
Der Krieg gegen den Iran hat einen strategischen Wendepunkt hinter sich gelassen. Nachdem die ursprünglichen Ziele weitgehend abgearbeitet sind, fehlt Washington ein neues erreichbares Ziel. Gerade dadurch wächst die Gefahr einer militärischen Eskalation ohne klaren politischen Zweck. Als die Vereinigten Staaten und der Iran Mitte Juni ihr Memorandum of Understanding unterzeichneten, schien der Krieg am Golf zumindest vorläufig an einem Endpunkt angekommen zu sein. Die Vereinbarung war weniger ein Friedensvertrag als eine Notbremse. Sie sollte die Straße von Hormus wieder für die internationale Schifffahrt öffnen und beiden Seiten Zeit verschaffen, um aus einer militärischen Konfrontation auszusteigen, die bereits erhebliche wirtschaftliche Folgen auszulösen drohte. Wenige Tage danach kehrten die USA ab 7. Juli zu militärischen Operationen zurück, seitdem scheinen diplomatische Auswege blockiert. Wenige Wochen später ist von den Gedanken des Memorandums kaum noch etwas übrig. Die Vereinigten Staaten fliegen erneut Luftangriffe, iranische Raketen treffen amerikanische Stützpunkte, und die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung schwindet von Tag zu Tag.
Iran hat seine Kriegsführung angepasst
Bemerkenswert ist dabei weniger die Rückkehr der Kampfhandlungen als die Frage, warum sie überhaupt wieder aufgenommen wurden. Auch Joe Kent, Trumps Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung, bis er aus Protest gegen den Angriffskrieg gegen Iran zurücktrat, kann in einem Interview mit Daniel Davis die politische Zielsetzung hinter dem militärischen Vorgehen mittlerweile nicht mehr erkennen. Nicht Iran oder Israel, sondern Washington wirke inzwischen wie der Akteur, der Schwierigkeiten hat zu erklären, worauf dieser Krieg eigentlich noch hinauslaufen soll.
Es ist daran zu erinnern, dass das Memorandum als Folge militärischer Ernüchterung zustande kam. Die Vereinigten Staaten hatten erkannt, dass sich die Straße von Hormus ohne eine Verständigung mit Iran kaum dauerhaft öffnen lasse und dass die vorhandenen militärischen Mittel in ihrer Wirkung weitgehend ausgeschöpft waren. Umso erstaunlicher erscheint aus dieser Perspektive, wie schnell Washington selbst begann, den mühsam ausgehandelten Kompromiss wieder auszuhöhlen. Parallelabsprachen mit Israel bezüglich Libanon, die Begleitung von Schiffen außerhalb der vereinbarten Mechanismen und neue militärische Maßnahmen führten dazu, dass Teheran das Abkommen faktisch als gebrochen betrachtete. Der diplomatische Ausweg wurde damit von jener Seite blockiert, die ihn wenige Tage zuvor noch selbst gesucht hatte.
Während sich die politische Strategie verflüchtigt, verändert sich die militärische Lage sichtbar. Iran hat seine Kriegsführung angepasst. Die Raketenangriffe richten sich nicht mehr gegen symbolische Ziele, sondern gegen bekannte amerikanische Einrichtungen in Jordanien und anderen Staaten der Region. Damit rücken sie näher an Israel heran, ohne dieses direkt anzugreifen. Doch selbstverständlich dient jede US-Einrichtung von Jordanien bis Kuwait auch dem Zweck einer Frühwarnung des Landes. Während die Standorte iranischer Einrichtungen unbekannt sind, denn nicht nur befinden sich die meisten Lager- und Produktionsstätten unterirdisch, es existieren zahllose tatsächliche und vorgetäuschte Abschusseinrichtungen auf Fahrzeugen und in Gebirgszügen, sind US-Einrichtungen bekannt und bedürfen einer gewissen Größe, um Wirksamkeit entfalten zu können. Da die USA eine Drohkulisse von Operationen im großen Maßstab beibehalten wollen, werden Sammel- und Aufmarschorte benötigt für Truppen und Material. Satelliten und Personen am Boden, von Agenten bis hin zu einfachen Schäfern, können jede Veränderung umgehend weitergeben. Das eigentliche Problem besteht demnach weniger in der Zahl abgefangener iranischer Raketen als in simplem mathematischem Kalkül: Die Vereinigten Staaten müssen jeden einzelnen Angriff erfolgreich abwehren und selber möglichst oft und präzise treffen. Für die öffentliche Meinung will man darüber hinaus iranische Zivilisten wenigstens zu diesem Zeitpunkt noch verschonen. Iran muss sich dagegen nur auf wenige militärische Ziele konzentrieren und jeweils nur einmal durchkommen. Mit jedem weiteren Tag steigt deshalb statistisch die Wahrscheinlichkeit schwerer amerikanischer Verluste. Ein einzelner Angriff mit vielen Toten könnte Washington dann politisch noch tiefer in einen fremden Krieg zwingen, aus dem es schon jetzt keinen klaren Ausstieg mehr gibt.
Jeder Krieg benötigt ein erreichbares politisches Ziel
Hinzu kommt, dass Iran offenbar begonnen hat, amerikanische Aufklärungssysteme gezielt zu unterlaufen. Neuere iranische Raketen können ihre Flugbahn mehrfach verändern und dadurch Berechnungen des Einschlagpunktes erschweren. Gleichzeitig zeigen Satellitenbilder eine deutlich höhere Zielgenauigkeit iranischer Angriffe als noch zu Beginn des Krieges. Ob diese Entwicklung auf technische Unterstützung Russlands oder Chinas zurückzuführen ist oder auf eigene iranische Fortschritte, bleibt offen. Entscheidend ist vielmehr der strategische Befund: Die amerikanischen Stützpunkte sind seit Jahrzehnten bekannt. Sie lassen sich weder verbergen noch kurzfristig verlegen. Je länger der Krieg dauert, desto stärker verwandeln sich diese Basen in berechenbare Ziele. Truppenmassierungen außerhalb befestigter Einrichtungen sind schwierig zu bewerkstelligen, große Verbände überraschend aus weit entfernten Gebieten heranzuführen, ist logistisch aufwendig. Ein „D-Day“ von der gegenüberliegenden saudischen Küste auf iranisches Gebiet ist ausgeschlossen. Die flach und unschützbar im Golf liegenden, vorgelagerten Inseln zu besetzen, würde wenig nachhaltig sein, aber verlustreich.
