Jetzt kann man nur noch hoffen, dass der Oberste Gerichtshof es wegen Verfassungswidrigkeit für ungültig erklären wird. Das Gesetz ist ein gefährlicher Präzedenzfall, der es ermöglicht, nicht nur bei der Todesstrafe, sondern generell bei Verwaltungsstrafen und Instrumenten der Terrorismusbekämpfung zu diskriminieren. Denn wenn dies bei der härtesten Strafe möglich ist, warum nicht auch bei Strafen im Allgemeinen? Diskriminierung aufgrund der Staatsangehörigkeit im Strafrecht, insbesondere im Zusammenhang mit der Todesstrafe, ist eine klare rote Linie.

Israel hat eines der extremen Todesstrafen Gesetze der Welt verabschiedet, dass die Hinrichtung von Palästinenser, nicht aber von Juden, ermöglicht. Diese schockierende Entscheidung tritt grundlegende Menschenrechte mit Füßen. Es ist der letzte und eindeutigste Beweis, dass Israel ein rassistischer Staat ist, in dem es für Palästinenser, für Nichtjuden, keine gleichen Rechte vor dem Gesetzt gibt.

Man überlege mal, wie die Welt aufschreien würde, wenn Deutschland ein Todesstrafe Gesetz einführen würde, nur für Juden, Sinti und Roma und Kommunisten. Sämtliche demokratischen Staaten der Welt, würden Deutschland verachten und mit Sanktionen bestrafen. Nur die übelsten Diktaturen wie Russland, China und Nordkorea  u.a. würden zu Israel stehen. Diese Diktaturen werden heute von der übrigen Welt verachtet und missachtet. Im Fall Israel wird aber nur zögerlich und ängstlich protestiert. Und danach geht man über zu Business as usual.

Eigentlich war das schon immer so, seit Gründung des Staates und der Verkündung der verlogenen Unabhängigkeitserklärung, die den nichtjüdischen Bürger Israels gleiche Rechte versprach. Von Anfang an gab es nicht gleiche Rechte. Von Anfang an wurden Juden von Nichtjuden unterschieden und privilegierter behandelt. Eines der ersten Gesetze des 1948 gegründeten Staates hatte zur Folge, dass in den israelischen Personalausweisen keine israelische Staatsangehörigkeit eingetragen war, sondern die ethnische Zugehörigkeit. Man war also entweder ein Jude oder ein Moslem bzw. Christ. Juden waren vollwertige Staatsbürger und mussten in der Armee dienen, keine Juden durften nur zweitklassige Staatsbürger sein und durften in der Armee nicht dienen. Sie wurden von Anfang an als potentielle Staatsfeinde betrachtet und entsprechend behandelt.

Das konnte man nur mit dem Vorgehen der Nazis vergleichen, die den jüdischen Deutschen in ihrem Pass bzw. Personalausweis den Stempel JUDE aufgezwungen haben. Die Nazis wollten damit ausdrücken, dass die Juden keine Deutsche sind. Die Juden haben dasselbe mit den Nichtjuden in Israel beabsichtigt. Wer in seinem Ausweis nicht als Jude gekennzeichnet wurde, war eben kein Jude und damit auch kein echter Israeli. Das war der Beginn des israelischen Rassismus gegen seine nichtjüdische Bevölkerung, der man in der Unabhängigkeitserklärung, die in Israel den Wert einer Verfassung hat, versprochen hat: Es wird all seinen Bürgern ohne Unterschied von Religion, Rasse und Geschlecht soziale und politische Gleichberechtigung verbürgen. Es wird Glaubens- und Gewissensfreiheit, Freiheit der Sprache, Erziehung und Kultur gewährleisten.

Das alles wird aber der nichtjüdischen Bevölkerung nicht gewährleistet, nicht einmal auf dem Papier, da seitdem mehrere Gesetze erlassen wurden, die die Freiheit der arabischen Sprache, der arabischen Kultur und der arabischen Erziehung einschränken. Die Palästinenser dürfen zwar in Israel wählen, aber ihre Wahl ist eine Farce, denn sie ist nichts wert. Sie haben keine Macht etwas zu bewirken oder etwas zu ändern. Noch niemals in der Geschichte des Staates Israel hat eine jüdisch-israelische Partei eine Koalition mit einer arabischen Partei vereinbart und wenn es einmal 2007 für kurze Zeit einen arabischen Minister im Kabinett gab, Ghalib Mudschadaldann, der zuerst Minister ohne Geschäftsbereich war und später der erste muslimisch-arabische Minister in Israel für Wissenschaft, Kultur und Sport. dann war es nur als Alibi gedacht, um der Welt zu zeigen, wie liberal Israel in Wirklichkeit ist. Es war der Versuch der Welt Sand in die Augen zu streuen und sie blind zu machen gegenüber dem Unrechtregime im Lande.

