Schauriger Mythos und Realität: das chinesische Sozialkreditsystem

Konfuzius ersucht Laotse um Rat; Skulpturen in Quanzhou, Fujian ; Foto von Robert Fitzthum
Konfuzius ersucht Laotse um Rat; Skulpturen in Quanzhou, Fujian ; Foto von Robert Fitzthum

Während das chinesische Sozialkreditsystem (SKS) im neoliberalen Westen oft als einheitliches, orwellsches, dystopisches Überwachungssystem aller Bürger dargestellt wird, ist es heute in Wirklichkeit eine Governance- und Regulierungsarchitektur, keine einheitliche Bewertung der Bürger. Es integriert weitgehend Daten von Gerichten, Aufsichtsbehörden und lokalen Regierungen, um die Einhaltung von Vorschriften, vor allem im Geschäftsbereich, zu fördern und Verstöße zu ahnden.

Chinas Sozialkreditsystem wurde 2014 mit der Veröffentlichung der ‚Mitteilung der Regierung über die Erstellung des Planungsentwurfs für den Aufbau eines Sozialkredit-Systems (2014–2020)‘ der Öffentlichkeit vorgestellt. Das System, das in der westlichen Überwachungsparanoia und Technikfeindlichkeit oft als Überwachungssystem zur Kontrolle des Verhaltens von Privatpersonen missverstanden wird, ist ein Versuch, ein finanzielles Bonitäts- sowie soziales Verhaltensbewertungssystem für vier Säulen aufzubauen: eine für Unternehmen und andere Organisationen, eine für die Behörden, eine für die Justiz und eine für Bürger.

Das SKS – ein riesiges Projekt, das langsam gefüllt wird – umfasst in der Endausbaustufe die finanzielle Kreditwürdigkeit (zhengxin) und die soziale Kreditwürdigkeit (shehui xinyong). Die Übersetzung letzteres mit ‚credit‘ im Englischen und ‚Kredit‘ im Deutschen ist etwas irreführend, es geht besser übersetzt um ‚Soziale Vertrauenswürdigkeit‘ oder ‚Soziale Zuverlässigkeit‘.

Auch Flugreisen sind untersagt

Das System besteht heute aus vielen verschiedenen aufgesplitterten Teilen. Es gibt landesweite Datenbanken staatlicher Institutionen und als Reaktion auf den Regierungsentwurf von 2014 haben viele Provinzen und Städte eigene Sozialkreditpläne entworfen und eigene Pilotprojekte ins Leben gerufen.

Welche gesamtstaatlichen Systeme gibt es? Zu den wichtigsten Kreditdienstleistern Chinas gehört das ‚Credit Reference Center‘ der Zentralbank People‘s Bank of China, dessen Kreditberichte sich auf finanzbezogene Aktivitäten beziehen. Das Center erstellt sowohl Kreditreferenzberichte für Einzelpersonen als auch für Unternehmen. Beide Datenbanken wurden in den 1990er Jahren entwickelt und gingen in den 2000er Jahren online. Die Kreditberichte enthalten Informationen zu persönlichen Darlehen und Hypotheken, Kreditkartennutzung, Aufzeichnungen von Zahlungsverzug, Zivilurteile, unbezahlte Rechnungen öffentlicher Versorgungsunternehmen oder Bußgeldern. Das Referenzzentrum bezieht seine Daten von Banken, Gerichten und anderen Regierungsstellen. Insofern ähnelt es den im Westen üblichen Systemen wie beispielsweise FICO Score in den USA, SCHUFA in Deutschland und KSV1870 in Österreich. Im Gegensatz zu den meisten Credit-Score-Produkten in westlichen Ländern erstellen die Kreditreferenzberichte keine ganzheitliche Bewertung für Einzelpersonen und Unternehmen.

Eine zweite wichtige Datenbank, die sich teilweise mit dem Reference Center- System überschneidet, ist im Obersten Volksgerichtshof angesiedelt. Es handelt sich um die Datenbank strafverfolgter Einzelpersonen oder Unternehmen. 2010 verhängte der Oberste Volksgerichtshof Ausgabenlimits und sonstige Verpflichtungen für Einzelpersonen und Organisationen, die versuchen sich ihren rechtlichen Verpflichtungen (Rückzahlung von Schulden, Schadenersatz, Bezahlung von Alimenten…) zu entziehen. Den Betroffenen ist es demnach untersagt, auf Flugreisen, in Zügen oder auf Kreuzfahrten in der Business-Klasse zu reisen bzw. Hochgeschwindigkeitszüge zu benutzen. Sie unterliegen zudem Restriktionen beim Immobilienkauf und ihnen ist der Aufenthalt in Luxushotels untersagt.

