Schmutzige Bomben und ein Angriff auf den Kachowka-Damm im Bedrohungsangebot

Kachowka-Staudamm. Bild: Дзюбак Володимир/CC BY-SA-4.0

Russland warnt vor False-flag-Aktionen der Ukraine, die das wiederum als Hinweis für russische Pläne interpretiert. Die Öffentlichkeit verbleibt im Nebel und Cliffhanger der strategischen Kommunikation. Deutschland scheint für Russland keine Bedeutung mehr zu spielen.

 

Die russischen Streitkräfte zerstören weiterhin vor allem die ukrainische Energie-Infrastruktur, während sie an der Südfront die Bevölkerung aus Cherson evakuieren, die Behörden umsiedeln und angeblich Truppen auf das östliche Ufer des Dnipr zurückziehen. Es sieht so aus, also würden die Russen die zu Beginn des Kriegs ohne Widerstand eingenommene Stadt aufgeben, um zu große Verluste zu vermeiden. Sowohl die russische als auch die ukrainische Seite warnen davor, dass der jeweilige Gegner den Staudamm des Wasserkraftwerks Kachowka (Kakhovka) zu zerstören beabsichtigt, was eine gewaltige Flutwelle auslösen könnte, die die Stadt Cherson gefährden könne. Daneben wird davor gewarnt, dass die Ukraine plane, eine „schmutzige Bombe“ hochgehen zu lassen. Die Vorbereitungen seien schon weitgehend abgeschlossen.

Schon zuvor war der Kachowka-Damm von ukrainischer Behörde beschossen worden, weil hier eine von drei Brücken im russisch besetzten Gebiet über den Dnipr führte. Die Antonivsky-Brücke und eine Eisenbahnbrücke waren zuvor unbrauchbar worden. Durch den Beschuss war der Damm selbst offenbar nicht beeinträchtigt worden. Der Damm speist ein Wasserkraftwerk, zudem werden über zwei Kanäle die Südukraine und die Krim mit Wasser versorgt.

Am 18. Oktober hatte General Sergei Surovikin, der neu eingesetzte Kommandeur der russischen Truppen und der Truppen der „Volksrepubliken“, davor gewarnt, dass die Ukraine den Damm mit „massiven Raketenangriffen“ zerstören wolle, und erklärt, jetzt müssten einige schwierige Entscheidungen getroffen werden, es könnten auch harte Entscheidungen sein. Die Situation in Cherson sei „kompliziert“, es gebe Versorgungsprobleme. Weil man die Aufgabe habe, die Zivilisten zu schützen, bringe man sie aus dem möglichen Kampfgebiet. Vladimir Saldo, der von Russland eingesetzte Verwaltungschef, berichtete dann vom „organisierten Transfer“ von Bewohner vom rechten auf das linke Ufer. Er verwies auf einen angeblich unmittelbar bevorstehenden Angriff auf den Damm, der zu einer Überflutung führen könne. Sein Vize Kirill Stremousov forderte kurz darauf die Bevölkerung auf, Cherson zu verlassen, weil der Kampf um die Stadt beginnen werde.

Das amerikanische Institute for the Study of War liest aus den Warnungen vor einem ukrainischen Angriff die Absicht der russischen Streitkräfte heraus, den Damm zerstören zu wollen, um die Schuld der Ukraine zuzuschieben, einen weiteren Rückzug zu verschleiern oder die ukrainische Offensive zu verlangsamen.

Auch der ukrainische Präsident Selenskij sieht eine Gelegenheit, Russland eine False-flag-Aktion zu unterstellen. Die „russischen Terroristen“ hätten den Damm mit Minen bespickt und würden ihn sprengen wollen, was einem Angriff mit Massenvernichtungsmitteln gleiche. Das sagte er auch während des Treffens des EU-Rats. Die Vorbereitungen für diesen Anschlag seien schon getroffen worden, der nicht nur einen Großteil der Wasserversorgung der Südukraine, sondern auch der Krim zerstören würde: „Das ist die wirkliche Haltung Russlands zur unserer ukrainischen Krim.“

In seiner nächsten Rede forderte er die Weltgemeinschaft auf, eine internationale Beobachtermission an den Damm zu schicken. Die Logik der Argumente ist mitunter beeindruckend. Den Besetzern sei es egal, was dem ukrainischen Territorium geschehe: „Mit diesem Terroranschlag können sie unter anderem auch die Möglichkeit zerstören, Wasser aus dem Fluss Dnipr an die Krim zu liefern. Im Falle der Zerstörung des Staudamms des Kraftwerks Kachowka würde der Nord-Krim-Kanal einfach verschwinden. Und wenn Russland einen solchen Terroranschlag vorbereitet, wenn es ein solches Szenario ernsthaft in Erwägung zieht, dann bedeutet das, dass die Terroristen ganz klar wissen, dass sie nicht nur Cherson, sondern den gesamten Süden unseres Landes, einschließlich der Krim, nicht werden halten können.“

