MEG – Make Eurasia Greater

Make Europe Great Again
Fritzober, CC0, via Wikimedia Commons

Eine mögliche Antwort auf Trumps globale Erpressungspolitik.

Erster Teil. 

Mit Donald Trumps Rückkehr auf die politische Weltbühne ist eine Wahrheit endgültig nicht mehr zu leugnen: Die transatlantische Partnerschaft war nie ein Wertebündnis, sondern immer ein Machtverhältnis. Trump hat diese Realität lediglich offen ausgesprochen, während seine Vorgänger sie rhetorisch verschleierten. Zölle, Sanktionsdrohungen, militärischer Druck und wirtschaftliche Erpressung gehören seit Jahrzehnten zum Instrumentarium amerikanischer Außenpolitik. Neu ist nicht die Methode, sondern die Unverblümtheit.

Europa steht damit vor einer strategischen Weggabelung. Entweder es akzeptiert dauerhaft die Rolle eines geopolitischen Vasallen oder es beginnt, eigenständige Machtpolitik zu betreiben. Der hier skizzierte Gegenentwurf trägt bewusst eine provokante Abkürzung: MEG – Make Eurasia Greater. Gemeint ist kein ideologisches Projekt, sondern eine geopolitische Notwendigkeit. Ein eurasischer Machtblock, der Europa, Russland und große Teile Asiens wirtschaftlich, sicherheitspolitisch und strategisch enger verbindet, wäre erstmals in der Lage, der amerikanischen Hegemonie strukturell etwas entgegenzusetzen.

Die globale Vormachtstellung der Vereinigten Staaten beruht weniger auf ökonomischer Produktivität als auf militärischer Infrastruktur. Ein weltumspannendes Netz von Stützpunkten sichert Handelswege, Rohstoffzugänge und politische Loyalitäten. Das amerikanische Militär fungiert damit faktisch als Ordnungsfaktor einer Weltwirtschaft, deren Währung, Finanzsystem und Sicherheitspolitik aufeinander abgestimmt sind.

Europa ist Teil dieses Systems. Die Präsenz amerikanischer Truppen auf europäischem Boden dient nicht primär dem Schutz Europas, sondern der strategischen Einbindung Europas in amerikanische Interessen. Die Kontrolle über politische Entscheidungen folgt aus militärischer Abhängigkeit. Wer seine Sicherheit an die USA delegiert, überträgt auch seine Außenpolitik auf sie.

Trumps Vorgehen ist lediglich die explizite Form dieses Zusammenhangs. Schutz wird zur Ware, Loyalität zur Voraussetzung, Abweichung zur Sanktion. Was früher diplomatisch kaschiert wurde, wird nun offen eingefordert. Europas Spielraum schrumpft proportional zu seiner sicherheitspolitischen Abhängigkeit.

Der Mythos vom „Wertewesten“

Ein zentrales Hindernis europäischer Emanzipation liegt nicht in Washington, sondern in Brüssel. Die politische Führung der Europäischen Union operiert seit Jahren mit einem moralischen Selbstbild. Der Westen erscheint darin als Träger vermeintlich universeller Werte, aus denen sich ein globaler Führungsanspruch ableitet. Außenpolitik wird zur Mission, nicht zur Interessenvertretung.

Dieses Denken ist gesinnungsethisch, nicht verantwortungsethisch. Es bewertet Handlungen nach ihrer moralischen Intention – die gar nicht so moralisch ist –, und nicht nach ihren realen Folgen. Diplomatie wird durch Belehrung ersetzt, Interessenausgleich durch Sanktion, Stabilisierung durch Eskalation. Politikerinnen wie Ursula von der Leyen oder Kaja Kallas verkörpern diesen Ansatz exemplarisch. Außenpolitik wird zur Wertekommunikation, und nicht zum Instrument zur Durchsetzung europäischer Interessen.