Nach statistischen Angaben verschiedener Gerichtsinstanzen versuchten in der Vergangenheit 70 (!) Prozent der betroffenen Einzelpersonen oder Organisationen sich der Urteilsdurchsetzung zu entziehen und erfüllten die ihnen auferlegten rechtswirksamen Verpflichtungen nicht. 2013 beschloss die Regierung daher die Einrichtung einer schwarzen Liste, um Verweigerer der Durchführung von Gerichtsurteilen öffentlich bloßzustellen. Die Datenbank ist öffentlich zugänglich. Benutzer können die gespeicherten Informationen nach den Namen von Einzelpersonen oder von Institutionen durchsuchen. Das System hat sich positiv auf die Schuldenbegleichung ausgewirkt.

Social Credit Construction Law

Ein dritter Regierungszweig, der große Datenmengen sammelt, sind die Eisenbahnbehörden. 2017 veröffentlichten die Eisenbahnverwaltungsbehörden ein Dokument mit dem Titel „Methode zur Verwaltung der Datensätze von Bahnreisenden“.

Die Verordnung führte eine Reihe unlauterer Verhaltensweisen auf, die in der Datenbank aufgezeichnet werden. Dazu zählen die Gefährdung der Sicherheit des Eisenbahntransports, das Rauchen in Hochgeschwindigkeitszügen, der unlautere Erwerb und Weiterverkauf von Fahrscheinen, der Verkauf von gefälschten Fahrscheinen, die Verwendung gefälschter oder ungültiger Fahrkarten und Schwarzfahren. Die Aufzeichnungen werden fünf Jahre lang in der Datenbank gespeichert.

Obwohl es noch mehrere andere staatliche Systeme für Sozialkredite gibt (z. B. Steuerverwaltung), haben die drei oben genannten aufgrund der unmittelbaren Strafen, die meiste Aufmerksamkeit erhalten.

Im Jahr 2022 wurde ein Gesetzesentwurf, das ‚Social Credit Construction Law‘, vorgelegt, der, wie alle Gesetzentwürfe, zur Kommentierung öffentlich zugänglich war. Dieser Gesetzentwurf ist stark auf den Aufbau des Gesamtsystems und die Verantwortlichkeiten dafür, sowie Firmenverhalten und öffentliche Stellen orientiert. Im Rahmen dieses Gesamtsystems werden ‚Kreditinformationen‘ von den vier Zielgruppen – Regierungsbeamte, Unternehmen, soziale Organisationen und Justizbehörden – gesammelt, die zur Beurteilung der Vertrauenswürdigkeit einer bestimmten Organisation oder Person verwendet werden.

Die Art der Kreditinformationen, die im Rahmen des SKS gesammelt werden, unterscheidet sich für die Bereiche Regierung, Soziales, Unternehmen und Justiz. Für die Regierungsbehörden umreißt das Gesetz sogenannte ‚Schlüsselfelder‘. Dazu gehören unter anderem die Verantwortung für die faire und gleichberechtigte Umsetzung der Investitionspolitik, die Aufrechterhaltung der Schuldentransparenz und die Gewährleistung von Gleichheit und Fairness bei staatlichen Ausschreibungen und Finanzierungssystemen.

Für Unternehmen konzentrieren sich die Verantwortlichkeiten auf die Aufrechterhaltung eines gesunden wettbewerbsorientierten Marktumfelds, die Verhinderung wettbewerbswidrigen und monopolistischen Verhaltens, Produktionssicherheit, Illegales oder falsches Marketing und Werbung, Einhaltung von Arbeitsgesetzen durch Arbeitgeber, Betrug bei sozialen Dienstleistungen, Zahlung (oder Nichtzahlung) von Sozialleistungen, Bestimmungen (oder deren Fehlen) von Sozial- und Arbeitsversicherungen; im Bereich des Umweltschutzes: Einhaltung der Umweltschutzgesetze und Erfüllung der Umweltverantwortung. Umgekehrt können sich positive Beiträge zur Gesellschaft, wie z. B. die Einrichtung von Sozialprogrammen, Spenden für wohltätige Zwecke oder andere Aktivitäten zur sozialen Verantwortung von Unternehmen (Corporate Social Responsibility) positiv auf die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens und die Beschleunigung ihrer Amtswege auswirken.

