
Der zu einem großen Teil von der EU finanzierte Sender wagte am Samstag Revolutionäres: Über mehrere Stunden hinweg brachte er Live-Impressionen von den Jugendprotesten in Frankreich, Italien und Albanien – ohne jegliche Korrespondenten-Kommentare, ohne eine „Einordnung“ durch „Experten“ im Studio.
TV-Live-Bilder können auch auf dem kleinen Bildschirm zuhause eine außerordentliche Authentizität erreichen. Angesichts der nun schon seit Wochen grassierenden Sozialproteste in einer ganzen Reihe von europäischen Ländern entschlossen sich die Programmverantwortlichen von „Euronews“, einem multinational besetzten und finanzierten, im französischen Lyon beheimateten TV-Nachrichtensender, das Format „No comment“, das seit vielen Jahren regelmäßig vor den Hauptnachrichten ausgestrahlt wird und (nur für wenige Minuten) prominente Szenen des laufenden oder vergangenen Tages aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur ohne Kommentarbegleitung zeigt, auf mehrere Stunden auszudehnen. Ohne jegliche Stimme aus dem Off wurden Live-Bilder von den Protesten, die mittlerweile halb Europa erschüttern, ausgestrahlt: aus Paris, aus Rom, aus Mailand, aus dem albanischen Tirana. Unterbrochen wurden sie nur durch gelegentliche, fünfminütige „konventionelle“ Nachrichtenblöcke.
Bürgerkrieg niederer Intensität?
Und das gestaltete sich als superspannend. Der Verfasser dieses Artikels, ursprünglich gewillt, sich die traditionellen Nachrichten in den Mainstream-Kanälen zu geben, ließ ARD/ZDF/Welt/n-tv links (?) liegen und verfolgte die Szenen von der so genannten „GenZ“-Revolte mit wachsender Faszination. Sicher, Vor-Ort-Recherchen hätten wahrscheinlich einen noch wesentlich größeren Erkenntnisgewinn gebracht – aber auch so lassen sich aus dem Gezeigten eine ganze Reihe von interessanten Schlussfolgerungen ziehen:
- Jede einzelne Eskalation der Situation in Paris ging ausschließlich von den „Sicherheitskräften“ aus. Diese schossen munter Tränengas- und Blendgranaten in die protestierende Menge, obwohl Letztere sich (anfangs) völlig friedlich verhielt. In Rom war es ganz ähnlich, die Stimmung eher noch aufgeheizter: Wasserwerfer wurden eingesetzt, um einen Boulevard zu räumen, und diese fegten die Demonstranten förmlich von der Straße, einzelne Kundgebungsteilnehmer wurden jeweils von Dutzenden von Polizisten von der Menge abgesondert, mit Handschellen gefesselt und abtransportiert. In Mailand hielt sich die Polizei vergleichsweise zurück, in Tirana gab es, zumindest bis zum Abend, nur kleinere Auseinandersetzungen.
- Die Demonstranten waren durch die Bank jung – an allen gezeigten Schauplätzen. In Paris waren etliche vermummt, aber ein Tuch oder ein Schal über dem Gesicht hilft ja schließlich auch ziemlich gut gegen Tränengas, oder? Von Plünderungen von Läden war nichts zu sehen, allerdings gab es an den Orten, an denen die Euronews-Kameramänner mit wackeliger Handycam filmten, offenbar auch keine.
- Nirgendwo wurden Palästina- oder Hamas-Flaggen geschwenkt. In Paris, an der Porte de Vincennes, sangen die Demonstranten, zugegebenermaßen etwas neben der korrekten Tonart, aus voller Kehle die „Marseillaise“, geschwenkt wurde die Trikolore. Auch in Rom und Mailand waren auf Seiten der Demonstranten etliche italienische Nationalflaggen zu sehen.
Obwohl die Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften in Frankreich an diesem Abend nicht im Entferntesten die Aggressivität und Intensität des vorherigen Samstags erreichten, ist der These eines Overton-User-Kommentators zumindest teilweise zuzustimmen, dass es sich hier inzwischen um einen „Bürgerkrieg niederer Intensität“ handele. Polizisten und Protestierende haben sich nichts mehr zu sagen, die Kluft scheint inzwischen unüberbrückbar. Ein richtiger Bürgerkrieg würde allerdings voraussetzen, dass ein Teil des Volkes gegen einen anderen kämpft – aber das ist keineswegs der Fall.