Noch gravierender erscheint allerdings ein anderes Problem. Jeder Krieg benötigt ein erreichbares politisches Ziel. Genau dieses scheint im Iran-Konflikt zunehmend zu verschwinden. Zu Beginn lautete die Begründung der israelisch-amerikanischen Angriffe, das iranische Atomprogramm müsse dauerhaft ausgeschaltet werden. Die bekannten Anlagen wurden schon im Juni 2025 bombardiert, Forschungszentren zerstört und die unterirdischen Anlagen von Fordo schwer getroffen. Nach offizieller amerikanischer Darstellung damals wurde das Programm um Jahrzehnte zurückgeworfen. Präsident Trump erklärte selbst, Iran werde seine nuklearen Fähigkeiten auf lange Zeit nicht wiederherstellen können. Doch kaum war dieses Ziel scheinbar erreicht, entstand bereits das nächste. Der Krieg seit Februar, so der Präsident, sei mit nichts vergleichbar, der Iran zerstört, Streitkräfte, Marine und Luftwaffe vernichtet, das Land habe nichts mehr. Seit Mitte Juli heißt es jetzt, das eigentliche angereicherte Material befinde sich möglicherweise unter einem anderen Berg, dem sogenannten Pickaxe Mountain. Dort vermuten israelische Stellen inzwischen die entscheidenden Bestände. Präsident Trump kündigte daraufhin bereits neue Angriffe auf dieses Gebiet an.
Gerade hier offenbart sich das strategische Dilemma. Wird jedes Mal, nachdem ein Ziel zerstört wurde, behauptet, das entscheidende Material befinde sich inzwischen an einem anderen Ort, verliert der Krieg seinen Endpunkt. Aus einer militärischen Operation mit klar definiertem Auftrag wird eine Suche, deren Gegenstand sich ständig verlagert. Die Logik erinnert beinahe an die jahrzehntelange Suche nach dem Bernsteinzimmer. Immer wieder tauchen neue Hinweise auf, immer wieder verschiebt sich der vermutete Fundort – doch gerade dadurch wird das eigentliche Ziel unerreichbar. Militärisch bedeutet dies: Der Erfolg lässt sich nicht mehr objektiv messen, weil das entscheidende Ziel jederzeit neu definiert werden kann.
Ein Krieg, dessen Ziel sich ständig verändert, kennt keinen natürlichen Endpunkt
Selbst nach der weitgehenden Zerstörung der bekannten Anlagen kann das angereicherte Uran niemals vollständig aus der Luft beseitigt werden. Das iranische Uran sei pulverisiert, hatte Präsident Trump im Sommer 2025 gejubelt. Nun, wie fein kann und soll der Staub noch zermahlen werden? Auch natürliche Radioaktivität ist an vielen Orten messbar. Sollen sie alle vorsichtshalber bombardiert werden? Solange dessen bloße Existenz als Kriegsziel definiert wird, ohne zu begründen, worum es sich dabei eigentlich handelt und wozu es nützlich ist, entsteht zwangsläufig ein Krieg ohne Abschluss. Irgendwann bliebe nur noch eine Bodenoffensive, um jedes mögliche Lager physisch unter Kontrolle zu bringen – genau jenes Szenario, das Washington ursprünglich ausschließen wollte.
Während das militärische Ziel immer diffuser wird, wächst der wirtschaftliche Preis des Konflikts. Iran beschränkt sich folgerichtig nicht mehr auf Angriffe im Persischen Golf. Mittlerweile haben sich die jemenitischen Huthi dem Iran beigesellt und Angriffe auf den Schiffsverkehr im Bab al-Mandab angekündigt. Schon die Drohung behindert seitdem den Schiffsverkehr. Huthi, die von Präsident Trump im April 2025 als besiegt abgehakt wurden. Damit stehen gleichzeitig beide wichtigen Energieachsen zwischen Golf und Europa unter erheblichem Druck. Die nachhaltige Energiekrise zeigt sich abermals an den Zapfsäulen. Jeder zusätzliche Tag des Krieges erhöht die wirtschaftlichen Risiken. Schon deshalb sollte auch eine Bundesregierung, die es mit Außenpolitik ernst nimmt, endlich Washington und Tel Aviv aktiv daran erinnern, dass nicht nur Wohlstand, sondern auch Glaubwürdigkeit auf dem Spiel steht. Wer sich als enger Verbündeter der USA und Israels definiert, muss mitunter durch Rat und Kritik auch die besten Freunde deutlich daran erinnern, dass ihr Handeln gegen die eigenen Interessen verstößt. Je länger Washington versucht, militärisch handlungsfähig zu erscheinen, desto mehr wachsen die politischen Kosten auch für gänzlich Unbeteiligte. Die militärischen Mittel werden schwächer, die Risiken steigen, und gleichzeitig wird immer unklarer, woran sich ein Erfolg überhaupt noch messen ließe.
Der eigentliche Gegner der Vereinigten Staaten könnte deshalb weniger Iran sein als die eigene Kriegslogik. Ein Krieg, dessen Ziel sich ständig verändert, kennt keinen natürlichen Endpunkt. Er endet nicht mit einem Sieg, sondern erst dann, wenn eine Seite beschließt, die Suche aufzugeben. Genau diese Entscheidung, den „Saigon-Moment“ zu erkennen, scheint Washington bislang nicht treffen zu wollen. Stattdessen droht der Konflikt immer tiefer in jene Dynamik zu geraten, die gerade den Vietnam-Krieg geprägt hat: Der ursprüngliche Anlass (der Tonking-Zwischenfall, ein behaupteter nordvietnamesischer Angriff) gerät in den Hintergrund, während die Fortsetzung des Krieges zunehmend mit der Notwendigkeit begründet wird, die Folgen der eigenen vorherigen Entscheidungen zu bewältigen – und deshalb den Krieg fortzusetzen. Aus einer begrenzten Militäraktion wird so bald ein Selbstzweck – und genau darin liegt heute die größte Gefahr dieses Krieges.