Auch Staats- und Regierungschefs wie Emmanuel Macron, Keir Starmer oder Friedrich Merz haben dieses Paradigma übernommen. Transatlantische Loyalität galt und gilt immer noch als moralischer Maßstab, nicht als strategische Entscheidung. Doch Trumps Politik macht deutlich, dass moralische Loyalität nicht erwidert, sondern instrumentalisiert wird. Wer glaubt, auf diese Weise Anerkennung zu gewinnen, verwechselt Rhetorik mit Realität.

Europa hätte sich mehrfach von der amerikanischen Vormundschaft lösen können. Nach dem Irakkrieg, nach der Finanzkrise, nach Libyen, spätestens nach der Zerstörung von Nord Stream. Doch stattdessen wurde die militärische Integration vertieft, die politische Unterordnung verfestigt und die strategische Eigenständigkeit weiter aufgegeben. Diese Entwicklung wurde ideologisch als Solidarität legitimiert, faktisch bedeutete sie den Verzicht auf Autonomie.

Während andere Mächte ihre Lieferketten absicherten und Ressourcenpolitik betrieben, verzichtete Europa auf jede Form von Machtpolitik im Glauben, moralisch über den Konflikten zu stehen. Das Resultat ist sichtbar: Deindustrialisierung, Energiepreisexplosion, sicherheitspolitische Ohnmacht und diplomatische Irrelevanz. Europa verwaltet seinen eigenen Bedeutungsverlust mit moralischem Pathos – eine Einstellung, die zum sicheren Untergang führt.

Die Dämonisierung Russlands gehört zum Kern westlicher Diskurse. Dabei wird häufig ausgeblendet, dass die großen militärischen Interventionen der letzten Jahrzehnte überwiegend von westlichen Staaten ausgingen. Vietnam, Irak, Afghanistan, Serbien oder Libyen waren keine russischen Projekte. Seit Bestehen der USA betreibt diese wie zuvor Großbritannien imperialistische Machtpolitik. Russische Machtpolitik war historisch territorial begrenzt und sicherheitsorientiert, amerikanische Machtpolitik global und hegemonial.

Das bedeutet nicht, russisches Handeln zu idealisieren. Es bedeutet, es realistisch einzuordnen. Für Europa stellt sich nicht die Frage nach moralischer Sympathie, sondern nach strategischem Nutzen. Russland bietet geographische Nähe, Energie, Rohstoffe und kompatible Sicherheitsinteressen. Ein Ausgleich würde Spannungen reduzieren, Industrie stabilisieren und politischen Handlungsspielraum erweitern. Der Bruch Europas mit Russland war keine Notwendigkeit, sondern eine politisch beeinflusste Entscheidung.

Eurasien als Machtblock

Ein eurasischer Block müsste nicht ideologisch homogen sein. Seine Stärke läge in der Ergänzung unterschiedlicher Potenziale. Europa verfügt über Technologie und industrielle Kompetenz, Russland über Rohstoffe und militärische Abschreckung, Asien – insbesondere Indien und China – über Märkte und Produktionskapazitäten. Zusammen ergäbe sich ein Wirtschaftsraum, der Dollarabhängigkeit reduzieren und Sanktionsmacht neutralisieren könnte.

Ein solcher Block wäre nicht offensiv, sondern stabilisierend. Er hätte keine globale Mission, sondern regionale Ordnung zum Ziel. Die NATO würde dadurch nicht frontal bekämpft, sondern politisch überflüssig. Sicherheit entstünde aus Ausgleich, nicht aus Blockkonfrontation.

Eine solche Neuausrichtung ist mit dem bestehenden politischen Personal in Europa kaum vorstellbar. Die gegenwärtigen Spitzenpolitiker verkörpern den alten Konsens aus Transatlantismus, Moralrhetorik und Gefolgschaftspolitik. Ein Kurswechsel erfordert neue Denkweisen, eine Abkehr von Gesinnungsethik und die Anerkennung geopolitischer Realität. Ohne mentalen Wandel bleibt jede Debatte über europäische Autonomie folgenlos.