Im Frankreich des heißen Herbstes 2026 erhebt sich ein Teil des Volkes gegen eine extrem repressive Staatsmacht – der andere Teil hält sich zurück, schlägt sich weder auf die eine noch auf die andere Seite, bildet eine „schweigende Mehrheit“ im wahrsten Sinn des Wortes. Denn er ist wirklich eine Mehrheit – alle Umfragen der letzten Wochen und Monate prognostizieren einen überzeugenden Wahlsieg für Marine Le Pen bei den Präsidentschaftswahlen im kommenden Frühjahr. Jeden denkbaren Gegenkandidaten würde sie derzeit, wenn die Meinungsforscher sich nicht gewaltig irren, im zweiten Wahlgang deutlich schlagen (nur einen vielleicht nicht, den linken Dokumentarfilmer und Abgeordneten Francois Ruffin, aber der hat offensichtlich keine Chance mehr, die Stichwahl zu erreichen). Abgesehen von ein paar warmen Worten für Polizei und CRS halten sich die führenden Leute des Rassemblement National momentan bemerkenswert zurück; Le Pen selbst gibt sich äußerst staatsmännisch, zweifellos hat sie die beispiellose Wut von Millionen von Franzosen über das Regime der „Macronie“ sehr genau registriert.
Le Pen ante portas?
Zweimal haben die Franzosen Emmanuel Macron zum Präsidenten gewählt, um ein rechtes, autoritäres Front National-Regime zu verhindern – bekommen haben sie jetzt ein rechtes, autoritäres Macron-Regime. Niemals hat eine Mehrheit der Wähler in Frankreich für das rabiat neo-liberale Programm des amtierenden Präsidenten gestimmt, schon nach rund anderthalb Jahren rebellierte eine breite Volksbewegung (die „Gelbwesten“) gegen sein Wirtschafts- und Sozialprogramm, das in den letzten neun Jahren gezielt die Reichen immer reicher und die weniger Reichen und vor allem die Armen immer ärmer gemacht hat. So wie es aussieht, ist der Wahltriumph von Madame Le Pen mittlerweile überhaupt nicht mehr zu verhindern, und auch das von manchen französischen und deutschen „Linken“ in den letzten Tagen vorgebrachte Argument, der militante Protest auf den Straßen würde der Galionsfigur der französischen Rechten nur noch mehr Wählerstimmen zuschustern, geht fehl: Bereits im Sommer, vor Monaten, als alles in Frankreich noch ruhig war und sich das Volk am Mittelmeer oder an der Atlantikküste sonnte, lag sie in allen Umfragen, den zweiten Wahlgang betreffend, klar in Führung.
Und noch etwas enthüllten die Live-Bilder von Euronews am Samstag: Die „Sicherheitskräfte“, zumindest die in Paris, hatten ganz offensichtlich Order, jeden auch noch so harmlosen Protest im Keim zu ersticken. Aber dafür, auch das war zu sehen, reichen die derzeit für die Staatsmacht verfügbaren Ressourcen einfach nicht mehr aus. Es ist deshalb sehr wahrscheinlich, dass die jetzt schon extrem massive staatliche Repression in den nächsten Tagen und Wochen noch um ein paar Zehnerpotenzen gesteigert werden wird. Und der derzeitige De-facto-Polizeistaat zum offenen Faschismus mutieren wird. Sowohl Bruno Retailleau, der Chef der Sarkozy-Partei, der „gemäßigt bürgerlichen“ Les Republicains, als auch sein Parteifreund Gérard Larcher, der Präsident des französischen Senats (und damit der protokollarisch zweithöchste Mann im Staat!), fordern bereits ein Verbot der linken LFI, der Partei von Jean-Luc Mélenchon, weil sie die Unruhen angeblich anheizt. Und spätestens im Mai nächsten Jahres wird dann wohl mit großer Wahrscheinlichkeit dieser jetzt schon beängstigend große staatliche Unterdrückungsapparat in die Hände von Marine Le Pen und ihrer Truppe fallen… Armes Frankreich…





Und die Bilder zeigen auch ganz sicher ein objektives Bild der Lage …?
Zumindest die Geschichte geht dabei unter: Die Einsatzkräfte werden ihr Vorgehen danach ausgerichtet haben, die Plünderungen und Übergriffe der letzten Wochen zu verhindern.
Zum Stichwort „Bürgerkrieg“ sei gesagt, dass hier durchaus Bürger gegen Bürger kämpfen: Die einen lassen sich von Bürgern in Uniform vertreten, die anderen werden tatkräftig unterstützt von Bürgern, dienochnichtsolangehiersind.
Also, wer hat recht? Kann jeder nach seinen eigenen Vorurteilen selbst entscheiden. Ich bin raus.
Die Gesellschaft ist dermaßen gespalten ,das haben unsere Führer gut geschafft. Jedenfalls ist es in Deutschland so .Gen Z läuft nun auch am 31.10.bei uns und viele haben Angst vor den angeblichen Gewalttaten ,die uns im Fernsehen jeden Tag irgendwie herbei gezaubert werden .
