
Ein Riesenskandal in Thüringen: Dort hat die Linke zusammen mit der AfD abgestimmt. Mehr muss man nicht wissen – auch nicht, um was es inhaltlich ging. Die Brandmaurer höhlen zunehmend die Demokratie aus.
Wie konnte das passieren? Das wollte unter anderem der Spiegel wissen. Im Thüringer Landtag haben Linke und AfD zusammen einen Antrag durchgebracht, der Sportstätten finanziell sichern soll. Es waren die Linken, die diesen Antrag einbrachten, sie wollten damit Investitionen, Sanierung und den Neubau von Sportstätten möglich machen. Da die thüringische Regierungsmehrheit, angeführt von Herrn Doktor Voigt, unterbelegt war, reichten 32 Stimmen aus Linkspartei und AfD für eine Mehrheit. Der Antrag wurde angenommen.
So weit, so normal – will man meinen. Der Spiegel regt sich auf, ohne wirklich über den Antrag zu berichten. Denn dass dieser mit der AfD zusammen durchgebracht wurde, reicht für das Nachrichtenmagazin schon aus, um nun die große Empörungsnummer abzuziehen. War das Absicht? Von den Linken kalkuliert? Hat die thüringische Linkspartei etwa Heidi Reichinneks Worte vergessen, wonach man mit der AfD keine gemeinsame Sache mache? Welche Wahl hatten die Linken denn? Hätten sie gegen ihren eigenen Antrag stimmen sollen, als sie merkten, dass die AfD dem auch zustimmt? Der Spiegel will nun ausloten, ob die AfD taktisch zugestimmt habe. Kann es denn nicht schlicht möglich sein, dass die AfD ein Herz für Sportstätten hat?
Sportstätten für die Demokratierettung schließen?
Wer das Stück im Spiegel anrührt, der tappt zwangsläufig in den Geifer, den der zuständige Redakteur beim Tippen verströmte. Die eigentliche Sache, das Anliegen unterfinanzierter Sportstätten – die es ja nicht nur in Thüringen gibt – trieb den Verantwortlichen des Artikels nicht an. Er steht damit exemplarisch für die allgemeine Haltung, die die Verfechter der Brandmauer umtreibt: Denn jeder sachliche Einwand, jeder Zuspruch von Seiten der AfD, wird sofort als mieser Trick jener Partei gewertet, sodass man sich ja nicht mit denen gemein machen sollte – noch nicht mal auf der Ebene einer kleinteiligen Sachfrage.
Anders gesagt: Lieber sollen Sportstätten verrotten, für die Bürger unzugänglich werden (oder bleiben), als einem Antrag zuzustimmen, dem auch die AfD zustimmt. Im Artikel verweist der zuständige Redakteur darauf, dass die Linken im Europaparlament bereits gemeinsam mit den Grünen und »den Rechtsextremisten das wichtige Mercosur-Freihandelsabkommen ausbremsten«. Die Linkspartei hätte also ihre Position zu Mercosur über den Haufen werfen sollen und dafür stimmen müssen, damit sie am Ende vom Qualitätsmagazin aus Hamburg nicht attackiert werden kann? Der Spiegel fordert die totale Aushöhlung eigener Anschauungen, um die Brandmauer nur ja nicht ins Wanken zu bringen. Ja, man darf noch nicht mal was an ihr anbringen – schon rollt der Empörungszug los.
40 Prozent der Sportstätten in Thüringen gelten als sanierungs- und modernisierungsbedürftig. Betroffen sind Sportplätze, Hallen, Bäder und sportartenspezifische Anlagen. Es seien demnach 1.800 von 4.500 Anlagen insgesamt betroffen. 1,3 Milliarden Euro seien notwendig, um die Sportstätten Thüringens auf Vordermann zu bringen. Die Kommunen seien freilich heillos überfordert mit diesem Investitionsbedarf. All das sind Zahlen, die der Landessportbund Thüringen nennt. Für die Brandmaurer ist dergleichen nicht von Bedeutung – das einzige Bauwerk, das sie mit viel Geld in Schuss halten wollen, ist eben jene Brandmauer. Nachzuholender Investitionsbedarf kommt bei ihr nicht auf, denn man schaut ganz genau, dass dieses architektonische Objekt keinen Schaden nimmt – man mag hierzulande ja Flughäfen und Philharmonien nur unter größten Schwierigkeiten errichten und standhalten können. Aber was Mauern betrifft, das kann man, da gibt es eine Expertise – die Brandmauer soll offenbar nie so enden müssen wie gemeinhin thüringische Sportstätten.
