
US-Präsident Donald Trump will sich über die Neuauflage der Monroe-Doktrin den „Hinterhof“ wieder unter den Nagel reißen. Nach der Entführung von Maduro und der Selbstaufgabe Venezuelas unter Rodriguez will er nun über eine totale Blockade die kubanische Regierung stürzen. Eine weitere Station ist Kolumbien. Dort soll verhindert werden, dass nach Gustavo Petro mit Iván Cepeda erneut ein Linker Präsidenten wird. Trump spricht sich offen für den ultrarechten Abelardo de la Espriella vor dem zweiten Wahlgang aus und Petro sieht längst Anzeichen für Wahlbetrug.
Mehr oder weniger offen treibt der US-Präsident Donald Trump mit Unterstützung der Bundesregierung seine Pläne voran. Die Merz-Regierung unterstützt die USA entweder direkt, wie im Fall des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs der USA und Israel auf den Iran, oder durch beredtes Schweigen zum illegalen Überfall auf Venezuela und der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro.
Auch im Fall Kubas deckt die Merz-Regierung, mit Hilfe der Sozialdemokratie (SPD), einen völkerrechtswidrigen Versuch, ein Regierung durch eine Totalblockade zu stürzen. Das Volk soll über eine Energieblockade „stranguliert“ und ausgehungert werden. Dabei spielt Venezuela ein Schlüsselrolle. Das Land liefert, nachdem Delcy Rodriguez nach Ansicht von vielen Experten nicht nur Maduro in Geheimabsprachen an Trump ausgeliefert hat, auch keinen Treibstoff mehr an Kuba. Der Stromausfall ist nun nicht mehr die Ausnahme, sondern inzwischen fast die Regel.
Da es praktisch keinen Widerstand Venezuelas gegen den US-Überfall zur Entführung Maduros gab, wurde schnell vermutet, dass Maduro an Trump ausgeliefert wurde. Die Entführer wussten auch sehr genau, wo er sich aufhielt und wo man ihn abholen konnte. Der Guardian hat den Vorgang aufgearbeitet und berichtet, dass die einstige Vize Rodriguez mit der Trump-Regierung den Deal eingerührt hat, um selbst Präsidentin zu werden. Dass die mächtigen Rodriguez-Geschwister nun alles tun, um Trump zu befriedigen, spricht auch eine deutliche Sprache. Neueste Spitze: Die Regierung hat die Fluglinien und die Reedereien sogar in einem Schreiben am 28. Mai mitgeteilt, dass Zahlungen für Treibstoff in Fremdwährung nun direkt auf ein Konto des US-Finanzministeriums überwiesen werden müssen. Es ist so, wie Trump es angekündigt hatte, dass man erst einmal das Land regieren werde. Man regiert nicht selbst, sondern lässt über Vasallen regieren.
Im Fall von Kuba spricht Trump offen von einer bevorstehenden Machtübernahme, die mit oder ohne Einsatz der Streitkräfte stattfinden könne. Auch hier spricht er von einer „Übernahme“ der Insel und droht unverblümt mit dem Einsatz des US-Militärs. Kuba sei „schon sozusagen zusammengebrochen“, erklärte Trump und „wir werden uns darum kümmern, sobald wir die militärischen Operationen im Iran abgeschlossen haben“.
Deutlicher kann man es kaum formulieren. Umso dröhnender auch hier das Schweigen in Berlin. Dort wundert man sich angesichts der eigenen Doppelstandards und Doppelmoral aber, dass Deutschland erstmals nicht die nötigen Stimmen in der UN-Generalversammlung erhält, um einen Sitz im Sicherheitsrat zu bekommen. Das Image befindet sich weltweit im freien Fall. Das hat vor allem damit zu tun, dass sich Deutschland trotz des Völkermords und der ethnischen Säuberungen, die auch die UNO Israel in Gaza vorwirft, sich weiter hinter Israel stellt. Dabei weitet das Land das Vorgehen auch auf den Libanon aus.
Deutschland ist Helfer oder Helfershelfer für eine immer aggressivere Politik Israels und der USA. In Lateinamerika formuliert Trump eine unangefochtene Dominanz, bisweilen blickt er sogar in den Norden und will auch Kanada den USA einverleiben. In dieser Richtung hat er bisher noch nicht viel unternommen, anders als zum Beispiel seine ständige Einflussnahme, Erpressung oder sogar mit tödlichen völkerrechtswidrigen Aktionen wie gegen angebliche Drogenschmuggler im Süden.