Das gleicht den vielen Behauptungen, die Russen würden ihre Pipelines zerstören oder sich selbst angreifen, etwa im AKW Saporischschja. Den Widersinn hat Selenskij bzw. haben seine Redenschreiber wohl auch bemerkt und versucht, die Selbstschädigung, die neben der Krim ja auch die Bevölkerung in Cherson betrifft, die Russland für sich gewinnen will, mit einem hintergründigen Motiv etwas plausibler zu machen. Das würde Russland offenbar aus Zerstörungsabsicht machen, um verbrannte, in dem Fall überflutete Erde zu hinterlassen, weil man schon wisse, dass man auch die Krim nicht halten werde.

Gestern Abend fuhr er in der Logik fort: „Wenn Russland anruft und sagt, dass die Ukraine angeblich etwas vorbereitet, dann bedeutet das eines: Russland hat das alles schon vorbereitet. Ich glaube, dass die Welt jetzt auf die härteste Art und Weise reagieren sollte. Wenn Russland eine weitere Runde der Erhöhung des Einsatzes und eine weitere Eskalationsstufe vorbereitet hat, muss es jetzt, präventiv und vor jedem neuen „Schmutz“ sehen, dass die Welt das nicht schlucken wird.“ Die Logik wäre dann auch, dass  dann, wenn die ukrainische Regierung vor einem False-flag-Angriff warnt, die Ukraine einen plant.

Der Präsidentenberater Mykhailo Podoliak verstärkte noch die Warnung von Selenskij und drohte den europäischen Partnern, dass eine neue Flüchtlingswelle aus der Ukraine nach Europa käme, wenn nicht Luftabwehr und Raketen geliefert würden. Dass die Folge eines eskalierenden Kriegs ebenso dieses Szenario in sich birgt, wird selbstverständlich nicht gesagt.

Warnung vor schmutziger Bombe

Russland will nun aber eine weitere Drohung entdeckt haben, die ebenso wenig zu belegen ist, wie die gegenseitigen Vorwürfe, den Staudamm zu sprengen und eine Flutkatastrophe auszulösen. Die Nachrichtenagentur Ria Novosti  schrieb, es gebe „glaubwürdigen Quellen in verschiedenen Ländern – einschließlich der Ukraine“, die aber nicht näher genannt werden, nach denen Kiew eine Provokation mit einer schmutzigen Bombe oder einer Atomwaffe mit geringer Sprengkraft plane. Damit wolle man suggerieren, dass Russland Massenvernichtungswaffen in der Ukraine einsetzt, um eine antirussische Kampagne zu starten, Russland zu isolieren und aus dem Sicherheitsrat auszuschließen.

Nach „verschiedenen Quellen“, die auch nicht genannt werden, arbeite man unter der Leitung von westlichen Beratern in einem Bergbaubetrieb in der Stadt Zhovti Vody und im Institut für Nuklearforschung in Kiew daran und sei schon in der Endphase. Und man packt noch mehr darauf: Aus dem Umkreis von Selenskij würden Gespräche mit britischen Regierungsvertretern über die mögliche Übergabe von „Kernwaffenkomponenten“ stattfinden.

Der russische Verteidigungsminister Sergei Shoigu sprach mit den Verteidigungsministern der Türkei, Großbritanniens und Frankreichs und äußerte Sorgen über mögliche Provokationen von ukrainischer Seite mit einer „schmutzigen Bombe“ (ob er dies auch gegenüber dem US-Verteidigungsminister gemacht, geht nicht aus der Wiedergabe hervor). Daraus könnte man wieder ableiten, dass Russland eine solche False-flag-Aktion planen könnte. Es könnte auch ein Versuch sein, den Nato-Staaten und deren Bevölkerungen  Angst vor dem Einsatz einer „schmutzigen Bombe“ zu machen, die ja auch eine Atomwaffe wäre, was vielleicht den Einstieg in einen Atomkrieg bedeuten könnte. Soll damit Druck gegenüber der Ukraine aufgebaut werden? Ob die „schmutzige Bombe“ mehr als eine strategische Kommunikation ist, muss erst einmal offen bleiben. Vielleicht ist es nur den Versuch, die Vorwürfe an Russland, mit Atomwaffen zu drohen, umzukehren. Da die Ukraine über keine Atomwaffen verfügt, aber über radioaktives Material, spricht man eben von einer „schmutzigen Bombe“.

