Instabilität als Instrument

Raketenabschuss auf Iran
[null Courtesy], Public domain, via Wikimedia Commons
Der Konflikt im Nahen Osten scheint außer Kontrolle. Ist Trump gescheitert, wie viele vermuten? Warum alles auch nach Plan laufen könnte.

Kaum jemand spricht derzeit darüber, dass die aktuelle Eskalation im Nahen Osten nicht nur Ergebnis von Fehlkalkulationen sein könnte, sondern womöglich auch politisch gewollt ist. Es lohnt deshalb, den Blick bewusst auf die Frage zu lenken, wie sich die Weltlage darstellt, wenn man die gegenwärtige Entwicklung nicht als Unfall, sondern als gezielt herbeigeführte Eskalation liest.

In diesem Szenario stünde nicht nur Iran im Zentrum, sondern die Möglichkeit, dass auch Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und damit die wichtigsten arabischen Energie- und Ordnungszentren nachhaltig destabilisiert werden. Eine solche Entwicklung würde die regionale Machtbalance zerbrechen und die globale Rohstoffversorgung, Handelsrouten und Sicherheitsarchitektur auf Jahre erschüttern. Besonders betroffen wäre China, dessen industrielle Stärke in hohem Maß auf verlässlichen Energiezuflüssen aus dem Nahen Osten beruht. Zugleich würden die USA als alternativer Energie- und Sicherheitsanker an Gewicht gewinnen. Die Konsequenz wäre damit nicht nur ein regionaler Krieg, sondern eine strategische Neuordnung der Weltwirtschaft, in der Energie, Versorgungssicherheit und kontrollierte Instabilität zu zentralen Instrumenten geopolitischer Macht werden.

Der folgende Essay beansprucht keinen Beweis. Er zeigt aber, dass die Vorteile der aktuellen Lage erstaunlich klar verteilt sind – und dass diese Analyse, die die Interessen der Akteure untersucht, mehr erklärt als die verbreitete These von Trumps bloßer Unfähigkeit.

Die naheliegende Reaktion auf den Krieg im Nahen Osten ist moralisch und ökonomisch dieselbe:

Alle verlieren. Zu viel Zerstörung, zu viel Unsicherheit, zu hohe Kosten. Das ist richtig — aber nur zur Hälfte. Geopolitisch genügt es nicht, nach den Opfern zu fragen.

Wer zieht aus einer zerstörten und abhängigen Region Nutzen? Auch diese Frage muss gestellt werden. Destabilisierung ist nicht immer gewollt, aber ebenso wenig ist jede Destabilisierung bloß ein tragischer Unfall, sondern kann selbst ein strategischer Gewinn sein.

Die Hypothese lautet deshalb: Ein dauerhaft instabiler Naher Osten ist für bestimmte Akteure nützlicher als eine stabile und wirtschaftlich erstarkende Ordnung. Das gilt besonders dort, wo nicht nur Grenzen, sondern Flughäfen, Pipelines, Energieanlagen, und Sicherheitsräume beschädigt werden. Wer Infrastruktur zerstört, zerstört nicht nur Beton und Stahl.

Er zerstört Souveränität.

Im Folgenden werden mögliche Interessenlagen einzelner Akteure dargestellt.

Das israelische Interesse: Nachbarschaft als Funktionsraum

Für Israel ist ein Ring geschwächter, fragmentierter und jederzeit begrenzbarer Nachbarn strategisch günstiger als ein Umfeld souveräner und selbstbewusster Staaten. Eine militärisch belastbare und wirtschaftlich eigenständige arabische Gegensphäre wäre das eigentliche Problem. Dafür braucht es keine formale Annexion – es genügt, wenn sich das Muster aus Gaza auf größerer Ebene wiederholt: Kontrolle über Zugang, Versorgung und Sicherheitsvorfeld wird wichtiger als Grenzziehung.

Das amerikanische Interesse: Dauerhafte Abhängigkeit

Für Washington liegt der Vorteil nicht im einzelnen Krieg, sondern in der Ordnung, die daraus entsteht. Je instabiler die Region, desto wertvoller die Rolle der USA. Die Partner sind angewiesener, sie brauchen Garantien, Aufklärung, Logistik und Waffen. Vor allem aber bleibt ihnen eines verwehrt: zu eigenständigen politischen Polen zu werden.