Massive Wahlbeeinflussung in Argentinien für Milei
Doch die Bandbreite seines Vorgehens ist groß. So kann man beobachten, wie Trump dem rechten Ultra Javier Milei beisprang, nach dem es für den bei bevorstehenden Wahlen in Argentinien ganz und gar nicht gut aussah und die Proteste gegen den Kettensägen-Präsidenten immer stärker wurden. Da trat Trump auf den Plan und drohte offen: „Wenn Milei nicht gewinnt, werden wir nicht großzügig mit Argentinien sein.“
Da der Libertäre mit seinen Programmen das Land ruiniert, ging auch die Währung des Landes in die Knie, weshalb das US-Schatzamt schließlich 20 Milliarden US-Dollar für einen Währungsswap spendierte, um den Peso zu stützen. Zudem war zuvor schon gegen starken Widerstand im Internationalen Währungsfonds (IWF) Argentinien ein neuer Kredit im Umfang von 20 Milliarden zugesagt worden, in dem die USA stark den Ton angeben und das Land immer tiefer in die Verschuldung treiben.
Es wurde also der Bevölkerung im Land aus den USA klargemacht, dass sie richtig zu wählen habe, ansonsten wäre Argentinien wieder einmal in die Pleite abgeschmiert. Das wirkte. Noch zu frisch sind die Erfahrungen mit dem „corralito“ 2021, als das Land abstürzte und die Menschen nicht mehr an ihr Geld bei den Banken kamen. Mit dem „corralón“ wurden viele Bankeinlagen 2022 sogar längerfristig eingefroren und teilweise zwangsweise in Pesos umgewandelt. Man kann also sagen, dass Trump die Wahlen für Milei gekauft hat.
Wer aber nicht mit dem Wolf heult, der bekommt die Drogenkeule übergebraten. Unter dem Leitmotiv der angeblichen Drogenbekämpfung setzt Trump in Lateinamerika seine imperialistischen Ansprüche um. Im Fall Maduro hatte die Trump-USA schon behauptet, man habe einen „Drogenhändler“ festgenommen. Der soll „nicht der Präsident Venezuelas“ gewesen sein, sondern der Chef eines Drogenkartells mit dem Namen „Los Soles“. Die Behauptung wurde nach einem Bericht der New York Times zurückgezogen. Das Kartell gibt es nicht. Das US-Justizministerium stellte in einer überarbeiteten Anklageschrift klar, dass es sich nicht um eine Organisation, sondern um einen informellen Begriff für ein angebliches System von Korruption und Patronage innerhalb staatlicher und militärischer Eliten handeln soll.
Dass Trump und seine Leute mit realen und verurteilten Drogenhändlern kein Problem haben, ist auch bekannt. Das wurde sehr deutlich am Fall von Juan Orlando Hernández. Der war zwischen 2014 und 2022 Präsident von Honduras. Nach dem Ende seiner Amtszeit wurde er noch 2022 an die USA ausgeliefert, da er aus dem mittelamerikanischen Land einen Drogen-Staat gemacht habe. Der rechte Politiker wurde dort zu 45 Jahren Haft verurteilt, weil er in einer „der größten und gewalttätigsten Verschwörungen im Bereich des Drogenhandels weltweit“ eine Führungsrolle gespielt hat. Doch was tut Trump nach seinem Amtsantritt? Er begnadigt den Drogenboss am 1. Dezember 2025. Honduras hat derweil einen neuen internationalen Haftbefehl wegen Geldwäsche und Betrug gegen den realen Drogendealer ausgestellt.
Ein großer Dorn im Auge von Trump ist natürlich auch der linke Präsident in Kolumbien. So hatte er auch behauptet, Präsident Gustavo Petro tue nichts gegen die Drogenproduktion in seinem Land und nannte auch ihn einen „illegalen Drogenführer“. Petro hatte ihn zuvor einen „Mörder“ genannt, weil er weiter angebliche Drogenboote in der Karibik bombardiert. Dabei sei nach Petros Angaben auch ein Fischer getötet worden, der „keinerlei Verbindung zu Drogenhändlern“ gehabt habe. Zudem werde mit den Angriffen die „Souveränität“ Kolumbiens in den Hoheitsgewässern des Landes verletzt. Angeblich flute Kolumbien mit der Drogenproduktion die USA, „was zu Tod, Zerstörung und Chaos führt“, meint Trump. Das ist genau das, was Hernández aus Honduras betrieben hatte, den er nach nicht einmal drei von 45 Knastjahren begnadigt hat.
