MEG – Make Eurasia Greater

Make Europe Great Again
Fritzober, CC0, via Wikimedia Commons

Eine mögliche Antwort auf Trumps globale Erpressungspolitik.

Erster Teil. Den zweiten Teil finden Sie hier.

Mit Donald Trumps Rückkehr auf die politische Weltbühne ist eine Wahrheit endgültig nicht mehr zu leugnen: Die transatlantische Partnerschaft war nie ein Wertebündnis, sondern immer ein Machtverhältnis. Trump hat diese Realität lediglich offen ausgesprochen, während seine Vorgänger sie rhetorisch verschleierten. Zölle, Sanktionsdrohungen, militärischer Druck und wirtschaftliche Erpressung gehören seit Jahrzehnten zum Instrumentarium amerikanischer Außenpolitik. Neu ist nicht die Methode, sondern die Unverblümtheit.

Europa steht damit vor einer strategischen Weggabelung. Entweder es akzeptiert dauerhaft die Rolle eines geopolitischen Vasallen oder es beginnt, eigenständige Machtpolitik zu betreiben. Der hier skizzierte Gegenentwurf trägt bewusst eine provokante Abkürzung: MEG – Make Eurasia Greater. Gemeint ist kein ideologisches Projekt, sondern eine geopolitische Notwendigkeit. Ein eurasischer Machtblock, der Europa, Russland und große Teile Asiens wirtschaftlich, sicherheitspolitisch und strategisch enger verbindet, wäre erstmals in der Lage, der amerikanischen Hegemonie strukturell etwas entgegenzusetzen.

Die globale Vormachtstellung der Vereinigten Staaten beruht weniger auf ökonomischer Produktivität als auf militärischer Infrastruktur. Ein weltumspannendes Netz von Stützpunkten sichert Handelswege, Rohstoffzugänge und politische Loyalitäten. Das amerikanische Militär fungiert damit faktisch als Ordnungsfaktor einer Weltwirtschaft, deren Währung, Finanzsystem und Sicherheitspolitik aufeinander abgestimmt sind.

Europa ist Teil dieses Systems. Die Präsenz amerikanischer Truppen auf europäischem Boden dient nicht primär dem Schutz Europas, sondern der strategischen Einbindung Europas in amerikanische Interessen. Die Kontrolle über politische Entscheidungen folgt aus militärischer Abhängigkeit. Wer seine Sicherheit an die USA delegiert, überträgt auch seine Außenpolitik auf sie.

Trumps Vorgehen ist lediglich die explizite Form dieses Zusammenhangs. Schutz wird zur Ware, Loyalität zur Voraussetzung, Abweichung zur Sanktion. Was früher diplomatisch kaschiert wurde, wird nun offen eingefordert. Europas Spielraum schrumpft proportional zu seiner sicherheitspolitischen Abhängigkeit.

Der Mythos vom „Wertewesten“

Ein zentrales Hindernis europäischer Emanzipation liegt nicht in Washington, sondern in Brüssel. Die politische Führung der Europäischen Union operiert seit Jahren mit einem moralischen Selbstbild. Der Westen erscheint darin als Träger vermeintlich universeller Werte, aus denen sich ein globaler Führungsanspruch ableitet. Außenpolitik wird zur Mission, nicht zur Interessenvertretung.

Dieses Denken ist gesinnungsethisch, nicht verantwortungsethisch. Es bewertet Handlungen nach ihrer moralischen Intention – die gar nicht so moralisch ist –, und nicht nach ihren realen Folgen. Diplomatie wird durch Belehrung ersetzt, Interessenausgleich durch Sanktion, Stabilisierung durch Eskalation. Politikerinnen wie Ursula von der Leyen oder Kaja Kallas verkörpern diesen Ansatz exemplarisch. Außenpolitik wird zur Wertekommunikation, und nicht zum Instrument zur Durchsetzung europäischer Interessen.

Auch Staats- und Regierungschefs wie Emmanuel Macron, Keir Starmer oder Friedrich Merz haben dieses Paradigma übernommen. Transatlantische Loyalität galt und gilt immer noch als moralischer Maßstab, nicht als strategische Entscheidung. Doch Trumps Politik macht deutlich, dass moralische Loyalität nicht erwidert, sondern instrumentalisiert wird. Wer glaubt, auf diese Weise Anerkennung zu gewinnen, verwechselt Rhetorik mit Realität.

Europa hätte sich mehrfach von der amerikanischen Vormundschaft lösen können. Nach dem Irakkrieg, nach der Finanzkrise, nach Libyen, spätestens nach der Zerstörung von Nord Stream. Doch stattdessen wurde die militärische Integration vertieft, die politische Unterordnung verfestigt und die strategische Eigenständigkeit weiter aufgegeben. Diese Entwicklung wurde ideologisch als Solidarität legitimiert, faktisch bedeutete sie den Verzicht auf Autonomie.

Während andere Mächte ihre Lieferketten absicherten und Ressourcenpolitik betrieben, verzichtete Europa auf jede Form von Machtpolitik im Glauben, moralisch über den Konflikten zu stehen. Das Resultat ist sichtbar: Deindustrialisierung, Energiepreisexplosion, sicherheitspolitische Ohnmacht und diplomatische Irrelevanz. Europa verwaltet seinen eigenen Bedeutungsverlust mit moralischem Pathos – eine Einstellung, die zum sicheren Untergang führt.

Die Dämonisierung Russlands gehört zum Kern westlicher Diskurse. Dabei wird häufig ausgeblendet, dass die großen militärischen Interventionen der letzten Jahrzehnte überwiegend von westlichen Staaten ausgingen. Vietnam, Irak, Afghanistan, Serbien oder Libyen waren keine russischen Projekte. Seit Bestehen der USA betreibt diese wie zuvor Großbritannien imperialistische Machtpolitik. Russische Machtpolitik war historisch territorial begrenzt und sicherheitsorientiert, amerikanische Machtpolitik global und hegemonial.

Das bedeutet nicht, russisches Handeln zu idealisieren. Es bedeutet, es realistisch einzuordnen. Für Europa stellt sich nicht die Frage nach moralischer Sympathie, sondern nach strategischem Nutzen. Russland bietet geographische Nähe, Energie, Rohstoffe und kompatible Sicherheitsinteressen. Ein Ausgleich würde Spannungen reduzieren, Industrie stabilisieren und politischen Handlungsspielraum erweitern. Der Bruch Europas mit Russland war keine Notwendigkeit, sondern eine politisch beeinflusste Entscheidung.

Eurasien als Machtblock

Ein eurasischer Block müsste nicht ideologisch homogen sein. Seine Stärke läge in der Ergänzung unterschiedlicher Potenziale. Europa verfügt über Technologie und industrielle Kompetenz, Russland über Rohstoffe und militärische Abschreckung, Asien – insbesondere Indien und China – über Märkte und Produktionskapazitäten. Zusammen ergäbe sich ein Wirtschaftsraum, der Dollarabhängigkeit reduzieren und Sanktionsmacht neutralisieren könnte.