Saudi-Arabien und die Emirate sind Partner der USA, aber zugleich ehrgeizige Machtzentren mit eigenem Kapital, eigener Diplomatie und wachsender geoökonomischer Reichweite. Käme die Region zur Ruhe, würde diese Eigenständigkeit weiterwachsen. Bleibt sie im Krisenmodus, bleiben auch die Akteure vorsichtig, abhängig und eingebunden in einen Rahmen, den Washington setzt.

Diese Logik zeigt sich gerade erneut. Als Iran am 17. April 2026 die Öffnung der Straße von Hormuz ankündigte, hielt die Trump-Administration die Blockade iranischer Häfen demonstrativ aufrecht; die Öffnung kippte binnen Stunden wieder. Am 19. April enterten US-Marines das iranische Frachtschiff Touska – die erste direkte militärische Durchsetzung der Blockade gegen ein iranisches Schiff. Trump hat parallel öffentlich eine Joint-Venture-Idee für Hormuz-Transitgebühren ins Spiel gebracht — ein bemerkenswerter Hinweis darauf, dass das Ziel womöglich nicht mehr die Rückkehr zur Vorkrisen-Normallage ist.

Hier kommt die geopolitische Wertigkeit Israels ins Spiel. Unter einer zugespitzten strategischen Lesart wäre ein stärker kontrollierter israelischer Funktionsraum — nicht nur territorial, sondern sicherheitspolitisch und logistisch — für Washington attraktiver als eine Region mit mehreren selbständigen Zentren. Israel ist militärisch eng eingebunden, technologisch kompatibel, politisch klar verortet und in Sicherheitsfragen wesentlich berechenbarer als arabische Partner, die zwischen Großmächten balancieren. Eine Ordnung, in der Israel der härteste, verlässlichste Anker bleibt, passt für die USA womöglich besser als eine multipolare Nahost-Region, in der arabische Mächte zu eigenständigen Schwergewichten aufsteigen. Der Vorteil ist nicht an den Krieg gebunden. Er liegt in dem Zustand, den der Krieg hinterlässt. Ein Krieg endet irgendwann, eine Blockade wird aufgehoben – aber die Abhängigkeit, die beide erzeugen, bleibt.

Die Asymmetrie in Zahlen

Deutlich wird die Profiteurlogik auch auf den Märkten. Die USA sitzen zugleich an drei Gewinntischen: LNG, Öl und Rüstung. Die US-LNG-Exporte erreichten im März 2026 laut Reuters den Rekordwert von 14,4 Milliarden Kubikfuß pro Tag.

Beim Öl profitieren die USA doppelt. Die Preise sind auf Kriegsniveau und jeder Tanker, der Hormuz meidet, öffnet Marktanteil für atlantische Fracht. Amerikanische Produzenten steuern damit auf ein Rekordjahr zu. Zugleich genehmigte Washington bis zum 19. März 2026 Rüstungsgeschäfte von mehr als 16,5 Milliarden Dollar an Staaten der Region, während der Energiemarkt unter Druck geriet. Hauptauftragnehmer sind RTX, Lockheed Martin und Northrop Grumman. Das ist keine Nebenfolge, sondern der materielle Kern:

Wer Energie ersetzt, Waffen liefert und Schutz garantiert, profitiert doppelt – wirtschaftlich und politisch.

Hinzu kommt eine zweite, selten ausgesprochene Ebene: die stille Privatisierung öffentlicher Mittel. Während der amerikanische Steuerzahler die militärische Kampagne gegen Iran finanziert – Schätzungen reichen bis zu 50 Milliarden Dollar an verbrauchter Munition und Ausrüstung –, verdienen die großen Konzerne. Der Krieg wird öffentlich bezahlt und privat bilanziert.

Der chinesische Preis

China braucht nicht nur Öl. Es braucht verlässliche Ordnung: sichere Seewege, planbare Energiezuflüsse, belastbare Häfen und eine Region, in der wirtschaftliche Verflechtung mehr zählt als Krisenmanagement. Eine instabile Golfregion trifft Peking deshalb nicht erst beim Totalausfall, sondern schon bei der Verteuerung von Normalität – bei War-Risk-Prämien, Routing-Stress, Produktfriktionen und administrativem Beschaffungszwang.