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Inzwischen greifen sogar Ukrainische Drohnen Iranische Schiffe auf dem Kaspischen Meer (Binnengewässer) an. Und das ganze ohne eine offizielle Kriegserklärung!
> Der ursprüngliche Anlass (der Tonking-Zwischenfall, ein behaupteter nordvietnamesischer Angriff) gerät in den Hintergrund
Ähm, was war noch gleich der ursprüngliche Anlass im Iran-Krieg? Ach richtig, Israel und die USA bombardierten den Iran aus blauem Himmel.
Der Iran hat Trump diesmal keine Zeit gelassen, sich als Sieger zu deklarieren und abzuziehen. Wie der Iran schon mehrmals zuvor mit symbolischen Reaktionen angekündigt hatte, hat er diesmal so reagiert, dass es den USA und den „Verbündeten“ in der Region wirklich weh tut.
Die ganze Welt sah es und es war nicht glaubhaft zu machen, dass sie USA noch Herr des Geschehens sind. Daran hat sich nichts geändert. Jedes Mal wenn die US-Angriffswaffen wieder erschöpft sind, wird es eine Pause geben. Neue Raketen werden in die Region geschafft, ein neuer Tanker-Zwischenfall, bei dem der Iran zeigt, wer vor Ort das Sagen hat, wird zum Anlass für neue „Strafaktionen“ genommen, bis das US-Kriegsführungsmaterial wieder aufgebraucht ist und eine neue Pause folgt. Gerade wurde in den USA ein 90 Milliarden-Budget bewilligt, das den Krieg die nächsten Monate finanzieren wird.
Die einzige Hoffnung sind Machtverschiebungen in den USA. Die würden dann aber sehr wahrscheinlich auch bedeuten, dass die USA im Ukrainekrieg wieder engagierter mitmischt. Zumal die EU mit dem neuen Russland-Sanktionspapier China so weit geärgert hat, dass China nun etliche EU-Firmen nicht mehr mit Dual-Use-Gütern beliefert. Das wird noch lecker zu lesen sein, wenn deutsche Qualitätsmedien erklären müssen, dass nicht nur Russland viel seiner Technikkomponenten aus China bezieht.
So wie Trump sein Lieblingskriegsbetätigungsfeld in der Region von Gaza bis Iran hat, so hat die Trump-Gegenseite, der Blob, seine Lieblingsregion derzeit in Osteuropa.
Das eigentliche Kriegsziel der USA ist ja nicht der Iran, sondern Russland und China. Iran ist Mittel zum Zweck, die beiden auszuschalten. Der Iran wird ja nicht wegen der Urananreicherung und den bösen Ayatollahs bekämpft, sondern weil er Zielpunkt wichtiger Verkehrswege für Russland und China ist. Das hat sich nur in der westlichen Öffentlichkeit nicht so richtig herumgesprochen.
Der Artiekle behauptet, der Krieg gengen den Iran hat kein politisches Ziel. Dem würde ich widerspreche. Das politische politisches Ziel des Krieg waren nie die Atomwaffen. Das war nur eine charade für die westliche Öffentlichkeit.
Das politische Ziel der USa war immer die Abschneidung Chinas von Gas und Öl und die Störung der neuen Seidenstraße. Erst kam Libyen, dan Syrien, dann Ukraine, dann Venzuela und jetzt der Iran. Es ging den USA immer um die Kontrolle der weltweiten Öl und Gasvorkommen.
Jeder Krieg benötigt ein erreichbares Genau dieses scheint im Iran-Konflikt zunehmend zu verschwinden. Zu Beginn lautete die Begründung der israelisch-amerikanischen Angriffe, das iranische Atomprogramm müsse dauerhaft ausgeschaltet werden.
Danke für die Präzisierung! Freut mich, dass Sie mit mir übereinstimmen. Wünsche noch einen schönen Abend.
Von meiner Warte aus ein schwacher Artikel, ohne neue Erkenntnisse. Der Autor fabuliert über die möglichen Kriegsziele des imperialistischen Angreifers, um sie dann doch alle zu verwerfen. Schade um die Lese-Zeit.
Ich verstehe auch nicht, wie zweifach promovierte und habilitierte Wissenschaftler all das Bekannte so einfach ausblenden können.
Einer hat es hier im Forum so so ausgedrückt:
Allerdings wer glaubt von Dingen verschont zu bleiben in dem man sie verschweigt oder ignoriert hat das Konzept Realität nicht wirklich verstanden…..
Ich verweise wiederholt auf diese Arbeit zu diesem Thema:
https://consortiumnews.com/2026/05/11/an-armed-robbery-of-the-worlds-energy-supply/
Dieser Krieg könnte in der Zerstörung der pompösen Paläste von Saudi-Arabien bis Emirate, allerdings ohne Oman, durch iranische Raketen kulminieren, von iranischer Seite wurde das schon einmal laut angedacht. Ob die Paläste von den Herrscherfamilien noch bewohnt sind oder haben diese zumindest angefangen, die teuren Kunst- und Schmucksammlungen zu evakuieren? Sie haben eine Menge zu verlieren, auch wenn die Vermögen international investiert sind.
Die Vermögen der Golf-Monarchien sind vor allem im Westen angelegt, und da vornehmlich in den USA. Das macht sie abhängig und somit steuerbar für US-Interessen.