Donald Trump ist kein Betriebsunfall der amerikanischen Politik, sondern ihre Zuspitzung. Die Grundlinien amerikanischer Außenpolitik sind seit dem Ende des Kalten Krieges konstant geblieben: Sicherung der Dollar-Dominanz, Kontrolle zentraler Handelswege und Verhinderung konkurrierender Machtzentren. Der Unterschied liegt allein im Stil. Frühere Präsidenten verkleideten Machtpolitik als Wertepolitik, Trump entkleidet sie ihrer Rhetorik.

Wenn er europäische Staaten mit Zöllen bedroht oder Schutz zur Verhandlungsmasse macht, verletzt er nicht die Logik der US-Politik, sondern ihre Konventionen. Für Europa ist das gefährlich, aber auch aufklärend. Loyalität garantiert keine Sicherheit, sie erzeugt Abhängigkeit.

Die NATO gilt in Europa als Verteidigungsbündnis. Tatsächlich ist sie längst ein Interventionsinstrument unter amerikanischer Führung. Ihre reale Funktion besteht in der politischen Bindung Europas an Washington, in militärischen Kommandostrukturen ohne europäische Autonomie und in der strategischen Ausrichtung auf amerikanische Bedrohungsbilder.

Der Ukrainekrieg hat diese Struktur bestätigt. Europa liefert Geld, Waffen und Legitimation, während die USA die strategische Zielsetzung bestimmen. Eine eigenständige europäische Sicherheitsarchitektur müsste defensiv, regional und unabhängig organisiert sein. Ein eurasischer Sicherheitspakt hätte keine globale Mission, sondern müsste lediglich verhindern, dass Konflikte eskalieren.

Die Abkopplung von Russland war ökonomisch ein Akt der Selbstverstümmelung. Günstige Energie bildete die Grundlage europäischer Industrie. Mit ihrem Wegfall steigen Produktionskosten, wandert Industrie ab und sinkt Wettbewerbsfähigkeit. Die neue Abhängigkeit von amerikanischem Flüssiggas ist teurer, ökologisch schlechter und politisch riskanter.

Der Vorwurf, Russland sei unzuverlässig, übersieht, dass insbesondere westliche Staaten Verträge gebrochen haben. Verlässlichkeit entsteht nicht aus Moral, sondern aus gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Abhängigkeit – auch in geografischer Hinsicht. Die Sorge vor einer autoritären Dominanz Russlands verkennt, dass Kooperation keine Systemangleichung verlangt. Die Behauptung, nur die USA garantierten europäische Sicherheit, ignoriert Trumps eigene Drohungen. Die Kritik, ein Ausgleich mit Russland legitimiere Gewalt, blendet westliche Interventionen in der Vergangenheit aus.

Gleichzeitig zwingt die Sanktionspolitik Europa, Märkte aufzugeben, während andere Mächte diese Lücken füllen. Europa schwächt sich selbst und verklärt diesen Niedergang als moralische Haltung.

China wird zunehmend als systemischer Gegner behandelt, obwohl es primär wirtschaftlicher Konkurrent ist. Seine Interessen liegen in stabilen Handelswegen und politischer Anerkennung. Ein eurasischer Rahmen würde China einbinden, berechenbarer machen und Eskalation verhindern. Europa würde davon ökonomisch profitieren und strategische Optionen gewinnen. Die amerikanische Linie setzt dagegen auf Konfrontation ohne Nutzen.

Fazit

Der entscheidende Wandel ist kulturell. Europa muss aufhören, Politik zu moralisieren, und anfangen, sie zu kalkulieren. Gesinnungsethik fragt nach dem Richtigen, Verantwortungsethik nach den Folgen. Die europäische Politik der letzten Jahre war moralisch konsistent und strategisch verlustreich. MEG verlangt das Gegenteil: nüchterne Analyse, flexible Allianzen und pragmatische Kooperation.