Die Größenordnung macht das Exposure sichtbar. Knapp 38 Prozent der Rohölmenge, die typischerweise durch die Straße von Hormuz fließt, und rund 23 Prozent der LNG-Mengen sind für chinesische Häfen bestimmt – zusammen rund die Hälfte der chinesischen Ölimporte und ein Sechstel des chinesischen Gasbedarfs. Der Nahe Osten ist für Peking kein Lieferant unter vielen, sondern Teil einer maritimen Wirtschaftsarchitektur. Wer diesen Raum instabil hält, belastet China nicht bei einzelnen Fässern, sondern in seiner gesamten Energie- und Logistikplanung.

Und die Belastung ist in Zahlen greifbar. Qatar musste auf seine LNG-Verträge Force majeure, also höhere Gewalt, erklären; zwei von 14 LNG-Zügen in Ras Laffan sind für drei bis fünf Jahre offline – das entspricht rund 17 Prozent der qatarischen Exportkapazität und trifft China als größten Abnehmer direkt.

Die IEA beschreibt die Lage als „größte Angebotsstörung in der Geschichte des Ölmarkts“. Die Bypässe Saudi-Arabiens und die der Emirate East-West und Fujairah laufen zwar, transportieren aber fast ausschließlich leichte Rohöle; schwere Qualitäten aus Iran, Irak und Kuwait bleiben effektiv eingeschlossen.

Asiatische Raffinerien, die auf schwere Sorten konfiguriert sind, verlieren Durchsatz und Produktmix. Das ist der präzise Punkt, an dem Instabilität in Dauerbelastung umschlägt: Die Region kann kurzfristig Teilflüsse aufrechterhalten, aber sie kann ihre alte Hub-Funktion nicht aus eigener Kraft wiederherstellen.

Die zweite Ordnung: Zerstörung als Strukturwandel

Damit wird sichtbar, was der Krieg strategisch bewirkt: Er verhindert, dass die Region sich schnell wieder als eigenständiger Wirtschafts- und Logistikraum organisiert. Investitionen werden zurückgestellt, Versicherbarkeit sinkt, Hub-Funktionen wandern ab. Aus einem Wirtschaftsraum wird ein Sicherheitsraum – und wer Sicherheit garantiert, gewinnt.

Das alles beweist keinen perfekt abgestimmten Masterplan. Aber es macht die Destabilisierungsthese plausibel, denn die Vorteile sind erstaunlich klar verteilt. Israel gewinnt, wenn die Staaten des Nahen Ostens schwächer und leichter kontrollierbar bleiben.

Washington gewinnt, wenn kein arabischer Machtpol zu souverän wird und Israel der verlässlichste Anker bleibt. Der Energie-, Waffen- und Sicherheitskomplex gewinnt materiell. China zahlt den Preis einer Ordnung, die nicht offen gegen Peking formuliert werden muss, um Peking real zu belasten. Und das Muster beschränkt sich nicht auf den Nahen Osten:

Auch der Krieg in der Ukraine wirkt in diese Architektur hinein. Mit jeder ukrainischen Langstreckendrohne, die eine russische Raffinerie oder einen Exporthafen trifft, wird zugleich jene Lieferinfrastruktur beschädigt, auf die China als Ersatzanker zunehmend baut. Der zweite Tuapse-Treffer binnen einer Woche und der parallele Schlag auf das Öldepot Hvardiiska am 20. April sind dafür aktuelle Beispiele.

Schon Anfang Januar 2026 ließ Trump den venezolanischen Präsidenten Maduro durch eine US-Militäroperation absetzen und erklärte offen in einer Pressekonferenz, amerikanische Ölkonzerne würden nun „Milliarden investieren“ und die venezolanische Förderkette übernehmen. Der Regimewechsel sei „in großem Teil wegen des Öls“ erfolgt. Venezuela sitzt auf den weltweit größten bestätigten Ölreserven; rund achtzig Prozent seiner Exporte gingen bisher nach China. Mit dem Sturz Maduros verschiebt sich auch diese Versorgung in Richtung US-Konzerne und zugelassener Kanäle. Peking hat die Operation verurteilt – aber verloren. Was im Nahen Osten über Blockade und Transitgebühren läuft, lief in Caracas über Regimewechsel und Investitionsansage. Die Handschrift ist eine andere, der Effekt ist derselbe: Ein chinesischer Öllieferant wird aus Pekings Versorgungsarchitektur herausgedreht, und der Platz wird besetzt.