2. Satz:
„Nachdem die ursprünglichen Ziele weitgehend abgearbeitet sind, fehlt Washington ein neues erreichbares Ziel.“
Was waren denn die Ziele? Es müsste doch auffallen, wenn sie behaupten „Mission accomplished“ und später dann doch nicht, dass es einen Widerspruch gibt? Was war denn das Ziel? Keine Atombombe für Iran? Weiter unten im Text wird das aufgegriffen. Warum ist Iran seit 40 Jahren laut Netanyahu 2 Wochen davor eine Bombe zu haben und hat sie immer noch nicht? Warum sollen sie dann noch „nuclear dust“ haben im „Pickaxe Mountain“ haben, wenn doch alles zerstört wurde? Gerade ein Autor, der sich mit Literaturkritik beschäftigt hat und Romane schreibt, von dem erwarte ich doch, dass er mal so Narrative anfängt zu hinterfragen. Nicht nur mir ist aufgefallen, dass sich der Spitzhackenberg super eignet als mythischer Ort, wo der nächste Hollywood-Rambo die bösen Mullahs besiegt im nächsten (scheiß) Christopher Nolan Blockbuster. Hat sich der Autor mal gefragt, gibt es das überhaupt? Ich schaue mir den Hollywood-Dreck einfach nicht mehr an.
Natürlich wieder nichts darüber, ob das mit internationalem Recht vereinbar war oder nicht. Geopolitik auch nicht. Der Autor passt mir sowas von gar nicht. Einerseits kann er recht genau beschreiben, was z.B. Joe Kent erzählt (danke, dann könnte ich auch direkt ein Podcast mit Joe Kent bei Tucker Carlson hören und wenn man das gemacht hat, braucht man es nicht noch einmal zitiert), andererseits kriegt er nichts auf die Kette abseits vom mechanistischen Teil – der übrigens weitgehend auf Spekulation beruht. Er ist eben kein Mechaniker in der US AF oder in der iranischen Armee oder nicht die Person, die die „Target AI“ einstellt. Er hat also keine Ahnung. Er vertraut nur Personen von denen er meint, die hätten eine Ahnung. Trotz der akademischen Titel siehe ich keinen Unterschied zu so einem Arm chair general wie mir – im Gegenteil. Was wie hart getroffen wurde, können wir nur aus noch nicht zensierten Satellitenbildern zusammenpuzzeln, die übers Netz verteilt sporadisch gepostet werden oder aus Clips von ein paar Sekunden und aus Kommentaren von sogenannten „Experten“. Mich nervt zur Zeit z.B. Larry Johnson wie er sich als Jack Wade, CIA-Agent in einem Bond-Film, inszeniert und als Crash-Prophet. Aber solche scheinbare Klarheit hat immer ihr Gutes: Wenn der große Crash ausbleibt, sollte man eigentlich wissen, dass das Bullshit war. Nicht falsch verstehen: Johnson erzählt immer noch weniger BS als irgendwelche Sprechpuppen von News Shows (oder andere Profis), weil er doch manche bessere Quellen hat. Nur leider hat er auch einen Narrativ und wie so oft fällt dann die Qualität hinten runter.
Die veränderlichen Ziele von den Kriegen, bzw. diese Kriege selbst haben auch schon lange einen Namen: Forever wars. Das Paradebeispiel war der Krieg gegen den Terror. Je mehr Geld in das Militär fließt, je mehr Kriege gibt es.
Es ist eben nicht so, wie das die Militaristen immer fabulieren von wegen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Si_vis_pacem_para_bellum
Latein für Angeber und Scharlatane
Genau, und sie müssen diese Kriege nicht einmal mehr gewinnen um davon zu profitieren. Deswegen ewige Kriege.
Aber selbstverständlich hat dieser Krieg einen Endpunkt. Wenn in Teheran einer vors Volk tritt und freie Wahlen verkündet, dann ist der Krieg zu Ende. Das Volk jubelt, für die arabischen Nachbarstaaten endet der Krieg, die 135 Staaten, die den Iran verurteilt haben, klatschen Beifall. Und überhaupt hat er dann die Weltmeinung begeistert auf seiner Seite. Trump und Netanjahu haben nicht den geringsten Grund, den Krieg fortzusetzen.
Es gibt Gerüchte, dass ausgerechnet Mahmoud Ahmadinedschad für diese Rolle ausersehen wurde. Nicht dumm, wenn der wieder aufgetaucht wäre, hätten alle erst mal um Orientierung ringen müssen. Was der genutzt hätte, um Tatsachen zu schaffen. Aber irgendwie ist er verletzt worden.
Dann ist da noch Außenminister Araghi, der sich etwas wundert, warum die ganze Führung außer ihm ausgelöscht wurde.
Es kann schon sein, dass er es ist, der Wahlen verkündet, sobald er das gefahrlos kann. Neulich hat er ein sehr interessantes Interview gegeben, in dem er die Vorgänge während des Angriffs sehr glaubhaft schilderte. Wenn da einer normal spricht, ohne Parolen, ist das fast schon eine kleine Revolution. Er testet seine Freiräume aus, ist mein Eindruck.
Das kann schon passieren. Die jetzige Diktatur hat nun wirklich fertig. Vom Volk gehasst, überall verurteilt, muss das Internet abschalten. Hören wir da eine Forderung der deutschen Presse oder der Politik, Wahlen zuzulassen? Undenkbar. Volle Unterstützung für das Terroregime. Verurteilung Israels ist wichtiger.
Dass Wahlen kein Allheilmittel sind, das zeigt doch gerade Israel, wo trotz (oder wegen) Wahlen ein faschistisches Regime an der Macht ist.
Der Krieg ist erst zu ende wenn dem Artur_C keine verrückten Ausreden mehr einfallen. Aber das ist mehr als unwahrscheinlich, dass das jemals geschehen wird.
Herr Piasecki verwechselt hier einiges. Zugegeben es ist nicht ganz einfach die waren Kriegsziele der USA zu erkennen da die offizielle Lesart ständig wechselte Ziele vorgibt.
Aber vielleicht bezwecken die USA mit diesem Krieg ja genau das was sie auch tatsächlich damit bewirken. Die Sperrung der Straße von Hormus.
Schon vor 30 Jahren hätte man in jedem Schulbuch lesen können, dass ein Krieg mit dem Iran die sofortige Sperrung der Meerenge zur Folge hätte, was eine Weltwirtschaftskrise auslösen würde.