Ein solcher Block wäre nicht offensiv, sondern stabilisierend. Er hätte keine globale Mission, sondern regionale Ordnung zum Ziel. Die NATO würde dadurch nicht frontal bekämpft, sondern politisch überflüssig. Sicherheit entstünde aus Ausgleich, nicht aus Blockkonfrontation.

Eine solche Neuausrichtung ist mit dem bestehenden politischen Personal in Europa kaum vorstellbar. Die gegenwärtigen Spitzenpolitiker verkörpern den alten Konsens aus Transatlantismus, Moralrhetorik und Gefolgschaftspolitik. Ein Kurswechsel erfordert neue Denkweisen, eine Abkehr von Gesinnungsethik und die Anerkennung geopolitischer Realität. Ohne mentalen Wandel bleibt jede Debatte über europäische Autonomie folgenlos.

Donald Trump ist kein Betriebsunfall der amerikanischen Politik, sondern ihre Zuspitzung. Die Grundlinien amerikanischer Außenpolitik sind seit dem Ende des Kalten Krieges konstant geblieben: Sicherung der Dollar-Dominanz, Kontrolle zentraler Handelswege und Verhinderung konkurrierender Machtzentren. Der Unterschied liegt allein im Stil. Frühere Präsidenten verkleideten Machtpolitik als Wertepolitik, Trump entkleidet sie ihrer Rhetorik.

Wenn er europäische Staaten mit Zöllen bedroht oder Schutz zur Verhandlungsmasse macht, verletzt er nicht die Logik der US-Politik, sondern ihre Konventionen. Für Europa ist das gefährlich, aber auch aufklärend. Loyalität garantiert keine Sicherheit, sie erzeugt Abhängigkeit.

Die NATO gilt in Europa als Verteidigungsbündnis. Tatsächlich ist sie längst ein Interventionsinstrument unter amerikanischer Führung. Ihre reale Funktion besteht in der politischen Bindung Europas an Washington, in militärischen Kommandostrukturen ohne europäische Autonomie und in der strategischen Ausrichtung auf amerikanische Bedrohungsbilder.

Der Ukrainekrieg hat diese Struktur bestätigt. Europa liefert Geld, Waffen und Legitimation, während die USA die strategische Zielsetzung bestimmen. Eine eigenständige europäische Sicherheitsarchitektur müsste defensiv, regional und unabhängig organisiert sein. Ein eurasischer Sicherheitspakt hätte keine globale Mission, sondern müsste lediglich verhindern, dass Konflikte eskalieren.

Die Abkopplung von Russland war ökonomisch ein Akt der Selbstverstümmelung. Günstige Energie bildete die Grundlage europäischer Industrie. Mit ihrem Wegfall steigen Produktionskosten, wandert Industrie ab und sinkt Wettbewerbsfähigkeit. Die neue Abhängigkeit von amerikanischem Flüssiggas ist teurer, ökologisch schlechter und politisch riskanter.

Der Vorwurf, Russland sei unzuverlässig, übersieht, dass insbesondere westliche Staaten Verträge gebrochen haben. Verlässlichkeit entsteht nicht aus Moral, sondern aus gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Abhängigkeit – auch in geografischer Hinsicht. Die Sorge vor einer autoritären Dominanz Russlands verkennt, dass Kooperation keine Systemangleichung verlangt. Die Behauptung, nur die USA garantierten europäische Sicherheit, ignoriert Trumps eigene Drohungen. Die Kritik, ein Ausgleich mit Russland legitimiere Gewalt, blendet westliche Interventionen in der Vergangenheit aus.

Gleichzeitig zwingt die Sanktionspolitik Europa, Märkte aufzugeben, während andere Mächte diese Lücken füllen. Europa schwächt sich selbst und verklärt diesen Niedergang als moralische Haltung.

China wird zunehmend als systemischer Gegner behandelt, obwohl es primär wirtschaftlicher Konkurrent ist. Seine Interessen liegen in stabilen Handelswegen und politischer Anerkennung. Ein eurasischer Rahmen würde China einbinden, berechenbarer machen und Eskalation verhindern. Europa würde davon ökonomisch profitieren und strategische Optionen gewinnen. Die amerikanische Linie setzt dagegen auf Konfrontation ohne Nutzen.

Fazit

Der entscheidende Wandel ist kulturell. Europa muss aufhören, Politik zu moralisieren, und anfangen, sie zu kalkulieren. Gesinnungsethik fragt nach dem Richtigen, Verantwortungsethik nach den Folgen. Die europäische Politik der letzten Jahre war moralisch konsistent und strategisch verlustreich. MEG verlangt das Gegenteil: nüchterne Analyse, flexible Allianzen und pragmatische Kooperation.

„Make Eurasia Greater“ ist keine Utopie, sondern eine strategische Option. Die USA werden ihre Hegemonie nicht freiwillig aufgeben. Europa kann sie nicht moralisch überwinden, sondern nur strukturell begrenzen. Dazu braucht es militärische Eigenständigkeit, wirtschaftliche Unabhängigkeit, diplomatische Offenheit und politische Erneuerung. Europa muss aufhören, sich als moralisches Gewissen der Welt zu verstehen, und anfangen, sich als Macht zu begreifen.

 

Noch ein privates Anliegen, werte Leserinnen, werte Leser,
zwei Bücher „Die großen Lügen“ (Themen: Corona, Ukraine, Klima, Sicherheit) und „Persönliche Entwicklung“ nehme ich gerade in Angriff und sollen demnächst veröffentlicht werden. Es werden Sammelbände bestehender Artikel mit entsprechender Abstimmung aufeinander und nochmaliger Überarbeitung entstehen. Wenn Sie einen etwas größeren Verlag wissen, der eines der beiden Bücher oder auch beide veröffentlichen könnte bzw. würde, wäre ich Ihnen für diese Information sehr dankbar. 
Ende März und Anfang April 2025 wurden meine beiden Bücher
„Die Friedensuntüchtigen“ und „Im Taumel des Niedergangs“ veröffentlicht.

https://www.amazon.de/Taumel-Niedergangs-Demokratischer-wirtschaftlicher-Deutschlan
ds/dp/B0F32JS87R/ref=sr_1_1?