Punkte für Spenden

Schließlich, für den Bereich der Justiz umreißt der Gesetzentwurf keine ‚Schlüsselbereiche‘, sondern skizziert Bereiche, in denen Justizbehörden, Personal und Praktiken im Rahmen des SKS verbessert und beobachtet werden sollen.

Derzeit nimmt nur ein kleiner Teil der chinesischen Bevölkerung an von der Regierung geleiteten lokalen Pilotprojekten in etwa 40 ausgewählten Städten teil. Entsprechend der unterschiedlichen Führungsansätze der einzelnen lokalen Regierungen unterscheiden sich die regionalen Pilotprojekte stark in ihren jeweiligen Schwerpunkten.

Es gibt jedenfalls derzeit kein einheitliches das ganze Land überspannendes System. Einige Lokalregierungen bevorzugten eine schrittweise Vorgehensweise und legten mehr Wert auf die Transparenz öffentlicher Daten und den Datenaustausch. Ein bekanntes Beispiel eines regionalen Projekts beschreibt der chinesische Experte Zhou Minxi: „Eine dieser Städte ist Rongcheng in der Provinz Shandong. Das Pilotprogramm verwendet ein Bewertungssystem von einem hohen Niveau von AAA bis hinunter zu D und gibt jedem der 740.000 Einwohner von Rongcheng eine Startpunktzahl von 1.000 Punkten. Zusätzliche Punkte werden für Verhaltensweisen vergeben, die als pro-sozial gelten, wie z. B. Spenden für wohltätige Zwecke und Freiwilligenarbeit, Abzüge werden für negatives Verhalten wie Verkehrsverstöße vorgenommen. Auch Regierungsbeamte werden benotet. Ein namentlich nicht genannter Beamter des örtlichen Kreditamtes sagte gegenüber Guangming Daily, dass seit dem Testlauf 18 Parteimitglieder unter B herabgestuft wurden und infolgedessen ihre Aufstiegschancen verloren haben, und weitere 129 Parteimitglieder von zukünftigen Kandidaturen auf lokaler Ebene ausgeschlossen wurden. Nur diejenigen mit der Note A und höher sind für eine Beförderung berechtigt, sagte der Beamte.“

Interessant ist, dass z.B. in der chinesischen Millionenstadt Hangzhou die Nichteinhaltung der Mülltrennungsregeln mit Punktabzug bewertet wird. Aus einer anderen Stadt: wer 1.000 RMB (ca. 130 Euro) für einen guten Zweck spendet, bekommt fünf Punkte. Wem die Stadt eine Auszeichnung verleiht, erhält 30. Bei 1.300 Punkten ist der Höchststand AAA erreicht. Dann gibt es Ermäßigungen bei Heizungs- oder Wasserrechnungen, AAA-Bürger müssen keine Kaution für Leihfahrräder und in der Bücherei hinterlegen. Man sieht an den Beispielen, dass die Systeme noch unkoordiniert laufen.

Welche negativen Konsequenzen kann es in diesen Testregionen für Einzelpersonen geben: Beschränkung der Beschäftigungsmöglichkeit, Beschränkung der Ausübung eines Gewerbes und Beschränkung eines luxuriösen Konsumverhaltens; weiters Ausreisebeschränkungen, die Beschränkung von Kreditgewährungen und der Teilnahme an Ausschreibungen.

Um die Größenordnungen im 1,4 Milliarden Staat China zu zeigen: im Mai 2022 verhängte China ein Verbot der Benutzung von Zügen für 307 ‚diskreditierte‘ Personen und für 960 für die Benutzung von Flügen. Also geringste Prozentzahlen.

Was kann jemand (privat oder Unternehmen) machen, der oder das sich ungerecht behandelt fühlt? Erstens gibt es einen Auskunftsanspruch über die jeweils gespeicherten Daten. Bei falschen Daten gibt es einen Korrekturanspruch, man kann sich an die für die jeweiligen Daten zuständige Behörde wenden, Widerspruch einreichen und eine Anhörung verlangen. Daten bleiben je nach Schwere des Vergehens nach Auskunft eines in China tätigen deutschen Rechtsanwalts drei bis fünf 5 Jahre gespeichert.

Es gibt keine Scores für alle Bürger

Die Einführung eines das ganze Land umspannenden Systems ist natürlich auch in China kontrovers diskutiert. Aber große Teile der Bevölkerung stehen dem System positiv gegenüber, erhoffen sich große Wirkungen, einerseits, dass Gesetzeslücken durch das System ‚abgedeckt‘ werden, andererseits einen besseren Umgang und größere Rücksicht der Menschen miteinander. Die 2019 veröffentlichte Studie der Sinologin Genia Kostka von der Freien Universität Berlin ergab, dass überwältigende 80 Prozent der Befragten an chinesischen Universitäten eine positive Meinung zum Sozialkreditsystem haben.