Seit dem hat die USA viel unternommen um sich durch Fracking unabhängig von der Golf Region zu machen. Und bevor man den Iran bombardierte hat man sich den Zugriff auf die Ölreserven in Venezuela verschafft. Wenn jetzt weniger Öl aus der Golfregion fließt, stürzt das Asien und Europa in die Krise, aber nicht die USA.
Darum geht es in diesem Krieg. Da wäre es von Trump doch dumm sich keine neuen Ausreden einfallen zu lassen um weiter zu bomben.
Das ist ein Trugschluss, der mittlerweile schon fast bis in die MSM vorgedrungen ist: die USA haben genug Öl.
Nichts könnte fälscher sein als diese Aussage.
Korrekt müsste die Aussage wie folgt ergänzt werden: die USA haben genug Öl, aber vond er falschen Sorte.
Und weder Kanada noch Venezuela können die benötigten Sorten in ausrecihendem Masse liefern.
Daneben wird Öl auf dem Weltmarkt gehandelt – steigt der Öl-Preis in Europa, steigt er auch in der USA.
Diese Lektion zu lernen haben die Amis nun Gelegenheit.
Weitere Ausführungen wären hier zu weitschweifig, ich verweise auf entsprechende Pulikationen auf Subbstack, beispielsweise: https://geopoliticsunplugged.substack.com/p/crude-realities-why-the-us-imports
Es gibt noch viele Andere zum Thema, welche ua auf die Komplexität der Raffinerien hinweisen, und auch, dass die US-Raffinerien derzeit am Limit laufen.
Oder auch, dass die strategischen Reserven der USA noch nie soweit ausgelaugt wurden wie gerade jetzt – zum Zwecke, den inländischen Ölpreis niedrig zu halten.
Das alles geht nicht mehr lange gut für die USA, und das Erwachen dort wird kalt und hart.
Hier, bei den strunzdummen EU-lern natürlich auch.
Zum Artikel „Ich schließe nicht aus, dass auch Europa wieder in den Kriegszustand zurückkehrt“ werden mir 5 Kommentare angerechnet und weiterer Zugang verwehrt, obwohl nur 2 Kommentare veröffentlicht werden.
Kann man nicht die Widerhaken des Programmes beseitigen?
Dieser Kommentar gehört jetzt aber schon zum Artikel über Totalitarismus und wie sich Medien wie Overton durch Zensur der Leserschaft daran beteiligen.
Das ist eine reichlich verquere Logik, weil hier das politische Ziel zum Mittel des Krieges verkommt. Kriege werden geführt, weil die Gegensätze zwischen Staaten „gelöst“ werden sollen, indem man den Willen des Feindes bricht. Das hat verschiedene Verlaufsformen, je nachdem, um was für Gegensätze es geht, und mit was für einer Art Staatlichkeit man es zu tun hat.
Dass, was die USA und insbesondere Israel vom Iran verlangen, ist die Aufgabe seiner Souveränität (so wie der Iran sie versteht). Die (aktuelle) iranische Staatsräson ist nahezu identisch mit einem Antiamerikanismus. Da geht es also nicht um einzelne Fragen, sondern darum, ob der Iran bereit ist sein „weiß-warum“ wegzuschmeißen.
Insofern ist das politische Ziel auch sehr umfassend. In Venezuela brauchte es keinen „regime change“, weil sich das Regime selber „gechanged“ hat, und seit dem Abtransport von Maduro recht handzahm die Vorgaben aus Washington umsetzt. Das wird im Iran wohl eher nicht passieren. Das Ausschalten der Führungsebene bis ins dritte Glied hat jedenfalls kein Einlenken bewirkt.
Die USA haben es mit einem Staat zu tun, der in seiner Bevölkerung durchaus Rückhalt genießt, auch wenn man sich das im Westen nicht vorstellen kann oder mag. Jedenfalls gibt es nicht die Massen, die nur darauf warten von außen „befreit“ zu werden, damit sie auch den tollen american way of life genießen dürfen.
Man darf gespannt sein, ob Saudi Arabien dem Abraham Abkommen beitreten wird, und was passiert, wenn dann tatsächlich Atomreaktoren gebaut werden sollten. Wird Israel die dann kaputtbomben? Wie wird sich der Iran dazu stellen?
Vermutlich weiß man im Iran noch, was es heißt, wenn eine US gestützte Herrschaft die natürlichen Reichtümer des Landes ausverkauft, auch wenn sich das jemand wie @Artur_C nicht vorstellen kann.
Es gehört offenbar unausrottbar zur Hybris der Herrschaftsvölker, dass sie meinen, dass im Prinzip jeder so sein möchte wie sie. Wo sie doch die Krone der Schöpfung darstellen, während andere Formen der Sittlichkeit bestenfalls finsteres Mittelalter sind.
„Es gehört offenbar unausrottbar zur Hybris der Herrschaftsvölker, dass sie meinen, dass im Prinzip jeder so sein möchte wie sie. Wo sie doch die Krone der Schöpfung darstellen, während andere Formen der Sittlichkeit bestenfalls finsteres Mittelalter sind.“
Die Hybris kommt nicht aus dem Nichts, vielmehr wird selbiges den Menschen seit Generationen so eingeimpft, im Osten der BRD zeigt sich da noch eine gewisse Renitenz, wg. echter Bildung bis 1989 zumindest. Leider war es aber auch dort nicht so, daß selbige bei allen ankam, obwohl die Bildung als solche gut war, gerade kulturelle und politische Bildung.
Prof. Dr. Dr. habil. Stefan Piasecki liefert geradezu ein Musterbeispiel für die Strategien und Techniken seiner Zunft
Erstens und militärpolitisch übergreifend: Moltke statt Clausewitz
Weiß jemand einen amerikanischen Krieg seit 1945 anzugeben, der einer ideellen Feldzugstrategie gefolgt wäre, für deren Entwürfe Moltke berühmt geworden ist? Mir fallen nur Grenada und Panama ein. Über den Koreakrieg könnte man diskutieren, aber das will ich nicht tun. Also weiß wohl auch Piasecki, die amerikanischen Imperiumskriege folgten keiner ideellen Strategie, und nicht mal so recht der „trinitarischen Formel“ Clausewitzens, die ein Kriegsziel immerhin zum perspektivischen Horizont nimmt. Was fällt Piasecki also ein, dem Irankrieg ein Maß anzulegen, das er, wie Piasecki langatmig erklärt, erkennbar nicht hat?