Rezension zu diesem Buch: https://www.manova.news/artikel/abwarts
https://www.amazon.de/Die-Friedensunt%C3%BCchtigen-Kriegstreiber-Deutschland-Europa/dp/B0F3XG6Q8Z/ref=sr_1_1?__mk_de_

Rezension zu diesem Buch:
https://wassersaege.com/blogbeitraege/buchrezension-die-friedensuntuechtigen-von-uwe-froschauer/

Ende September 2024 erschien das Buch „Gefährliche Nullen – Kriegstreiber und Elitenvertreter“.
https://www.amazon.de/Gef%C3%A4hrliche-Nullen-Kriegstreiber-Elitenvertreter-Deutschlands/dp/B0DJ374G6K/ref=sr_1_2?__mk_de_

Hier der Link zur Rezension des Buches:
https://www.manova.news/artikel/die-nieten-festnageln

Uwe Froschauer

Uwe Froschauer hat an der Ludwig-Maximilians-Universität München Betriebswirtschaft studiert und abgeschlossen. Sein besonderes Interesse galt der Wirtschaftspsychologie. Er arbeitete als Unternehmensberater, gibt Seminare bei Berufsbildungsträgern, ist Autor mehrerer Bücher und betreibt den Blog wassersaege.com. Seine Leidenschaft für weltweite Reisen machte ihn sensibel für Kulturen und Probleme anderer Völker. Er ist naturverbunden und liebt Tiere und Pflanzen.
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60 Kommentare

  1. Ich lese immer wieder, dass die europäische Pllitik von Moral bestimmt sei. Tut mir leid, aber das kann ich nicht erkennen. Der Ansatz, pragmatische Vernunft zu stärken, ist wohl richtig, aber das muss nicht gegen Moral passieen. Es ist ausdrücklich nicht moralisch, dem Banderaregime Gelder hinterherzuwerfen, die zur Hälfte in korrupten Kanälen landen und zur anderen Hälfte zum Töten verwendet werden, insbesondere dann nicht, wenn man Ursachen des Krieges ausblendet und Lösungen boykottiert, das hat mit Moral rein gar nichts zu tun. Gleiches gilt für den Nahen Osten, wo ist denn da bitte Moral in der europäischen Politik? Bliebe noch das Thema Flüchtlinge. Da wird eine angebliche Willkomenskultur vermarktet, die zumindest als solche streitbar ist, und mit der restlichen „moralischen“ Politik wird dafür gesorgt, dass Flüchtlingsströme zunehmen. Ich weiß nicht, ob es Absicht ist, die europäische Politik immer wieder mit Moral in Verbindung zu bringen und damit die Gehirne zu verwirren, aber ich weiß, dass das Viele anders sehen und genau aus diesem Grund angebliche Informationen, die so etwas rüberbringen, boykottieren. Overton sollte hier aufpassen, dass man sich nicht zu sehr an den ÖRR dahingehend angleicht, indem man versucht, „geschickt“ zu indoktrinieren.

      1. Das unterstütze ich.
        Möglicherweise wäre „moralisierend“ eine treffendere Vokabel gewesen, der erhobene Zeigefinger ist ja kaum zu übersehen.

    1. Ersetzen Sie „Moral“ mit „ideologische Werte“, dann passt es.

      Moral nach Google-KI: „Gesamtheit der in einer Gesellschaft oder Gruppe allgemein anerkannten Werte, Normen und Regeln, die das menschliche Handeln als „gut“ oder „richtig“ bestimmen.“
      Westliche liberale Gesellschaften setzen da bevorzugt auf den Egoismus des Individuums, den sie auch noch global durchsetzen wollen, wozu sie die Macht ihres Geldes einsetzen.

  2. Hier könnte ich fast alles unterschreiben. Nur leider beschreibt der Text wie üblich nur das Ziel, aber nicht den Weg dahin.

    Die Populisten sind zwar auf dem Weg, aber mit ungewissem Ziel.

  3. Alles sehr richtig, was der Artikel rüber bringt, es ist in der Tat die einzig vernünftige Politik.
    Deren Ziel sollte aber eben nicht das weltpolitische Agieren im Sinne einer globalen Machtpolitik sein, sondern eine gesamteuropäische Sicherheitsarchitektur zu installieren.
    Die Amerikaner los zu werden, stelle ich mir allerdings sehr schwierig vor.
    Zum Einen werden das einige Länder nicht wollen, Polen und die baltischen Staaten z..B..
    Zum anderen unterliegen Deutschland und Italien immer noch der Feindstaatenklausel. An einfreiwilliges Abziehen des amerikanischen Militärs ist nicht zu denken. Die Amerikaner haben sogar den Niederlanden mit Einmarsch gedroht, falls der internationale Strafgerichtshof auf die Idee käme, Amerikaner vor Gericht zu stellen.
    Es müsste also Gewalt angewendet werden. In einem bewaffneten Konflikt mit den USA stünde man vor dem gleichen Dilemma, wie in einem bewaffneten Konflikt mit Russland, der Unbesiegbarkeit der Supermacht auf Grund des nuklearen Potenzials.
    Außerdem müsste der nichtstaatliche Akteur EU auch erst von der Bildfläche verschwinden.
    Im übrigen sehe ich nirgendwo den Willen zum Politikwechsel, hier schon gar nicht.
    Selbstverständlich ist die aktuelle Politik der helle Wahnsinn, die Parteienoligarchie hier und das Kapitel werden eine andere Politik nicht zulassen.
    Ich bin der Letzte, der sich das nicht wünschen würde, der Auflösung der NATO rede ich schon seit 35 Jahren das Wort.
    Aber die totalitaristischen Tendenzen hier, die veröffentlichte Meinung, die das Denken der Menschen verseucht und vergiftet haben, die Übergriffigkeit der EU
    sprechen klar gegen eine Änderung.
    Die Wahlergebnisse zeigen das überdeutlich!
    Es wäre natürlich vernünftig, die Politik im Sinne des Artikels auszurichten.
    Aber eine Chance sehe ich da nicht!

    1. Die Feindstaatenklauseln wurden durch Resolution 49/58 der Generalversammlung vom 9. Dezember 1994 offiziell für „hinfällig“ (“obsolete”) erklärt.

      1. Synonyme für obsolet: altertümlich, altmodisch, nicht mehr gebräuchlich/gefragt/üblich, unzeitgemäß
        Die Übersetzungen aus dem Englischen sind entsprechend.

        „Hinfällig“ kommt da nicht vor.

          1. oh man, irgend eine dubiose Seite gefunden, die als Synonym für „hinfällig“ „obsolet“ auswirft.
            Umgekehrt aber interessanterweise nicht:
            https://synonyme.woxikon.de/synonyme/obsolet.php
            Und auch der Duden, also DIE offizielle Quelle, vermeldet weder bei „hinfällig“ noch bei „obsolet“ das jeweils andere als Synonym.

            Warum der Streit notwendig ist: es sind Verträge bzw. offizielle Beschlüsse, da kommt es genau auf das Wort an, was drinsteht. Individuelle Auffassungen, Ansichten, Verständnis sind in dem Zusammenhang belanglos.

              1. 1. Bei aufmerksamer Verfolgung des Threads könnte man feststellen, daß ich Wallensteins Antwort nicht kommentiert und damit keine Stellung dazu bezogen habe.
                2. Wallenstein hat sich zu „obsolet“ überhaupt nicht geäußert. Von daher hat er dazu nichts bemerkt, weder Richtiges noch Falsches.
                -> Ausweichmanöver

                1. du hast mal erstens überhaupt nichts erklärt, sondern auf dem „richtigen wort“ bestanden und zweitens inhaltlich überhaupt nichts gesagt was man nicht von wallenstein lesen konnte, genau genommen nicht mal das, sondern nur den oberlehrer rausgehängt.. wenn du noch nachholst was du hier behauptet hast, dann nur zu, aber mir ist das alles sowas von egal.