Die Frage nach den Profiteuren ist deshalb keine polemische Zuspitzung, sondern der analytische Kern. Wer nur auf die Zerstörung blickt, sieht das Leid. Wer auf die Interessen blickt, sieht die Ordnung, die aus dem Leid hervorgehen könnte. Eine beschädigte Region ist nicht für alle ein Verlust. Für manche ist sie ein Instrument. Deshalb ist die Vorstellung plausibel, dass Instabilität nicht nur hingenommen, sondern funktional genutzt – vielleicht sogar bewusst bewirtschaftet – wird. Nicht als Plan. Aber als Struktur.

Boris Bayer

Boris Bayer, 1980 geboren, hat Philosophie und Mathematik in Berlin studiert. Er lebt mit seiner Familie im ländlichen Raum in Franken.
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14 Kommentare

  1. das wäre zumindest ein klares Kalkuel, es ist durchaus denkbar, dass dies so gewollt ist.
    Im Destabilisieren von Märkten, die im Weg sind, ist die USA Weltmeister. Erschreckend so ein Denken. Aber sie haben es oft genug gezeigt. Deshalb ist dies eine schlüssige Möglichkeit.

    1. Denkbar ist das. Die USA haben keinen der Kriege, die sie begonnen haben, gewonnen. Aber Chaos hinterlassen und anderen geschadet. Wenn es um den Rivalen China geht, machen sie das gern. Wenn das der Plan, hoffe ich, dass er weder für die USA noch für Israel aufgeht.

      Eine andere These ist, dass der ganze Trouble von der Einführung Digitaler Währungen ablenken soll. Da all dies im Hintergrund läuft und Thema der diejährigen Bilderberg Konferenz war, lässt sich auch das nicht von der Hand weisen.

  2. Kurzfristig geht eine solche Überlegung sicher auf. Langfristig führt eine solche Disruption zu strategischen Änderungen/ Anpassungen. Es ist damit zu rechnen, dass sich China bzgl. seiner Energielieferungen (noch) stärker nach Russland hin orienteren und seine Aktivitäten zur Decarbonisierung forcieren wird.

  3. Ich vermute, die Lage im Nahen Osten entwickelt sich folgendermaßen weiter.
    Die militärische Infrastruktur des Iran ist größtenteils vernichtet, und die Blockade des Ölhandels führt zu einer Versorgungskrise. Die frommen Moslems werden denken, dass Allah sie straft. Infolge dessen wird die Artesh, die staatliche Armee des Iran, die Revolutionsgarden auseinander nehmen, und die zivile Regierung wird das angereicherte Uran den Amerikanern überlassen, die Straße von Hormus wird freigegeben und es wird Frieden geschlossen. Es finden Neuwahlen statt mit Kandidaten, die nicht vom Wächterrat ausgelesen werden, sondern sich aufgrund einer Unterstützerliste qualifizieren. Und noch vor den mid terms wird Trump als strahlender Sieger da stehen und diese haushoch gewinnen, zumal die Wirtschaft gut läuft. Und wenn er Glück hat, stirbt auch Netanjahu rechtzeitig an Krebs, und das durch den Irankrieg schwer geschädigte Israel gibt Ruhe und bereut seine Verbrechen, und es kommt zu einer Lösung des Palästinenserproblems.
    Ihr werdet staunen, wenn sich das nicht als Träume eines Trumpfans entpuppt, sondern wahr wird, sowahr ich Torwächter heiße.

  4. Alternative zum zensierten Text

    Ich vermute, die Lage im Nahen Osten entwickelt sich folgendermaßen weiter. Die militärische Infrastruktur des Iran ist größtenteils vernichtet, und die Blockade des Ölhandels führt zu einer Versorgungskrise. Die frommen Moslems werden denken, dass Allah sie straft. Infolge dessen wird die Artesh, die staatliche Armee des Iran, die Revolutionsgarden auseinander nehmen, und die zivile Regierung wird das angereicherte Uran den Amerikanern überlassen, die Straße von Hormus wird freigegeben und es wird Frieden geschlossen. Es finden Neuwahlen statt mit Kandidaten, die nicht vom Wächterrat ausgelesen werden, sondern sich aufgrund einer Unterstützerliste qualifizieren. Und noch vor den mid terms wird Trump als strahlender Sieger da stehen und diese haushoch gewinnen, zumal die Wirtschaft gut läuft. Und wenn er Glück hat, gibt das durch den Irankrieg schwer geschädigte Israel Ruhe, und es kommt zu einer Lösung des Palästinenserproblems.