Die Brandmauer: Inhalte längst überwunden!
Kritiker der Brandmauer – durchaus nicht nur Freunde und Sympathisanten der AfD – haben von Anfang an eines als gegenständlich festgehalten: Diese Mauer in den Köpfen der Parteien und ihrer Funktionäre, ist ein Vorhaben, dass die Unionsparteien an die Sozialdemokraten und die Grünen binden soll. Die Brandmauer schaltet in erster Linie die Konkurrenz dieser beiden politischen Gruppen aus – und sie wäre nach diesen Gesichtspunkten hochgradig undemokratisch. Natürlich haben Parteien immer schon begutachtet, wo sie Schnittmengen haben und ob eine Zusammenarbeit auf Koalitionsbasis möglich ist. Keine Partei, egal wie viele Prozentpunkte sie bei einer Wahl einholt (so sie nicht die absolute Mehrheit einfährt), hat einen Anspruch darauf, letztlich auch Teil einer Regierung zu werden – was heute allerdings anders ist als in früheren Tagen, als Parteien sich ebenso taxierten: Grundsätzlich war man immer bereit, in Sachfragen objektiv zu bleiben. Die Brandmauer hat diese Fähigkeit zubetoniert.
Inhalte spielen demgemäß überhaupt keine Rolle mehr – was einigermaßen tragisch ist, denn seit Jahrzehnten darbt die Politik ohnehin in tiefster Inhaltslosigkeit. Inhalte waren schon vormals ohne Brandmauer eine Rarität. Aber nun hat man dort, wo man noch Inhalte erhoffen durfte, eine Mauer errichtet. Egal wie sinnvoll ein Antrag auch sein mag – wenn die AfD für ihn ist, muss prompt umgedeutet und darf nicht verabschiedet werden. Jeder vernünftige Ansatz ist damit von Grunde auf unvernünftig, wenn die falsche Seite ihn auch goutiert. An dem Beispiel aus Thüringen zeigt sich geradezu vorbildlich, wie dieses architektonische Wunderwerk funktioniert. Sportstätten hin oder her: Wenn die AfD sie subventionieren will, rufen die Brandmaurer laut, dass es besser wäre, es lieber nicht zu tun. Abgeordnete sollen dann Haltung zeigen, fordern sie ein – Haltung im Berührungsverbot, aber nicht bei den Positionen, die sie vertreten. Die dürfen ruhig beliebig sein – müssen sie sogar, wenn man moralisch integer bleiben will.
Ist das die Demokratie, die es jeden Tag in Unmengen von Artikeln und Features zu retten gilt? Haben Abgrenzungsrituale Argumente ersetzt? Entscheidungen nicht mehr nach ihrem Nutzen oder ihrer Sinnhaftigkeit zu bewerten, sondern nach der Frage, ob ihnen auch nur und ausschließlich die Richtigen zustimmen: Das ist wirklich keine Werbung für dieses etwas, das Demokratie genannt wird, das jedoch immer mehr Partizipation der Bürger vereitelt – im Gegenteil, man muss fürchten, dass es sich bei dieser Brandmauer und jenen Stimmen, die Inhalte mit Kontaktschuld verweben, um hochgradige Antidemokraten handelt. Die Hohepriester der Brandmauer, die Damen und Herren der Qualitätspresse, fordern etwas ein, was im parlamentarischen Betrieb im Grunde nicht möglich ist: Es sei denn, man lässt als Abgeordneter alle Positionen, die man vielleicht noch haben mag, endgültig sausen, damit man einfach immer nur das Gegenteil dessen postuliert, was die AfD gerade im Sinn hat – wer so Politik versteht, muss keine Angst haben, eines Tages in einem autoritären Regime zu erwachen. Denn dort befindet er längst.