    1. Richtig beobachtet! Das scheint so die ‚Denke‘ in Vorkriegszeiten zu sein: Aha, die imperialistischen Fraktionen prallen aufeinander, jetzt wird es brenzlig?! Als kritischer und wohlmeinender Mensch suche ich mir dann einen eher guten und vernünftigen Imperialismus aus, halte dem die Stange und dann schreibe ich, wie in vorliegendem Artikel, konstruktive Alternativen auf für die Geopolitiker in Brüssel, auf die diese sicher ungeduldig warten. So macht man sich lächerlich und zum Deppen der Staatenkonkurrenz, aber solche ‚Vernunft‘ will eben nur im Rahmen gegebener Machtgefüge denken…

  4. Der Ansatz des Autors krankt grundsätzlich daran, dass er den penetranten Moralismus der EU-Imperialisten, den gesinnungsethischen Imperativ, mit dem sie von früh bis spät alle Welt kujonieren, für ihre politische Zielsetzung nimmt.
    Dabei weiß er doch selbst, dass sie damit ihren „globalen Führungsanspruch“ vortragen. Eben! Der (Doppel-) Moralismus ist ein Instrument der Machtprojektion (was bis vor kurzem noch als Trittbrettfahrer der US-Hegemonie sehr gut funktioniert hat!), ein Mittel der Durchsetzung.
    Es ist ziemlich verfehlt, diesem Politklüngel, der durchaus strategisch s e i n e Interessen verfolgt, mit Alternativvorschlägen zu kommen, denn die sehen die Perspektiven fast so wie der Autor: „Russland bietet geographische Nähe, Energie, Rohstoffe und kompatible Sicherheitsinteressen“. Na ja, das mit den Sicherheitsinteressen können wir streichen, aber den Rest haben die moraltriefenden Beutegreifer aus Brüssel fest im Blick. Es ist offensichtlich, dass sich ‚Europa‘ darauf verständigt hat, dass es eine Ausweitung von Macht und Geschäft nur in der Unterwerfung der riesigen russischen Landmassen mit ihren schier unerschöpflichen Reichtümern sieht: Brechung des Willens, Regimechance, Zerlegung in willfährige Kleinstaaten mit korrupten Lokalherrschern, Ausplünderung durch expandierende EU-Kapitale etc. Das ist das zentrale Projekt ‚Europas‘, für den gerade alle sozialen Standards und sonstigen Lebensumstände im Rahmen einer gigantischen Rüstungsoffensive neu justiert werden. Da ist dann die ‚Emanzipation‘ von den USA, die der Autor ebenfalls konstruktiv mit-wünscht, auch schon mitgedacht. Der penetrante Moralismus dient nunmehr der Überhöhung dieser Sendung und markiert schon einmal: die exklusiv von Brüssel definierten universellen, unverhandelbaren Werte der Menschheit verpflichten ‚uns‘ zum Sieg oder zum Tod! Für viele Untertanen wird das übrigens aufs Gleiche hinauslaufen, aber das ist eine andere Geschichte…

  5. „… der amerikanischen Hegemonie strukturell etwas entgegenzusetzen.“

    Aber nicht mit der Idee eines eurasischen Machtblocks. Die scheitert am genuinen Russenhass der Balten und Polen, der Unvereinbarkeit der Ziele west- und osteuropäischer Interessen. Die einen pochen auf den Führungsanspruch, die anderen werden diesen nie akzeptieren. Westeuropa betreibt gegenüber Osteuropa eine Politik, wie die USA gegenüber Europa. Bevor sich Europa von den USA befreien könnte, müsste es sich von Westeuropa (Brüssel) befreien.
    Wie in diesem widersprüchlichen Konstrukt ein eurasischer Machtblock zwischen West-, Osteuropa (inkl. Russland und wem noch?) funktionieren soll, entzieht sich meiner Vorstellung. An der ethnische Heterogenität scheiterte schon der COMECON und die EU macht es nicht besser. Worauf baut der Autor seinen Optimismus? Es ist Utopie, keine Strategie.

    „Die globale Vormachtstellung der Vereinigten Staaten beruht weniger auf ökonomischer Produktivität als auf militärischer Infrastruktur.“

    Und zusätzlich auf der Kumpanei der westeuropäischen – vornehmlich britischen – classe politique, deren Handen einen großen Einfluß auf amerikanische Politik haben. Bereits mit dem Ersten Weltkrieg verband sich europäisches Intrigantentum mit amerikanischer Brutalität.

    „Die europäische Politik der letzten Jahre war moralisch konsistent und strategisch verlustreich.“

    Moralisch konsistent? Der Autor meint wohl eher inkonsistent.

    „Europa muss aufhören, sich als moralisches Gewissen der Welt zu verstehen, und anfangen, sich als Macht zu begreifen.“

    Dem kontinentalen Europa magelte es nie, sich als Macht zu begreifen. Was nie begriffen wurde, es war letztlich eine impotente Macht, weil ausschließlich partikuläre Interessen verfolgt wurden.
    Dies beschreibt sehr anschaulich Margret MacMillan in ihrem Buch „Die Friedensmacher“. (ISBN 978-3-548-37740-7)

  6. „Make Eurasia Greater“ ist keine Utopie, aber leider schon vom Namen her kein eigenständiges Projekt sondern eine Nachahmung. Und damit ist leider auch die Nähe zur transatlantischen Idiotie nahe liegend.

    Bekommen wir denn nichts eigenständiges auf die Reihe? Müssen alles immer nur schlechte Kopien von schelchten Ideen sein?

  7. Es sind die wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA und das Märchen vom angeblich notwendigen militärischen Schutz durch die USA, die Europa in die größte Krise, seit dem zweiten Weltkrieg gebracht haben. Es gibt in erster Linie nur ein Land, das den Rest der Welt, mit Militär und Wirtschaftskriegen bedroht… die USA !!! Die ZEITENWENDE bedeutet, das die EU/europäische Natostaaten bisher, als Vasallen, „mit am Tisch“ saßen. Da sie mit Russland und China Geschäfte machten und als EU zu mächtig wurden, werden sie von ihrem „Herren“ getreten, gedemütigt und an ihren Platz, „unter den Tisch“ verwiesen.

  8. Gut und richtig angedacht! Dennoch zwei Anmerkungen:
    – Da die USA die EU politisch nicht vollends kontrollieren kann geschweige denn Mitglied werden kann hat sich Trump (aber auch Vorgänger) darauf verlegt die NATO – quasi Ersatzweise – zusehends zu politisieren und hegemoniale Macht auch qua Gewalt auszuüben. Schon aus diesem Grund – und nicht nur historisch – muß die NATO nicht nur als überflüssig angesehen werden, sondern aufgelöst werden!
    – Und, es geht nicht nur um die Geographie von Geopolitik, bzw. „Russland und große Teile Asiens“ sondern es geht explizit um ganz Eurasien und die Repräsentation von BRICS+, also auch China, Indien, Zentral Asien, West Asien, etc.!