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba schrieb: “Wir haben keine ‘schmutzige Bombe’ und plane auch nicht, eine zu erhalten. Russland beschuldigt oft andere für Dinge die sie selbst planen.” Man bleibt auch hier der offenbar regierungskonformen Logik treu, dass die Warnungen des Feindes nur Hinweise darauf sind, was dieser plant. Präsidentenberater Podolyak twitterte, dass „es keine ’schmutzige Bombe‘ gibt, sondern nur schmutzige Versuche, den offensichtlichen russischen Völkermord mit einer neuen Fälschung zu rechtfertigen“.

Das britische Verteidigungsministerium bestätigte, dass es in dem Gespräch von Shoigu mit seinem Kollegen Ben Wallace auch um mögliche geplante Aktionen der Ukraine gegangen sei, die von westlichen Unterstützern befördert würden. Wallace soll diese bestritten und gesagt haben, dass solche Behauptungen nicht als Vorwand für weitere Eskalationen verwendet werden dürfen.

Interessanterweise spielt Deutschland für Russland keine Rolle. Tatsächlich versteckt sich die Bundesregierung hinter den anderen Partnern und macht mit, was von außen vorgegeben wird. Unterwürfig ist man auch gegenüber der Ukraine, eine selbständige Position auch gegenüber den USA gibt es nicht.

Update: Offenbar nahmen die amerikanische, britische und französische Regierungen die Warnungen des russischen Verteidigungsministers Shoigu vor dem Einsatz einer „schmutzigen Bombe“ so ernst, dass deren Außenminister in einer gemeinsamen Erklärung darauf reagierten. Nach der oben dargelegten ukrainischen Logik könnte dies als Bestätigung des Verdachts verstanden werden, dass westliche Unterstützer, wie es in Ria Novosti hieß, mit im Spiel sind. Aber Blödsinn beiseite: Die Türkei hielten die drei Regierungen außen vor – und natürlich auch Deutschland, das doch so gerne europäische Führungsmacht sein will, zumindest wenn es nach Scholz geht.

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27 Kommentare

  1. Danke für den Artikel. Das ist dann mal wirklich Journalismus.
    Ich habe tatsächlich einen Mitbewohner der glaubt die Russen beschießen ihr eigenes Kernkraftwerk. Da kann man nur fordern : “ Mindesthirn für alle “

  2. Zu „Deutschland scheint für Russland keine Bedeutung mehr zu spielen.“
    Als Verhandlungspartner hat die deutsche Regierung natürlich keine Bedeutung mehr, nachdem sie sich einer „dienenden Führungsrolle“ gegenüber den USA verschrieben hat.

    Aber als NATO-Stützpunkt hat Deutschland leider Bedeutung für Russland, nicht zuletzt aufgrund der US-Atomwaffen.
    Der stellvertretende russische Außenminister Ryabkow wies vor ziemlich genau einem Jahr auf die Reaktivierung der US-Basis Mainz-Kastel bezüglich der ersten US-Hyperschallwaffe „Dark Eagle“ hin, deren voraussichtliche Stationierung in Europa, evtl. von Mainz-Kastel aus koordiniert, eine immense Steigerung der Bedrohung Russlands bedeuten wird.

    Es muss dringend wirkungsvoller Protest dagegen aufgebaut werden, dass die USA uns (und vor allem unsere Kinder) hier zur Zielscheibe machen!
    Was bringt es denn, nur darüber zu nörgeln, dass die Proteste der Friedensbewegung bisher so klein sind?
    Wenn man sich nicht einbringen will, um das zu ändern, wie soll es dann gehen?

    1. welche Gruppen / Plattformen / Zeitungen / mediablogs, Politiker etc. gibt es denn, die sich zu einem Bündnis der Aufklärung zusammenschließen könnten?

      die müsste man kontaktieren. Auffordern sich untereinander zu verständigen.

      Man bräuchte Gegenaufklärung die weithin sichtbar ist.
      (Ein neuer Willi Münzenberg käme grad sehr gelegen)

      1. Hallo xyz (welcher xyz ist es diesmal?),
        was ich erstmal machen möchte (möglichst nicht allein), habe ich gerade als Antwort zum Kommentar von umbhaki unter dem „Verstaatlichte Proteste…“-Artikel beschrieben.
        Ich denke, klein anfangen ist besser als gar nicht anfangen.