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Schnee von gestern.
Mal sehen wie langs noch dauert bis das jetzt verschärften Sanktionsregime auch gegen Overton greift.
Ich glaube nicht dass wir da noch bis Jahresende warten müssen.
Schon Konservenvorräte für die ersten Hungerswochen gekauft?
Die AfD wird Euch da jedenfalls nicht rausboxen. Niemand wird das.
https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/von-der-ordnungswidrigkeit-zur-straftat-bundestag-setzt-eu-sanktionsrecht-um-eu-sanktionen-schaerfer-durchgesetzt-bundestag-verschaerft-strafrahmen-li.10018143
sorry mir ist gerade schlecht geworden…..
@Rubis
„sorry mir ist gerade schlecht geworden…“
Dann erhol‘ dich besser schnell; das ist nur einer von vielen Schritten, die uns in Europa bevorstehen… Der Takt der Abfolge zieht jetzt immer mehr an. Es braucht schliesslich immer weniger gewartet zu werden, bis der letzte Aufschrei verstummt sein wird.
Schon morgen wird die nächste Sau durchs Dorf getrieben; soviel ist sicher!
@name
Dich wird da niemand rausboxen; weder die AfD noch sonstwer! Wahrscheinlicher ist nach Sichtung deines Textes, das du andere schneller mit in den Sumpf ziehst, als diese dich rausboxen könn(t)en…
Wir leben in einer kranken Zeit und Welt!
Jeder der noch ein wenig klar denken kann, weiß das die AFD unsere letzte verbleibende Chance ist und genau das ist ihre größte Angst.
Lmao.
Die AfD mit ihren revolutionären Ideen, die versprechen Politik und Gesellschaft völlig neu zu denken, und somit die letzte Hoffnung für Deutschland darstellt.. Solange man nicht fü 2 Sekunden gemauer hinschaut und erkennt dass es der genau gleiche neoliberale Scheisshaufen ist, einfach frisch in Xenophobie verpackt.
Als Schweizer betrachte ich seit knapp 30 Jahren, hin und her gerissen zwischen genervt und amüsiert, wie das Original (die SVP) so erfolgreich insbesondere die eigenen Wähler verarscht.
In meinen Augen war der wirkliche Skandal, dass die BSW Fraktion gegen das Voigt-Mißtrauensvotum der AFD abstimmte.
Aber mich würde die Meinung der Foristen interessieren:
Wird die AFD eventuell als Opposition aufgebaut, damit keine wirkliche Alternative aufkommen kann?
Hängt von der Perspektive ab, was wäre denn eine „wirkliche Alternative“? Da versteht doch jeder was anderes drunter.
Wenn man sich das Interview von Kubitschek mit Kosubek anschaut:
https://www.youtube.com/watch?v=3dr_7cygAO4
bestätigt er im Prinzip meine Wahrnehmung: die AfD hatte unter Lucke als „Wahlalternative 2013“ gestartet, eine Professorenpartei, die der EU-Alternativlosigkeit etwas entgegensetzen wollte, vor allem was Banken- und Eurorettung usw. anging. Dieser Ansatz hatte massenweise Resonanz in frustrierten konservativen und „rechten“ Kreisen, die hatten nur auf etwas gewartet, was mediale Aufmerksamkeit erhält und kaperten im Prinzip die Wahlalternative (Höcke z.B.), um endlich ihre Themen in der Politik zu positionieren. Letztlich führte das sogar zum Austritt von Parteigründer Lucke.
Wenn du „die Vermögensfrage“ stellen willst, Produktionsmittel enteignen u.ä. wird die AfD keine Alternative für dich darstellen, wenn es dir um den Erhalt des Landes, seiner Kultur und Leistungsfähigkeit geht, dann vermutlich schon.
Ich denke schon !