Die USA und Israel haben das Bild von unbesiegbaren Mächten verloren

Es ist peinlich und schrecklich zuzuschauen wie rechtsradikale Parteien in Deutschland und auch anderswo in Europa, Israels Vorgehen in Gaza und jetzt im Iran rechtfertigen und richtig finden. Es ist für mich und vielen anderen Juden, die Netanjahus Politik ablehnen und sogar bekämpfen, nicht akzeptabel, dass der sogenannte Jüdische Staat sich ausgerechnet mit Neo-Nazis von der AfD, oder Antisemiten wie Orban  in Ungarn oder Marie LePen in Frankreich, verbrüdert und auch noch stolz darauf ist, wie Yair Netanjahu, der missratene Sohn von Bejamin und Sarah Netanjahu, der über X eine Empfehlung für die deutschen Wähler verbreitet hat, die AfD zu wählen.

Eine der Lügen, die die israelische „Hasbara“ (Propaganda)  und der Zionismus verbreitet haben und die Juden und die meisten Israelis heute noch glauben, ist die Erzählung, dass die Juden und besonders der Staat Israel den Frieden mehr lieben als andere Völker . Angesicht der kriegerischen Historie  des Staates Israel fällt es schwer das zu glauben. Man denkt da an die Geschichte, die uns Jehuda HaLevi in seinem Buch „Der Chusari“ erzählt, was der  Chasaren Khan dem jüdischen Rabbi erwidert hat, als dieser ihn überzeugen wollte, dass die Juden ein Frieden liebendes Volk seien. Er sagte: Ihr liebt den Frieden, weil ihr keine Macht habt, weil ihr zu schwach seid Kriege zu führen. Warten wir ab wie ihr euch verhalten werdet, wenn ihr Macht bekommt.

Und vor mehr als 200 Jahren hat der deutsch-jüdische Autor Heinrich Heine in seinem unvergessenen Gedicht „An Edom“ geschrieben: „Denn ich selbst begann zu rasen und ich werde fast wie du.“ Mit „ich selbst“ meinte Heine die Juden und mit „Edom“ verglich Heine die kriegerischen Deutschen, denen die Juden nacheifern, um bald so zu sein wie sie.  Die Warnung und die Prophezeiung des Chasaren Khans sind inzwischen seit bald mehr als hundert Jahren Wirklichkeit. Die israelischen Juden sind wie „Edom“.

Während die ganze Welt den Atem hält und auf den Erfolg der Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA wartet, schreibt HaAretz: „Netanjahu zählt die Minuten bis zu einer erneuten Runde gegen den Iran.“ Und der israelische Publizist Jonathan Ofir bezeichnet die Israelis als „War Junkies“. Im Weißen Haus sitz ein Irrer, der mit Kriegsverbrechen droht und damit eine kurzfristige Waffenruhe in letzter Minute erzwingt und In Jerusalem sitzt ein Intrigant und größenwahnsinniger Betrüger, der ungeduldig wartet, dass die Verhandlungen scheitern.

Trump hat zusammen mit Netanjahu die Büchse der Pandora geöffnet, schreibt der Spiegel. Es ist schwer vorstellbar, dass sich die USA und der Iran auf eine langfristige Waffenruhe einigen können. Der nächste Waffengang ist nur eine Frage der Zeit. Israels Premier Benjamin Netanjahu hätte den Krieg ohnehin am liebsten fortgesetzt.

Für ein endgültiges Urteil ist es noch zu früh. Was man aber schon jetzt sagen kann: Die USA und Israel haben das Bild von unbesiegbaren Mächten verloren. Das Problem ist aber, dass beide derzeitigen Führer, Trump und Netanjahu, es nicht zu Kenntnis nehmen wollen oder können. Trump und Netanjahu brechen permanent das Völkerrecht und handeln nach dem Prinzip, die „Macht des Stärkeren“. Aber auch die Macht des Stärkeren ist nicht unbegrenzt, wie wir im Krieg Israels gegen Gaza oder der USA gegen den Iran gesehen haben.