    1. Ach ja, und sie sind einer von denen die uns unablässig Salz in die Augen streuen und verkünden wie gut die herrschaftliche Klasse es doch mit uns meint.

    2. 16 Uhr 22 Torwächter ; DJT ist in der 13. Woche schwanger, Geburtstermin ist der
      Oktober. Dann wird der kleine Donaldis-simo geboren und alles wird gut

  5. Der Text trägt seine Weltsicht mit der schiefen Gewissheit eines Erbsenzählers vor, der aus einem Brandstifter gleich den großen Architekten macht. Ja, Instabilität schafft Gewinner – aber wer hier nur in „Profiteuren“ denkt, macht sich die Geopolitik zum Taschenrechner mit Moralabwurf. Die USA gewinnen nicht einfach grenzenlos, sie zahlen auch einige Sümmchen. Für verlorene Dauerpräsenz, für teure Sicherungslasten und für Stützpunkte, die nur noch aus Ruinen bestehen:

    https://edition.cnn.com/2026/05/01/world/video/us-military-bases-iran-strikes-images-invs-digvid

    China steht dagegen keineswegs am Abgrund, sondern wirkt erstaunlich robust in einer Welt, die von westlichen Eskalationsroutinen selbst beschädigt wurde. Um es mit Trump zu sagen – es hat noch ein paar Karten in der Hand!

    Und die eigentlichen Verlierer sitzen womöglich ganz woanders: Die VAE wirken in diesem Spiel wie der elegante Mitläufer, der plötzlich merkt, dass er mit seinem OPEC-Abgang weder unabhängig noch sicherer, sondern eher bedrohter geworden ist. Wer sich aus dem Verband der Großen verabschiedet, in seiner Nachbarschaft zündelt und zugleich auf Unantastbarkeit hofft, verwechselt die Bühne mit einem Schutzschirm.

    Der eigentliche blinde Fleck des Autors ist aber sein Hang zum großen Subjekt: Als ob Instabilität immer erst „gelenkt“ werden müsse, statt aus Überdehnung, Dilettantismus, Rivalität und Selbstüberschätzung zu entstehen. Nicht jeder Brand ist ein Plan. Manchmal ist er nur das, was passiert, wenn zu viele Köche mit brennenden Streichhölzern in einem Lager voller Ölfässer tanzen.

  6. Kling plausibel. Auch dass China den unsicheren Nahen Osten meidet und Öl verstärkt aus Russland bezieht, kommt Washington vermutlich gelegen. Denn der längerfristige Plan besteht immer noch in der Destabilisierung, möglicherweise gar Zerschlagung Russlands. Vermutlich mit Hilfe ganz Europas, nicht nur der Ukraine. Das würde dann eine weitere Ölquelle für China aus dem Spiel nehmen.

  7. Ah, der heutige Mullah-Überlebensaritkel.

    Schon stark. Dass der Weggang der Mullahs das größtmögliche Restabilisierungsprogramm wäre, wird einfach ausgeblendet. Im Libanon regiert die Hisbollah mit blanker Waffengewalt und finanziert sich durch Verbrechen. Sie machen das Land kaputt, das BIP hat sich seit 2018 halbiert. Die Aufklärung der Explosion in Beirut 2020 wird niemals stattfinden, solang die Hisbollah da regiert. Ist sie weg, ist eine Entwicklung wie früher denkbar, als der Libanon die Schweiz des Nahen Ostens war.
    Vor jetzt die Verharmlosung der Hisbollah wieder anfängt:
    https://x.com/Hallaschka_HH/status/1977348739607007264

    Da ist kein Versehen dabei. Das ist der Hitlergruß. Das sind Nazis.

    Nun hat der Iran seine Nachbarländer überfallen. Ein barbarischer Akt, der von 135 Ländern in der UNO verurteilt wurde. Nicht aber von Overton. Mullahkritik ist da undenkbar.

