
Eine Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig/Halle sorgt für Aufsehen. Sollte Russland dahinterstecken, hätte der Vorfall eine völlig neue Dimension.
Der Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle könnte über die Frage hinausgehen, wer die Drohne gesteuert hat. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass Russland hinter dem Einsatz einer mit Sprengstoff ausgestatteten Drohne steckt, würde sich die Beurteilung des Vorfalls radikal verändern. Aus einem schweren Sicherheitsvorfall würde ein staatlich gesteuerter Angriff auf deutsche Infrastruktur.
In der Nacht zum 5. August wurde im Sicherheitsbereich des Flughafens Leipzig/Halle eine Drohne entdeckt, die mit Sprengstoff und einem Zünder ausgestattet war. Die Drohne wurde von einem Mitarbeiter des Flughafens bemerkt und von Spezialisten der Bundespolizei unschädlich gemacht. In der näheren Umgebung befanden sich ukrainische Transportflugzeuge. Zudem kollidierte ein Frachtflugzeug mit einem mutmaßlich weiteren Flugobjekt. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und eines gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr.
Ein neuer Charakter der Bedrohung
Ein belastbarer Nachweis einer russischen Urheberschaft hätte vor allem eine drastische sicherheitspolitische Dimension. Deutschland müsste davon ausgehen, dass die Spannungen zwischen Russland und dem Westen nicht mehr ausschließlich auf ukrainischem Gebiet ausgetragen werden. Der Einsatz einer Sprengstoffdrohne gegen einen Flughafen wäre ein Beispiel für hybride Kriegsführung: eine Operation unterhalb der Schwelle eines klassischen militärischen Angriffs, die dennoch Schäden verursachen und Angst sowie Unsicherheit erzeugen kann.
Der Flughafen Leipzig/Halle ist ohnehin vulnerabel. Er ist nicht nur ein ziviler Verkehrsflughafen, sondern spielt eine wichtige Rolle beim Gütertransport und bei der Unterstützung der Ukraine. Die Nähe zu ukrainischen Transportmaschinen könnte bei einer nachgewiesenen russischen Täterschaft ein Hinweis auf ein mögliches Motiv sein.
Berlin müsste reagieren
Ein offizieller Nachweis würde die Bundesregierung unter Handlungsdruck setzen. Die erste Reaktion dürfte im Bereich der inneren Sicherheit liegen. Immerhin wird schon über einen deutlichen Ausbau der Drohnenabwehr diskutiert. Nach dem Vorfall soll die entsprechende Bundespolizei-Einheit von ursprünglich bis zu 130 auf 300 Spezialkräfte anwachsen; außerdem ist eine Ausweitung der Standorte geplant. Bei einem belegten russischen Angriff würde dies eine exorbitante Dringlichkeit bekommen. Flughäfen, Energieanlagen, Bahnstrecken, Kommunikationsnetze sowie andere kritische Infrastrukturen müssten resoluter gegen Drohnen und Sabotage geschützt werden. Ebenso würde die Frage nach den Zuständigkeiten zwischen Bundespolizei, Landespolizei und Bundeswehr erneut aufkommen.
Sanktionen wären wahrscheinlich aber keine militärischen Konsequenzen
Eine russische Urheberschaft würde voraussichtlich außenpolitische Konsequenzen nach sich ziehen. Deutschland und generell die EU könnten zusätzliche Sanktionen gegen russische Personen, Nachrichtendienste oder Organisationen verhängen, die mit der Operation in Verbindung gebracht werden. Denkbar wären etwa diplomatische Maßnahmen, etwa die Ausweisung russischer Diplomaten.
Ausschlagend wäre aber, wie klar die Beweislage ist. Ein staatlicher Angriff muss nicht zwingend militärisch beantwortet werden. Bei hybriden Operationen ist das Ziel nämlich oft, die Grenze zwischen Spionage, Sabotage und militärischer Aggression bewusst unscharf zu halten. Ein sofortiger deutscher Kriegseintritt wäre aus einem solchen Vorfall keineswegs automatisch abzuleiten. Dennoch könnte eine nachgewiesene staatliche Operation sehr wohl eine härtere diplomatische Antwort rechtfertigen.
Die Unterstützung der Ukraine könnte zunehmen
Paradoxerweise könnte ein Nachweis russischer Verantwortung die Unterstützung der Ukraine verstärken. Wenn Russland tatsächlich versuchen sollte, einen Standort anzugreifen, weil dieser mit der Unterstützung der Ukraine verbunden ist, würde dies in Berlin als Versuch verstanden werden, die Außen- und Sicherheitspolitik durch Einschüchterung zu beeinflussen. Also könnte die Schlussfolgerung lauten: Deutschland lässt sich durch hybride Kriegsführung nicht von seiner Unterstützung für die Ukraine abbringen.
Trotzdem müsste die Bundesregierung unbedingt verhindern, nicht einen Eskalationskreislauf zu starten. Jede Reaktion müsste so gewählt werden, dass sie keinen direkten Krieg zwischen NATO und Russland provoziert. Dadurch würde die Drohne in Leipzig/Halle der Prüfstein der gesamten europäischen Sicherheitsarchitektur.
Entscheidend bleibt die Beweislage
Solange die Ermittlungen keinen handfesten Ballast liefern, sollte Russland nicht als erwiesener Schuldiger bezeichnet werden. Denn eine falsche Beschuldigung könnte zum Bestandteil einer wagemutigen rhetorischen und/oder militärischen Eskalationsspirale werden.