* Jonathan Pollard  ist ein gebürtiger US-Amerikaner, der 1987 wegen Spionage für den israelischen Geheimdienst  zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe in den Vereinigten Staaten verurteilt wurde und bis 2015 in Haft saß. Am 29. Dezember 2020 wurde er nach Israel abgeschoben, dessen Staatsbürgerschaft er seit 1996 besitzt.

 

Ein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land – Lüge und Verblendung des Zionismus mit einem Vorwort von Moshe Zuckermann, erscheint im Juli bei BoD.

Abraham Melzer

Abraham Melzer ist in Israel aufgewachsen und lebt seit 1958 in Deutschland. Bis 2012 führte er den Joseph-Melzer-Verlag, den sein Vater gegründet hatte. Er verlegte zahlreiche Bücher sowie eine Zeitschrift zum Nahost-Konflikt. Abraham Melzer ist Mitglied in der „Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost“.
Mehr Beiträge von Abraham Melzer →

Ähnliche Beiträge:

7 Kommentare

  1. Meines Erachtens wurde Trump von den Israelis reingelegt (es sei denn, der Mossad ist viel schlechter, als ich glaube). Leider hat Trump keinen funktionierenden moralischen Kompass, denn dann wäre ihm das nicht passiert (man greift keine anderen Länder an). Sein narzisstisches Ego und seine jüdische Vernetzung tut ein Übriges. Nethanjahu (falls er noch lebt, ansonsten halt die entsprechenden geopolitisch agierenden Militär- und Geheimdienstkreise) sind ihm intellektuell und strategisch haushoch überlegen und m.E. psychopathisch (sie haben weder Mitleid mit ihren Opfern, noch mit ihrem eigenen Volk).

    Das Ziel dieser ganzen Aktion war, den Südlibanon ethnisch zu säubern ohne eine weltweite Protestwelle auszulösen. Wie bekommt ein Psychopath das hin? Na indem er eine Bedrohung vorgibt (Atombombe!), gegen die er dann präventiv losschlägt und eine entsprechende Gegenreaktion provoziert, die dann weitere Eskalationen ermöglicht. Was ich noch nicht so richtig verstehe, ist, ob sie die Kraft des Irans einfach unterschätzt haben oder sich selbst und die USA überschätzt, mit diesem Krieg riskieren sie nicht weniger als die Auslöschung ihres Landes (weshalb die entsprechenden Kreise möglichst den gesamten Westen mit in den Konflikt ziehen wollen).

  2. Die laufende Phase des Irankrieges ist ein israelischer Krieg, das darf man wohl „gesichert“ nennen, doch der Irankrieg hat mit der iranischen Revolution 1978 begonnen, wurde im Ersten Golfkrieg in der Gestalt eines irakischen Proxykrieges kinetisch und schließlich 2006 mit der UNSC-Resolution 1737 von allen führenden Mächten des Weltmarktes, China und Russland eingeschlossen, zu einer Art Systemkrieg des Imperialismus gegen die Islamische Republik Iran.

    Key Historical Sanctions Milestones:

    November 1979: Initial US sanctions following the hostage crisis.
    October 1987: President Reagan issued an embargo on Iranian-origin goods/services due to support for terrorism and actions in the Persian Gulf.
    1995-1996: President Clinton issued executive orders prohibiting U.S. involvement in Iranian petroleum development, leading to a near-total trade and investment embargo.
    December 2006: The UN Security Council imposed its first sanctions (Resolution 1737) regarding Iran’s nuclear program.
    (Chat GpT)

    Die Gründe dafür können hier wg. sattsam benannter Umstände nicht diskutiert werden, deshalb verzichte ich darauf, sie zu nennen.

  3. Artikel enthält leider einige antiiranisch-wertewestliche Stereotype.

    Vader Abraham steht mit seinem Verein „Jüdische Stimme“ aber grundsätzlich auf der richtigen Seite. Danke dafür.

    Auch in den Randbereichen folgt Melzer ideologisch leider den teilweise jahrzehntealten Desinformationsnarrativen von Mainstream und deutscher Staatsräson. Z.B.