        1. @Sabine Schulz xyz quatsch

          Ich bin nicht in Köln. Aber vielleicht sehen Sie ja eine Möglichkeit, reinzuhören wie die Idee zu einem breiten Aufklärungsbündnis ankäme.

          Man involviert Nachdenkseiten, IMI eV und 100 andere (mir fehlt die Übersicht, v.a. bei den populären) aber schafft, wenn auch keine Marke, aber eine einheitliche Idee.

          Viele wissen zu wenig.

          Und die, die in keiner Bewegung sind, ebenso.

          sry wenn ich das obige ggf. wiederhole

          1. @xyz
            Die DFG-VK und andere Friedensgruppen gibt es keineswegs nur in Köln.
            Die Nachdenkseiten haben ebenfalls überall in D Gesprächskreise.
            Und warum schreiben Sie nicht einfach einen Artikel über Ihre Vorstellungen für ein breites Aufklärungsbündnis mit einheitlicher Idee und bieten ihn den Nachdenkseiten zur Veröffentlichung an, oder erstmal einen Leserbrief mit Ihren Vorschlägen (die Nachdenkseiten veröffentlichen ja ständig Leserbriefe)?

  3. Es gibt auf den einschlägigen Telegram-Kanälen weitere Informationen und vor allem auch strategische Analysen, wem denn eine Zerstörung des Dammes nutzen würde.

    Eine Verlinkung verkneife ich mich. Die Behauptung ist, dass die Flutwelle und das anschließende Hochwasser vor allem die russische Seite betreffen würde. Für rund drei Tage wäre das russische Ufer komplett überschwemmt und die Zerstörung würde vor allem das russische Ufer treffen. Wie eine solche Zerstörung aussehen könnte, kann man sich im Ahrtal angucken. Die ukrainische Seite wäre deshalb weniger betroffen, weil das ukrainische Ufer etwas höher liegt.

    Von daher: Nein, die Situation spricht eher nicht für die Russen als Täter.

    Aber es gibt auch eine andere Überlegung: Nach der Zerstörung würde der Stausee nicht mehr existieren und die Russen könnten bei der, voraussichtlich, im November beginnenden Winteroffensive mehr oder weniger trockenen Fußes in den Westen vordringen. Diese Überlegung spricht für die Russen als Täter, insbesondere wenn die Zivilbevölkerung evakuiert worden ist. Gegenargument wäre hier übrigens, dass man den Damm auch einfach ablassen könnte, etwas was die Russen seit geraumer Zeit ohnehin machen.

    Zum Thema schmutzige Bombe: Der Westen steigert sich immer mehr in den Krieg hinein und scheint allmählich jegliche Hemmungen zu verlieren. Der Westen hat auch kaum noch Alternativen, im Augenblick könnte der Westen noch aussteigen, allerdings unter erheblichen Gesichtsverlust. Aber die westlichen Eliten scheinen alles auf eine Karte zu setzen. Ich habe keine Ahnung was im Hintergrund läuft, welche Handlungsoptionen der Westen überhaupt noch hat. Für mich sieht es aus, dass der Westen bis zum ökonomischen Kollaps weiter machen wird. Zur Erinnerung: Der Ukrainekrieg ist nur vordergründig ein Krieg in der Ukraine, der eigentliche Krieg ist ein Wirtschaftskrieg zwischen Ost und West. Und im Augenblick scheint es so, als wenn der Westen an allen Fronten zu verlieren.

    Natürlich wird am Ende des Krieges wieder viele viele Menschen gäben, die uns erklären wollen, sie hätten von alldem nichts gewusst… Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte ja auch keiner was gewusst haben…

    1. Die ukrainische Armee ist am Ende ,
      ihrer kindergartenartiger Kommunikation nach, maximal Allmachtgefühle von Halbstarken sind herauszuhören.
      Was man den Russen nachhalten muss, ist ihre Unfähigkeit den Standort von Selenski auszumachen.
      Dem Kuscheltier des Westens hätte schon vor Monaten die Füllung rausfliegen müssen, um sinnlose Kriegsopfer zu verhindern.

      1. Russen sind Schachspieler. Beim Schachspiel geht es nicht darum den König zu schlagen, sondern den König bewegungsunfähig zu machen. Übersetzt: Es geht um Kapitulation des Gegners. Die spannende Frage ist dabei, wer eigentlich der König im Westen ist…

  4. Es ist etwas Off-Topic, aber ich möchte auf dieses spannende Gespräch hinweisen: https://www.youtube.com/watch?v=kf_IIf2e0Ek

    Professor Rieck (Deutscher Spieltheoretiker (Spieltheorie: Mathematische Denkschule zur rationalen Analyse von Handlungsoptionen) hat anlässlich der NS1+NS2-Sprengung die strategische Situation analysiert, wer denn aus Sprengung durchgeführt haben könnte, also Motivationen, mögliche Täter und Verlierer/Gewinner.