  9. Es ist doch interessant, dass genau die Leute, die verlangen, dass Europa sich von den USA lösen soll, um eine eigenständige Politik zu betreiben, genau dieselben sind, die sich über die Aufrüstung und eine mögliche Wehrpflicht aufregen. Aber wenn die USA sich tatsächlich aus Europa und der Nato zurück ziehen, dann muß dieser Verlust an militärischen Kapazitäten ja irgendwie ersetzt werden. Ich hätte auch gerne eine friedliche Welt, aber unter den aktuellen Umständen bedeutet ein Loslösen von den USA nun einmal auch, dass wir alles, was diese bisher militärisch geleistet haben von uns übernommen werden muß. Und wenn Europa in einer neuen multipolaren Welt ein eigenständiger Machtblock sein will/soll, dann muß es diese Macht eben auch militärisch absichern können.

    1. „Aber wenn die USA sich tatsächlich aus Europa und der Nato zurück ziehen, dann muß dieser Verlust an militärischen Kapazitäten ja irgendwie ersetzt werden.“

      Das ist Unsinn. Wenn ich mich mit meinem Nachbarn verstehe und ein freundschaftliches Verhältnis pflege, dann brauche ich mich nicht bis an die Zähne zu bewaffnen. Und nun schauen Sie wer das freundschaftliche Verhältnis zu unserem Nachbarn zerstört hat. Unter Kanzler Schröder war das Verhältnis noch in Ordnung, unter Merkel ging es langsam in die Brüche (wegen dem Putsch in der Ukraine) und von Scholz mit den Olivgrünen wurde das Verhältnis restlos zerstört – alles eine Inszenierung der USA.

    2. „…dass wir alles, was diese bisher militärisch geleistet haben von uns übernommen werden muß.“
      Nein, wir sollten keine anderen Länder bombardieren. Und auch keine Gasleitungen in die Luft sprengen.

  10. Man mag ja geneigt sein, die Überlegungen Froschauer für wünschenswert zu erachten, doch ist damit noch lange nicht gesagt, dass sie realistisch sind.

    Seine Eurasien-Idee läuft doch zu 100% auf direktem Kontrontationskurs mit einem geopolitischen Dogma sowohl der Amerikaner als auch der Briten:
    NIE soll sich eine harmonische Verbindung zwischen mitteleuropäisch-deutscher Technologie und russischen Bodenschätzen entwickeln!

    Ich erinnere an das hinlänglich bekannte Video mit den in dieser Art sehr eindeutigen Äußerungen von George Friedman (Stratfor) beim Treffen des „Chicago Counsil on Foreign Affairs“ im Jahre 2015:
    https://www.youtube.com/watch?v=QeLu_yyz3tc

    Gleichfalls müsste man an Mackinder und die Herzlandtheorie erinnern, die für die Briten ja schon um 1900 wichtig war:https://de.wikipedia.org/wiki/Heartland-Theorie
    sowie an die noch ältere britische Politik der „Balance of Power“. Eine harmonische eurasische Kooperation würde diese Balance auch aus britischer Sicht in unerträglicher Weise stören, sodass nicht nur die USA, sondern auch GB mit seinen besonderen Verbündeten (z.B. Norwegen, Polen) dagegen arbeiten würde. Man kann zudem vermuten, dass auch Frankreich nicht amused wäre und sich im Zweifelsfall vermutlich an Großbritannien halten würde.

    Froschauers Vision läuft so diametral sowohl gegen amerikanische und britische Interessen, dass es überhaupt nur in einer extremen historischen Ausnahmesituation (z.B. einem Zerfall der USA) eine realistische Option ohne völlig unkalkulierbare Risiken wäre. Da die USA trotz aller inneren Konflikte von einer derartigen Schwäche und Handlungsunfähigkeit meilenweit entfernt sind, haben die Überlegungen des Autors bestenfalls vollkommen theoretischen Wunschcharakter … !

    1. Nur sollte die Utopie wachgehalten werden, für den Fall, dass sich eine Möglichkeit ergibt die Ketten zu den USA zu sprengen.

      Das US-Imperium schwächelt bereits und dürfte sich weiter in innere und äußere Widersprüche verstricken, sodass sich irgendwann Gelegenheiten zur Befreiung ergeben werden.

    2. Der Schurkenstaat steht am Abgrund, möglich daß er in seinen letzten Zügen nochmal um sich schlägt. Aber das wird auch nichts mehr ändern.
      Wer aufgibt kann sich gleich in seinen Sarg im Keller legen und weiter die Parteien aus dem Reichstag wählen die gerne in der Nato oder der Eu sind. Oder nicht wählen, das ist die gleiche Selbstaufgabe.

    1. Ist es besser ein Vasall des US-Imperialismus zu bleiben, da ein souveränes Deutschland eine imperialistische Gefahr für die Welt wäre? Ich denke, das ist angelsächsische Propaganda.

      1. @ garno : nein ! Für ein souveränes Europa und kein Leyen Europa ! Ab-rüsten! Nato raus aus Deutschland und Deutschland raus aus der NATO !

    2. Da bringt einer etwas durcheinander. 1933 ff war ein Werk der Bourgeoisie der Angelsachen und schließlich der deutschen.
      Russland und China werden wohl kaum die Brd dazu hetzen eine Krieg gen Osten zu starten.

  11. Warum sollte man Russland auch idealisieren? Das wäre nur möglich gewesen wenn sie spätestens 2014 eingegriffen hätten. Aber besser spät als nie. Doch die Sowjetunion, die kann man idealisieren – zumindest bis zum XX. Parteitag der KPdSU.
    Den Nato- und den EU-Austritt fordern nur DKP und KPD. Sollte man wissen.

  12. Merz als Gesinnungsethiker = völlig falscher Film!

    So falsch geht es dann weiter, der Artikel ist falsch aufgestellt, trotz einiger guter Absichten.

  13. Im Artikel ist zwar manches nüchtern analysiert, aber die Behauptung Europa hätte sich bisher nur AUS „Loyalität“ den westlichen „Moralwerten“ verschrieben STATT seine EU-nationalen Interessen durchzusetzen geht völlig daran vorbei, dass der moralische EU-Zeigefinger auch nichts als ein diplomatisches Instrument für die realen europäischen Machtansprüche war.

    Was macht man denn sonst als eine von der US-amerikanischen Supermacht abhängige „Mittelmacht“, die nicht über dieselben Erpressungsmittel verfügt, als „moralisch“ auf die „gemeinsamen Werte“ und die bisherige „wertebasierte Ordnung“ zu pochen, wenn die Supermacht einem mitteilt, dass es ihr noch mehr als bisher auf den eigenen nationalen Nutzen aus ihren Bündnissen ankommt, und nicht den „gemeinsamen“ der Bündnis-Konkurrenten? Gegen den gemeinsamen Feind des Sozialismus hielten die „gemeinsamen Werte“ des Nato-Vertrags den Westen ausreichend zusammen; mit dem kapitalistisch befreiten Russland und der freieren nationalen Konkurrenz danach zerbröselte „das Gemeinschaftliche“ langsam in die ganz normalen nationalen Machtinteressen.