Durch die inhaltliche und technische Komplexität des geplanten Systems und die Pandemie konnte der ursprünglich geplante Fertigstellungstermin 2020 nicht gehalten werden. Der Aufbau einer landesweiten umfassenden Datenbank für Sozialkredite hat noch viele Hürden zu überwinden. Die verschiedenen chinesischen Stakeholder müssen sich auf inhaltliche Kriterien und die Beurteilungsalgorithmen einigen. Es ist ein riesiges Unterfangen eine so große Datenbank aufzubauen und dann auch die Aktualität und Richtigkeit der Daten zu garantieren. Es muss auf technischer Ebene eine Einigung über die Datenformate erfolgen, die Schnittstellen für den Datenaustausch von tausenden IT-Systemen, die nicht kompatible Datenbanken und Datenstrukturen verwenden. Die Gewährleistung der Datensicherheit ist auch eine Aufgabe, da die Systeme ja übers Internet abfragbar sind.

Um es nochmals klarzustellen: es gibt keine Scores für alle Bürger und keine Kontrolle des tagtäglichen Verhaltens, es gibt Tests in einzelnen Städten. Konsequenzen aus Fehlverhalten entstehen aus Eintragungen in die Blacklist, wie oben ausgeführt. Das betrifft eine minimale Anzahl von Personen. Wenn sich jemand falsch eingestuft fühlt, kann er Widerspruch einreichen und Änderungen verlangen.

Also:  die schaurige Furcht im ohnehin nicht betroffenen Westen ist erstens unnötig und zweitens zu früh. Und die antichinesische Gehirnwäsche, die zu diesem Thema im Westen betrieben wurde und wird, sei es von Politikern, sei es von Journalisten oder sogenannten Menschenrechtsorganisationen, wirft kein gutes Licht auf die Beteiligten.

Robert Fitzthum

Robert Fitzthum, Jahrgang 1951, studierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Wien und arbeitete als IT-Manager in österreichischen Banken sowie als selbstständiger Unternehmensberater. Er lebt seit 2013 als Schriftsteller in China. Er schrieb „China verstehen” (Promedia-Verlag, 2018) und „Erfolgreiches China” (Goldegg- Verlag, 2021). „Chinas ‚Neue Reise‘: Sozialistische Modernisierung und die Bedeutung der Volksdemokratie” erscheint 2026.
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30 Kommentare

  1. Überhaupt keinen Satz zu den Gefahren eines politischen Missbrauchs? Immerhin bedeutet das System auch eine ungeheure Machterweiterung für die Regierung.

    1. …ungeheure Machterweiterung für die Regierung.

      Ja, genau so wie jedes Gesetzbuch auch in Verbindung mit Melderegister, polizeiliches Führungszeugnis, Flensburg. Dazu kommt Chip auf Versicherungskarte, SCHUFA, Kirchen- & Parteizugehörigkeit, Datenvorratsspeicherung, Bestellverlauf bei Amazon oder Temu, Browserverlauf, CCTV usw. Nicht zu vergessen, was die Nachbarn so sagen.
      Wenn man Steine auf Glashäuser wirft, sollte man auch das eigene nicht auslassen – und vielleicht vorher fragen, wozu so ein Glashaus auch sonst noch gut sein kann? Und dann fragen: „Brauche ich das überhaupt?“

      1. EL-G: Eine sehr gut Antwort auf den Kommentar von Jannis Oberdieck. Unsere Propaganda
        hat die Menschen im Westen wirklich regelrecht im Denken versaut. Was im Westen als
        Kavaliersdelikt oder sogar als normal durchgeht, ist für Länder wie China, den Iran oder
        Russland aus Sicht der Menschen heute das schlimmste Verbrechen. Der Mullah ist böse,
        weil er einen Turban trägt, der Papst ist gut, obwohl seine Kleidung schon eine Zumutung
        für die Augen sind.

        1. Ich kann nicht genau beurteilen, wie es in China ist, vermute aber anders als in Europa.
          In den europäischen Kulturen hat man immer de Eindruck, dass es in den Regierungen aber auch in der Bevölkerung eine gewisse Sympathie für bestimmte Formen der Kriminalität und des Betruges gibt.