Herr Reul und seine Sippe sind bestens vorbereitet ,fehlt nur noch der unsägliche ,vom Traum des russischen Unterganges beseelten,Herr Gauck.
Es wird Zeit für eine waschechte Revolution.
Nur, wenn die von rechts kommt, na, dann gute Nacht. ;-(
Der Rechtsruck ist gewollt und genau werden wir alle auch das bekommen, weil sich die Linke eben so wahnsinnig für lange Zeit so verzettelt hat.
Na ja, „verzettelt“ hatte sich „links“ ja vor 1989 eher nicht, natürlich gab es da Unterschiede, aber die Regierungspolitik im Realsoz. erschien recht einheitlich mit ziemlich viel Betonkopf-Mentalität, was ja mit der Hauptkritikpunkt war.
Ansonsten kann man angesichts der Sozialproteste und der staatlichen Reaktion darauf sicherlich konstatieren, dass viele junge Menschen einfach den Glücksversprechen der Marktwirtschaft nicht mehr glauben (können), weil die tägliche Erfahrung halt etwas ganz und gar anderes zeigt. Kapitalismus in der Krise also, die „Lösung“ scheint nur autoritär denkbar zu sein, die entsprechenden Verfechter von Stolz auf die „Nation“ stehen ja schon bereit, Fahne und Hymne werden es schon irgendwie richten mit den hohen Kosten für Essen, Gesundheit und Miete…
Es geht mir nicht um 89, es fing sogar schon früher an, aber ich beziehe mich auf das, was in den 2000ern passiert ist.
Die sogenannten Linken haben sich von allen echten linken Inhalten verabschiedet und sich gänzlich der etablierten
„regelbasierten Ordnung“ unterworfen und konnten sich dem Rechtsruck nichts entgegensetzen.
@Adel verpflichtet
Ach, Sie Revolutionsträumer.
Immer noch nicht alt genug?
Immer noch die dieselben alten Ideen und dieselben Hoffnungen?
@Wolfgang Wirth
Ach sie armer alter Mann, sind sie immer noch auf Rechtskurs?
Adel verpflichtet wünscht sich halt eine Revolution, warum soll sich das nicht wünschen dürfen?
„Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche“ (Ernesto Che Guevara)
„Es wird Zeit für eine waschechte Revolution.“
Ja, in Russland, ohne Zweifel. Ist nur extrem schwierig, weil die Leute da wirklich mit ihrem Leben spielen – wie Anfang des Jahres im Iran. Eben weil die Gefahr auch genauso gross ist, dass der/ die Herrscher dieses verbrecherischen Regimes fürchterliche Massaker verüben mit zig-tausenden von Toten – wie Anfang des Jahres im Iran. Oder China, aber das Bekannteste in der Post-Mao-Zeit ist wohl schon etwas länger her. (Bin da kein Experte.)
Dagegen, im auf Regeln basierten halbwegs demokratischen Westen…da wird das nüschts. Denn die meisten Menschen sind auch realistisch genug , um zu wissen, wo das am Ende hinführt. Die haben einfach keine Lust mehr auf realsozialistische Experimente!
Aber träum‘ ruhig weiter, alter Mann.
Sicher, sozial ist irgendwie alles, aber ist Sozialproteste das richtige Wort für das, was dort stattfindet? Wer das Wort verwendet, hat sich doch schon eingeordnet bzw. eingenordet.
Sind unkommentierte Live-Aufnahmen nicht russische Desinformation? Bisher kannte ich sowas eigentlich nur von Ruptly.
Ich erinnere mich auch schwach, dass vor Jahren solche unkommentierten Livestreams von den Gelbwesten-Protesten in russischen Medien liefen. Darum musste ja RT auch verboten werden…
Ganz schön gewagt Nicht-Geframtes zu zeigen. Aber ob das Publikum das zu schätzen weiß? So von Null auf Nachher plötzlich allein auf sich gestellt der eigenen Wahrnehmung vertrauen zu müssen, wird für manch einen eine Herausforderung sein. Etwas, was eigentlich geübt sein will.
Die Proteste sind ein Lichtblick, aber auch längst überfällig, – vielleicht gar zu spät, denn sie fordern die Reaktion heraus, die wohlgerüstet in den Startlöchern steht. Man hat sie in Wirklichkeit schon seit Jahren gepampert und dabei scheinheilig offiziell die Nase gerümpft. Bleibt die Frage: Ist die schweigende Mehrheit in Frankreich ebenso rechts wie hierzulande?
Für die TV Glotzer, gilt seit 1970
„The Revolution Will Not Be Televised“
und das hat sich seit dem nicht mehr Geändert.