    Merkel hat’s noch während Trump I versucht, mehr Berücksichtigung deutsch-europäischer Interessen einzuklagen, für weiterhin berechenbare, stabile und nützliche Machtbeziehungen zu den USA. Später Baerbock, vdLeyen, u.a. Und natürlich FÜR Deutschland und EU. Das war die einzig relevante Frage, auch in den deutschen Medien. ‚Was hat Deutschland nun von Trump zu erwarten? Wäre der Biden nicht besser für Deutschland, die EU und den Rest der Welt?‘ Aber die Experten wussten gleich, dass es mit den US-Interessen unter Biden auch nicht viel anders werden würde, außer vielleicht im diplomatischen Tonfall.

    Deutschland und seine EU behaupten zwar – punktuell – immer noch, sich von UNO und humanitären Menschenrechtsregeln leiten zu lassen, aber wo sind denn die guten „moralischen Richtlinien“ bei der Bekämpfung von Flüchtlingen im Mittelmeer, an den europäischen und nationalen Aussengrenzen, bei den Abschiebungen in „Krisengebiete“ oder auswärtige KZs, bei der Unterstützung von Massenmorden in Gaza oder der Ukraine? Wo agierte die EU denn „pragmatisch“ viel anders als die US-Administration?
    Eine Moral für „gemeinschaftlich geteilte Werte“ gibt’s da in der EU natürlich ohne Ende, aber eben die passendere, patriotische Moral, dass überall „das Böse“ bekämpft werden muss. Und gar nicht so viel anders als bei Trump. – Was nur belegt, dass die Moral den nationalen Interessen zu Diensten ist, und nicht umgekehrt.

    Die im Artikel eher erfundene („falsche“) Moral-Ausrichtung sollte, nach dem Autor, besser „pragmatisch“ gewendet und ersetzt werden, durch eine neue nationale Erfolgsmoral, die, wie in den USA, möglichst auf europäisch-nationale Interessen ausgerichtet werden soll. ‚Deutschland und Europa zuerst!‘

    Dafür müsse nur das bisherige Erfolgs-Trittbrett an der Seite der USA auf „Eurasien“ gewechselt werden, mit Russland und China als den neuen, vorteilhafteren Partnern, – ein flotter „Seitenwechsel“ sozusagen, in dem man auf keinen Fall eine neue „konfrontative Blockbildung“ sehen soll, sondern im Gegenteil, mehr geopolitische „Stabilität“ und deutsche Vorteile erwarten darf. Was Russland, China und die USA von solchen Euro-Visionen halten, steht dabei ausser Frage. – Fast jedenfalls, denn der Autor weiss bei seiner „strategischen Option“ am Ende:

    „Die USA werden ihre Hegemonie nicht freiwillig aufgeben. Europa kann sie nicht moralisch überwinden, sondern nur strukturell begrenzen. Dazu braucht es militärische Eigenständigkeit, wirtschaftliche Unabhängigkeit, diplomatische Offenheit und politische Erneuerung. Europa muss aufhören, sich als moralisches Gewissen der Welt zu verstehen, und anfangen, sich als Macht zu begreifen.“

    Als Bündnis für mehr Macht haben sich die EU-Staaten schon als EU gegründet und seine Machtbereiche ständig vergrößert. Für Forderungen nach noch mehr „unabhängiger“ Machtausweitung ist es natürlich nützlich so zu tun, als wäre die EU bisher ein zweiter Vatikan gewesen, dem die Vermittlung von nutzlosen „Werten“ über alles ging.

    Lächerlich, aber wenigstens werden damit die lästigen „Werte“ von gestern schonmal zugunsten des einzig zählenden nationalen Erfolgs ausgeräumt. Mit mehr Nationalismus wird bestimmt alles viel besser!

    1. wie können sie nur nationalismus und verantwortungs-ethik in ein explodierendes hirn verschmelzen, haben sie eigentlich keine defrosting-option? 😀
      beide daumen und grossen zehen oben!

      1. Mit Verantwortungsethik verhindert man einen überheblichen Nationalismus und schafft eine humane Nation, die sich der gesamten Menschheit verpflichtet fühlt. Im westlichen liberalen Kapitalismus wird das jedoch kaum möglich sein (zu sehr wird auf das Ego gesetzt) – mit liberalen Abkömmlingen wie dir aber auch nicht.

        1. prüf doch mal ob das blech, das du redest, per zufall genuin liberales blech ist, das sich mit der art von sermon wie von dir gegen die stände durchgesetzt hat. ich danke nochmals für den hinweis gestern wie ich hier meine zeit verschwende, absolut gar nichts lerne ausser von tom gard, der offenbar andersweitig beschäftigt ist (gott habe ihn dafür selig), sondern mich mit vollidioten wie dir rumschlage, die über eine bildung verfügen, mit der man sich nicht mal den arsch abwischen kann. zeit, meine aufmerksamkeit wieder auf lohnendere projekte zu richten, in nomine patris: meinem RIESIGEN GEWALTIGEN MEGA EGO wo jeder pfaffe sofort das kruzifix davor macht.

        2. Aber „verantwortungsethischer“ Nationalismus ist ja gerade das, was „eurasische“ Alternativ-Patrioten wie Froschauer als die falsche Moral stört. Der plädiert für unverblümte deutsche/euro-nationale Interessen, ähnlich wie es Trump vorbildhaft für die USA tut, und möchte eine „realistische“ neue Interessenpolitik, die sich der bisher geflegten pro-amerikanischen, Anti-Russland und Anti-China Moralien entledigt, zugunsten vorteilhafterer „strategischer Optionen“ und mehr „Offenheit“ bei „strukturellen Verbindungen“ zu den bisher angefeindeten „Autokratien“.
          Im Klartext: ‚guten deutsch-europäischen Beziehungen zu bisher moralisch verachteten „undemokratischen Diktaturen“ dürfen doch keine moralischen Steine im Weg liegen, wenn es um eine vorteilhaftere „Emanzipation“ deutsch-europäischer Interessen von den USA geht!‘

          Der Artikel blendet dabei natürlich aus, dass es moralische Anpassungen an deutsche Interessen schon in der Ampelzeit reichlich gegeben hat. Pazifisten wurden zu „Putin-Verstehern“ und „Höllenengeln“ erklärt, der grüne Habeck machte seinen Knicks für Öl von den Saudis, weil „man sich als deutsch-demokratische Insel seine Handelspartner eben nicht nach moralischen Gesichtspunkten aussuchen könne“. Israel wurde gleich vollständig zur einzigen mustergültigen Demokratie im Nahen Osten verwandelt, damit es moralisch einwandfrei „unsere Drecksarbeit“ erledigen kann, usw. …
          Ein „Hindernis“ für deutsche Interessen stellte „die Moral“ also nie dar. Wenn, dann waren es rechtliche Bedenken, z.B. ob sich Deutschland vielleicht UNO-Probleme mit seiner „bedingungslosen“ Unterstützung des Israel-Kriegs einhandeln könnte, weil man ja trotz aller israelischen Verstöße und deutscher Abstimmungsblockaden in der UNO Wert darauf legte, dass Deutschland bei seinem politischen Gewicht als UNO-konformer Staat nichts verliert. Ähnliches bei Verstößen gegen „humanitäre Hilfe“, das menschenrechtsgemäße Asylrecht, das Vorgehen gegen „Klima-Terrorismus“, usw.