    Im zweiten Gespräch (der Link oben) diskutiert er mit einem deutschen Waffenexperten (einem echten Experten, keinen „Experten“ der Qualitätspresse) über Durchführung und Auswirkung der Sprengung.

  5. Es wird immer perverser, wie immer wieder rezipiert Rötzer ausführlich jeden Rülpser, den Selenski und seine Entourage von sich geben. Natürlich wird Russland vorhaben, eigenhändig die Lebensader der Krim, die man nach fast acht Jahren kriminellen Umweltterrorismus seitens Kiew beim Einmarsch gerade wieder eröffnet hatte zerstören. Das ist so aberwitzig schwachsinnig, wie nur irgend möglich, hält westliche Medien aber nicht davon ab, es nachzubeten.

    Wie sich das mit den russischen Vorwürfen einer ukrainischen schmutzigen Bombe verhält, kann man nicht wissen. Das könnte in der Tat „strategische Kommunikation“ sein, wie Rötzer es nennt. Es könnte auch einfach stimmen. Es gibt schlicht zu viele Menschen, die nicht einen Hochschimmer davon haben, was passiert, wenn wer auch immer den Atomdeckel anhebt. Beschreibungen sind unmöglich, aber eins ist gewiss – es ist ganz gewiss schlimmer als man denkt, zu denken in der Lage ist.

    Danach über all die kriminellen Sekundärtäter in ihren Schreibstuben und Newsrooms, die eine solche Entwicklung munter herbeilafern und -schreiben herzufallen, ist dann auch nutzlos.

    Die ukrainische Regierung ist wie weiland die UCK. Sie versucht mit allen Mitteln den Westen zum direkten Eingreifen zu bewegen, denn wie diese weiss sie, dass das ihre einzige Chance ist. Wenn deshalb die gesamte menschliche Zivilisation einen Rückschlag von 10’000 Jahren erlebt, was solls? Nochmals – es spielt in einem Krieg keine Rolle, ob einige Quadratkilometer dünnbesiedeltes Gebiet die Hand wechseln, es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen einer Niederlage und einem Rückzug als Unbesiegte. Im zweiten Fall verliert man nur marginal an Substanz. Auch die usa haben z. B. in Afghanistan nicht eigentlich verloren. Würde die Führung es für nötig und sinnvoll erachten, könnte sie jederzeit die Taliban komplett ausradieren. Und dies trotz der grossen Entfernung. Russland grenzt an die Ukraine, da ist es noch viel einfacher. Und – wenn je ein Land strategische Tiefe hatte, dann Russland.

  6. Natürlich sprengen die Russen den Damm selber, ähnlich wie die Sprengungen der Krim-Brücke und der Pipelines und der Eigenbeschuss eroberter AKWs. Und letztlich wurde auch Selensky von den Russen installiert, um dann Krieg führen zu können. […]

    Bzgl der schmutzigen Bombe – Larry Johnson (sonar21) zieht eine Linie zum Vorwurf an Assad, Sarin gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen.

    Dumm nur, dass die verantwortlichen amerikanischen Dienste damals die falschen Chemikalien benutzt hatten.

  7. Ein bisschen Geschichte und ein Bericht der NYT vom Januar ist hier, denke ich, am Platze. Es geht darin um den Tabqa-Damm und es ist ein Präzedenzfall.

    A Dam in Syria Was on a ‘No-Strike’ List. The U.S. Bombed It Anyway. (…)
    The Islamic State, the Syrian government and Russia blamed the United States, but the dam was on the U.S. military’s “no-strike list” of protected civilian sites and the commander of the U.S. offensive at the time, then-Lt. Gen. Stephen J. Townsend, said allegations of U.S. involvement were based on “crazy reporting.”
    “The Tabqa Dam is not a coalition target,” he declared emphatically two days after the blasts.
    In fact, members of a top secret U.S. Special Operations unit called Task Force 9 had struck the dam using some of the largest conventional bombs in the U.S. arsenal, including at least one BLU-109 bunker-buster bomb designed to destroy thick concrete structures, according to two former senior officials. And they had done it despite a military report warning not to bomb the dam, because the damage could cause a flood that might kill tens of thousands of civilians.
    Given the dam’s protected status, the decision to strike it would normally have been made high up the chain of command. But the former officials said the task force used a procedural shortcut reserved for emergencies, allowing it to launch the attack without clearance. (…) After the strikes, dam workers stumbled on an ominous piece of good fortune: Five floors deep in the dam’s control tower, an American BLU-109 bunker-buster lay on its side, scorched but intact — a dud. If it had exploded, experts say, the whole dam might have failed.