  2. „Also: die schaurige Furcht im ohnehin nicht betroffenen Westen ist erstens unnötig und zweitens zu früh. Und die antichinesische Gehirnwäsche, die zu diesem Thema im Westen betrieben wurde und wird, sei es von Politikern, sei es von Journalisten oder sogenannten Menschenrechtsorganisationen, wirft kein gutes Licht auf die Beteiligten.“

    Das Resümee würde genauso von einem chinesischen Regierungsvertreter, der der Einheitspartei KP angehört, ausfallen. Gehirn gewaschen und auf Parteilinie.
    Einen Überwachungsstaat gibt es in der Welt des Autors nicht. Aber vielleicht ein Staat von dem man wirtschaftlich abhängig ist.

    1. @Ottono

      Also gilt alles, dass ein chinesischen Regierungsvertreter äußert, automatisch unwahr und bloß Propaganda?

      Ein sehr bequemer Standpunkt, der einem davor bewahrt, auf die Äußerung argumentativ einzugehen..

      1. Allerfeinste Tautologie eben. Weil sein muss, was sein könnte!

        Einen Beweis braucht es dann nicht mehr – allerdings nur in China und anderen bösen Autokratien.

  3. Und nun ein kurzer Werbespot (fürDummmmies):
    •Das System, das in der westlichen Überwachungsparanoia und Technikfeindlichkeit oft als Überwachungssystem zur Kontrolle des Verhaltens von Privatpersonen missverstanden wird,…
    •Also: die schaurige Furcht im ohnehin nicht betroffenen Westen ist erstens unnötig und zweitens zu früh.

  4. Wenn man die Kommentare liest wundert man sich wie tief die Leute doch noch im MS Narrativ stecken, obwohl sie hier lesen. Anstatt sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, wird die Angst Karte gezogen.

    Wenn man sich die deutschen Städte anschaut, muss ich sagen ist ein Sozialkredit System durchaus sinnvoll. Die gegenseitige soziale Kontrolle die es hier vor 50 Jahren mal gab, ist mittlerweile komplett weg.

    Der Artikel legt gut dar das das im Gegensatz zum deutschen Narrativ eben kein 1984 ist. Das Sachen auch immer mißbraucht werden können ist klar, aber das kann bei allem passieren von Schufa, Datenvorratsspeicherung … wie @El-G richtig schreibt.

    1. @Patient 0
      „Das Sachen auch immer mißbraucht werden können ist klar, aber das kann bei allem passieren von Schufa, Datenvorratsspeicherung …“

      Das kann nicht nur passieren. Es passiert, sofern es nicht längst passiert ist.

      1. Das ist kein Missbrauch. Das ist bestimmungsgemäßer Gebrauch. Wozu sollte man sich sonst den Aufwand machen so ein umfassendes System aufzubauen? Ach ja ich vergaß: Schützt die Kinder! Oder war das hier die Ausrede für den Überwachungsstaat? Man kommt so leicht durcheinander.

        1. @Alfred Nonym
          „Das ist kein Missbrauch. Das ist bestimmungsgemäßer Gebrauch.“

          Der Punkt geht an dich! Ich werde künftig darauf achten, beide Begriffe nicht unachtsam als ähnlich zu benutzen.

  5. Also ziemlich genau das, was die deutsche Schufa ebenfalls macht. Sodann, wenn ich im Zug fahre, dann bin ich ja so etwas wie eine öffentliche Person. Wenn ich mich da so benehme, dass andere sich gestört fühlen, dann darf das schon mal negative Folgen haben. Hingegen, wenn es ein kleines Plus gibt für ehrenamtliches Engagement, da habe ich nun wirklich gar nichts dagegen.
    Was mich stören würde, wäre ein Herumschnüffeln des Staates in meinem Privatleben. Das findet nicht statt, lese ich aus dem Artikel heraus.
    Die Leute sollen sich besser benehmen. Im Westen wurde versucht, das durch Sprachregeln zu erwirken. Was gescheitert ist. Das hier funktioniert und ist ethisch vertretbar.

  6. Wer mehr wissen will, der lese „Feindbild China“ von Uwe Behrens. Gern auch seine weiterführenden Bücher.
    Behrens ist ein DDR-Bürger, der 30 Jahre in China gelebt hat.

  7. „Also: die schaurige Furcht im ohnehin nicht betroffenen Westen ist erstens unnötig und zweitens zu früh. “

    Nun, gewisse Personen wollen sich prinzipiell nur über andere Länder aufregen und über Vorgänge im eigenen Land, die sie selbst betreffen, lieber schweigen. Insbesondere die (marxistische) „internationalistische Linke“ setzt darauf, das Aufmerksamkeitspotential der von ihnen bequatschten und bequarkten Truppe überzubeanspruchen (indem sie auf alle möglichen andere Länder (gern genommen sind lateinamerikanische Länder, da weit, weit weg) oder fremde Gruppierungen (Kurden, …) verweisen) um zu verhindern, dass dier Scheunentür-offenen Widersprüche in ihren Behauptungen und Agitationen bezüglich der eigenen Situation erkennbar werden.