          Na und was soll „überheblicher“ Nationalismus schon besonderes sein, wenn Nationalismus seiner Natur nach immer schon aus der nationalen Erfolgsperspektive auf den Rest der Staatenwelt schaut?

          Der Autor wird aus guten Gründen nicht weiter konkret darüber, was Russland wohl davon halten mag, wenn er davon spricht, dass „europäische Sicherheit unteilbar“ ist – eine Ansage, die übrigens auch schon von den europäischen Nato-Transatlantikern bekannt war. Welche alternativen Vorstellungen der Autor von „strukturellen“, strategischen Verbindungen zu Russland und China hat, bleibt, bis auf den bequemeren deutsch-industriellen Zugriff auf deren Rohstoff-Lieferungen, sein Geheimnis. Als Werbung für einen hemmungsloseren, alternativen Nationalismus reicht das aber vollkommen aus.

          1. Ich denke, jede Nation hat die Pflicht und das Recht zu aller erst für die eigenen Interessen einzutreten. Das hat mit Moral, Menschenrechte, Demokratie usw. nichts zu tun. Verantwortungsethik ist etwas anderes, nämlich zu schauen wie die eigene Interessen-Politik für uns und für andere wirkt und ob sie für ein friedliches Zusammenleben der Völker förderlich ist. Das ist im neoliberalen Kapitalismus natürlich schwierig, da hier der eigene Vorteil zum obersten Prinzip erhoben wird, zudem vorausschauendes Planen unüblich ist.

            1. Na dann ist ja alles in Ordnung. Nationale Interessen sind „Recht“ und – irgendwoher – sogar „Pflicht“ – und damit Moral, demokratischen Verfahrensweisen, Menschenrechten übergeordnet. Also, alles rausholen, was an politischer und wirtschaftlicher Machterweiterung gegen andere Konkurrenten geht, aber möglichst „friedlich“ und nur dann mit Krieg, wenn’s nötig ist.
              „Verantwortungsethik“ heisst dann soviel wie ‚Wenn es in erster Linie Deutschland dient, dann ist es auch moralisch gut!“

              Stimmt, als moralisches Beiwerk kann man sich „demokratische Werte, Menschenrechte“, usw. dann sparen, wenn sie nicht immer noch gewisse rechtliche Verpflichtungen in den zwischenstaatlichen, internationalen Beziehungen darstellen würden. Russen, Chinesen, Iranern und anderen möchte die Mittelmacht Deutschland natürlich weiterhin berechtigt sagen dürfen, dass sie sich an „unseren“ internationalen Regeln vergehen und deshalb unrechte Herrschaften sind.
              Andererseits hat der ideologische Nutzen von „Demokratie“ moralisch noch nicht ausgedient. Die regierende Mitte nutzt sie weiterhin zu ihrer rechtlichen und moralischen Legitimation, die rechten und linken Parteienoppositionen haben ihre eigenen, konkurrierenden Auslegungen davon, wie „wirkliche Demokratie“ auszusehen hätte und berufen sich auf ihre Wählerprozente, als den eigentlichen „Volkswillen“. Und die unzufriedenen, wählenden Untertanen der Nation sollen sich weiterhin einbilden der „eigentliche Souverän“, bzw. „Deutschland“ wären sie selbst und würden darüber entscheiden, was die Nation mit ihnen anstellt.

              Die Idee, dass sie mit ständigen „Reformen“ als Verfügungsmasse für höhere Anliegen dieses „Deutschlands“ hergerichtet werden und nichts als die Kosten für die angestrebten wirtschaftlichen und politischen Spitzenplätze zu tragen haben, diese Idee mögen die meisten Normal-Bürger gar nicht, weil sie meinen der Erfolg Deutschlands und seiner Wirtschaft würde auch für sie etwas mehr durchsickern lassen, oder sie wenigstens vor weiteren Schäden durch Entlassung, Inflation, soziale Kostensenkungen …, schützen. Dass „ihr“ Deutschland und „ihre“ Wirtschaft die Arbeits-, Leistungs- und Sozialschrauben gerade zu ihrem eigenen „Schutz“ und gegen die „Beschäftigten“ anziehen, wollen sie nicht wahrhaben und schlagen sich lieber auf die Seite eines möglichst noch rigoroseren und erfolgreicheren Deutschlands – nach außen wie nach innen. Besser kann man sich als abhhängiger deutscher Unterschicht-Bürger nicht ins eigene Knie schiessen.

              Zwischen „zu aller erst auf die eigenen nationalen Interessen schauen“ und darauf, „was für ein friedliches Zusammenleben der Völker förderlich“ ist, liegt m.E. ein ziemlicher Widerspruch, weil nationale Interessen ihrer „Natur“ nach auf den eigenen, nationalen Nutzen ausgerichtet sind und weniger darauf, dass es für alle beteiligten Staaten ein friedliches „Win-Win“ ist.
              In der EU war der „gemeinsame Nutzen“ immer sehr unterschiedlich verteilt. Deutschland hat wirtschaftlich am meisten von Binnenmarkt und Euro profitiert, andere, wie Griechenland, wurden zu Verlierern der Eurozone, deren „Vorteil“ darauf gestutzt wurde überhaupt noch in der EU zu bleiben, statt ohne Euro-Unterstützung völlig abzuschiffen. Die EU und Deutschland haben sich die „Rettung“ ihres „großen, erfolgreichen Euro-Raums“ einiges kosten lassen, natürlich nicht ohne drakonische Auflagen und soziale Sparmaßnahmen für das griechische Proletariat, das in deutschen Medien fortan als „die faulen Griechen“ verkauft wurde. Bis auf ein paar „Faschismus“-Vorwürfe gegen Merkel und die eingesetzte EU-Troika blieb es aber bei „friedlicher“ EU-Mitgliedschaft.
              Die Erweiterung der EU auf weitere östliche Armenhäuser diente vor jedem wirtschaftlichen Nutzen der Ausweitung des politischen Einflussbereichs der – deutsch geführten – EU, so wie es bei der Ukraine auch gedacht war, um den Anspruch auf eine „europäische Sicherheitsarchitektur“ mit geschaffenen Fakten zu verfestigen. Natürlich haben EU-Politiker bei ihren freundlichen Übernahmen immer damit argumentiert, dass die sich „nicht gegen Russland“ richten würden, auch wenn seinerzeit dem ukrainischen Janukowitsch klargemacht wurde, dass Beziehungen zur EU nur exklusiv sein können und die zu Russland beendet werden müssen.