    Das war im März 2017. Das Ziel der Operation: Die amerikanische Besatzung Nordsyriens gegen Trumps präsidentielle Direktive, die Truppen auszufiltrieren und abzuziehen, aufrecht zu halten. Man kann das aus dem Rest des Artikels heraus lesen, allerdings nur mit Hintergrundwissen. Einen Punkt will ich hervorheben: Die NYT deutet selbst an, daß die beschuldigte Spezialeinheit nur den Vorwand geliefert hat, die Befehlskette zu umgehen. Sie rief das Bombardement von einer B-52 ab, die über dem Damm kreiste, obwohl lt. Operationsbericht der Besatzung weit und breit nichts von größeren Kampfhandlungen zu sehen war. Der Plan zur Bombardierung unter Umgehung der amerikanischen Befehlskette war mithin an höherer Stelle in OIR koordiniert.
    Der Hintergrund, den man kennen sollte: Im Frühjahr 2017 – ich weiß nicht mehr genau, wann, müßte ich tief in mein unorganisiertes Archiv tauchen – hatte Frau Merkel etwas Unerhörtes getan, sie hatte sich der Enpfehlung des NATO-Rates widersetzt, die NATO-Befehlskette offiziell und formell neben der amerikanischen(!) Befehlshierarchie der „Operation Inherent Resolve“ einzugliedern. Daher muß man die Hypothese gelten lassen, die Tabqa – Katastrophe sei zumindest unter anderem als Antwort auf diese Insubordination vorgesehen gewesen. Danach jedenfalls zog Merkel ihre Einwände argumentlos zurück und im Mai wurde NATO in OIR eingegliedert. Die FAZ betietelte das, möglicherweise völlig clueless, mit „Ein großer Schritt – für Trump“
    https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/nato-tritt-anti-is-bund-bei-ein-grosser-schritt-fuer-trump-15032129.html
    Ja, sehr gut möglich, daß Merkel begriffslos opponiert hat und nichts weiter im Sinn hatte, als ihre „Führungsrolle“ in Europa „gegen Trump“ zu testen.
    Bezeichnend ist, daß irgendwann später in den leicht zugänglichen Quellen, Wikipedia voran, jeder Hinweis darauf getilgt wurde, daß die NATO als Verbund, also ihr Militärapparat, gleichberechtigt neben dem Pentagon in der OIR figuriert hat.
    https://www.nytimes.com/2022/01/20/us/airstrike-us-isis-dam.html

    PS.: Wenn ihr wissen wollt, wen ich für die Autorität halte, die die Verschwörer in OIR in den USA abgesichert hat – denn im Erfolgsfall hätte es natürlich eine Untersuchung gegeben, die nicht leicht unter den Tisch zu kehren gewesen wäre – so ist die Antwort CJCS Joseph Dunford. Er hatte schon Erdogans Staatsstreich in der NATO abgesichert, unter anderem mit dem Ziel, „Weicheier“ unter den NATO-Generälen abzuservieren, namentlich den Luftwaffenkommandeur in Incirlic. Das ermöglichte einen weiteren Übergriff auf die US-Befehlshierarchie, von der ich auf dieser Plattform schon erzählt habe:
    https://en.wikipedia.org/wiki/September_2016_Deir_ez-Zor_air_raid

    1. Wurde abgelenkt, zur Ergänzung:
      Der IS, deren Oberkommando sowieso in amerikanischen Diensten stand, aber das spielt im vorliegenden Zusammenhang keine Rolle, hatte die Installationen des Dammes vermint. Das gefährdete nicht den Damm, die Sprengung hätte aber die Stromversorgung der ganzen Region, einschließlich Aleppo, stark reduziert. Deshalb hatten sich die Einheiten der SDF gegen OIR-Befehl vom Damm zurück gezogen. Die Zerstörung des Dammes hätte die ohnehin brüchige amerikanische Allianz mit den SDF zumindest vorübergehend erledigt und das hätte der Türkei freie Hand für die Eroberung von Manbij gegeben. Nichts schweißt Leute unlösbarer zusammen, als gemeinsam begangene Massenmorde, und diese Bindung wirkt in Militärverbänden die ganze Befehlskette herunter. Für ein paar Jahre waren die NATO – Befehlshaber schon deshalb aus dem WH und Pentagon schwer angreifbar. Nur das DoS und die dem DoS angeschlossene CIA-Abteilung vermag diesen Bind aufzubrechen, weil sein Personal nicht in den offiziellen Befehlsketten figuriert. Daher kommen dann auch die Leaks, welche die NYT regelmäßig öffnet, wenn es gewissen Leuten opportun erscheint.