Trump hatte angekündigt, auf die „nicht nette Art“ auch in Kolumbien intervenieren zu wollen. Dass das noch nicht geschah, hängt damit zusammen, dass er sich einen neuen Krieg nicht leisten will und er darauf hofft, im laufenden Wahlprozess, einen US-Vasallen als Präsident in Kolumbien installieren zu können. Dass man sich in Kuba und in Kolumbien militärisch noch zurückhält, hat auch damit zu tun, dass sich die Maga-Bewegung zunehmend gegen Trump wendet. Der hatte er schließlich versprochen: „Ich werde keine Kriege beginnen, ich werde Kriege beenden.“
Das Gegenteil ist aber der Fall und der Iran-Krieg wurde zum Rohrkrepierer. Er hatte ein Venezuela-Szenario erwartet hatte, sich aber völlig verzockt. Da man im Iran offensichtlich nicht bereit war, einen Deal wie Rodriguez in Venezuela zu machen, hoffte man mit der Ermordung des Führers den im Nachhinein zu erzwingen. Eine fatale Fehleinschätzung, die auch wir sehr teuer bezahlen. Das Iran-Desaster ist der Grund, warum man Kuba „nur“ stranguliert und wie in Argentinien in Kolumbien die Wahlen beeinflusst, statt direkt militärisch zu intervenieren.
Wahlmanipulation in Kolumbien?
Nach dem ersten Wahlgang ist die Lage in Kolumbien noch offen. Es war auch nicht erwartet worden, dass der Nachfolger von Petro im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreicht. Eine direkte zweite Amtszeit eines Präsidenten schließt die kolumbianische Verfassung aus. Deshalb trat der Anwalt und Menschenrechtler Iván Cepeda als Kandidat an und Vizepräsidentin für den „Pacto Histórico“ (Historischer Pakt) soll die indigene Politikerin und Senatorin Aida Quilcué werden. Eigentlich galt das Duo als klarer Favorit im ersten Wahlgang, da eine geeinte Linke gegen eine zersplitterte Rechte antrat. Das Linksbündnis war sogar noch ausgeweitet worden, das Petro 2022 zum Wahlsieg verhalf.
Daher war der Wahlausgang sogar für die konservative Konrad-Adenauer-Stiftung eine „Überraschung“, weil ein „konservativer Außenseiter“ den ersten Wahlgang vor einer Woche gewonnen habe. Es handelt sich um Abelardo De La Espriella. Aber man muss die Realität in der CDU-Stiftung schon ziemlich verbiegen, um ihn einen „Konservativen“ zu nennen. Der ORF in Österreich bezeichnet ihn richtiger als „ultrarechten Kandidaten“, wie ihn auch CNN einstuft.. Der stark polarisierende Populist, der im Trump-Stil auf Spektakel setzt, gegen Journalisten vorgeht und als Macho bezeichnet wird, sei „ein unverhohlenes Extrem“, führt CNN weiter aus.
Der Unternehmer, Fan von Trump und Milei, ist ein Vertreter der „harten Hand“, hat nie ein politisches Amt innegehabt und bezeichnet sich als „Outsider“ und „El Tigre“ (Der Tiger). Espriella soll trotz einer gespaltenen Rechten, die mit etlichen Kandidaten antrat, mit 43,7 Prozent deutlich vor dem Favoriten Cepeda gelegen haben, der auf 40,9 Prozent kam. Das erstaunt, aber bei näherer Betrachtung zeigen sich Unregelmäßigkeiten. So weist Präsident Petro darauf hin, dass nur wenige Tage vor den Wahlen die Wahlsoftware geändert wurde. „Die Software wurde am 26. Mai 2026 zweimal geändert“, klärt Petro auf. „Die erste Änderung erfolgte um 13:21:35 Uhr und die zweite um 19:21:13 Uhr“.
Geändert wurde also fünf Tage vor der Wahl ausgerechnet die Zahl der Wahlberechtigten, die plötzlich um fast eine Million auf 42.307.373 angehoben wurde. Konkret wurden 885.409 Wahlberechtigte hinzugefügt. Der ultrarechte Espriella soll nach dem Wahlergebnis nun einen Vorsprung von etwa 700.000 Stimmen vor Cepeda haben. Für diese „neuen“ Wähler brauchte man aber auch neue Wahlbüros. Deren die Zahl wurde von den 13.742 offiziellen auf 14.438 angepasst. Diese Anpassungen verstoßen gegen die gesetzlichen Vorgaben, Veränderungen durften zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vorgenommen werden.