              Das „friedliche Zusammenleben der Völker zu fördern“ hat diplomatisch jeder UNO-Staat unterschrieben und jeder hat seine nationalen Interessen, nach denen er bestimmt, welchen Frieden er mit seiner Gewalt fördern will. Auch in den aktuellen Kriegen will jeder „letztendlich Frieden“, aber eben nach seinen Bedingungen und Vorstellungen. Deswegen ist „Frieden“ die Kirsche auf jedem Nationalismus und „Für Frieden“ eine schlechte Forderung von denen, die dafür auf die Straße gehen und meinen die Kriegsgründe, die im Frieden produziert werden wären ziemlich irrelevant, wenn es nur nicht aus heiterem Himmel zum Krieg „kommt“.

              Da könnte man sich auch verkehrte Theorien sparen, über Staaten, die durch den „neoliberalen Kapitalismus“ Schwierigkeiten hätten, für ein „friedliches Zusammenleben“ zu sorgen. SIE, die Staaten sind es doch, die im Frieden mit ihren Ansprüchen und nationalen Rechten gegen ihresgleichen vorgehen und Kriege schüren. Mitunter auch mit offen ausgesprochenen nationalen wirtschafts-politischen Interessen, wie „unserer Abhängigkeit“ von Rohstoffen, militärisch gesicherten Seewegen und Lieferketten und was die nationale Wirtschaft als staatliche Produktivkraft sonst noch alles braucht.

    1. Das ist alles richtig. Aber es gibt vermutlich keine Möglichkeit mehr das durchzusetzen.
      Man muss sich wohl mit dem Gedanken vertraut machen, das es im totalen Krieg endet.

  14. Die transatlantische Droge entfaltet immer noch ihre Wirkung. Deutschland ohne Nato können sich Wessis nicht vorstellen, dann bekommen sie Entzugserscheinungen, dann fühlen sie sich nackt.

  15. Diese ganzen Irrungen beruhen doch darauf, dass immer noch der Glaube verbreitet ist, es gäbe souveräne Nationalstaaten die „eigene“ Interessen vertreten würden. Also Interessen derer Bevölkerungen oder zumindest Teilen davon.

    Das ist doch heutzutage völliger Quatsch, und eigentlich auch schon sehr lange nicht mehr so – wenn es je so war.

    Die Ausbeutung der Menschheit erfolgt über das Geldsystem. Siehe die irrsinnigen Zinszahlungen der Staaten (ganz abgesehen von der Summe der Zinszahlungen von uns allen EInzelperosonen bzw. EInzelhaushalten.) Und die Ausbeuter sind international organisiert, sie sitzen in verschiedensten Ländern. Das einzige was die vereint, ist, dass sie immer wie der Rahm oben schwimmen. Und dass sie sich bei Darwin die Absolution holen: sie seien dort wo sie sind, weil sie eben die „fittesten“ wären, also naturgesetzlich notwendig die Führungsrolle einnehmen müssten.

    „Survival of the fittest“ bedeutet ja auch: die Fittesten sind die Chefs.

    Dass sie sich diese „Führungsrolle“ erschlichen haben, und dass ihr „Fittest“-Sein in Wahrheit Heimtücke und Verschlagenheit ist, wird durch ihre Medien und Arschkriecher unterschlagen.

    „Vier Milliarden Jahre Evolution haben gezeigt, dass alles, was überleben will, lernt, zu lügen und zu manipulieren.“ Yuval Harari auf dem WEF 2026

    Indem wir uns dieser „Wahrheit“ beugen, machen wir uns zu Bedrückten und Ausgebeuteten.

    1. Indem wir uns dieser „Wahrheit“ beugen, machen wir uns zu Bedrückten und Ausgebeuteten.

      Oder eben zu jämmerlichen Bütteln und Schleimkriechern.

    2. Woher kommt dieses „Naturgesetz“, dass wenn man aufbauen will, Neues schaffen will, für Investitionen sich an eine bestimmte Menschengruppe zu wenden hätte, die das alleinige Recht besitzen würde, aus Nichts Geld zu schaffen und für diese Zauberrei dann angeblich zurecht Zinsen verlangen könne?

      Ich denke, der Aufstieg Chinas kommt ua daher, dass dort dieses „Naturgesetz“ in Frage gestellt wird, aufgeweicht wird. Und es ist der einzige Weg sich aus der Bedrückung zu befreien, dass man dieses Dogma in Frage stellt und dann stürzt.

      Uns wird ja vorgegaukelt, dass die reichsten Menschen der Welt die Tech-Milliardäre wären. Das sind aber nur die, die nicht verhindern können, dass ihr Reichtum öffentlich sichtbar ist, und die großenteils auch gerne damit prahlen. Die wahren riesigsten Vermögen sind aber versteckt, schlau gestückelt, verteilt. Und die, die diese Vermögen bewegen und steuern sind in der Öffentlichkeit weitgehen unbekannt. Und diese Vermögen werden aus den ungeheueren Zinszahlungen gespeist, die die Menscheit ständig leistet. Dahinter stecken die wahren „Herren“ der Welt.

      1. Nehmen wir an es gäbe ein Volk, das sich selbst die Kredite gibt, die es braucht oder wünscht. Und zwar zinslos. Da das Geld aus dem Nichts geschöpft wird, muss niemand wegen den Krediten „Konsumverzicht“ üben. Dieser angeblich Grund für Zinsen fällt also schon einmal weg. Die immer wieder passierenden Kreditausfälle würden von der Allgemeinheit übernommen werden. Also auch dieser Grund für Zinsen fällt weg. Die Verwaltung des Kreditsystems wäre auch Gemeinschaftsaufgabe und würde über Steuern finanziert.

        Was wäre das für eine glückhafte Welt.

        Kreditwesen ist eine Gemeinschaftsaufgabe da sie der Gemeinschaft dienen sollte, der allgemeinen Wohlfahrt dienlich sein sollte. Diese Aufgabe zu privatisieren ist die Urschuld unserer westlichen Gesellschaften.

        1. Jeder der das Zinsbedrückungssystem angreift wird bis zum Tode verfolgt. Man denke nur an Muammar Muhammad Abdassalam Abu Minyar al-Gaddafi.

  16. @garno Zur „Verantwortungsethik“ ein paar Gedanken.

    Sie wollen an der Nation festhalten, die soll aber „verantwortungsvoll“ wirken und einen „überheblichen Nationalismus“ verhindern. Dann dürfen und sollen deutsche Staatsbürger zwar stolz auf ihre Nation sein, sich aber nicht über die anderen Nationen stellen, obwohl die ja „nur“ Franzosen oder gar Griechen sind?

    …und schafft eine humane Nation, die sich der gesamten Menschheit verpflichtet fühlt

    aber fein säuberlich in einzelne Nationen aufgeteilt werden sollen die Menschen dann schon?

    Der Autor skizziert einen anderen nationalen Erfolgsweg, also eine Variante der Konkurrenz der Nationen, die er für vielversprechender hält, als die vorherige „Wertepartnerschaft“, die seitens der USA gekündigt ist.
    Der Erfolg der einen Nation geht zu Lasten anderer Nationen. Make America great again geht zu Lasten Europas, und das ist der Grund dafür, dass sich Europa umorientiert und sich neue Partner sucht.

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