Sollten die Untersuchungen allerdings belastbar nachweisen können, dass russische staatliche Stellen den Drohneneinsatz geplant, finanziert oder gesteuert haben, wäre die politische Tragweite immens. Dann wäre Leipzig/Halle mehr als ein Fall für Polizei und Staatsanwaltschaft. Anstelle dessen wäre es nun eine außen- und sicherheitspolitische Krise zwischen Deutschland und Russland.
Der Wendepunkt wäre dann nicht die Drohne selbst, sondern der Nachweis ihrer Steuerung. Aus einem ungeklärten Anschlagsszenario würde eine konkrete Attacke auf die kritische Infrastruktur und Berlin müsste entscheiden, wie weit es geht, um eine derartige Grenzüberschreitung nicht folgenlos zu lassen.
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Genauso weit wie bei der Reaktion auf die ‚Grenzüberschreitung‘ der Sprengung der North Stream Pipelines? Was ist das für ein Propagandamist?
„Die Unterstützung der Ukraine könnte zunehmen“, bwahaha. Wie soll das genau gehen, noch mehr? Nimmt DE nochmals 600 Mia an Schulden auf? Springen all die Kriegsgurgeln jetzt im Tetrahedon steht bloss im Dreieck („wie können wir helfen möglichst viele Russen zu töten?“).
Die Gegenüber von mir im Zug schaut mich grad äusserst komisch an, herzlichen Dank!
Ich hab den Fehler gemacht weiterzulesen..
Newsflash für die Gleichgeschalteten: Das ist bereits der Fall.
Ein etwas eigenartiger Artikel mit einer seltsamen Wortwahl.
Aber eine „richtige“ Beschuldigung würde dann keine “ wagemutigen rhetorischen und/oder militärischen Eskalationsspirale“ zur Folge haben?
OMG!
Mal im Ernst, hier laufen Vorbereitung für einen Krieg. Man rüstet sich in Europa für den Krieg. Verhindern will den offenbar keine Seite, man will ihn gewinnen. „sicherheitspolitische Krise“ ist ein Euphemismus für einen Gegensatz, der anders als mit Krieg nicht aus der Welt zu schaffen ist.
Der Westen besteht darauf, dass er es ist, der die europäische Sicherheits- und Friedensordnung definiert, also die Unterordnung Russlands einfordert. Die manchmal vorgebrachte Kritik, dass Frieden und Sicherheit nur mit Russland möglich sei, geht an dem politischen Zweck vorbei. Frieden ist kein Zweck, Frieden ist der Zustand, wo sich die eine Seite durchgesetzt hat. Entweder per Drohung, oder per Krieg.
Man braucht nicht unbedingt den Ben Gvir zitieren, der bringt den Standpunkt aber auf den Punkt: Frieden herrscht dann, wenn der Feind vernichtet ist. Kaum moderater ausgedrückt liest sich das so „Wir werden dafür sorgen, dass Russland nie wieder in der Lage sein wird, ein Land zu überfallen“ (Baerbock?). Einen Staat seiner Machtmittel zu berauben ist ein Kriegsprogramm, selbst wenn man meint, das mittels Sanktionen erreichen zu können. Biden sagte am 1. März 2022 sinngemäß, die Sanktionen seien eine „neue Art wirtschaftlicher Staatskunst“, die die Fähigkeit habe, „Schaden anzurichten, der mit militärischer Macht vergleichbar ist“.
Hybride Kriegsführung findet doch schon längst statt. Deutschland rechnet sowieso damit. M.E. ist es nur die Frage, wann es zum direkten militärischen Schlagabtausch kommt. Ich erwarte weder, dass Russland vorher aufgibt, noch dass der Westen sich davon beeindrucken lassen würde, wenn erste Anschläge in Europa „gelingen“. Egal, was Russland macht, es wird mit Sicherheit Politiker geben, die dann „entschiedene Reaktion“ fordern.
Es genügt also, wenn Politiker und Medien darüber spekulieren, dass Russland hinter der Drohne in Leipzig stecken könnte, um daraus einen »staatlich gesteuerten Angriff auf deutsche Infrastruktur« in Erwägung zu ziehen.
Das ist nur damit zu erklären, dass für viele deutsche Politiker wie Johann Wadephul feststeht, dass »Russland immer ein Feind Deutschlands« bleiben wird, dass also Diplomatie sinnlos ist und dass man nur einen günstigen Moment abwarten muss um Russland militärisch in die Knie zu zwingen.
Wenn das aber feststeht, worauf warten dann die Russen noch?
Wenn man sich fragt: „Wem nutzt es?“, dann erscheint es deutlich wahrscheinlichet, dass wir in Leipzig Zeugen einer False Flag-Aktion westlicher Geheimdienste geworden sind, um die Bevölkerung weiter auf Kriegskurs zu halten und weitere Mittel für die Aufrüstung zu rechtfertigen. Meine Assoziation zum Geschehen ist das berüchtigte „Celler Loch“, dass der Verfasungsschutz seinerzeit in eine Gefängnismauer sprengte, um eine Befreiungsaktion der RAF vorzutäuschen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Celler_Loch
Wenn das eine russische Drohne gewesen WÄRE, wüssten wir das längst… Schon mal soweit gedacht? Sogar aus den Resten abgeschossener Drohnen lassen sich noch Rückschlüsse erwa auf die Herkunft der Bauteile ziehen. Und das Teil ist unbeschädigt geblieben.
Das lange Schweigen läßt nur den Schluss zu, daß das Teil westlicher Herkunft ist, etwa für die Ukraine gefertigt, und dass die Aktion nicht mit den deutschen Behörden abgesprochen war.
Wiso werden hier False Flags derart „analysiert“?