  8. Auf eigenem Gebiet eine atomare Bombe einzusetzen, hätte eine ganz neue Qualität. Die USA und Kuwait haben die Brutkastenlüge verbreitet, aber sie haben niemanden geschickt, um Frühchen in einem Krankenhaus auf den Boden zu werfen. Sie haben Saddam Hussein beschuldigt, Massenvernichtungswaffen zu besitzen, aber nirgendwo in Kuwait eine taktische Atombombe gezündet, um einen Angriff zu simulieren. Einerseits ist den in der Ukraine regierenden Desperados alles zuzutrauen, andererseits könnte es sich auch um ein etwas unbeholfenes russisches Propagandamanöver handeln, um Angst bei der ukrainischen Bevölkerung vor ihrer eigenen Regierung zu erzeugen, die eine atomare Eskalation vorbereite. So will man vielleicht die Flüchtlingswelle hochtreiben.

    1. „Torwächter“?
      Öhm? Cheney hat WTC sprengen lassen. Prinz Bandar „ben Bush“ und der türkische Geheimdienst MIT haben im Auftrag des DoS „Küchensarin“ in Al Ghouta versprühen lassen, die NATO hat mit Hilfe zweier nach Doha beorderter F-22, die dort nie ankamen, 300 Passagiere von MH17 zu Frostfleisch verarbeitet und Nuland und Pyatt haben 80 Leute auf dem Maidan in den Rücken feuern lassen. Mit Ausnahme der Operation MH17 ist alles bestens belegt.

  9. Zu russischen Hinweisen auf eine nukleare False – Flag – Operation

    Es gibt deutliche Hinweise darauf, daß da „etwas ‚dran“ ist – aber was genau, ist völlig unklar.
    1. Der Unterschied in der Behandlung des Themas in Russland und im Westen ist frappant. In den russischen Staatsmedien ist das ein knapp und sachlich behandeltes Thema unter zahlreichen anderen, den Kriegsschauplatz betreffenden. Im Westen ist es ein Medienhype, zu dem die Medien schon vorpreschten, bevor die Ministerien der Atommächte nachzogen.
    2. Schoigu hat Ross und Reiter genannt – konkrete Adressen, an denen theoretisch nachzuforschen wäre.

    Nimmt man beides zusammen, ergibt sich eine Wahrheit – im deutlich fest zu haltenden Unterschied zu „Wirklichkeit“. Sie lautet: In den Hierarchien der zuständigen westlichen Ministerien *befürchtet* man, daß an den russischen Angaben etwas dran sein könnte – man hat einschlägige Erfahrungen, auf einen Teil habe ich in diesem Thread hingewiesen.
    Zu beachten ist dabei der russische Hinweis auf eine britische Verwicklung. Natürlich denkt dabei niemand, außer TomGard, öffentlich an „EHEC“, aber das nur nebenbei, weil ich ein störrischer Geselle bin. Entscheidender sind die Novichok-Affären und der Umstand, daß der britischen Regierung die Kacke nie höher am Hals stand, als nach der internationalen Spekulation gegen das Pfund, das zum Beispiel – wirklich nur zum Beispiel – *gegen* Black Rock gar nicht in der geschehenen Weise machbar gewesen wäre.
    Zudem hat man zu beachten, daß der „Angriff über Bande“ auf die deutsch dominierte EU in der Ukraine 2014 technisch und organisatorisch zunächst über das UK und Polen abgewickelt wurde, Nuland und Pyatt gaben dem Angriff erstmal nur „das Gesicht“. Polnische und britische Söldner waren von Beginn an in die „ATO“, die Kriegshandlungen gegen die russische Bevölkerung, eingebunden. Der MI6 ist tiefer und nachhaltiger in der an die Macht geputschten Clique verankert, als amerikanische Dienste.
    Deshalb müssen aber Außen- und Kriegsministerium des UK noch lange nicht wissen, was da los ist! Da spielen heute – dank der Kriegführung seit 9/11 mit ihren Massenmorden – *Männerfreundschaften* eine Rolle, wie im 19 Jhd. und zur Zeit der Irland-Kriege.

    Just diese Lage, über die man in Russland gut Bescheid wissen sollte, ist zugleich ein Ausgangspunkt für wirksame Desinformationskampagnen gegen Außen- und Kriegsministerium der RF. Das Schema ist in Syrien ein Dutzend Mal erprobt worden, u.a. um die russische Garnison zu Bombenkampagnen zu verleiten, die dann öffentlichkeitswirksam ausgeschlachtet wurden.