Die Brandmauer-Politik und deren Kommentierung durch die Leitmedien ist Ausdruck der zunehmend sozial verrottenden Mitte, einer radikalen Mitte.
In Vorkrisenzeiten sprach man von Rechtsextremismus und Linksextremismus. Die Mitte, die „goldene Mitte“, galt als das Ideal. Das hat sich geändert. Heutzutage ist „die Mitte“ radikalisiert und sozial verrottet. Statt den argumentativen Austausch mit den politischen Gegner werden heutzutage Beschimpfungen ausgetauscht. Die sozialen Medien verstärken dies, sind aber nicht die Ursache.
Die Ursache für die soziale Verkommenheit der radikalen Mitte ist die soziale Schicht des Kleinbürgertums, also Beamte, Lehrer, kleine Geschäftsleute etc. Diese spüren den sozialen Abstieg – ihren Kindern geht es schlechter als ihnen in ihrer Jugend – will aber diesen Abstieg nicht wahrhaben. Stattdessen wird dieser Abstieg mit einen seltsamen Patriotismus schöngeredet. Das erinnert mich an das Schönreden der DDR durch die SED kurz vor ihren Untergang.
Heutzutage ist es so das die klügsten Köpfe entnervt aufgegeben haben, während die gröbsten Seelen am schärfsten glühen. Das sind die Zeiten der Krise, die Zeiten einer Abstiegsgesellschaft, die man nicht wahrhaben will. Die Brandmauerpolitik bietet diesen gröbsten Seelen in ihren Abstieg innerlich Halt, teilt die Welt in Gut und Böse. Um Inhalte geht es nicht mehr, nur noch um Rituale. Dieses Rituale sollen der radikalen Mitte gute Gefühle in ihren Abstiegskampf bereiten…
Meine Güte Roberto, du hast mal wieder gar nichts gecheckt:
links = rechts das folgt doch messerscharf aus dem Toleranzparadoxon!
Hitler war Sozialist (NSDAP), Pazifist („Der Führer will den Krieg nicht“), Vegetarier und Tierfreund!
Die Linken und noch schlimmer die PMUT (the party formerly known as „Tierschutzpartei“) sind Nachfolgeorganisationen der NSDAP und deshalb gesichert rechtsextrem! Und BSW natürlich auch, weil Putin ist ja auch gleich Hitler, das sagt ja sogar die ZEIT und die Putinfotze Wagenknecht die Wiedergängerin Eva Brauns, begreif das doch!
Bunt! Mann, bunt! muß alles sein, und vielfältig und … ja, genau: inklusiv, Mann: Brandmauern sind die höchste Form der Inklusion! – geht das vielleicht mal rein in deinen Kopf!?!?
@ motonomer: bitte!
Interview mit der bekannten Selbstdarstellerin Jutta Dickfuß (Tochter ihres Vaters, Millionenerbin, Verfasserin des populären Kochbuchs „Esse Wild und Geflügel“, Dschungelcampsiegerin 1944)
Das Interview für die Illustrierte „jungle world“ (Axel-Springer-Verlag) führt Jeannette (geb. Thomas).
Jeanette (geb. Thomas): „Liebe Jutta Dickfuß, wir wollen wieder einmal deine herausragenden politik- und geschichtswissenschaftlichen Kenntnisse nutzen und dir hier die Frage stellen: „Was ist der Unterschied zwischen einem Herrenwitz und einem Connewitz“?“
Jutta Dickfuß: „Uups … ääh … emm (rülpst) … ja … soweit …“ Springt auf. Singt (nach einer bekannten Melodie): „Zieh ran! Zieh ran! Zieh ran! Zieh ran! VS-Spitzel, zieh ran!“ Setzt sich wieder , furzt.
Das ehemalige Nachrichtenmagazin, wie Fefe immer so schön sagte.
Die Frage die sich mir noch stellt, wieso war die CDU dagegen?
Das die ihre Gelder kassieren aber nicht vor Ort sind, ist nochmal ein anderer Punkt. Man könnte mal die „Diäten“ an die Anwesenheitstage vor Ort koppeln. 😉 Da wäre bestimmt mehr los.