Zweitens und strategisch übergreifend:
Wie bringt Piasecki es fertig, wie kommt er dazu, einen Artikel über den amerikanischen Irankrieg zu schreiben, in dem er das JCPOA mit keinem Wort erwähnt?
Merkt bitte auf, ich spreche nicht über analytisch gewonnene Strategieerklärungen, auf die @Fred oben angespielt hat, sondern die öffentlich vorgetragenen, offizielle und ideologisch geprägten Strategieelemente, über deren Besprechung sich auch Piasecki beschränkt.
Und da ist doch bitte im Minimum fest zu halten, daß die Ablehnung des JCPOA der offizielle gemeinsame Nenner der amerikanischen und israelischen Kriegführung ist?
Wie kam es denn zur Unterzeichnung des JCPOA gegen den erklärten Willen der israelischen Regierung und der seinerzeitigen demokratischen Präsidentschaftskandidatin Clinton?
Richtig. Obama stützte sich auf eine überparteiliche Fraktion gemäßigter bis radikaler Antizionisten in der US-Politik, und niemand hat sich seinerzeit getraut, ihn daran zu hindern. Warum nicht?
Nun, das weiß ich nicht wirklich, aber es bedarf auch keiner Erklärung, weil die Israel- und Iranpolitik Trumps in der auf Obama folgenden Administration dasselbe tat, nur anders herum, sie stützte sich auf eine überparteiliche zionistische Fraktion.
Schon diese Oberflächenerscheinungen und -entwicklungen sind ein völlig hinreichender – wenngleich nicht zureichender – Grund, den Irankrieg einen israelischenKrieg zu heißen: Die israelischen Kriegsgründe sind offenbar fix, die amerikanischen sind es nicht.
Doch davon will der Herr Professor auch nichts wissen.
Drittens und spezieller zu Kriegsgründen und -anlässen.
Wie kommt der Herr Piasecki dazu, erklärte Gründe und Ziele des vor fünf Monaten begonnenen israelisch-amerikanischen Krieges in seinem Artikel einfach zum Verschwinden zu bringen?
Regime-Change lautete die Parole!
Die seinerzeitigen offiziösen Mitteilungen darüber haben zugleich nicht den geringsten Zweifel an meinem Punkt zwei offen gelassen. Netanyahu habe Trump ein „Opportunitätsfenster“ vorgezeigt, hieß es, und das sei der Grund gewesen, warum Trump sich inmitten der Verhandlungsrunde von Genf zum Angriff habe „überreden“ oder „überzeugen“ lassen. Trump hat das in seiner gewohnt unpräzisen Art bestätigt.
Einem Professor hätte es gut angestanden, angesichts dieser Phänomenologie zu fragen, ob Trump sich überhaupt hat imstande sehen können, einen israelischen Alleingang gegen den Iran zuzulassen. Kein Wort davon.
Obama hat das seinerzeit riskiert, und ich wüßte einen Haufen Gründe und Motive anzugeben, die ihn bewogen haben, zum meinen, er könne sich das leisten, aber ich gedenke nicht, die Arbeit zu tun, die Piasecki verweigert hat, das ist nicht mein Thema.
Viertens: Piasecki gibt zwei Hinweise darauf, er weiß sehr wohl, Trump hat im Kriegsverlauf jede Initiative verloren:
Gleichwohl tut er im Rest des Artikels so, als habe die WH-Administration noch eine Initiative, die zwingende Voraussetzung ist, einen Krieg gemäß ideellen Strategiemaßstäben zu führen.
Ich gedenke nicht, abermals konkrete Hinweise darauf zu geben, daß die taktische amerikanische Initiative, nach dem Verlust der strategischen Initiative, welcher ihr die explizite israelische Weigerung, die Angriffe und Besetzung im Libanon einzustellen, zugefügt hat, auf CENTCOM und EUCOM, auf die Eigenmächtigkeit der Kommandeure der amerikanischen Expeditionstruppen übergegangen ist, denen die Pentagon – Führung nicht gut wehren kann, und dies offenkundig auch nicht will.
Unterm Summenstrich steht, daß Piasecki eine „Auftragsarbeit“ für den militärpolitischen Standpunkt der EU abgeliefert hat, obgleich er vermutlich weder einen Auftrag angenommen noch ein Honorar vereinbart hatte. Die EU andererseits erprobt die Einflußmacht, die ihr die Europäisierung der NATO unter NATOisierung der EU verschafft hat und läßt sich dazu ein „Fenster“ konkreter Einflußnahme offen, indem sie Israel aus dem Fokus ihrer Abstandnahme vom Irankrieg nahm und mit offen taktischer Rücksichtnahme von der Verurteilung des Krieges als „völkerrechtswidrig“ Abstand genommen hat.
https://www.reuters.com/world/middle-east/eu-nations-call-maximum-restraint-respect-international-law-iran-conflict-2026-03-01/
Und siehe da, der Begriff „Völkerrecht“ fehlt auch in Piaseckis Artikel. Was für ein Zufall.
Addendum
Ich wollte meinen Kommentar fokussieren und habe deshalb darauf verzichtet, wie ich auf die Idee komme, von „ideellen“ Strategien und insofern „ideellen“ Kriegen zu reden.
@“aufgepasst“ hat mir das oben teilweise abgenommen:
Wie schon der Nachsatz zeigt, ist es etwas ungeschickt, vom „Willen des Feindes“ zu sprechen, und im konkreten Fall nimmt „aufgepasst“ das ja glatt zurück: „USA und insbesondere Israel verlangen vom Iran die Aufgabe seiner Souveränität“
Da habters: Solch ein Verlangen ist genauso ideell, wenn nicht „noch ideeller“, als der abstrakte Begriff staatlicher Hoheit, „Souveränität“.