„Make Eurasia Greater“ ist keine Utopie, sondern eine strategische Option. Die USA werden ihre Hegemonie nicht freiwillig aufgeben. Europa kann sie nicht moralisch überwinden, sondern nur strukturell begrenzen. Dazu braucht es militärische Eigenständigkeit, wirtschaftliche Unabhängigkeit, diplomatische Offenheit und politische Erneuerung. Europa muss aufhören, sich als moralisches Gewissen der Welt zu verstehen, und anfangen, sich als Macht zu begreifen.

 

Noch ein privates Anliegen, werte Leserinnen, werte Leser,
zwei Bücher „Die großen Lügen“ (Themen: Corona, Ukraine, Klima, Sicherheit) und „Persönliche Entwicklung“ nehme ich gerade in Angriff und sollen demnächst veröffentlicht werden. Es werden Sammelbände bestehender Artikel mit entsprechender Abstimmung aufeinander und nochmaliger Überarbeitung entstehen. Wenn Sie einen etwas größeren Verlag wissen, der eines der beiden Bücher oder auch beide veröffentlichen könnte bzw. würde, wäre ich Ihnen für diese Information sehr dankbar. 
Ende März und Anfang April 2025 wurden meine beiden Bücher
„Die Friedensuntüchtigen“ und „Im Taumel des Niedergangs“ veröffentlicht.

https://www.amazon.de/Taumel-Niedergangs-Demokratischer-wirtschaftlicher-Deutschlan
ds/dp/B0F32JS87R/ref=sr_1_1?

Rezension zu diesem Buch: https://www.manova.news/artikel/abwarts
https://www.amazon.de/Die-Friedensunt%C3%BCchtigen-Kriegstreiber-Deutschland-Europa/dp/B0F3XG6Q8Z/ref=sr_1_1?__mk_de_

Rezension zu diesem Buch:
https://wassersaege.com/blogbeitraege/buchrezension-die-friedensuntuechtigen-von-uwe-froschauer/

Ende September 2024 erschien das Buch „Gefährliche Nullen – Kriegstreiber und Elitenvertreter“.
https://www.amazon.de/Gef%C3%A4hrliche-Nullen-Kriegstreiber-Elitenvertreter-Deutschlands/dp/B0DJ374G6K/ref=sr_1_2?__mk_de_

Hier der Link zur Rezension des Buches:
https://www.manova.news/artikel/die-nieten-festnageln

Uwe Froschauer

Uwe Froschauer hat an der Ludwig-Maximilians-Universität München Betriebswirtschaft studiert und abgeschlossen. Sein besonderes Interesse galt der Wirtschaftspsychologie. Er arbeitete als Unternehmensberater, gibt Seminare bei Berufsbildungsträgern, ist Autor mehrerer Bücher und betreibt den Blog wassersaege.com. Seine Leidenschaft für weltweite Reisen machte ihn sensibel für Kulturen und Probleme anderer Völker. Er ist naturverbunden und liebt Tiere und Pflanzen.
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12 Kommentare

  1. Ich lese immer wieder, dass die europäische Pllitik von Moral bestimmt sei. Tut mir leid, aber das kann ich nicht erkennen. Der Ansatz, pragmatische Vernunft zu stärken, ist wohl richtig, aber das muss nicht gegen Moral passieen. Es ist ausdrücklich nicht moralisch, dem Banderaregime Gelder hinterherzuwerfen, die zur Hälfte in korrupten Kanälen landen und zur anderen Hälfte zum Töten verwendet werden, insbesondere dann nicht, wenn man Ursachen des Krieges ausblendet und Lösungen boykottiert, das hat mit Moral rein gar nichts zu tun. Gleiches gilt für den Nahen Osten, wo ist denn da bitte Moral in der europäischen Politik? Bliebe noch das Thema Flüchtlinge. Da wird eine angebliche Willkomenskultur vermarktet, die zumindest als solche streitbar ist, und mit der restlichen „moralischen“ Politik wird dafür gesorgt, dass Flüchtlingsströme zunehmen. Ich weiß nicht, ob es Absicht ist, die europäische Politik immer wieder mit Moral in Verbindung zu bringen und damit die Gehirne zu verwirren, aber ich weiß, dass das Viele anders sehen und genau aus diesem Grund angebliche Informationen, die so etwas rüberbringen, boykottieren. Overton sollte hier aufpassen, dass man sich nicht zu sehr an den ÖRR dahingehend angleicht, indem man versucht, „geschickt“ zu indoktrinieren.