    Im Iran hungern sie inzwischen. Denn natürlich läuft die Wirtschaft nicht ohne Internet. Das Regime bringt gnadenlos seine Gegner um. All das interessiert den Bayer nicht. Eine kurvenreiche Geschichte stattdessen, in der die Mullahs natürlich Opfer sind.

    1. Wie kann ein Mensch nur solchen wirren Unsinn verfassen? Die Hasbara ist auch nicht mehr das, was sie schon mal vorgab zu sein.

    2. @Artur_C: Der Iran hat die Nachbarländer „überfallen“, die US-Militärstützpunkte haben, die geholfen haben, dass der Iran zuvor völkerrechtswidrig von den USA und Israel überfallen werden konnte.
      Und welche Hisbollah-Mitglieder sitzen denn in der libanesischen Regierung, können Sie da welche nennen, wenn Sie schon labern, dass die Hisbollah dort „regiert“??
      Und ach ja, dieses von Ihnen verlinkte Video auf X, das zugegebenermaßen eine auch mir zutiefst unsympathische Veranstaltung zeigt, hätte diese Typen auch mit erhobenem rechten Bein zeigen können, das wäre für Sie und den Poster, der neben der israelischen bezeichnenderweise auch die Flagge der Ukros in seinem Account integriert hat, ebenfalls „Nazi“-kompatibel gewesen.
      Ihre krampfhaften Versuche, Israel trotz seiner gewaltgeilen Fascho-Regierung in diesem Krieg permanent als Opfer darzustellen, öden einen nur noch an!

      1. Dass das immer so schwer zu erklären ist. Es ist dasselbe im Libanon wie in der Ukraine. Der Westler sagt, da finden doch Wahlen statt und da ist ein Parlament. Was aber, wenn in diesem Staat eine militärische Macht das Gewaltmonpol hat und mit diesem seine Politik durchsetzt? In der Ukraine Azow, in Libanon Hisbollah.

        Natürlich ist das so. Resolution 1701 von 2006 fordert die Entwaffnung der Hisbollah. Sie hat keine Patrone abgegeben. Die Armee will sie zwar entwaffnen, kann das aber nicht. Weil sie viel schwächer ist.

  8. Das ist alles soweit plausibel. Dass ein Ziel der usa darin besteht, Chinas Energieeinfuhren zu behindern, erhellt schon nur aus dem Umstand, dass auch Venezuela angegriffen und auch Mianmar – dort gibt es eine chinesische Pipeline, die die Strasse von Malakka umgeht – destabilisiert wurde. Und in der Tat kommen die Ereignisse auch den imperialen Plänen Israels sehr entgegen, das begierig drauf wartet, den Iran weiter zu zerstören, unterdessen sich am Libanon schadlos haltend. Damit das Konzept wie intendiert aufgeht, muss jedoch eine Voraussetzung erfüllt sein – Russland und China dürfen nicht eingreifen. Tun sie es dann doch – und ich gehe davon aus, sollte sich das Blatt gegen den Iran wenden -, wird die Aufgabe für die usa und Israel nahezu unlösbar. Israel, dessen heimische Basis sehr klein ist, riskiert Vernichtung, die usa die Versenkung wichtiger Teile seiner Flotte. Zu verhindern wäre das dann nur noch mit einer atomaren Eskalation, ein prekäres Mittel, an sich schon und angesichts der Tatsache, dass die beiden Kontrahenten über eine immense atomare Streitmacht, sowie hyperschallfähige Systeme verfügt, diese am gewünschten Ort detonieren zu lassen. Letzteres ist im Fall der USA bestenfalls ansatzweise der Fall. Die Risiken sind im Vergleich zum Ertrag – Destabilisierung und Kontrolle des Nahen Ostens – sehr hoch, zu hoch. Kommt hinzu, dass die kleinen Golfmonarchien und die Saudis einen sehr grossen Teil der Petro-Dollars gleich wieder in die usa zurückspediert haben, etwa in Form u.s.-amerikanischer Staatsanleihen. Schon jetzt besteht für die überschuldete usa die Gefahr, dass diese nicht mehr im benötigten Umfang unter die Leute gebracht werden können. Ein Indiz dafür ist das klammheimliche neuerliche Quantitave Easing.

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