Ich halte es aber für angebracht, präzise und praktisch anzugeben, wie der Angriff auf die Souveränität des Iran in der aktuellen Phase beschaffen ist:
Die Übergriffe CENTCOMS und der Navy auf das Rahmenabkommen des MOU zur Bewirtschaftung der „Straße“, vermutlich ergänzt durch israelische False-Flag – Attacken, nehmen dem Iran prinzipiell die Freiheiten, in Zusammenarbeit mit China, Russland, Indien, Malaysia, Indonesien u.a. das Sanktionsregime des NATO-beherrschten Dollarraumes zu umgehen und zu unterlaufen. Das greift nicht allein eine abstrakte „Souveränität“, sondern die materielle Basis der Nationalität des Iran an, und das wissen die Generäle, die da ihr Werk verrichten, natürlich genau.
Das präzisiert zugleich meine etwas windige Begründung dafür, daß WH jede strategische Initiative abhanden gekommen ist. Sein Grund, das Schlachten fortzusetzen, schrumpft auf das Motiv zusammen, seine Souveränität wenigstens formell zu wahren.
Der „Wille des Feindes“ ist ein Abstraktum, richtig. Das ist das Generelle am Krieg: mit Gewalt einen Willen brechen, wo der anders nicht zu unterwerfen ist.
Beim Iran hat der Wille einen besonderen Inhalt. Da geht es nicht um einzelne Interessen, die dieser Staat auch aufgeben könnte aber als Staat erhalten bliebe, sondern um sein Ganzes „weiß warum“. Der Iran gäbe sich als der Staat auf, der er ist und sein will.
Das verpassen die Kritiker, wenn sie der Ansicht sind, der Iran müsse doch „nur“ einlenken. Es wäre nicht mehr der Iran, wenn er Israel anerkennen würde, seinen Anti-Amerikanismus aufgäbe, womöglich die Religion wie hierzulande zur privaten Angelegenheit macht usw..
Nicht alles, was als „Begriff“ daher kommt, entspricht einer Sache. Was Du hier apodiktisch zur nationalen Staatsraison – im Unterschied zu derjenigen der iranischen Theokratie – erklärst, ist ja im Iran durchaus massiv umstritten, so viel ist doch dran an der Regime-Change – Rationale.
Dabei geht es mir hier vor allem um die Scheidung zwischen „Krieg“ und „Scharmützel“. Jeder Militär mit Restverstand weiß seit etwa 40 Jahren – seit dem Ende der ersten Phase des ersten Golfkrieges – daß die Souveränität der iranischen Nation nicht zu brechen ist – nicht ohne Einsatz einer multinationalen Invasionsarmee von locker nahe 2 Mio Mann oder ersatzweise Nuklearschlägen.
Der Irankrieg ist ein vollgültiger Krieg, keine Frage, aber militärisch handelt es sich um eine generationenlange Folge von Scharmützeln – immer noch. „Kosten auferlegen“, heißt das im Imperialismus.
Das ist auch die praktische und theoretische Grundlage für Piaseckis unsägliche Zuarbeit zur Kriegspropaganda der EU. De facto macht er der laufenden Kriegsphase eine „Entscheidungsschlacht“ zum Maß, die es nicht geben kann, wie Piasecki sehr wohl weiß, und solch eine Entscheidungsschlacht wäre auch durch sage drei taktische Nuklearschläge Israels nicht zu ersetzen.
Wie es zu solch einer absurden Lage kommen kann, ist halt nicht leicht zu erklären, aber die Absurdität sollte schon herausgestellt sein, meine ich.
Addendum, da ich noch einen habe.
Vielleicht hat es jemanden irritiert, daß ich im Falle des Iran in Bezug zum Souveränitätsbegriff zwischen Nation und Staatswesen eine Differenz aufmache. Erklärung in Kurzform.
Im Übergang von ständischen und bürgerlichen Gesellschaftsverfassungen ist die Realabstraktion „Nation“ ein politisches Werk der Staatswesen, worin ich in diesem Zusammenhang die Untertanen einschließe. Aber politökonomisch ist eine Nation das Produkt des Weltmarktes im Falle, daß maßgebliche Teile davon bürgerlich-kapitalistisch „gestrickt“ sind.
Der Grund ist einfach die bürgerliche Gewerbefreiheit! Sie nimmt den Ständen die Entfaltung des Weltmarktes aus der Hand, die ja schon vorbürgerlich seit Jahrtausenden unterwegs gewesen ist, aber erst mit Gewerbefreiheit wird ein Weltmarkt zum Grund und Gegenstand von Territorialherrschaft, weil die Produktionsfaktoren des Kapitals territorial sind, sein Produkt hingegen ist es nicht.
Umgekehrt: Wenn Territorialherrschaften unter der Bedingung eines bürgerlich breit entfalteten Weltmarktes ihre Militärherrschaft einsetzen, ihr Territorium dem Weltmarkt prinzipiell und systematisch entziehen zu wollen, bringen sie es unmöglich zu einer Nation. Das trifft beispielsweise auf alle Golfmonarchien zu, auf die persische Theokratie, aber auch auf Nordkorea und selbst noch China. Auf etwas verwickeltere Weise gilt es auch für die Territorialherrschaft der regierenden Zionisten. Israel kann auch in dieser Hinsicht seine alte Rolle nicht abschütteln, die einst treffend „Kettenhund des amerikanischen Imperialismus“ geheißen worden ist: Es ist ein dank seiner nuklearen Bewaffnung souveränes Staatswesen, das eine Exklave der amerikanischen Nation bleiben muß, solange es zwei Drittel seiner Bevölkerung auf den Status von Metöken (statt Bürgern) herab setzt und seine Ökonomie dem territorialen Weltmarktsegment entzieht, dem es angehört, dem arabischen.
Just saying.
Dieser Kommentar hatte die KI-Eingriffsschwelle für die Moderation unterlaufen. Folgerichtig – so scheint es zumindest – wurde das für mein „Addendum“ unterbunden, das nominell noch weniger strittig ist, weil da nicht von „Israel“ die Rede ist, sondern vom Begriff der Souveränität.