    „Der erste Weltkrieg war ähnlich aus absurden und banalen Vorstellungen heraus begonnen worden.“

    Da denkt man sofort an den wertewestlichen Haus- und Hofhistoriker Christopher Clark („Die Schlafwandler“)
    Von unauflöslichen Gegensätzen der damaligen imperialistischen Führungsnationen wollte Clark nie etwas wissen. Scheint, dass auch Melzer bisher davon nie etwas gehört hat.

    „Der Weltkrieg II wurde durch einen krankhaften Politiker losgetreten worden.“

    Wer kennt sie nicht: die Verharmlosung des Gröfaz als Patient für die Geschlossene, die Reduktion des großdeutschen Kapitals und der Ausdehnung seines Lebensraumes auf angebliche Kurzschlüsse in Onkel Alfs Oberstübchen.
    Auch hier von Imperialismus keine Spur. Erklären will man sich nichts, nur denunzieren.

    „Dieser hatte geglaubt, Polen sei binnen dreier Tage von seiner Wehrmacht zu überrennen. Er hatte sich nicht vorstellen können, dass Frankreich und Großbritannien es wagen würden den militärisch unterlegenen Polen zur Hilfe zu kommen. Größenwahn, Hybris, Selbstüberschätzung“

    Zumindest hinsichtlich Polens waren seine „Selbstüberschätzung“ und „Größenwahn“ immerhin weit geringer ausgeprägt, als bei den meisten zeitgenössischen Betriebsführern und deren Gefolgschaft.
    Aus den „drei Tagen“ Polen wurden am Ende keine 4 Wochen, Frankreich war in 6 Wochen übern Jordan.

    Erst an der Sowjetunion hatte sich die Blitzkriegstrategie die Zähne ausgebissen.

    Schade, dass Vader Abraham auf diesem Nebenkriegsschauplatz derart fehlschlägt.

    1. Sie liegen ziemlich gut mit Ihrer Analyse. Es sind nicht nur westliche Stereotype sondern es geht eigentlich schon ziemlich in Richtung bewusster Geschichstfälschung um die eigentlichen Zusammenhänge und Kausalitäten (und damit natürlich auch die eigentlichen Akteure) zu verschleiern.
      Ich greife mal einen Punkt auf, den auch Sie erwähnen:
      „Der Weltkrieg II wurde durch einen krankhaften Politiker losgetreten worden.“
      Wohl nichts ist falscher als dies. Die Wahrheit ist die charakterlichen Schwächen und Wahnvorstellungen solcher psychopathischen Personen wie Hitler oder Trump lassen sich einfach prima instrumentalisieren um diese für eigene Zwecke zu nutzen. Das birgt natürlich Konfliktpotential, da diese Charaktere meist auch ein großes eigenes Ego haben. Aber in den Grundzügen funktioniert es schon, da diese genau wegen dieses Egos auch anfällig sind für Einflüsterungen, wenn sie nur mit genug Schmeichelei und Lobhudelei verbunden sind oder man es gar schafft ihnen einzureden es seien ihre eigenen Ideen.

  4. Leicht OT: Auf der „Achse des Guten“ erschien gestern ein Artikel praktisch direkt vom israelischen Geheimdienst: „Nordkorea ist der Kopf der Schlange – und der Westen schlägt weiterhin auf den Schwanz ein“ über Raketentechnik.

  5. „Nur die übelsten Diktaturen wie Russland, China und Nordkorea  u.a. würden zu Israel stehen. Diese Diktaturen werden heute von der übrigen Welt verachtet und missachtet. “
    Alles klar auf der Andrea Doria.
    Unbeweisbares einfach zu Fakten erklären ist die übliche Methode westlicher Prpaganda.
    Willkommen im Club der aggressiven Staats- und Finanzmächte.

    1. Der ganze Abschnitt ist etwas wirr. Was will der Autor damit sagen. Bitte noch mal so formulieren, dass es auch für nicht- Astrologen deutbar.

Schreibe einen Kommentar

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln : Bleiben Sie sachlich, respektvoll und beim Thema. Wir behalten uns vor, insbesondere Kommentare zu entfernen, die Beleidigungen, Spam oder persönliche Angriffe enthalten.

Pro Beitrag sind maximal 3 Kommentare (inklusive Antworten auf andere Kommentare) zulässig.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte schreiben Sie mindestens 100 und höchstens 10000 Zeichen.

0 / 10000 Zeichen