      1. Das unterstütze ich.
        Möglicherweise wäre „moralisierend“ eine treffendere Vokabel gewesen, der erhobene Zeigefinger ist ja kaum zu übersehen.

    1. Ersetzen Sie „Moral“ mit „ideologische Werte“, dann passt es.

      Moral nach Google-KI: „Gesamtheit der in einer Gesellschaft oder Gruppe allgemein anerkannten Werte, Normen und Regeln, die das menschliche Handeln als „gut“ oder „richtig“ bestimmen.“
      Westliche liberale Gesellschaften setzen da bevorzugt auf den Egoismus des Individuums, den sie auch noch global durchsetzen wollen, wozu sie die Macht ihres Geldes einsetzen.

  2. Hier könnte ich fast alles unterschreiben. Nur leider beschreibt der Text wie üblich nur das Ziel, aber nicht den Weg dahin.

    Die Populisten sind zwar auf dem Weg, aber mit ungewissem Ziel.

  3. Alles sehr richtig, was der Artikel rüber bringt, es ist in der Tat die einzig vernünftige Politik.
    Deren Ziel sollte aber eben nicht das weltpolitische Agieren im Sinne einer globalen Machtpolitik sein, sondern eine gesamteuropäische Sicherheitsarchitektur zu installieren.
    Die Amerikaner los zu werden, stelle ich mir allerdings sehr schwierig vor.
    Zum Einen werden das einige Länder nicht wollen, Polen und die baltischen Staaten z..B..
    Zum anderen unterliegen Deutschland und Italien immer noch der Feindstaatenklausel. An einfreiwilliges Abziehen des amerikanischen Militärs ist nicht zu denken. Die Amerikaner haben sogar den Niederlanden mit Einmarsch gedroht, falls der internationale Strafgerichtshof auf die Idee käme, Amerikaner vor Gericht zu stellen.
    Es müsste also Gewalt angewendet werden. In einem bewaffneten Konflikt mit den USA stünde man vor dem gleichen Dilemma, wie in einem bewaffneten Konflikt mit Russland, der Unbesiegbarkeit der Supermacht auf Grund des nuklearen Potenzials.
    Außerdem müsste der nichtstaatliche Akteur EU auch erst von der Bildfläche verschwinden.
    Im übrigen sehe ich nirgendwo den Willen zum Politikwechsel, hier schon gar nicht.
    Selbstverständlich ist die aktuelle Politik der helle Wahnsinn, die Parteienoligarchie hier und das Kapitel werden eine andere Politik nicht zulassen.
    Ich bin der Letzte, der sich das nicht wünschen würde, der Auflösung der NATO rede ich schon seit 35 Jahren das Wort.
    Aber die totalitaristischen Tendenzen hier, die veröffentlichte Meinung, die das Denken der Menschen verseucht und vergiftet haben, die Übergriffigkeit der EU
    sprechen klar gegen eine Änderung.
    Die Wahlergebnisse zeigen das überdeutlich!
    Es wäre natürlich vernünftig, die Politik im Sinne des Artikels auszurichten.
    Aber eine Chance sehe ich da nicht!

    1. Die Feindstaatenklauseln wurden durch Resolution 49/58 der Generalversammlung vom 9. Dezember 1994 offiziell für „hinfällig“ (“obsolete”) erklärt.