Immer wieder wurde auch gefordert, den Quellcode der Divipol-Software zu veröffentlichen. Das habe die Wahlbehörde stets verweigert. Die Software sorgt seit langem für viel Polemik im Land. Es ist tatsächlich absurd, dass die zentralen Teile der Wahlinfrastruktur von einer privaten Firma stammen. Schon vor acht Jahren hatte der Staatsrat gefordert, dass die Wahlsoftware in staatlichen Händen liegen muss. Die gehört aber der Firma Thomas Greg & Sons, die den Brüdern Felipe, Camilo und Fernando Bautista gehört. Die wurden in den 1980er Jahren wegen eines Betrugs gegenüber 25 Banken in den USA inhaftiert, den sie sogar eingeräumt hatten. Camilo wurde 1985 zu neun Jahren Haft verurteilt, kam aber schon 1989 wieder frei und ist nun Vizepräsident einer Firma mit Sitz im Steuerparadies Guernsey. Eine Firma eines Kriminellen, die in Kolumbien keine Steuern zahlt, stellt also nicht nur die Wahlsoftware im Heimatland der Bautistas, sondern ist auch für die Software für Passangelegenheiten verantwortlich.
Man darf also für den zweiten Wahlgang am 21. Juni noch so einiges erwarten. Es ist natürlich auch kein Zufall, dass sich Trump klar hinter Abelardo De La Espriella stellt. Auf seiner Plattform Truth Social gratulierte er dem „klugen, starken und entschlossenen Führer zu seinem entscheidenden Sieg in der ersten Runde der kolumbianischen Präsidentschaftswahlen!“ Die Ergebnisse seien für die Zukunft Kolumbiens und seine Beziehungen zu den USA „von großer Bedeutung“. Er wirbt nun offen für den „Tiger“ Espriella, der wieder für „Recht und Ordnung“ sorgen werde: „Aufgrund seiner enormen Lebensleistungen und seiner persönlichen politischen Unterstützung für mich ist es eine Ehre für mich, Abelardo meine uneingeschränkte und vollkommene Unterstützung zuzusichern.“
Den linken Gegenkandidaten Cepeda nannte er dagegen warnend einen „radikalen linken Marxisten“, der anders als der Tiger kein Wachstum und keine Arbeitsplätze schaffen werde. Komisch nur, dass der linke Petro das Wachstum stabilisiert hat. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) verzeichnete 2024 einen Zuwachs von 1,6 Prozent, 2025 von 2,6 Prozent und für 2026 prognostizieren Wirtschaftsinstitute einen weiteren Anstieg des BIP um 2,8 Prozent. „Der private Konsum treibt das Wirtschaftswachstum 2026 an – gestützt durch höhere Realeinkommen und eine robuste Beschäftigungslage“, stellt zum Beispiel Germany Trade and Invest fest.
Klar ist, dass Trump, egal wie, die Regierung durch einen zweiten Milei ersetzen will. In dessen „Paradies“ der Kettensägen wurde die vor allem an der industriellen Fertigung angesetzt. „In der deutschen Debatte über Deindustrialisierung gilt Javier Milei mancherorts als Vorbild. Dabei hat Argentinien zwischen 2023 und 2025 den zweitgrößten Industrierückgang weltweit verzeichnet – übertroffen nur von Ungarn“, stellt der Volkswirtschaftler Patrick Kaczmarczyk fest. Der Professor an der Uni Mannheim führt aus: „Die gesamte Industrie arbeitet auf 53,6 Prozent ihrer Kapazität. In der Automobilindustrie sind es noch 24 Prozent – drei von vier Maschinen stehen still, die Fahrzeugproduktion ist um 30 Prozent eingebrochen. Im Maschinenbau liegt die Auslastung bei 31 Prozent. Über 2.400 Industriebetriebe haben die Produktion aufgegeben.“
Insgesamt sollen mit der einbrechenden Nachfrage nach den „Reformen“ mit der Kettensäge und Betrug über Krypto-Währungen bis zu 22.000 kleine und mittlere Unternehmen ruiniert worden sein, was 250.000 Arbeitsplätze im Industriesektor gekostet haben soll. Argentinien wird wieder zum Agrarland und billigem Rohstofflieferanten degradiert. Und das ist auch unter einem Ultra in Kolumbien für dieses Land zu erwarten, das Trump unter seine Kontrolle bringen will. Das wäre dann nicht nur Monroe-Doktrin von Donald als Donroe, sondern zugleich ein Morgenthau-Plan statt für Deutschland, nun für Lateinamerika.
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Ganz grosses Kino. Hervorragender Text. Danke an Overton und den Autor. Ansonsten ist dsxu Schweigen im Wald. Hier scheint es den Leuten auch die Sprache verschlagen zu haben.
Ich vermute, dass hinter diesen Feindseligkeiten im lateinamerikanischen Raum Außenminister Marco Rubio steckt, der von Exil-Kubanern abstammt.
Rob Kenius, https://kritlit.de
Bis eben war kein Kommentar da, wird da nun alles “ moderiert“?
Übertreib ihr es nicht ein bisschen viel. So wird jede Debatte über das wichtige Thema abgewürgt. Guter Artikel. .