    Was hat die „Linke“ in den letzten drei Dutzend Jahren hier für uns gebracht? Migrationsförderung und „open border“ kommt von „oben“, dem BDA („Willkommenskultur“), von Merkel, von Soros. Selbst das Aus der Kernkraft kommt von Merkel.

    NICHTS menschen- oder gemeinwohlförderliches kommt von „Linken“, selbst wenn sie Regierungsmacht haben oder hatten (KBW-Fischer beim Bund, Mao-Kretschmann, BaWü, Linken-Ramelow, Thüringen) wurde nichts für sondern immer nur gegen die einheimischen Menschen regiert.

    1. @ratzefatz

      Meiner Meinung nach alles richtig; bis auf den Punkt, sich nur auf die Linken zu konzentrieren. Versuche doch mal den Begriff „Linke“ durch jenen „aktuelle Machthaber“ zu ersetzen. Das nimmt deinem Text nicht die grundsätzlich richtige Aussage und du musst keine Scheingefechte mit Linken (oder auch Rechten, Grünen und anderen Narativbefafteten) führen.

      1. Mag ja gut gemeint sein, Dein Rat. Aber es ist eben die marxistische, internationalistische „Linke“, die uns von vorne bis hinten verarscht. Die Herrschaft würde ohne diese „linke“ Begleitung gar nicht so reibungslos funktionieren.

        „Spalte (u.a. indem du andere, „Linke“, dafür benutzt) und herrsche“, so funktioniert das heute.

    1. •Interesanter sind doch die Pläne für ein Score Syteme hier,…
      WARUM?
      Wenn’s bei diesem „alternativen Anbieter“ nicht auftaucht, dann gibt’s weder Pläne, noch Probleme Punkt.
      Ein Score ist zwar für die Mehrheit längst (unbemerkter) Alltag, aber wo kein geistig anwesender Kläger, da auch kein Richter.

      Und bevor irgendwer mit geistiger Analgesie auch noch meint, fragen zu müssen:
      wohlfeiles Verhalten wird längst vom Gros und freiwillig goutiert; z.B. in: ausschließlich bargeldloser Nutzung(smöglichkeit) ÖPNV, „Rabatten“ dank Preisgabe sämtlicher privater Daten über jedwede nur denkbare App, schnellere „Rundum-Betreuung“ beim mehrheitlich und zunehmend bargeldlosen Bezahlen, Aus- und Zugang bei korrektem Wohl/Verhalten während „apokalyptischer“ Ausrufungen. Künftiger Wegfall der bisherigen Kennzeichnungspflicht für genverænderte Lebensmittel für all jene, die sich nicht aufgrund ihres „Leistungsträgertums“ das zu Tode gestreichelte Koberind, handgeschöpftes Wasser, genetisch reine Früchte etc. einfliegen lassen oder gar via Yacht/Privatjet selbst abholen können etc.

    2. •Interesanter sind doch die Pläne für ein Score Syteme hier,…WARUM?
      Wenn’s bei diesem „alternativen Anbieter“ nicht auftaucht, dann gibt’s weder Pläne, noch Probleme Punkt.
      Ein Score ist zwar für die Mehrheit längst (unbemerkter)Alltag, aber wo kein geistig anwesender Kläger,da auch kein Richter.

      Und bevor irgendwer mit geistiger Analgesie auch noch meint, fragen zu müssen:
      wohlfeiles Verhalten wird längst freiwillig goutiert z.B. in: ausschließlich bargeldloser Nutzung(smöglichkeit) ÖPNV, „Rabatten“ dank Preisgabe sämtlicher privater Daten über jedwede nur denkbare App, schnellere „Rundum-Betreuung“ beim mehrheitlich und zunehmend bargeldlosen Bezahlen, Aus- und Zugang bei korrektem Wohl/Verhalten während „apokalyptischer“ Ausrufungen. Künftiger Wegfall der bisherigen Kennzeichnungspflicht für genverænderte Lebensmittel für all jene, die sich nicht aufgrund ihres „Leistungsträgertums“ das zu Tode gestreichelte Koberind, handgeschöpftes Wasser, genetisch reine Früchte etc. einfliegen lassen oder gar via Yacht/Privatjet selbst abholen können etc.