      1. Was für eine Albernheit, mir und den Mitlesern unter einem Vorwand Haßpropaganda unterzuschieben, in der nichts weiter zu lesen ist, als „Der Kreml weiß genau Bescheid“.

        Immerhin gibt mir das Gelegenheit, etwas zu ergänzen.
        Eine „schmutzige Bombe“ kann jeder Amateur basteln, selbst mit Dampfkochtöpfen, er braucht dazu neben einschlägigen Bastelkenntnissen nur radioaktives Material. Das Gewese um „Komponenten aus dem UK“, „kurz vor dem Abschluss“ und so zu ist folglich klipp und klar Desinformation, die freilich die Frage offen läßt, von wem und zu welchem Zweck.
        Nachdem beide Seiten die Angelegenheit so lange am Kochen halten, ist eine Teilantwort darauf sofort zu geben: Es handelt sich um eine britisch-ukrainische Desinformationskampagne, die den Einsatz einer schmutzigen Bombe vorbereiten soll und erfolgreich vorbereitet hat und so lange aktiv bleiben soll, wie entweder jemand an relevanter Stelle entscheidet, eine zu zünden, oder der Kreml entmachtet ist.
        Die Briten tun, was sie seit 25 Jahren getan haben, sie versuchen die anderen NATO-Mitglieder, namentlich die USA, militärpolitisch vor sich her zu treiben. Es ist eine eigentümlich britische Methode, weil das Land seinen Eliten wenig andere Methoden hergibt, die Diskrepanz zwischen ihren Ansprüchen an ihre militärpolitische Macht und deren materielle Grundlagen zu überbrücken.

        1. Sie negieren die psychopathische Seite.
          Bei allem physischen Schaden einer „schmutzigen Bombe“ ist doch der Hauptzweck, der Gegenseite „Terror“ zu unterstellen. Geschah und geschieht doch unabhängig von der „schmutzigen Bombe“.

          1. Ich negiere diese Seite!? Ich hab grad erklärt, wie eine auf die Welt kommt!

            Von einem Fan des russischen Krieges lass ich mir den Scheiss schon gar nicht sagen. Die Energieinfrastruktur platt machen und dann NICHT entscheidend an- und durchgreifen, DAS ist Terror – und Hass. Der Übelste von allen, weil er sich selbst nicht kennen will; und damit ist er ziemlich „amerikanisch“ – nach dem Muster der Bombardierung Serbiens.

  10. „Laut dem Westen beschießt Russland seine eigene Zivilisten, Soldaten und das AKW mit NATO-Waffen. Wir schießen den ganzen Tag nur auf uns selbst und benutzen dazu die Waffen, die die NATO der Ukraine geliefert hat.“ Marija Wladimirowna Sacharowa

    Dann ist es wohl doch keine Militäraktion der Russen. Es ist dann wohl der Vernichtungskrieg gegen sich selber, auf dem Territorium der Ukraine. Dass ist clever…Selbstmord beim Nachbarn, dann bleibt die eigenen Bude sauber…

    …was Herr Rötzer sich so alles einpfeift, möchte ich garnicht wissen…

  11. Egal, was man sonst über den Krieg dort denkt, eines ist sicher: Die US-EU-NATO unterstützt einen vollkommen Durchgeknallten. In einer geschlossenen Anstalt wäre der besser aufgehoben.

  12. Es ist interessant zu lesen, dass die Ukrainer in der Nähe von Kiev an einer schmutzigen Bombe arbeiten sollen.

    Vermutlich wird die schmutzige Bombe als Begründung für einen russischen Einmarsch in der Westukraine herhalten, analog zum erfundenen Giftgas im Irak und der damit begründetem Invasion der Amerikaner. Im Hintergrund steht dabei das Völkerrecht zur Legitimation, das präventiv-militärische Maßnahmen gegen den Einsatz Massenvernichtungswaffen ( halbwegs ) zulässt.
    Die Russen machen es den Amerikanern nach und führen einen Regimechange in Kiev durch.
    Sie würden sonst nie Ruhe vor dieser Regierung bekommen.
    Dieses Szenario würde zur gemeinsamen Truppenaufstellung mit Belarus passen. Zange um Kiev.
    Dunkel es ja dort schon.

  13. Die Beweise der Russen, für den Bau
    einer schmutzigen Bombe, sind erdrückend.
    Ein Foto mit Tüten voller Rauchmelder.
    Die Russen haben Humor.

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