  4. Der Ansatz des Autors krankt grundsätzlich daran, dass er den penetranten Moralismus der EU-Imperialisten, den gesinnungsethischen Imperativ, mit dem sie von früh bis spät alle Welt kujonieren, für ihre politische Zielsetzung nimmt.
    Dabei weiß er doch selbst, dass sie damit ihren „globalen Führungsanspruch“ vortragen. Eben! Der (Doppel-) Moralismus ist ein Instrument der Machtprojektion (was bis vor kurzem noch als Trittbrettfahrer der US-Hegemonie sehr gut funktioniert hat!), ein Mittel der Durchsetzung.
    Es ist ziemlich verfehlt, diesem Politklüngel, der durchaus strategisch s e i n e Interessen verfolgt, mit Alternativvorschlägen zu kommen, denn die sehen die Perspektiven fast so wie der Autor: „Russland bietet geographische Nähe, Energie, Rohstoffe und kompatible Sicherheitsinteressen“. Na ja, das mit den Sicherheitsinteressen können wir streichen, aber den Rest haben die moraltriefenden Beutegreifer aus Brüssel fest im Blick. Es ist offensichtlich, dass sich ‚Europa‘ darauf verständigt hat, dass es eine Ausweitung von Macht und Geschäft nur in der Unterwerfung der riesigen russischen Landmassen mit ihren schier unerschöpflichen Reichtümern sieht: Brechung des Willens, Regimechance, Zerlegung in willfährige Kleinstaaten mit korrupten Lokalherrschern, Ausplünderung durch expandierende EU-Kapitale etc. Das ist das zentrale Projekt ‚Europas‘, für den gerade alle sozialen Standards und sonstigen Lebensumstände im Rahmen einer gigantischen Rüstungsoffensive neu justiert werden. Da ist dann die ‚Emanzipation‘ von den USA, die der Autor ebenfalls konstruktiv mit-wünscht, auch schon mitgedacht. Der penetrante Moralismus dient nunmehr der Überhöhung dieser Sendung und markiert schon einmal: die exklusiv von Brüssel definierten universellen, unverhandelbaren Werte der Menschheit verpflichten ‚uns‘ zum Sieg oder zum Tod! Für viele Untertanen wird das übrigens aufs Gleiche hinauslaufen, aber das ist eine andere Geschichte…

  5. „… der amerikanischen Hegemonie strukturell etwas entgegenzusetzen.“

    Aber nicht mit der Idee eines eurasischen Machtblocks. Die scheitert am genuinen Russenhass der Balten und Polen, der Unvereinbarkeit der Ziele west- und osteuropäischer Interessen. Die einen pochen auf den Führungsanspruch, die anderen werden diesen nie akzeptieren. Westeuropa betreibt gegenüber Osteuropa eine Politik, wie die USA gegenüber Europa. Bevor sich Europa von den USA befreien könnte, müsste es sich von Westeuropa (Brüssel) befreien.
    Wie in diesem widersprüchlichen Konstrukt ein eurasischer Machtblock zwischen West-, Osteuropa (inkl. Russland und wem noch?) funktionieren soll, entzieht sich meiner Vorstellung. An der ethnische Heterogenität scheiterte schon der COMECON und die EU macht es nicht besser. Worauf baut der Autor seinen Optimismus? Es ist Utopie, keine Strategie.

    „Die globale Vormachtstellung der Vereinigten Staaten beruht weniger auf ökonomischer Produktivität als auf militärischer Infrastruktur.“

    Und zusätzlich auf der Kumpanei der westeuropäischen – vornehmlich britischen – classe politique, deren Handen einen großen Einfluß auf amerikanische Politik haben. Bereits mit dem Ersten Weltkrieg verband sich europäisches Intrigantentum mit amerikanischer Brutalität.

    „Die europäische Politik der letzten Jahre war moralisch konsistent und strategisch verlustreich.“

    Moralisch konsistent? Der Autor meint wohl eher inkonsistent.

    „Europa muss aufhören, sich als moralisches Gewissen der Welt zu verstehen, und anfangen, sich als Macht zu begreifen.“

    Dem kontinentalen Europa magelte es nie, sich als Macht zu begreifen. Was nie begriffen wurde, es war letztlich eine impotente Macht, weil ausschließlich partikuläre Interessen verfolgt wurden.
    Dies beschreibt sehr anschaulich Margret MacMillan in ihrem Buch „Die Friedensmacher“. (ISBN 978-3-548-37740-7)

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