      1. Stimmt. Und mit Palantir steht ja jetzt wenn ichs richtig verstehe ein Meta Zugang zu den ganzen Profilen auch dem Staat zur Verfügung.
        Vielleicht ists deswegen so still um das Vorhaben geworden.
        Wenn ich richtig erinnere war das noch zu Merkels Zeiten.
        Wobei halt die Möglichkeit sich jetzt mit KI eine Zusammenfassung der zigtausend Einträge zu einer Person geben zu lassen die Sache erst rund macht.
        Es gab aber vor Jahren schon auf dem CCC Kongress mal ein Beispiel welche gespeicherten und zusammengeführten Daten bei einer einfachen Flugbuchung über ein online Reiseportal zur Verfügung standen. War alles wichtige schon damals dabei.
        Aber egal: China! Da essen sie Fledermaussuppe.

  8. Erschreckender Artikel

    Erstens
    Ich finde es wirklich sehr problematisch, in welcher unreflektierten Weise Herr Fitzthum die chinesischen Überwachungsmethoden darstellt. Er tut ja so, als sei schon alles wieder gut und paletti, weil die Chinesen es selbst okay finden und weil es zweitens bisher(!) noch „kein einheitliches das ganze Land überspannendes System“ gibt.

    Insbesondere die Überschrift „Schauriger Mythos und Realität: das chinesische Sozialkreditsystem“ finde ich vollkommen daneben! Schließlich ist doch davon auszugehen, dass die voranschreitende Digitalisierung und KI-Nutzung hier noch zu weitergehenden Anstrengungen führen dürften. Auch ist der negativ zu wertende Vorbildcharakter des chinesischen Verfahrens für begierige Nachahmer im Westen zu fürchten und zu kritisieren. Ein Aspekt, den der Autor vollkommen ausblendet.
    Was droht, das ist ein Ameisenhaufenstaat bzw. ein technokratischer Despotismus mit nur geringen Resten persönlicher Freiheit. Und China ist hier wegen spezifischer Merkmale (s.u.) sozusagen der „Vorturner“ und das Versuchslabor.

    Zweitens
    Der Umstand, dass die Chinesen das anscheinend selbst okay finden, muss natürlich vor dem Hintergrund eines spezifischen Merkmals der chinesischen Kultur gesehen werden – nämlich der enorm großen Anpassungsbereitschaft an herrschende soziale Normen und an das Verhalten der übrigen Leute. Wer sich nicht anpasst und wer aus dem Rahmen fällt, der verliert dort eben sein Gesicht und muss sich schämen. Schämen wollen sie sich aber nicht.
    China hat eben – im Gegensatz – zu Europa und insbesondere zum protestantisch geprägten Bereich eine „Schamkultur“ und keine „Schuldkultur“. Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Scham-_und_Schuldkultur

    Die Zustimmung zum Sozialkreditsystem muss in diesem Kontext gesehen werden, d.h. der hohe Zustimmungswert ist auch (nicht nur, aber auch) eine Folge dieser Schamkultur. Glücklicherweise ist wegen des Umstandes, dass wir im Westen eine Schuldkultur haben und auch deshalb, weil hier persönliche Freiheit einen höheren Stellenwert hat, die Übertragungsmöglichkeit solcher Sozialkreditsysteme etwas (!) eingeschränkt.

    1. „Der Umstand, dass die Chinesen das anscheinend selbst okay finden, muss natürlich vor dem Hintergrund eines spezifischen Merkmals der chinesischen Kultur gesehen werden“
      Etwas allgemeiner formuliert klingt das für mich richtiger: Unsere Bewertungsmaßstäbe lassen sich auf den chinesichen Kulturhintergrund sicherlich nicht anwenden.
      Oder, mit nochmal anderen Worten: das Verständnis der Menschen gegenüber Individualität und Gemeinwohlinteressen ist weltweit sehr verschieden.

  9. Man framed dieses chinesische Punktesystem als ein Kontrollsystem, mit dem die Regierung Menschen auf Linie bringt. Was man in unseren Breiten gerne übersieht ist, dass in jeder Gesellschaft soziale Kontrolle und Konformitätsdruck herrschen. Auch die Kontrolle durchs Arbeitsamt ist ein Instrument, um die Menschen auf Linie zu zwingen. Arbeitslosigkeit im Speziellen und soziale Not im Allgemeinen berauben die Menschen ihrer Freiheit und Souveränität. Und grundsätzlich geht es hier um die Frage von Freiheit und Souveränität. Die ist in allen möglichen Gesellschaften bedroht, nicht nur in der chinesischen.