Es gab ein Update, ich meine 2011: »The Revolution Will Not Be Online«
Die Message ist die gleiche, für Forumsteilnehmer vielleicht relevant.
Danke an den Autor für diesen Artikel.
Die RECHTEN staatlichen „Saubermänner“ drehen bereits vollkommen durch, so dass die Junge Union bereits den Einsatz der Bundeswehr verlangt hat oder verlangen wollte..Verfassungsgemäß, bzw.vereinbar mit dem GG ist das sicherlich nicht.
Die Rechten sind ausser sich, sie wissen, dass sie sich nur mit Gewalt an der Macht halten können; Deshalb sind sie auch nicht bereit für Neuwahlen.
Die rechte AFD ist west-ost gespalten und Elsässer scheint noch eine kleine Spur linkes Blut in sich zu haben.
Deshalb kritisierte er die West-AFD auf seinem Kanal (Compact) und begrüßte die Proteste.
Ich habe keine Angst vor den Demonstranten, ich habe Angst vor der Kriegslüsternheit der Obrigkeit.
Ich wünsche den jungen Protestlern Mut und Standhaftigkeit! Lasst Euch nicht spalten!
We Gotta Get Out Of This Place
https://www.youtube.com/watch?v=FQSVQBLR-rI&list=RDFQSVQBLR-rI&start_radio=1
Wir müssen hier raus!
https://www.youtube.com/watch?v=9gHEhmhmjj8&list=RDIf86BGq46TE&index=2
Gefährlich wird es für die Oligarchen und ihre Aufziehpuppen, wenn die Massen wissen und artikulieren können, was sie wollen. Noch wissen sie es nicht. Wollen
sie auch nicht wissen. Sie schielen gesteuert nach rechts um sich in Endlosschleife verarschen und verheizen zu lassen; nach dem unausweichlichem Knall ziehen sie stolz das alte
Idiotensystem wieder hoch.
Die Bonzen habe ihre Milliarden über die Krise gebracht. Alles wird gut.
Alte, neue Geschichten von der Trümmerfrau. Kann weg, der sozialromantische Müll vom
Bürger in der Revolte.
WIE kann der Bürger seinen Ärger, seinen Unmut über seine Regierung zum Ausdruck bringen??
Wie muss/kann der Protest denn aussehen?
Demonstrationen, von wem auch immer angemeldet oder auch nicht, laufen Gefahr von „rechts oder links, von Migranten,
(Arthur_C macht sich Sorgen wegen Hamasfahnen) Randalierer, Plünderer, Schläger etc etc aktuell noch von Putinversteher, von ??????? “ infiltriert zu werden.
Also lieber keine Strassenproteste ?
WIE gegen Sozialabbau, gegen Bildungsmisere, gegen Rentenkürzung etc, gegen Unterfinanzierung der Schulen, Unis, Krankenhäuser……protestieren?
WIE gegen die gierige EU, gegen die Nato protestieren?
Lichterketten von Nord nach Süed und von West nach Ost, Streiks, Gülle und Mist vor EU/Nato in Brüssel ausschütten? Ändert sich da was?0
Alle 4 Jahre wählen und hoffen, dass sich was ändert?
Es ändert sich nix ausser das Farbschema!
Revolutionen sind antiquiert, der betuchte Bürger hat davor Angst, die Kapitalisten sowieso…..wie soll ein friedlicher Protest denn aussehen und vor allem WIE kann er dazu beitragen, dass er Gehör bei den Verantwortlichen in der Regierung findet?
Ahem, ich finde das nicht. Auf dem Link oben bekomme ich das Titelbild des Artikels, mit der Anmerkung, da sei Tränengas zu sehen. Was schon mal falsch ist. Tränengas fällt, dem Zweck entsprechend, nach unten. Dieser Rauch ist von Pyros. Nun bin ich auf die entsprechende Seite gegangen:
https://de.euronews.com/nocomment
Da finde ich alles Mögliche, nur nicht Herrn Faulhabers Doku.
Der Dschihad ist zweiteilig. Erstmal Plünderungen, Brandstiftung und Gewalt. Was natürlich dokumentiert ist, beispielsweise auf X. Dann beim nächsten Mal ist davon nichts, aber die Polizei marschiert maximal auf. Dann wird behauptet, das Ganze sei mal wieder reine Islamophobie gewesen. Worauf dann wieder welche mit Begeisterung hereinfallen.
Keine Ahnung wer hinter GenZ steht. Sind es die gleichen, die in Bangladesh und Nepal einen Umsturz herbeiführten? Ist das eine CIA-Operation?
Wer kocht da ein Süppchen und mit wessen Geld?