Klares Indiz- um nicht von epistemischem Beweis, im Unterschied zum juristischen zu reden – daß hier ein sehr willkürliches Z-Regime am Werke ist.
Dann käst euch doch mal bitte aus, dL und R, und entscheidet endlich darüber, mich zu sperren – oder diese Spielchen zu lassen.
Na das ist mal wieder eine echte Perle von einem Autor mit offensichtlicher Expertise über die Wirren der internationalen Politik – oder doch nicht?! Erstaunlich, was ein Jugendmedienschützer, Mitarbeiter in der internationalen Computerspieleindustrie, Case-Manager in der Sozialverwaltung und Professor für Soziale Arbeit alles über einen aktuellen Krieg zu berichten weiß, über den belastbare Informationen über Akteure, Interessen, Strategien, Ziele usw. völlig fehlen, weil alle Beteiligten versuchen, Nebelkerzen zu zünden. Für Wissenschaftler wäre das oberste Gebot Demut vor der Wahrheit … aber wozu noch solche Bescheidenheit, wenn es auch ohne für eine gewisse Aufmerksamkeit reicht?!
„Nachdem die ursprünglichen Ziele weitgehend abgearbeitet sind, fehlt Washington ein neues erreichbares Ziel.“
Welche Ziele waren das wohl? Ich glaube, da ist gar nichts wesentliches erreicht worden.
„Die Vereinbarung war weniger ein Friedensvertrag als eine Notbremse. Sie sollte die Straße von Hormus wieder für die internationale Schifffahrt öffnen und beiden Seiten Zeit verschaffen, um aus einer militärischen Konfrontation auszusteigen, …“
Bereits bei der Unterzeichnung war bekannt, dass das MoU einem Eingeständnis der Niederlage gleichkam. Als Grund wurden die schwindenden Vorräte der amerikanischen Erdölreserven angegeben. Diese wurden für die Erzeugung von Diesel und Flugbenzin gebraucht und dazu, den Preis an der Zapfsäule zu stabilisieren. Angeblich brauchen die USA 6 Mio. Barrel Schweröl am Tag, um diese Brennstoff zu erstellen.
„Nicht Iran oder Israel, sondern Washington wirke inzwischen wie der Akteur, der Schwierigkeiten hat zu erklären, worauf dieser Krieg eigentlich noch hinauslaufen soll.“
Das ist kein Wunder, denn Mr. Trump war ja nicht der Urheber des Krieges, sondern wurde von Netanjahu dort hinein gelotst.
„Umso erstaunlicher erscheint aus dieser Perspektive, wie schnell Washington selbst begann, den mühsam ausgehandelten Kompromiss wieder auszuhöhlen. “
Für Washington war das MoU nur ein Mittel, um die Erdölvorräte wieder aufzufüllen. Als die Iraner dies sabotierten, ging der Krieg gleich weiter.
„Ob diese Entwicklung auf technische Unterstützung Russlands oder Chinas zurückzuführen ist oder auf eigene iranische Fortschritte, bleibt offen. Entscheidend ist vielmehr der strategische Befund: Die amerikanischen Stützpunkte sind seit Jahrzehnten bekannt. Sie lassen sich weder verbergen noch kurzfristig verlegen.“
Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, dass die Iraner auf chinesisches global Positioning umgestiegen sind. BAIDOU heißt das, glaube ich.
Vor ein paar Tagen sah ich einen Bericht von A. Martyanov zu dem Thema, wie verberge ich meine Stützpunkte und Truppenansammlungen. Es sah für mich so aus, als würden die amerikanischen Stützpunkte weder versteckt noch verbunkert sein. In der Luftaufnahme eines Golfstützpunktes stehen die Kriegsgeräte quadratkilometerweise offen auf dem Präsentierteller konzentriert im Wüstensand. Wenn das so stimmen sollte, ist das der größte logistische Schwachsinn.
„Der Krieg seit Februar, so der Präsident, sei mit nichts vergleichbar, der Iran zerstört, Streitkräfte, Marine und Luftwaffe vernichtet, das Land habe nichts mehr.“
Welche dieser drei Waffengattungen bestehen denn überhaupt als ernstzunehmende Waffengattung und welche war wirklich im Krieg eingesetzt? Soweit mir bekannt, führen die Iraner den Krieg mit Fernwaffen – Raketen, Cruise Missles und Drohnen – und die sind noch alle da. Und auch die Streitkräfte sind noch da.
Ich glaube, das der Versuch des Autors, unsere Medienwelt oder die Internetverlautbarungen von Mr. Trump mit der Realität zu konfrontieren, scheitern muss. Unser Medienwelt produziert Propaganda und Mr. Trump behauptet, was er gerade für zweckmässig hält.
Artur_C plappert das Mossad-Wunschdenken nach:
— Der kurdische Aufstand: Die Kurden sollten sich selber umbringen für Israel. Für wie blöd hält der Mossad die Kurden?
— Ahmadinedschad war nicht nur ein Gerücht, wie Artur denkt, sondern völlig ernstgemeint (*). Das war sogar Trump zu blöd, aber der Mossad hat seine Ahmadinedschad-Aktion durchgezogen. Mit diesem Antisemiten wollte der Mossad das iranische Volk „befreien“.
Das bedeutet: Der einst so kluge Mossad ist völlig irre geworden!
Nirgendwo ist der „Niedergang des Westens“, seine moralische und intellektuelle Degenerierung, besser zu sehen als am ‚failed state‘ Israel. Wenn sich schon ein kleinerer, aber prominenter Teil des Judentums in eine solche, verrottete Sackgasse verirrt hat und alleine nicht mehr herausfinden kann, wie geht es dann dem Rest „des Westens“?
Ein Gorbatschow des Westens ist nicht in Sicht. Der weitere Niedergang wird fürchterlich und barbarisch sein.
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(*) Guck hier: Da stehts, so blöd ist der Mossad zufolge der Recherchen von Haaretz und der New York Times. In geballter Kürze nachzulesen: BIP-Aktuell #404 –
https://bip-jetzt.de/2026/07/27/bip-aktuell-404-israels-plan-fuer-einen-regimewechsel-im-iran/