  10. Man framed dieses chinesische Punktesystem als ein Kontrollsystem, mit dem die Regierung Menschen auf Linie bringt. Was man in unseren Breiten gerne übersieht ist, dass in jeder Gesellschaft soziale Kontrolle und Konformitätsdruck herrschen. Auch die Kontrolle durchs Arbeitsamt ist ein Instrument, um die Menschen auf Linie zu zwingen. Arbeitslosigkeit im Speziellen und soziale Not im Allgemeinen berauben die Menschen ihrer Freiheit und Souveränität. Und grundsätzlich geht es hier um die Frage von Freiheit und Souveränität. Die ist in allen möglichen Gesellschaften bedroht, nicht nur in der chinesischen.

  11. Großartiger Artikel. Wir sollten das chinesische System einfach kopieren. Von China lernen, heißt Siegen lernen. Ein netter Seiteneffekt: Den alternativen Prolos wäre mit einem B-Rating oder schlechter der Aufstieg komplett verwehrt.

    p.s. Wie viele Minuspunkte gibt es, wenn man trotz staatlicher Anordnung nicht Maske trägt?

    p.p.s. Dies ist ein wertvoller Beitrag zum Thema und Diskussionskultur, und daher muss er umgehend approved werden!

  12. Entschuldigt, aber wenn man hier einen negativen Schufaeintrag hat bekommt man keinen Handyvertrag. Das wäre noch zu verkraften, doch schlimmer ist, man bekommt auch u.U. keine Wohnung, es sei denn, der Vermietersetzt sich darüber hinweg. Was Wohnungsgesellschaften nie tun.
    Und das betrifft sicher mehr als 960 von 1400000000.

  13. Zu diesen jeweiligen nationalen Schufa Bonitäts Social scoring Systemen gibt es als komplementäre Vervollständigung die weltweit einheitliche Codierung der Krankheiten (ICD Code). Daraus kann man Eure Lebenserwartung und die monetären Verwertungsmöglichkeiten Eures Krankseins kalkulieren. Wer sich selbst für geSSund hält kann ja ruhig noch einen Zacken schneller arbeiten für den Profit der anderen Seite des Arzt-Patient Verhältnisses.

  14. Oh, das tut weh!

    Nachdem man darüber aufgeklärt werden sollte, dass das gar nicht wahr ist mit den Massentötungen des iranischen Regimes in den Januartagen (sondern eher umgekehrt oder so), nun also die Verharmlosung des chinesischen Systems der totalen Überwachung. Und Mancher entdeckt sogar die Nützlichkeit in dem selben. Und ist das nicht Irre? Selbst „Widerstandskämpfer „gegen das Virus klatschen herzlich Beifall.

    Was kommt als Nächstes? Vielleicht ein Beitrag darüber, dass man in der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik unter dem geliebten und genialen Führer, den dicken Kim, wie im Paradies lebt? Umfragen dsbzgl. würden sicher fast 100 Prozent Zustimmung ergeben.

    Hallo Overton! Jetzt mal im Ernst: Könnt Ihr nicht einfach auch mal einen sachlichen Beitrag bringen, der sich an Fakten orientiert und nicht die ausschließlich anti-westliche Sichtweise zelebriert?

    „Wir wollen Texte, die Dinge erklären, statt sie zu etikettieren…Was wir nicht wollen: Haltung als Ersatz für Argumente.
    Wir schreiben gegen den Reflex, die Welt in Lager zu teilen.“ Steht doch in eurer Präambel.

    „Also: die schaurige Furcht im ohnehin nicht betroffenen Westen ist erstens unnötig und zweitens zu früh. Und die antichinesische Gehirnwäsche, die zu diesem Thema im Westen betrieben wurde und wird, sei es von Politikern, sei es von Journalisten oder sogenannten Menschenrechtsorganisationen, wirft kein gutes Licht auf die Beteiligten.“

    Will sagen so ’nen Scheiss z. B. gehört da nicht hin!

    1. Wenn Sie lieber lesen, wie schlimm das alles in China ist, sollten Sie vielleicht auf SPIEGEL oder FAZ zurückgreifen. Ich glaube, das wäre einfacher als zu versuchen, Overton zu reformieren. Ich zum Beispiel lese hier, weil ich eben nicht zum x-ten Male das selbe hören will, sondern eine andere Sicht kennenlernen möchte.
      Btw: da schreibt jemand einen Artikel, liefert einige Fakten und gibt am Ende ein persönliches Resümee – was genau ist dagegen einzuwenden? Sie können ja trotzdem glauben, was Sie wollen.

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